In die Wildnis

Erstellt am: Januar 14th, 2008

Im Spätsommer 1992 wird in einem seit Jahren verlassenen Buswrack in der Einsamkeit Alaskas die Leiche von Chris McCandless gefunden. Eine Obduktion ergibt, dass der 24-jährige Abenteurer seit etwa zwei Wochen tot ist – verhungert.

Was hat den jungen Mann dazu getrieben, sich alleine in die Wildnis zu begeben, was hat ihn zu diesem gefährlichen Abenteuer veranlasst und warum musste er sterben?

Vielleicht ist man versucht zu sagen: “McCandless war ein Spinner, der ohne Not sein hoffnungsvolles Leben wegwarf und seine nächsten Angehörigen in Trauer und Verzweiflung zurückließ”. Doch so einfach macht es sich Jon Krakauer nicht. Vielmehr bemüht er sich, mit journalistischer Sorgfalt das kurze Leben des Chris McCandless aufzurollen und forscht nach Motiven für seine Lust am Extremen, für seine Sehnsucht nach unberührter Natur und existenziellen Herausforderungen. Langsam nähert er sich der Person des Abenteurers und macht dem Leser die Gründe für sein Verhalten offenbar, so dass man am Ende des Berichtes durchaus Verständnis für die Motive des jungen Amerikaners aufbringen kann.

Selbst ängstliche Menschen, die Gefahren lieber meiden, statt sie zu suchen, verspüren gewiss zumindest manchmal den Wunsch nach Freiheit und Ungebundenheit, nach weiter Landschaft und dem völligen Einssein mit der Natur. Bei Chris McCandless war dieser Wunsch außerordentlich stark ausgeprägt. – So stark, dass ihn selbst der Gedanke an den Tod nicht schreckte. Doch er war kein verkappter Selbstmörder – im Gegenteil, es war seine Gier nach Leben, die ihn in die Wildnis trieb und hätte der junge Mann nicht einige verständliche aber leider folgenschwere Fehler gemacht, so hätte er seinen Trip vermutlich überlebt.

Mich hat dieses Buch gefesselt und in mir den Wunsch geweckt noch mehr von Jon Krakauer zu lesen (und nach Alaska zu reisen).

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.

Titel: In die Wildnis
Autor: Jon Krakauer
Verlag: Malik
Seiten: 299
ISBN: 3890291694

Kon Tiki

Erstellt am: Januar 14th, 2008

Aufgrund von Funden und Legenden gelangte Heyerdahl zu dem Schluß, dass Polynesien von Südamerika aus von Menschen mit weißer Hautfarbe und roten Haaren besiedelt wurde. Das stand aber in Widerspruch zur geltenden, wissenschaftlichen Meinung und das Hauptargument dagegen war, dass es mit den damals in Südamerika gebräuchlichen Flößen nicht möglich war, Polynesien zu erreichen.

Verzweifelt, weil niemand seine These im Geringsten beachtet, beschließt Heyerdahl die Reise selbst mit einem solchen Floß zu unternehmen. Schnell sind einige Teilnehmer für die Expedition gefunden und, mit einigem Glück, auch die nötigen finanziellen Mittel. Die für das Floß notwendigen Balsastämme sind nur unter abenteuerlichen Umständen zu beschaffen, doch dann geht alles ziemlich glatt.

Beim Rausschleppen des Floßes aus dem Hafen geht allerdings gleich einiges schief, doch dann vertrauen sich die Expeditionsmitglieder den Meeresströmungen und -winden an. Es ist mit diesem Floß auch nicht möglich, wieder zurück an das Festland Amerikas zu gelangen, so wie ein Steuern gegen Wind und Strömung generell nur sehr begrenzt machbar ist.

Gleich am Anfang ihrer Reise geraten sie in einen starken Sturm und haben alle Hände voll zu tun, doch das Floß hält. Zahlreiche Meeresbewohner sorgen für abwechslungsreiche Nahrung und für Abwechslung. Haie, ein Walhai, verschiedene Wale, fliegende Fische und noch vielen andere Tiere begegnen dem Floß und seiner Mannschaft. Nach abenteuerlichen drei Monaten strandet das Floß schließlich auf einem gefährlichen Korallenriff und der Mannschaft gelingt er nur mit viel Glück und Anstrengung die dahinter liegende Insel lebendig und unverletzt zu erreichen.

