Ratgeber der Stiftung Warentest „Schnelle Hilfe im Pflegefall“ – Kosten, Organisation, Pflegegrade



Schnelle Hilfe im PflegefallIn unserer zunehmend älter werdenden Gesellschaft kommt der Betreuung und Pflege eine immer größere Bedeutung zu. Mehr als drei Viertel aller pflegebedürftigen Menschen werden in Deutschland von Angehörigen mehr oder weniger selbst zuhause gepflegt. Für sie vor allem ist der neue Ratgeber „Schnelle Hilfe im Pflegefall“ von der Stiftung Warentest gedacht.

Weil die Pflege von Angehörigen auch mit ziemlichen Kosten verbunden ist, zahlt sich der Preis dieses Buches durch die vielen nützlichen Tipps und Informationen schnell aus. Denn vieles kann von den Pflegekassen erstattet werden. Damit man nicht zu sehr von neuen Verhältnissen überrascht wird, sollte man sich frühzeitig mit den angesprochenen Themen auseinandersetzen. Dafür gibt es auch viele weiterführende Informationen und Internetlinks.

Oft passiert es plötzlich und unerwartet, dass der Ehepartner, Vater oder die Schwiegermutter nach einem Sturz oder einer Krankheit Hilfe benötigen. Schritt für Schritt wird in diesem Buch praxisnah erklärt, was es bei der Organisation der Pflege für die Angehörigen alles zu beachten gilt. Wie man beginnt und wo man sich erste Hilfe holen kann, ist das erste Problem. Dann muss geregelt werden, ob die Pflegebedürftigen noch zuhause bleiben können. Das wird in der Regel so lange hinausgezögert wie möglich. Was man selbst tun kann und was man eventuell einem professionellen Pflegedienst überlässt, ist die nächste Entscheidung. Auch wann es Geld von der Pflegekasse gibt und wieviel, ist interessant. Dabei geht es auch darum, ob man eine Haushaltshilfe aus dem Ostblock rund um die Uhr beschäftigen möchte, um selbst mehr entlastet zu sein.

Die ersten Seiten zeigen in einem Kurzratgeber das Allernötigste. Hier wird in einer Checkliste gezeigt, in welcher Reihenfolge man vorgehen sollte und wann überhaupt Pflegebedürftigkeit vorliegt. Welche Kosten die Pflegekasse genau übernimmt, hängt meist vom Pflegegrad ab. Selbstverständlich werden in diesem aktuellen Ratgeber die Regelungen der neuesten Pflegereform von Anfang 2017 berücksichtigt. Kaum eine der möglichen Fragen wird ausgespart: Wer übernimmt die Pflege? Wo kann der Pflegebedürftige wohnen? Woher gibt es Geld? Welche Unterstützungsangebote gibt es für den Alltag? Wichtig ist auch, dass jeder einen gesetzlichen Anspruch auf kostenlose und individuelle Pflegeberatung hat, die bei den Pflegekassen der Krankenkassen, bei Pflegestützpunkten, Wohlfahrtsverbänden oder freien Pflegeberatern angeboten wird.

Es ist auch gut zu wissen und vielen nicht bekannt, dass die meisten Angestellten das Anrecht auf eine Auszeit im Job haben, wenn ein Pflegefall in der Familie auftritt. Dies gilt zehn Tage sofort und danach bis zu zwei Jahre lang in Teilzeit, mit Rückkehrrecht und Ausgleichszahlungen. Hat man einen offiziellen Pflegegrad beantragt, gibt es finanzielle Unterstützung von der sozialen Pflegeversicherung, je nach Situation von der Krankenkasse, Privatversicherungen oder vom Staat. Wie das alles sinnvoll kombiniert werden kann, ist eine wichtige Information in diesem Ratgeber der Stiftung Warentest. Entscheidend ist auch, nach welchen Kriterien man bei Bedarf den richtigen Pflegedienst auswählt und wie man Zusatzdienste wie „Essen auf Rädern“ oder Haushaltshilfen nutzen kann. Dieser Ratgeber ist vor allem für Menschen gedacht, die sich selbst um die Pflege ihrer Angehörigen kümmern möchten und die „Abschiebung“ in ein Pflegeheim möglichst vermeiden oder so lange es geht hinauszögern wollen. Dennoch werden im letzten Kapitel „Wohnmodelle mit Pflege“ einige Möglichkeiten außerhalb des trauten Heimes vorgestellt. Auch hier gibt es mittlerweile Alternativen zu den früher so gefürchteten „Verwahranstalten“. Die reichen vom betreuten Wohnen bis zu individuellen Senioren-WGs. Schließlich gibt es noch ein kleines Pflege-Glossar und weiterführende Adressen.

Fazit: Dieser Ratgeber von Marina Engler vermittelt auf 160 Seiten einen kurzen und prägnanten Überblick über die Schritte, die im Pflegefall wichtig sind, wie Antrag auf Pflegegeld und richtiges Auftreten beim Gutachtertermin, Suche nach ambulanten Pflegediensten, osteuropäischen Haushaltshilfen, Pflegeheimen, Pflege-WGs und weiteren Alternativen. Und dies ist alles auf dem neusten Stand der Pflegereform 2017. „Schnelle Hilfe im Pflegefall“ von der Stiftung Warentest (ISBN 978-3-86851-394-3) ist für 16,90 Euro im Buchhandel erhältlich oder kann online bestellt werden. (Johannes Kösegi)

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