Die Herrin von Wildfell Hall
Erstellt am: November 21st, 2007Auf dem halbverfallenen Landsitz Wildfell Hall hat sich Helen Graham, eine schöne und geheimnisvolle junge Frau mit Arthur, ihrem kleinen Sohn und Rachel, ihrer Haushälterin niedergelassen.
Gilbert, der älteste Sohn der Nachbarfamilie verliebt sich bald in die rätselhafte Fremde, obwohl wilde Gerüchte über deren Lebenswandel kursieren. Zunächst weigert sich Gilbert diesen Glauben zu schenken, hält sie für üble Verleumdungen, doch als er eines Abends eine schockierende Beobachtung macht, muss er glauben, dass diese Nachreden doch nicht ohne Grundlage sind.
Um Gilbert über ihr Geheimnis aufzuklären, gewährt Helen ihm Einblick in ihr geheimes Tagebuch. Es ist das Zeugnis einer zutiefst unglücklichen Ehe. Der gut aussehende charmante Mister Huntingdon, in den sich Helen eist verliebte, entpuppt sich bald als Trunkenbold und Weiberheld, der sich mit zweifelhaften Kumpanen umgibt. Er tyrannisiert seine Frau und lässt sie häufig monatelang allein. Sein Verhalten verschlimmert sich von Woche zu Woche und als Helen eines Tages entdecken muss, dass der Gatte sie regelmäßig mit anderen Frauen betrügt, entschließt sie sich zur Trennung, vor allem um Arthur den Sohn vor dem verderblichen Einfluss seines Vaters zu beschützen.
Doch die Flucht aus dem Hause des Ehemannes erweist sich als äußerst schwierig und erst nach sorgfältigen und geheimen Vorbereitungen, gelingt es Helen ach Wildfell Hall zu entkommen, wo sie seither unter einem angenommenen Namen lebt. Als der Gatte eines Tages schwer erkrankt, entschließt sie sicht trotz aller Bedenken zur Rückkehr, um den Leidenden zu pflegen.
Erst sein Tod macht sie wieder frei und schenkt ihr die Möglichkeit ein selbstbestimmtes Leben zu führen.
Obwohl ich eine große Verehrerin der beiden anderen Brontës, nämlich Charlottes und vor allem Emilys bin, habe ich bisher nur wenig von ihrer Schwester Anne gelesen, da ich sie für die am wenigsten Begabte des Trios hielt. “Die Herrin von Wildfell Hall” hat mich jedoch eines Besseren belehrt, denn diese Schilderung einer gescheiterten Ehe ist glaubwürdig, nachvollziehbar und auch in der heutigen Zeit noch aktuell. Obwohl die Autorin nie verheiratet war (sie starb mit 29 Jahren) beschreibt sie die großen und kleinen Verletzungen, die Missverständnisse und Streitereien, die das Zusammeneben eines Paares unerträglich machen, so als kenne sie das alles aus eigener Erfahrung – das langsame Abgleiten des zunächst so liebenswürdigen Mannes in die Alkoholsucht, sein immer haltloser werdendes Benehmen, seine wachsenden Aggressionen gegenüber der Partnerin. Auf der anderen Seite stehen die von vornherein zum Scheitern verurteilten Versuche Helens, den Gatten zu erziehen und zu einem anderen – besseren – Lebenswandel zu bekehren, sowie ihr völliges Unverständnis für die Bedürfnisse ihres Mannes. Alles dies ist spannend und mit leichter Hand erzählt. Die verschiedenen Zeitebenen der Romanhandlung und die hinein verwobene zweite Liebesgeschichte (die zwischen Helen und Gilbert) gestalten die Lektüre abwechslungsreich und vergnüglich.
Einzig das gelegentlich etwas zu penetrant vorgetragene religiöse Moment nervt bisweilen. Doch man darf andererseits nicht vergessen, in welcher Zeit das Buch geschrieben wurde. Wenn man bedenkt, dass damals Literatur für Frauen vornehmlich zur Vorbereitung auf ein zukünftiges Leben als brave Haus- und Ehefrau gedacht war, dann hat Anne Brontë einen ziemlich aufmüpfigen Roman vorgelegt. Eine Ehe, in der nicht alles “Friede Freude Eierkuchen” ist, zügellose Menschen, Helden, die Fehlentscheidungen treffen oder sich auch mal – wie Gilbert- total daneben benehmen, die unbeherrscht und launisch sind und sogar der “Fleischeslust” frönen – so etwas muss im prüden England des neunzehnten Jahrhunderts ziemlich skandalös gewesen sein. Kein Wunder, dass die Autorin das Buch zunächst unter einem männlichen Pseudonym (Acton Bell) veröffentlichte.
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von 2Evas Leseland”
Titel: Die Herrin von Wildfell Hall
Autor: Anne Bronte
Verlag: Insel Verlag
Seiten: 653
ISBN: 3458343318
Törichter Männer Rat
Erstellt am: November 20th, 2007Ein junger Mann aus Island erzählt die Geschichte seiner Familie:
Sigfús, der Großvater, ein Schrotthändler lebt gemeinsam mit seiner Frau Solveig und ihren sieben Kindern auf Laekjarbakki, einem heruntergekommen Gehöft in der tiefsten Einöde. Der Handel mit Autoerstzteilen, den sich der Mann, den alle Fúsi nennen, aufbaut, läuft nur mäßig erfolgreich, vor allem weil er sein Geld lieber in Alkohol umsetzt als irgend etwas anständiges damit anzufangen.
Solveig, die aus besserem Hause stammt, nimmt ihm dieses Versagen ziemlich übel und verlässt ihn eines Tages.
Die Kinder des Paares gehen unterschiedliche Wege.
Sálomon, einer der beiden erstgeborenen Söhne landet frühzeitig in einer Irrenanstalt.
Fridrik, sein Zwillingsbruder wird Nervenarzt. Bei einem Studienaufenthalt in Deutschland lernt er die Witwe Gertrud und deren Tocher Ethel kennen. Obwohl er zuerst mit der Mutter liiert ist, heiratet er Ethel und nimmt sie mit nach Island. Die schöne junge Frau wird dort jedoch niemals heimisch, bleibt unzufrieden und unglücklich. Erst als nach deren Tode, Gertrud, die Schwiegermutter bei Frirdrik einzieht, verbessert sich die Stimmung in seinem Hause.
Der erfolgreichste aus der Geschwisterschar ist Vilhjálmur Edvard, der zu einem berühmten Zehnkämpfer wird und später als Bankdirketor zu Geld und hohem gesellschaftlichem Ansehen gelangt.
Lára, eine der beiden Töchter heiratet einen Pfarrer, der beinahe Bischof geworden wäre. Ihr Sohn Aslákur (Laki) ist ein so perfekter, wohlgeratener und fehlerloser Sprössling, dass niemand gegen ihn bestehen kann.
Sigfús junior baut den Ersatzteilhandel seines Vaters mit viel Engagement aus und verdient damit später eine Menge Geld.
Bárdur, der Vater des Ich-Erzählers, ist das schwarze Schaf der Familie. Obwohl von hoher Intelligenz und Kreativität, bringt er es auf keinen grünen Zweig. Alle seine schönen Ideen, wie man zu Geld kommen könnte, verlaufen entweder im Sande oder sie machen andere reich. Er selbst und seine Familie bleiben arm und müssen ein ziemlich klägliches Dasein in einer Kellerwohnung im Hause von Bárdurs Bruder Fridrik fristen.
Hródný, die jüngste der Familie, die mit einem Klumpfuß zur Welt kam und daher hinkt, heiratet Geirmundur, einen ziemlich groben Klotz; der aber als Fischer sehr viel Geld verdient und für seine Familie schließlich eine riesige Villa bauen lässt.
Der Roman beginnt langsam und gemächlich, eigentlich ziemlich banal, aber man liest und liest und plötzlich ist man fast am Ende des Buches angelangt und bedauert, dass man es bald weglegen muss. Ganz unmerklich zieht einen der Text in seinen Bann und lässt einen nicht mehr los.
Kárason erzählt Geschichten, wie wir sie alle kennen – vom Hörensagen, aus Erzählungen unserer Eltern und Großeltern, Tanten und Onkel. Es sind keine großen Ereignisse, über die er berichtet, sondern er plaudert die kleinen Familiengeheimnisse, -sagen und -anekdoten aus.
Und wie in vermutlich jeder größeren Sippe gibt es auch in der Verwandtschaft des Ich-Erzählers Sympathien und Antipathien, Bosheit und Freundlichkeit, größere und kleinere Gemeinheiten und Betrügereien.
Die Helden in Kárasons Roman sind dabei natürlich nicht die so erfolgreichen Geschwister Vilhjálmur Edvard und Lára, die Mutter des Wunderknaben Aslákur, sondern eher die stille Hródný und Geirmundur, ihr ungehobelter Gatte, sowie Bárdur, die verkrachte Existenz.
Alles ist liebevoll geschrieben und ich konnte so einige Histörchen entdecken, die ich selber so ähnlich erlebt oder doch zumindest von meinen Angehörigen erzählt bekommen habe.
Ein Buch, das zwar keine weltbewegenden neuen Erkenntnisse über das Leben vermittelt, das aber angenehm unterhält ohne zu belehren oder aufdringlich zu sein.
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.
Titel: Törichter Männer Rat
Autor: Einar Karason
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 282
ISBN: 3442725151
Feuerspiele
Erstellt am: November 20th, 2007“An jenem Abend, als Monika, seine Frau, gestorben war”, betrat Jan den dunklen Raum auf dem Dachboden seines Hauses und beschloss zu sterben. Aber nicht der Tod kam zu ihm, sondern die Erinnerung an eine schlimme Vergangenheit, die Jan, solange er mit Monika zusammen gewesen war, verdrängt hatte. Plötzlich stehen ihm Chaos, Angst, Verfolgung und Mord während der Zeit, als die Nazis Polen besetzt hatten, wieder deutlich vor Augen. Während längst verstorbene Menschen Jan auf seinem Dachboden heimsuchen und Gerechtigkeit fordern, bereiten viele Kilometer von ihm entfernt drei Menschen eine Kunstausstellung im idyllischen deutschen Kurort Bad Kranach vor: der amerikanische Großindustrielle Graham Wilson, der russische Fürst und Emigrant Kyrill und der Ungar Dr.Kovacs. Kunstsammler aus aller Welt sollen auf dieser Ausstellung ihre Schätze zeigen, die der Veranstalter werden allerdings nur Fälschungen sein. Denn geplant ist ein großer Versicherungsbetrug. Alles soll zum Schluss in Flammen aufgehen.
Auf dem Dachboden findet Jan eine Liste mit Namen und erinnert sich an Polen, Deutsche, Juden, Nazis und Kommunisten, die seinen Weg gekreuzt haben, zum Beispiel an Joel Weiss, der heute ein hervorragender Kunstsammler ist, an den Nazimörder Kugler, der sich jetzt Baron nennt, an Ackermann, Kuglers Stellvertreter, an Westermann, der seinem Schulfreund Weiss das Eiserne Kreuz des Vaters klaute, um ihn später bei der Polizei zu verpfeifen, an einen Jude namens Obrazek, an dessen Schwiegersohn Grynzpan aus Warschau, dem Helfershelfer von Kugler, an den Polizisten Halberstamm, der ein jüdisches Mädchen rettete, sowie an zwei hochgewachsene Brüder mit Spitznamen Känguruh und Mäuserich, die von den Nazis ermordet wurden.
Viele, die überlebt haben, werden auch in Kranach sein. Jan erfährt davon und reist mit dem polnischen Galeristen Edek Laski dorthin. In Kranach trifft er ein halbes Dutzend Kriegsverbrecher, die nicht nur der gerechten Strafe entgingen, sondern auch keinerlei Reue zeigen. Unter diesen befindet sich Kugler, dem Jan vergeblich ins Gewissen redet. “Was geschehen ist, ist nun mal geschehen”, sagt Kugler.
Schließlich verschlingt sie alle der außer Kontrolle geratene Brand. Nur Jan kann sich dank Rita, die Halberstamm einst vor dem Tod bewahrt hat, in Sicherheit bringen. Andrzej Szczypiorski läßt in dem Band, der in Polen noch kurz vor seinem Tod erschien (der Autor starb im Mai 2000), viele Fragen anklingen, wie etwa die, ob es das Schicksal gewollt habe, dass Halberstamm Soldat und Henker unschuldiger Menschen wurde, ob Gott existiert, und wenn ja, ob wirklich alles mit seiner Erlaubnis geschehen sei. In packenden Geschichten, großartigen Passagen und grandiosen Dialogen zeigt er ein unvorstellbares Dickicht kollektiver Verstrickungen, die Verquickung von Gut und Böse, von Gemeinheit und Heldentum, von Bewähren und Versagen.
Auch wenn Szczypiorskis letztes Werk nicht die Qualität seines Buches “Die schöne Frau Seidenmann” besitzt, mit dem der polnische Dichter bei uns schlagartig bekannt geworden ist, so hat er doch mit diesem vielgestaltigen Roman mit den wichtigsten Themen des letzten Jahrhunderts seinen Lesern ein großes künstlerisches Vermächtnis hinterlassen. (Ursula Homann)
Titel: Feuerspiele
Autor: Andrzej Szczypiorski
Verlag: Diogenes
Seiten: 363
ISBN: 3257062532
Die Musik der Wale
Erstellt am: November 20th, 2007Das Leben meint es nicht gut mit Dolores Price. Schon früh muss sie Schicksalsschläge jeder Art ertragen.
Das lang erwartete Brüderchen stirbt bei der Geburt. Die Mutter erträgt den Gedanken an den Tod des Babys nicht und wird depressiv, der Vater sucht seitdem sein Vergnügen bei anderen Frauen. Später lassen sich die Eltern scheiden und die Mutter landet darauf hin in der Klapsmühle. Dolores muss zur ungeliebten Großmutter ziehen und kommt in eine schreckliche Schule, wo ihr auch nur Böses widerfährt. Mit dreizehn Jahren wird das Mädchen von einem Mann, der bei der Großmutter zur Miete wohnt vergewaltigt. In ihrer Verzweiflung fängt Dolores an unkontrolliert zu fressen und wird immer dicker. Dann kommt die Mutter bei einem Unfall ums Leben. Dolores kommt aufs Kollege, wo sie sich noch unwohler fühlt, als auf der Schule – alle hänseln sie wegen ihrer unförmigen Figur. Sie fährt nach Cape Cod, wo einige Wale gestrandet sind, um sich dort das Leben zu nehmen. Sie wird gerettet und landet in einer Klink, wo sie sieben Jahre bleibt.
Kurz nachdem sie die Anstalt verlassen hat, trifft sie auf Dante, einen Mann, in dessen Bild sie sich schon vor Jahren verliebt hatte. Ihn heiratet sie, doch auch ihre Ehe macht Dolores nicht glücklich, denn Dante erweist sich schließlich als nicht so nett, wie Dolores geglaubt hatte. Dolores wird schwanger, doch Dante zwingt sie zur Abtreibung. Nachdem Dante seine Frau auch noch betrügt, kommt es zum Bruch zwischen den Eheleuten.
Dolores zieht zurück in das Haus ihrer Großmutter, das sie geerbt hat, dort lebt sie mit Roberta, einer Bekannten aus Jugendtagen.
Sie entscheidet sich, es noch einmal mit dem College zu versuchen, doch wieder fühlt sie sich dort nicht so richtig wohl, doch immerhin lernt sie dort Thayer kennen, einen Mann, der besser zu ihr zu passen scheint, als der verflossene Dante. Der Versuch, sich von Thayer schwängern zu lassen, misslingt, aber Dolores erkennt, dass sie es mit Hilfe dieses Mannes schaffen wird, auch ohne Kind glücklich zu sein.
Obwohl mich schon der Klappentext zu diesem Buch nicht gerade neugierig auf den Inhalt gemacht hat, ließ ich mich von den vielen positiven Kritiken (und von einem Sonderangebot meiner Buchhandlung) zu einem Kauf der Taschenbuchausgabe des Romans verleiten.
Leider wurde ich ziemlich enttäuscht. Die Lobeshymnen vieler Kritiker kann ich ganz und gar nicht nachvollziehen.
Wer schon öfter meine Buchkritiken gelesen hat, weiß, welche Zutaten für mich zu einem guten Buch gehören – sprachliche Raffinesse, eine nachvollziehbare Handlung, plastischer Erzählstil, Spannung, glaubwürdige Charaktere und Humor. Auf der anderen Seite gibt es Dinge, die mich ungeheuer abtörnen: Langeweile, Weinerlichkeit, erhobene Zeigefinger, misslungene Hauptpersonen, eine verquaste Sprache, Schwulst.
Geschichten, in denen sich Schicksalsschlag an Schicksalsschlag reiht, sind nur zu ertragen, wenn sie mit Witz und Humor erzählt werden, doch leider ist auf den ganzen 570 Seiten, die “die Musik der Wale” umfasst, nicht ein Fünkchen Humor zu finden. Hinzu kommt, dass ich zu Dolores, der Hauptperson, während der gesamten Lektüre keine Beziehung aufbauen konnte – sie war mir einfach unsympathisch! Ihr Selbstmitleid und ihre Unfähigkeit, dem Leben auch die eine oder andere positive Seite abzugewinnen, gingen mir echt auf den Keks!
Es gibt Leute, die weit schlimmere Dinge ertragen müssen als Dolores Price und die trotzdem ihrem Humor und ihren Lebensmut behalten – als Beispiel seien hier Ruth Picardie mit “Es wird mir fehlen das Leben” oder Frank Mac Court mit “Die Asche meiner Mutter” genannt.
Immerhin gibt es einen hoffnungsvollen Schluss, der mich ein kleines bisschen mit dem Roman versöhnt. Ganz am Ende der langen Geschichte findet Dolores zu sich selbst und gewinnt die Fähigkeit, ihr Leben anzunehmen.
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.
Titel: Die Musik der Wale
Autor: Wally Lamp
Verlag: Ullstein Verlag
Seiten: 571
ISBN: 3548249493
Sturmhöhe
Erstellt am: November 20th, 2007Es scheint ein Fluch zu liegen über Wuthering Heights, einem sturmumtosten Landsitz im Norden Englands.
Heathcliff, der finsteren Gutsherr tyrannisiert nicht nur seine Mitbewohner, sondern auch die Nachbarn von Trushcross Grange haben unter ihm zu leiden.
Einst war Heathcliff als Findelkind im Hause des damaligen Gutsherrn Earnshaw aufgenommen worden.
Er und Catherine, die Tochter Earnshaws entbrennen in heißer Liebe zueinander. Doch Neid, Arroganz, Standesdünkel, Habgier und die heftige Abneigung, die Catherines Bruder Hindley von je her gegenüber Heathcliff empfunden hat, machen eine Verbindung der beiden unmöglich. Wider besseres Wissen, entschließt sich Catherine eines Tages, Edgar Linton, den zwar (meist) gutmütigen, aber saft- und kraftlosen Sohn der angesehenen Nachbarn zu heiraten.
Heathcliff, der schon immer einen finsteren und aufbrausenden Charakter besaß, kann die Enttäuschung und Demütigung nicht verwinden und verfolgt nun die Familien Earnshaw und Linton mit seinem Hass.
Als seine Angebetete, wahnsinnig vor Kummer und Verzweiflung, wenige Stunden nach der Geburt ihrer Tochter stirbt, steigert sich Heathcliffs Wut zur Raserei, er wird grausam und bösartig.
Jahre später, droht seine Rachsucht auch das Leben der nachkommenden Generationen zu vernichten. Doch dann beginnt Heathcliffs zerstörerische Kraft zu schwinden und als sich zwischen Catherine Linton, der Tochter seiner Angebeteten, und Hareton Earnshaw, dem Sohn Hindleys, eine zarte Liebe entwickelt, ist er nicht mehr in der Lage, etwas dagegen zu setzen und die beiden zu entzweien. Als ihm schließlich der Geist der toten Catherine erscheint, ist es um ihn geschehen. Kaum noch Herr seiner Sinne weigert er sich zu essen und zu schlafen und stirbt schließlich.
So endet der Wahn, der zwei Familien über Jahrzehnte hinweg nichts als Unglück gebracht hat und selbst Heathcliff findet seinen Frieden – er wird Seite an Seite neben seiner geliebten Cathy begraben.
Wer sagt denn, dass Klassiker nur etwas für den Deutschunterricht in Gymnasien sind oder für die Studierstuben hochintellektueller Schöngeister? “Sturmhöhe” beweist das Gegenteil. Ebenso wie “Jane Eyre”, das Buch von Emily Brontës Schwester Charlotte, erschien der Roman 1847 in England und erregte einiges Aufsehen. Aber auch heutzutage, mehr als einhundertfünfzig Jahre nach seinem Erscheinen, liest sich der Roman so spannend und aktuell, dass man ihn, einmal in die Hand genommen, am liebsten gar nicht mehr weglegen möchte. Nicht eine einzige Zeile darin ist langweilig oder überflüssig und es geht richtig zur Sache. Die Handlung birst fast vor Emotion und Leidenschaft, es wird geliebt und gehasst, dass sich die Balken biegen! Und was für prächtige Charaktere Emily Bronte erschafft! Keine Gestalt ist fade oder unglaubwürdig. Die Personen sind nicht einfach nur gut oder schlecht, klug oder dumm, hübsch oder hässlich sondern so vielfältig und schillernd wie die Menschen im richtigen Leben halt auch.
Selbst an Heathcliff, dem Wüstling, vermag man sympathische Züge zu finden; er ist zu echten Gefühlen fähig – zu glühender Liebe aber auch zu leidenschaftlichem Hass! Er erregt unser Mitleid – nicht wegen seiner Verblendung, sondern wegen seiner tiefen Verzweiflung. Und mal ehrlich – möchten wir nicht alle so lieben und geliebt werden; mit einer Leidenschaft, die an Wahnsinn grenzt?
Dies ist eines meiner Lieblingsbücher! Es kommt nur sehr selten vor, dass ich einen Roman mehr als einmal lese; “Sturmhöhe” habe ich gerade zum dritten Male gelesen und es hat mich wieder aufs Neue begeistert.
Absolut lesenswert!
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.
Titel: Sturmhöhe
Autor: Emily Bronte
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 449
ISBN: 3442076765
Alberta empfängt einen Liebhaber
Erstellt am: November 20th, 2007Schon das erste Aufeinandertreffen von Alberta und Nadan in den siebziger Jahren verläuft nicht unbedingt so, wie es einer frisch erblühenden Liebe förderlich ist. Die beiden haben offenbar sehr verschiedene Wahrnehmungen, denn die Nacht, in der sie sich zum ersten Male begegnen, wird von Alberta als mondhell empfunden, von Nadan jedoch später als stockdunkel beschrieben. Leider kommt es auch nicht zum Austausch glühender Küsse, denn die jungen Leute sind unerfahren und wissen nicht so recht, wie sie miteinander umgehen sollen und so wird aus der frühen Liebe erst einmal nichts.
Nadan erfindet für Alberta eine ungewöhnliche Bezeichnung: “Mizzebill”, das ist sein Ausdruck für eine Frau, die einen fertig macht, mit der man nicht leben kann, obwohl man sie liebt – mindestens so schlimm wie eine Heuschreckenplage!
Später in den achtziger Jahren treffen Alberta und Nadan erneut aufeinander. Sie stellen fest, dass sie einander immer geliebt haben und beschließen, gemeinsam durchzubrennen. Noch immer nennt Nadan Alberta eine “Mizzebill” und folgerichtig scheitert auch der zweite Versuch der beiden, zueinander zu finden. Zu groß sind die Unterschiede, die sie trennen. Während Alberta lieber nach Paris durchbrennen möchte, zieht es ihren Freund eher nach Amsterdam. Schließlich landen sie in einer öden Pension in der Nähe von Mannheim und Alberta stört sich an der geschmacklosen Krawatte, den Zahnputzgeräuschen und anderen ganz normalen Lebensäußerungen Nadans, während dieser den Zigarettenkonsum Albertas verabscheut.
Die Wege der beiden trennen sich. Während Alberta nach Südfrankreich zieht, sich dort beruflich entwickelt und eine kleine Familie gründet, geht Nadan zunächst nach Arizona und kehrt später nach Deutschland zurück. Erst ihr Ehemann bringt Alberta darauf, dass die Geschichte zwischen ihr und Nadan noch nicht zu Ende ist und so treffen sich die beiden schließlich zum dritten Male.
Aufgeregt bereitet Alberta ein feudales Abendessen vor und erwartet voller Spannung ihren Liebhaber. Doch wieder wird nichts aus der erträumten Liebesnacht, statt dessen erzählt Nadan schon gleich zu Beginn von seiner schwangeren Frau und seinen Kindern. Doch jetzt endlich kann Alberta für sich das Ende der Affäre, die es eigentlich nie so richtig gab, akzeptieren, die Geschichte schriftlich verarbeiten und zurück finden zu Jean-Philippe, ihrem Mann.
Der Roman ist knapp und dicht geschrieben. Rückblenden und gewollte Wechsel zwischen dem Erzählen in der Ich-Form und in der dritten Person lockern den Text auf. Die Sprache ist locker und unverkrampft, so dass der Roman auch für jüngere Leser amüsant sein dürfte.
Gegen den Erzählstil der Autorin ist relativ wenig einzuwenden, aber insgesamt hat mich das Buch nicht so zu fesseln vermocht, wie ich es mir gewünscht hätte. Woran das liegt? Vielleicht an den etwas infantil wirkenden Charakteren oder an der Handlung, die mir banal erscheint, obwohl doch Probleme erörtert werden, die so manchem von uns das Leben und die Liebe erschweren.
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.
Titel: Alberta empfängt einen Liebhaber
Autor: Birgit Vanderbeke
Verlag: Fischer
Seiten: 117
ISBN: 3596141982
Land der Bäume
Erstellt am: November 18th, 2007Das Sujet zu diesem Roman bildet die Geschichte eines schottischen Clans , der um 1784 aus Schottland nach Kanada, Ontario ,in das “Land der Bäume”, einer Landschaft des rauen Kap Breton an der kanadische Atlantikküste , eingewandert ist. Der Bogen spannt sich vom Urgroßvater des Icherzählers immer wieder hin zur Gegenwart.
Die Schilderung beginnt mit einer Fahrt durch die herbstliche Landschaft Ontarios und die vom bunten , farbenprächtigen Laub der Bäume gesäumten Strassen. Der Leser hat sofort einen lebendigen Eindruck von der Stimmung, die dieser Erzählband zu vermitteln vermag. Vergleichbare Beschreibungen einer herbstlichen Landschaft kenne ich sonst nur aus Gedichten.
Der Erzähler fährt mit dem Auto nach Toronto, um seinen alkoholkranken Bruder zu besuchen. Die ärmliche Gegend, die heruntergekommene Behausung des Bruders, wird ebenso wortreich und malerisch beschrieben ,wie der bunte Herbst, so dass der Leser gleich gebannt ist. Auch zeigen die Befindlichkeiten beider , wie unterschiedlich die Lebenswege von Brüdern sein können. Der eine ist wohlsituiert, der andere durch schwere Bergarbeit und Rechtshändel aus der Bahn geworfen. Aber nicht diese beiden Brüder alleine spielen in dem Roman ein Rolle, sondern die ganze Familie mit ihrem Umfeld, ihren kleinen und großen Nöten und immer wieder die Landschaft, wird beschrieben.
Der Icherzähler, Bruder ,Sohn und Verwandter der weitverzweigten Familie, geboren um 1945, lässt seine Gedanken zurückwandern, um sich das Bild seiner Familie und seiner Vorfahren zu vergegenwärtigen. Er beschreibt die einfachen Verhältnisse , in die er hineingeboren wurde. Das Leben in dem rauen ,zerklüfteten aber auch fruchtbaren Land im Südwesten Ontarios bot den Einwanderern nur spärlichen Broterwerb unter harten äußeren Bedingungen. Minenarbeiter und Leuchtturmwärter, Fischer und mit ein wenig Glück auch mehr, konnte man dort nur werden. Eine ungestillte Sehnsucht nach Schottland, dem Land der Väter, bleibt und macht sich bei der Betrachtung des Meeres bemerkbar.
Nur mit Mühen und schwerer Arbeit gelingt es einigen Familienmitgliedern, zu geringem Wohlstand mit einfachem Komfort zu gelangen. Der Icherzähler konnte studieren, ist Kieferorthopäde geworden und gehört zu denen, die es geschafft haben .
Nach der vielversprechenden Einleitung ist der Gang der Dinge und sind die Wege der Familienmitglieder teilweise ein wenig weitschweifig beschrieben. Immerhin bekommt man einen Eindruck von einer großen Familie, ihrem Tun und Lassen. Das Familienleben wird von engem Zusammenhalt bestimmt. Eingebettet in die Solidarität und die Hilfe aller untereinander, entsteht das Bild eines Clans, wie wir ihn uns vergleichbar kaum vorstellen können. Die raue Landschaft steht im Widerspruch zu dem liebevollen, herzlichen Klima in der Familie. Nichts Kitschiges haftet dem Ganzen an, sondern es ist verständlich, dass sich unter den äußeren Bedingungen der Zuneigung auch die inneren Bindungen zueinander entsprechend gestalten. Toleranz und Nächstenliebe im weitesten Sinne scheinen das Leben zu bereichern.
Die Übersetzung erscheint mir ausgezeichnet. Die Vielfalt der sprachlichen Schönheit, mit der Landschaft , Menschen und Begebenheiten beschrieben werden, ist sehr gelungen. Es ist ein schöner, ruhiger Roman, den man in einer Stunde der Muße zur Hand nehmen sollte. (Claudine Borries)
Titel: Land der Bäume
Autor: Alistair MacLeod
Verlag: S. Fischer Verlag
Seiten: 285
ISBN: 310048813X
Die Wagenlenkerin
Erstellt am: November 18th, 2007Der Roman spielt im alten Griechenland etwa in den Jahren 63 – 67 unserer Zeitrechnung. Seit ihrer Kindheit leidet Alexandra, Tochter des Adligen Melanthios, unter der Benachteiligung, der die Frauen zu jener Zeit gegenüber Angehörigen des männlichen Geschlechtes ausgesetzt waren.
Insbesondere Paidikos, Alexandras Zwilingsbruder, lässt keine Gelegenheit aus, seine Schwester immer wieder zurückzudrängen.
Da Alexandras Mutter kurz nach der Geburt der Zwillinge starb, wächst das Mädchen mutterlos auf, von ihrem Vater erfährt sie nur wenig Liebe, nur bei dem Sklaven Chiron fühlt sie sich wohl und geborgen.
Obwohl Alexandra bedeutend besser mit Pferd und Wagen umzugehen weiß als ihr Bruder, fürchtet sie, niemals als Wagenlenkerin bei den Olympischen Spielen antreten zu dürfen, denn für Frauen ist die Teilnahme verboten. An ihrer Stelle beansprucht Paidikos das Gespann führen zu dürfen.
Alexandra beschließt, notfalls in einer Verkleidung als Mann, an den Wettkämpfen in Megalopolis teilzunehmen. Unterstützung erhofft sie sich von ihrer Tante Baukis, einer unbeugsamen und wohlhabenden Frau.
Nach ihre schmählichen Niederlage bei den Wettkämpfen und dem grausamen Tod ihrer Tante fühlt sich Alexandra einsamer denn je. Sie ist umgeben von Feinden und Gegnern – neben ihrem Bruder Paidikos ist da noch Philotis, die neue Ehefrau des Vaters nebst ihrem Bruder Psamenias und dem Vater Charaxos und vor allem der finstere und undurchschaubare Apollopriester Idaios. Außerdem gibt es da noch einen weiteren seltsamen Typen, den Töpfer Antenor, der immer dann auftaucht, wenn in Alexandras Umfeld seltsame oder beängstigende Ereignisse geschehen.
Trotz aller Widerstände begibt sich Alexandra einige Jahre später zu den Spielen der 211ten Olympiade, um dort teilzunehmen und möglichst den Sieg in der Biga (dem Zweigespann) zu erringen. – Ein äußerst gefährliches Vorhaben, denn ihre Gegner trachten danach, dies mit allen Mitteln – lauteren und unlauteren – zu verhindern.
Dass sie unter dem Schutz der Erdgöttin Gaia und deren Ururenkel Pan steht, hilft dabei der jungen Frau nur wenig, denn längst haben die männlichen Götter Zeus und vor allem Apollon mit Hilfe ihrer Priester versucht, die Urgöttin von ihrem angestammten Platz zu verdrängen.
Die olympischen Spiele der Antike sind gewiss ein hochinteressantes historisches Thema, doch leider wird ihm die Autorin nur teilweise gerecht. Immer wieder verlässt sie den Boden der mit gesicherten Fakten belegten Realität und begibt sich in mystische, pseudoreligiöse Sphären. Stellenweise erinnert der Roman stark an die Werke von Marion Zimmer Bradley. Mich stört auch die krasse schwarz-weiß Malerei. Gut und Böse sind fest vergeben; zwielichtige, schillernde oder auch nur schwankende Charaktere kommen kaum vor. Zu eindimensional, zu flach sind die Figuren gezeichnet. Reflektion, Nachdenklichkeit, das Wachsen der Personen an Ereignissen vermisse ich auf der ganzen Linie. Die Handlung und die Entwicklung der Geschichte ist voraussehbar – so wusste ich beispielsweise sofort, welch böser Mensch sich hinter der goldenen Apollosmaske verbirgt.
Schade – in dem Thema wäre mehr “drin” gewesen.
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.
Titel: Die Wagenlenkerin
Autor: Kari Köster-Lösche
Verlag: List Verlag
Seiten: 479
ISBN: 3471794190
Die Seherin von Knossos
Erstellt am: November 18th, 2007Am Ende von “Die Prophetin von Luxor” trat Chloe eine weitere Zeitreise an, wie sie hoffte nach Hause. Aber als sie erwacht ist sie keinesfalls wieder im 20. Jahrhundert, sondern weitere 400 Jahre in die Vergangenheit gereist. Hier schlüpft sie in den Körper der Seherin Sybilla, die eine Einwohnerin des Inselimperiums Aztlan ist. Anfangs trauert Chloe viel zu sehr um den Verlust von Cheftu, um wahrzunehmen, was um sie herum vorgeht. Sie glaubt ihr Ehemann wäre in Ägypten zurückgeblieben.
Weit gefehlt, Cheftu hat ebenfalls eine weitere Zeitreise hinter sich gebracht er befindet sich zur gleichen Zeit in Ägypten, jedoch schwer verletzt. Nur der Wette zwischen 2 Ärzten verdankt er sein Überleben. Seinen Körper und den Leichnam einer Frau hat man in einer Stierarena gefunden, Cheftu ist fast zu Tode getrampelt worden. Nach seiner Genesung bringt ihn die Tatsache, daß Chloe anscheinend tot ist, fast um den Verstand. Er hat in der Arena den leblosen Körper von RaEm in den Armen gehalten und glaubt Chloe für immer verloren. Als er wieder am Leben teilnimmt, schafft er es den ägyptischen Pharao von einem Augenleiden zu befreien und wird mit Ehrungen überschüttet.
Chloe lernt, dass Sybilla furchtbare Visionen über den Untergang ihres Volkes hat. Sie weiß nicht so recht warum sie nach Aztlan “geschickt” wurde. Irgendwann schafft sie es mit dem im Körper verbliebenen Geist von Sybilla einen Pakt zu schließen. Sie teilen sich die “Herrschaft” über den Körper.
In Aztlan steht bald ein Herrscherwechsel bevor, der Thronfolger muss in einer seltsamen Zeremonie seine Würdigkeit als Oberhaupt beweisen. Und bei einem Rennen wird entschieden, wer als Herrscherin an seiner Seite regieren wird. Chloe übt für dieses Rennen, da sie merkt wie wichtig das für Sybilla ist, allerdings hat sie keine Ahnung davon, was sie erwartet, sollte sie gewinnen.
Cheftu wird in die Intrigen zwischen Aztlan und Ägypten verstrickt und befindet sich bald auf dem Weg in das sagenumwobene Imperium. Hier treffen er und Chloe endlich wieder aufeinander, aber die Räder des Schicksals drehen sich bereits und nicht nur der Untergang von Aztlan scheint vorbestimmt. Sollte ihr gemeinsames Glück wirklich nicht von Dauer sein?.
“Die Seherin von Knossos” ist zwar wesentlich düsterer und brutaler als der erste Teil der Trilogie, aber er bietet auch wieder atemberaubenden Lesespaß. Suzanne Frank schreibt einfach grandios! Bis Chloe und Cheftu wieder aufeinandertreffen dauert es eine ganze Weile und man braucht anfangs viel Konzentration um der verzweigten Handlung folgen zu können, trotzdem sollte man auch diesen Teil keinesfalls verpassen! Ich bin jedenfalls sehr gespannt wie die Geschichte im dritten Teil ausgehen wird.
Kritik geschrieben von IW, Herausgeberin von “Die romantische Bücherecke” (http://www.die-buecherecke.de)
Titel: Die Seherin von Knossos
Autor: Suzanne Frank
Verlag: Blanvalet Taschenbuch
Seiten: 300
ISBN: 3442351898
Das Wüten der ganzen Welt
Erstellt am: November 18th, 2007Am 22. Dezember des Jahres 1956 wird bei einer religiösen Veranstaltung Arend Vroombout, der Ortspolizist einer holländischen Vorstadt erschossen. Einziger Zeuge der Bluttat ist der junge Alexander, der die Gesänge der Gläubigen auf seinem Klavier begleitet. Da er glaubt, dass der Mörder auch ihm, dem unfreiwilligen Beobachter des grausigen Geschehens, ans Leder will, lebt er seit diesem Moment in Furcht vor dem unbekannten Mann, den er nur für einen flüchtigen Augenblick sehen konnte. Nur am Klavier, wenn er die Musik seiner geliebten Komponisten Beethoven, Bach oder Schubert spielt, fühlt er sich wohl und sicher.
Da die Polizei nicht in der Lage ist, die Tat aufzuklären, versucht Alexander auf eigene Faust, herauszufinden, warum und von wem der Mord verübt wurde. Manchmal glaubt der Junge verzweifeln zu müssen, denn wo er auch sucht, überall stößt er auf Lügen, Widersprüche und seltsame Zusammenhänge. Sowohl seine Klavierlehrerin scheint in den Fall verwickelt zu sein als auch sein väterlicher Freund, der musikbegeisterte Apotheker Simon Minderhout. Kannten sie den Mörder, wissen sie warum Vroombout sterben musste? Selbst Jahre später, als längst Gras über den Fall gewachsen ist, gelingt es Alexander nur selten, das Trauma seiner Jugendzeit zu verdrängen, denn immer wieder wird er mehr oder weniger zufällig auf diese Geschichte gestoßen. Und dann muss er plötzlich erkennen, dass er viel tiefer in das Geschehen verstrickt ist, als er je ahnen konnte . . .
Es ist eine verwickelte und doch am Ende vollkommen logische Geschichte, die der Autor hier erzählt. Scheinbar nebensächliche Details, die zu Beginn des Romans mehr oder weniger beiläufig zur Sprache kommen, werden zum Schluss plötzlich unglaublich wichtig, und führen schließlich zur Aufklärung des Ganzen.
Obwohl der Leser, genau wie der Ich-Erzähler, bis etwa zur Hälfte des Buches völlig im Dunkeln tappt, höchstens eine vage Ahnung von den Zusammenhängen hat, erkennt er doch langsam, in welch kompliziertes Geflecht aus Rache, Lüge, Verrat, Liebe und Hass der junge Alexander ohne eigene Schuld verstrickt ist. Man glaubt plötzlich, viel mehr zu wissen, als der bedauernswerte Junge, der nicht in der Lage ist zu erkennen, was doch so klar auf der Hand zu liegen scheint.
Dabei ist das Buch weiß Gott nicht nur ein simpler Krimi, es ist sehr viel mehr – ein Buch über die Musik, übers Erwachsenwerden und über die Liebe. Und nicht zuletzt enthält der Roman auch eine ziemlich harte Kritik an den gesellschaftlichen Verhältnissen während des Krieges und den ersten Jahren der Nachkriegszeit in den Niederlanden.
Dieses Buch hatte bei mir den Effekt, den halt nur ganz besonders gelungene Romane hervorrufen: Ich wollte lesen, lesen und lesen und doch wusste ich, dass ich je gieriger ich den Text verschlang, mich um so schneller der letzten Seite näherte, die mich unwiderruflich von der Lektüre trennen würde. Ursprünglich hatte ich vor, den Roman mit der Höchstwertung auszuzeichnen, doch nachdem einige Tage vergangen waren, und mein Gesamteindruck sich festigen konnte, empfand ich ein unangenehmes, schales Gefühl was Alexanders Entscheidung am Ende des Buches betrifft. Mir wäre es lieber gewesen, er hätte das traurige Geheimnis, das sich um seine eigene Existenz rankt und das er selber aufgedeckt hat, seinen nächsten Angehörigen, vor allem seiner Frau enthüllt. Bis zu dem Augeblick, wo er erkennen muss, wer er wirklich ist, ist Alexander an all den Ränken, die so viel Unheil angerichtet haben, vollkommen unschuldig – ein ahnungsloses Opfer. Doch er hätte die einmalige Chance gehabt unter dieses Kapitel einen Schlussstrich zu ziehen, indem er es nicht tut und die Lüge weiter bestehen lässt, belastet er sich nun selber auch mit Schuld.
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von Evas Leseland
Titel: Das Wüten der ganzen Welt
Autor: Maarten ‘t Hart
Verlag: Piper Verlag
ISBN: 3492225926
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