Neuauflage des „Brockhaus Weltatlas“ bietet mehr als nur Karten



Brockhaus WeltatlasRepräsentatives kartografisches Meisterwerk, Informationsquelle und Bildband in einem.

Der Name Brockhaus bürgt für enzyklopädische Genauigkeit und beste buchtechnische Verarbeitung. Diesem jahrhundealten guten Ruf ist man auch nach dem Besitzerwechsel von Mannheim nach Gütersloh zum Bertelsmann-Konzern treu geblieben. Die neueste achte Auflage des großen „Brockhaus Weltatlas“ zeigt auch im Zeitalter von Google Earth und Wikipedia, was ein gutes, in Leinen gebundenes Buch an Vorteilen zu bieten hat. Stolze 5,6 Kilogramm bringt das 752 Seiten dicke, in einem repräsentativen Schuber untergebrachte Werk mit den Formaten 27,4 x 35,5 cm auf die Waage. Auch wenn das Kernstück mit etwa 400 Seiten wie in jedem Atlas das moderne Kartenwerk ausmacht, so wurde der Band um neue Inhalte und moderne Medien angereichert und modern ausgestattet. Ein großes Team von Kartografen, Ingenieuren, Geografen und Professoren verschiedener Fakultäten steht hinter diesem ehrgeizigen Großprojekt. Ihr Ziel, dem Leser die Welt zu erklären, indem er sie entdeckt, erlebt und versteht, ist damit ideal verwirklicht worden. Denn ein derart umfangreiches und vielseitiges Werk ist mehr als ein reiner Atlas, es bietet auch lexikalische Informationen, um die Kenntnisse über die unterschiedlichen Lebensräume auf unserem Planeten zu erweitern. Denn das immer komplexer werdende Wissen, um unsere Lebensumstände lokal, regional und global besser zu begreifen, hat weitreichende geografische Bezüge.

Der Atlas wurde somit in der guten Tradition des Hauses Brockhaus weitergeführt und gleichzeitig mit neuen Inhalten und Medien dem 21. Jahrhundert angepasst. Der kartografische Teil wurde aktualisiert durch eine vom Autorenteam selbst entwickelte digitale Weltkartografie. Das neue Farbeschema der physischen Karten bietet mit seiner Reliefdarstellung eine natürliche und plastische Darstellung in einer bisher unerreichten Detailtreue. Selbst die Ozeane wirken in einem Höhenschichtmodell wie dreidimensional, was einen neuen Blick auf diese verborgenen Welten eröffnet. Hier zeigt sich, dass Karten nicht nur Landkarten, sondern Kunstwerke sein können. Wie in einem Raumschiff kann man sich im Atlas blätternd unserem Heimatplaneten annähern, von der ganzen Erde über die Kontinente bis zu einzelnen Regionen. Die Karten zeigen Übersichtskarten, etwa von großen Flächenstaaten in fremden Kontinenten im Maßstab 1:30 Millionen und Detailkarten 1:4 Millionen. Die europäischen Länder im Maßstab 1:750.000 zeigen selbst Landstraßen und kleinere Dörfer.

Der sich an das Kartenwerk anschließende Thementeil ist in vier Kapitel untergliedert. Auf 32 Seiten werden die bedeutendsten Metropolen der Welt vorgestellt. Jeweils auf einer Doppelseite präsentieren ein informativer Text, vier brillante Farbfotos und ein detailreicher Innenstadtplan die Städte Paris, London, Rom, Berlin, Athen, Moskau, Kairo, Los Angeles, Mexico-Stadt, New York, Rio de Janeiro, Bangkok, Peking, Tokio und Sidney. Das Kapitel „Planet Erde“ bringt Wissen, was die Welt bewegt, dargestellt von Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen. So wird ausführlich erklärt, warum die Erde in bestimmten Regionen immer wieder bebt, wie sich das Klima entwickelt, wo es die fruchtbarsten Böden und reichhaltigsten Bodenschätze gibt, warum es die Menschen in die Städte zieht und warum es trotz globaler Handelsströme noch immer so große soziale Unterschiede gibt. Dabei darf auch ein ausführlicher Blick auf die Himmelskörper, die unser Leben am meisten prägen, Sonne und Mond, nicht fehlen. Astronomen beschreiben unser Sonnensystem, Geowissenschaftler erklären die Großformen wie Tiefland, Gebirge oder Hochflächen, außerdem die Plattentektonik und Gebirgsbildung. Meteorologen erläutern die Entstehung des Klimas und der Klimazonen, außerdem den Klimawandel und Naturkatastrophen. All die Theorie wird veranschaulicht mit faszinierenden Fotos, Karten und Grafiken, die etwa auf einen Blick erschließen lassen, in welchen Gegenden der Welt die Bevölkerungsdichten am größten sind, wobei global vor allem Indien und China auffallen. Daneben werden ausführlich viele aktuelle Themen präsentiert, die die Menschheit noch viele Jahre beschäftigen werden, wie demografische Entwicklung mit dem weltweiten Phänomen der Überalterung, Landflucht und Verstädterung, Religionen, Sprachen, Agrarwirtschaft und Landnutzung, Bodenschätze und Energie, fossile Brennstoffe, erneuerbare Energien, Verkehr, Globalisierung, Entwicklungsstand und Lebensqualität. Für Ästheten zum Genießen ist das Kapitel „Die Welt in Satellitenbildern“, die auf 30 Seiten besonders brillante und detailreiche Bilder verschiedener Landschaftsformen bringt: Seen, Inseln, Oasen, Savannen, Wüsten, Vulkane, Hochgebirge, Tundren, Flüsse, Deltas, tropische Regenwälder, Küsten, Korallenriffe und Gletscher. Als krönender Abschluss folgt Karten und Thementeil noch ein 74-seitiges Länderlexikon mit Daten und Fakten zu allen souveränen Staaten. Neben einem kurzen charakteristischen Text, einer Übersichtskarte und Farbfotos gibt es zu jedem Land einen Infokasten mit tabellarischen Fakten über Name, Zeitzone, Fläche, Gebirge, höchsten Punkt, Klima, Anzahl der Einwohner, Einwohnerzahl pro Quadratkilometer, Hauptstadt, Landessprache, Verwaltungsgliederung, wichtige Städte, Autokennzeichen und Währung. Das geografische Register auf etwa 150 Seiten mit über 120.000 Einträgen komplettiert das umfangreiche Werk.

Fazit: Der neue Brockhaus Weltatlas ist ein Höhepunkt an kartografischer Buchkunst. Er ist zwar nach Größe und Gewicht nicht geeignet für eine Urlaubsreise, jedoch bestens für deren Planung. Sein universeller Anspruch, seine kartografische Qualität und thematische Vielfalt und die moderne Gestaltung machen ihn zu einem unverzichtbaren Wissenswerk der Premiumklasse, mit dem sich die Erde mit großem Vergnügen und intellektuellem Gewinn entdecken, erleben und verstehen lässt. (Johannes Kösegi)

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