Ratgeber „Schmerztherapie“ der Stiftung Warenfest – Was tun, wenn der Schmerz nicht nachlässt?



SchmerztherapieMehr als 90 Prozent aller Deutschen erleiden mindestens einmal im Jahr schmerzhafte Zustände. Bei über einem Drittel halten die Schmerzen über drei Monate lang an. Am häufigsten sind dabei Rückenschmerzen, gefolgt von Kopfschmerzen und Gelenkschmerzen. Besonders Nervenschmerzen und Bauchschmerzen bedürfen einer besonderen ärztlichen Abklärung, weil sie auf verschiedene Grunderkrankungen hindeuten können. So leiden mindestens 30 Prozent aller Krebskranken im Frühstadium an Tumorschmerzen, im fortgeschrittenen Stadium sind es 40 bis 100 Prozent. Unabhängig von den Ursachen sind Schmerzpatienten stark in ihren alltäglichen Tätigkeiten eingeschränkt. Oft fühlen sie sich von ihren Mitmenschen nicht richtig ernst genommen oder werden gar als Simulant abgestempelt. Für sie hat die Stiftung Warentest den nützlichen Ratgeber „Schmerztherapie“ herausgebracht. Hier erfahren sie von dem Freiburger Arzt und Wissenschaftsjournalist Dr. Thomas Bißwanger-Heim, was sie selbst zur Schmerzlinderung und -vorbeugung unternehmen können, welche medizinischen und psychotherapeutischen Methoden angeboten werden und ob es Alternativen dazu gibt. Die moderne Schmerzforschung kommt den Fragen immer mehr auf den Grund, wie Schmerzen zustande kommen, wie man ihnen wirksam vorbeugen und sie behandeln kann. Der Autor sieht sich als Dolmetscher, indem er die medizinische Wissenschaftssprache für die Betroffenen verständlich und interessant erklärt.

Zunächst wird beschrieben, was Schmerzen überhaupt sind und warum sie als Warnsignal dem Körper nützen. Besonders auf die chronischen Schmerzen wird genauer eingegangen, weil 8 bis 14 Millionen Menschen in Deutschland an diesem oft unerträglichen Zustand leiden. Die Schmerzen werden oft begleitet von Symptomen wie Ohrensausen, Herzstichen, Verdauungsbeschwerden, Muskelverspannungen, Ängsten und Sorgen. Ein erster Schritt zur Linderung ist das Führen eines Schmerztagebuches. Dann werden Mittel genannt, die jeder anwenden kann, um Schmerzen erst gar nicht entstehen zu lassen. Dazu gehört ein aktives Leben mit gesunder Sportausübung, wodurch Belastbarkeit und Schmerzresistenz erhöht werden. Zur Linderung der Schmerzen gibt es heutzutage multimodale Methoden, das heißt, dass die Behandlung sich aus vielen Teilen zusammensetzen sollte. So verbessert die Kombination von körpermedizinischen und psychotherapeutischen Verfahren die Chancen auf eine Schmerzlinderung erheblich, was für viele Schmerzarten wie Rückenschmerzen nachgewiesen wurde. Auch Entspannungsverfahren und eine gesunde Ernährung spielen eine große Rolle. Bei Migränepatienten führt das vollständige Vermeiden von Migräneauslösern überraschenderweise sogar zu einer Verschlimmerung der Erkrankung. Deshalb sollte immer wieder in kleinen Mengen das zu sich genommen werden, was Migräneattacken auslösen könnte, um den Körper daran zu gewöhnen. Schmerzlindernd wirken auch Behandlungsmethoden, bei denen Energie in Form von Wärme, Druck oder Elektrizität eingesetzt wird, außerdem Massage, Physio- oder Ergotherapie. Auch alternative Verfahren wie Akupunktur, Schröpfen, Aderlass und Blutegel, Stoßwellen, Strahlentherapie sowie Elektro- und Magnettherapien werden vorgestellt. Neben den körperlichen Methoden gibt es verschiedene Formen der Psychotherapie, die wirksam Schmerzen bekämpfen können. Dazu zählen Verhaltenstherapie, psychodynamische Therapie und hypnotische Verfahren.

