Lesertreff

Game Generations

Erstellt am: September 8th, 2008

Magdans, Frank Game Generations
Spieleentwickler und Szenekenner erzählen, wie Computer- und Videospiele unsere Freunde wurden

Sie machen Spaß, sie machen an, sie machen aber auch schwer süchtig und spalten gesamte Generationen: Games: Vor rund 4 Jahrzehnten wurde  das allererste Patent für eine Videospielkonsole angemeldet. Es war Ralph Baers Brown Box, der Prototyp der späteren Odyssey. Wer hätte erahnen können, welch gigantischer Industriezweig daraus einmal entstehen würde? Dem nachzuspüren, was seither Rudimentäres geschehen ist, das hat sich Autor Frank Magdans zum Ziel gesetzt. Zu diesem Zweck hat der Journalist, der wie viele seiner Generation mit dem Atari VCS und dem C64 seine Jugend verbrachte, über 40 Entwickler interviewt, z.B. den Atari-Gründer Nolan Bushnell. Daneben hat er Al Alcorn, den Erbauer des „Pong“-Automaten und langjährigen Atari-Mitarbeiter, getroffen.

Zu den weiteren aufschlussreichen Gesprächspartnern gehören David Crane, Don L. Daglow, Richard Garriott, Ron Gilbert, Keiji Inafune, Jane Jensen, Al Lowe, Brian Moriarty, Wilfried Reiter, Brian Sullivan und viele mehr. Daneben wirft der Autor einen Blick auf die Retro- und die Independent-Szene und ordnet ausgewählte Werke in den historischen Kontext ein. Ein Blick auf die Entwicklung des Edutainment-Markts gehört ebenfalls dazu. Außerdem gibt es ein Interview mit Lara Croft. Das Schöne an diesem wichtigen werk, es ist für Freaks wie auch laien sowohl textlich als auch von der Bildstruktur sehr lesbar gestaltet. Man kann es nicht mehr aus der Hand legen, es liest sich wie ein krimi, und verteidigt irgendwie auch das stark und wegen seiner ballerspiele zu recht  in Verruf geratenen Genre Game,. Dabei gibt es so herrliche Animationen, man denke nur an die Fantasy und und Entdecker-Games. Sinnvoll konzipiert,  sinnvoll gespielt, nicht 24 stunden am Stück, nicht gewaltanimierend sind Games an sich eine faszinierende, nicht mehr aus dem täglichen Freizeit-Leben wegzudenkende CGI-Welt, die stündlich Neues, Schönes und Schreckliches gebiert.

Das beweist die Die GCI-Games Convention, Messe für Computerspiele, interaktive Unterhaltung, Infotainment, Hardware und Entertainment, die vom 21. bis 24. August 2008 wieder ihre Wellen in Leipzig und findet traditionell in allen fünf Hallen des Messegeländes schlug und Millionen interessierte in ihren sirenengleichen Bann zog: Wer einmal aus dem bombigen Bildschirm-Blechnapf frißt… (Jean Lüdeke)

Magdans, Frank: Game Generations
256 Seiten
Schüren Verlag
über 300 Abb. Game Generations
ISBN: 978-3-89472-539-6
19.90 €

ASP-Programmierung mit ADO

Erstellt am: März 14th, 2008

Um dynamische Webseiten zu erstellen, benötigt man Scriptsprachen, beispielsweise ASP oder PHP. Oftmals stehen die Webseiten dann in Verbindung mit Datenbanken. Microsofts Active Server Pages (ASP) sind eine der am weitesten verbreiteten Technologien.

Um schnelle Datenbankabfragen zu gewährleisten, wird in diesem Zusammenhang auf ADO, den ActiveX Data Objects, zugegriffen. Allein diesem Thema widmet Jörg Kraus sein Buch „ASP-Programmierung mit ADO“. Auf knapp 500 Seiten erklärt Krause, die Struktur, die Syntax und den Datenzugriff mittels ADO. Anhand zahlreicher Beispiele wird der Leser in die Kunst der ASP-Programmierung eingewiesen.

