Indalo – Der Gott der Liebenden
Erstellt am: November 7th, 2007Andalusien 1489: Die Inquisition greift auch auf das maurische Spanien über. Die Bewohner der Region Mojácar bekommen das ebenfalls zu spüren. In der Zeit wachsen dort vier junge Menschen heran, deren Schicksal einmal miteinander verknüpft sein wird. Da ist Chalid Al-Abez, der Sohn des Statthalters, ein Maure. Sein bester Freund ist Aron Ibn Daud, ein Jude. Und dann gibt es da noch zwei Christen, Catalina die Tochter des Töpfers und Ignacio, ihr Nachbar, der sie von klein auf ärgert. Chalid, Aron und Catalina werden die besten Freunde, trotz ihrer unterschiedlichen Glaubensrichtungen. Chalid wird zu einem kühnen Kämpfer gegen die spanische Königin Isabella von Kastilien und ihren Ehemann Fernando von Aragon, die versuchen den Leuten den christlichen Glauben aufzuzwingen. Aron kämpft ebenfalls im Krieg und wird ein Schmuggler. Catalina jedoch führt den Haushalt ihres Vaters und glaubt in Chalid ihren Traumprinzen gefunden zu haben.
Die Jahre ziehen ins Land und der Krieg weitet sich aus. Ignacio, der seitdem er Catalinas Schönheit erkannt hat ein Auge auf sie geworfen hat, wirbt bei ihrem Vater um ihre Hand. Catalina jedoch will den grobschlächtigen Mann, der mittlerweile Stadtwächter ist, um keinen Preis heiraten. Im Laufe der Zeit hat sie entdeckt, dass sie für Aron mehr als nur freundschaftliche Gefühle empfindet. Eine Heirat zwischen einem Juden und einer Christin ist jedoch aussichtslos, selbst wenn die Inquisition nicht wäre. Ignacio derweil nährt seinen Hass gegen Chalid und Aron. Je länger der Krieg dauert, desto mehr spitzt sich die Situation zu, nicht nur im Krieg auch zwischen den vier jungen Menschen. Wird es überhaupt ein gutes Ende geben können? Und wie passt eigentlich der Indalo, ein steinzeitlicher Regengott und Glücksbringer in die Geschichte?
Mit “Indalo – Der Gott der Liebenden” erweckt Christiane Gohl lebthaft die Vergangenheit Mojácars, ihrem heutigen Wohnort, wieder zum Leben. Leider geht bei den vielen historischen Details die Liebesgeschichte etwas unter. Trotzdem kann man das Buch allen empfehlen, die sich für Geschichten rund um Andalusien und die Zeit der Inquisition interessieren. Hilfreich ist auch das Lesezeichen mit den wichtigsten handelnden Personen, das dem Buch beiliegt. Bei all den fremdländischen Namen, verliert man nämlich schnell den Überblick.
Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke und Moments
Titel: Indalo – Der Gott der Liebenden
Autor: Christiane Gohl
Verlag: Herbig
Seiten: 416
ISBN: 3776622318
Die große Umwendung
Erstellt am: November 7th, 2007Eine Million Exemplare wurden von dem 1983 erstmals erschienenen Buch Briefe in die chinesische Vergangenheit verkauft – da muss ganz einfach eine Fortsetzung geschrieben werden. Nun, Herbert Rosendorfer hat das mit nicht weniger Kunstfertigkeit als beim ersten Mal getan, und so ist auch der zweite Band eine wundervolle Satire über das Deutschland nach der Wende geworden, wobei sich Rosendorfer insbesondere Leipzig und Berlin, das hier “Haste mal ne Mark für mich” heißt, vornimmt, aber auch New York, Washington und Rom. Fünfzehn Jahre nach seiner ersten Zeitreise in die Zukunft ist der Mandarin Kao-tai durch widrige Umstände gezwungen, in das zwanzigste Jahrhundert zu fliehen, wobei er mit zwei Problemen zu kämpfen hat: Erstens muss er seinen Freund und Gönner, Professor Shi-shmi, wiederfinden, der gerade in New York weilt, wie er schließlich herausfindet, und er muss Informationen über seine eigene Vergangenheit beschaffen, um herauszufinden, wann seine Feinde das Zeitliche gesegnet haben und er ungefährdet wieder zurückreisen kann.
