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- Dunkle Bereiche aufhellen [5:38]
- Weißabgleich anpassen [8:13]
- Maskierte Kontrastkorrektur [7:08]
- Das Beste für jeden Motivteil [9:23]
- Stürzende Linien entfernen [6:54]

Alle 5 Lektionen liegen in voller Länge vor und sind als DSL-Stream optimiert.

Wie Frauen fischen und jagen

Erstellt am: November 5th, 2007

Jane ist vierzehn, als sie beginnt, sich für den Umgang mit dem anderen Geschlecht zu interessieren. Zunächst jedoch geht es noch nicht um ihre eigenen Liebesdinge, sondern sie beobachtet ihren Bruder Henry und dessen Freundin.

Einige Jahre später hat Jane dann selber diverse Beziehungen zu Männern. Doch sie hat kein Glück mit ihren Partnern, denn alle ihre Beziehungen sind mehr oder weniger stressig und scheitern schließlich.

Da ist zum Beispiel Jamie, der mit Jane in die Karibik reist und den Urlaub dazu nutzt um wieder mit Bella, seiner inzwischen verheirateten Exfreundin anzubändeln.

Der nächste Mann ist Archie, ein berühmter Lektor, mehr als doppelt so alt wie Jane, mit diversen gesundheitlichen und sexuellen Problemen geschlagen und obendrein auch noch Alkoholiker. Doch Jane hat auch nach der schließlich erfolgten Trennung Schwierigkeiten, sich von ihm zu lösen. Nach einigen Jahren beginnt sie die Beziehung erneut und erleidet zum zweiten Male Schiffbruch.

Der nächste Mann bringt Jane ebenfalls kein Glück und so langsam beginnt sie an ihrer sexuellen Attraktivität zu zweifeln.

Auf der Hochzeit ihrer besten Freundin lernt sie Robert kennen – ihren Traummann!

Diesmal will sie absolut nichts falsch machen und zieht das Büchlein “wie Frauen fischen und jagen” zu Rate. Die beiden Ratgeberinnen Faith und Bonnie versorgen sie mit Tips à là “mach’ dich rar” oder “lass ihn nach dir lechzen” und “wecke seine Eifersucht”.

Zunächst scheint die Strategie der beiden Beraterinnen aufzugehen, doch dann plötzlich zieht sich Robert von Jane zurück….

Das Buch ist leicht und locker mit einer gewissen Boshaftigkeit und einem wohlschmeckenden Spritzer Humor erzählt. Es ist angenehm zu lesen, unterhaltsam und an einigen Stellen sogar mit einem gewissen Tiefgang versehen. Obwohl auch einige traurige Stellen vorkommen, handelt es sich um ein vergnügliches Werk, das einen fröhlich stimmt. Das einzige, was mich an dem Roman stört, ist das etwas einsam im Raume stehende eingeschobene Kapitel über Janes Wohnungsnachbarin, vor allem weil es eine Weile dauert, bis der Leser überhaupt begreift, von wem da jetzt plötzlich die Rede ist. Doch ansonsten handelt es sich um ein erfreuliches Buch, das ich gerne weiterempfehlen möchte.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgebering von Evas Leseland

Titel: Wie Frauen fischen und jagen
Autor: Melissa Bank
Verlag: Diana
ISBN: 3828400302

Gemma

Erstellt am: November 5th, 2007

Im Gegensatz zu anderen Mädchen ihres Alters wächst Gemma Edwards sehr freizügig auf. Ihr Vater ist Seemann und sie wird nicht nur in Naturwissenschaften unterrichtet, sondern interessiert sich außerdem für die Geschäfte ihres Vaters und alles, was mit Schiffen zu tun hat. Ihr schönes Leben nimmt jedoch ein jähes Ende, als ihr Vater auf einer seiner Fahrten verunglückt. Von da an muss Gemma bei ihrer Tante leben, die sie wie eine arme Verwandte in der Küche arbeiten lässt, obwohl sämtliche Auslagen aus dem Vermögen ihres Vaters bezahlt werden. Als Gemma 19 Jahre alt ist, lädt ihre Tante sie zum ersten Mal ein, mit ihr zu verreisen. Sie fahren nach Kenmore Manor und treffen dort auf Sir Ranleigh. Gemma ist zwar verblüfft darüber das ihre Tante ihr nicht verraten will was sie hier machen wollen, aber sie glaubt den Grund bald herauszufinden. Sie hat nicht die leiseste Ahnung, dass ihre Tante versucht mit Hilfe von Sir Ranleigh an ihr Vermögen zu kommen.

Kurz darauf wird Gemma jedoch von Bryce Campbell, dem Sohn von Lord Kenmore kompromittiert und ist gezwungen ihn zu heiraten. Gleich nach der Trauung schafft es Sir Godfroy Ranleigh jedoch, einen Keil zwischen die Eheleute zu treiben. Bryce reist daraufhin sofort nach London ab und Gemma, die inzwischen gemerkt hat das man ein falsches Spiel mit ihr getrieben hat, läuft fort. Sie verkleidet sich als Straßenjunge und will sich ein Schiff suchen, was sie mit nach Amerika nimmt. In London, nachdem sie einen Monat auf der Straße gelebt hat, schafft sie es endlich auf einem Schiff anzuheuern. Sie hat jedoch keine Ahnung das der Kapitan der Dragonfly ausgerechnet Bryce Campbell ist.

Anfangs genießt es Gemma endlich England hinter sich zu haben und sie versucht Bryce aus dem Weg zu gehen. Dann kommt aber der Moment, wo ihre Tarnung auffliegt. Was wird ihr Ehemann tun? Schließlich hält er sie für ein treuloses Ding, das ihn mit einer Falle in die Ehe gelockt hat.

Ein echtes Juwel! Petra Last hat es geschafft mit “Gemma” einen waschechten Liebesroman im Stil der Grande Dame des Genres zu schreiben. Da braucht man den Vergleich mit Laurie McBain oder früheren Kathleen E. Woodiwiss Büchern wirklich nicht zu scheuen. Ein tolles Buch mit genau der richtigen Menge Herz-Schmerz, Liebe und Spannung!

Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke und Moments

Titel: Gemma
Autor: Petra Last
Verlag: Tebbert
Seiten: 470
ISBN: 3897381923

Ein perfekter Freund

Erstellt am: November 5th, 2007

“Es war vor allem der Geruch, der ihn davon abhielt, die Augen zu öffnen. Es roch nach Krankenhaus” – damit beginnt das Erwachen des Journalisten Fabio Rossi aus einem wochenlangen Blackout. Nach und nach erfährt er, dass er eine Kopfverletzung hat, ein Schädel-Hirn-Trauma, das von einem Schlag auf den Kopf herrührt. Fabio kann sich an nichts erinnern. Auch die Frau an seinem Bett, die ihm Blumen bringt und ihn küsst, kennt er nicht. Seine Freundin Norina indessen, seine große Liebe, lässt sich nicht sehen und ist telefonisch ebenfalls nicht zu erreichen. Da ihm fünfzig Tage fehlen, beginnt er, Schritt für Schritt, sein Leben zu rekonstruieren und entdeckt lauter Rätsel. Zuerst fällt ihm ein Interview ein, das er mit einem Lokomotivführer führte, dem sich ein Selbstmörder vor die Lok geworfen hatte. Offensichtlich hatte Fabio an einer größeren Geschichte gearbeitet. Doch wo war sie? Hat sie ihm womöglich Lucas geklaut so wie er sich seiner Freundin bemächtigt hat? Dann erfährt Fabio, dass er kurz vor seinem Unfall seinem Arbeitgeber gekündigt und auch andere ihm unwahrscheinlich dünkende Dinge getan hat. Er kennt sich selbst nicht wieder, zumal seine Programme und E-Mails auf Computer und Handy gelöscht sind und sein Code für sein Bankkonto geändert wurde. Auf dem Konto selbst liegen jedoch über zehntausend Franken dank einer größeren Überweisung vom “Sonntag-Morgen”, der Zeitung, für die Fabio bisher geschrieben hat. Auch dies kann er sich nicht erklären.

Wie ein Blinder tastet er sich durch die Finsternis der verloren gegangenen Zeit. Gerüche und Bilder erweisen sich bei der Suche als die stärksten Stimulanzien. Aber immer noch weiß Fabio nicht, ob er er einem Anschlag oder einem Unfall den Ausfall seines Gedächtnisses verdankt. In einer Schrebergartenidylle wird schließlich das Geheimnis gelüftet, und Fabio muss sich eingestehen, dass er gar nicht das unschuldige Opfer war, für das er sich nach dem Aufwachen aus dem Koma gehalten hat.

Überzeugend, lakonisch und temporeich, mit vielen brillanten Dialogen, erzählt Martin Suter – er war bisher Werbetexter und Journalist und legt nun seinen dritten Roman vor – die Geschichte einer Persönlichkeitsspaltung und treibt mit Schein und Sein ein ironisches Spiel. Die Spannung hält bis zum Schluss an, so dass bei diesem aufregenden Psychokrimi, aus dem am Ende noch ein Industriethriller wird, Langeweile überhaupt nicht aufkommt. (Ursula Homann)

Titel: Ein perfekter Freund
Autor: Martin Suter
Verlag: Diogenes
Seiten: 352
ISBN: 3257063067

Der Sturm

Erstellt am: November 2nd, 2007

In den letzten Oktobertagen des Jahres 1991 tobt vor der Ostküste Amerikas ein gewaltiger Sturm. Zwei riesige Schlechtwettergebiete – die Reste des Hurrikans Grace und ein weiteres Tief, das vom kanadischen Festlandsockel in Richtung Osten zieht – vereinigen sich zu einem Inferno.

Der Kutter Andrea Gail, der sich nach mehreren Wochen Schwerfischfang auf dem Rückweg zu seinem Heimathafen Gloucester in Massachusets befindet, gerät in dieses schreckliche Unwetter und ist seitdem verschwunden – und mit ihm die sechs Fischer, die mit ihm unterwegs waren.

Auch andere Schiffe geraten während des Orkans in Seenot, doch ihre Besatzungsmitglieder haben mehr Glück, als die Leute von der Andrea Gail, sie können aus teilweise aussichtslos anmutenden Situationen gerettet werden.

Der Tatsachenroman erzählt die Geschichte der sechs vom Meer verschlungenen Fischer und von dem, was über ihre letzte Fahrt bekannt ist , von ihren Familien, ihren Träumen. Junger berichtet über das untergegangene Schiff und über die meteorologischen Bedingungen, die zu dem Sturm führten, in dem es sank. Wir erfahren etwas über die geographischen Besonderheiten der Gegend und über die abenteuerlichen Rettungsaktionen, durch die andere Schiffbrüchige befreit werden konnten.

Das Buch hat Licht- und Schattenseiten.

Einerseits gefällt der Roman durch eine sehr glaubwürdige und nachvollziehbare Schilderung der Geschehnisse. Der Autor hält sich an die Fakten und enthält sich erfreulicherweise jeder Wertung oder Schuldzuweisung. Die Berichte über die abenteuerliche Rettung der Mannschaft einer in Seenot geratenen Segelyacht oder von Mitgliedern der Nationalgarde, die durch einen missglückten Rettungsversuch nun selbst in große Gefahr gerieten, ist spannend und bewegend.

Auf der anderen Seite jedoch langweilt der Autor durch bis in die kleinste Einzelheit genaue Beschreibung fischereitechnischer oder seefahrerischer Details. Er benutzt Ausdrücke, die ich, als Landratte noch nie in meinem Leben gehört habe, seitenlang schwelgt er in der Aufzählung von Schiffsgerät.

Die Menschen, die mit der Andrea Gail untergingen, bleiben mir fremd. Natürlich gibt es über ihre letzten Stunden keinerlei Kenntnis, niemand weiß, was mit den Fischern wirklich geschah, wie sie sich fühlten, welche Angst sie empfanden. Doch meiner Meinung nach hätte es dem Buch nicht geschadet, wenn der Autor hier die Ebene der reinen Tatsachenschilderung verlassen und statt dessen ein wenig fabuliert hätte.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.

Titel: Der Sturm
Autor: Sebastian Junger
Verlag: Heyne
Seiten: 348
ISBN: 3453152549

Lichtjahre

Erstellt am: November 2nd, 2007

Eine stillere, ruhigere, melancholischere Liebesgeschichte habe ich lange nicht gelesen!

Ein Ehepaar, glücklich, zufrieden ,materiell abgesichert, lebt mit zwei Töchter in einem alten Haus , behaglich und geruhsam bei New York.

Es gibt Freunde, man trifft sich ,– alles in allem sieht das Leben glücklich und zufrieden aus. Sie sind alle so ca. Mitte dreißig.

Doch die Schilderung steuert auf einen Herbst des Lebens zu. Schon früh deutet sich diese Entwicklung an.

Viri und Nedra, die Hauptakteure, leben sich ganz unauffällig und unspektakulär auseinander. Sie beginnt eine Affäre,– aber das ist gar nicht ausschlaggebend. Sie scheint mit dem Gleichmaß ihres Lebens nicht mehr klarzukommen und sucht einen neuen , anderen Weg für ihr Leben.

Fast kann man ihre Träume nach Veränderung nicht verstehen, so harmonisch verläuft das Leben für sie und ihre Familie .Die Eltern, Viri und Nedra, lieben ihre beiden Töchter sehr. Dennoch ,– eines Tages ist es klar: sie wird ihren Mann verlassen; sie geht nach Europa. In lakonischem Berichtsstil wird mit der Scheidung die Ehe beendet ,—es erschüttert den Leser sehr. Kein Aufruhr, keine Rebellion , kein Streit geht diesem Schlusspunkt einer Ehe voran. Einzig der Lauf des Lebens, die Abnutzung von Gefühlen machen das Ende der Ehe verstehbar.

Denn eines ist klar: es geht um Vergänglichkeit von Liebe ,Lust und Leidenschaft, ja, um die Vergänglichkeit von Glück, Dauerhaftigkeit von Beziehungen und im letzten Ende um den Tod.

Ein schönes, ruhiges und sehr empfehlenswertes Buch! (Claudine Borries)

Titel: Lichtjahre
Autor: James Salter
Verlag: rororo
Seiten: 382
ISBN: 3499224348

Der See der Träume

Erstellt am: November 2nd, 2007

Fast 20 Jahre ist Annie Colwater jetzt mit ihrer Jugendliebe Blake verheiratet. Als ihre einzige Tochter für einige Monate nach England reist, erfährt Annie, das ihr Mann eine Freundin hat, sie nicht mehr liebt und sich scheiden lassen will. In diesem Chaos scheint es nur einen Ausweg zu geben, Annie beschließt für einige Monate Los Angeles zu verlassen und zurück zu ihrem Vater zu gehen nach Mystic im Staate Washington, der kleinen Stadt wo sie aufgewachsen ist. Verfolgt von Depression und Schlafstörungen, trifft sie einige spontane Entscheidungen, die sie dann gleich wieder bereut. Dann erfährt sie jedoch, das ihre beste Jugendfreundin gestorben ist. Diese war mit Nick Delacroix verheiratet. Damals zu Schulzeiten waren alle drei die besten Freunde und Annie war auch heimlich in Nick verliebt, aber dieser hat sich für Kathy entschieden.

Annie beschließt Nick zu besuchen. Sie erfährt das er eine sechsjährige Tochter hat, Izzy, die seit dem Selbstmord ihrer Mutter, die manisch-depressiv war, kein Wort mehr gesprochen hat und der Meinung ist, sie würde verschwinden. Annie stimmt zu, tagsüber auf Izzy aufzupassen, da man sie der Schule verwiesen hat. Niemand scheint mit dem seltsamen kleinen Mädchen umgehen zu können. Langsam aber sicher schafft es Annie, sich selbst zu entdecken und Izzy wieder Spaß am Leben einzuhauchen. Auch Nick hilft sie wieder auf die richtige Spur, denn die 8 Monate seit dem Tod seiner Frau hat er fast nur im Alkoholrausch verbracht.

Nick und Annie kommen sich immer näher und beide fragen sich, warum sie damals nicht zusammengeblieben sind. Nick weiß allerdings, das Annie sich noch nicht richtig von ihrem Mann gelöst hat und in einigen Monaten nach Los Angeles zurückkehren wird, wo die Scheidung auf sie wartet. Trotzdem verlieben sie sich Hals über Kopf ineinander. Das Leben könnte so schön sein, wenn da nicht plötzlich Blake in Mystic auftauchen würde, mit dem festen Vorsatz, Annie zurückzugewinnen.

Auch mit “Der See der Träume” hat Kristin Hannah eine herzergreifende Geschichte über eine Frau geschrieben, die wieder zu sich selbst finden muss. Ähnlich wie in “Wenn Engel schweigen”, heißt es Taschentücher in Reichweite zu haben. Ein sehr empfehlenswertes Buch!

Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke und Moments

Titel: Der See der Träume
Autor: Kristin Hannah
Verlag: Ullstein
Seiten: 352
ISBN: 3550083599

Wer nicht hören will, muß fühlen

Erstellt am: November 2nd, 2007

‘Das hier war jedenfalls ein Mensch.’, stellt Rosa entschieden fest, als sie beim Ausheben einer Grube für ein Pfirsichbäumchen im Garten von Luise Pauly auf Knochen trifft. Von der alten Dame sind freilich, wie sie prompt erfahren muss, keinerlei Details zur Identität des Toten zu erwarten. Sie beschränkt sich auf ein lapidares ‘Ich hab’s vergessen.’ und fordert ihre Gärtnerin auf, die Gebeine wieder in der Gruft verschwinden zu lassen.

Doch Rosa denkt gar nicht daran, sondern nimmt die menschlichen Überreste an sich und beginnt – vom Ehrgeiz angestachelt, Antworten auf Fragen über ihren mysteriösen Fund zu bekommen – auf eigene Faust zu recherchieren. Dabei stößt sie, die noch inmitten des Mobiliars und der Hinterlassenschaften ihrer Mutter wohnt, die sich im Alter von 35 Jahren aus dem Familienleben schlich, auf immer beklemmendere Einzelheiten ihrer eigenen Geschichte. Davon überzeugt, dass die Wahrheit weitaus weniger zerstörerisch sein wird, als bohrende Zweifel es wären, macht sie sich daran, das Puzzle ihrer Vergangenheit zusammen zu setzen.

Die Geschichte, die Susanne Mischke in ihrem Buch “Wer nicht hören will, muß fühlen” um ihre Protagonistin Rosa Ganni erzählt, ist eine, bei der das Mitdenken unverzichtbar ist, will man im Flechtwerk der Handlungsstränge nicht den Überblick verlieren. Den zu behalten, lohnt sich wahrlich, denn Mischke eröffnet den Lesern gleichermaßen amüsant wie packend den Blick in menschliche Abgründe, springt mit ihnen von der Jetzt-Zeit Rosas in die Retrospektive ihrer Mutter Hemma und konfrontiert sie mit überraschenden verwandtschaftlichen Verknüpfungen, die vor keiner ihrer Figuren Halt machen. Inspiriert vom Stil englischer Ladies of Crime, ohne jedoch ihren eigenen zu verlieren, führt sie ihre Figuren in “Wer nicht hören will, muß fühlen” furios durch ein Labyrinth von Beschaulichkeit und Bestürzung.

Susanne Mischke wurde 1960 in Kempten geboren, lebte einige Jahre in Berlin und wohnt heute in der Nähe von Darmstadt nahe eines Friedhofs. Bevor die Schriftstellerin und Journalistin zum Schreiben kam, ging sie den unterschiedlichsten Tätigkeiten nach und agierte als Schauspielerin, Kellnerin oder auch als Versuchsobjekt von Psychostudien. 1994 debütierte sie mit dem Roman “Stadtluft” und schaffte bereits 1996 mit dem Krimi “Mordskind” den Sprung in die Bestseller-Listen. (Ensa Maurer)

Titel: Wer nicht hören will, muß fühlen
Autor: Susanne Mischke
Verlag: Piper Verlag
Seiten: 312
ISBN: 3492042414

Unter der Stadt

Erstellt am: November 2nd, 2007

‘Er hatte geglaubt, sich im Gefängnis über die wichtigsten Dinge klarzuwerden. Vier Jahre Zeit, um das eigene Leben im Kopf zu ordnen. Aber als er kurz vor der Entlassung stand, merkte er, dass die Zeit einfach vergangen war, ohne Fortschritt, ohne Entwicklung oder Ergebnis.’: Mit diesem eher tristen Bündel von Erkenntnissen wird Paul Holbig Ende der neunziger Jahre aus der Haft und in die Realität des boomenden Molochs Berlin entlassen.

Vieles hat sich in der Zwischenzeit verändert, manches hingegen gar nicht: Der Stadt wurden stetig neue Gesichtszüge übergestülpt während der 31-Jährige hinter Gefängnismauern den Tod seines besten Freundes Hans sühnte – die Frage, ob er wirklich schuldig war, war jedoch geblieben. Völlig neue Perspektiven tun sich für den ehemaligen Studenten allerdings finanziell auf: Der Saldo seines lange Zeit verwaisten Girokontos präsentiert ihm überraschend ein sechsstelliges Guthaben und in einem Schließfach erwartet ihn neben einem Willkommensgruß die Mitteilung, dass er für jedes Jahr Haft mit 200.000 Mark an ein Wertpapierdepot entschädigt wurde – anonym.

Paul beginnt, das Mosaik aus Erinnerungsstücken an den Streit mit Hans, die Tat, derer er sich schnell schuldig fühlte, und seine Haftzeit zusammen zu setzen und nimmt die Spur der geheimnisvollen Mäzene auf.

Der Roman “Unter der Stadt” ist ein in vielerlei Hinsicht beachtliches Erstlingswerk, dessen thematischer Facettenreichtum Stoff für mehrere Bücher geboten hätte. Autor Christian Försch jedoch arrangiert alle Aspekte äußerst raffiniert zu einer Geschichte. Distanziert beobachtet und pointiert beschreibt er die Entwicklung seines Protagonisten Paul Holbig sowie die der deutschen Hauptstadt, bevor er die Leser in den Sog einer packenden Krimi-Handlung zieht, die mit etlichen Überraschungen aufwartet.

Der 1968 in Bad Kissingen geborene Christian Försch lebt seit 1998 als freier Autor in Berlin und verfasste etliche Erzählungen, Features und Hörspiele für den Rundfunk. Er studierte Germanistik, Philosophie, Musikwissenschaften und Italienisch. Zwischen 1996 und 1998 arbeitete er als Dolmetscher, Autor und Übersetzer u.a. in Ferrara/Italien. (Ensa Maurer)

Am 28. März 2001 liest Christian Försch im Rahmen der Debütanten-Runde ab 20 Uhr im “LCB – Literarisches Colloquium Berlin” (Am Sandwerder 5; Telefon: 030-8169960) aus seinem Roman “Unter der Stadt”.

Titel: Unter der Stadt
Autor: Christian Försch
Verlag: Aufbau Verlag
Seiten: 304
ISBN: 3351029101

Das Vermächtnis der Eszter

Erstellt am: November 2nd, 2007

Das Buch ist 1939 erstmals erschienen.
Wieder, wie in dem Roman ” Die Glut” vom selben Autor, geht es um eine Lebensgeschichte, die aus der Rückschau eines längst gealterten Menschen erzählt wird.

Eszter, die Erzählerin, berichtet über Lajos, ihre einzige Liebe. Aber die Geschichte ist sehr lange her.

Es stehen sich Menschen gegenüber, von denen die einen naiv, lauter, ehrlich und ehrbar sind; die anderen sind von unstetem Charakter, unehrlich, gerissen, auf den eigenen Vorteil bedacht und das ohne jede Rücksicht auf die Folgen für die, die sie schädigen.

So hat Lajos entgegen allen Erwartungen die Schwester von Eszter geehelicht. Diese ist schon lange verstorben. Die aus diese Ehe hervorgegangenen Kinder haben denselben berechnenden Charakter wie ihr Vater Lajos.

Es ist eine Geschiche von Lug und Betrug, und davon, wie Menschen rücksichtslos jene, von denen sie geliebt werden, zugrunde richten können. Auch davon, wie einzelne Charaktere mit Selbstinszenierungen und Theaterspiel als Lebenselixier sich selber und andere zu täuschen vermögen.

Die Geschichte ist grausam in ihrem psychologischen Darstellungsgehalt und dennoch wahr trotz der scheinbaren und fast unglaubhaften Überzogenheit.

In einem kurzen Vorspann wird wieder einmal die Lebensweisheit und Lebensmüdigkeit des Autors, aber auch die Resignation darüber, was Menschen einander antun können, in wunderbarer Weise in Worte gefasst.

Es ist ein empfehlenswertes Buch für alle jene, die bei der Auswahl ihrer Romanlektüre einen philosophischen und psychologischen Hintergrund suchen. (Claudine Borries)

Titel: Das Vermächtnis der Eszter
Autor: Sándor Márais
Verlag: Piper
Seiten: 165
ISBN: 3492041981

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