Krause startet mit einem allgemeinen Ausblick auf das Buch, erläutert die Zielgruppe, sowie Struktur, Schreibweise und wichtige Symbole. Dann geht es ins Eingemachte. Die Grundlagen der ActiveX Data Object in der Version 2.6 werden unter die Lupe genommen. Krause spricht über den allgemeinen Aufbau. Dazu zählen Connection, RecordSet, Command, Field und Error. Aber auch die unterschiedlichen ADO-Objekte und Konstanten werden dargestellt. Ein eigenes Kapitel beschäftigt sich mit dem Aufbau von Datenverbindungen. ODBC, OLEDB oder Dateizugriffe sind schnell erstellt, zumindest nach diesen Anleitungen.

Von den Grundlagen geht es zum Detailwissen. „ADO 2.6 im Detail“ beschäftigt sich ausführlich mit Datenverbindungen, RecordSets, Eigenschaften und Fehlermeldungen. Jede Funktion (Connection, RecordSet, Record, Command, Field, Property, Stream, Error) enthält eine Einführung, eine Übersicht der Methoden, Eigenschaften und Kollektionen, sowie tiefergehende Erläuterungen. Beispiele in Form von Quelltext tragen dabei stark zum Verständnis bei. Weiterhin werden spezielle Techniken, wie „Data Shaping“ oder „Datenbankzeiger“, aber auch „XML“ beschrieben. Parallel zu ADO 2.6 handelt Krause noch ADOX (ADO Extensions für DDL and Security) und ADO MD (ADO Multidimensional Data) ab.

Der zweite Teil des Buches beschäftigt sich eingehend mit „ADO.NET“, der Weiterentwicklung von ADO. ADO.NET ist insbesondere auf Datenübertragung per XML ausgelegt. Auch hier findet der Leser eine Einleitung vor, eine Übersicht der Grundlagen und „ADO.NET im Detail“. Zum Abschluss des Buches gibt es eine Komplettreferenz von ADO 2.6.

Wie gewohnt, von Jörg Krause, erhält man mit „ASP-Programmierung mit ADO“ ein exzellentes Fachbuch. Das Buch kann zugleich als Nachschlagewerk, als auch zum Einstieg in die ASP-Programmierung dienen.

Titel: ASP-Programmierung mit ADO
Autor: Jörg Krause
Verlag: Addison-Wesley
Seiten: 490
ISBN: 3827316553

Falltür ins Paradies

Erstellt am: September 21st, 2007

Von „Blood Simple“ über „Fargo“ und „The Big Lebowski“ bis zu ihrem neuesten Werk „O Brother, where art thou?“ lieferte Ethan Coen die Drehbücher zu jenen Werken, die ihm mitsamt seinem Bruder Joel einen Platz weit oben im Film-Olymp einbrachten.

Bei ihren filmischen Werken übernahm Joel Coen immer die Regie-Arbeit, während sich Ethan um Produktion und Drehbuch kümmerte. Die überbordende Kreativität von Ethan Coen hat jetzt dazu geführt, dass mit „Falltür ins Paradies“ eine Story-Sammlung vorliegt, in der man ein Wiedersehen mit den skurrilen Charakteren feiern kann, die ihre Filme schon seit langem bevölkern.

Dabei bewahrte sich der Autor nicht nur sein Gespür für skurrile und abstruse Charaktere und Situationen, sondern garnierte die Stories mit seinem gewohnt abgründigen Tiefsinn, der auch die Filme der Coen-Brüder zu cineastischen und intellektuellen Höhepunkten macht.

Natürlich kommt auch der schwarze Humor und die grausame Ironie, der schon Werke wie „Fargo“ auszeichnete, auf keinen Fall zu kurz, bestes Beispiel dafür dürfte die titelgebende Story „Falltür ins Paradies“ sein, in deren Handlung sich Bienen, Drogen, eine nackte Frau und eindeutige Fotos in einen Strudel verwandeln, der den Eichmeister Joe Gendreau immer tiefer zieht.

Dabei ist fast allen Geschichten ein gemeinsames Ziel nicht abzusprechen: Sie zeigen Menschen, die nicht ganz verstehen können, was das Schicksal ihnen alles in den Weg stellt und die nur die Sehnsucht nach ein wenig Würde und Glück antreibt. Dabei balanciert der Autor in seinen Filmen wie auch in seinen Stories auf dem schmalen Grat zwischen Spott und Anteilnahme, kommt dabei allerdings ab und an ins Stolpern und gibt seine Protagonisten dem Spott preis. Inwieweit der Spott absichtlich oder unabsichtlich ist, lässt sich nur sehr schwer feststellen, denn nur die Unsicherheit ist bei den Werken der Coen-Brüder sicher.

Dieses Motiv ist auch in ihren Filmen stets omnipräsent, doch wären die Coen-Brüder nicht Meister ihres Fachs, wenn sie aus diesem relativ einfachen Motiven nicht wahre Feuerwerke an surrealen Bildern zaubern würden, die von Ethan Coen mit seinem literarischen Erstlingswerk fortgesetzt und zum Teil auf die Spitze getrieben werden.

Ethan Coen gelingt es auf vortreffliche Weise, seine Beobachtungen aufs Papier zu bringen und zieht den Leser in eine Welt, in der vom Glück verlassene Privatdetektive jede Nacht vom Papst träumen, nachdem ihm ein Gangster ein Ohr abgebissen wurde und er daraufhin vor Schreck sein Gehör verliert.

Oder in der wir teilhaben dürfen an der Geschichte des Mannes, der Phil Shapiro tötete und dafür sorgte, dass sein Gehirn wie Tschulent durch die Luft spritzte. Wer wissen möchte, was Tschulent ist, findet vielleicht in „Falltür zum Paradies“ eine Antwort…

Für Fans der Coen-Brüder und Liebhaber von surrealen, abstrusen und humorvollen Geschichten dürfte ein Tritt auf die „Falltür ins Paradies“ auf jeden Fall ein literarischer Genuss sein. (Tino Hahn)

Titel: Falltür ins Paradies
Autor: Ethan Coen
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 253
ISBN: 3442449871

Deutschbuch

Erstellt am: September 21st, 2007

‘Dieses Buch’, erklärt Maxim Biller im Vorwort, ‘ist wie jedes andere. Es handelt davon, wie sein Autor die Welt sieht, ob sie ihm gefällt, wie sie ist, oder ob er sie ändern möchte.’ Weiterhin gibt er zu: ‘Ich schreibe gern über Deutschland und die Deutschen. … Wenn mir zu Deutschland nichts mehr einfällt, ist es endlich so, wie ich es haben will. Dass ich nicht der einzige bin, der sich darüber freuen würde, das will ich hoffen.’

Am Pfingstmontag präsentierte Maxim Biller seine seit 1992 entstandene Kolumnensammlung “Deutschbuch” vor vollbesetzten Rängen in der Berliner Schaubühne. Mit den zehn von ihm ausgewählten Geschichten unterstrich er sein breites Spektrum auseinandersetzungswerter deutscher Themen:
Los ging’s mit dem Kapitel “Harald Schmidt: Gründlicher als Gründgens”: ‘Gestern habe ich im Fernsehen ein Stück Scheiße gesehen. Es war hellbraun und schon so eingetrocknet, daß es kaum noch stank. Der Mann, auf dessen Moderatorentisch es lag …’. Dem folgte “Heiliger Holocaust”: ‘Komische, undurchschaubare Deutsche: Zuerst bringen sie unter Aufwendung ihres ganzen Talents fast alle Juden um - und dann tut es ihnen auch noch leid. …’.

In “Das Biller-Prinzip” verriet er, gern über Israel zu reden und sich bei sportlichen Ereignissen stets auf die Seite des Stärkeren zu schlagen, und in der Kolumne “Roger Willemsen: Brillemsen” knöpfte er sich den ‘Fernsehstar aller Fernsehhasser, ein aufrechter Privatgelehrter, der in der Brandung des Banalen steht.’ vor. Selbiges Schicksal ereilte später noch Ulrike Meinhof und Joschka Fischer.

Das Finale der einstündigen Lesung markierte Billers “Kleine Autobiographie”.

“Deutschbuch” ist gleichermaßen Maxim Billers selbstkritische/-ironische Retrospektive auf die eigene Vita wie eine skurrile Liebeserklärung an seine, ihn sprachlich geiselnde Heimat. “Vom 20. bis 30. Lebensjahr”, gesteht der Autor im anschließenden Bühnengespräch mit Giovanni di Lorenzo - Chefredakteur des Berliner “Tagesspiegel” und “3 nach 9″-Talkmoderator in Personalunion und ebenfalls als Kind nach Deutschland eingewandert -, “habe ich versucht, raus zu finden, was es bedeutet, jüdisch zu sein.” Dem schloss sich eine Dekade an, in der Biller das Geheimnis des Deutsch-seins erkundete. “Unsicherheit”, so seine Erkenntnis, “ist der Kern des hiesigen Nationalcharakters.” Befragt, was er sich von seinen teutonischen Mitmenschen wünschen würde, antwortete Biller nach einem augenzwinkernden Exkurs ins Reich der Utopie (”eigentlich will ich, dass die Leute so werden, wie ich sie haben will”): “Ich hoffe, es gelingt den Deutschen, sich endlich mal locker zu machen.”

Maxim Biller wurde 1960 in Prag geboren, lebt seit 1970 in Deutschland und zog jüngst von München (”eine Stadt von Reichen für Reiche”) nach Berlin (”eine Stadt von Schaulustigen”). Er ist Journalist und Schriftsteller und wurde in den vergangenen Jahren mit etlichen renommierten Preisen für sein Schaffen ausgezeichnet. Biller veröffentlichte seit seinem Debüt-Buch “Die Tempojahre”, das 1991 erschien, zahlreiche Erzählbände und legte 2000 seinen Roman “Die Tochter” vor. Das neueste Projekt Billers ist sein erstes Theaterstück namens “Kühltransport”. (Ensa Maurer)

Titel: Deutschbuch
Autor: Max Biller
Verlag: dtv
Seiten: 335
ISBN: 3423128860

Am Ufer des Flusses

Erstellt am: September 21st, 2007

Am” Ufer des Flusses” steht das Haus, in dem ihre Mütter zur Welt gekommen sind, unehelich und von ihren eigenen Müttern verlassen. Die Söhne fühlen sich wie Cousins, denn ihre Mütter haben sich in ihrer Schicksalsgemeinschaft wie Schwestern verstanden. Am Ufer des Flusses haben die beiden Jungen ihre Kindheit und Jugend in ihren Familien verbracht. Und hier, am Ufer des Flusses sitzen sie sich nun auch im Krankenzimmer des einen gegenüber und überdenken ihrer beider Leben in der Kindheit und Jugend. Es ist ein trauriges Buch, denn keiner von beiden scheint wirklich eine glückliche Erinnerung an die Vergangenheit zu haben.

Sie umkreisen die seltsam armselige Welt ihrer Herkunft sowohl in materieller Hinsicht als auch im Gewahrwerden der lieblosen Ehe ihrer beider Eltern. Wenig Glück und Freude hat es da gegeben. Liebe zwischen den Eltern war nicht erkennbar und die Sexualität, so weit sie davon erfahren haben, wirkte sinnlos und leer. Die Liebe der Mütter wurde über die Söhne ausgeschüttet und der Leser spürt, dass die Söhne Ersatz waren für nicht gelebte Liebe und ein unausgefülltes Leben.

Ihre Männer, die Väter der Jungen, werden als schwache und schmächtige Männer beschrieben, die sich vor ihren Frauen in den Schlaf oder in ein Vereinsleben geflüchtet haben. Sie waren keine Vorbilder und konnten keine Hilfe bieten bei der Orientierung für die heranwachsenden Söhne.

Der eine von den beiden Cousins wurde homosexuell, und nun liegt er tödlich erkrankt in diesem Krankenzimmer. Wir erfahren von einem melancholischen und betrüblichen Bild der Vergangenheit. Die beiden sind in Abschiedsstimmung vom Leben und voneinander. Es ist die Auseinandersetzung mit dem Tod , welche die Freunde noch einmal zusammengeführt hat.

