Bilder um 11
Erstellt am: März 6th, 2008Eine Gruppe Ökoterroristen besetzen gewaltsam einen kleinen TV-Sender um eine Abstimmung über ein Umweltthema in ihrem Sinn zu beeinflussen. Sie lassen alle dort anwesenden Personen bis auf den Nachrichtensprecher Toby Inman, den Sportansager Carl Mendozza, die Wetterfee Heather Blake und den Leiter des Senders, Eddie Franker, frei. Als sie einige Male auf Sendzung gehen, werden zwar die sie belagernden Ordnungshüter immer erregter, aber manche der Geißeln findet zum Teil Gefallen an der öffentlichen Aufmerksamkeit und den emporschnellenden Zuschauerquoten.
Als die Abstimmung in ihrem Sinne gelaufen ist und sie bis dahin eine Erstürmung des Senders mit allen möglichen Tricks verhindern konnten, sieht alles nach einem glücklichen Ausgang aus. Doch der Chef der Terroristen überrascht alle mit zusätzlichen, weitergehenden Forderungen und die Besetzung wird weitergeführt.
Damit rufen die Terroristen aber mächtigere und gewitztere Kontrahenten auf den Plan als die örtlichen Polizeibehörden es waren. Und langsam beginnen sich auch unter den Terroristen verschiedene Fraktionen zu bilden.
Obwohl das Buch bei Heyne als Science Fiction geführt wird, ist es eindeutig ein Medienthriller mit weniger Unwahrscheinlichkeiten als viele andere Romane aus diesem Genre.
Wie in einem Kammerspiel spielt sich die immer wieder überraschende Wendungen nehmende Handlung fast ausschließlich als sich oft wechselnde Konflikte zwischen den Protagonisten ab. Und deren Persönlichkeiten sind sehr überzeugend beschrieben.
Der enge Handlungsraum und die ziemlich große Seitenzahl führt aber in diesem Fall nicht zu der geringsten Langatmigkeit. Ohne großartige Verschwörungstheorien herhalten müssen, liefert das Buch gleichzeitig einen kritischen Standpunkt und einen spannungsreichen Lesestoff.
Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at
Titel: Bilder um 11
Autor: Norman Spinrad
Verlag: Heyne
Seiten: 669
ISBN: 3453126408
Dunkle Engel
Erstellt am: März 6th, 2008Im New York des Jahres 1865 ist Paula Grainger der Inbegriff der viktorianischen Frau. Nach dem Tod ihres Mannes, der es als Geistlicher zu hohem Ansehen in der Gemeinde gebracht hatte, ist sie jetzt mühsam wieder auf sich selbst angewiesen. Obwohl sie erst Mitte 30 ist, hält sie sich bereits für eine alternde Witwe. Zusammen mit ihrem schwarzen Dienstmädchen Phoebe lebt sie einsam und zurückgezogen in ihrem Haus, während rings um sie herum der Bürgerkrieg tobt. Ihr Mann hatte Zeit seines Lebens für die Freiheit der Sklaven gekämpft, und als sie eines Morgens den aufgebahrten Sarg des gerade ermordeten Präsidenten Abraham Lincoln besucht, spricht aus dem Dunkel eine Stimme zu ihr. Einige Momente lang glaubt sie an eine Begegnung mit Gott, doch der Besitzer der Stimme erweist sich als menschlich. Es ist niemand geringeres als der berühmte Dichter Walt Whitman, der zu ihr gesprochen hat. In wenigen Sätzen erklärt er, dass er Paulas Ehemann gekannt habe und so manche Details aus seinem Leben kenne, die seiner Frau bis dato unbekannt gewesen sein dürften. Und mit diesen Worten nimmt eine Geschichte ihren Lauf, die sich immer weiter in die Vergangenheit zurückschraubt und mehrere Kontinente überspannt und in der noch mehr berühmte Persönlichkeiten auftauchen…
S.P. Mostow hat mit „Dunkle Engel“ ein kleines Meisterwerk der unheimlichen Literatur abgeliefert und wir haben es nur dem beinahe schon fanatischen Verleger Frank Festa zu verdanken, dass wir dieses Kleinod in unseren Händen halten dürfen. Mostows Geschichte, in der Horror und Historie auf geniale Art vermischt werden, bis sie untrennbar vereint scheinen, zieht sofort in ihren Bann. Schon nach wenigen Seiten merkt man, dass dieser in der Edition Metzengerstein erschienene Band der bisher anspruchsvollste ist.
Fazit: „Dunkle Engel“ verwebt Horror und Geschichte zu einer faszinierenden Zombie-Geschichte, die niemals in ausgetretenen Pfaden wandelt, sondern erfrischend innovativ ist und die viele Leser gierig verschlingen sollten! (Tino Hahn)
Titel: Dunkle Engel
Autor: S.P. Somtow
Verlag: Festa Verlag
Seiten: 320
ISBN: 393582209X
Der Schacht
Erstellt am: März 3rd, 2008Chicago ist die Hölle und da treffen sich Jonathan, Cruz und Jamaika. Aus unterschiedlichen Gründen auf der Flucht, durchleben die drei einen Alptraum in einem heruntergekommenen, unheimlichen Hotel. Das Kenilworth Arms.
Noch ahnen sie nicht welchen Trip dieses Gebäude durchlebt. Das Kenilworth Arms altert und erhält sich selbst. Seine Bewohner haben keine Ahnung, dass ihre eigene Verzweiflung ein Protein ist, das das Gebäude braucht um sich zu erhalten. Es nimmt die menschlichen Dramen nicht war, die sich innerhalb seines alternden Körpers abspielen. In den Räumen, Zimmern und Fluren ist schon immer Blut vergossen worden. Es ist in die Wände und die Teppichläufer geflossen.
Für die richtige Dosis sorgt ein Bandwurm, er hat das Haus in den Opiumrausch des Blutes eingeführt. So wie jemand mit Alzheimer eine klare Phase haben kann und sich mit Drogen zuschüttet, um der kommenden Agonie des Vergessens zu entgehen, so will auch das Kenilwoth Arms jetzt mehr von diesem Stoff, der es so wunderbar sorglos sein lässt.
Das Haus versucht, durch Drogen betäubt, das zu verwenden was es weiß oder sich noch vorstellen kann. Tief im Drogenrausch versunken hat es etwas, was man als einen Traum bezeichnen kann aus dem wohl keiner der Bewohner entkommen kann.
Dieser Roman über die Drogenszene, die in den Kellern von Chicagos Mietshäusern wuchert betäubt von der ersten bis zur letzten Seite. David J Schow prägte den Begriff “Splatterpunk”. Gemeint sind jene Geschichten von Autoren, denen es weniger auf die literarische Qualität ankommt, sondern mehr auf rohe Gewaltdarstellung. Splatterpunk ist ein Name für einen Trend, ein Begriff für Horror extrem, für das Grauen an sich, für die Abgründe der menschlichen Psyche und nicht zuletzt so sarkastisch, das es schon wieder zum lachen ist. Schow gehört wohl zweifelsohne zur ersten Garde zeitgenössischer Horrorautoren.
In Zeiten, in denen Große Verlage davor scheuen das Wörtchen “Horror” auch nur ansatzweise in den Mund zunehmen, bietet der Blitz-Verlag diesen Roman für angemessene DM 29.80 an. (Silvia Dunker)
Titel: Der Schacht
Autor: David J. Schow
Verlag: Blitz Verlag
Seiten: 352
ISBN: 3898400425
Das Bild – Rose Madder
Erstellt am: März 3rd, 2008Rose Daniels ist mit einem Polizisten verheiratet und ihre Ehe ist die Hölle. Die schweren Misshandlungen gehen so weit, dass sie eines Tages sogar ihr ungeborenes Kind verliert. Schließlich flieht sie von ihrem Mann, setzt sich in einen Überlandbus und fährt in eine weit entfernte Stadt. Dort findet sie Aufnahme in einem Frauenhaus und langsam in ein normales Leben zurück. Als sie bei einem Pfandleiher den Wert ihres Eherings herausfinden will, entdeckt sie dort ein Bild, das sie seltsam anzieht. Sie bekommt es im Tausch gegen ihren Ring und hängt es in ihrer neuen kleinen Wohnung auf.
Doch Norman, ihr Mann hat sie nicht vergessen und verfolgt mühsam aber immer erfolgreicher ihre Spur. Rose bekommt einen gut bezahlten Job angeboten und lernt einen sympathischen jungen Mann kennen, aber das Bild in ihrer Wohnung entwickelt seltsame Phänomene.
Schließlich taucht Norman in der Stadt auf und verliert bei der Suche nach ihr jede Zurückhaltung und zunehmen seinen Verstand. Die Situation eskaliert zunehmend und treibt auf ein aberwitziges Finale zu.
In der ersten Hälfte des Romans passiert ziemlich wenig und selbst der brillante Geschichtenerzähler King schaffte es hier nicht immer, Längen zu vermeiden. Erst ungefähr ab der Mitte kommt die Geschichte durch das verstärkte Auftauchen übersinnlicher Aspekte in Schwung um gegen das Ende immer mehr an Spannung und Tempo zu gewinnen. Nur im letzten Kapitel geht es wieder ruhiger zu.
Es ist wohl kaum das beste Buch von King aber trotzdem durchaus lesenswert. Wer nur seine Horrorromane kennt, wird aber möglicherweise enttäuscht sein. Obwohl auch in “Das Bild” übersinnliches eine Rolle spielt, spielt sich der Großteil der Handlung in einem mehr oder weniger normalen Umfeld ab und auch der “Horror” entstammt einem zwar nicht ganz normalen, aber durchaus realistischen Menschen.
Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at
Titel: Das Bild – Rose Madder
Autor: Stephen King
Verlag: Heyne Verlag
Seiten: 588
ISBN: 3453116143
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