Was der Großvater noch zu erzählen wußte



Wer kennt nicht die Märchen der Brüder Grimm, die beide vor vielen Jahren gesammelt und aufgeschrieben haben? Einige sind sehr bekannt. Aber es gibt noch viele andere Märchen, die mittlerweile fast vergessen sind. Einige dieser Märchen erzählt hier ein Großvater mit einer warmherzigen Stimme und mit musikalischer Untermalung. Es sind Geschichten und Legenden aus der guten alten Zeit, für Kinder ab sechs Jahren und Erwachsene ohne Altersbegrenzung. Alle neun Märchen stammen aus dem französischen und deutschsprachigen Raum. Der Großvater gibt sie in freier Version wieder, beginnend mit dem Zauberfaden, der in einer kleinen verzauberten Dose steckt. Das Märchen beginnt wie fast alle Märchen: „Es war einmal“, nämlich eine Witwe, die hatte einen Sohn, mit Namen Hans. Sie wohnten in einem hübschen kleinen Dorf in Frankreich in einem putzigen Häuschen. Hans war ein ungeduldiger Junge und konnte es gar nicht erwarten, bis er groß war. Wenn es Winter war, dachte er, wenn es doch erst nur wieder Sommer wäre, und im Sommer wünschte er sich den Herbst herbei. Nie war er zufrieden. Einmal als er an einem schönen Sommertag schläfrig auf einer Lichtung am Wald saß, begegnete ihm ein alter Mann mit einem freundlichen Gesicht, der ihm ein silbernes Bällchen schenkte, aus dem ein goldenes Fädchen heraushing. Wenn Hans wolle, sagte der freundliche alte Mann, dass die Zeit schneller vergeht, dann solle er an dem Faden ziehen, und flugs sei eine ganze Stunde und mehr vorbei. Da Hans im Laufe seines Lebens sehr oft an dem Fädchen zog, damit die langweiligen Stunden und später die Durstrecken, die das Leben nun einmal für jeden bereithält, schnell vorübergingen, ging auch sein Leben im Sauseschritt voran, und ehe er sich’s versah, war er alt, grau und gebrechlich. Nur gut, dass auch dieses Mädchen wie die meisten am Ende dann doch gut ausgeht.

Die nächste Geschichte beginnt mit Vogelgezwitscher und erzählt, wie der Distelfink sein buntes Federkleid bekam. Ein Märchen handelt von einer Wette zwischen Sonne und Wind, ein anderes vom Streit der Werkzeuge und ein weiteres von einem Bauern, der sich in geheimnisvolle Reden ergeht und keine Furcht vor dem König hat, weil er diesem an Schlauheit ebenbürtig ist. Zwischendurch erscheint die kleine Anna und gibt dem Großvater Rätsel auf, wie etwa das vom klebrigsten Vogel. Ein anderes Mal fragt sie ihn, wann es am gefährlichsten sei, in den Wald zu gehen. (Ursula Homann)

Titel: Was der Großvater noch zu erzählen wußte
Autor: Josef-Stefan Kindler
Verlag: K&K Verlagsanstalt

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