Bruder Cadfael und die schwarze Keltin
Erstellt am: Oktober 3rd, 2007Der junge Diakon und Freund Cadfaels Mark reist 1144 im Auftrag seines Bischofs unterwegs nach Wales und nimmt ihn als Dolmetscher in seine alte Heimat mit.
Sie kommen dabei an den Hof des Fürsten Owain, dessen mit ihm verfeindeter Bruder Cadwaladr gerade dabei ist, mit von ihm angeheuerten Wikingern aus Island in Wales einzufallen. Mit Mark und Cadfael reisen auch Kanonikus Meirion und seine Tochter Heledd. Meirionhat seine Tochter vor die Wahl gestellt, in ein Kloster zu gehen oder einen von ihm ausgesuchten Mann zu heiraten, um seine Karriere in der Kirche nicht zu gefährden. Heledd entschied sich für die Hochzeit, verschwindet jedoch heimlich während ihres Aufenthalts. Bledri, ein Abgesandter Cadwaladrs wird ermordet aufgefunden, aber Fürst Owain kann sich nicht ausführlich damit beschäftigen, den Mörder zu finden, weil er mit seinen Truppen den Wikingern entgegen ziehen muss.
Nachdem Mark und Cadfael den Auftrag für den Bischof erledigt haben, machen sie sich auf die Suche nach der verschwundenen Heledd und geraten mitsamt ihr in die Gefangenschaft der Wikinger.
Dieser Cadfael-Roman ist eine schwungvolle und spannende Abenteuergeschichte. Für einen historischen Roman werden die damaligen Lebensumstände verhältnismäßig wenig ausführlich beschrieben. Und wenn es geschieht, beschreibt Peters die Verhältnisse kurz. Der Schwerpunkt liegt auf der zügig voranschreitenden Geschichte und den handelnden Personen. Auch spielt Esoterik keine Rolle, wie der Titel vielleicht vermuten lassen könnte.
Diese umfangreiche Reihe historischer Krimis und Abenteuergeschichten ist eine Bereicherung für Leser, die kurzweilige und spannende Unterhaltung suchen.
Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at
Titel: Bruder Cadfael und die schwarze Keltin
Autor: Ellis Peters
Verlag: Heyne
Seiten: 412
ISBN: 3453132378
Hetzjagd
Erstellt am: Oktober 3rd, 2007Vierundvierzig Jahre später wird seine Verfolgung wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit von der Richterin Livi vom Corporal der Militärpolizei Roux mit neuem Elan betrieben. Zur gleichen Zeit setzen sich bezahlte Killer auf seine Fersen.
Doch Brossard ist nicht umsonst der Justiz so lange entkommen und liefert seinen Verfolgern eine Jagd von Unterschlupf zu Unterschlupf. Jedesmal gelingt es ihm um Haaresbreite zu entkommen. Doch immer mehr Klöster wollen ihn wegen des Drucks der offiziellen Kirche keinen Platz mehr anbieten.
Moore beschreibt eine spannungsgeladene Verfolgungsjagd eines immer mehr in die Enge getriebenen alten Mannes. Ausführlich charakterisiert er den unverbesserlichen, alten Nazi und die erzkonservativen Äbte der katholischen Klöster. Es geht so weit, daß man manchmal fast eine Art kopfschüttelndes Verständnis für diese alten, verbohrten und selbstgerechten Männer mit ihrer menschenverachtenden Weltanschauung bekommt.
Wer eine komplexe Handlung oder Action erwartet, für den ist dieser Roman die falsche Lektüre.”
Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at
Titel: Hetzjagd
Autor: Brian Moore
Verlag: Diogenes
Seiten: 297
ISBN: 3257230966
Des Teufels Kardinal
Erstellt am: Oktober 1st, 2007In Rom wird ein Kardinal bei einem Attentat getötet und kurz darauf ein Anschlag auf einen Bus verübt, bei dem Pater Daniel ums Leben kommt. Sein Bruder Harry Addison reist nach Rom um seinen Leichnam nach Amerika zu überführen. Dort angekommen stellt er fest, dass sein Bruder des Attentats auf den Kardinal verdächtigt wird und bald darauf merkt er, dass die Leiche nicht die seines Bruders ist. Nachforschungen bringen ihn schnell in Schwierigkeiten und er kann nur knapp und mit Glück seiner Ermordung entgehen. Während er weiter nach seinem Bruder sucht und selbst von der Polizei als vermeintlicher Mörder verfolgt wird, spinnt ein größenwahnsinniger und rücksichtsloser Kardinal im Hintergrund seine Fäden zu einem irrwitzigen Plan.
