Im Schatten der Lombardis

Erstellt am: Januar 3rd, 2016

Finanzkrisen, die die Welt erschüttern, gibt es schon seit vielen Jahrzehnte. Erst im Jahr 2007 kam es zu einer Finanzkrise, in deren Folge es zu einer Weltwirtschaftskrise kam. Begonnen hatte alles im Sommer 2007, wobei es sich zu diesem Zeitpunkt noch um eine US-Immobilienkrise handelte. Damals war der Immobilienmarkt spekulativ aufgebläht. Als fester Termin für den Beginn der Krise gilt der 9. August 2007. Die Interbankfinanzkredite stiegen an diesem Tag sprunghaft an. Infolge dessen kann es auch zu Finanzkrisen bei Banken kommen. In einer solchen Situation steckt nun das Bankhaus Lombardi, das sich einer fast unerfüllbaren Forderung gegenüber sieht. weiterlesen… »

Erstellt am: Juni 18th, 2012

Polyglott on tour: Kuba – Reiseführer

Erstellt am: Januar 12th, 2010

Kuba ist eine der größten und eine der faszinierendsten Inseln der Karibik, welche vor allem durch die sozialistische Politik eine Sonderstellung einnimmt. Das Land Kuba zieht jährlich unzählige Touristen aus aller Welt an, denn es gilt als eines der schönsten Urlaubsparadiese der Karibik.
 
Viele Kuba-Reisende schwärmen vom Flair der besonderen Stimmungen zwischen Musik, Tanz und Alltagsrhythmus. Die Freundlichkeit, Offenheit und der Stolz der Kubaner verzaubern Besucher der Insel. Allerdings geht es vielen Menschen in Kuba nicht so gut, wie es auf den ersten Blick scheinen mag, denn das Land wird noch immer sozialistisch regiert und die Menschen sind teilweise in ihrer Freiheit stark eingeschränkt. So wird beispielsweise die Presse streng kontrolliert und es ist auch nicht gestattet, sich zu sehr mit den Touristen anzufreunden oder ähnliches.
 
Der neue Reiseführer von Verlag Polyglott über Kuba präsentiert sich optisch und vom inhaltlichen Aufbau ähnlich wie die Marco-Polo Reiseführer.
 
Zum Einstieg gibt es eine Reiseplanung (in blau), die einen Überblick über die Reiseregion und die schönsten Touren vorstellt. Weitere Stichworte dieses Kapitels: Klima und Reisezeit, Anreise und Reisen im Land, Sport und Aktivitäten sowie Unterkunft. Im zweiten Teil „Land & Leute“ (in grün) erfährt man Wissenswertes vom Steckbrief über Geschichte, Natur und Kultur bis zu Festen und Veranstaltungen. An den ausführlichen Reiseteil „Unterwegs auf Kuba“ (in rot) schließen sich Infos von A-Z an. Extras wie die Top 12, Special-Themen und „Echt gut! -Listen“ sorgen dafür, dass man keine Highlights verpasst. Das Spezialkapitel Reisen mit Kindern hält Tipps und Ratschläge bereit, wie der Urlaub für die ganze Familie zum Genuss werden kann
 
Fazit: Der Polyglott-Reiseführer vermittelt gute Einblicke in die Kultur und Geschichte der Region. Zudem gibt es sorgfältig ausgewählte und von Reiseprofis geprüfte Adressen von Hotels, Restaurants sowie originelle Läden. Dabei kommen natürlich interessante Urlaubsaktivitäten und die schönsten Familienziele nicht zu kurz. Eine „flipmap“ mit Landkarte und Stadtplan rundet den Reiseführer gut ab. So ist man mit den handlichen knapp 150 Seiten starken Buch für einen Kuba Aufenthalt gut gerüstet. (Bernd Hellweg)

Dietmar Dath – Sie schläft

Erstellt am: Dezember 2nd, 2009

Der Kultur widmet sich die phantastische Geschichte „Sie schläft“, die von Dietmar Dath geschrieben wurde. Insbesondere widmet sich der Autor dabei der Kunst, indem er über diese unter anderem philosophiert.

Die Hauptdarsteller dieser ein wenig träumerischen Geschichte sind Georg Langeowski und Ramji Iwein, die beide sie kennzeichnende Eigenschaften haben. Während Georg unter anderem Weise ist, schwärmt Ramji unter anderem gern. Ihre Eigenschaften treten immer wieder hervor, während sie sich als Organisatoren eines Internetprojekts versuchen wollen. Dabei begegnen sie etwas, was eigentlich immer nur schläft – nämlich der Macht mit der nur eines regiert wird und das ist das Universum.

Ramji Iwein erzählt die Geschichte und geht zunächst auf die schlafende Schönheit ein. Im Anschluss erzählt er von seiner Geschichte, beginnend im Kindergarten, wo er schon mit seinem Namen auffiel. Als Ramji den einen oder anderen Ausflug ins Kulturleben macht, bleibt natürlich auch das Betrachten aktueller Geschehnisse nicht aus. So werden natürlich auch die vielen verschiedenen Tipps berücksichtigt, die bei einem Internetauftritt oft Berücksichtigung finden. Und dann geht Ramji auf die Akzente ein, die die Kultur und hierbei insbesondere die Kunst setzen kann.

Als Autor, Journalist und Übersetzer ist Dietmar Dath seit einigen Jahren aktiv. So zeichnet er sich für literarische und journalistische Beiträge verantwortlich, die seit dem Jahr 1990 in Zeitungen und Zeitschriften zu finden sind. Während seiner bisherigen Arbeit übersetzte er außerdem Werke aus dem Englischen ins Deutsche. Viele Jahre war er zudem als Journalist und Feuilleton-Redakteur tätig.

Die Geschichte macht aus vielerlei Hinsicht Spaß. Allerdings bekam das Lesen bei mir manchmal einen Dämpfer, da in einem Satz sich manchmal fünf oder sechs Nebensätze versteckten. Daher ist die Geschichte für mich etwas schwer zu beurteilen. Doch diese Betrachtung der Kunst ist doch mal einen Ausflug wert. Es bleibt zumal der eine oder andere amüsante Seitenhieb nicht aus, wie zum Beispiel ein Ausflug zur „Besenkammer“. (Marina Teuscher)

Game Generations

Erstellt am: September 8th, 2008

Magdans, Frank Game Generations
Spieleentwickler und Szenekenner erzählen, wie Computer- und Videospiele unsere Freunde wurden

Sie machen Spaß, sie machen an, sie machen aber auch schwer süchtig und spalten gesamte Generationen: Games: Vor rund 4 Jahrzehnten wurde  das allererste Patent für eine Videospielkonsole angemeldet. Es war Ralph Baers Brown Box, der Prototyp der späteren Odyssey. Wer hätte erahnen können, welch gigantischer Industriezweig daraus einmal entstehen würde? Dem nachzuspüren, was seither Rudimentäres geschehen ist, das hat sich Autor Frank Magdans zum Ziel gesetzt. Zu diesem Zweck hat der Journalist, der wie viele seiner Generation mit dem Atari VCS und dem C64 seine Jugend verbrachte, über 40 Entwickler interviewt, z.B. den Atari-Gründer Nolan Bushnell. Daneben hat er Al Alcorn, den Erbauer des „Pong“-Automaten und langjährigen Atari-Mitarbeiter, getroffen.

Zu den weiteren aufschlussreichen Gesprächspartnern gehören David Crane, Don L. Daglow, Richard Garriott, Ron Gilbert, Keiji Inafune, Jane Jensen, Al Lowe, Brian Moriarty, Wilfried Reiter, Brian Sullivan und viele mehr. Daneben wirft der Autor einen Blick auf die Retro- und die Independent-Szene und ordnet ausgewählte Werke in den historischen Kontext ein. Ein Blick auf die Entwicklung des Edutainment-Markts gehört ebenfalls dazu. Außerdem gibt es ein Interview mit Lara Croft. Das Schöne an diesem wichtigen werk, es ist für Freaks wie auch laien sowohl textlich als auch von der Bildstruktur sehr lesbar gestaltet. Man kann es nicht mehr aus der Hand legen, es liest sich wie ein krimi, und verteidigt irgendwie auch das stark und wegen seiner ballerspiele zu recht  in Verruf geratenen Genre Game,. Dabei gibt es so herrliche Animationen, man denke nur an die Fantasy und und Entdecker-Games. Sinnvoll konzipiert,  sinnvoll gespielt, nicht 24 stunden am Stück, nicht gewaltanimierend sind Games an sich eine faszinierende, nicht mehr aus dem täglichen Freizeit-Leben wegzudenkende CGI-Welt, die stündlich Neues, Schönes und Schreckliches gebiert.

Das beweist die Die GCI-Games Convention, Messe für Computerspiele, interaktive Unterhaltung, Infotainment, Hardware und Entertainment, die vom 21. bis 24. August 2008 wieder ihre Wellen in Leipzig und findet traditionell in allen fünf Hallen des Messegeländes schlug und Millionen interessierte in ihren sirenengleichen Bann zog: Wer einmal aus dem bombigen Bildschirm-Blechnapf frißt… (Jean Lüdeke)

Magdans, Frank: Game Generations
256 Seiten
Schüren Verlag
über 300 Abb. Game Generations
ISBN: 978-3-89472-539-6
19.90 €

ASP-Programmierung mit ADO

Erstellt am: März 14th, 2008

Um dynamische Webseiten zu erstellen, benötigt man Scriptsprachen, beispielsweise ASP oder PHP. Oftmals stehen die Webseiten dann in Verbindung mit Datenbanken. Microsofts Active Server Pages (ASP) sind eine der am weitesten verbreiteten Technologien.

Um schnelle Datenbankabfragen zu gewährleisten, wird in diesem Zusammenhang auf ADO, den ActiveX Data Objects, zugegriffen. Allein diesem Thema widmet Jörg Kraus sein Buch „ASP-Programmierung mit ADO“. Auf knapp 500 Seiten erklärt Krause, die Struktur, die Syntax und den Datenzugriff mittels ADO. Anhand zahlreicher Beispiele wird der Leser in die Kunst der ASP-Programmierung eingewiesen.

Krause startet mit einem allgemeinen Ausblick auf das Buch, erläutert die Zielgruppe, sowie Struktur, Schreibweise und wichtige Symbole. Dann geht es ins Eingemachte. Die Grundlagen der ActiveX Data Object in der Version 2.6 werden unter die Lupe genommen. Krause spricht über den allgemeinen Aufbau. Dazu zählen Connection, RecordSet, Command, Field und Error. Aber auch die unterschiedlichen ADO-Objekte und Konstanten werden dargestellt. Ein eigenes Kapitel beschäftigt sich mit dem Aufbau von Datenverbindungen. ODBC, OLEDB oder Dateizugriffe sind schnell erstellt, zumindest nach diesen Anleitungen.

Von den Grundlagen geht es zum Detailwissen. „ADO 2.6 im Detail“ beschäftigt sich ausführlich mit Datenverbindungen, RecordSets, Eigenschaften und Fehlermeldungen. Jede Funktion (Connection, RecordSet, Record, Command, Field, Property, Stream, Error) enthält eine Einführung, eine Übersicht der Methoden, Eigenschaften und Kollektionen, sowie tiefergehende Erläuterungen. Beispiele in Form von Quelltext tragen dabei stark zum Verständnis bei. Weiterhin werden spezielle Techniken, wie „Data Shaping“ oder „Datenbankzeiger“, aber auch „XML“ beschrieben. Parallel zu ADO 2.6 handelt Krause noch ADOX (ADO Extensions für DDL and Security) und ADO MD (ADO Multidimensional Data) ab.

Der zweite Teil des Buches beschäftigt sich eingehend mit „ADO.NET“, der Weiterentwicklung von ADO. ADO.NET ist insbesondere auf Datenübertragung per XML ausgelegt. Auch hier findet der Leser eine Einleitung vor, eine Übersicht der Grundlagen und „ADO.NET im Detail“. Zum Abschluss des Buches gibt es eine Komplettreferenz von ADO 2.6.

Wie gewohnt, von Jörg Krause, erhält man mit „ASP-Programmierung mit ADO“ ein exzellentes Fachbuch. Das Buch kann zugleich als Nachschlagewerk, als auch zum Einstieg in die ASP-Programmierung dienen.

Titel: ASP-Programmierung mit ADO
Autor: Jörg Krause
Verlag: Addison-Wesley
Seiten: 490
ISBN: 3827316553

Falltür ins Paradies

Erstellt am: September 21st, 2007

Von „Blood Simple“ über „Fargo“ und „The Big Lebowski“ bis zu ihrem neuesten Werk „O Brother, where art thou?“ lieferte Ethan Coen die Drehbücher zu jenen Werken, die ihm mitsamt seinem Bruder Joel einen Platz weit oben im Film-Olymp einbrachten.

Bei ihren filmischen Werken übernahm Joel Coen immer die Regie-Arbeit, während sich Ethan um Produktion und Drehbuch kümmerte. Die überbordende Kreativität von Ethan Coen hat jetzt dazu geführt, dass mit „Falltür ins Paradies“ eine Story-Sammlung vorliegt, in der man ein Wiedersehen mit den skurrilen Charakteren feiern kann, die ihre Filme schon seit langem bevölkern.

Dabei bewahrte sich der Autor nicht nur sein Gespür für skurrile und abstruse Charaktere und Situationen, sondern garnierte die Stories mit seinem gewohnt abgründigen Tiefsinn, der auch die Filme der Coen-Brüder zu cineastischen und intellektuellen Höhepunkten macht.

Natürlich kommt auch der schwarze Humor und die grausame Ironie, der schon Werke wie „Fargo“ auszeichnete, auf keinen Fall zu kurz, bestes Beispiel dafür dürfte die titelgebende Story „Falltür ins Paradies“ sein, in deren Handlung sich Bienen, Drogen, eine nackte Frau und eindeutige Fotos in einen Strudel verwandeln, der den Eichmeister Joe Gendreau immer tiefer zieht.

Dabei ist fast allen Geschichten ein gemeinsames Ziel nicht abzusprechen: Sie zeigen Menschen, die nicht ganz verstehen können, was das Schicksal ihnen alles in den Weg stellt und die nur die Sehnsucht nach ein wenig Würde und Glück antreibt. Dabei balanciert der Autor in seinen Filmen wie auch in seinen Stories auf dem schmalen Grat zwischen Spott und Anteilnahme, kommt dabei allerdings ab und an ins Stolpern und gibt seine Protagonisten dem Spott preis. Inwieweit der Spott absichtlich oder unabsichtlich ist, lässt sich nur sehr schwer feststellen, denn nur die Unsicherheit ist bei den Werken der Coen-Brüder sicher.

Dieses Motiv ist auch in ihren Filmen stets omnipräsent, doch wären die Coen-Brüder nicht Meister ihres Fachs, wenn sie aus diesem relativ einfachen Motiven nicht wahre Feuerwerke an surrealen Bildern zaubern würden, die von Ethan Coen mit seinem literarischen Erstlingswerk fortgesetzt und zum Teil auf die Spitze getrieben werden.

Ethan Coen gelingt es auf vortreffliche Weise, seine Beobachtungen aufs Papier zu bringen und zieht den Leser in eine Welt, in der vom Glück verlassene Privatdetektive jede Nacht vom Papst träumen, nachdem ihm ein Gangster ein Ohr abgebissen wurde und er daraufhin vor Schreck sein Gehör verliert.

Oder in der wir teilhaben dürfen an der Geschichte des Mannes, der Phil Shapiro tötete und dafür sorgte, dass sein Gehirn wie Tschulent durch die Luft spritzte. Wer wissen möchte, was Tschulent ist, findet vielleicht in „Falltür zum Paradies“ eine Antwort…

Für Fans der Coen-Brüder und Liebhaber von surrealen, abstrusen und humorvollen Geschichten dürfte ein Tritt auf die „Falltür ins Paradies“ auf jeden Fall ein literarischer Genuss sein. (Tino Hahn)

Titel: Falltür ins Paradies
Autor: Ethan Coen
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 253
ISBN: 3442449871

Deutschbuch

Erstellt am: September 21st, 2007

‚Dieses Buch‘, erklärt Maxim Biller im Vorwort, ‚ist wie jedes andere. Es handelt davon, wie sein Autor die Welt sieht, ob sie ihm gefällt, wie sie ist, oder ob er sie ändern möchte.‘ Weiterhin gibt er zu: ‚Ich schreibe gern über Deutschland und die Deutschen. … Wenn mir zu Deutschland nichts mehr einfällt, ist es endlich so, wie ich es haben will. Dass ich nicht der einzige bin, der sich darüber freuen würde, das will ich hoffen.‘

Am Pfingstmontag präsentierte Maxim Biller seine seit 1992 entstandene Kolumnensammlung „Deutschbuch“ vor vollbesetzten Rängen in der Berliner Schaubühne. Mit den zehn von ihm ausgewählten Geschichten unterstrich er sein breites Spektrum auseinandersetzungswerter deutscher Themen:
Los ging’s mit dem Kapitel „Harald Schmidt: Gründlicher als Gründgens“: ‚Gestern habe ich im Fernsehen ein Stück Scheiße gesehen. Es war hellbraun und schon so eingetrocknet, daß es kaum noch stank. Der Mann, auf dessen Moderatorentisch es lag …‘. Dem folgte „Heiliger Holocaust“: ‚Komische, undurchschaubare Deutsche: Zuerst bringen sie unter Aufwendung ihres ganzen Talents fast alle Juden um – und dann tut es ihnen auch noch leid. …‘.

In „Das Biller-Prinzip“ verriet er, gern über Israel zu reden und sich bei sportlichen Ereignissen stets auf die Seite des Stärkeren zu schlagen, und in der Kolumne „Roger Willemsen: Brillemsen“ knöpfte er sich den ‚Fernsehstar aller Fernsehhasser, ein aufrechter Privatgelehrter, der in der Brandung des Banalen steht.‘ vor. Selbiges Schicksal ereilte später noch Ulrike Meinhof und Joschka Fischer.

Das Finale der einstündigen Lesung markierte Billers „Kleine Autobiographie“.

„Deutschbuch“ ist gleichermaßen Maxim Billers selbstkritische/-ironische Retrospektive auf die eigene Vita wie eine skurrile Liebeserklärung an seine, ihn sprachlich geiselnde Heimat. „Vom 20. bis 30. Lebensjahr“, gesteht der Autor im anschließenden Bühnengespräch mit Giovanni di Lorenzo – Chefredakteur des Berliner „Tagesspiegel“ und „3 nach 9“-Talkmoderator in Personalunion und ebenfalls als Kind nach Deutschland eingewandert -, „habe ich versucht, raus zu finden, was es bedeutet, jüdisch zu sein.“ Dem schloss sich eine Dekade an, in der Biller das Geheimnis des Deutsch-seins erkundete. „Unsicherheit“, so seine Erkenntnis, „ist der Kern des hiesigen Nationalcharakters.“ Befragt, was er sich von seinen teutonischen Mitmenschen wünschen würde, antwortete Biller nach einem augenzwinkernden Exkurs ins Reich der Utopie („eigentlich will ich, dass die Leute so werden, wie ich sie haben will“): „Ich hoffe, es gelingt den Deutschen, sich endlich mal locker zu machen.“

Maxim Biller wurde 1960 in Prag geboren, lebt seit 1970 in Deutschland und zog jüngst von München („eine Stadt von Reichen für Reiche“) nach Berlin („eine Stadt von Schaulustigen“). Er ist Journalist und Schriftsteller und wurde in den vergangenen Jahren mit etlichen renommierten Preisen für sein Schaffen ausgezeichnet. Biller veröffentlichte seit seinem Debüt-Buch „Die Tempojahre“, das 1991 erschien, zahlreiche Erzählbände und legte 2000 seinen Roman „Die Tochter“ vor. Das neueste Projekt Billers ist sein erstes Theaterstück namens „Kühltransport“. (Ensa Maurer)

Titel: Deutschbuch
Autor: Max Biller
Verlag: dtv
Seiten: 335
ISBN: 3423128860

Am Ufer des Flusses

Erstellt am: September 21st, 2007

Am“ Ufer des Flusses“ steht das Haus, in dem ihre Mütter zur Welt gekommen sind, unehelich und von ihren eigenen Müttern verlassen. Die Söhne fühlen sich wie Cousins, denn ihre Mütter haben sich in ihrer Schicksalsgemeinschaft wie Schwestern verstanden. Am Ufer des Flusses haben die beiden Jungen ihre Kindheit und Jugend in ihren Familien verbracht. Und hier, am Ufer des Flusses sitzen sie sich nun auch im Krankenzimmer des einen gegenüber und überdenken ihrer beider Leben in der Kindheit und Jugend. Es ist ein trauriges Buch, denn keiner von beiden scheint wirklich eine glückliche Erinnerung an die Vergangenheit zu haben.

Sie umkreisen die seltsam armselige Welt ihrer Herkunft sowohl in materieller Hinsicht als auch im Gewahrwerden der lieblosen Ehe ihrer beider Eltern. Wenig Glück und Freude hat es da gegeben. Liebe zwischen den Eltern war nicht erkennbar und die Sexualität, so weit sie davon erfahren haben, wirkte sinnlos und leer. Die Liebe der Mütter wurde über die Söhne ausgeschüttet und der Leser spürt, dass die Söhne Ersatz waren für nicht gelebte Liebe und ein unausgefülltes Leben.

Ihre Männer, die Väter der Jungen, werden als schwache und schmächtige Männer beschrieben, die sich vor ihren Frauen in den Schlaf oder in ein Vereinsleben geflüchtet haben. Sie waren keine Vorbilder und konnten keine Hilfe bieten bei der Orientierung für die heranwachsenden Söhne.

Der eine von den beiden Cousins wurde homosexuell, und nun liegt er tödlich erkrankt in diesem Krankenzimmer. Wir erfahren von einem melancholischen und betrüblichen Bild der Vergangenheit. Die beiden sind in Abschiedsstimmung vom Leben und voneinander. Es ist die Auseinandersetzung mit dem Tod , welche die Freunde noch einmal zusammengeführt hat.

Schön ist der Aufbau der Novelle. Mit einzelnen Erinnerungsfetzen, die sich die jungen Männer erzählen, kann der Leser das Lebensbild der beiden zusammenfügen. Jörg Amann versteht es vorzüglich, dieses Zusammenfügen der Erinnerung mit großer Einfühlsamkeit und poetischer Kraft zu gestalten: in stillen Sätzen, die hier und dort ein Bild aus der Vergangenheit enthalten. Die Beschreibung der Mütter , wie sie jeweils auf den anderen gewirkt haben, löst Assoziationen und Gedankenbilder aus , die nur dezent andeuten, wie es da in der Kindheit ausgesehen hat. Nicht die Dramatik der Vergangenheit beschwert die Geschichte, sondern es bleibt eine gewisse Leichtigkeit im Erzählten gegenwärtig.

Es ist eine schöne Novelle von meisterlicher Tiefe und Anteilnahme daran, wie menschliche Schicksale verlaufen können. (Claudine Borries)

Titel: Am Ufer des Flusses
Autor: Jörg Amann
Verlag: Haymon Verlag
Seiten: 95
ISBN: 3852183502

Ein Haus in Istrien

Erstellt am: September 21st, 2007

Richard Swartz hat mit diesem Roman eine merkwürdig ruhige , aber insistierenden Geschichte vorgetragen. Ein offensichtlich schon etwas älteres Ehepaar befindet sich im Haus der Frau in Istrien. Sie ist die Icherzählerin, die berichtet, was sich dort zwischen ihr, ihrem Mann , den sie permanent “ mein Schatz“ nennt, und ihrer Nachbarschaft abspielt. Der Schatz geht eines nachts bei Vollmond über die Mauer auf das Nachbargrundstück , auf dem ein Haus steht, und kommt mit zerschundenen, blutenden Händen zurück, da die Mauer mit Glasscherben gegen Einsteiger gesichert ist. Er zeigt sich besessen von der Idee, das Haus und das Grundstück an sich zu bringen. Nun dreht sich die ganze Geschichte um den Vorgang, wie das zu bewerkstelligen sei. Die Icherzählerin scheint in einer unbestimmten Angst vor den Launen und Stimmungen ihres Mannes zu leben.

Im weiteren Gang der Dinge erlebt man die Stille und Abgeschiedenheit des Dorfes, Besuche zur Ergründung von Besitzverhältnissen und Kaufmöglichkeiten für das Haus. Der Mann der Icherzählerin ist als Fremder in diese Gegend gekommen, während sie selbst aus diesem Dorf stammt und auch ein kleines Häuschen von ihren Eltern geerbt hat. Die Dazugehörigkeit von ihr, und die Fremdheit von ihm gibt dem Buch eine zusätzliche Spannung.

Wetterbedingte Stimmungen, Hitze und Regen werden beschrieben. Es ist eine ferne Welt , in der dieses merkwürdige Paar lebt. Eine gewisse Stille ist spürbar und gleichzeitig die Spannung der Frau, was ihr Mann als nächstes wieder ausheckt, und ob er womöglich die Nachbarn , denen er mit Ressentiments begegnet, wieder beleidigen wird.

Die subtile Art, mit der die Charaktere beschrieben werden , macht den Reiz des Buches aus. Nichts scheint alltäglich und gleichzeitig ist doch alles alltäglich. Die Nachbarn werden in den immer gleichen Abläufen geschildert. Endlose Gespräche oder Selbstgespräche über die Gesundheit oder die Lebensbetrachtungen einzelner Protagonisten begleiten Besuchsereignisse, bei denen man eigentlich über das „Haus“ sprechen möchte. Die langen Monologe einsamer Sonderlinge entbehren zuweilen nicht einer gewissen Komik.

Insgesamt wirkt die Erzählung sehr überzeugend. Man meint die Spannung zu spüren, die Stille, die Hitze, die aufkommenden Stürme und Gewitter, das Knistern in der Luft. Es scheinen vorwiegend alte Menschen zu sein, denen wir begegnen. Nirgendwo ist jugendliche Frische, Lebendigkeit oder gar Fröhlichkeit zu bemerken.

Die Sätze laufen im Gleichmaß dahin. Direkte Rede gibt es nicht. Es ist die Frau, die ihre Erlebnisse in einer Art Gedankenfluss in sich trägt oder wiedergibt.

Richard Swartz versteht es meisterhaft, das Leben im Grenzgebiet zwischen Italien und Istrien zu skizzieren . Ein wenig kafkaesk muten die Begebenheiten an.

Das eigentümliche Ende der Geschichte bietet mancherlei Anlass zu Spekulationen. (Claudine Borries)

Titel: Ein Haus in Istrien
Autor: Richard Swartz
Verlag: Hanser
Seiten: 178
ISBN: 3446199799

Weitere Buchbesprechungen im Lesertreff: