Honnefelder: Eine aufgeklärte Kulturnation kann auf das Urheberrecht nicht verzichten



Umbrüche prägen die Buchbranche 2012. Dazu gehören die immer intensiver werdende Diskussion über das Urheberrecht ebenso wie ein sich festigender E-Book-Markt oder ein stetiger Umsatzrückgang im stationären Buchhandel. „Eine aufgeklärte Kulturnation kann auf das Urheberrecht nicht verzichten“, sagte deshalb auch Prof. Dr. Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, bei der Auftaktpressekonferenz zur Leipziger Buchmesse. Was sich in der Diskussion über das Urheberrecht derzeit abzeichne, sei ein Kulturkampf, in dem das digitale Medium selbst zur kulturellen Herausforderung werde. „Permanenz, Öffentlichkeit und Auswahl unter vielen – das sind die Standards, die das Buch- und Verlagswesen zum unverzichtbaren Element neuzeitlicher Kultur haben werden lassen“, so Honnefelder. „Grundlage dieser Kultur ist das aktuelle Urheberrecht. Wenn wir das infrage stellen, setzen wir viel aufs Spiel. Geistiges Eigentum sichert erst die kulturelle Vielfalt.“

Er sei überrascht, so Honnefelder, dass das Urheberrecht und die Forderung nach freiem Zugang zu Informationen in der Diskussion als Gegensätze positioniert würden. „Der Schutz des Urheberrechts und der freie Zugang zu Informationen sind zwei Anforderungen, die sich ergänzen“, so Honnefelder. Weder verhindere das Urheberrecht den freien Zugang zu Informationen noch seien Informationen garantiert weltweit zugänglich, wenn sie nicht geschützt seien. Zudem dürfe man eines nicht vergessen, so Honnefelder: „Die Freiheit, die eigene Meinung zu äußern und zu publizieren und die Freiheit, über die Verbreitung dieser Äußerung nach Umfang und Dauer selbst entscheiden zu können, gehören zusammen.“

Diese Fragen würden wichtiger werden für eine Branche, in der die Digitalisierung stetig weiter an Fahrt gewinne. So steige der E-Book-Umsatz kontinuierlich, auch wenn sich der Anteil der E-Books am Umsatz 2011 immer noch im niedrigen einstelligen Bereich bewegt habe. Gleichzeitig seien sehr viel mehr Lesegeräte verkauft worden. Derzeit sind allein auf der Branchenplattform libreka!, die als Distributionsplattform für die Branche E-Books zur Verfügung stellt, über 250.000 E-Books lieferbar, davon etwa 30.000 aktuelle Titel von deutschen Verlagen. 2011 wurde auf libreka! mit digitalen Inhalten etwa 2,6 Millionen Euro Umsatz gemacht – 30 Mal so viel wie das Jahr zuvor.

„Insgesamt behauptet sich die Buchbranche weiter als stabile Größe in der Gesamtwirtschaft, auch wenn der Umsatz 2011 leicht ins Minus gerutscht ist“, so Honnefelder. Seit sieben Jahren sei der Umsatz kontinuierlich gewachsen, 2010 auf den bislang höchsten Wert in der Geschichte des Buchhandels. Mit Verzögerung sei damit die allgemeine Konjunkturflaute der vergangenen Jahre auch im Buchhandel angekommen. So lag 2011 der Umsatz im Endkundengeschäft der zentralen Verkaufswege Sortimentsbuchhandel, E-Commerce und Warenhäuser bei minus 1,8 Prozent, der stationäre Buchhandel blickt sogar auf ein Minus von 3 Prozent zurück.

Dementsprechend durchwachsen sind die Erwartungen der Buchhändler für das erste Halbjahr 2012. 20,7 Prozent gehen von einer guten bis sehr guten Entwicklung aus, über die Hälfte von einer mittleren und 26,5 % von einer schlechten bis sehr schlechten Entwicklung. Besonders optimistisch sind dabei die Händler in Premiumlagen in großen Städten, hier gehen 31,8 Prozent von einer guten bis sehr guten Umsatzentwicklung aus. (Quelle: Konjunkturumfrage des IfH Institut für Handelsforschung 1/2012)

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