Neues Buch: Der Marsalis-Komplex

Zum 50. Geburtstag des Trompeters Wynton Marsalis am 18. Oktober 2011 erscheint das Buch »Der Marsalis-Komplex« von Christian Broecking. Der Autor hat zwischen 1992 und 2011 afroamerikanische Jazzmusiker nach ihrer Erfahrung und Bewältigung von Rassismus und Diskriminierung befragt. Mit dem Aufstieg des New Orleanser Trompeters Wynton Marsalis zum definitionsmächtigsten und wirtschaftlich einflussreichsten Jazzmusiker der USA werden Motivation und Ausdruck der Musiker erneut gesichtet.

Hinsichtlich ihrer politischen Intention und Haltung überwiegt der Wunsch, mit der Musik gesellschaftlich Einfluss nehmen zu wollen. Die Verknüpfung mit einer sozialen Bewegung wird vermisst und doch wird über die Herkunftskultur künstlerische Kompetenz begründet. Die Kontroverse um die Bildung eines verbindlichen Kanons von (afro)amerikanischen Jazz-Meisterwerken wird als Verteilungskampf um knappe Ressourcen diskutiert. Die Heterogenität der afroamerikanischen Kultur, wie sie von den Befragten reklamiert wird, ist mit einer schwarzen Opferrolle nicht mehr in Einklang zu bringen.