Der temporeich erzählte Roman gehört unter den in den letzten Jahren in Mode gekommenen Thrillern aus dem Umfeld der römisch-katholischen Kirche sicher zu den lesenswerteren Exemplaren. Mit viel Action, Toten und der üblichen Verschwörung zieht der Autor den Leser gekonnt in seinen Bann. Natürlich darf auch die sich in den Hauptdarsteller verliebende Ordensschwester nicht fehlen oder die abgrundtief bösen Bösewichte und andere Klischees. Ohne besondere Ecken und Kanten oder ausgefallene Charaktere, bleibt das Buch trotzdem gekonnte Unterhaltung.
Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at
Titel: Des Teufels Kardinal
Autor: Allan Folsom
Verlag: C. Bertelsmann
Seiten: 473
ISBN: 3570002802
Polt muss weinen
Erstellt am: Oktober 1st, 2007Der Gendarm Polt findet den im ganzen Dorf verhassten Albert Hahn in seinem Weinkeller. Er ist anscheinend ohne Fremdverschulden am Gärgas gestorben. Polt glaubt auch an einen Unfall und zieht nur eher gewohnheitsmäßig Erkundungen ein. Doch ein anonymer Brief an seiner Haustür lässt ihn dann doch an einen Mord glauben. Als er das meldet, kommen Wiener Kriminalbeamte in das abgelegene Dorf im nördlichen Niederösterreich, um die Sache zu untersuchen. Aber sie kommen nicht recht vom Fleck und Polt wird zunehmend von seinen Bekannten und Freunden gemieden. Nach einem weiteren Mordanschlag auf einen ziemlich heruntergekommenen Trinker kann er aber den Täter zum Reden bringen. Polt glaubt aber nicht recht, dass er auch der Mörder von Hahn ist.
Komarek benutzt den Krimi zu einer kenntnisreichen und einfühlsamen Schilderung der Menschen und Lebensumstände im niederösterreichischen Waldviertel mit seinen typischen Kellergassen. Und auch sein unspektakulärer Inspektor ist dem Leser bald ans Herz gewachsen. Die Handlung des Krimis ist zwar auch nicht besonders ausgefallen, aber mit einem gekonnten Spannungsbogen geschrieben. Beim Lesen kommt eine zu den Umgebung und den Geschehnissen sehr gut passende, beschaulich-schwermütige Stimmung auf. Und man bekommt selbst Lust auf einen gemütlichen Streifzug durch eine dieser Kellergassen an einem schönen Herbstnachmittag.
Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at”
Titel: Polt muss weinen
Autor: Alfred Komarek
Verlag: Haymon
Seiten: 191
ISBN: 3852182751
Fremde Federn
Erstellt am: Oktober 1st, 2007Während eines Urlaubs wird Superintendent Jury von einer alten Bekannten gebeten, einem Mord in Amerika zu untersuchen.
Er reist mit seinem Kollegen Wiggins und seinem Freund Melrose nach Pennsylvania, wo sie ihre Freundin Ellen Taylor treffen, die inzwischen eine berühmte Schriftstellerin geworden ist. Von ihr erfahren sie von einem weiteren Mord. Eine junge schwarze und ehrgeizige Studentin, die ein ob seiner Echtheit umstrittenes Manuskript von Edgar Allen Poe entdeckt hatte, wurde ermordet. Nun machen sich die vier an die Aufklärung der beiden Verbrechen.
Marta Grimes ist eine der in den letzten Jahren immer zahlreicher werdenden amerikanischen Autorinnen, die ihre Krimischauplätze in Europa, vorzugsweise England, wählen. Mit ihrer Hauptfigur Superintendent Jury und seiner Umgebung hat sie sich verdientermaßen schon einen Namen gemacht.
