„Der erste Brezelkäfer“ im Delius Klasing Verlag



Die Wiederauferstehung eines Prototypen von 1938.

Mit einem seltenen Fund im litauischen Vilnius erfüllt sich für zwei Dachdeckermeister aus dem Weserbergland ein Lebenstraum. Traugott Grundmann und sein Sohn Christian haben sich in ihrer Freizeit auf die originalgetreue Restaurierung alter Modelle des VW Käfers spezialisiert. Die beiden Käfer-Fans präsentieren in ihrem Museum 70 historische Volkswagen in einer der exklusivsten Sammlungen der Welt mit vielen Einzelstücken und Sonderanfertigungen. Eine bedeutende Lücke in ihrer Sammlung ist lange der erste Brezelkäfer, benannt nach seinem brezelförmigen Heckfenster, ein Prototyp der ersten Käfer-Generation, der 1938 bei Porsche als Baureihe VW 38 in Handarbeit gefertigt wurde. Ein amerikanisches Internetforum für VW-Oldtimer bringt Christian Grundmann Anfang 2009 auf eine Spur in Vilnius. Dort steht in einem Gartenstück ein alter verwitterter VW 38, mehr Schrotthaufen als Auto. Der Besitzer kennt sich aus und verlangt eine sechsstellige Summe. Man einigt sich auf einen Tausch gegen einen fahrbereiten Käfer von 1942 und eine Zuzahlung. Jetzt erwartet die Grundmanns eine Menge Arbeit, denn in der teilweise verstümmelten Karosserie sind nur Rudimente einer Bodengruppe, die Achsen fehlen, Motor, Getriebe und die hintere Radaufhängung sind defekt und von den Sitzen ist nicht mehr viel übrig. Das markante Brezelfenster ist durch eine größere Heckscheibe ersetzt und die Kotflügel sind verwüstet. Doch die freigelegte Fahrgestellnummer 3806 verrät, dass es sich zweifellos um einen der KdF-Wagen des nationalsozialistischen Programms „Kraft durch Freude“ aus dem Jahr 1938 handelt.

Ausführlich beschreibt der renommierte Motorjournalist Clauspeter Becker auf 140 Seiten die liebevolle und spannende Wiederbelebung dieses Fossils. Die vielen freiwilligen Arbeitsstunden einiger Käfer-Enthusiasten haben sich gelohnt, der Oldtimer-Käfer glänzt heute mattschwarz wie einst vor 70 Jahren. Der Diplom-Fotodesigner Axel Struwe, selbst begeisterter Sammler und Restaurator von VW-Oldtimern, hat mit seiner Kamera den gesamten Prozess der Wiedergeburt bis ins kleinste Detail in der Werkstatt und im Studio mit aussagekräftigen Fotos festgehalten. Die einzelnen Arbeiten der Schweißer und Lackierer an der Karosserie sowie des Sattlers im Innenraumwerden erfordern viel Fachkenntnis und Geschick. Zum Glück haben die Grundmanns ein großes Ersatzteillager für Motor, Getriebeteile und Chassis für historische Volkswagen. Zusätzlich kommt Hilfe aus Wolfsburg von der Classic-Abteilung des Konzerns. Für scheinbar aussichtslose Fälle gibt es dann noch das Internet. So kommen eine hintere Stoßstange aus Dänemark, Chromringe und Tachometer aus Polen und zwei Trittbretter aus Finnland. Einige Zitate aus dem Internet-Schriftverkehr zeigen eine rege Anteilnahme aus der ganzen Welt, von den USA bis Brasilien, von Mexiko bis Japan. Das Internet hat somit diesen Fund ermöglicht und später während der Restaurierung für eine lebhafte Diskussion und Anregungen gesorgt.

Nach getaner Arbeit werden alle Beteiligten einschließlich der Macher des Buches in lebensnahen Porträts vorgestellt. Der Höhepunkt ist ein Gruppenfoto bei der „Hochzeit“, als die Verbindung von Karosserie und Bodenplatte in Hessisch Oldendorf mit allen Beteiligten und großem Presserummel gefeiert wird. Der Autor ist begeistert während der ersten Ausfahrt, als der Boxermotor dieselben bellenden Geräusche von sich gibt, an die er sich noch erinnert, als er als kleiner Junge vor 70 Jahren in Berlin auf der Rückbank eines solchen Wagens fahren durfte. Neben diesem ersten Fahrbericht und den technischen Daten wird auch die Geschichte dieses VW-Klassikers erzählt. Ursprünglich soll er ab 1939 im neuen Volkswagenwerk bei Fallersleben (später Wolfsburg) produziert werden. Der Zweite Weltkrieg verhindert jedoch die Serienproduktion der bestellten Fahrzeuge, und nur wenige KdF-Wagen kommen zur Auslieferung. Stattdessen werden im neuen Fahrzeugwerk Kübel- und Schwimmwagen hergestellt. Erst nach 1946 erfolgt die Fertigung und Auslieferung des Volkswagens auf Basis des VW 38 in großen Stückzahlen. (Johannes Kösegi)

Christian Grundmann, Axel Struwe, Clauspeter Becker: Der erste Brezelkäfer – Wiederauferstehung eines Prototypen von 1938; 144 Seiten, 81 Farbfotos, 15 S/W Fotos, 2 farbige Abbildungen, 1 S/W Abbildungen, Delius Klasing Verlag; ISBN 978-3-7688-3362-2; Preis 29,90 Euro

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