Duden Wortfriedhof – Wörter, die uns fehlen werden



Duden - WortfriedhofDer Duden-Verlag gilt mit seinen als offiziell betrachteten Standardwerken als Sachverwalter der deutschen Sprache. Da eine lebende Sprache einem ständigen Wandel unterworfen ist, müssen immer wieder aktualisierte Nachschlagewerke mit neuen Wortschöpfungen erscheinen. Was passiert aber mit den „ausgestorbenen“ Wörtern, die allmählich aus dem Sprachgebrauch verschwunden sind? Das kleine Bändchen „Wortfriedhof – Wörter, die uns fehlen werden“ gibt darauf eine Antwort. Die hierin genannten Begriffe sind ein guter Beweis für die Anpassungsfähigkeit einer Sprache. Viele der heute geläufigen Wörter werden eventuell auch in hundert oder zweihundert Jahren vergessen sein. Wie Moden in der Kleidung gibt es immer wieder neue Wörter, die sich ausbreiten, zum Allgemeingut werden und allmählich veralten. Während sich die meisten Duden-Wörterbücher der Gegenwartssprache widmen, wird hier der Blick einmal in die Vergangenheit gerichtet. Man trifft auf Wörter, die man vielleicht noch von früher oder aus historischen Texten, zum Beispiel der Luther-Bibel, kennt. Wer wüsste noch, dass Mausschelle eine Ohrfeige bezeichnet, Kurzweil ein angenehmer Zeitvertreib ist, ein Mann eine Damenbekanntschaft macht, wenn er eine Frau kennenlernt oder eine Sommerfrische ein Erholungsaufenthalt auf dem Land ist, die ursprünglich dem Adel vorbehalten war, später aber auch das Bürgertum ergriff und heute als Urlaub bezeichnet wird.

Viele der aufgeführten Begriffe sind deshalb nicht mehr gebräuchlich, weil die genannte Sache nicht mehr aktuell ist. Dazu gehört die Frisierkommode, an der man sich sitzend frisiert oder die Landpartie, was einen Ausflug in eine ländliche Gegend bezeichnet. Andere Wörter spiegeln die sich ändernden Auffassungen wider. Wer würde heute eine gebildete Frau noch als Blaustrumpf oder ein Model als Vorführdame benennen. Während viele der Wörter heute zu den bedrohten Arten gehören, also gelegentlich mehr oder weniger noch benutzt werden, wie Leibesertüchtigung für Sport oder Backfisch für Teenie, sind andere Wörter schon völlig unbekannt. Dazu gehören etwa Arbeitersekt für Mineralwasser, Entwarnungsfrisur für Hochfrisur oder chaperonieren, was bedeutet, dass eine junge Dame zu ihrem Schutz begleitet wird. Überhaupt fallen viele vertilgte Begriffe auf, die aus dem Französischen stammen, aus einer Zeit, als Frankreich ein kultureller Vorreiter in Europa war. Heute scheint sich mehr und mehr die angloamerikanische Unkultur im Wortschatz durchzusetzen, die immer wieder neue Begriffe hervorbringt. Dieses nett aufgemachte Büchlein mit vielen Informationskästen lädt zum Schmökern, Staunen und Schmunzeln über viele kuriose Wörter aus der guten alten Zeit ein, die heute kaum noch jemand kennt. (Johannes Kösegi)

Wortfriedhof – Wörter, die uns fehlen werden; Duden Verlag Berlin; 80 Seiten; ISBN: 978-3-411-71693-7; 5 Euro

Abgelegt unter Aktuelle Erscheinungen

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