Die lauschenden Wände



Amy Kellogg und Wilma Wyatt sind Freundinnen, obwohl – oder gerade: weil? – sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Tröstender Abschluss eines für Wilma miserablen Jahres soll eine Reise nach Mexico City sein, wo die beiden Frauen im Zimmer 404 des Windsor-Hotels unterkommen.

Von einem sonderlich hohen Erholungsgrad und freundschaftlicher Harmonie zeugen die vor Spitzfindigkeiten, Meinungsverschiedenheiten und Provokationen strotzenden Gespräche der beiden Frauen nicht. Das weiß auch das mexikanische Zimmermädchen Consuela zu bezeugen, das die neben 404 liegende Besenkammer nicht selten für eine Siesta nutzt. Zum Höhepunkt gelangen die Streitigkeiten jedoch nachdem ein Bote für die gerade schlafende Wilma einen Kasten aus reinstem Silber abliefert, den Amy für ihre Freundin entgegennimmt. Als sie ihn öffnet, springt sie das kunstvoll eingravierte “R. J. K.” förmlich an – es sind die Initialen von Rupert J. Kellogg, ihrem Mann. Wenig später stürzt die sturzbetrunkene Wilma vom Balkon des Hotelzimmers und ist sofort tot. Amy wird mit einer Gehirnerschütterung und einem schweren Schock ins Krankenhaus eingeliefert.

Rupert wird von der amerikanischen Botschaft über den Zwischenfall informiert und fliegt sofort nach Mexico City, um sich um Amy zu kümmern und sie nach Hause zu holen.

Als Gill, Amys Bruder, der erhebliche Schwierigkeiten hat, zu erkennen, dass seine kleine Schwester inzwischen zu einer erwachsenen Frau geworden ist, von den mysteriösen Vorkommnissen erfährt, ist er ebenso schockiert wie besorgt. Misstrauisch wird er allerdings, als Rupert ihm nach seiner Rückkehr aus Mexico anstelle von Amy lediglich einen Brief von ihr präsentiert, in dem sie dem Bruder mitteilt, dass sie für eine Weile weggegangen sei. Völlig besessen von der Vision, dass seine Schwester von Rupert ermordet wurde, engagiert Gill einen Privatdetektiv, der schnell herausfindet, sich der Verdächtige in einem Gestrüpp aus Lügen und Ungereimtheiten bewegt. Aber ist er auch ein Mörder?

Mit “Die lauschenden Wände” tritt Margaret Millar wieder einmal den Beweis an, dass sie völlig zurecht in einem Atemzug mit Krimi-Koryphäen wie Patricia Highsmith genannt wird. Ohne den Spannungsbogen zu vernachlässigen, skizziert sie ihre Protagonisten gestochen scharf, legt ihnen aberwitzige Dialoge in den Mund und würzt die Handlung mit einer geballten Ladung Ironie. (Ensa Maurer)

Titel: Die lauschenden Wände
Autor: Margaret Millar
Verlag: Diogenes
Seiten: 276
ISBN: 3257214219

Abgelegt unter Taschenbücher

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