Schön ist der Aufbau der Novelle. Mit einzelnen Erinnerungsfetzen, die sich die jungen Männer erzählen, kann der Leser das Lebensbild der beiden zusammenfügen. Jörg Amann versteht es vorzüglich, dieses Zusammenfügen der Erinnerung mit großer Einfühlsamkeit und poetischer Kraft zu gestalten: in stillen Sätzen, die hier und dort ein Bild aus der Vergangenheit enthalten. Die Beschreibung der Mütter , wie sie jeweils auf den anderen gewirkt haben, löst Assoziationen und Gedankenbilder aus , die nur dezent andeuten, wie es da in der Kindheit ausgesehen hat. Nicht die Dramatik der Vergangenheit beschwert die Geschichte, sondern es bleibt eine gewisse Leichtigkeit im Erzählten gegenwärtig.

Es ist eine schöne Novelle von meisterlicher Tiefe und Anteilnahme daran, wie menschliche Schicksale verlaufen können. (Claudine Borries)

Titel: Am Ufer des Flusses
Autor: Jörg Amann
Verlag: Haymon Verlag
Seiten: 95
ISBN: 3852183502

Ein Haus in Istrien

Erstellt am: September 21st, 2007

Richard Swartz hat mit diesem Roman eine merkwürdig ruhige , aber insistierenden Geschichte vorgetragen. Ein offensichtlich schon etwas älteres Ehepaar befindet sich im Haus der Frau in Istrien. Sie ist die Icherzählerin, die berichtet, was sich dort zwischen ihr, ihrem Mann , den sie permanent ” mein Schatz” nennt, und ihrer Nachbarschaft abspielt. Der Schatz geht eines nachts bei Vollmond über die Mauer auf das Nachbargrundstück , auf dem ein Haus steht, und kommt mit zerschundenen, blutenden Händen zurück, da die Mauer mit Glasscherben gegen Einsteiger gesichert ist. Er zeigt sich besessen von der Idee, das Haus und das Grundstück an sich zu bringen. Nun dreht sich die ganze Geschichte um den Vorgang, wie das zu bewerkstelligen sei. Die Icherzählerin scheint in einer unbestimmten Angst vor den Launen und Stimmungen ihres Mannes zu leben.

Im weiteren Gang der Dinge erlebt man die Stille und Abgeschiedenheit des Dorfes, Besuche zur Ergründung von Besitzverhältnissen und Kaufmöglichkeiten für das Haus. Der Mann der Icherzählerin ist als Fremder in diese Gegend gekommen, während sie selbst aus diesem Dorf stammt und auch ein kleines Häuschen von ihren Eltern geerbt hat. Die Dazugehörigkeit von ihr, und die Fremdheit von ihm gibt dem Buch eine zusätzliche Spannung.

Wetterbedingte Stimmungen, Hitze und Regen werden beschrieben. Es ist eine ferne Welt , in der dieses merkwürdige Paar lebt. Eine gewisse Stille ist spürbar und gleichzeitig die Spannung der Frau, was ihr Mann als nächstes wieder ausheckt, und ob er womöglich die Nachbarn , denen er mit Ressentiments begegnet, wieder beleidigen wird.

Die subtile Art, mit der die Charaktere beschrieben werden , macht den Reiz des Buches aus. Nichts scheint alltäglich und gleichzeitig ist doch alles alltäglich. Die Nachbarn werden in den immer gleichen Abläufen geschildert. Endlose Gespräche oder Selbstgespräche über die Gesundheit oder die Lebensbetrachtungen einzelner Protagonisten begleiten Besuchsereignisse, bei denen man eigentlich über das “Haus” sprechen möchte. Die langen Monologe einsamer Sonderlinge entbehren zuweilen nicht einer gewissen Komik.

Insgesamt wirkt die Erzählung sehr überzeugend. Man meint die Spannung zu spüren, die Stille, die Hitze, die aufkommenden Stürme und Gewitter, das Knistern in der Luft. Es scheinen vorwiegend alte Menschen zu sein, denen wir begegnen. Nirgendwo ist jugendliche Frische, Lebendigkeit oder gar Fröhlichkeit zu bemerken.

Die Sätze laufen im Gleichmaß dahin. Direkte Rede gibt es nicht. Es ist die Frau, die ihre Erlebnisse in einer Art Gedankenfluss in sich trägt oder wiedergibt.

Richard Swartz versteht es meisterhaft, das Leben im Grenzgebiet zwischen Italien und Istrien zu skizzieren . Ein wenig kafkaesk muten die Begebenheiten an.

Das eigentümliche Ende der Geschichte bietet mancherlei Anlass zu Spekulationen. (Claudine Borries)

Titel: Ein Haus in Istrien
Autor: Richard Swartz
Verlag: Hanser
Seiten: 178
ISBN: 3446199799

Jim Glass

Erstellt am: September 21st, 2007

In einem schönen, malerischen Stil beschreibt Tony Earley eine heitere, freundliche Welt in Norden Carolinas etwa um 1930.

Jim wächst nach dem frühen Tod seines Vaters bei seiner Mutter und ihren drei unverheirateten Brüdern in einem kleinen Nest in der amerikanischen Provinz auf. Er ist ein aufgeweckter, behüteter und von den humorigen Onkeln mit liebevoller Hand geführter kleiner Junge von zehn Jahren. Man führt ein ruhiges und beschauliches Leben zu jener Zeit dort.

Sonnenauf- und Untergänge, die Feldarbeit, die Farbenpracht und Gerüche von Frühjahr , Herbst und Winter werden für den Leser sichtbar und spürbar .

Die kleinen Ereignisse wie Geburtstage, ein Besuch, das Geschenk eines Baseballhandschuhs oder eine unerwartete Geburtstagstorte machen alleine das Leben abwechslungsreich. Die Erwartungen sind ganz bescheiden und vielleicht darum gerade so glückbringend.

Jim betrachtet die Welt und die Erklärungen der Erwachsenen andächtig und aufmerksam. Er interessiert sich sehr dafür, was ihm von seinem Vater oder seinem zurückgezogen lebenden Großvater erzählt wird. Er hat Freunde, tobt herum, macht auch gelegentlich Dummheiten. Aber insgesamt ist er ein normaler und guter kleiner Junge.

Der Zug, der gelegentlich anhält, und die kleinen Anekdoten über Geschehnisse in Gegenwart und Vergangenheit, das sind die einzigen Höhepunkte dieses im Gleichmaß dahingehenden Lebens. Ein Ausflug in die ferner gelegene Provinzhauptstadt, eine Fahrt ans Meer, das sind die größeren Ereignisse.

Für den Leser werden beim Lesen eigene Glücksmomente der fernen Kindheit wieder lebendig, als die Neugierde und die Erwartung auf jeden Tag noch das Leben bestimmten. Insofern rührt Tony Earley an das Herz des Lesers.

Es ist ein schönes, beschauliches und ruhiges Buch, was uns dieser begabte Geschichtenerzähler mit diesem Buch vorgelegt hat. (Claudine Borries)

Wo die Nachtigall singt

Erstellt am: September 21st, 2007

Ein betagter Einödhof, irgendwo in unserem Lande, auf dem sich der ganz normale tägliche Horror ereignet: Wildschweine besetzen das Haus der Bewohner, der Zentralverband des Deutschen Mäusewesens plant eine feindliche Übernahme, in der Scheune hockt ein Alien, im Keller tut sich ein Labyrinth auf, blutsaugende Monsterschnecken fallen über die Hofherrin her, und der Hofherr wird vor der eigenen Haustür von Nebelschwaden sexuell belästigt.
Eine stattliche Vogelhecke spielt eine der Hauptrollen, sie umschließt den Schauplatz der Ereignisse, dieses betagten Einödhofes, als grüner, lebender Wall.

Es gibt exakte Beobachtungen kleiner Naturszenen, die mit so sensiblem Sprachgefühl beschrieben sind, dass sie ganz frisch und neu wirken, und oft unversehens in eine magisch belebte Phantasie und Zauberwelt entführen. Meist wird allerdings der liebevolle Blick auf die nur scheinbar unberührte und harmonische Einödwelt, ihre Tiere und Menschen, ironisch gebrochen.

