Alkohol



Maggie May Chilcote wächst als Tochter einer wohlhabenden und einflussreichen Südstaatenfamilie auf. Doch trotz allen Wohlstandes hat das Mädchen keine glückliche Kindheit, denn wie ein Fluch lastet die Alkoholabhängigkeit des Vaters über der Familie. Als sich der verzweifelte Mann das Leben nimmt, weil er seine Sucht nicht mehr beherrschen kann, sagt seine Tochter Maggie May der Volksdroge den Kampf an.

In New York betreibt zur gleichen Zeit die Familie Tarleton eine kleine Hotelpension. Kip, der Sohn, muss schon in jungen Jahren kräftig mitarbeiten und Verantwortung übernehmen, sein Vater Pow ist dazu nicht in der Lage – denn auch er ist ein Trunkenbold.

Genau wie Maggie May verabscheut Kip die Volksdroge aus ganzem Herzen. Über Maggie Mays Bruder Roger, der als Gast in der Tarletonschen Familienpension lebt und der leider die familiäre Veranlagung zur Trunksucht geerbt hat, lernen sich die beiden Alkoholgegner kennen und lieben.

Amerika befindet sich in der Phase der Prohibition und natürlich sind Kip und Maggie May glühende Anhänger des staatlichen Alkoholverbotes.

Während Roger sich immer mehr der Sucht ergibt, lassen die beiden keine Gelegenheit aus, um gegen Schnaps, Wein und Bier zu Felde zu ziehen. Maggie May hält mit wachsendem Erfolg Vorträge in kirchlichen Gemeindehäusern, bei Gewerkschaften und sozialen Organisationen ;ihr Mann arbeitet als Beamter bei der bundespolizeilichen Prohibitionsbehörde und wird zu einem unbestechlichen und unerbittlichen Verfolger von Schmugglern, Schwarzbrennern und Alkoholpanschern. – Natürlich macht er sich damit nicht nur Freunde…

Obwohl der Roman mittlerweile siebzig Jahre alt ist, hat er bis auf den heutigen Tag kaum etwas von seiner Aktualität eingebüsst. Noch immer ist Alkohol die Droge Numero Eins und die damit verbundenen Probleme sind drängend wie eh und je. Wer einmal im Kreis von Kollegen, Bekannten, Nachbarn, Freunden oder gar Angehörigen den alkoholbedingten Niedergang eines Menschen und oft auch seiner Familie miterleben musste, ist verblüfft über die Genauigkeit von Sinclairs Beobachtungen. Das langsame Abgleiten einer trinkfesten Frohnatur in die Alkoholabhängigkeit wird überzeugend geschildert. Die Ausreden, Lügen, Argumente und Beschönigungen, mit denen der Trinker seine Sucht zu bemänteln oder zu entschuldigen versucht – Sinclair lässt keine aus. Auch die verzweifelten Versuche von Ehefrauen, Kindern und Freunden, den Alkoholiker von seiner Sucht abzubringen, werden vom Autor glaubhaft und nachvollziehbar beschrieben. Am Sinclairs Stil gibt es für mich nur wenig zu bekritteln, seine Schreibe ist flott, geprägt von leichter Ironie und ohne Übertreibung.

Mich stören jedoch Sinclairs Unnachgiebigkeit und Radikalität. Seine Helden (und wie mir scheint auch er selbst) billigen nicht den kleinsten Schritt vom Wege Für ihn gibt es zumindest in dieser Frage nur schwarz oder weiß – Trinker oder Antialkoholiker. Obwohl viele Menschen mit der Droge Alkohol große Probleme haben, ist doch nicht jeder, der gerne mal ein Gläschen Wein oder Bier trinkt , deswegen gleich ein Säufer (Gott sei Dank).

Ich denke aber, dass man, was dies angeht, Sinclairs Buch in seine Zeit stellen muss. Damals wusste man, zumindest was die Entwicklung der Prohibition anbetraf, halt noch nicht das, was man heute weiß.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von Evas Leseland

Titel: Alkohol
Autor: Upton Sinclair
Verlag: Piper Verlag
Seiten: 413
ISBN: 3492226590

Abgelegt unter Kultur und Geschichte

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