Heimspiel – eine alternativlose Realsatire



Mit „Heimspiel – eine alternativlose Realsatire“ bringt Cicero-Gründer Wolfram Weimer einen hochaktuellen Beitrag zur Bundespolitik in Buchform heraus. Die Ausgangssituation ist schnell erklärt: Christian Wulff ist bereits zurückgetreten und die CSU erhebt eigenmächtig und rechtzeitig zur Fußball-Weltmeisterschaft Franz Beckenbauer zum Anwärter auf das Amt des Bundespräsidenten. Angela Merkel wäre aber nicht die Bundeskanzlerin, wenn solch ein geschicktes Manöver sie lange aus ihrem geradezu buddhistischen Gleichgewicht bringen würde; selbstverständlich stellt sie sich nicht hinter, sondern vor ihre bayrische Schwesterpartei und verkauft der Öffentlichkeit Beckenbauer als ihren Kandidaten. Damit die in Abseits-Fragen allerdings unbedarfte Bundeskanzlerin in der kommenden, mit Fußballanspielungen gespickten, Berichterstattung eine gute Figur macht, entschließt sich ihr Beraterstab dazu, Günter Netzer anzuheuern, um die Kanzlerin in Form zu bringen.

Auf 128 Seiten erlebt man dann eine mal mehr mal weniger witzige Beschreibung der Berliner Republik. Eine besonders ereignisreiche Handlung darf man allerdings nicht erwarten. Die hat Herr Weimer nämlich zu Gunsten der Aktualität seines Büchleins auf ein Minimum reduziert. „Heimspiel“ punktet eher durch ein possierliches psychologisches Profil der ersten Frau im Staate. Der ehemalige Focus-Chefredakteur versteht es, Angela „Teflon“ Merkel mit süffisanter Ironie als verletzliche und schutzbedürftige Frau darzustellen, die es liebt, bei der allmorgendlichen Vorbereitung auf die erste Besprechung ihre Schuhe auszuziehen und bei einer Tasse Tee die Füße aneinander zu reiben. Leider ringt einem die Geschichte nicht immer ein Schmunzeln ab, manchmal sogar nicht einmal ein müdes Lächeln. Manche Witze wirken so gezwungen wie der angestrengte Untertitel der „alternativlosen Realsatire“. Ein Paradebeispiel für angestrengten Witz ist ein Ausschnitt, in dem die Bundeskanzlerin aufgefordert wird, ein Problem gerade zu biegen und sie darauf erstaunt antwortet, dass sie die Dinge doch immer so lange streichele, bis sie von selbst glatt würden…

Dennoch gefällt einem die realistische und des öfteren angenehm pointierte Darstellung der deutschen Medienwelt. Gerade in der Beschreibung einer Redakteurin der Hamburger Wochenzeitung „Die ZEIT“ zeigt Weimer, dass er sich im Medienbetrieb auskennt. Was er allerdings nicht zu wissen scheint, ist, dass sein Buch keine Realsatire ist. Realsatire ist, wenn Henry Kissinger den Friedensnobelpreis bekommt und nicht wenn ein Autor sich eine fiktive Handlung ausdenkt. Diese Handlung allerdings, ist eine teilweise gelungene, oftmals aber gezwungene und schlicht langweilige Satire über die Absurditäten der Tagespolitik, weshalb ich „Heimspiel – eine alternativlose Realsatire“ drei von fünf Sternen gebe. (Nils Rudi Kottmann)

Abgelegt unter Aktuelle Erscheinungen

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