Es wird alles anders werden
Erstellt am: November 12th, 2007Valerie Wilson Wesley, die Erfinderin der sympathischen farbigen Privatdetektivin Tamara Hayle, hat ihre bisherige Heldin vorerst in Pension geschickt, und sich diesmal Eheproblemen unter Schwarzen zugewandt, die, wie man sich denken kann, sich von denen der Weißen in nichts unterscheiden.
“Das Unheil”, damit beginnt der Roman, “brach in einer Freitag nacht im Juni herein, eine Woche nach dem zehnten Hochzeitstag der Hutchinsons.” Es war ein heißer Tag gewesen, und in der Nacht hatte es sich auch nicht abgekühlt. Eva und ihr Mann Hutch waren sich wie üblich auf die Nerven gegangen. Da überraschte Hutch seine Frau mit der Mitteilung, er müsse weg von hier. Er sei nicht mehr glücklich. “Es herrscht keine Freude zwischen uns”, erklärt er ihr kurz und bündig. Eva – sie ist die zweite Frau von Hutch – fällt aus allen Wolken und macht ihrem Mann eine veritable Szene. Aber nichts hilft. Hutch zieht aus, und Eva bleibt weinend und unglücklich zurück. Erst viel später gewinnt sie dem Alleinsein vorübergehend auch positive Seiten ab.
Nach und nach erhält der Leser Einblick in eine verwickelte Familiengeschichte. Wir erfahren von Hutchs strengem Vater, von Evas verstorbener Mutter Louisa, mit der sich Eva vorübergehend überworfen hatte, als sie als Unverheiratete ihre Tochter Charley gebar, von ihrem Stiefsohn Steven, der aus Hutchs erster Ehe mit Irene stammt, und ihrem toten Baby aus ihrer Ehe mit Hutch.
Hutch sucht und findet zunächst Zuflucht bei seinem Freund Donald Mason und seiner Frau Raye. Donald ist ein notorisch untreuer Ehemann und wundert sich, dass einem ehrenwerten Mann Hutch so etwas wie Eheüberdruss widerfahren ist. Er rät ihm zur Scheidung. Aber davon will Hutch nichts wissen. Es kommt dann zu allerlei Missverständnissen, Verwicklungen, Verwirrungen und Turbulenzen zwischen einzelnen Eheleuten, Freunden und Kindern. Man geht kurzfristig Beziehungen ein, die über manche innere Ödnis und Betrübnis hinweghelfen. Natürlich spielen Gefühle wie Wut, Zorn, Verzagtheit, Niedergeschlagenheit, Schuldgefühle und auch Vorurteile eine Rolle. Eva und Hutch versuchen, sich wieder einander zuzuwenden, aber das ist leichter gedacht als getan, Eifersucht und ähnliche, oft einander widerstreitende Emotionen spielen ihnen häufig einen Streich, und es dauert dann noch eine ganze Weile, nachdem jeder für sich seine Lektion gelernt hat, ehe sie sich die zerstrittenen Eheleute endgültig versöhnen und Hutch zu Eva zurückkommt.
Valerie Wilson Wesley ist ein großartiger Roman gelungen mit witzigen Dialogen, feiner Ironie und glaubwürdigen Personen. (Ursula Homann)
Titel: Es wird alles anders werden
Autor: Valerie Wesley Wilson
Verlag: Diogenes
Seiten: 421
ISBN: 3257062907
Ein Engel für Emily
Erstellt am: November 12th, 2007Wann hat man schonmal die Chance eine Liebesgeschichte mit Engeln, Geistern und einem himmlischen Auftrag zu lesen? So gut wie nie, also sollte man dieses Buch keinesfalls verpassen, weil es um genau diese Dinge geht.
Emily Jane Todd ist Bibliothekarin in der kleinen Stadt Greenbriar. Das einzig Aufregende in ihrem Leben ist ihr Verlobter Donald der als Nachrichtensprecher in der Stadt arbeitet und sie immer nur am Wochenende besuchen kommt. Aber jetzt hat er sie mal wieder versetzt und Emily ist allein auf dem Weg in ein romantisches Wochenende, das ohne Begleitung bestimmt nicht mehr romantisch sein wird. Da steht plötzlich ein Mann auf der Straße und da sie viel zu schnell ist, überfährt Emily ihn. Erstaunlicherweise scheint er nicht verletzt zu sein, als sie ihn im Wald findet. Als er aber plötzlich anfängt zu erzählen er wäre ihr Schutzengel, nun das kann Emily ihm wirklich nicht glauben.
Sie nimmt ihn mit und findet bald heraus, daß sein Name Michael Chamberlain ist. Davon abgesehen das er behauptet ihr Schutzengel zu sein, scheint er sein Gedächtnis verloren zu haben. Dann aber sieht Emily im Fernsehen, daß er ein gesuchter Killer ist, der angeblich tot sein soll. Sie weiß nicht was sie von der ganzen Geschichte halten soll. Eins weiß sie mit Sicherheit, Michael ist nicht fähig jemanden umzubringen.
Also fliehen sie vor dem FBI, Michaels wütender Frau und der Mafia. Auch wenn er anscheinend ein paar “Zaubertricks” beherrscht, so kauft Emily ihm doch nicht ab das er auf die Erde geschickt wurde, um sie zu beschützen und das er nach der Erfüllung dieser Aufgabe wieder in den Himmel zurückkehren wird.
Bald stellt sich heraus das Donald doch nicht so sehr in seine Verlobte verliebt ist, wie es den Anschein hat. Außerdem versucht Emily herauszufinden warum man Michael verfolgt, aber da wird sie auf einmal selbst beinahe Opfer eines Bombenanschlags. Michael ist sich sicher er muß nur herausfinden wer Emily etwas böses will und sie davor beschützen, damit er wieder in den Himmel zurückkehren kann. Aber er hat nicht all die Jahre auf sie aufgepaßt, ohne sich in sie zu verlieben. Und auch Emily kann sich bald ein Leben ohne den Engel an ihrer Seite nicht mehr vorstellen.
Was hat der Himmel wirklich mit ihnen vor?
Eine bezaubernde Geschichte über die Hierachie im Himmel, die Liebe auf der Erde und zwei Geschöpfe die sämtliche Regeln brechen, sofern es welche gibt. Jude Deveraux garantiert immer noch mit
Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke und Moments
Titel: Ein Engel für Emily
Autor: Jude Deveraux
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 290
ISBN: 3404146611
Königinnen
Erstellt am: November 12th, 2007Wer glaubt, bei Elke Naters “Königinnen” handle es sich um bekannte lebende oder historische Persönlichkeiten wie etwa Maria Stuart und Elisabeth, die Königin von England, oder gar um Prinzessin Diana, der ist auf dem Holzweg. Nein, die Königinnen, von denen hier die Rede, sind zwei junge Frauen um die dreißig, die im heutigen Berlin leben und abwechselnd von ihren Kümmernissen und kleinen Sorgen erzählen, von dem Verdruss, den sie mit ihrem Friseur und ihrer Frisur haben, ganz zu schweigen von den Ärgernissen, die ihnen die jungen Männer, die Familie und andere bereiten. Königinnen sind Maria und Gloria nur im KaDeWe, wo sie mit ihrer goldenen Kundenkarte einkaufen können, “egal, wie viel Geld sie auf ihrem Konto” haben. Wenn sie traurig sind und kein Geld haben, lädt eine die andere dort zu einem Einkaufsbummel ein. Sie gehen dann in die Parfümerieabteilung, probieren alle möglichen Lippenstifte und Cremes aus und versuchen auf diese Weise, mit den eigenen miesen Stimmungen fertig zu werden.
In einem schnoddrigen Stil erzählt Elke Naters, die seit einiger Zeit ebenfalls in Berlin wohnt, vom Großstadtleben und Alltag dieser beiden Frauen. Die eine, Gloria, hat Mann und Kind und ist wieder schwanger, die zweite, Marie, dagegen hat den Richtigen immer noch nicht gefunden und beneidet ein wenig ihre Freundin. Diese aber sieht sich mitunter genervt von Verwandten und dem häuslichen Einerlei und ist daher auch nicht immer ganz glücklich.
Beide pendeln im Großstadtdschungel hin und her, zwischen Kneipenbesuchen und Langeweile, vertreiben sich die Zeit mit allerlei Lappalien und Banalitäten und fühlen sich mitunter vom Leben erschöpft oder angewidert. Hin und wieder streiten sie auch miteinander, um am Ende festzustellen – Marie spricht es aus -, dass doch im Grunde jede in der anderen “eine großartige Freundin” hat, ohne die es keine von ihnen “in dieser verrotteten Stadt” überhaupt aushalten könnte. (Ursula Homann)
Titel: Königinnen
Autor: Elke Naters
Verlag: dtv
Seiten: 151
ISBN: 3423127945
Das Blütenstaubzimmer
Erstellt am: November 12th, 2007Das Buch erzählt die Geschichte von Jo, einer jungen Frau, die in ein nicht näher bezeichnetes südeuropäisches Land reist, um dort ihre Mutter wiederzusehen, die sich vor zwölf Jahren dort mit Alois, ihrem zweiten Mann niedergelassen hat. Jo hat gerade das Abitur gemacht und bisher bei ihrem Vater, einem erfolglosen Kinderbuchautor, gelebt.
Ihre Annährung an Lucy, die Mutter, gestaltet sich schwierig, denn Lucy hat genug damit zu tun, ihr eigenes Leben einigermaßen in den Griff zu bekommen. Als Alois bei einem Unfall unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, schottet sie sich zunächst in dessen verwaistem Atelier völlig ab, taucht diesen Raum mit Hilfe von ungezählten Blumen in eine Wolke von Pollen und verwandelt ihn so in ein Blütenstaubzimmer.
Jo gelingt es, ihre Muter aus diesem Zimmer und ihrer selbstgewählten Isolation zurück zu holen, doch ansonsten ändert sich an dem sehr distanzierten Verhältnis der beiden Frauen nichts.
Frustriert kehrt Jo schließlich nach Deutschland zu ihrem Vater zurück, doch auch hier muss sie erkennen, dass sie ein Störfaktor ist, der die Idylle, die der Vater mit seiner neuen Partnerin Anna aufbaut, belastet. So bleibt ihr am Ende nichts anderes übrig, als sich eine Wohnung zu suchen und sich auf eigene Füße zu stellen.
Zoe Jenny versteht es, mit wenigen Worten plastisch zu erzählen. Der Roman ist knapp und dicht geschrieben und der Autorin gelingen einige eindringliche Bilde und sehr schöne Metaphern. Was die sprachliche Qualität angeht, gibt es an dem kleinen Buch nichts auszusetzen.
Was mich stört, sind eher inhaltliche Aspekte. Ich mag keine Geschichten, in denen fast ausschließlich psychisch kaputte Typen vorkommen.
Lucy, die Mutter, ist, um es einmal salopp zu formulieren, völlig plemplem, Alois, ihr Mann hat vermutlich Selbstmord begangen, Jo, die Hauptakteurin, ist zumindest leicht neurotisch, ihre neue Freundin Rea massiv beziehungsgestört und Jos Vater, sowie die übrigen Randfiguren verhalten sich auch mehr oder weniger merkwürdig. Solche Romane ziehen mich runter – und sie entsprechen (zum Glück!) auch nicht ganz der Realität. Zwar laufen uns im wirklichen Leben tatsächlich ziemlich viele verkorkste Leute über den Weg, aber erfreulicherweise gibt es doch auch noch genügend Menschen, die zumindest halbwegs normal sind und denen das Leben Freud macht. Daher kann ich dem Roman trotz seiner unbestrittenen sprachlichen Qualität nur eine mittelmäßige Bewertung zukommen lassen.
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.
Titel: Das Blütenstaubzimmer
Autor: Zoe Jenny
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 121
ISBN: 3442723833
Klopf nicht an diese Wand
Erstellt am: November 8th, 2007“Es gibt nichts mehr, was ich für dich tun könnte oder womit ich dir Freude machen könnte. Ich liege mit einem anderen, aber dich liebe ich. Ich bin geflohen und lasse dir die Weiten der Freiheit. Tu alles, was du willst, aber klopf nicht an diese Wand, das macht Lärm, wir werden uns zuwinken, das wird das Zeichen zwischen uns sein.” Diese Worte, die vor vielen hundert Jahren eine Frau an ihren Geliebten schrieb und die über dem Eingang zu einer im heutigen Israel gelegenen Grabhöhle aus dem dritten Jahrhundert stehen, richtete auch Alma schriftlich an Amnon, einen Buchhändler in Jerusalem, den sie liebte, obwohl sie längst mit Elischa Malkin verheiratet war. Als die Erzählung einsetzt, ist Alma schon elf Jahre tot – sie starb bei der Geburt der Tochter Heda – und jedes Jahr bittet der Vorbeter der Chewra kaddischa, sie möge in Frieden ruhen, ohne zu ahnen, dass zwei Menschen ihre Ruhe stören. Elischa, von dem man sagt, seine Liebe sei so stark wie der Tod, und die fünfundzwanzigjährige Ich-Erzählerin Jiska Simon, genannt Ossi. Sie liebt Elischa und möchte ihn aus dem Bann seiner toten Frau befreien. Sie sucht die Menschen auf, die Alma gekannt haben, so die Hebamme und den Arzt Dr.Schejnfeld in Jerusalem, die beide bei Hedas Geburt und Almas Tod zugegen waren. Dr. Schejnfeld wird bald darauf Ossis Geliebter.
Beheimatet sind Elischa, Ossi und viele andere Personen, die in dieser Geschichte vorkommen, in der streng religiösen landwirtschaftlichen Siedlung Moschaw im Norden Israels, wo man nach strengen Regeln lebt. Ossis Ehelosigkeit ist ein großer Stachel für ihre Eltern, da es dem Ruf der Familie schadet, wenn religiöse Mädchen aus guten Familien lange unverheiratet bleiben. Ossis ehemalige Schulfreundinnen sind schon alle verheiratet und bringen, wie alle Frauen in dieser frommen Siedlung, Jahr für Jahr ein Kind auf die Welt. Ossi aber will Karriere machen “auf dem Gebiet der Freiheit”, wie sie sagt. Ihr fehlt viel Luft im Heimatdorf, und so macht sie sich immer wieder auf den Weg nach Jerusalem.
Doch da ist noch Heda, der man alle vier Wochen sämtliche Haare abschneidet, weil ihre Mutter geglaubt hatte, ihre eigenen langen Haare seien schuld an ihrem traurigen Schicksal. Aber je älter Heda wird, desto mehr leidet sie darunter. Schließlich begehrt sie auf.
Wie beide, Ossi und Heda, ihren eigenen individuellen Weg finden, erzählt Mira Magén in einer bilderreichen Sprache, spannend, facettenreich, mit einer großen Meisterschaft. Den Namen der Autorin wird man sich nicht nur in Israel merken müssen. (Ursula Homann)
Titel: Klopf nicht an diese Wand
Autor: Mira Magén
Verlag: dtv
Seiten: 331
ISBN: 342324250
Der Fechtmeister
Erstellt am: November 8th, 2007“Wir schreiben das Jahr 1868 im Madrid der Königin Isabella. Eine geheimnisvolle Frau bedrängt den alten Fechtmeister Jaime Astarloa. Die schöne Unbekannte trägt die feinsten Kleider, aber ihr Handgelenk ist stark. Was will sie bei ihm lernen? Woher weiß sie, dass er einen beinahe unparierbaren Stoß beherrscht, einen tödlichen Stoß? Warum will sie ihm dieses Wissen unbedingt entreißen?
Die Welt des Fechtens und der noblen Gesinnung, das ist die Welt des Don Jaime, eine Welt, in der Auge in Auge gekämpft wurde, Mann gegen Mann, aber die Zeiten haben sich geändert. Wo mit Pistolen geschossen wird, ist ein Fechtlehrer überflüssig. Doch als sich Don Jaime, der sich in der Rolle eines bedächtigen, über den Dingen stehenden Zuschauers eingerichtet hat, in eine mörderische Intrige verwickelt wird, muss er in einem Kampf auf Leben und Tod noch einmal zeigen, dass er ein Mann ist, und lernen, dass er zu hochmütig war.”
Ein äußerst spannender Thriller, eine Geschichte um Macht und Rache. Politische Entscheidungen, die geprägt sind vom Ende einer europäischen Epoche. Durch das Erscheinen Adela de Oteros, die Don Jaime bedrängt, ihr sein Geheimnis, einen nicht parierbaren tödlichen Fechtstoß zu verraten, wird für ihn alles noch mal, zum letzten Mal, ganz anders. Plötzlich steht er inmitten einer Intrige, die eine ganze Nation in ihren Grundfesten zu erschüttern droht. Was ist es wirklich, das ihn dazu drängt, sein letztes Gefecht auszutragen? Seine Verliebtheit in Adela oder der Versuch so zu sterben wie er gelebt hat, ehrenvoll und ritterlich?
Auch drängen sich dem Leser vor dem historischen Kontext des Romans andere Fragen auf: Warum ist es ausgerechnet eine Frau, die zu Don Jaime kommt um seine eher altertümliche Kunst zu erlernen? Warum überhaupt diese Art der Kampfkunst? Pérez-Reverte verlangt von seinem Leser Grundkenntnisse der Epoche, erklärt jedoch genug, um zu verhindern, dass man auf dem Weg verloren geht; das gilt für den historischen Hintergrund ebenso wie für das Fechten.
Ein gelungener Krimi, zu keiner Zeit langweilig, auch wenn man sich manchmal wünscht, das die Bilder nicht ganz so detailliert gemalt werden. “Der Fechtmeister” protzt nicht mit vordergründiger Spannung und Action. Er vermittelt sofort ein solches Einverständnis mit den Ideen und Handlungen des Protagonisten, das man auf jeden Fall mit ihm zusammen erfahren möchte, was faul ist in der Stadt Madrid und mit ihren Mächtigen.
Kritik geschrieben von Dorothee Buettgen, Herausgeberin von “Bookworm’s Lair”
Titel: Der Fechtmeister
Autor: Arturo Pérez-Reverte
Verlag: Weitbrecht Verlag
Seiten: 282
ISBN: 3442723221
Anleitung zum Unschuldigsein
Erstellt am: November 8th, 2007Bei allem Ärger und Aufwand, der aus dem hier zu Lande herrschenden Wahn akkurater Mülltrennung resultiert: Die strikte Unterteilung in Glas-, Papier-, Bio- und sonstigen Abfall hat auch durchaus positive Aspekte, findet jedenfalls Florian Illies, der ausländische Gäste gern durch sein kunterbuntes Sammelsurium bunter Tonnen in der heimischen Küche beeindruckt.
Wesentlich schwerer fällt es ihm da schon, freien Tagen etwas Erfreuliches abzugewinnen, die mit dem lang ersehnten Ausschlafen eingeläutet werden sollen – und mit schöner Regelmäßigkeit von unruhigen Geistern wie Handwerkern oder Müllmännern vereitelt werden.
Auch pakistanische Rosenverkäufer und alte Klassenkameraden bieten optimale Gelegenheiten, das eigene schlechte Gewissen zu begrüßen. Erstere können eben nicht einfach ignoriert werden, weil sie Ausländer sind und man schließlich political correct sein will. Und Begegnungen mit Letzteren sind für manches von Selbstzweifeln dominiertes Fiasko prädestiniert, wenn man sich ihrer Namen nicht mehr erinnert, sie aber sofort wissen, wen sie vor sich haben.
Während obige Wurzeln für Schuldgefühle nach Umschreibungen und Erklärungen verlangen, kommen hingegen einige Lektionen des Buches mit der bloßen Nennung des Titels aus: ‘Heute gehe ich rauchend bei Rot über eine Ampel, an der drei Mütter mit ihren Kindern warten’ oder ‘Heute lasse ich mir von einem Schuhputzer auf der Straße vor aller Augen minutenlang die Schuhe putzen’.
“Anleitung zum Unschuldigsein” ist eine wahre Fundgrube für alltägliche Dinge, die man machen sollte und müsste – aber auch lassen kann. Wem das nicht aus eigenem Antrieb gelingt, dem seien die praktischen Übungen (beispielsweise: “Heute sagen wir Bernd, der die FDP gewählt hat, dass er auch wie ein FDP-Wähler aussieht!”) am Ende jeden Kapitels empfohlen. Florian Illies’ “Generation Golf”-Nachfolger, vom Verlag im Klappentext als “Problemzonengymnastik für den Kopf” tituliert, strotzt nur so vor gut beobachteten Verhaltensmustern, Moralisierungen und kleinen oder größeren Gemeinheiten, die entweder Schuldgefühle provozieren – oder aber die fatale Einsicht, völlig skrupellos zu sein. Unentschlossene finden möglicherweise im Stichwortregister (von A wie Abfallwirtschaftsproseminar bis Z wie 2. Klasse) wenigstens einen guten Grund für ein schlechtes Gewissen.
Florian Illies wurde 1971 geboren und arbeitet als Feuilleton-Redakteur für die FAZ in Berlin. Im Jahre 2000 gelang ihm mit seiner amüsant-melancholischen Retrospektive “Generation Golf” auf Anhieb der Sprung in die Bestsellerlisten. (Ensa Maurer)
Titel: Anleitung zum Unschuldigsein
Autor: Florian Illies
Verlag: Argon Verlag
Seiten: 252
ISBN: 3870245441
Yeti
Erstellt am: November 8th, 2007Iona, ein von ihren reichen Eltern vernachlässigtes Mädchen, wird von Alpträumen geplagt. Menschenaffenartige Monster machen ihre Träume unsicher und versetzten sie immer wieder in Panik. Zuneigung bekommt sie hauptsächlich von Bediensteten und einigen, wenigen Verwandten. Als ihre Eltern vor der Scheidung stehen, schicken sie Iona mit ihrem Onkel auf eine Expedition um ihr den Presserummel zu ersparen.
Dieser Onkel ist Biologe und reist in die Berge Nepals um nach einer seltenen Primel zu suchen. In Nepal schlagen sie für einige Zeit mit ihren Scherpas und Träger ein Lager auf einem Plateau auf, um sich langsam zu akklimatisieren und an die Höhe zu gewöhnen. Eines Nachts schreckt Iona in Panik aus einem ihrer Alpträume auf und flieht in einen starken Schneesturm hinaus. Schnell verliert sie die Orientierung und stürzt über den Rand des Plateaus tief in ein Tal hinunter in einen Fluss.
Sie wird bald, wie durch ein Wunder unverletzt, an das Ufer gespült. Als sie erwacht, sieht sie sich einem Wesen gegenüber, dass den Monstern aus ihren Alpträumen gleicht. Sie wir von ihm kurz entschlossen in sein Dorf gebracht, nachdem er gemerkt hat, dass sie noch lebt. Nach dem anfänglichen Schrecken, gewöhnt sie sich langsam an die fremde, primitive Umgebung. Sie lernt sogar ziemlich schnell ihre Sprache und erfährt so, dass es sich um Yetis handelt. Sie erfährt auch von den großen Problemen, denen die Yetis gerade gegenüberstehen. Neben dem Dorf in dem sie sich aufhält, und deren Bewohner sich durch das Sammeln von Samen, Wurzeln und Früchten ernähren, gibt es noch einen Stamm in den Bergen, der aus Jägern besteht. Doch in den Bergen ist das Wild verschwunden und der Bergstamm steht vor einer Hungersnot und bittet die Talbewohner um Hilfe. Im Tal gibt es aber auch nicht genug Nahrung für beide Stämme. Der uralte Weise der Yetis erklärt, dass Iona eine wichtige Änderung zum Positiven oder Negativen bringen wird, und so wird sie in das Leben der Yetis hineingezogen.
Ein moderner, gelungener Abenteuerroman mit einer spannenden Geschichte und einer sympathischen Heldin rund um als eine Art Steinzeitmenschen dargestellten Yetigesellschaft. Manches griff der Autor zwar ein bisschen tief in Kitschkiste, so zum Beispiel beim Hauptcharakter der Yetis, der dann ausgerechnet einen Schneeleoparden als Haustier haben muss. Da aber ohnehin der gesamte Hintergrund weit abseits jeder Realität ist, spielt das auch keine große Rolle mehr. Das Ganze erinnert etwas an einen weiblichen Mogli (Dschungelbuch) mit einem kräftigen Schuss Fantasy. Wer sich aber daran nicht stört, bekommt ein gutes Stück Unterhaltung zum Lesen, das sich auch hervorragend als Lektüre für Jugendliche um die Zwölf herum eignen sollte.
Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at
Titel: Yeti
Autor: Nicholas Luard
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 530
ISBN: 340414418X
So fern wie ein Traum
Erstellt am: November 8th, 2007Laura Templeton hat es schwer getroffen, dass ihre Ehe in die Brüche ging. Jetzt ist sie eine alleinerziehende Mutter mit zwei kleinen Mädchen, von denen eins einfach nicht begreifen will, warum ihr Vater sich nicht für sie interessiert. Laura will den Kindern nicht sagen, das ihr Vater auch noch das ganze Geld hat mitgehen lassen. So arbeitet sie tagsüber im Templeton Hotel, welches zwar der Familie gehört, aber sie möchte auf eigenen Beinen stehen und später dann am Nachmittag hilft sie in Laden aus, der ihr und ihren Freundinnen gehört. Und zwischen all den Verpflichtungen versucht sie eine gute Mutter zu sein und den Haushalt am laufen zu halten.
Da fragt sie ihr Bruder Josh, ob sein Freund Michael Fury seine Pferde in ihrem Stall unterstellen kann, bei einem Erdrutsch wurde sein Anwesen zerstört. Laura kennt Michael noch aus früheren Zeiten und da sie das Geld dringend gebrauchen kann, sagt sie zu.
Michael und Laura treffen immer öfters aufeinander. In den letzten Monaten hat sie nur für ihre Familie gelebt, da wird Laura bewusst, dass sie sich auch wieder als Frau fühlen will. Und Michael scheint nicht nur die Mädchen zu mögen, sondern auch ihre Mutter. Aber ist das genug für eine längerfristige Beziehung?
Er ist ein Mann der von einem Ort zu anderen reiste, kann er wirklich sesshaft werden?
Ein faszinierender Schluss dieser einfühlsamen Trilogie. Nora Roberts kann Gefühle wunderbar in Worte fassen. Ihre Beschreibungen wirken lebhaft und fesseln den Leser mit jeder Seite mehr. Man wünscht, die Geschichte würde nie zu ende gehen.
Kritik geschrieben von IW, Herausgeberin von “Die romantische Bücherecke” (www.die-buecherecke.de)
Titel: So fern wie ein Traum
Autor: Nora Robberts
Verlag: Goldmann / Blanvalet
Seiten: 444
ISBN: 3442352800
Penny Maybe
Erstellt am: November 8th, 2007Penny ist arm dran. Das beginnt schon mit dem Namen. Er kommt nicht von der geheimnisvollen Penelope, sondern schlicht und einfach von Penny, der Münze. Eines Tages fasst sie den Plan, den Ontariosee zu durchschwimmen, um den “Fußtritten des Lebens”, denen sie immer wieder ausgesetzt ist, etwas Großartiges entgegenzusetzen. Es ist nicht das erste große Abenteuer, das Penny plant. Als sie mit sieben Jahren ihre Eltern durch einen Autounfall verlor, oder um in der schnoddrigen Sprache von Penny zu bleiben, als sich ihre Eltern “verkrümelten”, bei denen sie ohnehin das Gefühl gehabt hatte, von ihnen nicht richtig geliebt zu werden, wollte sie fliegen lernen. Aber als sie bei ihrem Sprung aus dem Schlafzimmer sich einen ihrer dünnen Kinderarme brach, gab sie diesen Vorsatz wieder auf.
Mittlerweile hat sich Penny zu einem raffinierten kleinen Luder entwickelt, das, wie sie selbst bekennt, auf alles eine Antwort hat und ein Lügengespinst um sich errichtet. Sie wechselt ihre Pflegeeltern wie andere ihr Hemd, zuletzt landet sie als Sechzehnjährige bei Helen und Dan und hat Schwierigkeiten, mit Helen klar zu kommen. Sie läuft wieder weg, nicht ohne sich vorher mit dem nötigen Kleingeld versehen zu haben und übernächtigt im Park. Erst später wird ihr klar, dass auch in dieser Ehe manches nicht stimmt.
Verliebt ist Penny übrigens in Chester. Doch leider hat dieser sich in eine andere verguckt, und als sie Tony näher kennen lernt, muss sie von ihm erfahren, dass er schwul ist. Aber da ist noch Marilyn mit ihrem kleinen Sohn Joey. Sie begegnet beiden, als sie auf den Zoo-Bus wartet. Gemeinsam verbringen die drei anregende Stunden im Zoo. Penny kann zwar nicht, wie sie gerne möchte, bei ihnen wohnen, aber Marilyn steht ihrem Vorhaben, den Ontario-See zu durchschwimmen, nicht so skeptisch gegenüber wie all die anderen.
Penny bittet ihre Physiklehrerin Mrs.Canyon um Rat und wird tatsächlich nach einigem Hin und her von ihr unterstützt. Plötzlich beginnen sich auch die anderen, die immer wieder Pennys Weg kreuzen, ihr Schwimmvorhaben ernst zu nehmen. Was genau daraus wird, erfahren wir nicht, nur so viel, dass viele ihrer Bekannten eines Tages in einem Boot auf dem Ontariosee sitzen und darauf warten, dass Penny losschwimmt. Mit dem Satz der Icherzählerin “Ich wate ins Wasser” endet die turbulente Geschichte, die sicher ihre Leser finden wird.
Es ist der erste Roman der in Toronto geborenen Kathleen Martin, die bisher Drehbücher und Theaterstücke verfasst hat und dafür mit zahlreichen Preisen bedacht wurde. (Ursula Homann)
Titel: Penny Maybe
Autor: Kathleen Martin
Verlag: Aufbau Verlag
Seiten: 184
ISBN: 3351029187
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