Pitbull-Ballade

Erstellt am: Februar 17th, 2008

‚Nie mehr Locken, nie mehr lange Haare, egal was irgendein Mann irgendwann dazu sagen würde. … Keine Männerhand sollte sich je wieder in ihren Haaren verkrallen, um ihren Kopf daran zurückreißen zu können.‘ Mit stoppelkurzer Frisur bezieht Jana Rudolph, die Hundeführerin bei der Berliner Diensthundestaffel ist, ihre neue Wohnung, die sie jedoch wider Erwarten nicht vor anonymen Drohanrufen schützt, die prophezeien, dass sie ihr Leben lang keine Ruhe mehr haben wird.

Doch die ist auch dahin, als Jürgens Stimme durch den Hörer dringt und er Jana erklärt, dass seine 14-jährige Tochter Meltem samt ihres Pitbulls Hasi vermutlich Frankfurt verlassen und sich auf den Weg nach Berlin gemacht hat, um zu verhindern, dass ihr harmloser Vierbeiner in ein Tierheim abgeschoben wird. In der Hauptstadt angekommen dauert es nicht lange, bis Melli und Hasi den Neo-Nazi Heiko und seine Kampfmaschine Tyson kennen lernen.

Als wenig später ein Obdachloser in der Nähe des beliebten Treffpunkts ungeliebter Ewiggestriger am Ostbahnhof in seinem Schlafsack in Brand gesteckt wird, gerät die Clique um Heiko prompt in Verdacht.

Freya Beckstein jedoch, die vorzeitig pensionierte Hauptkommissarin und mehr als sporadische Saufkumpanin der Penner, stößt bei ihren privaten Ermittlungen nach und nach auf Details, die einen Täter zulassen, den bislang niemand auf der Rechnung hatte.

„Pitbull-Ballade“ ist ein gelungener, spannender Krimi – einerseits. Andererseits jedoch kratzt die Autorin Cornelia Arnhold in ihm rigoros an den Hochglanzfassaden Berlins und bringt dahinter Wirklichkeiten ans Tageslicht, die kaum jemand wirklich sehen will. Detailliert und ohne moralinsauren Zeigefinger zeichnet sie die Wege ihrer Protagonisten ins gesellschaftliche Abseits nach, richtet den Fokus auf die Menschen, die hinter dem Offensichtlichen stecken, und schafft mit der überraschenden Auflösung des Falles ein aktuelles Plädoyer gegen Vorurteile.

Cornelia Arnhold wurde 1943 in Frankfurt/Main geboren. Sie arbeitete als Reitlehrerin und ist Mitbegründerin und Darstellerin im literarisch-erotischen Frauenkabarett „Die LiteratHuren“. Aus ihrer Feder stammen etliche Kurzgeschichten-Bände mit erotischer Prosa; 1999 erschien im „Rotbuch Verlag“ ihr vielbeachteter Debüt-Krimi „Rififi“. (Ensa Maurer)

Titel: Pitbull-Ballade
Autor: Cornelia Arnhold
Verlag: Rotbuch Verlag
Seiten: 250
ISBN: 343454027X

Karibische Geschichten

Erstellt am: Februar 17th, 2008

Lange Zeit galt Anna Seghers als Ikone der DDR-Literatur und als Aushängeschild des Ulbricht- und Honecker-Staates. Nach dem Fall der Mauer begann man allerdings auch im Westen, die Autorin etwas genauer zu lesen und differenzierter zu beurteilen. Denn Anna Seghers hat nicht nur Romane geschrieben, die dem Parteiprogramm der DDR entsprachen, sondern auch viele andere Bücher, wie etwa „Das siebte Kreuz“ und „Transit“, die, über alle ideologischen Schranken hinweg, ihre dichterische Begabung eindeutig belegen. Zudem hat sie sich in der Literatur nie einem vordergründigen Realismus-Diktat, wie es der Literaturpapst des Ostens, Georg Lukács, einst gefordert hat, unterworfen. Das zeigen auch ihre, mit surrealen und mythischen Elementen angereicherten „Karibischen Geschichten“. Wie aber kommt Anna Seghers, die schon früh eine überzeugte Kommunistin war und sich für unterdrückte Menschen und Völker einsetzte, dazu, sich mit der Geschichte in der Karibik zu befassen? Die Erklärung liegt auf der Hand. Denn in der Nazizeit hatte Anna Seghers, wie viele andere auch, Deutschland verlassen müssen. Ihr Fluchtweg führte sie nach Mexiko über Martinique und San Domingo. So wurde ihr Interesse für diesen Teil der Erde wach.