Und sie wird von Roman zu Roman besser in der Schilderung ihrer typisch britischen und oft kauzigen Figuren. Und als angenehme Zugabe, werden die Bücher immer humorvoller, sowohl bei den Dialogen wie auch bei der Situationskomik. Aber auch dabei bleibt sie sehr “britisch”, das heißt lakonisch, trocken und, aus der Sicht der Protagonisten, selbstironisch.
Die Krimihandlung tritt auch eindeutig gegenüber der Beschreibung der Personen und ihrer jeweiligen Beziehungen untereinander in den Hintergrund. Man könnte glauben, dass man mit den Besucher des Pubs im englischen Dorf Long Piddleton dort beisammensitzt, wenn man Grimes Beschreibung der Besucher und deren Dailoge liest.
Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at
Titel: Fremde Federn
Autor: Martha Grimes
Verlag: Goldmann
Seiten: 383
ISBN: 344243386X
Inspektor Jury schläft ausser Haus
Erstellt am: Oktober 1st, 2007Inspektor Jury wird in das winterliche Dorf Long Piddelton geschickt um dort zwei Morde aufzuklären. Die Männer wurden in zwei Gasthäusern getötet und der Eine mit dem Kopf in ein Bierfass gesteckt und der Andere anstatt des Namensschildes vor dem Haus hin gehängt. Die Dorfbewohner vermuten einen Psychopathen als Täter, aber Jury glaubt, dass es einer der einheimischen Gäste im Lokal war. Diese Gäste waren in beiden Lokalen zum fraglichen Zeitpunkt fast die selben Personen. Nach und nach sucht Jury diese Leute auf und lernt dabei auch Melrose Plant und seine nervtötende Tante kennen.
Bald nach seiner Ankunft passieren aber dann noch drei weitere Morde und er hat zwar einige vage Verdächtige aber noch keine konkreten Anhaltspunkte. Das letzte Oper war der Dorfpfarrer und er hat den entscheidenden Hinweis hinterlassen, der Jury mit der Hilfe Plants zum Täter führt.
Die Amerikanerin Grimes schreibt schon übertrieben britische Krimis. Obwohl sie kein Klischee auslässt, gelingen ihr gerade dadurch überaus humorvolle und mit zahlreichen skurrilen Typen bevölkerte Romane. Die englischen Dörfer und Kleinstädte und ihre eigenartigen Bewohner bieten einen zwar wenig realitätsnahen aber dafür um so unterhaltsameren Hintergrund für ihre Geschichten. Die Handlung selbst ist nach dem klassischen “wer ist der Mörder”-Muster gestrickt, und animiert den Leser bis zum Ende am Miträtseln.
“Inspektor Jury Schläft außer Haus” ist ein früherer Roman aus dieser Serie, in dem sie die Späteren Hauptdarsteller ihrer Krimis, Jury und Melrose Plant zum ersten Mal begegnen. Auch das Dorf Long Piddelton und einige seiner Bewohner spielen in späteren Inspektor-Jury Romanen noch oft eine Rolle.
Kurzweiliges und oft zum Schmunzeln anregendes Lesefutter.
Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at
Titel: Inspektor Jury schläft ausser Haus
Autor: Martha Grimes
Verlag: Rowohlt
Seiten: 313
ISBN: 3499159473
Vier Morde und ein Hochzeitsfest
Erstellt am: Oktober 1st, 2007Ein brandneues Stephanie Plum Abenteuer, das alle Fans nicht verpassen sollten!!!
Diesmal hat es Stephanie besonders schwer. In ganz Trenton gibt es gerade mal einen Kautionsflüchtling, also lässt sie sich von ihrer Familie überreden nach Onkel Fred zu suchen. Grandma Mazur ist ja der Meinung er wurde von Aliens gekidnappt, aber Stephanie findet heraus, dass sein Verschwinden durchaus weltliche Ursachen hat.
Ihr Onkel Fred besitzt nämlich Fotos von einer Toten, deren Leiche man in einem Müllsack entsorgt.
Das Geld für die Miete ist schon überfällig, also nimmt Stephanie einen zweiten Job bei Ranger an, der sich “Innendekoration” nennt. Aber so harmlos sich das auch anhört, alles was mit Ranger zu tun hat ist brandheiß. Aber damit nicht genug. Sie wird von einem Ex-Sträfling verfolgt den sie in ihrem ersten Fall hinter Gitter gebracht hat und der einzige Kautionsflüchtling in Trenton hat “Zwergengröße” und lässt sich nicht so einfach zur Polizei bringen.
