High and Down
Erstellt am: Dezember 14th, 2009Erst 20 Jahre ist Tatjana Paschmann, die sich nunmehr schon seit 11 Jahren mit dem Schreiben beschäftigt. Im Laufe der Jahre hat sie sich intensiv mit den Dramen beschäftigt, die sich bei Jugendlichen abspielen können. Darunter fällt auch ihr Debütroman „High and Down“. Hierbei beschäftigt sie sich gleich mit einem ganz sensiblen Thema, nämlich den Drogen und was dabei alles im Umfeld kaputt gehen kann.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht Jessy zusammen mit ihrer Schwester Jenny, die den absoluten Mittelpunkt für ihre Eltern darstellt. Wie es scheint überstrahlt sie mit ihrer Schönheit einfach alles. Überhaupt scheint sie all das zu haben, was Jessica – Jessy – gern für sich gehabt hätte. Dementsprechend ist Jessy natürlich auch von ihren Eltern etwas enttäuscht. Doch dann trifft die Familie der Schicksalsschlag und sie müssen erkennen, dass ihre „Lieblingstochter“ Drogen nimmt. Eine Überdosis Kokain bringt alles an den Tag. Obwohl die typischen Anzeichen da waren, hat sie niemand wirklich für voll genommen. Da alle Versuche ihr zu helfen nicht greifen, kommt sie in eine Therapieanstalt. Während des Aufenthaltes von Jenny in dieser Anstalt, steht nunmehr Jessy im Mittelpunkt. Leider hält dies jedoch nicht allzu lange an, schließlich steht der Tag der Entlassung an.
So blickt Jessy am Anfang der Geschichte zurück auf die Zeit, wie es dazu kam. Dabei kommen auch Jan und Jenny zu Wort. Jessy schildert dann auch, dass die Welt zunächst in Ordnung zu sein scheint. Dann kommt die Zeit, dass Jenny wieder unterwegs ist und auch Jessy diese Welt zeigt. Schließlich scheint es ja ganz was Besonderes zu sein, wenn man diesen Lifestyle mitmachen kann. Jedenfalls denkt es Jenny und nimmt Jessy mit, die auch bald eine erste Tablette bekommt.
Allerdings muss Jessy zu Hause schnell wieder feststellen, dass Jenny wieder im Mittelpunkt bei ihren Eltern. Daher entscheidet sich Jessy nun eigene Wege zu gehen und haut ab zu Jan.
Gefühlvoll schildert die junge Autorin aus der Sicht der drei Protagonisten, wie schwierig der Umgang mit Drogen sein kann. Dabei fällt es nach kurzem Einlesen auch leicht, sich in die Rolle der drei jungen Leute hinein zu versetzen. Für die einen ist ein Ausstieg aus dieser Szene möglich, für andere wiederum nicht. Diese können dann einen Neuanfang wagen. Es wird aber auch deutlich gezeigt, dass Drogen keine Lösung sein können.
Und über das Thema Drogen kann auch heute gar nicht oft genug geredet werden. Schließlich geht es wohl allen Eltern so, dass sie ihre Kinder davor beschützen möchten. Doch dieser Weg, das wird auch einfühlsam von der jungen Autorin gezeigt, ist nicht immer leicht. Für einen Debütroman ist der Autorin meines Erachtens der Einstieg sehr gut gelungen, zumal sie sich ja damit keines einfachen Themas angenommen hat. Es dürfte wohl Spannung angesagt sein, was sie als nächstes veröffentlichen wird. Ich wünsche ihr auf jeden Fall viel Erfolg. (Marina Teuscher)
Der Frauenmörder
Erstellt am: März 18th, 2008Voller Aufregung stürmen im Berlin der Zwanziger Jahre aufgeregte Hauswartsfrauen die Polizeidirektion, um das Verschwinden von fünf heiratswilligen Frauen zwischen 20-25 Jahre zu melden. Alle vermissten Frauen wurden zuletzt in Begleitung eines blondes Mannes, der einen Kneifer trug, gesehen. Für einen findigen Polizisten, der selber ein dunkles Geheimnis mit sich trägt, scheint der Fall nach einigen Ermittlungen klar, doch bald kommen ihm selber Zweifel, denn bei dem Täter soll es sich um einen sympathischen, jungen Schriftsteller ohne Erfolg handeln. Doch sobald bekannt wird, dass er für die Morde verantwortlich sein soll, steigt schlagartig die Popularität seiner Werke und ein von ihm geschriebenes Theaterstück wird am Abend der Gerichtsverhandlung aufgeführt und plötzlich steht die ganze Berliner Gesellschaft Kopf und sogar der Reichskanzler gibt sich die Ehre…
Hugo Bettauers Roman „Der Frauenmörder“ liegt hier in einer ungekürzten Version als Hörbuch vor und überzeugt auf ganzer Linie: Die Geschichte zieht den Hörer sofort in ihren Bann und Ulrich Tukur verleiht allen Charakteren, egal ob männlich oder weiblich, eine überzeugende Stimme, die sich homogen und stimmig in die Gesamtatmosphäre integrieren. Lediglich die Auflösung der Geschichte der Geschichte zum Ende hin gestaltet sich ein wenig zäh und verstößt gegen heutige Hörkonventionen, weist jedoch dezent daraufhin, dass Bettauer die Geschichte in den Zwanziger Jahren schrieb, wo noch alles etwas langsamer und behäbiger vonstatten ging als in den Zeiten der Hektik und immer größer werdenden Geschwindigkeit.
Bettauer schrieb im Laufe seines Lebens ca. 20 Romane, zumeist Krimis, die damals viel Beachtung gefunden haben, durch das Nazi-Regime allerdings gründlich aus den Köpfen der Menschen vertrieben wurden und auch danach kaum wieder Einzug halten konnten. In dieses Bild passt auch der gewaltsame Tod des engagierten Schriftstellers, der 1925 von einem rechtsradikal gesinnten Mitmenschen im Büro seiner eigenen Zeitschrift ermordet wurde, in der er gesellschaftskritische Themen anprangerte. Seine Vision war es, gesellschaftliche Themen in trivialer, unterhaltsamer Literatur zu verpacken und wie „Der Frauenmörder“ zeigt, gelingt es ihm vorzüglich, die Sensationslüsternheit und die sonstige Ignoranz des sogenannten Bildungsbürgertums auf die Schippe zu nehmen.
Fazit: Die Stimme von Ulrich Tukur erweckt Bettauers amüsante und nachdenklich stimmende Kriminalerzählung „Der Frauenmörder“ in knapp drei Stunden wieder zum Leben und verdient sich eine uneingeschränkte Empfehlung und Bettauer verdient ebenfalls größere Aufmerksamkeit, als ihm momentan zuteil wird. (Tino Hahn)
Titel: Der Frauenmörder
Autor: Hugo Bettauer
Verlag: Eichborn Verlag
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