Auch die weniger angenehmen Aspekte des Landlebens kommen zur Sprache.
Der Gülle-, der Plastik-, der Tiefflugterror, das Sträflingslos der Hochleistungskühe, der Tod der Kitze im Kreiselmäher, der Ordnungswahn der Landschaftspfleger. Poetisches wechselt mit Phantastischem, Heiteres mit Traurigem, Satirisches mit Sarkastischem.

Statt nostalgischer Nachtigallen-Romantik, wie man sie aufgrund des Titels erwarten könnte, enthält das Buch eine Fülle äußerst vielfältiger kurzer Geschichten und Impressionen.
Emil Deibels Geschichten rufen in Erinnerung, wie von der Informationsgesellschaft unbemerkt, jene Welt dahinschwindet, ohne deren Erlebnis der Mensch nicht Mensch sein kann. Geht sie verloren, geht ein Teil von uns mit ihr.

Wer ahnt schon, dass sich hinter dem Titel ein witzig, derbes und manchmal erotisches Landleben verbirgt. Ein schönes Buch für die Mußestunden.

Anstelle eines Autorenhonorars kommen für jedes verkaufte Exemplar des Buches vier DM der heimischen Vogelwelt zugute. (Silvia Dunker)

Titel: Wo die Nachtigall singt
Autor: Emil Deibel
Verlag: Schönblick Verlag
Seiten: 228
ISBN: 3935026005

Die Unwissenheit

Erstellt am: September 21st, 2007

In diesem mit Leichtigkeit geschriebenen Roman hat Kundera die “Unwissenheit” zu seinem Thema gemacht.

Die Protagonisten der Erzählung , Irena und Josef, haben anfänglich nichts miteinander zu tun.

Nach der russischen Besetzung 1969 ist Irena mit ihrem Mann von Prag nach Paris emigriert, und Josef hat es nach Skandinavien verschlagen.1989 kommen beide unabhängig voneinander zurück, um sich auf Spurensuche zu begeben. Irena muss erleben, dass niemand von denen, die zu Hause geblieben sind, sich wirklich für ihr Leben in den vergangenen zwanzig Jahren interessiert. Man hört dem, der fortgezogen ist , nicht zu. Nur durch Zuhören könnten die Zurückgebliebenen etwas vom Leben in der Fremde erfahren. Keiner will es wissen. So bleibt ihr vergangenes Leben für die Freunde in der Heimat durch Unwissenheit verhüllt. Verpackt in die Lebensgeschichte von Irena und Josef ersteht vor dem Auge des Lesers eine philosophische Weltbetrachtung, die voller Erkenntnisse und Lebensweisheiten ist. Aus den Erfahrungen der beiden Hauptfiguren ersinnt der Autor Spielregeln des Lebens , die der Leser in seinem eigenen Leben wiederfinden könnte. Die Unwissenheit ist es ,mit der wir im Leben manches tun, erfahren und erleben . Ob in der Liebe, in den Beziehungen von Kindheit an, ob im Beruf , auf der Flucht oder in der Heimat ,– es ist die Unwissenheit, die uns für vieles blind und unempfindlich macht.

Da es um Emigration und Heimkehr geht, wird Odysseus als Symbolfigur für die beiden extremen Lebenssituationen angeführt. Seine Reisen ins Abenteuer als Ausdruck der Suche nach dem Unbekannten, und seine Heimkehr ” als Versöhnung mit der Endlichkeit des Lebens” werden in einer schönen und poetischen Sprache beschrieben.

Irene hat nichts von dem Glück des Odysseus erlebt. Sie musste sich schwer durchkämpfen. Männer als Helfer in der Not, –so hat sie die Liebe erfahren.Als Retter vor der erdrückenden Mutter half die Heirat mit dem ersten Mann; aus wirtschaftlicher Not nach dem Tod des ersten bedurfte sie des zweiten Mannes. Die Liebe hat sie nicht gefunden.

Josef findet bei der Heimkehr das gleiche brüchige Verhältnis zum Bruder und zur Schwägerin wieder, wie er es in Erinnerung hatte. Im Gegensatz zu Irena hat er sein Glück mit einer geliebten Frau in Dänemark gefunden, die jedoch verstorben ist. Das Glück mit ihr ist ihm allgegenwärtig durch das Haus, das ihm Heimat geworden ist, und in dem er seine Frau weiter bei sich wähnt.

Zufälle führten Irena und Josef einst zusammen. Sie erinnerte sich seiner bei einer neuerlichen Begegnung sehr genau, er aber hatte sie vergessen.Es kommt zu einer kurzen Affäre. Er erkennt sie nicht, während sie Erwartungen hat, die sich nicht erfüllen werden.

In melancholischen , flüchtigen Szenen erfahren wir in diesem Buch, wie unterschiedlich Glück und Leid verteilt sind. Es bleibt der Eindruck , dass hier ein weises und lebensreifes Werk entstanden ist. Ich empfehle das Buch sehr! (Claudine Borries)

Titel: Die Unwissenheit
Autor: Milan Kundera
Verlag: Hanser Verlag
Seiten: 179
ISBN: 3446199772

Das Kassandramal

Erstellt am: September 21st, 2007

Nichts ist ärgerlicher, als von einem Autor, den man einmal hoch geschätzt hat, einen total missratenen Roman zu lesen.

Der aus Kirgisien stammende Schriftsteller Dschingis Aitmatov hat mir mit Büchern wie “Dshamilja” oder “Abschied von Gülsary” viel Freude bereitet. Um so enttäuschter war ich, als ich sein letztes Werk “das Kassandramal” las.

Es sind schon einige Jahre vergangen, seitdem ich mich durch den Roman gequält habe und ich kann mich nicht mehr an alle Einzelheiten erinnern; daher bitte ich die Besucher meiner Homepage um Verzeihung, wenn die Inhaltsangabe Lücken aufweist und möglicherweise sogar an einigen Stellen fehlerhaft ist, aber ich möchte es mir wirklich nicht antun, den Roman noch einmal zu lesen, nur um andere Leute vor dem Kauf dieses Buches zu warnen.

Die Menschen auf der Erde sind in Sorge, denn auf der Stirn von immer mehr schwangeren Frauen erscheint ein Zeichen. Es ist das Signal ihrer ungeborenen Kinder, die lieber nicht in eine Welt hinein geboren werden möchten, in der Umweltverschmutzung und Zerstörung herrschen.

Auch der kosmische Mönch Filofej, der in einem Raumschiff die Erde umkreist, versucht die Menschen zu warnen und zur Umkehr zu bewegen.

Doch die Rufe der Mahner kommen Politikern und Wirtschaftsbossen äußerst ungelegen, zumal gerade die heiße Phase im amerikanischen Präsidentschaftskampf angebrochen ist.

Mit allen Mitteln versuchen Bonzen und Bosse, die Sorgen der Menschheit zu zerstreuen und alle Hinweise auf die große Gefahr, in der sich der Planet befindet, herunterzuspielen. Sie haben die Macht und so bringen sie alle Stimmen der Vernunft schließlich zum Verstummen.

Weder Stil noch Inhalt des Romans mochten mich an irgend einer Stelle zu überzeugen oder zu fesseln. Das Buch trieft vor Betroffenheit und ist mit seiner politisch so überaus korrekten Botschaft von einer geradezu unerträglichen Penetranz, es gibt kaum eine Seite wo nicht der mahnend erhobene Zeigefinger aufragt. Humor ist auf ganzer Linie Fehlanzeige, nicht eine Seite, ja nicht einmal ein winziger Satz war dazu angetan, mich zum Schmunzeln zu bewegen. Nun ja, Humor und Ironie sind ohnehin nicht unbedingt Atimatovs Stärken; aber in einigen seiner anderen Werke brilliert er mit wunderbar poetischen Bildern mit einer starken und ausdrucksvollen Sprache, doch in dem hier besprochenen Roman lässt Aitmatov leider diese positiven Seiten total vermissen — einfach grauenvoll!!!

Es war ein verregnetes Wochenende und ich hatte keine andere Lektüre zur Hand, nur aus diesem Grunde habe ich das etwa vierhundert Seiten starke Buch tatsächlich bis zum bitteren Ende durchgelesen.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von Evas Leseland

Titel: Das Kassandramal
Autor: Tschingis Aitmatow
Verlag: Unionsverlag
Seiten: 439
ISBN: 3293201024

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