Merian Ägypten

Das alte Ägypten hat viele Herrscher gehabt. Als einzige Pharaonin regierte Hatschepsut, die für sich in Anspruch nehmen kann, dass sie keine Kriege geführt und ihrem Volk zu Reichtum und Wohlstand verholfen hat. Mit Kleopatra, der Geliebten Julius Cäsars und Marc Antons, versank das Reich der alten Ägypter. Doch seine Götter und Pharaonen faszinieren nach wie vor. Und so ist es eigentlich kein Wunder, dass eine Kreuzfahrt auf dem Nil, – die in dem neuen Merianheft von Margot Weber fesselnd und kenntnisreich beschrieben wird, während Guido Mangold prächtige Fotos dazu beigesteuert hat – sich nach wie vor bei Touristen großer Beliebtheit erfreut, da diese Fahrt mitten ins Herz einer magischen Kultur führt, zu den Göttern vom Nil, nach Theben, der grandiosen Totenstadt, und zum Tempel Ramses II. von Abu Simbel. Auch ein Besuch im 3300 Jahre alten mächtigen und erhabenen Tempel von Karnak, einem mystischen Ort und einer heiligen Stätte der Pharaonen, und bei den Pyramiden von Giza, dem einzigen noch existierenden Weltwunder der Antike, dürfen nicht fehlen.

Heute drängen sich sechzig Millionen Menschen auf einem schmalen Streifen am Nil und erfüllen das Land, insbesondere die Hauptstadt Kairo, mit Lärm und Lebendigkeit. Arabien und Afrika, Moloch und Idyll in einem sind hier anzutreffen, schreibt Andreas Altmann. Herzlichkeit und Gastfreundschaft seien für Ägypter so selbstverständlich wie die Wasserpfeife im Café, heißt es an einer Stelle im Merianheft. Nichts symbolisiere die Gelassenheit der aufgeregten Großstadt Kairo so sehr wie das Kaffeehaus.

Doch wie sicher ist Ägypten? fragt sich mancher, wenn er eine Reise dorthin plant. Ägypten sei ein sicheres Reiseland, versichern die Autoren. Die Gefahr terroristischer Anschläge sei eher gering. Übergriffe auf Ausländer – mit Ausnahme von Taschendiebstählen etwa im Kairoer Basar Khan Al-Khalili – kommen kaum vor. Um Urlaubern das Gefühl von Sicherheit zu geben, ist die Polizeipräsenz vor Sehenswürdigkeiten wie den Pyramiden von Giza außergewöhnlich stark. Zudem haben seit den Attentaten in Luxor und Kairo 1997 die islamistischen Extremisten den Rückhalt in der Bevölkerung nahezu völlig verloren. Fast jeder Ägypter verurteilt Gewalt gegen Urlauber. Dennoch dürfen zwischen Luxor und Rotem Meer Touristenbusse nur im Konvoi und mit Polizeieskorte fahren.

Das Heft enthält wieder einmal viele Reisetipps, nicht nur hinsichtlich Sicherheit. Die Merian-Autoren verraten typische Leckerbissen, aber auch, wie man sich als Gast im fremden Land verhält. Frauen sollten keine kurzen Röcke oder ärmellosen Shirts tragen, Männer keine Shorts. Unter dem Stichwort Landeskunde erfährt man, dass die Arabische Republik Ägypten, wie das Land offiziell heißt, zentralistisch organisiert ist und vom Präsidenten Hosni Mubarak regiert wird, ferner wo die Beduinen, Berber und Nubier leben, dass der Islam die Staatsreligion ist, zu der sich etwa 90 Prozent der Einwohner bekennen, während die Kopten die christliche Minderheit bilden.

Fesselnd ist das kurze Porträt des ägyptischen Literaturnobelpreisträgers Nagib Machfus und die Porträts von acht Frauen, die ihren Weg in der ägyptischen Männergesellschaft gefunden haben, wie die islamische Rechtsgelehrte Souad Saleh oder die feministische Islamistin Heba Ezzat. (Ursula Homann)

Titel: Merian Ägypten
Autor: MERIAN-Redaktion
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 146
ISBN: 3774266085