Die rote Zora und ihre Bande



Beginnen wir mit dem Autor des Buches, Kurt Held. Er wurde am 4.November 1897 im thüringischen Jena geboren, ist weit in der Welt herumgekommen und übte zahlreiche Berufe aus. Unter seinem richtigen Namen Kurt Kläber veröffentlichte er zwischen 1918 und 1933 eine Reihe von Büchern. Nach seiner Verhaftung 1933 fand er mit seiner Frau Lisa Tetzner Zuflucht in der Schweiz, wo er 1959 starb. Der Anlass für sein erstes Jugendbuch, so erzählt er selbst, sei von Kindern gekommen, die durch den Krieg heimat- und elternlos in ihr Dorf geschwemmt worden seien. Da keine Bücher vorhanden waren, dachte sich Held für die Kinder Geschichten aus, jede Nacht, „denn am Morgen Punkt 10 Uhr standen sie unter meinem Balkon und schrieen ‚Fortsetzung!'“ So entstand „Die rote Zora“, ein spannendes Kinderbuch, bei dessen Erwähnung noch heute viele Erwachsene, wie etwa der bekannte Kritiker Volker Hage oder der Schriftsteller Hansjörg Schneider, ins Schwärmen geraten.

Das Buch beginnt mit dem traurigen Schicksal des zwölfjährigen Branko. Mit seiner Mutter wohnt er in Senj, einer kleinen kroatischen Stadt. Der Vater ist fahrender Geiger und nie zu Hause. Die Mutter, eine arme Tabakarbeiterin, ist schwer krank und stirbt. Branko muss nun zusehen, wie er fertig wird. Er leidet Hunger, und als er sich an einem der Markttage nach einer heruntergefallenen Makrele bückt, wird er des Diebstahls bezichtigt und ins Gefängnis gesperrt. Doch die mit allen Wassern gewaschene rote Zora, Anführerin einer Kinderbande, befreit ihn. Branko schließt sich der Bande an, die in der Burg hoch über der Stadt ihr Quartier hat und sich mit kleinen Diebereien und Gelegenheitsarbeiten über Wasser hält. Das bringt sie in Konflikt mit den Dorfbewohnern. Nur der alte Gorian, der selbst ein Außenseiter ist, ergreift ihre Partei. Ihm gelingt es schließlich, den Kindern Arbeit und Familien zu vermitteln, so dass am Ende doch noch alles gut wird.

Natürlich ist der Schluss viel zu schön, um wahr zu sein. Aber Kurt Held hat die Geschichte so spannend erzählt und blumig ausgemalt, dass man ohne weiteres verstehen kann, dass ihm die Kinder gebannt und atemlos zugehört haben und von den Abenteuern und Unternehmungen der Zora-Bande nicht genug bekommen konnten.

Das Buch vermittelt viel Atmosphäre, auch wenn es die Bandenromantik ein wenig verklärt, und enthält sozialkritische Töne. Daher wirkt die Geschichte von der „Roten Zora und ihrer Bande“ – man denke nur an die immer noch anhaltenden Unruhen auf dem Balkan und an die Lage verwaister und verwahrloster Kinder in den armen Ländern dieser Welt – heute noch brisant und hochaktuell. (Ursula Homann)

Titel: Die rote Zora und ihre Bande
Autor: Kurt Held
Verlag: Carlsen Verlag
Seiten: 478
ISBN: 3293210015

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