„Eselsbrücken – Die schönsten Merksätze und ihre Bedeutung“ im Duden-Verlag



Google, Wikipedia und die Festplatte des Computers haben vieles übernommen, was früher Bücher und das Langzeitgedächtnis im Gehirn speicherten. Dennoch gibt es auch heute noch Situationen, in denen man mehr oder weniger wichtiges Wissen ohne fremde Hilfe im Kopf haben sollte. Meist sind dies eher unangenehme Anlässe wie Lateinklausuren oder die mündliche Geschichtsprüfung im Abitur. Für derartige speziellen Fälle und für das nicht nur beim Smalltalk so wichtige Allgemeinwissen gibt es teils witzige Eselsbrücken, mit denen man sich Wissensdetails leichter merken kann. Wolfgang Riedel, Professor für Anglistik und Kulturwissenschaft an der Universität Mainz, hat etwa 300 Eselsbrücken im Duden-Taschenbuch „Eselsbrücken – Die schönsten Merksätze und ihre Bedeutung“ zusammengefasst.

Man stößt dabei auf Altbekanntes, Amüsantes, und verblüffende Neuentdeckungen. Zunächst wird geklärt, dass das Wort „Eselsbrücke“ auf falschen Annahmen beruht und dem überhaupt nicht dummen Esel unrecht tut. Besser passt ins Bild, dass bereits Plinius der Ältere 80 n. Chr. einen Esel als störrisches Tier beschrieb, wenn er sich weigerte, über eine Brücke zu gehen, weil er durch die Bodenbretter das tiefe Flusswasser sah. Fälschlich wurde dieses Verhalten als Dummheit ausgelegt. Mithilfe der Eselsbrücken wollen wir auf spielerische Art Dinge im Gedächtnis behalten und vor dem Vergessen bewahren. Bereits in der Antike gilt das Gedächtnis als Sitz der Weisheit. Vielen Geistesgrößen wie dem Dichter Seneca werden legendäre Gedächtnisleistungen nachgesagt. Für die Speicherung im Gehirn müssen die Informationen wie bei einem Computer vom Arbeitsgedächtnis durch Verfestigung ins Langzeitgedächtnis transformiert werden. Und weil dabei die Aufmerksamkeit wichtig ist, spielen die Eselsbrücken, im Englischen seriöser „memory aid“ genannt, eine wichtige Rolle. Aber auch sie helfen nicht über die Grundvoraussetzungen gegen das Vergessen hinweg, Verständnis der Sache und Konzentration. Dabei gilt nach wie vor, dass erlaubt ist, was nützt, auch wenn manche alten Sprüche im Zeitalter von Massenspeichergeräten im Westentaschenformat antiquiert wirken.

Der Autor unterscheidet verschiedene Formen von Eselsbrücken. Es gibt zum Teil etwas holprige Reime, außerdem Analogien, Aufzählungen, Akronyme, Reihen oder Regeln. Die alphabetisch angeordneten Merksätze stammen aus acht Gebieten, nach denen sie im Inhaltsverzeichnis zur schnellen Orientierung unterteilt sind: Alltagswissen, Geografie, Geschichte, Kunst, Mathematik, Naturwissenschaften, Philosophie und Sprache. Die wohl bekanntesten Eselsbrücken betreffen Grammatik und Rechtschreibung der wichtigsten Schulsprachen Deutsch, Englisch, Französisch und Latein. Dazu gehören Sprüche wie „Lärchen sind Bäume, Lerchen sind Vögel“ oder „Völker, Männer, Flüsse, Wind und Monate immer Masculina sind“. Beim Alltagswissen finden sich verschiedene Wissensgebiete, etwa die Wirtschaftssprache. AIDA bedeutet für Marketingstrategen ganz unmusikalisch Attention, Interest, Desire und Action. „In rechter Ordnung lerne Jesu Passion“ zeigt die Anfangsbuchstaben der sechs letzten Passionssonntage vor Ostern. Ein Fischsymbol als Autoaufkleber weist auf einen christlichen Fahrer hin. Es war das Erkennungszeichen der frühchristlichen Gemeinden. Das griechische ICHTHYS bedeutet Fisch und enthält die Anfangsbuchstaben der griechischen Glaubensformel für Jesus Christus Gottes Sohn Erlöser. Oft helfen Akronyme wie HOMES, worin sich die Anfangsbuchstaben der fünf großen nordamerikanischen Seen verbergen oder HONCS (hon. cs. bedeutet honorary case = ehrenwerter Fall) für die wichtigsten chemischen Elemente in der Reihenfolge ihrer Wertigkeit. Geschichtsdaten werden gerne ziffernweise in Staccato aufgesagt: „Drei – drei – drei, bei Issos Keilerei“ oder „Eins – acht – acht – acht, drei Kaiser waren an der Macht“. Für Musiker weisen Sprüche auf die Stimmung der Streichinstrumente hin, wie „Geh, du alter Esel!“ für die Violine. Bei der Auflösung von mathematischen Gleichungen gilt die KLAPS-Regel, das heißt Klammer vor Punkt und Strich. Auch in den Naturwissenschaften gibt es viele Merksprüche. Hinter „Alle alten glucksenden Männer gehen im Garten tanzen“ verbergen sich die acht Einfachzucker (Monosaccharide). Die fünf Phasen der Zellkernteilung merkt man sich einfach mit „Ich pauke Mitose alle Tage“. Medizinstudenten, die in den ersten Semestern Hunderte von anatomischen Begriffen stumpfsinnig auswendig lernen müssen, merken sich die acht Handwurzelknochen mithilfe einer nächtlichen Angeltour: „Der Kahn, der fuhr im Mondenschein dreieckig um das Erbsenbein. Vieleck groß und Vieleck klein, der Kopf, der muss am Haken sein.“ Zum Glück hat es der Autor beim „handelsüblichen“ Schul- und Allgemeinwissen belassen. Sonst hätte er etwa im letztgenannten Bereich noch viele spezielle Sprüche aufführen können. Aber das Buch soll eher der entspannten Lektüre dienen, wozu besonders die amüsanten Erklärungen beitragen. So ist es eine Fundgrube zur Allgemeinbildung und kann auch für unterhaltende Quizspiele genutzt werden. (Johannes Kösegi)

Duden-Taschenbuch „Eselsbrücken – Die schönsten Merksätze und ihre Bedeutung“; 128 Seiten; ISBN 978-3-411-04180-0, als E-Book ISBN 978-3-411-90342-9; 8,95 Euro

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