Alle drei in dem Band versammelten Geschichten spielen in der Zeit von der Französischen Revolution bis zum Emporkommen Napoleons und basieren auf historischen Fakten. In „Hochzeit von Haiti“ führt der Farbige Toussaint L’Ouverture die Befreiung der Negersklaven auf Haiti an. Während in Paris die Trikolore wehte und der Konvent die Leibeigenschaft abgeschafft hatte, war in den französischen Kolonien alles beim alten geblieben. Michael Nathan, der Sohn eines jüdischen Juweliers, wird Toussaints Sekretär. Aber ihrem Unternehmen ist kein dauerhaftes Glück beschieden. Fast gleichzeitig, ohne voneinander zu wissen, stirbt bald der eine im Exil, der andere in Haft.

Die zweite Erzählung handelt, wie schon der Titel andeutet, von der „Wiedereinführung der Sklaverei zu Guadeloupe“. Auch sie berichtet vom Widerstand der in die Berge geflüchteten Neger und vom Scheitern der Sklavenbefreiung. Diese schlug fehlt, weil die ehemaligen Sklaven aus dem Freiheitsrausch nicht in die Arbeits- und Alltagsrealität zurückfanden.

Die dritte Erzählung „Das Licht auf dem Galgen“ führt nach Jamaika. Hier sind es zwei miteinander befreundete Weiße, die für die Sklavenbefreiung kämpfen. Doch der geplante Aufstand wird vereitelt, noch ehe er zum Ausbruch kommt, weil einer der beiden, um sein Leben zu retten, Verrat begeht, während der andere der Idee der Freiheit für alle Menschen treu bleibt und am Galgen endet.

Ähnlich wie in der frühen Erzählung „Aufstand der Fischer von St.Barbara“(1928), mit der Anna Seghers ihren Ruhm begründete, misslingen auch in diesem Band, alle Versuche, sich gegen die Ausbeuter zu erheben. Solch ein Ausgang dürfte nicht im Sinne des real existierenden Sozialismus gewesen sein. Hat die Autorin resigniert? Das wohl kaum. Den Glauben an den Sinn der Revolte, Menschlichkeit und Solidarität in die Welt zu tragen, hat sie nie aufgegeben, nur hat sie die Schwierigkeiten, dies zu erreichen, wohl realistisch eingeschätzt. Eins aber bekunden die „Karibischen Geschichte“ ganz deutlich: es lohnt sich, mit der bei uns lange verleumdeten Dichterin näher zu befassen. Das letzte Wort ist über sie noch längst nicht gesprochen. Apropos: Der Sklavenhandel blüht immer noch, auf Haiti und anderswo, wenn auch oft in anderem und verstecktem Gewand. (Ursula Homann)

Titel: Karibische Geschichten
Autor: Anna Seghers
Verlag: Aufbau Taschenbuch Verlag
Seiten: 256
ISBN: 3746651743

Die Liebe in der Zeit des Mauerfalls

Erstellt am: Februar 17th, 2008

Paul, der in West-Berlin lebende Student, bessert seinen Etat durch alldonnerstägliche Kurierfahrten in den Ostteil der Stadt auf. Im Büro der jenseits der Mauer liegenden Spedition Deutrans, der er Westgeld bringt und dafür Abforderungsscheine für sozialistische Schlachtabfälle bekommt, lernt er Maria kennen und verliebt sich in sie.

Fortan gewinnt seine studentische Aushilfstätigkeit eine neue Qualität, sehnt er die Donnerstage förmlich herbei – trotz aller peniblen, schikanösen Grenzkontrollen und Schlagbäume, die es auf dem Weg zu Maria ins andere Deutschland zu nehmen gilt. Unter einer Decke der Klammheimlichkeit finden ihre Treffen statt, lassen sie aus Verliebtheit Liebe werden und spinnen sie Träume einer gemeinsamen Zukunft. Die zerplatzen jedoch jäh, als Paul äußerst unfreiwillig beim Versuch, die innerdeutsche Grenze zu passieren, die Bekanntschaft mit dem Oberleutnant Jahn macht, der sich nicht auf ein „Wir wissen alles!“ beschränkt, sondern alles, was er weiß überdies mit gestochen scharfen, schwarz-weißen Hochglanz-Fotos belegen kann. Sie zeigen Paul und Maria auf dem Alexanderplatz, Hand in Hand durch Parks schlendernd und im Prager Spartakiadestadion. Schlagartig wird ihm klar, dass die Möglichkeiten, seine Beziehung zu retten und Maria nicht zu gefährden, auf ein Minimum reduziert sind – er ergreift sie.

