In der mir vorliegenden Variante erinnert das Buch – sieht man es zum ersten Mal – ein wenig  an das Warenlager eines Rollenspiels – möglicherweise mit Absicht, da ein ähnlich benanntes Spiel existiert. Ein Schild, ein Schwert und ein Dolch wurden – leicht durchsichtig – vor einen Raum mit großem Fenster und Tisch drappiert. Die Bedeutung der drei Gegenstände wird im Laufe des Buches und vermutlich auch seiner Nachfolger verdeutlicht.

Blättert man das Buch durch fällt einem das am Ende befindliche Glossar auf, welches beim lesen noch hilfreich sein könnte. Es erklärt Rassen, Pflanzen, Tiere und Gegenstände der Welt dieses Buches, deren Namen wie selbstverständlich im Buch genutzt werden, da sie zum Sprachgebrauch der Protagonisten des Buches gehören. Einigen Lesern mag es dienlich sein nach der Konfrontation mit einem solchen Begriff die Möglichkeit zu haben, eine etwas genauere Erläuterung nachlesen zu können. Andererseits ist die Geschichte auch ohne dieses Glossar durchaus verständlich und nachvollziehbar, so dass es schon ein wenig schade ist, das Buch dadurch noch weiter gekürzt zu sehen.
(Die Aussage bezieht sich auf die Taschenbuch-Version, welche mit 335 Seiten Inhalt glänzt, welches wohl einem Standard-Buch durchaus entspricht, bei Fantasy-Romanen aber eher als wenig erscheint.)

Bei „Die Legende von Osomyr“ handelt es sich um das erste Band einer Buchreihe von Petra Staufer, welche in der Welt „Eluyan, am Rande des Universums“ spielt, auf welcher neben Elfen, Kobolden und Menschen momentan auch eine Reihe von Dämonen existieren, seit Mógui, der schwarze Kaiser die Macht an sich gerissen hat. Die Dämonen gehorchen selbstverständlich dem Bösen, die Kobolde im groben und ganzen ebenso, wohingegen die Elfen das Gute darstellen. Menschen werden in diesem Buch eher als einfache Wesen dargestellt, die ihrem Leben so gut es geht nachgehen. Teils besitzen Menschen magische Kräfte wodurch sie mit sog. Großmagier durchsetzt sind, die wie es bei Menschen üblich ist, sich sowohl dem Guten, als auch dem Bösen zuwenden können.

Das Buch beginnt mit einem Prolog, in welchem eine dunkle Gestalt, sich durch einen Wald wagt, um einen Säugling vor die Haustür des letzten Dorf vor der Grenze zu legen. Die Neugierde wird hierbei ein wenig angefacht, da erwähnt wird, das die Wälder das Böse beherbergen und sich eigentlich niemand hinein wagt und da man nicht weiß, aus welchem Zweck dieser Säugling dort abgelegt wurde oder wer dieses ist, übernimmt die mysteriöse Gestalt eine Funktion, die eher fragwürdiger Natur ist, im Laufe des Buches jedoch noch aufgeklärt wird.

Die Frage um wen es sich bei dem Säugling handelt wird zumindest teilweise im nächsten Kapitel gelöst. Die Geschichte geht 15 Jahre später weiter, im Hause des Großmagiers Jodenas, welcher einen Lehrling – Taris – erzieht, sowie ein 15 jähriges Mädchen – Sharani – bei sich aufwachsen lässt, welches als Säugling ausgesetzt vor einer Haustür gefunden wurde und erst wegen ihres äußeren – welches dem eines Koboldes sehr ähnelt – umgebracht werden sollte. Jodenas jedoch ist einer der guten und findet, dass jeder ein Recht auf Leben hat. Er bringt Taris die Magie bei und lehrt Sharani alles nötige Wissen über Kräuter- und Heilkunde.

Als nun an diesem Tag in einer der Lehrstunden Taris, dieser in seinen Gedanken plötzlich ein Buch vor sich sieht und es materialisieren kann, steht das Böse so gut wie vor der Tür. Jodenas erkennt in dem Buch, das „Buch der Welten“, welches als alleiniges Mittel in einer Prophezeiung erwähnt wird um den schwarzen Kaiser zu besiegen. „In Zeiten der größten Not würde es sich seine Hüter“ – in diesem Fall Taris – zeigen. Jodenas weiß nun, dass die Zeit knapp wird und bringt Taris bis die Truppen Móguis auftauchen noch das wichtigste bei um ihn bestmöglichst auf das ihm Bevorstehende vorzubereiten. Als die Zeit gekommen ist, muss er sich jedoch opfern, damit Taris und Sharani entkommen und ihrer Bestimmung folgen können. Gerade noch schafft Jodenas es, Taris die Prophezeiung zu sagen, welche mit dem „Buch der Welten“ zusammenhängt. Taris soll sich ersteinmal mit Sharani zu den Elfen begeben um in Sicherheit zu gelangen und danach mit ihrer Hilfe das Buch nach Osomyr zur bringen, den „wahren Herrscher“ zu finden und den „schwarzen Kaiser“ zu entmachten und dadurch Frieden in die Welt zu bringen. Auf ihrem Weg bestreiten die beiden immer wieder Kämpfe mit den Schergen des Kaisers und erlangen weitere Freunde, die ihnen hilfreich zur Seite stehen. Ebenso zeigt sich, dass bei jedem Volk, auch bei den Kobolden etwas Gutes zu finden ist.

Wenn auch die Geschichte im groben ziemlich einfach zu durchschauen ist, so wird die Story doch in einer fesselnden Umgebung durch einen nicht unbedingt geradlinigen Weg auf das sichtbare Ziel gesteuert, der einen dazu bewegt immer weiter zu lesen. Es scheint eindeutig, dass sowohl Taris, als auch Sharani größere Rollen spielen, als ihnen zunächst zugestanden wird. Dennoch wird das Geheimnis nur nach und nach gelüftet und auch wenn ein kleines Ziel der Geschichte am Ende des Buches erreicht wurde, so ist das Endziel – der wiederhergestellte Frieden auf Eluyan durch die Vernichtung des scharzen Kaisers noch aufgeschoben, so dass nur gehofft werden kann, dass die Autorin die Fortsetzung des Romanes mindestens genauso spannend gestaltet.

Wer also ein Faible für Fantasy hat und kein Problem darin sieht, dass die grob umrissene Geschichte den vorhersehbaren Weg geht, ist dieses Buch durchaus zu empfehlen, da die exakten Ereignisse nicht vorraussehbar sind und es somit dennoch stets ein interessantes Erlebnis bleibt, die beiden Protagonisten auf ihrem Weg zu begleiten. (Kerstin Schmitz, Ingo Lüttecke)

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