Fast ein Drittel des Buches nimmt die Vorstellung zahlreicher Medikamente gegen Schmerzen ein. Sie können bei akuten und kurz andauernden Schmerzzuständen eine wirksame Ergänzung zu nichtmedikamentösen Maßnahmen sein. Eine Dauerbehandlung sollte jedoch vermieden werden, da sie weder notwendig noch hilfreich ist. Primär sollte die Grunderkrankung behandelt werden, dann kann auf Schmerzmittel meist verzichtet werden. Präsentiert werden verschiedene Schmerzmittel mit spezifischen Eigenschaften, ihre Darreichungsformen, Dosierungen und Nebenwirkungen. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSRA) wie Ibuprofen oder Diclofenac sind die mit Abstand am häufigsten eingenommenen Schmerzmittel. Daneben gibt es die altbekannte Azetylsalizylsäure (Aspirin), außerdem Parazetamol, Metamizol und Glukokortikosteroide. Wegen der Wechselwirkungen muss man bei kombinierter Verwendung sehr genau aufpassen. Zu den stärkeren „Geschützen“ zählen Morphin und morphinähnliche Schmerzmittel wie Piritramid und Opioide, die leicht süchtig machen können. Auch Muskelrelaxanzien, Psychopharmaka und Antikonvulsiva haben sich neben Migränemitteln, Sauerstoff und Ozon schon als nützlich erwiesen. Als Medikamente zur äußerlichen Anwendung kommen Lidocainpflaster, hautreizende und wärmende Mittel in Frage. Schließlich gibt es noch Medikamente der Komplementärmedizin aus der Natur (Weidenrinde, Teufelskrallenwurzel) oder Nahrungsergänzungsmittel wie Fischöl oder die Omega-6-Fettsäure Gamma-Linolensäure.

Hat das alles nicht genutzt kommen schließlich noch invasive Verfahren in Frage. Sie beruhen darauf, dass bestimmte Nervenversorgungsgebiete der Haut, Nervenstränge, -knoten oder Rückenmarksareale betäubt oder ganze Nerven operativ durchtrennt werden. Diese Therapien erfordern ein hohes Maß an Fachkenntnis. Das letzte Kapitel führt zusammenfassend die häufigsten Schmerzsymptome (Wirbelsäule, Nacken, Kopf, Bauch, Gelenke, Nerven, Tumor) auf. Es bietet eine große Hilfe zum besseren Verständnis der Erkrankung, Hinweise zum Umgang mit den Schmerzen und Tipps, wie die Betroffenen selbst zur Schmerzlinderung beitragen können. Bei den jeweiligen Symptomen werden erfolgversprechende Behandlungsverfahren aufgezählt. Der abschließende Serviceteil enthält einen Fragebogen und eine Schmerzskala mit einem Schema für ein Schmerzprotokoll.

Fazit: Der Ratgeber „Schmerztherapie“ der Stiftung Warentest ist nützlich und hilfreich für Schmerzpatienten auf der Suche nach konstruktiver Unterstützung. Menschen mit chronischen Schmerzen haben oft schon viele erfolglose Therapieversuche hinter sich. Verständlich wird erklärt, bei welchen Schmerzformen welche Behandlung sinnvoll ist, wo ihre Chancen und Risiken liegen. Eigeninitiative ist bei vielen chronischen Schmerzerkrankungen wichtig. Das Buch will dazu ermutigen, aktiv zu werden, zum Beispiel mit Entspannungsübungen und Bewegung. „Schmerztherapie“ (ISBN 978-3-86851-131-4) ist zum Preis von 16,90 Euro im Handel erhältlich oder kann online bestellt werden unter www.test.de/schmerztherapie. (Johannes Kösegi)

Abgelegt unter Aktuelle Erscheinungen

Einen Kommentar schreiben

Du mußt angemeldet sein, um kommentieren zu können.



DigitalVD.de News-Reader zum kostenlosen Download DigitalVD.de News-Reader

Der DigitalVD.de News-Reader ist eine kostenlose Software mit der Neuheiten aus der DVD- und Heimkino-Szene automatisch auf dem eigenen PC gelesen werden knnen. Ihr werdet kostenlos und automatisch rund um die Themen Film und Heimkino auf dem Laufenden gehalten.

[Beschreibung und Download]