Detailliert, atmosphärisch dicht und eindrucksvoll beschreibt Roland Künzel mit seiner Erzählung um Paul und Maria nicht nur deren ganz persönliche Geschichte, sondern auch die über das Leben diesseits und jenseits der nunmehr längst verschwundenen Mauer. Künzels Buch ist Déjà-vu-Erlebnis für all jene, die wie seine Protagonisten zwischen den Welten gependelt sind, alle anderen zieht er in einem Strudel aus Erstaunen, Entsetzen und Ungläubigkeit zurück in die Vergangenheit des ebenso abrupt geteilten wie wiedervereinigten Deutschlands.

„Die Liebe in der Zeit des Mauerfalls“ ist der erste Roman des 1951 geborenen, in Berlin lebenden Autors Roland Künzel, der mit profunden eigenen leidvollen Erfahrungen zur Situation durch die Mauer getrennter Familien aufwarten kann. „Ich musste“, gibt er in einem Gespräch zu, „meine Phantasie nicht sonderlich stark anstrengen, denn die meisten Schicksale waren einfach vorhanden.“ Die Idee, seine Erlebnisse und die anderer in einem Roman zu dokumentieren, entstand gleichsam durch die Erkenntnis, dass es „wenig belletristische Mauerbau/-fall-Literatur gibt“ und das Bedürfnis, „einen Versuch zu unternehmen, die Atmosphäre des Mauerfalls zu konservieren“. Das ist ihm wahrlich gelungen. (Ensa Maurer)

Titel: Die Liebe in der Zeit des Mauerfalls
Autor: Roland Künzel
Verlag: Frieling & Partner
Seiten: 192
ISBN: 3828009964

Die lauschenden Wände

Erstellt am: Februar 17th, 2008

Amy Kellogg und Wilma Wyatt sind Freundinnen, obwohl – oder gerade: weil? – sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Tröstender Abschluss eines für Wilma miserablen Jahres soll eine Reise nach Mexico City sein, wo die beiden Frauen im Zimmer 404 des Windsor-Hotels unterkommen.

Von einem sonderlich hohen Erholungsgrad und freundschaftlicher Harmonie zeugen die vor Spitzfindigkeiten, Meinungsverschiedenheiten und Provokationen strotzenden Gespräche der beiden Frauen nicht. Das weiß auch das mexikanische Zimmermädchen Consuela zu bezeugen, das die neben 404 liegende Besenkammer nicht selten für eine Siesta nutzt. Zum Höhepunkt gelangen die Streitigkeiten jedoch nachdem ein Bote für die gerade schlafende Wilma einen Kasten aus reinstem Silber abliefert, den Amy für ihre Freundin entgegennimmt. Als sie ihn öffnet, springt sie das kunstvoll eingravierte „R. J. K.“ förmlich an – es sind die Initialen von Rupert J. Kellogg, ihrem Mann. Wenig später stürzt die sturzbetrunkene Wilma vom Balkon des Hotelzimmers und ist sofort tot. Amy wird mit einer Gehirnerschütterung und einem schweren Schock ins Krankenhaus eingeliefert.

Rupert wird von der amerikanischen Botschaft über den Zwischenfall informiert und fliegt sofort nach Mexico City, um sich um Amy zu kümmern und sie nach Hause zu holen.

Als Gill, Amys Bruder, der erhebliche Schwierigkeiten hat, zu erkennen, dass seine kleine Schwester inzwischen zu einer erwachsenen Frau geworden ist, von den mysteriösen Vorkommnissen erfährt, ist er ebenso schockiert wie besorgt. Misstrauisch wird er allerdings, als Rupert ihm nach seiner Rückkehr aus Mexico anstelle von Amy lediglich einen Brief von ihr präsentiert, in dem sie dem Bruder mitteilt, dass sie für eine Weile weggegangen sei. Völlig besessen von der Vision, dass seine Schwester von Rupert ermordet wurde, engagiert Gill einen Privatdetektiv, der schnell herausfindet, sich der Verdächtige in einem Gestrüpp aus Lügen und Ungereimtheiten bewegt. Aber ist er auch ein Mörder?

Mit „Die lauschenden Wände“ tritt Margaret Millar wieder einmal den Beweis an, dass sie völlig zurecht in einem Atemzug mit Krimi-Koryphäen wie Patricia Highsmith genannt wird. Ohne den Spannungsbogen zu vernachlässigen, skizziert sie ihre Protagonisten gestochen scharf, legt ihnen aberwitzige Dialoge in den Mund und würzt die Handlung mit einer geballten Ladung Ironie. (Ensa Maurer)

Titel: Die lauschenden Wände
Autor: Margaret Millar
Verlag: Diogenes
Seiten: 276
ISBN: 3257214219

Die Hüterin von Jericho

Erstellt am: Februar 17th, 2008

Schon wieder ist Chloe durch die Zeiten gereist. Sie landet im Meer vor der Küste Kanaans, diesmal jedoch in ihrem eigenen Körper. Hier verehrt man sie bald als Meeresgöttin, dabei will sie aber nur eins, endlich wieder mit Cheftu vereint sein. Dieser ist derweil auf einer kleinen Insel zusammen mit RaEm, welche die letzten Jahre im Körper von Chloe gelebt hat, von der restlichen Welt abgeschnitten. RaEm hat diesmal den Körper der Seherin Sybilla übernommen und tut alles, um Cheftu in den Wahnsinn zu treiben. Als sie schon nicht mehr an Rettung glauben, ankert ein Schiff von ihrer Insel. Cheftu und RaEm nutzen die Chance und befinden sich bald darauf, auf dem Weg nach Ägypten.

In Ägypten angekommen, muss Cheftu jedoch sehen, dass sein geliebtes Land dem Untergang geweiht ist. Der Pharao Echnaton zwingt seine Untertanen täglich den Sonnengott Aton anzubeten und in seiner Raserei merkt er nicht, wie das Land um ihn herum zerfällt. Als Cheftu einen Hinweis darauf erhält, wo Chloe sich aufhalten kann, flieht er aus Ägypten.

Chloe derweil genießt ihren Status als Meeresgöttin, nachdem sie in einem barbarischen Ritual ihre „Macht“ bewiesen hat. Eines Tages meint sie unter ein paar Sklaven ihren Ehemann Cheftu zu entdecken und kauft diesen. Endlich sind Cheftu und Chloe wieder vereint, die Stadt in der sie sich jedoch aufhalten, ist dem Untergang geweiht und bald sind beide Sklaven des König Davids. Damit ist ihr Abenteuer, aber noch lange nicht zu ende.

Auch im dritten Teil ihrer Serie um Chloe und Cheftu und ihre Reisen durch die Zeit versteht es Suzanne Frank meisterhaft, ihre Leser mit ihrer Erzählkunst zu fesseln. Die Geschichte dieses Romans ist absolut einzigartig, faszinierend und lässt einen nicht mehr los. Nie hat es soviel Spaß gemacht die Ereignisse der Bibel von einem anderen Gesichtspunkt aus erzählt zu bekommen. Ein Buch was man einfach gelesen haben muss!!!

Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin von Die romantische Bücherecke

Titel: Die Hüterin von Jericho
Autor: Suzanne Frank
Verlag: Goldmann / Blanvalet
Seiten: 604
ISBN: 3442351901

Die Schwindlerin

Erstellt am: Februar 17th, 2008

Tess Alcotts Leben gerät aus den Fugen, als eines Tages ihr alter Peiniger Bert, vor der Tür ihrer Wohnung steht. Bert hat aus Tess eine Diebin gemacht die jahrelang für ihn arbeiten musste, bis er sie aus seinen Klauen entlassen hat. Und Bert plant einen neuen Coup, wofür er die Hilfe von Tess braucht. Diese hat keine andere Wahl, als sich auf das falsche Spiel einzulassen.

Tess soll sich als die vermisste Enkelin von Jane Cushman ausgeben, einer reichen alten Dame, welcher die Cushman’schen Auktionshäuser gehören. Bert ist der Meinung sie besitzt genug Ähnlichkeit, um die alte Dame glauben zu lassen, sie wäre ihre Enkelin, die als Kleinkind entführt wurde. Und besonderes Interesse hat Bert an den Farleigh-Juwelen. Die möchte er unbedingt haben, und Tess soll sie ihm beschaffen. Er will sie auch am Gewinn beteiligen.

Tess stürzt sich also in das Spiel, alles scheint so einfach zu sein, wäre da nicht Luke Mansfield, der Anwalt der Familie Cushman der sich von Anfang an sicher ist, das die bezaubernde junge Frau nichts anderes sein kann, als eine Schwindlerin. Zwischen den beiden fliegen bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Funken. Aber so einfach ist es dann doch nicht die Wahrheit über Tess herauszufinden und je länger Luke mit der jungen Frau zusammen ist, desto mehr ist er hin- und hergerissen zwischen seinen Gefühlen und seinem Denken.

„Die Schwindlerin“ ist für mich eins der besten Bücher seit langem! Witzig geschrieben und mit so viel leidenschaftlicher Spannung zwischen den Hauptpersonen, dass man fast meint die Seiten beim Umblättern knistern zu hören. Der Schluss ist dann eine echte Überraschung! Diesen Roman kann ich nicht nur allen Susan Elizabeth Fans empfehlen. Lesen und Spaß haben!

Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin von Die romantische Bücherecke

Titel: Die Schwindlerin
Autor: Michelle Martin
Verlag: Goldmann / Blanvalet
Seiten: 320
ISBN: 3442353319

Das Erbe der Lady Marian

Erstellt am: Februar 13th, 2008

Schon von klein auf fühlt sich Celeste Hawk mit dem Schloss Landryhock Hall magisch verbunden. Dabei ist sie nur die Tochter des Dorfschmiedes und ihre Mutter hält ihr immer wieder vor, dass ihre Tagträumereien nichts bringen. Eines Tages jedoch schließt sie Freundschaft mit einem Mädchen vom Schloss, deren Mutter dort in der Küche arbeitet. So hat sie zum ersten Mal die Gelegenheit, sich dort aufzuhalten, wird jedoch bald von Lord Simon entdeckt, dem Schlosserben, der sie für eine Diebin hält.

Auch in den darauffolgenden Jahren, geraten Celeste und Simon immer wieder aneinander, wenn sie einander begegnen. Dann stirbt plötzlich Celestes Mutter und sie erhält eine Stellung im Schloss angeboten, als Gesellschafterin von Lady Marian, der Mutter von Lord Simon.

Von da an ändert sich Celestes Leben dramatisch und sie kann sich ein Leben fernab von Landryhock Hall einfach nicht mehr vorstellen. Aber das Schicksal hat schon wieder die Weichen in eine ungewisse Zukunft für sie gestellt. Wann ist ihr Glück endlich von Dauer?

„Das Erbe der Lady Marian“ ist ein gut gelungener historischer Unterhaltungsroman einer deutschen Autorin. Das die Geschichte in der Ich-Form geschrieben ist, ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig, allerdings fesselt die Geschichte den Leser bald so, dass man sich schnell an den Erzählstil gewöhnt. Ein kurzweiliger Lesespaß.

Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin von Die romantische Bücherecke

Titel: Das Erbe der Lady Marian
Autor: Rebecca Michéle
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 255
ISBN: 3404128966

Mordsglück

Erstellt am: Februar 13th, 2008

Mittelstand, katholisch, Rheinland, Einzelkind – es gäbe glorreichere biographische Eckdaten für eine Karriere als Schauspielerin, befindet Michaela Mann selbstkritisch. Dass zudem ihre erste große Liebe schneller verging als sie andauerte, lässt für Michaela unweigerlich den Schluss zu, zwei kostbare Jahrzehnte ihres Lebens in zum Negativen tendierender Mittelmäßigkeit verbracht zu haben.

Doch dann lernt sie bei einem Casting Siegfried kennen. Siegfried, den erfolgreichen Schauspieler. Siegfried, der Pupillen mit der Lizenz zum Aufsaugen sein Eigen nennt und sich als ‚der Beste im Gucken‘ erweist. Siegfried, der sie zum Aussenden deutlicher Signale provoziert und diese mit dem Hinweis, es sei ein Zeitproblem, quittiert. Siegfried, der sie schließlich ’nach vier ereignislosen Wochen der Nichtbeziehung‘ seiner Mutter vorstellt. Was folgt, sind zwei Jahre, in denen sich zum amourösen Glück auch der berufliche Erfolg als Mimin gesellt. Kurzum: Michaela schwebt auf Wolke Sieben über den Dingen – bis sie erfährt, dass ihre Freundin Gaby mit ihr nicht nur die Begeisterung für’s Theater, sondern auch die für Siegfried teilt und ein Verhältnis mit ihm hat. Zwar verlässt die Betrogene eilends die gemeinsame Wohnung, doch davon, kampflos das Feld zu räumen, ist sie weit entfernt. Ein an Siegfried adressiertes Päckchen mit allerlei symbolischen Utensilien für den perfekten Suizid sowie der Empfehlung ‚zur freundlichen Benutzung‘, ist nur der Anfang. Schon wenige Tage später sieht sich der neue Mann an Gabys Seite mit ungleich boshafteren Auswirkungen des Rachefeldzuges seiner Ex konfrontiert.

Äußerst spritzig und kurzweilig erzählt Anna Johann in ihrem Roman „Mordsglück“ die Geschichte einer Frau, die sich mit einem exotischen, äußerst effektiven Mittel gegen all jene zu wehren weiß, die sich ihr bei der Erfüllung ihrer Sehnsüchte in den Weg stellen.

„Mordsglück“ ist der fünfte, im Fischer Taschenbuch Verlag erschienene Roman von Anna Johann, die als freie Autorin und Übersetzerin auf der süditalienischen Insel Stromboli lebt. (Ensa Maurer)

Titel: Mordsglück
Autor: Anna Johann
Verlag: Fischer TB
Seiten: 191
ISBN: 3596147115

Das Postfach

Erstellt am: Februar 13th, 2008

Sophie Walker ist 43 Jahre alt, ledig, seit Jahren ohne feste Beziehung und davon überzeugt, dass Kinder einen ‚Angriff auf die weibliche Intelligenz‘ darstellen. Sie arbeitet in einer Buchhandlung, bewohnt eine 3-Zimmer-Wohnung im Hamburger Stadtteil Eppendorf und ist mit ihrem Leben rundum zufrieden, eigentlich. Iris ist verheiratet und ein paar Jahre jünger. Genau genommen hat sie jedoch das Alter eines Säuglings, denn Iris wurde just an dem Tag geboren, an dem Sophie beschloss, sich ein zweites Leben zu gönnen – ein vergleichsweise wildes und lustbetontes, eines, das keine Gemeinsamkeiten mit ihrem bürgerlichen, etablierten Dasein hat.

Eine Kontaktanzeige soll ihr dabei helfen. Um der in der Ferne lauernden Gefahr den Garaus zu machen, dass über Iris die Identität der wahren Sophie aufgedeckt und somit das erste Leben in Mitleidenschaft gezogen werden könnte, mietet sie sich ein Postfach. Wenig später erscheint ihr Inserat: ‚Frau, Ende dreißig, attraktiv, gebunden, sucht Mann für gelegentliche diskrete Treffen … ich freue mich über detaillierte, phantasievolle Zuschriften‘. Sebastian, der gelangweilte Familienvater, ist der Erste, den sie zu einem Treffen mehr auffordert denn bittet; Sven, der verheiratete Beamte mit devoten sexuellen Neigungen, ist der Nächste, und beiden eifern fünf weitere Anzeigen-Männer nach.

Sophies Genuss an den zwischen Pflicht und Kür schwankenden Leben währt freilich nicht lange, denn schon bald wird die Ahnung, verfolgt zu werden, zur Gewissheit: Ein Voyeur ist ihr, Sophie, auf der Spur, erpresst sie mit kompromittierenden Fotos ihres Alter egos und droht, die Macht über ihr doppeltes Spiel zu gewinnen. Das geschehen zu lassen widerstrebt ihr verständlicherweise…

Birgit Stobbe zeichnet mit ihrem Roman „Das Postfach“ das dramatische Psychogramm einer Frau, die zwischen die Fronten des Wollens und Habens gerät, und beim Versuch, die Kontrolle über ihr Leben wieder an sich zu reißen, zu lebensgefährlichen Mitteln greift.

„Das Postfach“ ist der dritte, im Fischer Taschenbuch Verlag erschienene, Roman der 43-jährigen Autorin, Buchhändlerin, Taxifahrerin und Soziologin, die überdies etliche Kurzgeschichten und Drehbücher verfasst hat. (Ensa Maurer)

Titel: Das Postfach
Autor: Birgit Stobbe
Verlag: Fischer TB
Seiten: 149
ISBN: 3596145228

Feuerspiele

Erstellt am: Februar 13th, 2008

„An jenem Abend, als Monika, seine Frau, gestorben war“, betrat Jan den dunklen Raum auf dem Dachboden seines Hauses und beschloss zu sterben. Aber nicht der Tod kam zu ihm, sondern die Erinnerung an eine schlimme Vergangenheit, die Jan, solange er mit Monika zusammen gewesen war, verdrängt hatte. Plötzlich stehen ihm Chaos, Angst, Verfolgung und Mord während der Zeit, als die Nazis Polen besetzt hatten, wieder deutlich vor Augen. Während längst verstorbene Menschen Jan auf seinem Dachboden heimsuchen und Gerechtigkeit fordern, bereiten viele Kilometer von ihm entfernt drei Menschen eine Kunstausstellung im idyllischen deutschen Kurort Bad Kranach vor: der amerikanische Großindustrielle Graham Wilson, der russische Fürst und Emigrant Kyrill und der Ungar Dr.Kovacs. Kunstsammler aus aller Welt sollen auf dieser Ausstellung ihre Schätze zeigen, die der Veranstalter werden allerdings nur Fälschungen sein. Denn geplant ist ein großer Versicherungsbetrug. Alles soll zum Schluss in Flammen aufgehen.

Auf dem Dachboden findet Jan eine Liste mit Namen und erinnert sich an Polen, Deutsche, Juden, Nazis und Kommunisten, die seinen Weg gekreuzt haben, zum Beispiel an Joel Weiss, der heute ein hervorragender Kunstsammler ist, an den Nazimörder Kugler, der sich jetzt Baron nennt, an Ackermann, Kuglers Stellvertreter, an Westermann, der seinem Schulfreund Weiss das Eiserne Kreuz des Vaters klaute, um ihn später bei der Polizei zu verpfeifen, an einen Jude namens Obrazek, an dessen Schwiegersohn Grynzpan aus Warschau, dem Helfershelfer von Kugler, an den Polizisten Halberstamm, der ein jüdisches Mädchen rettete, sowie an zwei hochgewachsene Brüder mit Spitznamen Känguruh und Mäuserich, die von den Nazis ermordet wurden.

Viele, die überlebt haben, werden auch in Kranach sein. Jan erfährt davon und reist mit dem polnischen Galeristen Edek Laski dorthin. In Kranach trifft er ein halbes Dutzend Kriegsverbrecher, die nicht nur der gerechten Strafe entgingen, sondern auch keinerlei Reue zeigen. Unter diesen befindet sich Kugler, dem Jan vergeblich ins Gewissen redet. „Was geschehen ist, ist nun mal geschehen“, sagt Kugler.

Schließlich verschlingt sie alle der außer Kontrolle geratene Brand. Nur Jan kann sich dank Rita, die Halberstamm einst vor dem Tod bewahrt hat, in Sicherheit bringen. Andrzej Szczypiorski läßt in dem Band, der in Polen noch kurz vor seinem Tod erschien (der Autor starb im Mai 2000), viele Fragen anklingen, wie etwa die, ob es das Schicksal gewollt habe, dass Halberstamm Soldat und Henker unschuldiger Menschen wurde, ob Gott existiert, und wenn ja, ob wirklich alles mit seiner Erlaubnis geschehen sei. In packenden Geschichten, großartigen Passagen und grandiosen Dialogen zeigt er ein unvorstellbares Dickicht kollektiver Verstrickungen, die Verquickung von Gut und Böse, von Gemeinheit und Heldentum, von Bewähren und Versagen.

Auch wenn Szczypiorskis letztes Werk nicht die Qualität seines Buches „Die schöne Frau Seidenmann“ besitzt, mit dem der polnische Dichter bei uns schlagartig bekannt geworden ist, so hat er doch mit diesem vielgestaltigen Roman mit den wichtigsten Themen des letzten Jahrhunderts seinen Lesern ein großes künstlerisches Vermächtnis hinterlassen. (Ursula Homann)

Titel: Feuerspiele
Autor: Andrzej Szczypiorski
Verlag: Diogenes
Seiten: 363
ISBN: 3257062532

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