Ratgeber „Geldanlage für Faule“ von der Stiftung Warentest

Spätestens seit der Bankenkrise infolge der Lehman-Pleite wurde allgemein bekannt, dass viele Bankberater bei der Vielfalt und Komplexität der Anlagemöglichkeiten selbst nicht alles verstehen. Wie soll da ein Nichtfachmann durchblicken, der in diesen schwierigen Zeiten sein Geld anlegen möchte. Für diese Zielgruppe bringt die Stiftung Warentest den nützlichen Ratgeber „Geldanlage für Faule“ heraus. Der Titel ist etwas irreführend, denn normalerweise haben Faule kein Geld für die hohe Kante übrig. Gemeint sind wohl eher gutverdienende Anleger, die so in ihrem Beruf eingespannt sind, dass sie keine Zeit haben, ständig die Kurse zu verfolgen und in ihren Depots die Anlageformen effektiv umzuschichten. Den Bankberatern zu trauen ist selten empfehlenswert, denn die bieten das an, was ihnen am meisten Provisionen bringt oder was ihre Geschäftsleitung zum Nutzen des eigenen Unternehmens empfiehlt. Die Autorin Sina Groß hat für eine einfache und schnelle Orientierung auf dem Buchdeckel innen neun Fragen aufgeführt. Jedes dieser Kapitel im ersten Teil beschreibt kurz und verständlich ein Anlageziel. Im Text wird man dann auf die passenden Produkte geleitet, die im zweiten Teil im Kapitel „Produkte für Faule“ genauer und für jeden verständlich vorgestellt werden. Ein „Farbleitsystem“ macht die Orientierung ganz einfach. Ein weiteres Kapitel widmet sich den Steuern, um die man bei der Geldanlage nicht herumkommt. Der abschließende Serviceteil bietet ein kleines Geldanlagelexikon, Adressen der wichtigsten Filial- und Direktbanken, die gesetzlichen Einlagensicherungen verschiedener Banken im In- und Ausland und eine Zinstabelle für eine grobe Einschätzung.

Ein Einführungskapitel erklärt zunächst das Wichtigste über Geldanlage, was für fast alle wichtig ist, aber nicht zum Abiturwissen gehört. So gilt es zunächst einmal, Kassensturz zu machen und zu ermitteln, welcher Betrag monatlich zum Sparen zur Verfügung steht. Unabhängig von den fünf Risikoklassen von sicherheitsorientiert bis sehr spekulativ sollten innerhalb des magischen Dreiecks der Geldanlage mit den Eckpunkten Rendite, Sicherheit und Verfügbarkeit Prioritäten gesetzt werden. Als nächstes muss entschieden werden, ob man sein Geld lieber einer Direktbank oder einer Filialbank anvertrauen möchte. Oft können gute Bücher wie auch dieses besser helfen als eine Bankberatung, bei der es einige Fallen zu beachten gilt. So sollte man auf keinen Fall Geldanlageprodukte kaufen, die man nicht versteht, nicht auf irreführende Bezeichnungen wie „Garantie“ hereinfallen und Zertifikate und geschlossene Fonds meiden.

Als nächstes muss man sich klar sein, was man mit seiner Geldanlage erreichen möchte. Geld flüssig haben für den Notfall, sich etwas gönnen, die Ausbildung der Kinder finanzieren, ein Eigenheim bauen, fürs Alter vorsorgen, vermögenswirksame Leistungen anlegen, ohne besonderen Grund einfach nur sparen, einen größeren Betrag anlegen oder von seinen Ersparnissen leben. Für jede dieser Optionen wird auf die Kapitel mit den geeigneten Anlageformen verwiesen. Nützlich ist dabei, dass innerhalb der Anlageziele gleich für verschiedene Risikoklassen unterschieden wird. Wer einfach nur mal sparen möchte, für den bietet sich ein Tagesgeldkonto oder Sparkonto an, außerdem Rendite-Bausparen, ein Rentenindexfonds oder Aktienindexfonds.

Die einzelnen Anlageprodukte werden so knapp wie möglich und so ausführlich wie nötig für jeden verständlich beschrieben. Einige Testergebnisse etwa beim Tagesgeldkonto sind eine gute Orientierung zum Vergleich. Diese flexible Geldanlage eignet sich für den Notgroschen und zum Ansparen größerer Beträge. Als Alternative gibt es die Tagesanleihe des Bundes, die im Moment allerdings niedrige Zinserträge bringt. Das gute alte Sparkonto eignet sich zum kurzfristigen Ansparen, Festgeld oder Sparbriefe eher für größere Beträge. Eine absolut sichere und pflegeleichte Anlageform mit derzeit niedrigen Zinsen sind Bundesschatzbriefe. Banksparpläne sind eine bequeme Art, um regelmäßig sicher Geld zurückzulegen. Für längerfristige Anlagen bieten sich Indexfonds von Aktien oder Renten an. Wer die Chancen der Kapitalmärkte nutzen, aber sich nicht intensiv mit ihnen auseinandersetzen möchte, ist mit relativ bequemen und preiswerten Aktienindexfonds gut bedient. Rendite-Bausparen kann sich auch lohnen, wenn man noch nicht an ein Eigenheim denkt, besonders mit dem Anspruch auf staatliche Förderung. Die bieten auch einige Produkte, die nach dem ehemaligen Arbeitsminister Riester benannt sind. Wer einen sicheren Job hat, kann von steuer- und sozialabgabenfreien Beiträgen einer Betriebsrente profitieren. Sehr bequem und sicher sind schließlich ein Bankauszahlplan und eine lebenslange Sofortrente. Es gibt also genügend gewinnbringende Anlagemöglichkeiten für alle, die keine Zeit haben, täglich die endlosen Zahlentabellen auf der Wirtschaftsseite zu studieren. Dieses Buch ist der ideale Einstieg dafür. (Johannes Kösegi)

Der Ratgeber „Geldanlage für Faule“ hat 160 Seiten und ist für 16,90 Euro im Handel erhältlich oder kann online bestellt werden unter www.test.de/shop.