Merian Südafrika
Südafrika ist eines der schönsten und zugleich spannendsten Länder der Welt. Es ist verwirrend, vieldeutig, atemberaubend und widersprüchlich. Auf der einen Seite ist es arm, auf der anderen Seite jedoch hoch entwickelt. Es gibt den Kraal und hypermoderne Telekommunikation, die Wild Coast und das glitzernde Kapstadt, hohe Kunst neben Trash Art, Stammesriten neben Avantgardetheater. Die Palette der Kulturen ist so schillernd wie der Regenbogen. Ob Schwarz oder Weiß, Savanne oder Subtropen, Kraal oder Kosmopole, Weinberge oder Wüste – Südafrika ist voll atemberaubender Gegensätze, die kaum vereinbar scheinen.
Mit all diesen Gegensätzen konfrontiert das neue Merian-Heft seine Leser. Es zeigt das Land im Wandel nach dem Ende der Apartheid und bietet daneben viele prächtige Landschafts- und Tieraufnahmen. Denn Südafrika beherbergt unzählige Wildreservate. Paviane, Pinguine, Weiße Haie und Elefanten sind hier zu Hause. Zudem ist es ein Winzerland. Napoleon soll sich auf St.Helena, wohin ihn seinerzeit die Staatsoberhäupter Europas verbannt hatten, mit einem südafrikanischen Muscadet über den Verlust seiner Macht hinweggetröstet haben. Doch wo der Boden zu karg und zu trocken für Wein, Obst und Oliven ist, da züchten die Bauern Strauße.
Südafrika hat aber auch viele Probleme. Diese werden in verschiedenen Essays thematisiert. “Wer sind wir?” fragt zum Beispiel der südafrikanische Schriftsteller Bryan Rostron in seinem gleichnamigen Aufsatz und macht sich Gedanken über “Identifikation, Heimat und neue Farbenlehre”. Bartholomäus Grill beschreibt Kapstadt, die Diva des Kontinents, die reiche Metropole des weißen Südafrikas, die längst nicht mehr ganz in hellhäutiger Hand ist, denn die Menschen aus den Townships strömen ins “Luxuslegoland und geben ihm eine Farbe, die es faszinierend macht.” Den Schönen und Reichen freilich seien die Slums so fremd, schreibt Grill, wie die Rückseite des Mondes. Sie hörten weg, wenn der jetzige Präsident Thabo Mbeki, Nachfolger von Nelson Mandela, im Parlament von den zwei Nationen in einem Land redet, und wollten von den Ungleichheiten in ihrer Stadt nichts wissen.
Soweto wiederum trägt noch schwer am Erbe der Apartheid und ist wohl das größte Schwarzengetto der Erde. Johannesburg, Afrikas Boomtown, ein afrikanisches Manhattan, ist lebendig und geldgierig wie sein amerikanisches Vorbild, während die Atlantikküste Afrikas dem Wilden Westen gleicht. Denn am Meeresboden lagern Diamanten, nach denen eifrig getaucht wird, auch wenn das Unternehmen mehr als riskant ist. Da das Land insgesamt für Touristen nicht ganz ungefährlich ist, enthält das Heft neben den üblichen Tipps, auch einige Verhaltensmassregeln und rät den Reisenden unter anderem: “Verhalten Sie sich nicht wie eine wandelnde Bank, bescheidenes Auftreten gibt Sicherheit. Tragen Sie also keinen teuren Schmuck und lassen Sie ihr Geld im Hotelsafe…Meiden Sie Downtown Johannesburg, Soweto, die Zentren der großen Städte und auch Strände nach Einbruch der Dunkelheit.” (Ursula Homann)
Titel: Merian Südafrika
Autor: Holger Schnitgerhans
Verlag: Jahreszeiten Verlag
Seiten: 140
ISBN: 3774265127
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