Neuauflage Kosmos Wald- und Forstlexikon

Neuauflage Kosmos Wald- und Forstlexikon / Der Wald und seine Stimmen
Der Wald zum Lesen, Verstehen und Hören

Kaum jemand wird es bedauern, dass der ungewöhnlich lange und kalte Winter endlich vorbei ist und allmählich die Natur wieder erwacht. Schon der Dichterfürst wusste es. Jetzt, wo Strom und Bäche vom Eise befreit sind, ist es „gar zu schön, den ganzen Tag im Walde zu sein und die Vögel zu hören, zu wissen, wie sie heißen, wo ihre Nester sind“, wie es Goethe formulierte.

Es gibt viele Gründe, in den Wald zu gehen: Nutzholz schlagen, jagen, wandern, Tiere und Pflanzen beobachten, malen, dichten oder komponieren. Die oft divergierenden Meinungen von Jägern und Naturschützern oder von Ornithologen und Fischern in Einklang zu bringen ist gar nicht so einfach. Aus welchen Gründen man auch immer im Wald ist und sich für Natur interessiert, wer etwas tiefer hinter die Geheimnisse dieses Naturreservoirs blicken will, wünscht sich eine weiterführende Information, die möglichst objektiv allen diesen Interessen gerecht wird und dazu noch ein enzyklopädisches Wissen liefert. Genau diesem hohen Anspruch wird das „Kosmos Wald- und Forstlexikon“ gerecht, das jetzt in aktualisierter und erweiterter Auflage erschienen ist. Auf gut 1000 Seiten liefert es über 16.000 Stichwörter von „Aaskäfer“ bis „Zypressengewächse“ und etwa 1400 meist farbige Fotos. 2400 Stichwörter und viele Biographien bedeutender Forstleute wurden neu aufgenommen. Die früheren Auflagen waren immer schnell vergriffen. Die starke Nachfrage sorgte jetzt sogar für ein Sonderangebot zum halben Preis der letzten Auflage.
Dieses Lexikon ist das umfassendste deutschsprachige Werk zu Waldbiologie, Waldökologie und Forstwirtschaft. Man erfährt alles über die Nachhaltigkeit im Wald, seine Erholungsfunktion, seinen Beitrag zum Klima- und Wasserschutz und neuartige Waldschäden. Es ist aber nicht nur für Förster, Biologen und Jäger unentbehrlich, sondern empfehlenswert für alle, die direkt oder indirekt dem Wald und der Natur verbunden sind. Denn nur, was man weiß, kann man auch erkennen und verstehen. Das Hauptaugenmerk der Autoren liegt auf der Vermittlung der biologischen, ökologischen, wirtschaftlichen und historischen Grundlagen und ihrer Vernetzungen. Der Wald in seiner heutigen Form ist kein natürlicher Urwald mehr, sondern das Ergebnis zielgerichteten forstwirtschaftlichen Handelns von Menschen. Das Lexikon bietet nicht nur ein alphabetisches Glossar zum Nachschlagen, sondern durch essayartige Übersichtsartikel weitergehende Informationen über die jahrhundertealte Geschichte des Waldes und die Wechselwirkungen zwischen Wald, Flur und Siedlungen. Übersichtliche Tabellen zeigen unter anderem die Erdzeitalter, physikalische und chemische Eigenschaften des Holzes und seine Heizwerte, eine Zeittafel zur Entwicklung des Pflanzen- und Tierreiches, die geschützten Vögel, Fische und Bäume der letzten Jahre.

Ausführliche thematische Artikel, durch grüne Unterlegung leicht zu finden, informieren über verschieden Bäume vom Ahorn bis zur Weide, Forstgeschichte, das Netzwerk Wald mit seinen Wechselbeziehungen zwischen unterschiedlichen Arten, Obst und Früchten, der Walddynamik (Sukzession), Waldfunktionen, Waldgeschichte und der Bedeutung des Waldes in der Dichtung, Malerei, und Musik.

Die Autoren des Lexikons haben ihr anspruchsvolles Ziel erreicht, indem sie mit einer großen Liebe zum Detail den unterschiedlichsten Interessenten ausführliche Informationen liefern. Vom Forstwirt, bei dem Nutzwert und Preis für die Holzindustrie Vorrang hat, bis zum schwärmerischen Romantiker, der Liszts Konzertetüde „Waldesrauchen“ spielt oder Caspar David Friedrichs Naturgemälde bewundert, und dem Waldläufer, der Sauerstoff tanken will, alle werden bestens bedient. Wem dieses vermittelte Wissen immer noch nicht genügt, findet eine Liste mit weiterführender Literatur.

Als ideale akustische Ergänzung dazu empfiehlt sich die Doppel-CD mit Naturführer „Der Wald und seine Stimmen“. Das Hörbuch stellt auf einem erzählten Waldspaziergang, geordnet nach den Jahreszeiten, 66 Tierstimmen vor. Der Naturführer zeigt dazu Fotos und Kurzbeschreibungen der wichtigsten Tiere, Pflanzen, Kräuter und Pilze des heimischen Waldes, dazu die Fährten und Spuren der wichtigsten Säuger sowie essbare Früchte und Kräuter. Durch die praktische Plastikhülle kann das handliche Büchlein bei jedem Wetter in der Jackentasche mitgeführt werden.

Die Gesänge unserer Vögel, die oft mehr zu hören als zu sehen sind, nehmen den Großteil der Tierstimmen ein. Aber es sind auch Frösche, Rehe, Rotwild, Füchse, Wildschweine, Feldgrillen oder Hummeln zu hören. Der Mäusebussard als häufigster Raubvogel, der bei atypischem Verhalten auch Menschen angreift, fehlt leider im Original, dafür ist seine Stimme beim Eichelhäher als Parodie zu vernehmen.
Mit dem kombinierten Wissen des Lexikons und Naturführers und dem Hörerlebnis der CDs kann einem als Experten so schnell keiner etwas vormachen, wenn es um das Wissen über Wald und Natur geht. (Von Johannes Kösegi)

Stinglwagner, Haseder, Erlbeck: Das Kosmos Wald – und Forstlexikon;
ISBN: 978-3-440-12160-3; 49,90 Euro
Hecker, Pott, Roché: Der Wald und seine Stimmen (Buch und 2 CDs);
ISBN 978-3-440-10931-1; 14,95 Euro
Beide sind erschienen beim Franck Kosmos Verlag in Stuttgart