Eine solche Reise gibt natürlich einen ausgezeichneten Stoff für ein Buch und einen Film ab und Heyerdahl hat beides in gelungener Form zuwege gebracht. Der Dokumentarfilm erhielt einen Oskar und das Buch wurde ein weltweiter Bestseller.

Beim Lesen sollte man allerdings berücksichtigen, dass die Reise im Jahr 1947 erfolgte und man mache Dinge damals etwas anders sah oder nicht wusste. So würde heute vermutlich niemand einen Wahlhai gewaltsam mit einer Harpune vertreiben. Die Historiker sind heute auch auf einem anderen Stand, als in dem Buch geschildert. Allerdings sind auch heute die Thesen Heyerdahls noch nicht komplett von den Wissenschaftlern akzeptiert.

Als Abenteuergeschichte ist das Buch aber in jedem Fall empfehlenswert, weil Heyerdahl das spannende Erzählen hervorragend beherrscht.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Kon Tiki
Autor: Thor Heyerdahl
Verlag: Ullstein
Seiten: 252
ISBN: 3548230946

Osterie D’Italia 2001/02

Erstellt am: Januar 14th, 2008

Der dickleibige Band “Osterie d’Italia” enthält über 1600 kulinarische Adressen, mit kenntnisreichen Beschreibungen unterschiedlicher Osterien, Trattorien und Restaurants, die eine bestimmte Esskultur pflegen. Alle italienischen Provinzen sind dabei geografisch angeordnet, von Nord nach Süd, wobei auch Tirol und Tessin berücksichtigt werden. Ferner informiert das Buch über Öffnungszeiten, Ruhetage, Ferien, Menüpreise, akzeptierte Kreditkarten sowie über die Anzahl verfügbarer Sitzplätze. Neben vielen Adressen findet man ein italienisch-deutsches Glossar und einen Index der Lokale. Bei diesem Buch handelt es sich allerdings keineswegs um einen simplen Ratgeber oder Führer, sondern um ein kulturelles Projekt, in dem sich alles um die Osteria dreht.

Diese war in früheren Zeiten auf dem Land ein Versammlungsort des sozialen Lebens, in der Stadt eine Art Mensa für Berufstätige. Heute geht man in die Osteria oder Trattoria, um Freunde zu treffen, um abends auszugehen, um sonntags mit der Familie zu essen, um in den Ferien die typische Küche eines Ortes kennen zu lernen, um ein leichtes und unverfälschtes Mittagessen einzunehmen – mit einem guten Glas Wein, versteht sich.

Herausgegeben wurde der Band von der Slow-Food-Bewegung. Diese entstand als Alternative zur Fast-Food-Kultur und gibt regelmässig entsprechende Führer heraus. Auch dieser Band erschien schon früher und wurde für die Neuausgabe überarbeitet, aktualisiert und neu übersetzt. (Ursula Homann)

Titel: Osterie D’Italia 2001/02
Autor: Slow Food
Verlag: Hallwag Verlag
Seiten: 863
ISBN: 3774253005

Landgasthöfe links und rechts der Autobahn

Erstellt am: Januar 14th, 2008

“Merian kompass” informiert über Landgasthöfe unterwegs, links und rechts der Autobahn. “damit schon die Reise zum Urlaubsort viel Spaß und wenig Stress bereitet”, wie es in der Einleitung heißt. Wie vereinzelte Abbildungen zeigen, die die Attraktivität des Bändchens zusätzlich erhöhen, lohnt sich hin und wieder ein kleiner Umweg, zumal das Essen dort durchweg besser und oft auch billiger ist und der Service freundlicher als an Autobahnraststätten. In fünf Kapiteln werden Alternativen zu überfüllten Raststätten mit Autos und Omnibussen aufgeführt, in denen man nicht nur die Fahrt unterbrechen, sondern, wenn man will, in ruhiger Umgebung auch übernachten und vielleicht sogar eine ganze Urlaubswoche verbringen kann. Die Hinweise beginnen in Norddeutschland im Landgasthof Griesenbötel im Ort Achterwehr, sie führen über West-, Ostdeutschland, Deutschland-Mitte bis nach Süddeutschland und enden im Landgasthof Lebert in Windelsbach. (Ursula Homann)

Titel: Landgasthöfe links und rechts der Autobahn
Autor: Merian kompass
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 96
ISBN: 3774200750

Mit dem Euro durch Europa

Erstellt am: Januar 14th, 2008

Mittlerweile hat sich der Trubel um die Einführung des Euros ein wenig gelegt und die wirklich großen Pannen sind ausgeblieben. Zwar gab es hier und da einige Probleme und Schwierigkeiten mit Produktionsfehler und überall lange Gesichter an Geldautomaten und Bankschaltern, weil doch niemand so richtig für den Ansturm gerüstet war, doch lässt sich all das als Kinderkrankheiten abstempeln. Und inzwischen hält auch schon Münzgeld aus anderen Ländern in Deutschland Einzug, welches nicht sofort erkennbar ist, denn lediglich eine Seite der ausländischen Münzen ist mit den deutschen Münzen identisch. Und da es somit insgesamt 96 verschiedene Münzen gibt, die allesamt unterschieden werden wollen, tut ein guter Ratgeber Not: Mit dem Merian-Kompass „Mit dem Euro durch Europa“ lernt der interessierte Leser alle Münzen kennen, kann sie einordnen und erfährt außerdem die Bedeutung der nationalen Symbole. In einem Quiz mit 111 Fragen und Antworten rund um Euro kann er sein erworbenes Wissen dann ausgiebig testen. Doch danach hört das Angebot des Merian-Kompass noch lange nicht auf: Es finden sich auch noch detaillierte Informationen zu den 70 TopTen-Sehenswürdigkeiten der sieben Kulturepochen in Europa. Die Bezeichnung „70 TopTen-Sehenswürdigkeiten“ ist zwar eigentlich ein Widerspruch in sich, aber der Verfasser des handlichen Nachschlagewerk im Hosentaschenformat wird trotzdem nicht müde, ständig davon zu reden. Kompakt vermitteltes Wissen aus Geografie, Politik und Wissenschaft zu den Euro-Ländern finden auch noch Erwähnung wie auch ein für Sammler sinnvoller Überblick über den Seltenheitsfaktor der einzelnen Münzen. Dort wird ausführlich erläutert, welche Mengen der jeweiligen Münzen und Banknoten im Umlauf sind.

Fazit: Der Merian-Kompass „Mit dem Euro durch Europa“ ist eine interessante Investition für Euro-Fanatiker und Münzsammler, ansonsten bleibt sein Nutzen eher beschränkt. (Tino Hahn)

Titel: Mit dem Euro durch Europa
Autor:
Verlag: Merian Kompass
Seiten: 95
ISBN: 3774207682

Dolce Vita

Erstellt am: Januar 14th, 2008

Wer die italienische Küche liebt, ist mit diesem Buch gut bedient. Es enthält viele recht unterhaltsame, wenn auch unterschiedliche Geschichten – etliche von ihnen sind bereits erschienenen Publikationen entnommen – , in sich denen mehr oder weniger alles um Speisen und Rezepte aus Italien dreht.

In Iris Finckensteins “Antipasti” beispielsweise merkt Antonia bei einer leckeren italienischen Mahlzeit, dass sie zu Jochen, den sie eigentlich heiraten wollte, und seiner Familie nicht passt und verabschiedet sich rechtzeitig, bevor es zu spät ist.

Alice Vollenweider, die einst ihre Dissertation über den Einfluss der italienischen und französischen Kochkunst auf die Sprache verfasste, hat gleich mehrere kleine Erzählungen beigesteuert, in denen sie nebenbei noch Rezepte verrät, die leicht nachzukochen sind. Herbert Rosendorfer wiederum hat das Kochbuch eines Anarchisten unter die Lupe genommen. In diesem sind sogar die Getränke in revolutionäre und reaktionäre eingeteilt. Offensichtlich gilt dem Anarchisten alles, was nicht schmeckt, als revolutionär. Dass der Kaiserschmarren den Gipfel reaktionärer Küchenpraxis darstellt, versteht sich fast von selbst. Von Massimo Marcotullio werden wir belehrt, dass Mortadella nicht gleich Mortadella ist. Gabriele Martina Haak verrät uns dagegen “die Erotik des Parmaschinkens”.

Die Schlemmergeschichten führen die Leser von Venetien über die Lombardei, Emilia Romagna, Umbrien, Toskana, Latium, Abruzzen bis nach Apulien und Sizilien.

Die Lektüre sei all jenen empfohlen, deren bevorzugtes Urlaubsland Italien ist, die Freude am guten Essen und am Leben haben und gerne kleine vergnügliche, nicht allzu anstrengende Geschichten lesen. (Ursula Homann)

Titel: Dolce Vita
Autor: Petra Neumann(Hrsg.)
Verlag: Knaur Verlag
Seiten: 314
ISBN: 3426618486

Amerika, du hast es besser

Erstellt am: Januar 14th, 2008

Gerhard Waldherr, freiberuflicher Journalist in den USA, erzählt, wie er dort ständiger Kursbesucher bei Learning Annex wurde, nachdem er gemerkt hatte, dass er in New York bei Partys, auf denen er sich zu unterhalten versuchte, nicht recht ankam. Zudem fühlte er sich wie viele von uns durch die Tatsache irritiert, dass “Amerikanern sich das Herz zu einem saftigen Steak weitet, sobald die Nationalhymne erklingt, zwei Drittel von ihnen aber unbarmherzig die Todesstrafe fordern, sogar für verhaltensgestörte Vierzehnjährige.”

Learning Annex bietet recht unterschiedliche Kurse an, ähnlich wie bei uns die Volkshochschulen. Allerdings ist ihr Angebot reichhaltiger. So gibt es neben Weinproben, Yoga auch Partnervermittlung, Raucherentwöhnung und Businesskonzepte für erotische Websites oder Waschsalons, Kurse, die sich alle, wie sich der Autor selbst überzeugen konnte, großer Beliebtheit erfreuen. Auf diese Weise begegnete Waldherr einem Häuptling, einem Erfinder, einer ehemaligen Pornoschauspielerin, mehreren Hexen und seinem persönlichen Engel. Er lernte Martinis mixen, alles über Aktiensplits und einiges mehr. Manches war hart an der Grenze der Legalität.

In dem Kursus: “Wie werde ich ein neuer Mensch” lernte er, wie man am besten untertaucht und sich einen neuen Namen zulegt, in einem anderen, wie man einen Bestseller schreibt oder, wie man mit einer Idee Millionen von Dollars verdienen kann. Das alles wird unterhaltsam in einem lockeren Plauderton wiedergegeben. Nur einmal wird es ernst, bitterernst, nämlich im Kursus von Silvie Grohs-Martin, einer KZ-Überlebenden. In der Hölle des KZs war Silvie Grohs-Martin bewusst geworden, von welch unschätzbarem Wert das Leben und jedes einzelne Lebewesen ist. Diese Erkenntnis versucht sie, nun an ihre Zuhörer weiterzugeben und sie mit den Worten zu ermuntern: “Nicht aufgeben, hören Sie? Niemals. Es gibt für jeden einen Weg.”

P.S.: Die Texte erschienen übrigens unter dem Titel “Amerika auf der Schulbank” als Serie in der Wochenbeilage der “Süddeutschen Zeitung” und wurden für dieses Buch erweitert und nachbearbeitet. (Ursula Homann)

Titel: Amerika, du hast es besser
Autor: Gerhard Waldherr
Verlag: dtv
Seiten: 127
ISBN: 3423204044

Merian Schweden

Erstellt am: Januar 10th, 2008

Für das neue Merianheft über Schweden haben die Merian-Autoren und -Fotografen so viele Kilometer zurückgelegt, dass diese für mehr als eine Erdumrundung ausgereicht hätten. Denn schließlich erstreckt sich das Land vom östlichen Teil der skandinavischen Halbinsel über die quirlige Hauptstadt Stockholm, die sich selbstbewusst mit Rom, London und New York vergleicht, bis weit in die Wildnis des nördlichen Polarkreises hinein. Für die einen ist Schweden das Land von Abba, für andere das von Pipi Langstrumpf, und andere wiederum denken dabei an IKEA. Zu Schweden gehören aber auch Fliegenfischer, alte Flößer, Elche, endlose Wälder, wilde Beeren und Lachse, 60 000 Inseln, viele hundert Seen, herrliche, doch kurze Sommer, in denen die Nächte nur zwei Stunden dauern und der Mittsommerbaum errichtet wird, während in den Winter das Fest der Heiligen Lucia fällt, an dem die Königin des Lichts gefeiert wird. Die Insel Gotland und die Nachbarinsel Fáro mit ihren verträumten Dörfern und romanischen Kirchen, wo Legenden leben und es mehr Schafe als Bewohner gibt, sind gleichfalls ein fester Bestandteil von Schweden, während in der Universitätsstadt Uppsala eine neue Elite herangebildet wird.

Sechs Literaturnobelpreise wurden bisher an schwedische Schriftsteller verliehen. Astrid Lindgren, die große alte Dame des Märchens, die in Schweden so populär wie die Königin ist, war nicht darunter. Gleichwohl wurden ihre Bücher bis jetzt weltweit 84 Millionen Mal verkauft.

Die Politik kommt in dem Merianheft ebenfalls nicht zu kurz. In einem aufschlußreichen Interview mit dem schwedischen Banker Lars Lundquist geht es um Abstriche am Wohlfahrtsstaat und den wirtschaftlichen Aufschwung der letzten Jahre. Der Kabarettist Gerhard Polt, der eine besondere Beziehung zu Schweden hat – er studierte Skandinavistik und spricht fließend schwedisch -, wiederum offenbart ganz eigene Ansichten über Land und Leute. Vor allem weiß er genau, was die Welt Schweden zu verdanken hat: Schwedenwindel, schwedische Gardinen, den Schwedenpunsch sowie die Grußformel “Wie geht’s alter Schwede?” Das schwedische Knäckebrot, meint Polt ferner, habe sich als erfolgreicher erwiesen als die schwedische Sozialdemokratie, und über die schwedische Monarchie meint er, dass unter den großen europäischen Fürstenhäusern Schwedens Könige sich eher die Schrebergärtner ausnehmen.

Wie dem auch sei, eins ist klar: Schweden hat viel zu bieten. (Ursula Homann)

Titel: Merian Schweden
Autor: MERIAN-Redaktion
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 146
ISBN: 3774266069

Merian MS Europa

Erstellt am: Januar 10th, 2008

Die Merian-Redaktion hat das Kreuzfahrtschiff MS Europa – offenbar gibt es kein besseres – zum Thema eines Sonderheftes gemacht. Auch wenn man weder Absicht noch Neigung verspürt, am Luxusleben eines Reisedampfers teilzunehmen, weil einem dafür nicht nur das nötige Kleingeld und die passende Garderobe fehlen, so macht es doch großes Vergnügen, in dem Heft herumzublättern, sich die farbenprächtigen Bilder anzuschauen und die Artikel, die vom Leben auf dem Luxusliner erzählen, sich zu Gemüte zu führen. Offenbar steigt der Trend zur Kreuzfahrt. Angebot und Nachfrage halten, wie es aussieht, einander die Waage. Preis und Leistung stimmen auf höchstem Niveau, versichern uns die Merian-Autoren. Das Publikum habe sich längst zur Fan-Gemeinde entwickelt und werde immer jünger. In einem Artikel von Harald Hotze erfahren wir jedoch, dass kaum einer der Passagiere jünger als fünfzig Jahre alt ist und dass die meisten das Pensionsalter hinter sich haben.

Überwiegend malen die Verfasser das Leben an Bord in den glänzendsten Farben aus. Sie schwärmen von traumhaften Kabinen, von dem Erleben der Fremde auf vertrautem Boden. “Ohne das Abenteuer unzumutbarer Hotelzimmer, ohne die drangvolle Enge von Flugreisen, ohne das mühsame Vorrücken im eigenen Wagen zu einem Ziel, das man erschöpft erreicht.”

Reporter und Fotografen haben in monatelanger Recherche Fakten, Geschichten und Reiseerlebnisse zusammengetragen: Impressionen aus Brasilien, vom Kap Hoorn, von der Osterinsel, aus dem Indischen Ozean, von Norwegen, Malta und anderen fernen Ländern. Sie haben dabei auch das Schiff, das schwimmende Fünf-Sterne-Hotel, – ein anderes Mal ist vom schwimmenden Dorf die Rede – gründlich erkundet und sowohl die Fahrgäste als auch das Personal genau in Augenschein genommen. Erstere geben sich morgens sportlich, zumindest was die Kleidung betrifft, abends elegant, denn Umziehen gehört nun einmal zum Kreuzfahrtalltag. Sie verbringen die Zeit, wenn nicht gerade ein Landausflug auf dem Programm steht, mit Schwimmen, Lesen und Sonnenbaden an Deck. Jeden Abend gibt es Bühnenshows, Konzerte, Tanz und Champagner. Das musikalische Angebot reicht von Klassik bis Pop.

Neben der Mannschaft, den Zimmermädchen – in der Seemannssprache heißen diese Feudelgeschwader – sind 46 Köche und Helfer am Werk und liefern rund um die Uhr Menüs und Snacks in Top-Qualität. Die Rückkehr in den Alltag fällt sicherlich vielen Passagieren schwer. Aber wenn das Portemonnaie es erlaubt, dürften die meisten bald wieder eine Kreuzfahrt buchen. (Ursula Homann)

Titel: Merian MS Europa
Autor: MERIAN-Redaktion
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 146
ISBN: 3774266131

Merian Krakau

Erstellt am: Januar 10th, 2008

Krakau ist eine Stadt aus einer anderen Zeit, in der alles viel geruhsamer zuging als heutzutage und in der die Kirche die höchste Autorität besaß. Von diesen vergangenen Epochen künden Prunk und Pracht, die die Altstadt durchziehen. Hier drängen sich auf engstem Raum Denkmäler und Bauwerke aus zehn Jahrhunderten zusammen, die seit der Wende im Ostblock mit Sorgfalt restauriert und gepflegt werden.

Zweifellos ist Krakau neben Warschau ein wichtiger kultureller Mittelpunkt in Polen. Denn Kunst und Bildung werden hier ganz groß geschrieben. Der Komponist Krzysztof Penderecki lebt hier, ebenso der Regisseur Andrzej Wajda, die Schriftsteller und Nobelpreisträger Wislawa Szymborska und Czeslaw Milosz. Beide haben, neben anderen Autoren wie etwa Radek Knapp und der deutsche Schriftsteller Jan Peter Bremer, der zur Zeit als Stipendiat in Krakau weilt, ihre Ansichten Über die Stadt für das Merian-Heft zu Papier gebracht.

Der Stadtteil Kazimierz wiederum wurde durch “Schindlers Liste” berühmt und feiert alljährlich Revivals jiddischer Folklore, während die Gemeinde selbst ums Überleben bangt. 180 Juden wohnen noch in Krakau, vor dem Zweiten Weltkrieg waren es 70 000. Insgesamt hat die Stadt 747000 Einwohner, 120000 Studenten, 13 Hochschulen, 38 Museen, 160 katholische Kirchen, 7 Synagogen, von denen aber nur noch eine genutzt wird, und drei buddhistische Gemeinden.

Krakaus Zentrum ist der Rynek mit Rathausturm und Tuchhallen. Dort laufen die Straßen zusammen. Wie sehr die Stadt von ihrer Geschichte lebt, spürt man auch in der Kathedrale der Wawel-Burg, in der mehr als vierhundert Jahre lang Polens Königs gekrönt wurden. Die meisten von ihnen liegen dort begraben.

Wer Krakau gegen Süden verlässt, gelangt in die Hohe Tatra. Sie ist das kleinste Hochgebirge der Welt und zugleich Grenze zur Slowakei. Zum Schluss führt das Merianheft nach Auschwitz, in die Baracken und gesprengten Krematorien von Birkenau.

Auch dieses Merianheft lässt im Hinblick auf Kartenmaterial, Tipps und handfesten Informationen für den Touristen keine Wünsche offen. (Ursula Homann)

Titel: Merian Krakau
Autor: Merian Vertrieb
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 146
ISBN: 374266050

Weitere Buchbesprechungen im Lesertreff: