Der Frauenmörder
Erstellt am: März 18th, 2008Voller Aufregung stürmen im Berlin der Zwanziger Jahre aufgeregte Hauswartsfrauen die Polizeidirektion, um das Verschwinden von fünf heiratswilligen Frauen zwischen 20-25 Jahre zu melden. Alle vermissten Frauen wurden zuletzt in Begleitung eines blondes Mannes, der einen Kneifer trug, gesehen. Für einen findigen Polizisten, der selber ein dunkles Geheimnis mit sich trägt, scheint der Fall nach einigen Ermittlungen klar, doch bald kommen ihm selber Zweifel, denn bei dem Täter soll es sich um einen sympathischen, jungen Schriftsteller ohne Erfolg handeln. Doch sobald bekannt wird, dass er für die Morde verantwortlich sein soll, steigt schlagartig die Popularität seiner Werke und ein von ihm geschriebenes Theaterstück wird am Abend der Gerichtsverhandlung aufgeführt und plötzlich steht die ganze Berliner Gesellschaft Kopf und sogar der Reichskanzler gibt sich die Ehre…
Hugo Bettauers Roman „Der Frauenmörder“ liegt hier in einer ungekürzten Version als Hörbuch vor und überzeugt auf ganzer Linie: Die Geschichte zieht den Hörer sofort in ihren Bann und Ulrich Tukur verleiht allen Charakteren, egal ob männlich oder weiblich, eine überzeugende Stimme, die sich homogen und stimmig in die Gesamtatmosphäre integrieren. Lediglich die Auflösung der Geschichte der Geschichte zum Ende hin gestaltet sich ein wenig zäh und verstößt gegen heutige Hörkonventionen, weist jedoch dezent daraufhin, dass Bettauer die Geschichte in den Zwanziger Jahren schrieb, wo noch alles etwas langsamer und behäbiger vonstatten ging als in den Zeiten der Hektik und immer größer werdenden Geschwindigkeit.
Bettauer schrieb im Laufe seines Lebens ca. 20 Romane, zumeist Krimis, die damals viel Beachtung gefunden haben, durch das Nazi-Regime allerdings gründlich aus den Köpfen der Menschen vertrieben wurden und auch danach kaum wieder Einzug halten konnten. In dieses Bild passt auch der gewaltsame Tod des engagierten Schriftstellers, der 1925 von einem rechtsradikal gesinnten Mitmenschen im Büro seiner eigenen Zeitschrift ermordet wurde, in der er gesellschaftskritische Themen anprangerte. Seine Vision war es, gesellschaftliche Themen in trivialer, unterhaltsamer Literatur zu verpacken und wie „Der Frauenmörder“ zeigt, gelingt es ihm vorzüglich, die Sensationslüsternheit und die sonstige Ignoranz des sogenannten Bildungsbürgertums auf die Schippe zu nehmen.
Fazit: Die Stimme von Ulrich Tukur erweckt Bettauers amüsante und nachdenklich stimmende Kriminalerzählung „Der Frauenmörder“ in knapp drei Stunden wieder zum Leben und verdient sich eine uneingeschränkte Empfehlung und Bettauer verdient ebenfalls größere Aufmerksamkeit, als ihm momentan zuteil wird. (Tino Hahn)
Titel: Der Frauenmörder
Autor: Hugo Bettauer
Verlag: Eichborn Verlag
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