Zum Sterben schön

Erstellt am: Oktober 17th, 2007

Pater Tom Madden hört eine geradezu unglaubliche Beichte. Ein Psychopath vertraut ihm an, wie er in den vergangenen Jahren unzählige Opfer umgebracht hat, und das er wieder morden wird, da er sich selbst als den “Herzensbrecher” bezeichnet. Und sein nächstes Opfer soll ausgerechnet Laurant sein, Pater Toms Schwester. Der junge Geistliche weigert sich das Schweigegebot über die Beichte zu brechen, aber der Psychopath hat schon eigene Vorkehrungen getroffen und seine Beichte auf Band aufgezeichnet und an die Polizei geschickt.

FBI Agent Nick Buchanan ist ein Freund von Pater Tom und nimmt sich des Falles an. Er plant den Verlobten von Laurant zu spielen und somit den “Herzensbrecher” zu einer unüberlegten Tat zu verleiten. Nick gestattet sich nicht irgendwelche Gefühle für Laurant zu empfinden, schließlich ist sie die Schwester seines besten Freundes, doch schnell sieht er ein, das sich sein Gefühlsleben nicht unter Kontrolle halten läßt.

Mit jedem Tag steigt die Spannung, denn man wartet darauf das der “Herzensbrecher” zuschlägt. Und jeden Tag fällt es Laurant schwerer, Nick nur als einen Beschützer zu sehen. Da spitzt sich die Situation zu …

Wenn das ein “Thriller” sein soll, hat das Buch bei mir komplett versagt. Jedesmal wenn ich die Story unterbrochen habe, fiel mir hinterher nicht mehr ein, worum es eigentlich ging. Obwohl ich ein Julie Garwood Fan bin, kann ich in diesem Fall nicht zustimmen, das sie auch weiterhin in diesem Genre schreiben sollte. Da sind mir ihre historischen Liebesromane tausend Mal lieber.

Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke und Moments

Titel: Zum Sterben schön
Autor: Julie Garwood
Verlag: Blanvalet
Seiten: 480
ISBN: 344235661X

Tödliche Küsse

Erstellt am: Oktober 17th, 2007

Hier ist Teil 2 in J.D. Robbs (Nora Roberts) “Eve und Roarke” Serie.

Seit dem DeBlass Fall sind einige Monate vergangen. Roarke und Eve haben eine Beziehung, die Roarke gern weiter vertiefen würde, aber Eve scheut davor.

Eve wird zu einem Mordfall gerufen. Der berühmten Strafverteidigern Cicely Towers hat man die Kehle durchgeschnitten. In einer ziemlich verrufenen Gegend wurde die Leiche gefunden. Man setzt Eve als ermittelnden Lieutenant ein, da ihr Commander ein persönlicher Freund der Ermordeten war. Ein besonders schmieriger Reporter namens C.J. Morse macht ihr bei diesem Fall das Leben zur Hölle. Schließlich kann sie keine nennenswerten Erfolge verbuchen. Es gibt weder Indizien die auf einen Täter hindeuten noch einen Verdächtigen.

Und das man wiedermal Roarke mit in die Sache reinziehen will, macht ihr auch zu schaffen. Dann wird plötzlich eine zweite Frau auf die selbe Weise ermordet, man hat ihr die Kehle durchgeschnitten. Diesmal ist das Opfer die allseits bekannte Schauspielerin Yvonne Metcalf. Eve hat herausgefunden, daß vom ersten Tatort ein Regenschirm verschwunden ist und diese Tote trägt nur noch einen Schuh. Warum sollte der Täter Souvenirs von seinen Opfern sammeln?

Privat zwischen Eve und Roarke gibt es auch Probleme. Roarke möchte das Eve die magischen drei Worte ausspricht, nämlich “Ich liebe Dich”. Da sie noch nichtmal in seinem Haus wohnen will, wenn er nicht da ist, stellt er ihr ein Ultimatum. Er möchte alles oder gar nichts.

Eve meint der Täter sucht seine Opfer nach ihrem Bekanntheitsgrad aus. Denn schließlich standen beide Frauen im Rampenlicht. Also legt sie einen Köder aus. Nachdem sie sich endlich zu Roarke bekannt hat, sorgt sie dafür, daß bei allen gesellschaftlichen Anlässen sie beide in den Nachrichten auftauchen, in der Hoffnung, daß der Mörder anbeißen tut und seine Aufmerksamkeit auf sie lenkt. Leider geht der Schuß nach hinten los, da plötzlich eine Frau aus dem Fernsehsender Channel 75 ermordert wird. Eine Frau, die das Pech hatte Nadine Furst’s Regenmantel zu tragen. Nadine hatte in Eve’s Auftrag dafür gesorgt, das möglichst oft über sie berichtet wurde.

Die Zeit rennt Eve davon, denn sie will den Mörder fassen bevor er eine weitere Tat begeht. Aber was ist der Grund für die durchgeschnittene Kehle? Wo liegt der Schlüssel zu allem?

Keine leichte Aufgabe für Eve. Aber sie ist nicht umsonst mit Abstand New Yorks bester Police Lieutenant. Und auch diesmal wird sie keine Ruhe haben, bis der Fall aufgeklärt ist. Eine weitere spannende und meisterhaft gesponnene Geschichte aus dem New York im Jahr 2058. Mal sehn wie es in Teil 3 weitergeht. Ich kann es kaum abwarten dieses Buch zu lesen.

Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke und Moments

Titel: Tödliche Küsse
Autor: J. D. Robb
Verlag: Blanvalet
Seiten: 360
ISBN: 344235451X

Die Frau auf den Klippen

Erstellt am: Oktober 17th, 2007

Eines Tages hat Joanna Flynn einen Autounfall, den sie unbeschadet übersteht. Kurz darauf kommt sie jedoch in Kontakt mit einer Elektoleitung und ihr Herz setzt aus. Man schafft es sie ins Leben zurückzuholen, aber zweimal den Tod vor Augen zu haben, hinterlässt Spuren. Kurz nach diesem Vorfall hat Joanna seltsame Alpträume. Sie wird nervös, fängt an sich anders zu kleiden und weiß nicht, was mit ihr passiert. In einem ihrer Träume sieht sie ein Schild das den Namen Cliffside trägt, und als sie anfängt Nachforschungen über die Stadt anzustellen, kommt etwas sehr beunruhigendes ans Licht. Zur selben Zeit in der Joanna ihren Unfall hatte, starb in Cliffside eine junge Frau bei einem Autounfall. Noch erstaunlicher ist das sie Joannas Zwilling sein könnte und die verstorbene Caroline Mckenna hatte auch fast das gleiche Geburtsdatum wie Joanna. Da Joanna diese Ungewissheit, die sie antreibt, nicht mehr ertragen kann, reist sie von Atlanta aus nach Cliffside in Oregon. Sie ist erstaunt, dass ihre Anwesenheit anscheinend die ganze Stadt zu verunsichern scheint. Und je mehr sie über Caroline Mckenna herauszufinden versucht, desto weniger versteht sie die Verstorbene. Jeder glaubt Caroline gekannt zu haben, aber Joanna merkt bald, das der Schein trügt. In Cliffside lernt sie den ortsansässigen Polizisten Griffin Cavanaugh kennen. Doch inwieweit kann Joanna ihm vertrauen? Und warum wird sie jeden Tag nervöser und hat das Gefühl etwas furchtbares wird passieren, wenn Sie nicht herausfindet warum Caroline gestorben ist? Kay Hooper ist dabei ihren Schrifsteller-Kolleginnen Iris Johansen und Tami Hoag zu folgen, denn anstelle von reinen Liebesromanen schreibt sie jetzt Mystery & Suspense Geschichten mit einem Schuss Romance. In “Die Frau auf den Klippen” gibt es genug Geheimnisse zu lüften, so dass es dem Leser nicht langweilig wird. Kay Hooper reicht mit diesem Roman zwar noch nicht ganz an Iris Johansen heran, aber sie ist auf dem besten Weg dahin.

Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke und Moments

Titel: Die Frau auf den Klippen
Autor: Kay Hooper
Verlag: Blanvalet
Seiten: 350
ISBN: 3442354927

Die Erfinder des Todes

Erstellt am: Oktober 17th, 2007

‘Wer hätte wohl geglaubt, dass hinter Fionas kühler Fassade eine sinnliche Frau steckte, die den schonungslosesten Autor der britischen Krimiszene in einen romantischen Narren verwandelte? Sie war immer am leidenschaftlichsten, wenn sie sich mit einem brutalen Mord hatte befassen müssen. Es war, als müsse sie dann ihre Verbindung zum Leben neu bestätigen und ihre eigene Vitalität im Trotz gegen einen Killer ausleben. Kit mochte wohl diese Triebfeder mit Missbilligung betrachten, aber er hatte nichts dagegen die Vorteile zu genießen.’

Als im spanischen Toledo innerhalb von nur drei Wochen zwei ausländische Touristen brutalen Morden zum Opfer fallen, wird die angesehene britische Psychologin Fiona Cameron, die als Expertin für Deliktverknüpfung und das Erstellen geografischer Täterprofile gilt, vom Leiter der Ermittlungen zu Rate gezogen. Gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Kit Martin, einem erfolgreichen Krimi-Autor, macht sie sich auf den Weg nach Spanien. Die Hinweise auf den Täter lassen sich wahrlich nicht als üppig bezeichnen, doch Cameron ist schon bald davon überzeugt, dass ein tendenziell ungewöhnliches Motiv ihn antreibt.

Von einer sexuell motivierten Tat geht jedoch die schottische Polizei aus, als sie Drew Shand, der sich mit seinem Thriller “Copycat” in die Bestsellerlisten schrieb, bestialisch verstümmelt auffindet. Fiona schließt allerdings auch die Möglichkeit, dass ein Stalker Shands Mörder ist, nicht aus. Weitere Nahrung bekommt diese Intuition, als Kit und andere Starautoren der Krimi-Szene Morddrohungen erhalten – einerseits. Andererseits aber hat die Erfahrung Fiona gelehrt, dass Mörder ihre zukünftigen Opfer sehr selten vorwarnen. Doch weitaus dominanter als rationale Überlegungen ist bei Cameron, der brillanten Analytikerin, in diesem Fall ein Gefühl: das der Angst, Kit Martin könne in Gefahr sein.

“Die Erfinder des Todes” ist ein weiteres exzellentes Machwerk von Val McDermid, die ihre Protagonistin Dr. Fiona Cameron in diesem Thriller mitten in einen Alptraum katapultiert, bei dem auch die Leser nicht auf Schonung hoffen dürfen. Mehr noch: Von der ersten Seite an stecken sie tiefer im Geschehen als Kit und Fiona, als die Ermittler und als die potenziellen Opfer. Denn der Krimi ist mit Schlüsselszenen, die Mordvorlagen sind, und Tagebuchaufzeichnungen, die Genugtuung, Aversionen und Emotionen dokumentieren, gespickt. So erfährt man allerhand über die krude Gedankenwelt des Mörders und weiß von seinem Plan – der Spannung tut das freilich keinen Abbruch. Mit einem messerscharfen Sinn für Details, die Spuren zeichnen und auf Irrwege führen, klar umrissenen Charakterisierungen der Haupt- und Nebenfiguren, die keine Fragen über deren Agieren offen lassen, psychologischem Tiefgang, raffiniert verwobenen Handlungsebenen und atemberaubender Rasanz treibt die Autorin den Plot von einem Schreckensszenario zum nächsten – bevor sie es in den schottischen Highlands zum wahrlich überraschenden Showdown kommen lässt.

Val McDermid wurde 1955 in Schottland geboren und war langjährig als Literatur-Dozentin und Journalistin tätig. Ihre Erfolgsstory als Autorin begann 1995, als sie für “Das Lied der Sirenen” mit dem Gold Dagger Award ausgezeichnet wurde. Abgesehen von diesem prämierten Titel, dem zuletzt erschienenen “Ein Ort für die Ewigkeit” und dem hier rezensierten sind ihre Thriller “Schlussblende”, “Abgeblasen” und “Das Gesetz der Serie” bei Droemer Knaur erhältlich. Val Mc Dermid lebt in Manchester. (Ensa Maurer)

Titel: Die Erfinder des Todes
Autor: Val McDermid
Verlag: Droemer
Seiten: 540
ISBN: 3426195674

Wie könnt ihr schlafen

Erstellt am: Oktober 17th, 2007

‘Sie sah auf die Uhr. “Ja. Also zur Sache. Der Fundort der Leiche ist Kreimheim, in einem Garten, einer Familie -”, Härting schlug eine Akte auf, “Marquardt. Vorgestern Morgen um halb neun wurde sie von der Haushaltshilfe, Rebecca Clapeyron, und Herrn Marko Marquardt bei Gartenarbeiten gefunden.” Er sah auf. “Ein Neugeborenes, Böllchen. War bei denen im Garten vergraben.” Er schüttelte den Kopf.’

Das tut zunächst auch Bettina Boll, Kommissarin beim Ludwigshafener Mord-Dezernat: einerseits ob der Abneigung, von ihrem Chef Härting “Böllchen” genannt zu werden, andererseits, weil sie gerade Urlaub hat und sich den damit vertreibt, die Kinder ihrer Schwester zu hüten. Dann jedoch bringt sie die zu Tante Elfriede und macht sich mit ihrem Kollegen Willenbacher auf den Weg nach Kreimheim. Dort treffen sie nicht nur auf die Leiche eines Babys, das vor mehr als zwanzig Jahren sterben musste, sondern auch auf die Tatsache, dass fast alle, die mehr über die damaligen Vorkommnisse wissen könnten, bereits ebenfalls das Zeitliche gesegnet haben.

Im Zuge ihrer Recherchen, die im Ort ebenso für Wirbel wie für eine Mauer des Schweigens sorgen, stoßen Boll und Willenbacher auf weitere grausame Funde und auf Erkenntnisse, die den Fall ständig komplizierter machen. Als dann auch noch eine Jugendliche aus Kreimheim verschwindet und es zudem zwei weitere Todesopfer zu beklagen gibt, ist das Ermittler-Duo gezwungen, sich zugleich mit Vergangenem wie mit Gegenwärtigem zu befassen.

Trotz sprachlicher Leichtigkeit, mit leiser Ironie gezeichneter Charaktere und stilsicher inszenierter Dialoge: Mit “Wie könnt ihr schlafen” serviert Monika Geier wahrlich keine leichte Krimi-Kost, denn anfangs prasseln die Figuren und scheinbare Nebensächlichkeiten nur so auf die Leser ein. Da gilt es, hellwach zu sein, um nicht den Überblick zu verlieren. Dann jedoch wird man unversehens in den Sog der spannenden Handlung, die aus dem Nährboden des detailliert beobachteten provinziellen Mit- und Gegeneinanders erwächst, gezogen und entdeckt die Abgründe hinter der Pseudo-Idylle.

Monika Geier wurde 1970 in Ludwigshafen geboren und absolvierte nach dem Abitur eine Ausbildung zur Bauzeichnerin. Dieser folgte ein Studium an, das sie inzwischen als Diplomingenieurin für Architektur erfolgreich abschloss. Monika Geier, die mit einer eigenen Homepage im Internet vertreten ist (www.geiers-mor.de), lebt in Kaiserslautern; vor einigen Wochen erschien der zweite Krimi mit ihrer Kommissarin Bettina Boll, der den Titel “Neapel sehen” trägt. (Ensa Maurer)

Titel: Wie könnt ihr schlafen
Autor: Monika Geier
Verlag: Argument Verlag, ariadne
Seiten: 378
ISBN: 3886198405

Tod in Havanna

Erstellt am: Oktober 16th, 2007

Daniel Ros, der als Journalist für eine Tageszeitung Barcelonas und als Krimi-Schriftsteller tätig ist, hasst Reisen im Sommer, wenn alle Welt unterwegs ist und die Klimaanlagen in den Hotels auf Hochtouren laufen. Als er nach einem zweiwöchigen Urlaub wieder in Barcelona ankommt, sieht zunächst alles danach aus, in Butter zu sein. Dieser Eindruck ändert sich jedoch schlagartig, als Daniel seinen hektisch blinkenden Anrufbeantworter abhört und von seinem Kollegen Luis Costa von einer Beerdigung erfährt. ‘Irgend jemand war gestorben, und Beerdigungen hasse ich auch. Wenn ich könnte, würde ich noch nicht einmal auf meine eigene gehen.’

Sofort ruft er Luis Costa zurück und sieht sich einer echten Hiobsbotschaft gegenüber: Estanis Marimón, Daniels Freund und Kollege, erlag kurz vor Abschluss einer Reportage über den Sex-Tourismus in Kuba in einem Hotelzimmer Havannas einer Überdosis Heroin. Mit seiner Fassungslosigkeit und seiner Skepsis, das steht schnell fest, befindet sich Ros in guter Gesellschaft, denn weder Estanis’ Witwe noch seine ehemaligen Kollegen können glauben, was die Ermittlungen der kubanischen Behörden ergeben haben.

Schon am nächsten Tag ist Daniel Ros auf Geheiß seines Chefs gezwungen, erneut das zu tun, was er so gar nicht mag: Reisen im Sommer. Inmitten vieler allein reisender Männer und etlicher junger Pärchen sitzt er im Flieger nach Havanna, um dort fortzusetzen, was Estanis nicht beenden konnte.

Seine Recherchen auf den Pfaden des so mysteriös verstorbenen Kollegen lassen Ros nicht nur auf die Gelegenheitsprotistuierte Anyelín stoßen, sondern mit ihrer Hilfe auch auf die Spur des Mörders.

“Tod in Havanna” hat wahrlich alles, was einen guten Krimi ausmacht: einen spannenden Plot, der keinerlei Schwächen aufweist, einen sympathischen Helden, der als Ich-Erzähler zu seinen Schwächen steht, eine Liebesgeschichte, die so unvermittelt beginnt wie sie endet, und eine Location, deren politische und soziale Brisanz eigentlich keine Krimi-Handlung bräuchte, um das Prädikat “aufregend” zu verdienen. Beeindruckend präzise porträtiert Jordi Sierra i Fabra das Leben und die Leute auf der vom Kommunismus gebeutelten Karibik-Insel, stilsicher treibt er die Handlung und die von Konfusion geprägte Entwicklung seines Protagonisten Daniel Ros voran und lässt die Leser dabei stets auf dessen Augenhöhe.

Jordi Sierra i Fabra wurde 1947 in Barcelona geboren und hat bislang über 200 Romane, Krimis, Biographien sowie Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht, die in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt wurden. Er erhielt bereits 1975 den Literaturpreis der Stadt Bilbao, 1979 den der Stadt Sevilla, war 1978 Finalist im Rennen um den renommierten “Premio Planeta” und gehört zu den erfolgreichsten Autoren Spaniens. 1989 wurde erstmals einer seiner Kriminalromane mit dem Protagonisten Daniel Ros, der sich längst zu einer der populärsten spanischen Krimifiguren gemausert hat, für das Fernsehen verfilmt. (Ensa Maurer)

Titel: Tod in Havanna
Autor: Jordi Sierra i Fabra
Verlag: Distel Literaturverlag
Seiten: 277
ISBN: 3923208421

Meineid

Erstellt am: Oktober 16th, 2007

‘Tess war immer ein fester Bestandteil in Gretas Leben gewesen. Sie war die Schwester, die Greta nie hatte, die sorglose, leichtlebige Schwester, die nichts auslassen wollte. Tess war Gretas buntes Ich, ihr Paradiesvogel. Greta hat Tess geliebt. Bei all den Lügen ist das eine Wahrheit, die einzige, die ich bereit wäre, jetzt noch zu beschwören.’

Schon in der Schule hatten Tess und Greta sich kennen gelernt, waren ihre so verschiedenen Welten, Ansichten und Ideen aufeinander geprallt. Während Tess nach dem Abitur vom Glamour einer Karriere als Fotomodell träumte, stand für Greta schon früh fest, dass sie es zu einer berühmten Anwältin bringen will. Und während Tess das Leben und die bunte Palette der sich stets anbietenden Männer studierte – und abservierte -, stürzte sich Greta ehrgeizig in ihr Studium und ihre Bücher.

Schließlich lernt sie den Anwalt Niklas Brand kennen, der sich prompt in sie verliebt und nicht in ihre allseits begehrte Freundin. Erst viel später, kurz vor der geplanten Hochzeit mit Greta, lernt er Tess kennen. ‘Es war wirklich die Hölle. Greta an meiner Seite, neben ihr Tess, und in mir die Gewissheit, dass ich dabei war, den größten Fehler meines Lebens zu begehen.’ Auf die erhoffte Chance, für Tess mehr als ein Freund zu sein, wartet Niklas aber vergebens.

Als Tess zum zweiten Mal Gretas Zukunftspläne durchkreuzt und sich Gretas Nachbarn, den Drehbuchautor und Möchtegern-Krimi-Schriftsteller Jan Tinner, angelt, dessen Manuskript vor bestialisch zugerichteten Frauenleichen nur so wimmelt, nimmt das schier Unvermeidliche seinen dramatischen Lauf.

Mit ihrem Buch “Meineid” ist der Autorin Petra Hammesfahr erneut ein meisterhaft spannender, verwirrender, psychologisch ausgetüftelter Plot gelungen, der die Leser in die Abgründe menschlichen Denkens und Handelns reißt. Aus der Sicht von Niklas Brand, den sie als Ich-Erzähler retrospektiv agieren lässt, erzählt sie von Liebe und Hass, Bewunderung und Neid, Lügen und Wahrheiten.

Petra Hammesfahr, 1951 geboren, ist als Schriftstellerin und Drehbuchautorin tätig und lebt in Kerpen bei Köln. Ihre Romane “Die Sünderin”, “Der Puppengräber”, “Lukkas Erbe” (alle im Rowohlt Taschenbuch Verlag erschienen) und “Die Mutter” (Wunderlich Verlag) halten seit geraumer Zeit Plätze in den Bestsellerlisten. Für “Die Mutter” wurde Petra Hammesfahr mit dem ersten Frauenkrimipreis der Stadt Wiesbaden ausgezeichnet; den Rheinischen Literaturpreis der Stadt Siegburg erhielt sie für ihren Roman “Der gläserne Himmel”. (Ensa Maurer)

Titel: Meineid
Autor: Petra Hammesfahr
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag
Seiten: 378
ISBN: 3499229412

Der Schneider von Panama

Erstellt am: Oktober 16th, 2007

John le Carré ist nicht nur ein berühmter Bestsellerautor, sondern auch ein bedeutender Schriftsteller – eine Kombination, die nicht eben häufig vorkommt. Carré, der in diesem Jahr seinen 70.Geburtstag feiern konnte, schreibt komplexe und spannende Geschichten mit lebendigen Charakteren.

“Der Schneider von Panama” spielt, wie der Titel verrät, in Mittelamerika. “Es war ein vollkommen gewöhnlicher Freitagnachmittag”, so beginnt der Roman, “im tropischen Panama, doch dann stapfte Andrew Osnard in Harry Pendels Laden, um sich Maß für einen Anzug nehmen zu lassen. Als er hereinkam, war Pendel noch der alte. Als Osnard dann wieder ging, war Pendel ein anderer.” Was Harry zu Beginn noch nicht wusste: Osnard war ein Spion des britischen Geheimdienstes, er hatte den Auftrag, die Vorherrschaft des CIA in Panama zu brechen und London mit brisanten Informationen zu versorgen. Osnard möchte daher mehr als nur einen feinen Anzug vom Schneider. Osnard, der über Henrys dunkle Vergangenheit bestens Bescheid weiß, zwingt Henry, seine einflussreichen Kunden auszufragen und die Informationen an den britischen Geheimdienst weiterzugeben. Nach und nach wird auch dem Leser klar, womit Osnard Henry erpreßt: Henry hat das Erbe seiner Frau und einen Kredit auf seine Schneiderfirma in eine wertlose Reisfarm investiert. Nun droht die Bank, den Kredit zu kündigen. Henry sieht sein gesichertes Leben gefährdet, und da seine Informationsquellen nicht allzu ergiebig sind, erfindet er Geschichten und stolpert in die Katastrophe.

Die Geschichte kommt Ihnen bekannt vor? So haben Recht. Ohne Graham Greene wäre dieser Roman, wie der Autor im Nachwort betont, nie zustande gekommen. Aber nachdem er Greenes “Unser Mann in Havanna” gelesen habe, bekennt Carré, habe er sich von der Vorstellung eines Nachrichtenerfinders nie lösen können.

John le Carré schrieb zusammen mit Regisseur John Boorman und Andrew Davies auch das Drehbuch zur Verfilmung seines anspruchsvollen Spionageromans, der viel Lokalkolorit enthält und zugleich eine Persiflage ist auf die Geheimdienste in aller Welt. Nicht nur jene, die den Film gesehen haben, werden die aufregende Handlung des Buches mit Begeisterung verfolgen.

Titel: Der Schneider von Panama
Autor: John LeCarre
Verlag: Wilhelm Heyne
Seiten: 463
ISBN: 345318484X

Die Adonisfalle

Erstellt am: Oktober 16th, 2007

‘Nelles drehte die Heizung höher und kämpfte mit Lappen und Scheibenwischern gegen die beschlagene und verschmierte Windschutzscheibe an, als er heimwärts Richtung Nippes fuhr. Langsam wurde ihm einiges klar: Wildmeier war homosexuell gewesen. Deswegen hatte er ein Doppelleben geführt. Die Gesellschaft akzeptierte inzwischen zwar schwule Krankenpfleger, Friseure und Fernseh-Entertainer – fußballspielende Tunten aber haben nicht den Hauch einer Chance.’

Dieter Wildmeier, Spitzenstürmer beim 1. FC Köln, hatte jedoch gleich in doppelter Hinsicht keine Chance: gesellschaftlich nicht und gegen seinen Mörder nicht, der ihn bestialisch zugerichtet auf dem Wasserbett zurück ließ. Die Tat ruft Hauptkommissar Jürgen Nelles auf den Plan, der wiederum seinen schwulen Nachbarn, den Floristen Bert, bittet, sich in der Szene der Domstadt umzusehen. Wenige Tage später wird in Hamburg ein prominenter homosexueller Mode-Designer tot aufgefunden, und kurz danach haben auch Nelles’ Münchner Kollegen ihren Fall. Alles spricht dafür, dass die Taten auf das Konto eines Mannes gehen.

In seinem Krimi “Die Adonisfalle” eröffnet Holger Möllenberg den Plot mit einem Thema, dessen Brisanz man sich im wirklichen Leben scheinbar nur mit Totschweigen zu erwehren weiß: Schwule in der Kicker-Szene. Obwohl er dieses Terrain schnell verlässt, verliert die Geschichte jedoch nichts an Spannung. Die bezieht sie einerseits aus der rasanten Handlung, die nicht zuletzt vom wohldosierten Wechsel der Perspektiven lebt, und andererseits aus dem raffiniert gewebten Beziehungsgeflecht zwischen den Akteuren.

Holger Möllenberg lebte und arbeitete nach seinem Studium als Journalist in Deutschland und in den USA. Derzeit wohnt er in Köln, wo er als Redakteur für einen Fernsehsender tätig ist. (Ensa Maurer)

Titel: Die Adonisfalle
Autor: Holger Möllenberg
Verlag: Argument Verlag, ariadne
Seiten: 252
ISBN: 3886199614

Feine Freunde

Erstellt am: Oktober 16th, 2007

Auch der neunte Fall, den Commissario Guido Brunetti zu bearbeiten hat und der ihn zum Teil selbst betrifft, ist spannend und fesselnd von der in Venedig lebenden Amerikanerin Donna Leon inszeniert worden.

Da wollte sich doch Brunetti ein paar ruhige Stunden gönnen. Er liegt mit einem offenen Buch auf dem Bauch im Wohnzimmer auf dem Sofa und ist gerade im Begriff, sich in den letzten Absatz des achten Kapitels von Xenophons “Anabasis” zu vertiefen, als er durch ein unsanftes Klingeln an der Tür gestört wird. Vor seiner Wohnung steht ein Mann vom Katasteramt, Franco Rossi, der ihm kurzerhand erklärt, dass im Ufficio Catasto für das Stockwerk, das Brunetti mit seiner Familie seit Jahren bewohnt, keine Baugenehmigung vorliegt und Brunettis Wohnung somit eigentlich gar nicht existiert. Womöglich müsse das ganze Stockwerk, in dem sich die Wohnung befindet, abgerissen werden, meint Rossi.

Was tun? Soll Brunetti seine Prinzipien und Ideale über Bord werfen und seine “feinen Freunde”, die über Geld und Beziehungen verfügen, um Hilfe bitten und Wege beschreiten, die vielleicht nicht ganz legal sind? Brunetti zögert noch. Da wird er eines Tages von Franco Rossi angerufen. Dessen Stimme klingt verängstigt und besorgt. Offenbar hat Rossi dunkle Machenschaften in seiner Dienststelle entdeckt. Doch bevor er sich Brunetti offenbaren kann, stirbt er überraschend. Zunächst ist nur Brunetti davon überzeugt, dass es sich bei Rossis plötzlichem Tod um Mord handelt. Immerhin führt ihn eine Telefonnummer in der Brieftasche des Toten zu einem Anwalt, der am hellichten Tag erschossen wird. Aber es kommt noch schlimmer. Brunettis Vorgesetzter, der Vice-Questore Patta, hat einen Sohn, der dealt. Brunetti soll ihm aus der Klemme helfen. Ein Student stirbt an Drogen, ein Fixerpärchen wird zu Tode geprügelt. Daneben tauchen dubiose Gestalten auf, die ihren dunklen Geschäfte nachgehen und sich auf Kosten anderer bereichern.

Brunetti sucht alte Freunde auf und horcht sie aus. So kommt er nach und nach Schiebereien, Korruptionen, verschwundenen Akten, illegalen Baugenehmigungen, Schmiergeldern, dunklen Machenschaften und Wuchereien in Venedigs Beamtenapparat auf die Spur. Aber auch einem Brunetti helfen eherne und ehrenhafte Grundsätzen allein nicht weiter. Wohl oder übel ist er auf Gefälligkeiten von Freunden, Bekannten und wenig geliebten Verwandten angewiesen. Selbst die Sache mit dem dealenden Sohn seines Chefs regelt er auf eigene Weise, so dass dieser keine Anzeige zu fürchten hat. Ähnlich verfuhr der wackere Commissario übrigens schon “In Sachen Signora Brunetti”, als er dafür sorgte, dass das Vergehen seiner Frau nicht aktenkundig wurde. Die Gerechtigkeitsfanatiker unter Donna Leons Lesern dürften von Brunettis Verhalten enttäuscht sein. Man wird sehen, wie er sich weiter entwickelt. (Ursula Homann)

Titel: Feine Freunde
Autor: Donna Leon
Verlag: Diogenes
Seiten: 332
ISBN: 3257062710

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