Mit neuem Selbstverständnis ins Bücherjahr 2014: Stationärer Buchhandel sieht sich im Aufwind



Ein neues Selbstverständnis prägt den deutschen Buchhandel zum Auftakt der Leipziger Buchmesse. Im letzten Jahr konnte der stationäre Buchhandel die langjährige, negative Entwicklung gegenüber dem Online-Buchhandel umkehren: Seit zehn Monaten entwickelt sich der Umsatz im Sortimentsbuchhandel besser als der des gesamten Publikumsmarkts, zu dem zusätzlich Online-Buchhandel, Warenhäuser und Bahnhofsbuchhandel gerechnet werden. Diese Entwicklung setzt sich bislang auch 2014 fort. Mit minus 0,4 Prozent liegt der stationäre Buchhandel Anfang März leicht unter Vorjahr. Schaut man auf den gesamten Publikumsmarkt liegt der Rückgang bei minus 2,8 Prozent. Der Online-Handel mit Büchern selbst liegt seit letztem Jahr erstmals im Minus. „Der stationäre Buchhandel entwickelt sich zum Vorreiter und Modell für den gesamten Einzelhandel“, sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, bei der Auftakt-Pressekonferenz der Leipziger Buchmesse 2014. „Mit seiner Multi-Channel-Strategie und der starken persönlichen Beratungsleistung trifft der Buchhandel die Bedürfnisse der Kunden wesentlich besser als der reine Online-Handel. Die Investitionen zahlen sich jetzt langsam aus.“ Das Jahr 2013 endete nach ersten Einschätzungen mit einem Plus von 0,9 Prozent im stationären Buchhandel, der gesamte Publikumsmarkt inklusive Internet und Warenhäuser kam auf eine schwarze Null.

„Viele Buchkäufer spüren, dass die Geschäftsmodelle des stationären Buchhandels sehr viel nachhaltiger sind als die der globalen Konzerne. Mit neuem Selbstbewusstsein gewinnen Buchhändlerinnen und Buchhändler ihre Kunden zurück“, so Skipis. Umsatztreiber im stationären Geschäft waren in den ersten Monaten des Jahres die Warengruppen Sachbuch (plus 7,7 Prozent), Ratgeber (plus 6,7 Prozent) und Reisen (plus 6,0 Prozent), weniger erfolgreich waren die Warengruppen Belletristik (minus 6,3 Prozent) und Kinder- und Jugendbücher (minus 2,3 Prozent).

Sorge bereiten den Verlagen und Buchhandlungen die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten. „Wir verlangen von der EU, die Geheimniskrämerei zu beenden und offenzulegen, welche konkreten Waren und Dienstleistungen im Bereich Kultur- und Kreativwirtschaft auf der Agenda des Freihandelsabkommens stehen. Die Bundesregierung fordern wir auf, eine umfassende kulturelle Ausnahme nach zu verhandeln“, so Skipis. „Grundsätzlich kann ein solches Abkommen eine gute Sache sein. Für den Buch- und Kulturbereich sehen wir hier aber keine einzige Chance, nur Risiken. Qualität und Vielfalt der Buchkultur steht auf dem Spiel.“ Heute stellen sich in Brüssel die Unterhändler den Fragen und Forderungen der Unternehmen. „Aus Sicht des Börsenvereins ist das eine Alibiveranstaltung. Im Schnelldurchlauf können Positionen benannt werden, das ist keine inhaltliche Auseinandersetzung. Der Börsenverein hat deshalb im Vorfeld zusätzlich konkrete Fragen eingereicht und erwartet von der Kommission auch konkrete Antworten“, so Skipis.

Eine positive Bilanz zieht der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins für die Buchkampagne „Vorsicht Buch!“, die im vergangenen Jahr zur Leipziger Buchmesse gestartet ist. „Mit der Kampagne haben wir erreicht, dass das Thema Bücher und Lesen wie nie zuvor in der Öffentlichkeit präsent ist. Wichtiges Ziel der Kampagne ist es, den stationären Buchhandel zu stärken“, so Skipis. Die Buchbranche startet jetzt eine neue Phase von „Vorsicht Buch!“. Unter dem Slogan „Buchverschenker sind …“ weist die Buchkampagne zur Leipziger Buchmesse humorvoll, hintergründig und skurril auf die vielen Aspekte hin, die das Verschenken von Büchern für den Schenker und den Beschenkten haben kann. Passend zur neuen Kampagnenphase ist die Aktion „Vorsicht Buch!“ mit einem interaktiven Messestand im Leopardenlook auf der Buchmesse vertreten (Glashalle, Standnummer 5-C501). Hier kann sich jeder fotografieren lassen und sein persönliches Bekenntnis als Buchverschenker ablegen.

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