Mit Feuereifer und Herzenslust – Wie Luther unsere Sprache prägte – Sprachführer aus dem Dudenverlag



Zum großen Reformationsjubiläum 2017 sind unzählige Neu- und Wiederveröffentlichungen auf dem deutschen Buchmarkt erschienen. Doch nur ein Titel beschäftigt sich ausschließlich mit Luthers Einfluss auf die deutsche Sprache. Wer könnte dafür geeigneter sein als der renommierte Dudenverlag, der alle offiziellen deutschen Sprachlexika herausbringt. Hier wird besonders deutlich, dass Luthers Wirkung weit mehr als nur die Theologie und evangelische Kirchenmusik betrifft. Er hat die deutsche Sprache geprägt wie kein anderer vor und nach ihm. Mit seiner großartigen Bibelübersetzung und vielen Schriften und Tischreden hat er eine einheitliche Sprache für die lange Zeit wie ein Flickenteppich auf der Landkarte liegenden deutschsprachigen Lande geprägt.

Martin Luthers bildhafte Sprache ist bis heute noch lebendig. Wir verwenden von ihm stammende Formulierungen im Alltag oft, ohne uns dessen bewusst zu sein. Die Dudenredaktion legt zum Reformationsjubiläum nun einen Band auf, der sich ausschließlich mit Luthers Einfluss auf die deutsche Sprache beschäftigt. In dem schön gestalteten Büchlein „Mit Feuereifer und Herzenslust – Wie Luther unsere Sprache prägte“ liefert Hartmut Günther, Enkel eines evangelischen Pastors und emeritierter Professor für deutsche Sprache und Literatur an der Universität zu Köln, eine allgemein verständliche Einleitung in die Epoche, das Leben und die Leistungen Luthers. Auf 40 Seiten erfährt man in aller Kürze, aber dennoch fundiert alles über Luthers historische Bedeutung, sein bewegtes Leben und was für ein Mensch er war. Ausgehend vom Deutsch und Lateinisch zu seiner Zeit wird vorgestellt, wie er diese Sprachen neben Griechisch und Hebräisch benutzte und dieses Wissen für seine Übersetzungen des Alten und Neuen Testaments kreativ anwandte, in dem er viele neue Begriffe und Redewendungen erfand. Sie sind bis heute fest im deutschen Sprachschatz verankert, aber nur wenige wissen, dass sie von dem großen Reformator stammen.

Nicht zuletzt hat Luther mit seinem ost-mitteldeutschen Dialekt aus der Gegend von Mansfeld-Eisleben die deutsche Hochsprache bis heute bestimmt. Luthers sächsische Kanzleisprache wird im Herzen Deutschlands gesprochen, gilt als ausgeglichen und ist somit auch gut im Norden und Süden des Landes verständlich. Dass Luther keinen Unterschied zwischen gesprochener und geschriebener Sprache machte, kommt seiner lebendigen und verständlichen Bibelübersetzung sehr zugute. An einzelnen Beispielen werden Luthers Übersetzungsprinzipien genauer dargestellt. So gab es bereits vor ihm deutsche Bibelübersetzungen, keine konnte ihm jedoch nur annähernd das Wasser reichen, was die Genauigkeit und Sprachgewalt betrifft. Luthers Bedeutung für die deutsche Sprache geht aber weit über die Bibelübersetzung hinaus. Prägend im evangelischen Gottesdienst sind bis heute die Kirchenlieder Luthers und anderer evangelischer Dichter. Durch den eigenen Gesang wurde die Gemeinde aus ihrer Passivität befreit und zum Träger des Gottesdienstes. Von den etwa 40 Kirchenliedern, die Luther geschrieben und teilweise auch komponiert hat, sind viele noch heute im Evangelischen Gesangbuch enthalten. Nur durch Luther konnte Johann Sebastian Bach die evangelische Kirchenmusik zu einer nicht zu überbietenden Blüte führen.

Im Lauf der Jahrhunderte wurde Luthers Bibelübersetzung immer wieder geringfügig abgewandelt und dem aktuellen Sprachgebrauch angepasst, zuletzt für das Reformationsjahr 2017. Die Kernaussagen und Redewendungen blieben dabei jedoch unangetastet. Diese werden auf etwa 70 Seiten in alphabetischer Reihenfolge vorgestellt und näher erklärt, jeweils auf einer Seite. Beispiele: Abendmahl, Barmherzigkeit, Bluthund, ein Buch mit sieben Siegeln, Buße, Denkzettel, ein Dorn im Auge sein, mit Engelszungen reden, erstunken und erlogen, Fallstrick, Feuereifer, Herzenslust, Langmut, Lästermaul, Lückenbüßer, Mördergrube, Morgenland, Rotzlöffel, Rüstzeug, Schandfleck, Schauplatz. Eingestreut sind auch Redewendungen wie „mit Engelszungen reden“, „sein Scherflein beitragen“, „Perlen vor die Säue werfen“, „sich ins Fäustchen lachen“, „seine Hände in Unschuld waschen“, „wes das Herz voll ist, des geht der Mund über“ oder „sein Licht unter den Scheffel stellen“.

Fazit: Dieses unterhaltsame und wichtige Buch liefert den Beweis, dass es wohl keine Einzelperson in der Geschichte gegeben hat, die die deutsche Sprache so geprägt hat wie Martin Luther mit seiner Bibelübersetzung. Vor ihm gab es keine einheitliche deutsche Sprache. Er aber schaute „dem Volk aufs Maul“ und wählte sorgsam Wörter und Formulierungen aus, die sich nach und nach in ganz Deutschland durchsetzten und bis heute in unserer Alltagssprache präsent sind. (Johannes Kösegi)

Hartmut Günther: Mit Feuereifer und Herzenslust – Wie Luther unsere Sprache prägte; Dudenverlag Berlin; 128 Seiten; ISBN 978-3-411-75427-4; 12,99 Euro

Abgelegt unter Aktuelle Erscheinungen

Einen Kommentar schreiben

Du mußt angemeldet sein, um kommentieren zu können.



DigitalVD.de News-Reader zum kostenlosen Download DigitalVD.de News-Reader

Der DigitalVD.de News-Reader ist eine kostenlose Software mit der Neuheiten aus der DVD- und Heimkino-Szene automatisch auf dem eigenen PC gelesen werden knnen. Ihr werdet kostenlos und automatisch rund um die Themen Film und Heimkino auf dem Laufenden gehalten.

[Beschreibung und Download]