Die Eishölle
„Der Glanz des Felsens, weiß und kristallin wie Quarz, kam an diesem Ort der Schatten einer Blasphemie gleich. Meine Hand, die plötzlich zitterte, folgte den Umrissen von fremdartigen und obszön geformten Hieroglyphen. Der Felsen schien wie ein Finger auf den Eingang zu weisen, der sich vor uns auftat. Ich wandte mich gerade um, um ihn noch einmal anzuschauen, als Scardale auf mich zukam.
Von der Klippe wehte ein warmer Wind herab und trug Erinnerungen und Assoziationen an weit entfernte und zurückliegende Dinge mit sich. Meine Augen musterten die Klippe erneut und konnten nicht glauben, was sie sahen: ein in die schwarze Basaltoberfläche des Natursteins gehauener Torbogen; ein Tor, das in die tiefsten Tiefen der Erde zu führen schien; ein Tor, das überdies mehr als 150 Meter hoch sein musste.“
Basil Coopers vorliegender Roman „Die Eishölle“ liegt überdeutlich in der Tradition von H.P. Lovecrafts „Berge des Wahnsinns“. Qualitativ liegen beide Romane gleich auf, wobei Lovecraft den Bonus des weltbekannten Horrorautoren besitzt, während Cooper ein breiteres Repertoire besitzt. Seine Kriminalromane, die sich um den Protagonisten Mike Faraday ansiedeln, gehen mittlerweile in die 52. Runde und unter seinen insgesamt 82 erschienenen Büchern tummeln sich auch einige Sachbücher. Eines seiner anderen Steckenpferde ist das Sammeln von alten Filmen und einige seiner Werke wurden bereits mehr schlecht als recht in Hollywood verfilmt.
In seinem 176 Seiten umfassenden Werk, in dessen Mittelpunkt die Expedition und Lüftung des Geheimnisses der titelgebenden Eishölle liegt, vereinen sich Grusel und Schrecken zu einer betörenden Atmosphäre. Einige Schwächen in der Charakterzeichnung werden so wieder ausgemerzt und seine Dialoge sind wesentlich besser gelungen als bei Lovecraft, der niemals ein Meister des Dialogs war, sondern seine Stärken eher in der Beschreibung sah. Für alle Freunde des subtilen, feinfühligen Horrors, der sich langsam anschleicht, bis er plötzlich hervorbricht, bietet „Die Eishölle“ anregenden Lesespaß. Fans von Basil Cooper sollten obendrein auf der Internet-Seite des Festa-Verlag vorbeischauen, denn nur dort gibt es die Gelegenheit, eine von 400 limitierten Ausgaben seiner Novelle „Beyond the Reef“ zu ergattern.
Fazit: „Die Eishölle“ steht in der Tradition von Lovecrafts Erzählung „Berge des Wahnsinns“, kann jedoch genügend eigene Akzepte setzen, um sich eine Empfehlung zu verdienen! (Tino Hahn)
Titel: Die Eishölle
Autor: Basil Cooper
Verlag: Festa Verlag
Seiten: 176
ISBN: 3935822111
Abgelegt unter Thriller und Horror