Dann ist da noch ihr Problem mit den Autos, irgendwie werden ihre Fahrzeuge immer wieder verbrannt, in die Luft gejagt oder anderweitig entsorgt.
Während Stephanie versucht sich Morelli vom Hals zu halten, macht Ranger eindeutige Annäherungsversuche. Alles in allem eine ziemlich verwirrende Situation. Natürlich kann auch Grandma Mazur mal wieder ihre Finger nicht von den Särgen lassen. Und dann braucht Stephanie auch noch dringend ein Kleid für eine Mafia-Hochzeit.
Ein atemberaubend witziges Buch welches seinen Vorgängern in nichts nachsteht. Nur soviel sei noch verraten, das Warten auf Teil 6 wird einem ganz schön schwer fallen!!!
Kritik geschrieben von IW, Herausgeberin von “Die romantische Bücherecke” (www.die-buecherecke.de)
Titel: Vier Morde und ein Hochzeitsfest
Autor: Janet Evanovich
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 346
ISBN: 3442541352
The Spy Who Kissed Me
Erstellt am: Oktober 1st, 2007Isabel Stanley ist 34, sozusagen eine “alte Jungfer” und Autorin von Kinderbüchern deren Held eine Küchenscharbe ist. Dabei würde sie viel lieber Romances schreiben, aber ihre Liebesszenen bringen es einfach nicht. Sie hat eine Zwillingsschwester, die erstaunlicherweise nicht so viel Pech bei den Männern hat, wenn man mal von ihrem Ex-Mann absieht. Die lebt jetzt ebenfalls mit ihren 4 Kindern wieder bei der Mutter. Isabels Mutter hat natürlich nichts anderes im Kopf als ihre Tochter zu verkuppeln, aber bei den Langweilern in ihrer Heimatstadt ist einfach nicht der richtige dabei.
Dann eines Abends borgt sie sich den Mercedes ihrer Schwester auf und da sie beim Autofahren mal wieder träumt, landet sie in einer Gegend, wo sie nicht hinwollte. Sie hört Schüsse und kurz darauf stürzt sich ein Mann durch das Sonnendach des Mercedes in das Auto. Und von da ab, geht Isabels langweiliges Leben den Bach runter, denn jetzt hat sie soviel Aufregung auf einmal, das eigentlich ihre Lebensjahre schon lange aufgebraucht sind und sie bereits seit Tagen tot sein müsste.
Und erstaunlicherweise hat der gutaussehende CIA-Agent Kelvin Kapone auch noch ein Faible für sie…
Soviel Spaß in einem Buch gab es lange nicht, ein rasanter Krimi der ähnlich wie die Stephanie Plum Geschichten von Janet Evanovich geschrieben ist. Ich sage nur kaufen und ablachen bis zum Umfallen. Am besten man sorgt dafür das man für ein paar Stunden nicht gestört wird, denn einmal angefangen will man nicht mehr aufhören.
Kritik geschrieben von IW, Herausgeberin von Die romantische Bücherecke
Titel: The Spy Who Kissed Me
Autor: Pauline Baird Jones
Verlag: Five Star
Seiten: 257
ISBN: 0786224134
Eiszeit
Erstellt am: Oktober 1st, 2007Die UNO beschließt die Möglichkeit, Eisberge in der Arktis abzusprengen um sie in Gebiete zu bringen, wo Wassermangel herrscht. Harry Carpenter und seine Frau Rita befinden sich bei einer wissenschaftlichen Expedition auf dem ewigen Eis, die diese Möglichkeit erforschen soll. Nach einem Erdbeben befinden sie sich plötzlich auf einem über tausend Meter großen Eisberg zusammen mit zahllosen im Eis platzierten Zeitbomben. Die Zeit reicht nicht um sie alle wieder aus dem Eis zu holen und Schlechtwetter verhindert eine Rettung aus der Luft oder per Schiff. Ein russisches U-Boot befindet sich in der Nähe und hört im geheimen Auftrag den Funkverkehr ab und erfährt so von ihrer Notlage. Aber es taucht noch ein anderes Problem auf.
Ein für Koontz ungewöhnlicher Spannungsroman in der Art von Alistair MacLean, den er in seiner Anfangszeit unter dem Pseudonym David Axton geschrieben hat und nach einer Überarbeitung noch einmal veröffentlicht hat. Obwohl er sonst nur Horror-Romane geschrieben hat, ist dieser “Seitensprung” meiner Meinung sehr gut gelungen. Er beherrscht es ausgezeichnet seine Protagonisten in immer größere Schwierigkeiten zu bringen und den Leser bis zum Ende auf Trab zu halten.
Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at
Titel: Eiszeit
Autor: Dean Koontz
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 298
ISBN: 3404137159
Der Schneider von Panama
Erstellt am: September 19th, 2007Als John le Carré 1996 den “Schneider von Panama” schrieb, lag das Ereignis, das seine Fantasie entfachte, noch in der Zukunft: Ende 1999 wollten die USA den Panama-Kanal an den südamerikanischen Staat zurückgeben. Der Autor des “Spions, der aus der Kälte kam” und weiterer 15 Agententhriller malte sarkastisch aus, welches machtpolitische Gerangel diesem Datum vorausgehen könnte.
Vor diesen ernsten Hintergrund schiebt John le Carré die brillant ausgestaltete Tragikomödie eines hoch verschuldeten Prominentenschneiders, den der britische Geheimdienst zwingt, halb Panama-City auszuhorchen, um zu erfahren, was geschieht, wenn der Kanal “unter den Hammer kommt und die Auktion von einem Haufen gerissener Gauner durchgezogen wird”.
Um den 460 Seiten starken Roman in ein Hörspiel für den Westdeutschen Rundfunk umzuwandeln, musste Uta-Maria Heim, eine Mitarbeiterin unserer Fernsehseite, die ebenso amüsanten wie peniblen Personenporträts auf das Notwendigste zusammenschmelzen. Empfindliche Verluste nahm sie wohl oder übel in Kauf. Als Kern bleibt die sowohl brandaktuelle als auch zeitlose Geschichte von Menschen, die sinnlos leiden und sterben, weil sie ins Räderwerk der Großmächte und wirtschaftlicher Interessen geraten.
Diese stark verkürzte Version machte es dem Regisseur Klaus Wirbitzky unmöglich, le Carrés Einsichten in die Gedankenwelt des Schneiders Harry Pendel, der den USA und Großbritannien durch Falschinformationen einen willkommenen Grund zum Militäreinsatz liefert, an die Hörer weiterzuleiten. Nur die Stimmen der Sprecher formen jetzt die Charaktere. Und die haben mit den Originalen nichts mehr gemein.
Stefan Behrens vermittelt als Harry das Bild eines Duckmäusers, der erfindet, was man von ihm erwartet, während Le Carré einen Mann schildert, der sich unschuldig und genießerisch an seiner Fabulierkunst weidet und der dem ahnungslosen Säufer Mike Abraxas eine Führerrolle in der “Stillen Opposition” wie einen perfekt sitzenden Anzug auf den Leib schneidert, einfach nur weil er den geliebten Freund gerne als Helden sehen würde.
Den Londoner Spion Andrew Osnard, der Harrys Redetalent durch Erpressung und verlockende Geldsummen herausfordert, kennen die Leser als fetten Seelenfänger aus der Hölle mit nadelspitzem, rot funkelnden Blick. Joachim Król wirkt jedoch wie ein ruhiger Routinier, der gewohnt ist zu bekommen, was er will.
Dem Schriftsteller Le Carré wird das Hörspiel als selbstständiges Genre sicher nicht gerecht. Aber es lenkt die Aufmerksamkeit auf den Bestsellerautor als Zeitkritiker und erfüllt damit eine selten angemessen bewältigte Aufgabe. Wenn das Resultat darüberhinaus die Neugier auf den Roman wecken kann, dann ist auch dem Medium Buch gedient.
Kritik geschrieben von Monika Lanzendörfer, BÄNG 2000 – Das kritische Magazin für Leute mit Horizont
Titel: Der Schneider von Panama
Autor: John le Carré
Verlag: Der HörVerlag
ISBN: 3895848034
Weitere Buchbesprechungen im Lesertreff: