MERIAN-Madrid

Erstellt am: Januar 9th, 2008

Madrid ist eine der attraktivsten Städte Europas, mit vielen Grünflächen – diese machen fast fünfzig Prozent der Stadt aus – mit einer Reihe von Kulturdenkmälern und architektonischen Kostbarkeiten.

“Schon beim ersten Spaziergang in Madrid gehen einem die Augen über”, schwärmt der Architektur-Experte Manfred Sack. Die spanische Metropole sei protzig und heiter, aufgeregt und gelassen, hellwach und niemals müde, aber auch “behäbig, nervös oder bürokratisch”, meint der bekannte spanische Gegenwartsautor Javier Marias von seiner Geburtsstadt Madrid. Der Regisseur Pedro Almodóvar hat Spaniens Hauptstadt in die Kinos gebracht und mit entfesselten Szenen einen Oscar gewonnen. Cees Nooteboom, der prominenteste zeitgenössische Schriftsteller der Niederlande, hat ein tief verwurzeltes Verhältnis nicht nur zu Madrid, sondern zu ganz Spanien. “Eines der wenigen konstanten Dinge in meinem Leben ist meine Liebe..zu Spanien”, bekannte er bereits vor Jahren.

Zwischen 1890 und 1920 bauten Aristokratie, Geldadel und Großbürgertum hier pompöse Häuser als Bühnen der Selbstdarstellung. Noch heute prägt die Architektur der Belle Époque die Stadt. Der im schönsten Jugendstil erbaute Palacio de Longoria von 1902 beherbergt gegenwärtig den Autoren- und Verlegerverband. Sehenswert sind auch die Almudena-Kathedrale, der Königspalast und die Oper. Madrid gilt als Hochburg der Kultur, nicht zuletzt wegen seiner Kunstmuseen von Weltrang, zu denen das Prado-Museum gehört, das viele Kostbarkeiten beherbergt, darunter “Die Familie Karls IV.” von Francisco de Goya, ferner die “Reina Sofia” – hier ist die Vielfalt spanischer Kunst der Gegenwart zu sehen – und die Galerie Thyssen-Bornemisza. Sie wiederum birgt eine opulente Chronologie der Malerei. Bunt und polyglott wirkt das Lavapiés-Viertel mit Orient, Asien und Afrika in einem, dessen Bewohner vor allem die Hoffnung auf bessere Zeiten eint und in dem ein Mix aus über zwanzig Sprachen und Dialekten herrscht.

Die politischen Unruhen durch die Basken und die Eta werden ebenfalls thematisiert. Immer mehr Basken suchen die Anonymität der Hauptstadt. Journalisten, Professoren und Intellektuelle flüchten vor dem Terror in ihrer baskischen Heimat. In einem Beitrag wird der Thronfolger Felipe, Sohn von König Juan Carlos und Königin Sofia, eingehend porträtiert. Den Merian-Redakteuren ist wieder einmal ein buntes und informatives Heft gelungen, das neugierig macht auf Spaniens Hauptstadt Madrid. (Ursula Homann)

Titel: MERIAN-Madrid
Autor: MERIAN-Redaktion
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 145
ISBN: 3774266115

Gebrauchsanweisung für Tschechien

Erstellt am: Januar 8th, 2008

Der Tschechische Schriftsteller Jiri Grusa, leider ist kein “Hatschek” im normalen Zeichensatz – der Name spricht sich “Jirschi Gruscha”, wurde 1970 mit Berufsverbot belegt, musste zeitweise ins Gefängnis und reiste 1980 nach Deutschland aus. Nach dem Ende des Kommunismus in seinem Heimatland wurde er Botschafter in Deutschland, Minister in Tschechien und ab 1998 tschechischer Botschafter in Österreich.

In dem relativ schmalen Buch bringt er uns Land, Menschen, Geschichte, Literatur, Sprache und sonst noch einiges aus seinem Heimatland in der Form eines plaudernden, oft weit vom Thema abschweifenden Reiseführers näher. Als Schwerpunkt hat er Persönlichkeiten aus der tschechischen Geschichte, an deren Beispiel er uns die Mentalität der Tschechen näher bringen will und die Eigenheiten und Bedeutungen der Sprache mit dem selben Ziel gewählt. Letzteres wurde mir bei der Kompaktheit des Buches fast ein wenig zu oft eingestreut und unterbricht manchmal etwas den lockeren, erzählerischen Stil. Aber das ist sicher Geschmackssache.

Der Autor hätte mit dem Thema hätte sicher ein mindestens doppelt so dickes Buch schreiben können, und es hätte dabei eher gewonnen. Aber auch so ist es eine kurzweilige und unterhaltsame Lektüre, selbst wenn sich der Leser nicht besonders für das beschriebene Land interessiert. Sollte das aber des Fall sein, ist das Buch fast als Pflichtlektüre zu empfehlen.

Kritik wurde geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von www.buchkritik.at

Titel: Gebrauchsanweisung für Tschechien
Autor: Jiri Grusa
Verlag: Piper
Seiten: 291
ISBN: 3492039839

Merian USA: Der Süden

Erstellt am: Januar 8th, 2008

Als Reiseland gehören die Südstaaten der USA als sogenannter Sonnengürtel trotz des hohen Dollarkurses zu einem der begehrtesten deutschen Ferienziele. MERIAN-Autoren und Fotografen haben sich dort umgesehen und ihre wichtigsten Eindrücke in Wort und Bild festgehalten, wie etwa die vom Mississippi-Delta, von den Sümpfen von Louisiana, von South Carolina sowie von den vielen kleinen Inseln, die vor der Küste Georgias eng beieinander liegen und eine eigene Atmosphäre und eine eigene Geschichte haben.

Der Süden ist zutiefst amerikanisch und doch ticken die Uhren hier anders als in Yankeeland. Weder Stress und Hektik der Ostküste noch Fitnessfimmel und Kalorienangst Kaliforniens sind spürbar. Der Süden ist ferner das Land der großen Geschichte und mannigfaltiger Geschichten. Viele Schriftsteller haben dort gewirkt: William Faulkner, Mark Twain, Kate Chopin, Carson McCullers, Margaret Mitchell und andere. Sie werden in dem Heft alle namentlich erwähnt.

Die bildende Kunst hat im Süden inzwischen ebenfalls eine Heimstatt gefunden. New Orleans und Atlanta haben sich nämlich in jüngster Zeit zu kreativen Metropolen entwickelt, die Künstler anzieht, wie die Merian-Reporter zu berichten wissen. In New Orleans wächst und gedeiht außerdem der Blues und der Jazz. Ein lebendiges Beispiel dafür sind die jungen Brassbands. In Atlanta wiederum ging Ted Turners Nachrichtensender CNN auf Sendung und hat bis heute die Nase vorn.

Doch herrscht im Süden der USA keinewegs nur eitel Sonnenschein. Ein dunkles Kapitel ist immer noch der alltägliche Rassismus gegen Schwarze. “Weiß zählt mehr als schwarz, sogar in den Köpfen unserer eigenen Leute”, sagt Bernice A.King, die 38jährige Tochter des 1968 ermordeten Friedensnobelpreisträgers Martin Luther King jr. in einem Interview. Zudem agiert weiterhin in diesem Land der KuKluxKlan mit seinen düsteren Machenschaften.

Den Herausgebern ist wieder einmal ein informatives Heft, aber auch ein kritisches Porträt von insgesamt sieben amerikanischen Südstaaten gelungen, mit vielen Tipps und guten Ratschlägen. (Ursula Homann)

Titel: Merian USA: Der Süden
Autor: Merian Vertrieb
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 140
ISBN: 3774266042

MERIAN Reiseführer Paris

Erstellt am: Januar 8th, 2008

Das neue Merianheft zeigt das Doppelgesicht einer Stadt im Umbruch. Einerseits ist Paris ein lebendes Museum – fünf Millionen Besucher etwa bewundern alljährlich Mona Lisa im Louvre, sechs Millionen besteigen im selben Zeitraum den Eifelturm. Andererseits ist die französische Metropole ein brodelnder Gärkessel urbaner Überlagerungen und steingewordene Zivilisation, dessen Bewohner oft gehetzt und gestresst sind und nicht selten arrogant erscheinen.

Gleichwohl ist und bleibt Paris Europas Hauptstadt des Stils und des Geistes, der Raffinesse und der Lebensart. Das kultivierte Aufeinandertreffen der Zeiten macht sie zu einem Magneten für Kulturinteressierte, Ästheten, Weltenbummler und Lebenshungrige. Paris kann einen zum Wahnsinn treiben, findet die amerikanische Autorin Jane Kramer und macht der Stadt dennoch eine versteckte Liebeserklärung, Der Frankreich-Kenner und Kulturkorrespondent der FAZ Jürg Altwegg wiederum beschreibt die Selbstinszenierung der Pariser Mächtigen. Denn “wer die Geschicke der Nation lenkt, inszeniert zuerst seinen Auftritt und baut danach das Denkmal für das eigene Tun”, von de Gaulle bis Chirac, schreibt Altwegg.

Nicht nur Reporter, auch Fotografen haben die glamouröse Neugeburt ehrwürdiger Kulturinstitutionen wie Oper und Centre Pompidou für das neue Merianheft festgehalten, ebenso das untergehende Handwerkerviertel an der Bastille, von der einst die Französische Revolution ausging, das Literatenviertel Saint Germain sowie Montmartre, das letzte Dorf der Stadt, mit seiner Touristen-Wallfahrtskirche Sacre Coeur. Zwischen den einzelnen Berichten und Bildern sind immer wieder Zitate von Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir eingestreut.

Aber auch die kulinarischen Genüsse, die Paris bietet, sind nicht zu verachten. François Simon, einer der großen Restaurant-Kritiker lässt sich über die Gastro-Kultur der Hauptstadt aus und empfiehlt ausgesuchte Restaurants. MERIAN hat ferner Hotels testen lassen, die solide, elegant und dennoch bezahlbar sind und den Gast nicht in den Ruin oder an den Rand der Verzweiflung treiben.

Die lohnendsten Sehenswürdigkeiten, die nettesten Cafés, die schönsten Parks und Gärten, die attraktivsten Läden und interessantesten Theaters und Kinos werden erwähnt und natürlich auch der Eiffelturm, Symbol Europas, denn was wäre Paris ohne ihn? Für Pariser ist er eine Frau “La Dame de fer”. Damit hat Frankreich also ebenfalls eine Eiserne Lady. Wie überall sind auch Kriminelle, die der Polizei und ihren Hilfstruppen das Leben schwermachen, hier zu Hause, vor allem im 18.Arrondissement. (Ursula Homann)

Titel: MERIAN Reiseführer Paris
Autor: Merian
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 140
ISBN: 37774288034

MERIAN Japan

Erstellt am: Januar 8th, 2008

Viele Europäer verbinden mit Japan oder Nippon, wie der einheimische Name lautet, Tamagotchis, bestimmte Autos, eine klare Ästhetik, viel Betriebsamkeit und halten das Land für reich, effizient, produktiv und erfinderisch. Dennoch ist Japan den meisten von uns fremd, weil es anders funktioniert als die Länder der westlichen Welt. Für die einen ist es bedrohlich, für die anderen bezaubernd oder beispielhaft.

Ein genaueres Kennenlernen von Japan ermöglicht das neue Merianheft. Es zeigt, wie nahe Exotik und Normalität hier beieinander sind, dass sich beispielsweise Kimono und Kickboard ganz gut vertragen. Die Autoren dieses Heftes sehen darin einen Beleg für eine bestimmte Geisteshaltung, dass nämlich Altes in Ehren gehalten und Neues freudig begrüßt wird. Die Sumo-Ringer, Japans Helden, stehen ebenfalls für Traditionen und zwar mit der vollen Wucht ihrer Körper. Wer das große Ginkgo-Blatt im Haar trägt, hat es geschafft und ist nicht mehr Diener sondern Herr.

Das Heft macht auch mit dem Alltag vertraut, mit Gaumenfreuden auf höchstem Niveau, wozu vor allem Fischgerichte gehören wie der auf der Zunge zergehende rote Tunfisch und der Tintenfisch. Gefährlich ist dagegen der Kugelfisch, weil seine Leber und Eierstöcke tödliches Gift enthalten. Man erfährt ferner, dass der Wohnraum hier sehr knapp ist, und da zu allem Überdruss die Wände hellhörig sind, ziehen sich Paare in Japans Großstädten nicht selten für intime Stunden ins Hotel zurück. Wer jedoch glaubt, dass japanische Frauen demütig und duldsam sind wie einst in früheren Zeiten Madame Butterfly, wird eines Besseren belehrt.

Während nachts in Tokio die Lichter nie ausgehen und Japans Schaltzentrale pausenlos arbeitet – wussten Sie übrigens, dass Europas Star-Designer in Japan ihre größten Gewinne erzielen? – , liegt die Provinz weit entfernt vom Hightech-Land. Die Reisernte wird immer noch durch Handarbeit eingebracht. Da hilft keine Maschine.

Ausländer verblüfft das Land. Doch nicht wenige Japaner stehen ihm kritisch gegenüber, von ihnen kommen zwei berühmte Persönlichkeiten zu Wort: der Literatur-Nobelpreisträger Kenzaburo Oe – er schreibt über seine “Jugend am Ende der Welt” – und der Regisseur Takeshi Kitano. Er rechnet mit allem ab, was für ihn im Land des Lächelns zum Weinen ist. Auch ein großer Literat der Niederlande ist hier mit einem Beitrag vertreten: Cees Nooteboom. Er schildert, wie er in Japan auf Pilgerfahrt ging, weil er in dem rastlosen Land Ruhe suchte und dabei eine Welt voller Rätsel und Geheimnisse fand.

Wir üblich ist dieses Heft reich bebildert und mit verschiedenen Karten ausgestattet. (Ursula Homann)

Titel: MERIAN Japan
Autor: Holger Schnitgerhans(Hg.)
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 146
ISBN: 3774266026

MERIAN Steiermark

Erstellt am: Januar 8th, 2008

Die Steiermark, abgeschirmt durch waldgrüne Berge, ist weniger lieblich als die westlichen Bundesländer Österreichs. Eher wirkt sie ein wenig kantig, aber sie ist, wie uns der Herausgeber des neuen Merianheftes versichert, “von ungeschminkter Herzlichkeit”. Zwischen Dachsteingletscher und Südsteirischer Weinstraße erwartet den Reisenden eine Region von beeindruckender Vielfalt. Da gibt es neben dem imposanten Hochgebirge die Seen des Ausseer Landes, die Stromschnellen von Enns und Salza, die Mur, die fast das ganze Land durchfließt, nicht zu vergessen die Ramsau am Fuß des Dachsteingebirges, die sich wie ein einziger großer Garten ausnimmt, sowie das waldreiche Land um Murau, wo sich Kultur und Natur aufs vortrefflichste verbinden. Dazwischen schwelgt die Landeshauptstadt Graz, oft Tor zum Süden genannt, in Barock, Renaissance und alter k.u.k.-Herrlichkeit. Man findet indes auch neue Akzente mit avantgardistischer Architektur und einen beispiellosen High-Tech-Verbund, der die Fertigung kompletter Serien von Allrad-Autos in die Steiermark geholt und so der Region einen wirtschaftlichen Höhenflug beschert hat. Die Grazer Schule der Architektur wiederum – sie entwickelte sich in den achtziger Jahren – ist experimentell, innovativ und gestaltungsfreudig, vertritt jedoch weder einen bestimmten Stil noch eine bestimmte Ideologie. Graz ist aber auch bekannt als alljährliche Begegnungsstätte von Literaten. Von Graz aus kommt man ins Rebland, an die Weinstraßen mit all ihren Buschenschänken und Gasthöfen. Im Herbst weht hier ein warmer mediterraner Hauch über das Land.

Das Heft berichtet von den Bodenschätzen der Steiermark, von Thermalwasser, Salz und Erz, von der landesüblichen Tracht, der die Steirer die Treue gehalten haben – gleichwohl haben sie Loden, Filz und Dirndl dezent der Mode angepasst – und vom Bären, der seit drei Jahrzehnten wieder in der Steiermark zu Hause ist. Star auf steirischen Feldern ist im Herbst der Kürbis. Denn aus seinen Kernen gewinnt man ein unvergleichlich nussiges Öl. Ergänzt werden die vielen von namhaften Autoren verfassten Beiträge in dem bilderreichen Heft, wie üblich, durch wertvolle Tipps und ausgezeichnetes Kartenmaterial. (Ursula Homann)

Titel: MERIAN Steiermark
Autor: Holger Schnitgerhans(Hrsg.)
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 140
ISBN: 3774266018

Merian Südafrika

Erstellt am: Januar 8th, 2008

Südafrika ist eines der schönsten und zugleich spannendsten Länder der Welt. Es ist verwirrend, vieldeutig, atemberaubend und widersprüchlich. Auf der einen Seite ist es arm, auf der anderen Seite jedoch hoch entwickelt. Es gibt den Kraal und hypermoderne Telekommunikation, die Wild Coast und das glitzernde Kapstadt, hohe Kunst neben Trash Art, Stammesriten neben Avantgardetheater. Die Palette der Kulturen ist so schillernd wie der Regenbogen. Ob Schwarz oder Weiß, Savanne oder Subtropen, Kraal oder Kosmopole, Weinberge oder Wüste – Südafrika ist voll atemberaubender Gegensätze, die kaum vereinbar scheinen.

Mit all diesen Gegensätzen konfrontiert das neue Merian-Heft seine Leser. Es zeigt das Land im Wandel nach dem Ende der Apartheid und bietet daneben viele prächtige Landschafts- und Tieraufnahmen. Denn Südafrika beherbergt unzählige Wildreservate. Paviane, Pinguine, Weiße Haie und Elefanten sind hier zu Hause. Zudem ist es ein Winzerland. Napoleon soll sich auf St.Helena, wohin ihn seinerzeit die Staatsoberhäupter Europas verbannt hatten, mit einem südafrikanischen Muscadet über den Verlust seiner Macht hinweggetröstet haben. Doch wo der Boden zu karg und zu trocken für Wein, Obst und Oliven ist, da züchten die Bauern Strauße.

Südafrika hat aber auch viele Probleme. Diese werden in verschiedenen Essays thematisiert. “Wer sind wir?” fragt zum Beispiel der südafrikanische Schriftsteller Bryan Rostron in seinem gleichnamigen Aufsatz und macht sich Gedanken über “Identifikation, Heimat und neue Farbenlehre”. Bartholomäus Grill beschreibt Kapstadt, die Diva des Kontinents, die reiche Metropole des weißen Südafrikas, die längst nicht mehr ganz in hellhäutiger Hand ist, denn die Menschen aus den Townships strömen ins “Luxuslegoland und geben ihm eine Farbe, die es faszinierend macht.” Den Schönen und Reichen freilich seien die Slums so fremd, schreibt Grill, wie die Rückseite des Mondes. Sie hörten weg, wenn der jetzige Präsident Thabo Mbeki, Nachfolger von Nelson Mandela, im Parlament von den zwei Nationen in einem Land redet, und wollten von den Ungleichheiten in ihrer Stadt nichts wissen.

Soweto wiederum trägt noch schwer am Erbe der Apartheid und ist wohl das größte Schwarzengetto der Erde. Johannesburg, Afrikas Boomtown, ein afrikanisches Manhattan, ist lebendig und geldgierig wie sein amerikanisches Vorbild, während die Atlantikküste Afrikas dem Wilden Westen gleicht. Denn am Meeresboden lagern Diamanten, nach denen eifrig getaucht wird, auch wenn das Unternehmen mehr als riskant ist. Da das Land insgesamt für Touristen nicht ganz ungefährlich ist, enthält das Heft neben den üblichen Tipps, auch einige Verhaltensmassregeln und rät den Reisenden unter anderem: “Verhalten Sie sich nicht wie eine wandelnde Bank, bescheidenes Auftreten gibt Sicherheit. Tragen Sie also keinen teuren Schmuck und lassen Sie ihr Geld im Hotelsafe…Meiden Sie Downtown Johannesburg, Soweto, die Zentren der großen Städte und auch Strände nach Einbruch der Dunkelheit.” (Ursula Homann)

Titel: Merian Südafrika
Autor: Holger Schnitgerhans
Verlag: Jahreszeiten Verlag
Seiten: 140
ISBN: 3774265127

Das Ländle in Berlin

Erstellt am: Januar 8th, 2008

Horst Schättle, der SFB-Oberste, ist einer und Udo Walz, der längst selbst zum Promi mutierte Promi-Friseur, auch. Ebenso Nina Hoss, die in der Rolle des “Mädchen Rosemarie” brillierte, und Peter Dussmann, der Chef des KulturKaufhauses an der Friedrichstraße. Sie sind Berliner und haben ihre Wurzeln in Baden-Württemberg – der Region Deutschlands, in der man Bouletten Fleischküchle nennt, die Kehrwoche pflegt und schafft und schafft und Häusles baut.

Badisches und Schwäbisches in der Hauptstadt – so der Untertitel – präsentiert Gerhard Drexel in seinem Buch “Das Ländle in Berlin”, das gleichermaßen unterhaltsam wie informativ ist: Für schwäbelnde Neu-Berliner, längst berlinernde Alt-Schwaben und all jene, die mit ersteren oder letzteren zu tun haben.

Schnell erfährt man, dass die scheinbar so ungleichen Schwestern Berlin und Stuttgart durchaus Gemeinsamkeiten haben: beide Städte liegen an Wasserstraßen, beide werden von gigantischen Fernsehtürmen überragt, beide können mit einem Schiller-Denkmal in ihrer Stadtmitte aufwarten und – in beiden leben viele Schwaben. Was Stuttgart angeht mag das nicht überraschen, wer jedoch die schwäbische “Invasion” in der Hauptstadt für ein Phänomen der Gegenwart hält, muss umdenken: Bereits 1869 gründete sich hier der “Verein der Württemberger” und schon 1894 schlossen sich die badensischen Nachbarn zum “Verein der Badenser” zusammen. Doch die Affinität zur preußischen Metropole reicht noch weiter in die Historie zurück, wie Gerhard Drexel zu berichten weiß.

Darüber hinaus stellt er den Lesern mehr oder minder bekannte Berliner schwäbischen Ursprungs vor, die der Hauptstadt kulturelle, architektonische oder anderweitige innovative Stempel aufgedrückt haben, und nennt Restaurants und Geschäfte, in denen schwäbische Spezialitäten den Ton angeben.

Gerhard Drexel, der 1948 geborene Autor von “Das Ländle in Berlin”, wuchs in der Nähe Stuttgarts auf und lebt seit 1995 in Berlin. (Ensa Maurer)

Titel: Das Ländle in Berlin
Autor: Gerhard Drexel
Verlag: be.bra verlag
Seiten: 158
ISBN: 3898090019

Kuba

Erstellt am: Januar 8th, 2008

“Das herrlichste Land, das Menschenaugen je erblickt haben”, stellte Columbus fest, als er nach Kuba kam. “Alle träumten von Kuba”, so heißt ein Buch des kubanischen Schriftstellers Miguel Barnet, das von den Hoffnungen galicischer Einwanderer handelt. Nach der Revolution fand ein anderer kubanischer Traum seine Anhänger: der vom neuen Menschen in einer gerechten Gesellschaft. Doch beides erfüllte sich nicht. Mittlerweile hat sich Kuba wieder dem Tourismus geöffnet. Mehr als 1,6 Millionen Besucher zählte die Insel im letzten Jahr. Inzwischen beginnen sich sogar die Beziehungen der USA zu Kuba zu normalisieren, nicht zuletzt durch den kleinen kubanischen Jungen Elián González, der Ende 1999 beim Untergang eines Bootes mit kubanischen Flüchtlingen seine Mutter verlor. Er selbst wurde als Schiffbrüchiger an der Küste Floridas an Land gespült und konnte erst nach langen Streitigkeiten und aufsehenerregenden Querelen zwischen seinen amerikanischen Verwandten und den Behörden seinem kubanischen Vater zurückgegeben werden.

All diese Entwicklungen und Ereignisse haben im neuen Merianheft ihren Niederschlag gefunden. Das Heft zeigt das Land im Umbruch und spiegelt seine heutige Widersprüchlichkeit eindrucksvoll wider. Durch informative Berichte und stimmungsvolle Bilder erzählt es von Havannas herrlicher, aber verfallender Architektur, von der Lebenslust der Kubaner und ihrem alltäglichen Überlebenskampf, von ihrer Liebe zur Musik und dem Leid zerrissener Familien, von großen Gesten und spannenden Spiele – vor allem der Baseball ist eine nationale Passion. Die besten Amateurboxer sollen von hier kommen. Kuba ist aber auch ein bekanntes Filmland. Alljährlich findet im Dezember das Filmfest in Havanna statt, während der Schwarzmarkt den florierendsten Posten in der kubanischen Wirtschaft darstellt. Touristen schwärmen von den weißen Stränden Kubas, von seiner bunten Vogelwelt – viele Arten existieren nur hier – und übersehen oft, wie hart das Leben in diesem Staat noch immer ist.

Das Heft informiert ferner über Tabak- und Zuckerrohranbau und die mitreißenden Rhythmen der Insel, die noch ältere Semester veranlassen, das Tanzbein zu schwingen. Viele Kubaner kommen hier zu Wort: der Lyriker Raúl Rivero, der die unabhängige Nachrichtenagentur Cuba-Press gegründet hat, der kubanische Schriftsteller Abilio Estévez – er erklärt die Besonderheit der kubanischen Lebensart -, Reinaldo Montero – er ist Dramaturg, Schriftsteller und Universitätsdozent in Havanna – sowie verschiedene Auslandskorrespondenten.

Wie bei Merian üblich, enthält auch dieses Daten zur Geschichte und liefert Reiseinformationen, Karten und Literaturhinweise. (Ursula Homann)

Titel: Kuba
Autor: Merian
Verlag: Graefe und Unzer
Seiten: 140
ISBN: 3774265119

Kreta

Erstellt am: Januar 8th, 2008

Kreta, die größte griechische Insel, ist eines der beliebtesten Reiseziele am Mittelmeer. Viele kommen wegen der Strände zwischen Iráklion und Agios Nikólaos oder wegen der steilen Südküste am Libyschen Meer hierher. Andere wiederum, die in Kreta vor allem die Wiege Europas sehen, zieht es in erster Linie an die Stätten der Minoer, nach Knossós, Festós oder Palekástro. Denn Kreta, zwischen Asien, Afrika und Europa gelegen, ist reich an Kultur und hat eine sagenumwobene Vergangenheit aufzuweisen.

Doch gerade in jüngster Zeit ändert sich Kreta rasant. Überall wird gebaut. Auch das letzte Bergnest ist inzwischen mit dem Auto zu erreichen. Da es jedoch nur wenigen Gästen gelingt, einen Blick hinter die Kulissen “dieser immer noch unwirtlichen, durch Hochgebirge geprägten Insel” zu werfen, möchte das neue Merian-Heft mithelfen, wie Holger Schnitgerhans im Vorort betont, Kreta besser zu verstehen und einen Zugang zu den Menschen dort zu finden.

Das Heft gewährt einen Blick in das tägliche Leben und Treiben auf Kreta. Es zeigt Fischer bei der Arbeit, Schafe und Ziegen. Es erzählt vom Olivenanbau, enthält Bilder von kretischen Bräuchen und vom Volksleben, aber auch von wilden Schluchten, darunter der vielbesuchten Samariá-Schlucht, von den Höhlen in Mátala – in frühchristlicher Zeit bargen sie Gräber, in den sechziger Jahren waren sie Wohnstätten der Hippies und heute sind sie ein großer Anziehungspunkt für den Massentourismus. Dazwischen erblicken wir immer wieder Sonne, schneebedeckte Berge und schöne Perspektiven. Ob im Gebirge, am Meer und in den Häfen, an vielen Stellen eröffnet Kreta spektakuläre Aussichten. Wir erleben den venezianischen Hafen von Réthimnon mit seinem fröhlichen Ambiente – während ihrer langen Herrschaft beflügelten die Venezianer das Kulturleben der Insel -, das bunte Treiben in Kretas Hauptstadt Iráklion – sie ist die kleine Version von Athen – und nicht zu vergessen Chaniá, die älteste Stadt der Insel. Auch der kretischen Küche zollen die Autoren viel Aufmerksamkeit. Wir erfahren außerdem, dass Kreta seit Jahrhunderten ein Zentrum der Ikonenmalerei ist. Immerhin sind Heiligenbilder ein Fundament des hier beheimateten orthodoxen Glaubens. Natürlich wird auch Göttervater Zeus erwähnt, der auf dem Berg Psiloritis den eigenen Vater zu vergiften versuchte und die Prinzessin Europa in Gestalt eines Stieres nach Kreta entführte.

Aufsätze von Fachleuten und Kennern der Insel ergänzen das reichhaltige Text- und Bildmaterial. Der Schriftsteller Jorgi Jatromanolákis schreibt von seiner Kindheit auf Kreta. Der Archäologe Eberhard Zangger, der als Querdenker seiner Zunft gilt, zeichnet im Interview mit Gabriela Bonin ein neues Bild von der alten kretischen Zivilisation. Vielfach seien Minoer und Mykener idealisiert und überbewertet worden, meint Zangger, das aber sei nur bildungsbürgerlichem Wunschdenken entsprungen.

Wie bei Merian-Heften üblich, bietet auch dieses Landesdaten, Kartenmaterial und viele nützliche Tipps. (Ursula Homann)

Titel: Kreta
Autor: Merian
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 118
ISBN: 3455290027

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