Das bietet natürlich jede Menge Gelegenheit, aus der Sicht eines völlig Unvoreingenommenen die Zustände dieser Welt zu schildern und zu demaskieren, gemildert mit viel Humor, gewürzt mit einer abwechslungsreichen Handlung (ohne die auch die schönste Satire bald abstumpft) und dargeboten in Kao-tais unnachahmlicher komisch-gestelzter Sprache:
S’u-s’i sagte etwas, das ich nur ungern wiedergebe und in etwa bedeutete: befeuchte mit deiner Zunge die Körperstelle, auf der ich zu sitzen pflege. Das tat sich natürlich nicht; es war wohl metaphorisch gemeint.
Aufgefallen ist mir bei diesem zweiten Band, dass Rosendorfer bei den Berichten Kao-tais offenbar ganz stark auf eigene Erfahrungen zurückgreift, daß er selbst dies alles erlebt haben muß (ein Besuch im Parzifal in Bayreuth zum Beispiel) und die Personen, die hier auftreten, persönlich kennen muss (etwa den Maler Prechtl, den Rosendorfer offenbar über alles schätzt). War das im ersten Buch nicht so deutlich spürbar oder habe ich es nur nicht so wahrgenommen? Wie auch immer, Rosendorfer macht sich damit sicherlich nicht nur Freunde, denn der redefreudige Spong-Fan, den er im Erster-Klasse-Abteil des Flugzeugs kennenlernt und den er stets als den Kindergesäßgesichtigen tituliert, entpuppt sich später als niemand anders als Franz Beckenbauer.
Kritik geschrieben von “Fantasia – Magazin für Phantastik”: www.edfc.de, edfc@edfc.de
Titel: Die große Umwendung
Autor: Herbert Rosendorfer
Verlag: dtv
Seiten: 200
ISBN: 3423126949
Das papierne Labyrinth
Erstellt am: November 7th, 2007Marco Koskas reist zusammen mit seinem Freund Opianski nach Indien, um sich sein Schicksal aus dem heiligen Buch des Bhrigu Shastri verkünden zu lassen. In diesem Buch sind die vergangenen, gegenwärtigen und und zukünftigen Schicksale aller Menschen verzeichnet – allerdings nicht aller, die jemals gelegt haben und jemals leben werden, denn schon schon die erstere Hälfte davon umfasst 80 Milliarden, sondern die Schicksale aller, die das Buch jemals befragt haben und jemals befragen werden (das Buch ist ökonomisch). Aber selbst in dieser Selbstbeschränkung wiegt das aus losen Blättern, Patras genannt, bestehende Buch eineinhalb Tonnen.
Sein gegenwärtiger Hüter ist Ram Kamur Sharma, dessen Großvater Pandit Deshraj es wiederentdeckt hat. Dieser war es auch, der den unentbehrlichen astrologischen Index dazu angefertigt hat, ohne dessen Hilfe das Auffinden eines Patras reine Glücksache wäre, aber auch so dauert es noch etwa zwei Monate, bis eine Patra aus dem mehr oder minder geordneten, bei der Flucht aus Parkistan durcheinandergekommen (oder völlig verbrannten, wie Professor Damodar Jah, ein Augenzeuge, behauptet) Konvolut herausgesucht werden kann. Marco Koskas hat besonderes Pech, weil seine sich gar nicht in dem Besitz von Ram Kamur befindet, sondern in dem seiner Tante, mit der letzterer das Buch geteilt hat.
Nach der Rückkehr nach Frankreich erhält allerdings ausgerechnet der Skeptiker Opianski von Ram Kamur den übersetzten Inhalt seiner Patra, die zumindest in der Darlegung von dessen Vergangenheit verblüffend genau ist.
Der Verlag bezeichnet dieses Werk als Roman, aber allem Anschein nach berichtet Marco Koskas von einer Reise, die er wirklich unternommen hat. Während die französische Erstausgabe nämlich nur den Text Koskas enthielt, umfasst die deutsche auch eine Vielzahl von Fotos, Billets, Zeitungsausschnitten, Briefumschlägen und Rechnungen, die der Autor von seiner Indienreise mitgebracht hat – und alles, worüber er in Das papierne Labyrinth berichtet, ist durch Dokumente genau belegt, sogar die Existenz des Buches, das hier als Bighru Samhita bezeichnet wird und dessen Blätterzahl mehrere Millionen betragen soll.
Wie dem auch sei, Das papierne Labyrinth ist nicht nur ein sehr interessantes, sondern auch ausgesprochen ästhetisch gestaltetes Buch, dessen Lektüre ein doppeltes Vergnügen bereitet.
Kritik geschrieben von “Fantasia – Magazin für Phantastik”: www.edfc.de, edfc@edfc.de
Titel: Das papierne Labyrinth
Autor: Marco Koskas
Verlag: Scherz Verlag
Seiten: 127
ISBN: 3502119155
Die Herren Hansen erobern die Welt
Erstellt am: November 7th, 2007Sebastian Hansen ist 34 Jahre alt und als Werbetexter tätig. Hauptberuflich ist er jedoch allein erziehender Vater des munteren, zweijährigen G(eplatzter)G(ummi)-Produkts Paul, der mit Vorliebe das Bad zum großen Planschbecken macht, um als Wassermonster den Fluten entsteigen zu können. Miriam, die Mutter des Sprösslings, die ‘nicht mehr Wärme als ein Nogger braucht’, hat ihre beiden Männer schon sehr früh sich selbst überlassen, um sich Herrn Frühstück zuzuwenden. Denn der hat in fast jeder Beziehung – wer möchte schon “Frühstück” heißen? – mehr als Sebastian zu bieten: mehr Haus, mehr Auto, mehr Wohlstand und mehr Ansehen. Wenig enthusiastisch ist hingegen Miriams Interesse, sich an Pauls Erziehung zu beteiligen. Darauf beharrt sie lediglich, wenn es darum geht, dem Sohn beispielsweise Reservierungen für noch in weiter Ferne liegende Klavierstunden bei einer musikalischen Koryphäe angedeihen zu lassen.
Verständlich, dass bei Sebastians Überlegungen für seine private Zukunft der Wunsch, eine neue Partnerin für sich zu finden, eine größere Rolle spielt als der, Paul eine Ersatzmutter präsentieren zu müssen. Schließlich kommen die beiden auch ohne Miriams Zutun gut zurecht.
Schließlich jedoch nutzt Sebastian den Moment, in dem seine ‘Frau Frühstück-Neurose’ ohnmächtig am Boden liegt und nimmt allen Mut zusammen, seine Kollegin Andrea um ein Rendezvous zu bitten. Die ergreift spontan die langersehnte Gelegenheit, erobert sein Herz und obendrein prompt Paul im Sturm. Doch die pure, verliebte Glückseligkeit bekommt bereits am Morgen nach der ersten gemeinsamen Nacht einen Dämpfer, als Miriam ihren Ex mit einer echten Hiobsbotschaft überrascht. Da lassen weitere Turbulenzen natürlich nicht lange auf sich warten…
Gernot Gricksch beschreibt in seinem Buch “Die Herren Hansen erobern die Welt” äußerst lebhaft, mit aberwitzigen Dialogen und urkomischen Metaphern den Alltag eines allein erziehenden Vaters. Dabei kommen die Konflikte, die sich für seinen Protagonisten mit der Suche nach einer neuen Partnerin ergeben, nicht zu kurz, und auch um das brisante Thema des Streits um das elterliche Sorgerecht – wohlgemerkt: aus der Perspektive des Vaters! – macht Gernot Gricksch keinen Bogen, sondern geht eindrucksvoll ungeschönt auf die Problematik ein.
“Die Herren Hansen erobern die Welt” ist der erste Roman des in Hamburg lebenden, 36-jährigen Autors, freien Journalisten und Filmkritikers Gernot Gricksch. Er schreibt u.a. für die Zeitschriften Allegra, Max und Cinema. (Ensa Maurer)
Titel: Die Herren Hansen erobern die Welt
Autor: Gernot Gricksch
Verlag: Knaur
Seiten: 255
ISBN: 3426614677
Gelber Kaiser
Erstellt am: November 7th, 20071931 herrschen in China fast überall die Kriegsherrn über ihre jeweiligen gebiete. In der Provinz Hunan ist es General Zhang. Dort ist auch der Missionar John Farlane tätig und wird vom General in seien Bemühungen unterstützt. Farlane hat sich diese Unterstützung durch von ihm in die Wege geleitete Waffenkäufe in Amerika erkauft. Als es zu einer Auseinandersetzung zwischen ihm und dem General wegen gefolterter und hingerichteter Angehörigen seiner Gemeinde kommt, zeigt er sein wahres Gesicht. Er bedroht ihn und Farlane gibt nach.
Farlanes Sohn George hat einen chinesischen Leibwächter namens Da Wang, der ein heimliches Mitglied der Kommunisten ist. Der erbärmlichen Lebensumstände der unteren Schichten sorgen für regen Zulauf in deren, von den Kriegsherren eher verachteten Bauernarmeen. General Zhang ist sich wegen des Streites nicht mehr sicher, ob ihn Farlane noch bei den Waffenkäufen unterstützt, und nimmt seinen Sohn als Geisel. Die Sache eskaliert und Farlane und seine Frau verlieren ihr Leben. Da Wang befreit George mit einer List aus General Zhangs Kerker und flieht mit ihm. Gemeinsam erleben sie den Erfolg der chinesischen Revolution. Da Wang steigt dabei politisch bis in die Nähe Maos auf und George lebt als begeisterter Anhänger des Kommunismus in China. Erst die Kulturrevolution trennt sie und Farlane mit seinem Sohn Stenton nur mit Hilfe Da Wangs schwer verletzt nach Hongkong entkommen.
Doch die beiden Männer sollen noch eine wichtige Rolle spielen. Als alter Mann ist Da Wang der führende Kopf hinter einer gewagten, militärischen Aktion, die die Welt an den Rand eines großen Krieges führen könnte. Da haben aber auch noch einige andere Personen in dieser Sache ihre Hände im Spiel.
Der Chinakenner Scofield hat hier einen ausgezeichneten Politthriller geschrieben, der gleichzeitig etwas von einer Familiensaga an sich hat. Gekonnt wechselt er zwischen den beiden Zeitebenen und macht so die Motivation mancher Protagonisten langsam klarer. Er beherrscht das Kunststück, die Handlungen der Personen mit einem dramatischen, politischen Geschehen spannend zu verknüpfen, hervorragend. Die ganzen Beziehungen unter den Protagonisten sind zwar etwas unrealistisch weit hergeholt, aber für die Spannung der Geschichte ein Gewinn. Wer mit Politthrillern nicht grundsätzlich wenig anzufangen weiß, wird dieses Buch vermutlich mit Genuss verschlingen.
Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at
Titel: Gelber Kaiser
Autor: Raymond A. Scofield
Verlag: Droemer
Seiten: 560
ISBN: 3426612054
Kopfüber in die Kissen
Erstellt am: November 6th, 2007Lady Emma Wells-Finch, eine Britin, ist nach Amerika gekommen um ihren guten Ruf zu verlieren. Eigentlich nichts leichter als das denkt sie sich, wäre da nicht ihre Begleitung, Kenny Traveler. Der berühmte Golfspieler und Playboy ist gerade von seiner Lieblingssportart suspendiert worden und um wieder Golf spielen zu können, muss er sich tadellos benehmen. Ein ungleicheres Paar kann es also gar nicht geben.
Kenny bringt mit seiner langsamen und gemächlichen Art Lady Emma fast um den Verstand, während er von ihrer Angewohnheit immer die Führung übernehmen zu wollen, fast in den Wahnsinn getrieben wird. Der Beginn ihrer Bekanntschaft steht unter einem denkbar ungünstigen Stern, vor allem da Kenny Emma nicht die Wahrheit sagt wer er ist. Und bald schon macht er ihr das Angebot ihr persönlicher Callboy zu werden. Lady Emma die dringend etwas tun muss um ihren guten Ruf zu ruinieren, willigt ein.
Es kommt jedoch alles ganz anders, als Emma im letzten Moment herausfindet, das Kenny sich mit ihr lediglich amüsieren will. Von da an sind Missverständnisse, verfängliche Situationen und haarsträubende Situationen an der Tagesordnung. Können beide eine Lösung für ihre Probleme finden und trotzdem miteinander glücklich werden?
Auch hier beweißt Susan Elizabeth Phillips ihr Schreibtalent, allerdings hat mich der Roman nicht so begeistert wie frühere SEP Romane. Die langsame Art des Helden hat mich beim Lesen selber fast in den Wahnsinn getrieben da ich ihm am liebsten ständig einen Schubs gegeben und gesagt hätte: Mensch komm in die Gänge
Kritik geschrieben von IW, Herausgeberin von “Die Romantische Bücherecke” (http://www.die-buecherecke.de)
Titel: Kopfüber in die Kissen
Autor: Susan Elizabeth Phillips
Verlag: Goldmann / Blanvalet
Seiten: 400
ISBN: 3442352983
About a Boy
Erstellt am: November 6th, 2007Den zwölfjährigen Marcus könnte man wohl als den typischen Loser bezeichnen. Er trägt statt der modernen angesagten Jugendmode total uncoole, von der Mutter aufgeschwatzte Klamotten, hat eine unmögliche Haarfrisur, eine dicke Brille, hört die falsche Musik – und zu allem Überfluss singt er auch noch gelegentlich ganz in Gedanken spontan vor sich hin. Kein Wunder, dass der arme Kerl in seiner neuen Schule zum Prügelknaben wird.
Fiona, seine alleinerziehende Mutter ist dem unglücklichen Jungen auch keine rechte Stütze, denn sie hat genug mit sich selbst und ihren Depressionen zu tun. Will, ein sechsunddreißigjähriger Faulenzer hat da offenbar das bessere Ende der Wurst erwischt. Gemütlich lebt er in den Tag hinein – zu arbeiten braucht er nicht, denn seinen Lebensunterhalt kann er locker aus den Tantiemen bestreiten, die ihm zufließen, weil sein mittlerweile verstorbener Vater vor Jahren ein sehr beliebtes Weihnachtslied komponiert hat. Seine Zeit vertreibt sich Will mit dem Herumstöbern in Plattenläden, mit dem Ansehen langweiliger Fernsehsendungen, mit Kiffen und mit der Jagd nach weiblichen Sexualobjekten.
Als sich eines Tages die Wege von Will und Marcus kreuzen, beginnt für beide eine komplizierte Beziehung in deren Verlauf sich nicht nur Marcus langsam entwickelt sondern auch Will neue Seiten an sich entdeckt.
Das Buch spielt in London in den Jahren 1993 und 1994. Hornby beschreibt eine Szenerie, die er offenbar aus eigenem Erleben sehr gut kennt, denn seine Figuren, die Art, wie sie reden, was sie tun, das alles wirkt vollkommen lebensecht und ehrlich. Der Roman ist unterhaltsam im besten Sinne. Er ist spannend, lustig, turbulent, anrührend, manchmal auch traurig und er hat durchaus literarisches Niveau – es macht Freude, ihn zu lesen und obwohl er einen gewissen Tiefsinn vermittelt, wirkt er an keiner Stelle piefig oder lehrerhaft, der erhobene Zeigefinger ist nirgends zu sehen.
Marcus’ Pubertätsprobleme werden genauso einleuchtend erörtert, wie Wills Suche nach dem Sinn des Lebens. Auch die Nebenfiguren sind liebevoll gezeichnet – da ist Fiona, die chaotische Mutter von Marcus, Clive, sein ganz sympathischer aber doch untauglicher Vater und Elli, eine fünfzehnjährige Rebellin, die niemanden so sehr verehrt wie den Nirvana-Sänger Curt Cobain.
Einziger Schwachpunkt ist der doch etwas zu lieblich geratene Schluss, der mir persönlich zu sehr nach Hera-Lind schmeckt.
Trotzdem ein empfehlenswertes Buch. Ich könnte mir übrigens vorstellen, dass sich die Geschichte sehr gut für einen Film eignen würde (mit George Clooney als Will und dem Jungen aus “The Sixth Sense” als Marcus).
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”
Titel: About a Boy
Autor: Nick Hornby
Verlag: Droemer
Seiten: 320
ISBN: 3426616904
Rosas Rückkehr
Erstellt am: November 6th, 2007‘Sie stapfte langsam durch den weißen Sand auf ihn zu. Er hatte sie noch nicht entdeckt, blickte noch immer auf das Wasser und den Horizont. (…) Wie früher, dachte Rosa, seltsam gerührt. Sie war nur noch drei Meter von ihm entfernt und blieb stehen. “Hallo, Papa”, sagte sie mit rauher Stimme. “Ich bin’s. Rosa.” Keine Reaktion. Keine Bewegung. Kein Zucken im Gesicht. “Ich bin’s, Rosa”, wiederholte sie mit plötzlich trockenem Mund. “Ich bin wieder da.” Die überraschende Ankunft seiner jüngsten Tochter nach all den Jahren ließ den Vater offenbar kalt. Preußisch unerbittlich: aus den Augen, aus dem Sinn. Er tat so, als wäre sie gar nicht da.’
Die Rückkehr in den schleswig-holsteinischen Heimatort Scharbeutz hatte sich Rosa nach mehrjährigem USA-Aufenthalt wahrlich anders vorgestellt. Denn der Plan, ihre Familie zu überraschen, wird schon während der Anreise jäh durchkreuzt, als sie ihre Mutter entdeckt – in liebevoller Umarmung mit einem Mann, der nicht ihr Vater ist. Den trifft Rosa erst am folgenden Morgen. Die Wiedersehensfreude ist freilich ebenso verhalten wie einseitig, denn: Der erfolgreiche Bernstein-Händler Friedrich Liebmann ist tot, wurde erschossen.
Parallel zu Kommissar Hanno Finn beginnt Rosa gleichermaßen dem Täter wie seinem Motiv auf die Spur zu kommen und landet dabei im dicksten Morast ihrer eigenen Familiengeschichte.
Bestseller-Autorin Ingrid Noll behauptet, “Rosas Rückkehr” nur zum Essen und Schlafen aus der Hand gelegt zu haben und – in der Tat, es ist wirklich ärgerlich, die Lektüre des Buches durch derart profane Dinge unterbrechen zu müssen. Denn mit ihrem aktuellsten Roman ist Barbara Krohn erneut ein preisverdächtiges Werk gelungen, das weniger durch die Suche nach dem Mörder als viel mehr durch das Miteinander und Gegeneinander aller Familienmitglieder besticht. Die Autorin wirft einen wachen Blick hinter dieses Geflecht und fördert ungeahnte Wahrheiten über die persönlichen und geschäftlichen Verstrickungen des Clans zutage. Vor den Lesern breitet sich somit ein enorm spannender wie psychologisch tiefgründiger Plot aus, der bis zum Schluss Überraschendes bietet.
Barbara Krohn wurde 1957 in Hamburg geboren und lebt derzeit mit ihrer Familie in Ravensburg. Die außerdem als Übersetzerin tätige Autorin zählt zu den erfolgreichsten deutschen Krimi-Autorinnen. Ihre im Aufbau-Taschenbuch-Verlag erschienenen Titel “Der Tote unter der Piazza” sowie “Weg vom Fenster” wurden für den renommierten Glauser-Preis vorgeschlagen. (Ensa Maurer)
Titel: Rosas Rückkehr
Autor: Barbara Krohn
Verlag: Rütten & Loening
Seiten: 278
ISBN: 3352005826
Das Totenschiff
Erstellt am: November 6th, 2007Er verpasst während eines kurzen Landurlaubes in Antwerpen die Abfahrt seines Schiffes und verliert dadurch seine Arbeitsstelle und, was sich als viel schwerwiegender herausstellt, seine sämtlichen dort zurückgelassenen Papiere. Da er seine Identität nicht nachweisen kann, wird er bald von der Polizei aufgegriffen und des Landes verwiesen. Aber er ist nirgends erwünscht und so beginnt eine kleine Odyssee von Belgien über Holland und Frankreich nach Spanien. Dort verhalten sich die Menschen großteils freundlich ihm gegenüber und er lebt so recht und schlecht dahin.
Doch als ihn ein Mann auf einem abgetakelten Schiff anheuern will, willigt er aus dem Aberglauben, eine Arbeit abzulehnen bringe Unglück, ein. Bald stellt sich heraus, dass er auf einem sogenannten Totenschiff gelandet ist. Diese Schiffe sind gut versichert und sollen möglichst überzeugend sinken um dem Eigner die Prämie einzubringen. Die Mannschaft besteht ausschließlich aus Staatenlosen, die in keinem Hafen verschwinden können, weil sie nirgends erwünscht sind. Ein totes Mannschaftsmitglied wird nirgends vermisst und darum sind die Arbeitsbedingungen und die Lebensumstände unvorstellbar hart. So kämpft sich die Mannschaft zum unausweichlichen Schicksal, in der Hoffnung, das Sinken des Schiffes irgendwie zu überleben.
Der Autor, dessen wahre Identität bis heute nicht zweifelsfrei feststeht, schildert das harte Schicksal des Heimat- und Arbeitslosen mit der Sprache der Betroffenen. Dieser, übrigens gut ins Deutsche übersetzte Slang und die Mischung aus Witz und Wut machen das Buch besonders eindringlich. Abseits jeder Ideologie wird die Unmenschlichkeit der Bürokratie und des Staates gegenüber den Ausgestoßenen beschrieben.
Obwohl das Buch die Zeit nach dem 1. Weltkrieg beschreibt, hat sich daran für Flüchtlinge bis heute wenig geändert und es ist somit leider brandaktuell. Die Abenteuer des Helden bestehen im Überleben in dieser feindlichen Außenwelt und in der später noch gefährlicheren Arbeit auf dem Schiff. Auch das dort jede Unmenschlichkeit als Notwendigkeit zur Erhaltung der Konkurrenzfähigkeit entschuldigt wird, erinnert nicht nur an die dunkelste Vergangenheit.
Obwohl die Handlung kaum wirkliche Höhepunkte hat, ist es nirgends langatmig. Dafür ist nicht zuletzt die hervorragende Erzählkunst des Autors verantwortlich.
Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at
Titel: Das Totenschiff
Autor: B. Traven
Verlag: Diogenes
Seiten: 306
ISBN: 3257210981
C@sino Online
Erstellt am: November 6th, 2007Jim, ein karrierebewusster Redakteur bei einer Zeitschrift über die Kultur des Computer- und Internetzeitalters, will unbedingt den Buchautor Darren Cooper treffen, um mit ihm über eine Idee zu einem Buch ins Gespräch zu kommen. Als er von einer Party erfährt, wo Cooper auftauchen soll, beschließt er auch hin zu gehen.
Kat, eine junge Praktikantin bei einem noch recht erfolglosen, jungen Computermagazin, ist mit einigen Freunden auch dort eingeladen.
Als Jim wegen einer Autopanne verspätet auf dieser Party erscheint, ist Cooper schon wieder weg. Doch er hat gesagt, dass er sich wahrscheinlich später am Abend noch einmal mit Kats Gruppe treffen will. Jim hört das, und überredet die jungen Leute bei ihm zu Hause weiterzufeiern, um Cooper doch noch zu treffen. Dort lässt er sich mitreißen, und konsumiert reichlich Pot und Alkohol und bricht schließlich im Bad völlig weggetreten zusammen.
Kat bemerkt seinen aufgedrehten Computer und durchstöbert seine Bookmarks. Dabei stößt sie auf eine Glücksspiel-Homepage und verspielt im Glauben, dass es nicht um richtiges Geld geht, eine sehr hohe Summe. Am nächsten Tag bekommt Jim eine E-Mail mit seinen Schulden von diesem Online-Casino und schreibt verärgert über den vermeintlichen Irrtum zurück, ist sich aber danach nicht sicher, ob er nicht in seinem berauschten Zustand doch gespielt hat.
Bald darauf trifft er wieder mit Kat zusammen und kommt ihr kurz näher. Als sie ihn auf ihrem Roller nach Hause fährt, bemerkt er ein Auto und einige zwielichtige Typen vor seinem Haus und Kat und er fliehen. Damit beginnt eine immer gefährlicher werdende Verfolgungsjagd für die Beiden.
Der Roman ist ein schwungvoller Thriller aus dem Umfeld der Technik-Freaks. Die Ausdrücke aus der Internetwelt werden ohne Erklärung benutzt, und darum mag sich jemand ohne irgend welche Erfahrungen in diesem Bereich vielleicht manchmal etwas schwer damit tun.
Die beiden Hauptpersonen werden in ihrer Persönlichkeit für mein Gefühl oft etwas zu schnell der Handlung angepasst. So wandelt sich Jim ziemlich übergangslos vom Erfolgsgeilen Unsympathler zum Good-Guy um den Leser die Identifikation nur ja nicht ein wenig anstrengend zu machen.
Insgesamt überwiegt aber aufgrund des flotten Tempos und des interessanten Umfeldes der positive Eindruck.
Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at
Titel: C@sino Online
Autor: Carla Sinclair
Verlag: Knaur
Seiten: 363
ISBN: 3426609460
Weitere Buchbesprechungen im Lesertreff: