Alfred-Kerr-Preis 2014 an Insa Wilke



Der Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik 2014 ist am Messedonnerstag an Insa Wilke verliehen worden. Die Jury, so die Begründung der Vergabe, ehre damit eine freie Kritikerin und „leidenschaftliche Germanistin, die sich anspruchsvoll dem Text zuwendet und die das Detail nicht geringschätzt“. Ihr breit gefächertes Interesse an Autoren, Gattungen und Themen sei beeindruckend. Ihre Beobachtungen vermittle Insa Wilke gleichermaßen anspruchsvoll, unterhaltsam und verständlich. „Auf den Nebenwegen der aktuellen Literaturproduktion fühlt sie sich oft wohler als auf dem Mainstream.“

Heinrich Riethmüller, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, kam auf die innere Verwandtschaft zwischen Literaturkritik und Buchhandel zu sprechen: Beide dienten der Vermittlung von Literatur. Als Buchhändler fühle er sich insofern dem Kritiker-Beruf eng verbunden, denn auch der Buchhändler bemühe sich, Leser für Bücher zu gewinnen. Persönlich habe es ihn, Riethmüller, gefreut, in den Zeitungsberichten der letzten Wochen über die Kerr-Preisträgerin Insa Wilke zu lesen, dass früh auf dem Weg dieser geschätzten Literaturkritikerin auch die Buchhandlung in ihrem Heimatort günstigen Einfluss hatte auf die Lesekarriere bereits des Kindes Insa.

Der Publizist und Literaturwissenschaftler Roger Willemsen stellte in seiner Laudatio Insa Wilke als eine Literaturkritikerin vor, die ihre Rolle auf moderne Art interpretiere – sie sei Dozentin, Kritikerin, Konzeptmacherin und bringe dabei die unterschiedlichsten Texte zusammen, die sonst epochenweit auseinanderlägen. Sie wage mit einem „selbstbefeuernden Enthusiasmus“ riskante Ausflüge auf exotische literarische Felder; sie besuche Autoren auf eigene Kosten, um ihre Literatur zu verstehen. So schreibe Insa Wilke auch nicht eigentlich Verrisse. Ihre Anmerkungen zu einem nicht perfekten Werk entstünden eher aus einer Art „gekränkter Liebe“, so Willemsen, ihrer Enttäuschung dem gegenüber, was der Text hätte sein können. Somit habe sie einen Sinn für Halbtöne und für das Unfertige. In der Auseinandersetzung damit könne Wilke eine Kritik formulieren, die im besten Sinn als Fortschreiben eines Werkes zu bezeichnen sei.

Insa Wilke bekannte sich in ihrer Dankesrede zum „demokratisch-romantischen Ideal eines großen Gesprächs über Literatur, eines Gesprächs, das bisweilen hart, aber so geführt werden sollte, dass man einander in die Augen schauen kann“. Dieses Ideal, das höhere Ansprüche an die eigene Integrität stelle, finde man allerdings zurzeit sehr wenig, Stattdessen stürzten sich Journalisten von einer Schein-Debatte in die nächste, und „Literatur“-Debatte wird bei solchen Gelegenheiten genannt, was eigentlich eine Debatte über die Produktionsbedingungen von Literaturkritik sein sollte. „Die Klage über den zu dicken Roman war eine Klage über einen Arbeitsalltag, in dem wenige Redakteure ein Pensum bewältigen sollen, für das vor gar nicht so vielen Jahren sehr viel mehr Menschen beschäftigt wurden.“ Der Qualität der Literaturkritik tue das nicht gut, und Wilke fordert: „Es ist an der Zeit, dass ein mentaler Generationenwechsel quer durch die Generationen eintritt. … Nehmen wir uns das Gute: den Anspruch, die Bildung und Wortgewandtheit, und fügen das Unsere, Heutige hinzu.“

Insa Wilke (geboren 1978) studierte Germanistik und Geschichte in Göttingen, Rom und Berlin und wurde 2009 mit einer Arbeit über Thomas Brasch promoviert. Sie hat an der FU Berlin gelehrt und war von 2010 bis 2012 Programmleiterin im Literaturhaus Köln. Heute lebt Insa Wilke als freie Kritikerin in Frankfurt am Main. Sie schreibt u.a. für „Die Zeit“, den „Tagesspiegel“ und den Rundfunk, gehört zum Autoren-Team der Literatursendung „Gutenbergs Welt“ (WDR3) und ist Mitglied der Jury für den Peter-Huchel-Preis und den Italo-Svevo-Preis.

Mit dem Alfred-Kerr-Preis zeichnet das Börsenblatt, Magazin für den Deutschen Buchhandel, seit 1977 literaturkritisches Wirken aus. Die Auszeichnung ist mit 5.000 Euro dotiert. In den letzten Jahren erhielten den Preis unter anderen Daniela Strigl, Ina Hartwig, Gregor Dotzauer, Burkhard Müller und Helmut Böttiger.

Der Jury gehören an: Maria Gazzetti (Leiterin des Casa di Goethe, Rom), Peter Härtling (Schriftsteller), Michael Lemling (Geschäftsführer der Münchner Buchhandlung Lehmkuhl), Klaus Reichert (Ehrenpräsident der Akademie für Sprache und Dichtung), Klaus Schöffling (Verleger) und Torsten Casimir (Chefredakteur Börsenblatt).

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