Der Witzballon

Erstellt am: Januar 4th, 2008

Um die Orientierung in dem Witze-Sammelsurium „Der Witzballon“ zu erleichtern und die Möglichkeit zu geben, schnell den richtigen Witz für die richtige Gelegenheit zu finden, hat Erhard Dietl es in die verschiedensten Themenbereiche unterteilt.

Das Kapitel ‚Echt tierisch‘ wartet mit Gags über Vier- und Mehrbeiner auf, über Fliegendes und Kriechendes wie zum Beispiel den Holzwurm: ‚Es ist Abend. „Husch, husch, ins Brettchen!“, ruft die Holzwurmmama.‘

‚Cowboys, Colts und coole Knacker‘ entführt in die Welt des Westerns, ‚Da wackelt der Familientisch‘ hingegen bietet Lustiges aus dem Alltag: ‚“Was habt ihr heute in der Schule gemacht?“, fragt Opa. „Den gemeinsamen Nenner gesucht“, berichtet Fritz. „Unglaublich. Haben die den immer noch nicht gefunden? Den haben wir auch schon gesucht.“‚

Selbstverständlich ist auch der Schule ein Kapitel gewidmet – und natürlich den Lehrern: ‚“Wie nennt man einen Menschen, der redet und redet, ohne dass ihm jemand zuhört?“ – „Lehrer, Herr Lehrer!“

Aus mehr als 700 Witzen und humorvollen Illustrationen hat Erhard Dietl ein Buch erstellt, dass Kinder zum Schmunzeln und Lachen bringen soll. Schade, dass es überdies bei der Mehrzahl der jungen Leser auch für Verwirrung sorgen wird, da der Autor die reformierte Rechtschreibung in keinster Weise berücksichtigt.

Erhard Dietl wurde 1953 in Regensburg geboren. Er studierte an der Akademie für das Graphische Gewerbe und an der Akademie der Bildenden Künste in München. Seit nunmehr 20 Jahren schreibt und illustriert er Kinderbücher. (Ensa Maurer)

Titel: Der Witzballon
Autor: Erhard Dietl
Verlag: Fischer Verlag
Seiten: 251
ISBN: 3596803187

Stumme Schreie

Erstellt am: Oktober 17th, 2007

Er war vor allem von Indien fasziniert. Von den schönen Frauen mit dem roten Punkt auf der Stirn. Ihren geschminkten Augen, ihrem verschmitzten Lächeln. … Gunder wußte, daß er eine Inderin wollte. Nicht, weil er sich eine fügsame und unterwürfige Frau wünschte, sondern, weil er eine Frau suchte, die er auf Händen tragen konnte. Norwegerinnen wollten das nicht. Eigentlich hatte er sie nie verstanden, er begriff einfach nicht, was sie wollten. Denn er hatte doch alles zu bieten, fand er.‘

So verlässt Gunder Jomann eines Morgens das 2347-Seelen-Kaff Elvestad und bricht zu einem Urlaub in der indischen Metropole Bombay auf, wo er die 38-jährige Kellnerin Poona Bai kennen lernt und nach wenigen Tagen heiratet. Die Rückreise nach Norwegen tritt er dennoch alleine an – mit der Vorfreude auf seine Braut, die ihm knapp zwei Wochen später folgen will. Ausgerechnet am Tag ihrer Ankunft, als Gunder sich gerade auf den Weg zum Flughafen machen will, verunglückt dessen Schwester. Statt um Poona muss er sich nun um Marie, die im Koma liegt, kümmern. Dennoch versäumt er es nicht, Kalle Moe, den einzigen Taxifahrer des Städtchens, zu bitten, Poona abzuholen und sie nach Elvestad zu bringen. Der jedoch verpasst sie.

Am nächsten Morgen findet eine Pilzsammlerin auf einer Lichtung die grausam zugerichtete Leiche einer Frau mit dunklem Teint und langem, schwarzem Haar. Gunder Jomann hört im Radio von dem bestialischen Mord, verdrängt aber, dass es sich bei dem Opfer um seine Frau handeln könne. Als jedoch Hauptkommissar Konrad Sejer und sein Kollege Jacob Skarre bei ihm auftauchen und ihn mit Einzelheiten über die Tote konfrontieren, kommt er nicht mehr umhin, der Wahrheit ins Auge zu sehen. Bis die beiden Kripo-Beamten eines Tatverdächtigen habhaft werden können, gilt es allerdings einen wahren Dschungel möglicher Tatwaffen und -motive zu durchforsten.

„Stumme Schreie“ ist ein Krimi, der in erster Linie durch seine enorm ruhige, schnörkellose Sprache besticht, die die Leser ad hoc in ihren Bann zieht und bis zum Ende nicht wieder los lässt. Doch sie sorgt nicht nur für eine ebenso beeindruckende wie bedrückende Spannung, sondern verstärkt überdies die Stimmung, die die Handelnden und der Mikrokosmos Elvestad dank Karin Fossums detaillierter Schilderung auslösen. Brillant vielschichtig gezeichnete Charaktere, ein sorgfältig ausgeworfenes Netz möglicher Tatwaffen und ein Finale, das wahrlich nicht alle Fragen klärt, machen „Stumme Schreie“ zu einem Buch, das nachhaltig zu beschäftigen vermag.

Karin Fossum, die 1954 im norwegischen Sandefjord geboren wurde, schuf 1995 ihren Kommissar Konrad Sejer und schaffte mit ihm prompt den Sprung in die Bestseller-Listen. Für ihre Arbeiten erhielt die Autorin, die ihre Karriere als Verfasserin von Gedichten und Erzählungen begann, einige der renommiertesten Krimi-Preise Norwegens. „Stumme Schreie“ ist Sejers vierter Fall, der ins Deutsche übersetzt wurde; im Piper-Verlag erschien ferner der Titel „Wer hat Angst vorm bösen Wolf“, und Anfang nächsten Jahres wird eine Neuauflage ihres Romans „Fremde Blicke“ erhältlich sein. (Ensa Maurer)

Titel: Stumme Schreie
Autor: Karin Fossum
Verlag: Piper Verlag
Seiten: 317
ISBN: 34920443623

Fische können schweigen

Erstellt am: Oktober 17th, 2007

‚… Und was jetzt kam, war das einzig wirklich Gesetzlose, was ich bisher unternommen hatte. Und hätten mich die Schritte nicht erschreckt, vor allem weil sie direkt auf das Sekretariat zukamen, wäre ich nie in Versuchung geraten. … Mein Herz klopfte, und voller Schuldgefühle versuchte ich vergeblich, mein Vorgehen im Geiste vor Ron zu entschuldigen. Aber mir fiel ehrlich gesagt keine vernünftige Antwort ein, außer Neugierde. Nein, nicht nur Neugierde, auch ein rudimentärer Sinn für Gerechtigkeit und der starke Wunsch, die ganze Geschichte möge so bald wie möglich geklärt sein, damit ich zur Ruhe kam und wieder ein normales Leben mit meinen Fische-Bildern führen konnte.‘

Wochenlang hatte die Illustratorin Berit Janda nur Fische gesehen – lebende und von ihr selbst für ein Lexikon gezeichnete -, als sie auf einer Party ihrer Freundin Marlene deren Bruder Ron kennen lernt. Der ist ebenso amüsant wie attraktiv und hat eigentlich nur ein Problem, zumindest sieht Berit es so: Er ist Kommissar bei der Frankfurter Kripo. Dennoch nimmt sie sein Angebot, von ihm nach der Party nach Hause gefahren zu werden, an. Auf halber Strecke wird Ron zu einem Tatort gerufen und Berit, deren Vater bei einem Tauchunfall verstarb, sieht sich plötzlich mit einem Toten, der einige Stunden im Main trieb, konfrontiert, deren Anblick sie nicht wieder los lässt. Einige Tage später, die sie nicht nur zum Fische-Malen, sondern auch zu eigenen Recherchen in puncto Wasserleiche nutzte, stößt Berit erneut auf ein Mordopfer – tragischerweise kannte sie es. Ihr kriminalistischer Ehrgeiz ist nun vollends angestachelt und treibt sie immer näher an das Epi-Zentrum der Verbrechen.

Man nehme: Einen freien Tag und Krystyna Kuhns beeindruckenden Debüt-Roman „Fische können schweigen“! Denn der begeistert wahrlich von der ersten bis zur letzten Seite, weil er nicht nur spannend, sondern zudem äußerst spritzig geschrieben ist. Doch die Autorin setzt nicht nur auf Crime-Elemente, sondern gibt ihren Protagonisten Raum für – nicht immer gradlinige – Entwicklungen und der Handlung Platz, sich in eine anfangs ungeahnte, brisante Richtung zu bewegen.

Krystyna Kuhn wurde 1960 in Würzburg geboren – als siebtes von acht Kindern. Sie studierte in Moskau und Krakau Slawistik, Germanistik und Kunstgeschichte und arbeitete danach als Redakteurin. Darüber hinaus war sie als Herausgeberin tätig und veröffentlichte Gedichte und Kurzgeschichten. „Fische können schweigen“ ist der erste Roman von Krystyna Kuhn, die mit ihrem Mann und ihrer Tochter Mascha im Taunus lebt. (Ensa Maurer)

Interview mit Krystyna Kuhn

EM: Für welche Zeitungen/Zeitschriften und wann bzw. wie lange haben Sie als Redakteurin gearbeitet?

KK: Ich habe nicht für Zeitschriften gearbeitet, sondern für Verlage bzw. Firmen, die EDV-Bücher herausgeben. Dort war ich verantwortlich für die Erstellung der Benutzerhandbücher und die firmeninterne Mitarbeiterzeitung. Diese Tätigkeit umfasst die Jahre 1989 bis 1995, dann habe ich ernsthaft begonnen, literarisch zu arbeiten.

EM: Wo erschienen Ihre veröffentlichten Gedichte und Kurzgeschichten und von welchen Themen handelten sie?

KK: Erschienen sind bisher zwei Kurzgeschichten: Alter Ego in dem Band „Rätselhafte Waagen“ in der Reihe Astrokrimis im Eichbornverlag. Sie handelt von einem Ehemann, der zwanghaft versucht seine Frau zu seinem Alter Ego zu machen, d.h. zu seinem Gegengewicht, damit die Waagschale seines Lebens immer im Gleichgewicht bleibt. Und die Geschichte Pygmalion in der Anthologie „Geschichten zum Rotwerden“ erschienen im Piper-Verlag 2000, in der es um Mißverständisse zwischen Mann und Frau bezüglich Erotik geht. Die Gedichte sind in Polen erschienen, handeln von Krakau und sind nicht von Bedeutung.

EM: Wie entstand die Idee zu „Fische können schweigen“?

KK: Die Idee zu den Fischen geht aus zwei Motiven hervor: Zum einen hatte ich ein Lexikon der Fische gekauft mit Aquarellzeichnungen, das mir einfach gut gefallen hat. Die Frage war, wie fühlt sich ein Mensch, der diese vielen Fische malen muss. Der zweite Punkt war, dass ich das Outsourcing-Prinzip, d.h. Produktion in Billigländern wie Polen, auf die Wissenschaft übertragen wollte.

EM: Wie wurde die Idee zum Buch?

KK: Mit dieser Idee und fünfzehn Seiten Text habe ich mich für ein Seminar der Bertelsmannstiftung zum Thema Spannungsroman beworben. In diesem Seminar wurde mein Projekt ein Jahr lang betreut.

EM: Haben Sie die obligatorische Ochsentour durch die Verlage machen müssen oder kam der Kontakt zum Kabel-Verlag über eine Literatur-Agentur zu Stande?

KK: Als das Buch fertig war, habe ich es an einen Agenten geschickt, der es ziemlich schnell vermittelt hat. Die Ochsentour habe ich mir also erspart und ich kann diesen Weg nur empfehlen.

EM: Wie lange haben Sie an dem Buch geschrieben? Sind in Ihrem Tagesablauf feste Schreibzeiten eingeplant?

KK: Ich habe circa eineinhalb bis zwei Jahre an dem Buch geschrieben. Meine Tochter ist neun Jahre alt und so kann ich jeden Vormittag arbeiten. Acht Uhr ist die beste Zeit, in der ich mich konzentrieren kann.

EM: Woher stammen die (scheinbar) profunden Kenntnisse über Fische und biotechnologische Möglichkeiten?

KK: Eigentlich sind detaillierte Kenntnisse in Biotechnologie nicht gerade mein Steckenpferd oder meine Stärke. Eine wichtige Quelle war jedoch die Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“, in der die neuesten Forschungen vorgestellt werden. Außerdem verfügt mein Mann (Informatiker) über ein profundes Wissen in allen naturwissenschaftlichen Bereichen. Er hat mir sehr geholfen.

EM: Da fiktive Personen bekanntlich oft eine enorme Eigendynamik entwickeln (wenn man das zulassen will und kein starres Gerüst abarbeitet) und auch Geschichten häufig Wendungen nehmen, die man als Autor/in anfangs gar nicht auf der Rechnung hatte: Haben Ihre Protagonisten oder Passagen der Handlung Sie selbst überraschen können?

KK: Die Protagonisten selbst haben mich nicht überraschen können, höchstens einige Nebenfiguren wie zum Beispiel U-Bahn-Ulli oder Henri, der Polizeikollege Rons. Was jedoch den Plot und die Handlung betrifft, so war mir lange beim Schreiben noch nicht klar, wer der Mörder ist oder worin der Betrug besteht. Für mich ist das wichtig, da sich viele Dinge erst aus der Sprache entwickeln. Nur so kann die dichte Atmosphäre in einem Buch entstehen. Was die Handlung betrifft, war ich also oft selbst überrascht. Das ist ja auch das Spannende am Erzählen.

EM: Ist eine Fortsetzung, die sich vom Handlungsverlauf her ja möglicherweise anböte, vorgesehen oder arbeiten Sie bereits an einem neuen, völlig anderen Buch?

KK: Eine Fortsetzung ist nicht vorgesehen. Für mich ist die Geschichte zwischen Berit und Ron abgeschlossen. Außerdem war das Ganze von Anfang an als eine Art Metamorphose Berits angelegt. Sie hat sich im Laufe des Buches verändert und das war ein wichtiger Punkt. Ich habe aber sofort nach Beendigung des Buches am nächsten gearbeitet, auch um mich von der Suche nach einem Verlag abzulenken. In dem neuen Krimi ist die Hauptfigur eine Anthropologin (aus Frankfurt), die in Wien in einen Mordfall verwickelt wird. Mehr möchte ich noch nicht verraten.

EM: Haben Sie schriftstellernde Vorbilder oder Lieblings-Autor/innen?

KK: Was meine Vorbilder betrifft, so bin ich nicht festgelegt. Aber ich lese schon am liebsten amerikanische, englische Autorinnen und im skandinavischen Bereich natürlich Mankell. Jeder dieser Autoren ist in einem bestimmten Punkt Vorbild. Sprachlich habe ich mich in „Fische können schweigen“ zum Beispiel sehr an Sue Grafton orientiert.

Titel: Fische können schweigen
Autor: Krystyna Kuhn
Verlag: Kabel Verlag
Seiten: 281
ISBN: 3822505609

Im Profil des Todes

Erstellt am: Oktober 17th, 2007

Eve Duncan hat sich endlich von den Strapazen erholt, die ein ungewöhnlicher Skelettfund mit sich brachte. Allerdings hat sie immer noch nicht die sterblichen Überreste ihrer Tochter Bonnie gefunden, die vor Jahren von einem Massenmörder getötet wurde und dieser weigerte sich, die Stelle zu verraten, an der er Bonnie begraben hat. Eves Freund Joe Quinn, ein Polizist, wird zu einem ungewöhnlichen Fund gerufen. Man hat ein Massengrab gefunden. Unter den vielen Toten ist auch das Skelett eines kleinen Mädchens. Da Joe weiß das Eve erst Ruhe finden wird, wenn ihre Tochter endlich „nach Hause“ kommt, bietet er Eve den Job an das Skelett zu identifizieren.

Bald darauf bekommt Eve Anrufe von einem Irren, der behauptet Bonnies wahrer Mörder zu sein. Und sein neues Augenmerk hat er jetzt auf Eve gerichtet und ein zehnjähriges Mädchen namens Jane, das genau wie Eve in den Slums von Atlanta aufwuchs. Sollte Eve die kleine Jane nicht rechtzeitig finden, wird er sie töten. Dom, so nennt sich der Psychopath, glaubt wenn er einen Menschen tötet, wird seine Seele gleich wiedergeboren und er sieht in Jane die Wiedergeburt von Bonnie.

Eve ist wütend, das der Verrückte mit ihr spielt. Doch nichts kann die Forderungen stoppen und Eve verstrickt sich immer mehr, in das undurchsichtige Netz aus Lügen und Intrigen. Wem kann sie trauen und wem nicht?

Iris Johansen hat ein Talent dafür, dem Leser die Haare zu Berge stehen zu lassen, so spannend und aufwühlend sind ihre Thriller. Wer „Das verlorene Gesicht“ kennt, sollte diese Fortsetzung keinesfalls verpassen!

Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke und Moments

Titel: Im Profil des Todes
Autor: Iris Johansen
Verlag: Ullstein
Seiten: 464
ISBN: 3548253008

Das Auge des Tänzers

Erstellt am: Oktober 17th, 2007

Jessica Riley ist Psychologin und momentan behandelt sie Cassie Andreas, die Tochter des Präsidenten. Cassie ist gerade mal 7 Jahre alt und sollte eigentlich entführt werden, sie musste mit ansehen, wie man ihrem Kindermädchen den Kopf weggeschossen hat, und da sie Angst vor den „Monstern“ hatte, hat sie sich ganz in sich selbst zurückgezogen. Gerettet wurde das kleine Mädchen von Michael Travis, einem ziemlich undurchsichtigen Typ, der sein Geld mit unlauteren Geschäften verdient. Jessica versucht, Cassie zurück ins Leben zu holen. Immerhin ist ihr das auch mit ihrer Schwester geglückt, die 6 Jahre lang in einem Wachkoma lag.

Bisher jedoch ist keine Besserung bei Cassie festzustellen. Da trifft auch Melissa Riley im Haus ihrer Schwester ein und als Cassie einen weiteren Alptraum hat, stellt Jessica etwas furchtbares fest, anscheinend kann ihre Schwester mit dem Mädchen im Koma kommunizieren. Bald darauf bringt der Präsident Michael Travis zum Anwesen der Schwestern in Virginia und Travis scheint der einzige zu sein, der Cassie während ihrer Alpträume beruhigen kann.

Michael Travis hat aber seine ganz eigenen Gründe, warum er in der Nähe der Präsidententochter sein will. Bald stellt sich heraus, dass nur die Statue des Windtänzers, welche sich schon seit Jahren in den Händen der Familie Andreas befindet, Cassie einen Grund geben kann, zurück ins Leben zu kommen. Melissa hat jedoch Alpträume, in denen sich schreckliches offenbart. Was wird passieren wenn Cassie in die Nähe der Statue gebracht wird?

Obwohl „Das Auge des Tänzers“ nur locker an die Windtänzertrilogie anschließt, ist es doch von Vorteil, wenn man wenigstens Teil 3 der Trilogie kennt. Leider ist dieser Roman nicht so gut wie die „Eve Duncan“ Reihe der Autorin. Die Heldin Melissa wirkte auf mich nicht sehr sympathisch und so mit ich mit dem ganzen Buch halt nicht richtig warm geworden.

Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke und Moments

Titel: Das Auge des Tänzers
Autor: Iris Johansen
Verlag: Ullstein
Seiten: 384
ISBN: 3471794646

Der Jäger

Erstellt am: Oktober 17th, 2007

‚Sie lag auf dem etwa zwei mal zwei Meter großen Bett. Bekleidet mit einem schwarzen, von Spaghettiträgern gehaltenen Kleid, das kaum über ihren Po reichte, schwarzen, halterlosen Strümpfen, einem kaum sichtbaren schwarzen Slip und schwarzen Pumps. Der linke Arm mit den schmalen Händen und langen, ebenmäßigen Fingern an den Körper gelegt, der rechte nach oben gestreckt, genau wie der Zeigefinger. Die weit aufgerissenen, matten, blutunterlaufenen Augen starrten an die Decke, am Hals deutliche, inzwischen fast schwarze Strangulierungsmerkmale, Spuren einer Schlinge, die um den Hals gezogen worden war. „Das war’s wohl“, meinte Julia Durant leise.‘

Mit dieser Vermutung liegt die Frankfurter Kommissarin goldrichtig – zumindest, was den Zustand der Studentin Judith Kassner betrifft. Doch mit dem Fund ihrer Leiche, die bereits die zweite innerhalb weniger Stunden ist, geht die Arbeit für Durant, ihren Kollegen Hellmer und das gesamte Kripo-Team erst richtig los. Zumal die Handschrift des Mörders eine fatale Verbindung zu zwei ungeklärten Fällen aufweist, die einige Zeit zurückliegen.

Schnell setzt sich bei der Mordkommission die Überzeugung durch, es mit einem Serientäter zu tun zu haben. Und ebenso rasch wird allen Beteiligten klar, dass der seine Opfer nicht nur rituell hinrichtet, sondern dabei nach einem bestimmten Schema vorgeht. Die Befürchtung, dass er bereits weitere im Visier hat, um sein perfides Werk vollenden zu können, wird rasch zur Gewissheit.

Wie schon in früheren Krimis um seine Ermittlerin Julia Durant spart Andreas Franz auch bei „Der Jäger“ nicht mit detailfreudigen Beschreibungen und einem Spannungsbogen, der bis zur Auflösung trägt. Die sporadisch eingestreuten, aus Täter-Sicht erzählten Passagen, verraten zwar manches über die Vorgehensweise, jedoch nichts, was auf dessen Identität hindeutet. So führt der Autor seine Leser gemeinsam mit Durant durch einen recht übersichtlichen Kreis Tatverdächtiger, in dem alle mehr oder weniger miteinander vertraut sind.

Andreas Franz wurde in Quedlinburg geboren und war lange als Übersetzer für Englisch und Französisch tätig. Darüber hinaus war er als Schlagzeuger aktiv – bis schließlich seine große Leidenschaft, das Schreiben, zum Hauptberuf wurde. Franz, der verheiratet und Vater von fünf Kindern ist, will seine „Leser fesseln und trotzdem (vielleicht) zum Nachdenken anregen“. Verwirklichen konnte er diese Ambitionen bereits mit den – ebenfalls im Knaur Verlag erschienenen – Titeln „Letale Dosis“, „Die Bankerin“, „Das achte Gebot“, „Jung, blond, tot“ und „Der Finger Gottes“. (Ensa Maurer)

Titel: Der Jäger
Autor: Andreas Franz
Verlag: Knaur
Seiten: 589
ISBN: 3426617412

Die russische Spende

Erstellt am: Oktober 17th, 2007

‚Für die Rettungssanitäter war der Fall abgehakt, sie tranken Kaffee mit den Aufnahmeschwestern und guckten sich das Ende der zweiten Halbzeit Deutschland-Rumänien an. … Also füllte ich den Leichenschauschein aus und unterschrieb ihn. Als Todeszeit trug ich 19 Uhr 10 ein, fünf Minuten nach Einlieferung in die Klinik. Daß ich damit fast meinen eigenen Leichenschauschein unterschrieben hatte, jedenfalls ein Freilos für eine Menge Ärger, davon ahnte ich zu diesem Zeitpunkt nichts. Und, wie das so mit Ärger ist, hat man ihn sich meistens selbst zuzuschreiben.‘

Das gilt für Fußballer ebenso wie für Ärzte, wie Dr. Felix Hoffmann, Stationsarzt an einer Berliner Klinik, mit wachsender Besorgnis feststellt. Denn bei dem Toten handelt es sich nicht nur um einen ehemaligen, als genesen entlassenen Patienten, sondern zugleich um einen ehemaligen Mitarbeiter der Krankenhaus-Putzkolonne. Als am nächsten Morgen der Totenschein unauffindbar ist, steigert sich Hoffmanns Argwohn, und er stürzt sich ambitioniert in seinen Plan, der Kette an Merkwürdigkeiten auf den Grund zu gehen.

Schon wenige Tage später erreicht die Brisanz der Ereignisse ihren Höhepunkt: Dr. Hoffmann und seine Freundin Celine entdecken bei der nächtlichen Recherche im Computersystem des Krankenhauses wegweisende Dubiositäten und stoßen im Nachbarzimmer auf die Leiche des Verwaltungsdirektors.

Zwar weist Christoph Spielberg in seiner Danksagung ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei „Die russische Spende“ um eine erfundene Geschichte handelt, doch gleichzeitig macht er keinen Hehl aus seiner Vermutung, die Wirklichkeit sei viel schlimmer. Krankenhausprivatisierungen, Bettenabbau und Klinik-Finanzierungsgesetze sind nicht nur in Berlin allgegenwärtig und geben den Hintergrund dieser spannend-bedenklichen Skandalchronik. Sie beeindruckt vor allem durch einen schlüssigen Plot, selbst für Laien verständlich erklärtes medizinisches Vokabular und den sympathischen Protagonisten, der vom Autor mit einer gehörigen Portion Selbstironie ausgestattet wurde.

Christoph Spielberg wurde 1947 in Berlin geboren und ist Facharzt für Innere Medizin sowie Herzspezialist. Nach einer langjährigen Tätigkeit als Oberarzt in einem Berliner Klinikum ließ er sich in Potsdam als Kardiologe nieder. Heute arbeitet er freiberuflich als Arzt und ist darüber hinaus ein gefragter Privatdozent. Spielberg lebt gleichermaßen in Berlin wie in den USA und hat, nachdem er für TV-Drehbücher verantwortlich zeichnete, mit „Die russische Spende“ seinen ersten Roman veröffentlicht. (Ensa Maurer)

Titel: Die russische Spende
Autor: Christoph Spielberg
Verlag: Piper Verlag
Seiten: 316
ISBN: 34992234380

Schwarz ist die Nacht

Erstellt am: Oktober 17th, 2007

‚Ein junger Mann mit Schnauzer und Lederjacke stellt sich als Kommissar Bauch vom Ersten Revier vor und führt Antonie und Romero mit einladender Geste hinter die Container. Die Tote liegt mit gespreizten Beinen auf dem Rücken und ist unterhalb der Taille nackt, bis auf eine völlig zerfetzte Strumpfhose, die sich um den Knöchel des linken Beins ringelt. T-Shirt und BH sind bis über die Brüste hochgeschoben. Wo die Haut noch intakt ist, zeigt sie Verfärbungen in allen Nuancen von Blau und Braun. Der Fotograf der Spurensicherung ist dabei, die Tote Zentimeter für Zentimeter abzulichten, und obwohl Romero keinerlei Zweifel an der Notwendigkeit seines Tuns hat, ist ihm, als würde damit der Toten der letzte Rest ihrer Würde genommen.‘

Als Vincent Romero die Tage bis zu seiner Pensionierung quasi an einer Hand abzählen kann, wird in einem Müllcontainer mitten in der Frankfurter Innenstadt die Leiche der Architektin Stefanie Greven gefunden. Ihre Luftröhre ist mit Montageschaum versiegelt, das brünette Haar mit stumpfer Klinge abgeschnitten und überdies fehlt der Toten der Finger, an dem ein Bernstein-Ring steckte.

Während Vincent und Antonie noch damit beschäftigt sind, einem Motiv und dem brutalen Täter auf die Schliche zu kommen, wird eine weitere Frauenleiche gefunden: Einem grotesken Engel gleich liegt die Blondine Sylvia Bohl im blütenweißen Hemd auf ihrem Bett – ebenfalls mit Montageschaum zum Schweigen gebracht. Aus der Vermutung, es mit einem Serienmörder zu tun zu haben, wird Gewissheit, und Hinweise darauf, dass er seine Opfer im Internet sucht, lassen Hoffnungen, weitere Morde verhindern zu können, nicht gerade aufkeimen.

Mit ihrem Krimi „Schwarz ist die Nacht“ greift die Autorin ein wahrlich brisantes Thema auf: die Anonymität der Chat-Räume im Internet und damit verbundene Möglichkeiten und Sicherheitsrisiken. Im Mittelpunkt des Romans stehen jedoch die so verschieden wie kongenialen Ermittler Vincent Romero und Antonie Bennigsen. Sie werden den Lesern so facettenreich, lebendig und sympathisch nahe gebracht werden, dass die drohende Pensionierung des passionierten Golf- und Schachspielers und begnadeten Hobby-Kochs wie ein Damoklesschwert über der Handlung kreist, die gnadenlos hinter die burgeoise Fassade des Täters guckt, Stück für Stück dessen grausame Mission, aber erst beim spektakulären Showdown seine Identität entlarvt. Wie schon bei früheren Krimis gelingt es Susanne Mischke in „Schwarz ist die Nacht“ einen raffinierten, spannenden Plot zu konstruieren und eine Rahmenhandlung zu entwerfen, die gleichberechtigt daneben steht.

Susanne Mischke wurde 1960 in Kempten geboren, lebte einige Jahre in Berlin und wohnt heute in der Nähe von Darmstadt. 1994 debütierte die Journalistin mit ihrem Roman „Stadtluft“, 1995 folgte „Freeway“ und 1996 legte sie ihren ersten Krimi „Mordskind“ vor. Darüber hinaus erschienen im Piper Verlag ihre Werke „Die Eisheilige“, „Der Mondscheinliebhaber“ und „Wer nicht hören will, muß fühlen“. (Ensa Maurer)

Titel: Schwarz ist die Nacht
Autor: Susanne Mischke
Verlag: Piper Verlag
Seiten: 221
ISBN: 3492270301

Selbs Mord

Erstellt am: Oktober 17th, 2007

‚Sie sah mich an, traurig und besorgt. Sie nahm meinen Kopf in ihre Hände und küßte mich auf den Mund. … Sie sah in meinen Augen, wie mich meine Ohnmacht quälte. „Ist es so schlimm? Ist es so schlimm, weil du denkst, daß du alt bist, wenn du nichts mehr tust?“ Ich sagte nichts. Sie forschte in meinen Augen nach einer Antwort. … Dann war sie weg, und ich setzte mich auf den Balkon, rauchte und sah in die Nacht. Ja, Brigitte hatte recht. Meine Ohnmacht quälte mich, weil sie mich mein Alter spüren ließ. Sie brannte mir ins Gedächtnis, wie oft ich nur nachträglich hatte registrieren können, daß ich zu langsam gewesen war. Sie besiegelte, daß ich weder als Staatsanwalt noch als Privatdetektiv etwas hinterließ, worauf ich richtig stolz war. Sie fraß an mir wie eine Wut, eine Angst, ein Schmerz, eine Beleidigung. Wenn sie mich nicht auffressen sollte, mußte ich etwas tun.‘

Zunächst jedoch tut ein anderer etwas: In einer Februarnacht kommt der Mercedes des Chefs vom Schwetzinger Bankhaus Weller & Welker auf der verschneiten Straße ins Rutschen und landet im Straßengraben. Gerhard Selb hilft aus der misslichen Lage und wird mit der Aussicht auf einen Auftrag verabschiedet.

Der Privatdetektiv hat es wahrlich nicht eilig zu erfahren, was er für Welker herausfinden soll, sucht ihn aber schließlich doch auf und lässt sich dessen Anliegen erklären: Welker, Erbe der alteingesessenen Privatbank und ebenfalls Besitzer einer Bank in Cottbus, will, dass Selb ihm Informationen über einen stillen Teilhaber präsentiert, der dem Kreditinstitut bis zum Ersten Weltkrieg eine ansehnliche Summe einbrachte.
Gerhard Selb nimmt den Auftrag an, stößt auf den pensionierten Lehrer Adolf Schuler, der bereits über die Annalen von Weller & Welker recherchiert hatte, und verheddert sich immer tiefer in einem Fall, dessen Schlüssel in der jüngeren, deutsch-deutschen Geschichte zu liegen scheint.

„Selbs Mord“ ist der dritte Fall des alternden Privatdetektivs Gerhard Selb, der sich für seinen Auftraggeber Welker daran macht, ein spannendes Mosaik aus den Splittern ost- und westdeutscher Vergangenheit zusammen zu setzen. Doch Bernhard Schlinks neuester Coup ist nicht nur auf den clever konstruierten, packenden Krimi-Plot reduziert, der sich ebenso zielstrebig wie stilistisch bedächtig auf sein unerwartetes Finale zu bewegt. Überdies schildert der Autor eine tiefsinnige, zwischen Melancholie und leiser Selbstironie schwankende Geschichte vom Altwerden seines Ich-Erzählers. Und wie schon in „Selbs Betrug“ und „Selbs Justiz“ tut er es in der ihm typischen Sprache, die meisterhaft präzise, intelligent und ohne überflüssige Worte, aber dennoch voller Wärme daher kommt.

Bernhard Schlink wurde 1944 in der Nähe von Bielefeld geboren. Als 45-Jähriger erhielt er für seinen zweiten Roman „Der gordische Knoten“ den Glauser, 1993 wurde er für „Selbs Betrug“ mit dem Deutschen Krimi-Preis dekoriert und vier Jahre später brachte ihm sein Roman „Der Vorleser“, der bislang in 30 Sprachen übersetzt wurde, den Hans-Fallada-Preis der Stadt Neumünster ein. Darüber hinaus erhielt er 1999 den Literaturpreis der Tageszeitung „Die Welt“ und im Jahr 2000 die Ehrengabe der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Gesellschaft. Bernhard Schlink lebt als Jurist in Bonn und Berlin. (Ensa Maurer)

Titel: Selbs Mord
Autor: Bernhard Schlink
Verlag: Diogenes
Seiten: 265
ISBN: 3257062809

Tödliche Versuchung

Erstellt am: Oktober 17th, 2007

Immer wenn man denkt die Stephanie Plum Serie kann gar nicht mehr besser werden, setzt Janet Evanovich noch einen drauf.

Diesmal erwartet Stephanie ein besonders kniffliger Fall. Ranger wird nämlich gesucht, da er einen Gerichtstermin nicht eingehalten hat und Hauptverdächtiger in einem Mordfall ist. Aus dem legendären Kopfgeldjäger wird plötzlich der Gejagte und jeder der hinter ihm her ist, meint Stephanie wäre genau die Richtige, um Ranger zu finden. Aber ein so mysteriöser Mann wie Ranger will vielleicht gar nicht gefunden werden.

Um dem ganzen noch eins drauf zu setzen, zieht Grandma Mazur bei Stephanie ein. Das regelmäßige Essen was ihre Großmutter auf den Tisch bringt, findet Stephanie ja noch gut, aber nicht das Geschnarche der alten Dame. Und dann ist da noch Bob, ein Hund mit einer Eßstörung, für den sie plötzlich Dogsitter spielt. Natürlich müssen auch wieder einige Autos dran glauben, denn lediglich in dem alten Buick ihres Onkels, scheint die Kopfgeldjägerin vor Zerstörungen sicher zu sein.

Die Kautionsflüchtlinge sind selbstverständlich auch nicht ohne und bald wird Stephanie von einem Irren verfolgt. Was kann eigentlich noch schief gehen? Wer Stephanie kennt weiß: absolut alles!!! Den mit einer Frau die einen Pickel im Gesicht hat, legt man sich lieber nicht an.

Auch hier garantiert Janet Evanovich wieder Lesespaß vom allerfeinsten. Natürlich wird im Prolog das Geheimnis gelüftet, wer am Ende von HIGH FIVE an der Tür war, aber ich werde mich hüten das hier schon zu verraten, das muß jeder selber lesen. Bleibt eigentlich nur noch zu sagen es wird ein verdammt langes Jahr bis Band 7 der Serie erscheint.

Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke und Moments

Titel: Tödliche Versuchung
Autor: Janet Evanovich
Verlag: Goldmann
Seiten: 315
ISBN: 3442541549

Weitere Buchbesprechungen im Lesertreff:

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