Flieg, Grappa, Flieg

Erstellt am: Oktober 16th, 2007

Als Maria Grappa, Reporterin des ‘Bierstädter Tageblatts’, einen neuen Chef bekommt, ist es mit dem dolce vita vorbei – nicht nur für ihren ausgebooteten Vorgesetzten Peter Jansen. Seinen Posten nimmt fortan Dirk Jesberg ein, der zwar nicht mit profunden journalistischen Erfahrungen aufwarten kann, dafür aber als Schwiegersohn des neuen Verlegers über eine effektive Dosis Vitamin B verfügt.

Erstes Opfer seiner forschen Reformierungswut, die das Blatt zu einer Familien-Zeitung machen soll, ist das Thema, für das Grappa gerade recherchiert: käuflicher Sex in Bierstadt. Als kurz darauf erneut in den Bierstädter Zoo eingebrochen wird und einige Tiere die Gelegenheit zur Flucht in die Freiheit nutzen, schickt Jesberg Grappa, die sich freilich lieber um Brisanteres kümmern würde, zum Einsatz. Erst nach und nach offenbart sich ihr die wahre Dimension des für unspektakulär gehaltenen Auftrags.

“Flieg, Grappa, flieg!” ist eine ebenso flott wie spannend erzählte Geschichte um die neugierige, schlagfertige, selbstironische und rundum sympathische Journalistin Maria Grappa. In Augenhöhe mit ihr zieht Gabriella Wollenhaupt die Leser in den Plot, der aus einem privaten Abenteuer seiner Protagonistin, einer dramatischen Familiengeschichte und der zögernden Entlarvung eines Gut-Menschen ständig neuen Zündstoff gewinnt.

Mit “Flieg, Grappa, flieg!” hat Gabriella Wollenhaupt bereits ihren 12. Grappa-Krimi für den Grafit-Verlag abgeliefert. Die Autorin wurde 1952 geboren und arbeitet als Fernsehredakteurin in Dortmund. (Ensa Maurer)

Titel: Flieg, Grappa, Flieg
Autor: Gabrialla Wollenhaupt
Verlag: Grafit Verlag
Seiten: 187
ISBN: 3894252561

Das verlorene Gesicht

Erstellt am: Oktober 16th, 2007

Eve Duncan ist Gerichtsmedizinerin und ihr Spezialgebiet ist es, einem Skelett-Schädel wieder ein “Gesicht” zu geben indem sie die Gesichtszüge rekonstruiert, damit die gefundenen Knochen identifiziert werden können. Eve wird selber von ihrer Vergangenheit verfolgt, den vor Jahren wurde ihre kleine Tochter entführt und getötet und nie aufgefunden. Mit jedem Schädel bzw. Skelett was ihr gebracht wird, hofft sie eventuell ihre Tochter Bonny wiederzufinden.

Da erhält sie urplötzlich ein erstaunliches Angebot. Der Billionär John Logan braucht ihre Hilfe, sie soll für ihn einen Schädel identifizieren. Er bietet ihr eine Menge Geld, aber Eve lehnt ab. Allerdings ist es schon zu spät, eine andere Partei die nichts gutes im Sinn hat, lässt Eve’s Labor zerstören.

Um am Leben zu bleiben und weil John sein Angebot noch erhöht hat, stimmt Eve zu, die Arbeit für ihn auszuführen. Je mehr sie von John erfährt was sie tun soll, desto schlimmer gerät sie in ein Netz aus Intrigen, Betrug und Mord. Und da ist der Schädel selber, der wenn er identifiziert ist, nicht nur Eve das Leben kosten kann.

Ein absolut faszinierender Mystery Roman. Iris Johansen schafft geradezu eine unheimliche Stimmung indem sie ihre Heldin eine dermaßen ungewöhnliche Arbeit ausführen lässt. Spannende Unterhaltung und jede Menge Überraschungen sind mit dieser Geschichte garantiert.

Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke

Titel: Das verlorene Gesicht
Autor: Iris Johansen
Verlag: Ullstein Verlag
Seiten: 512
ISBN: 3548251374

Nacht ohne Ende

Erstellt am: Oktober 16th, 2007

Tiel McCoy ist mit Leib und Seele Reporterin. Als sie sich endlich mal einen Urlaub gönnen will, passiert etwas unglaubliches. Die Tochter eines Millionärs wurde gekidnappt und nichts ist Tiel wichtiger als eine aufregende Story. Also ruft sie ihren Chef an und bittet darum, die Story übernehmen zu dürfen. Als sie in einem kleinen Ort in Texas in einem Laden stoppt, weil sie glaubt sich verfahren zu haben, wird sie in einen Überfall verwickelt. Die Räuber sind jedoch niemand anderes als Ronnie Davison, der angebliche Kidnapper, und Sabra Dendy, seine schwangere Freundin die gleichzeitig die angeblich entführte Tochter des Millionäres Dendy ist.

Tiel kann ihr Glück nicht fassen, sie braucht sich nicht auf die Suche nach der Story machen, sondern die Story ist zu ihr gekommen. Kurz darauf stellt sie jedoch fest, das die Situation viel komplexer ist als sie angenommen hat. Denn bei Sabra setzen plötzlich die Wehen ein und zusammen mit den anderen Kunden hält Ronnie sie mit einer Pistole in Schach, da er nicht weiß, wie er mit der Situation umgehen soll.

Tiel und eine andere Geisel mit Namen Doc, kümmern sich um die in den Wehen liegende Sabra. Wie es aussieht hat Doc eine medizinische Ausbildung, dabei sieht er aus wie ein typischer texanischer Cowboy. Die Situation spitzt sich immer mehr zu und bald ist der Laden von einem FBI-Team umstellt.

Was für einen Pakt haben Ronnie und Sabra geschlossen, das sich die junge Frau nicht in ein Krankenhaus einliefern lassen will, obwohl es Komplikationen bei der Geburt gibt? Tiel stößt bald auf die schockierende Wahrheit…

Obwohl man diese Geschichte nicht einen typischen Sandra Brown Krimi nennen kann, ist jede Menge Spannung und erstaunliche Verwicklungen garantiert. Etwas nervig wirkt das sich die Handlung fast nur an einem Ort abspielt und die handelnden Figuren fast jedes Mal davor stehen die Nerven zu verlieren, aber davon abgesehen, ist “Nacht ohne Ende” ein sehr unterhaltsames Buch.

Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin von “Die romantische Bücherecke”

Titel: Nacht ohne Ende
Autor: Sandra Brown
Verlag: Blanvalet Taschenbuch
Seiten: 220
ISBN: 3442354471

Zweimal Hölle und zurück

Erstellt am: Oktober 16th, 2007

‘Die Aussicht war phänomenal. Das weltmeisterlich schöne Kölner Stadtpanorama füllte den gesamten Horizont. Ich sah mich langsam um. … Meine linke Backe scheuerte an der rauh verputzten Wand entlang. … Mein linker Arm schmerzte, er schlief fast schon ein. Er wurde länger und länger. Kein Wunder bei fast hundert Kilo Lebendgewicht und achtundvierzig schweren Jahren, die an ihm, und nur an ihm, hingen. … Weit unter mir, genauer gesagt sechzehn Stockwerke tiefer, sahen die ersten Menschen hoch.’

Lou Hoeller, der schnoddrige Detektiv, ist der personifizierte Misserfolg – wenn man davon absieht, dass er Geld und seine junge, blonde Freundin Kat hat: Die Aufträge sickern nur kläglich, nicht mal der Selbstmord gelingt und sein Handy, das ihn bezeichnenderweise mit der Melodie von “Waterloo” ruft, fiept regelmäßig im falschen Moment. So auch, als Hoeller seine zwei Zentner wieder mühsam in das offene Fenster der 16. Etage gehievt hat: Sein Freund, der Konzertveranstalter Woller, steckt mitten in den Vorbereitungen zum Festival des Jahres und braucht dringend Lous Hilfe als “Babysitter” für den betagten, legendären Jazzgitarristen Old Tremor Davis. Dass Hoeller eine tief verwurzelte Antipathie gegen Davis’ bevorzugten Musik-Stil hat, ist eine Sache – dass der Musiker seinem Aufpasser schon am Flughafen entwischt, eine andere. Doch Hoeller gibt nicht auf und verfolgt die Spur seines Schützlings nach Amsterdam.

“Zweimal Hölle und zurück” ist eine rasante, spannende Story mit tiefschwarzem Witz, einer um so farbigeren Sprache und einem fulminanten Finale. Kaczmarek, der seinen pointiert gezeichneten Sonderermittler als Ich-Erzähler agieren lässt, stattet ihn überdies mit einem ausgeprägten Hang zu trübsinniger (Selbst-)Ironie und fatalistischem Weltschmerz aus. Wer den TV-Detektiv Columbo mag, wird auch Lou Hoeller mögen.

Nach seinem begeistert aufgenommenen Köln-Krimi-Debüt “Einmal Jenseits, einfache Fahrt” legt der Zeichner Peter Kaczmarek mit “Zweimal Hölle und zurück” die zweite Geschichte um seinen Anti-Helden Lou Hoeller vor. Der Designer, Illustrator und Karikaturist Kaczmarek bestückte bereits zahlreiche Ausstellungen und SPIEGEL-Titelbilder. (Ensa Maurer)

Titel: Zweimal Hölle und zurück
Autor: Peter Kaczmarek
Verlag: Eichborn Verlag
Seiten: 275
ISBN: 3821805919

Dresdner Silberlinge

Erstellt am: Oktober 16th, 2007

Kirsten Bertram ist als Lokalredakteurin bei der “Sächsischen Rundschau” beschäftigt. Als eines Tages Andy, ein Ex-Lover mit anhaltendem Verwirrungspotenzial, in ihrem Büro auftaucht und sie bittet, sich an den Recherchen für eine Story über die Produktion eines revolutionären Chips bei der Firma SAI Dresden zu beteiligen, ahnt Kirsten noch nicht, was sie erwartet.

Zusätzliche Brisanz bekommt die Angelegenheit, als eine Mitarbeiterin von SAI Opfer eines Fahrrad-Unfalls wird, den Andy beobachtet hat (‘Das war kein Unfall. Das war wie eine Hinrichtung.’). Dass es sich bei ihr um eine alte Bekannte von ihm handelte und die alarmierte Polizei überdies herzlich wenig Elan zeigt, in die von ihm aufgezeigte Richtung zu ermitteln, bestärkt Andy nur in seinem Entschluss, auf eigene Faust Nachforschungen anstellen zu müssen.

Akribisch nehmen er und Kirsten Bertram das Umfeld der Toten unter die Lupe. Dabei stoßen sie auf Details, die nicht nur deren Berufs-, sondern auch das Privatleben in einem völlig neuen Licht erscheinen lassen, und den Kreis der Tatverdächtigen sowie der Motive entscheidend erweitern.

In ihrem Krimi-Debüt “Dresdner Silberlinge” knüpft Beate Baum aus vielerlei Aspekten eine spannende – “von A bis Z”, wie die Autorin verrät, “erfundene” – Handlung mit einer gleichermaßen überraschenden wie plausiblen Auflösung. Gespickt ist der Plot mit Dresdner Lokalkolorit, dem komplizierten Beziehungsgeflecht der zwischen Vernunft (= Dale) und Sehnsucht (= Andy) hin- und hergerissenen, sympathisch menschlichen Protagonistin Kirsten Bertram und profunden Einblicken in den ganz normalen Redaktionsalltag einer Tageszeitung.

Beate Baum wurde 1963 in Dortmund geboren und lebt seit knapp drei Jahren in Dresden. Sie studierte Literaturwissenschaften, Neugermanistik und Politik. Nach langjähriger Tätigkeit als freie Journalistin absolvierte sie ein Volontariat bei der Tageszeitung “Freies Wort” in Suhl. (Ensa Maurer)

Titel: Dresdner Silberlinge
Autor: Beate Baum
Verlag: Das Neue Berlin
Seiten: 192
ISBN: 3360012216

Die Kandidatin

Erstellt am: Oktober 16th, 2007

Der Tag, der für die Architektin Verena Schirmer und den Werbetexter und -fotograf Manuel Jorn zum schönsten ihres Lebens werden soll, endet für Beide in einem Fiasko: Mitten in die Trauungszeremonie platzen zwei Zivilbeamte, beschuldigen den Sohn einer TV-Berühmheit des Mordes an der 24-jährigen Marburgerin Jana Birg und nehmen ihn fest. So wenig die verhinderte Braut auch an seine Schuld glauben mag, so erdrückend sind die Beweise, die einwandfrei belegen, dass Manuel im Haus der Toten war und ein Verhältnis mit ihr hatte. Doch nicht nur darüber schweigt sich der Verhaftete beharrlich aus.

Während Jorn freiwillig schweigt, hat hingegen der Waffennarr Rainer Beesgen keine Möglichkeit mehr, zum Verdacht, die designierte Kanzlerkandidatin Norma Noske im Garten ihrer Schwester ermordet zu haben, Stellung zu nehmen – tot, wie er ist. Vieles deutete bei ihm auf einen Suizid hin, doch angesichts einiger Ungereimtheiten kommen Kilian Mink, dem Leiter der SOKO, schnell Zweifel an dieser Version. Gemeinsam mit seiner Kollegin Nathalie Dörres und einem hochkarätigen Team nimmt er die Ermittlungen auf und stößt bald auf Parallelen zum Fall Jana Birg.

Unversehens gerät Manuel Jorn, dessen Verhandlung von einem Wust an Widersprüchen dominiert wird, nun auch in den Verdacht, an der Ermordung Norma Noskes beteiligt gewesen zu sein. Verena Schirmer jedoch legt alles daran, seine Unschuld zu beweisen und nutzt jeden noch so vagen Hinweis, die Spur des wahren Täters aufzunehmen.

“Die Kandidatin” ist ein brillant und klug inszenierter Psychothriller von Lisa Pei, die ihre Leser hautnah an den parallel laufenden Nachforschungen von Verena Schirmer und Kilian Mink teilhaben und sie mit ihnen zweifeln, vermuten und hoffen lässt. Der durch und durch schlüssigen Handlung, die bis zur letzten Seite Spannung garantiert, setzt die Autorin eben solche Zeichnungen der Charaktere ihrer Protagonisten sowie ein erstaunliches Finale zu.

Lisa Pei ist das Pseudonym einer Autorin, die in Köln lebt und arbeitet. Von ihr stammen so erfolgreiche Kriminalromane wie “Im Namen des Enkels” und “Die letzte Stunde”. (Ensa Maurer)

Titel: Die Kandidatin
Autor: Lisa Pei
Verlag: Rütten & Loening
Seiten: 395
ISBN: 3352005737

Kismet. Ein Kayankaya- Roman

Erstellt am: Oktober 15th, 2007

Jakob Arjouni ist in Frankfurt geboren, lebt aber z.Zt. in Berlin und in der Provence in Frankreich. Als Pseudonym hat er den Namen seiner Freundin angenommen.

Sein Roman Kismet spielt im Frankfurter Banden-und Rotlichtmilieu.

Kayankaya ist Detektiv, türkischer Abstammung und schlägt sich mit kleineren Aufträgen schlecht und recht durch . Er hat seine Hände überall drin und kann Beziehungen geltend machen, die ihm bei seinen Recherchen hilfreich sind.

Er wird von dem Wirt Romario zu Hilfe gerufen , weil dieser sich von Schutzgelderpressern bedroht fühlt.

In schneller Folge haben wir es mit zwei Leichen zu tun, deren Identität herauszufinden sich Kayankaya zur Aufgabe macht.Bald aber schon wird er selbst von Angehörigen einer Mafia gejagt.

Es geht hoch her in der Geschichte. Nicht nur Kriminalität , auch Bandenkriege zwischen verschiedenen Nationalitäten zeugen von einer verwirrenden Vielfalt von Verbrechen, Korruption, Schikanen und immer wieder untereinander auszutragenden Kriegen.

Vielleicht ist weniger die eigentliche Schilderung von Belang, als vielmehr die Milieudarbietungen, in der Freundschaft und Feindschaft sowie Verläßlichkeit, Feigheit und Angst eine Rolle spielen.

Die Motive bei seiner Hilfe zur Verbrechensaufklärung scheinen für Kayankaya aus einer Mischung aus Abenteuerlust und Nowendigkeit zum Geldverdienst zu bestehen.

Mit Witz, Tempo und Humor,aber auch einer Portion Ernst über die Zustände in einer deutschen Großstadt, bringt die Geschichte zum Ausdruck, wie es in der sogenannten Unterwelt zugeht. Das Buch liest sich flott und lebendig. (Claudine Borries)

Titel: Kismet. Ein Kayankaya- Roman
Autor: Jakob Arjouni
Verlag: Diogenes
Seiten: 265
ISBN: 325706263X

Weg vom Fenster

Erstellt am: Oktober 15th, 2007

‘Sie schrak zusammen. Da hatte doch etwas geknallt. Eine Fehlzündung?’ Als ein Mann hinter dem geöffneten Fenster des gegenüber liegenden Hauses in sich zusammen sackt und entsetzte Frauenstimmen die nächtliche Stille durchdringen, ist Ines überzeugt, Ohrenzeugin eines Verbrechens gewesen zu sein.

Am nächsten Tag beginnt Ines, die frisch gebackene Mutter und Neu-Regensburgerin, auf eigene Faust Recherchen über die Tat und das Opfer, den Literaturprofessor Paul Breitkreuz. Dummerweise erfährt sie dabei, dass wiederum sie am Tatort von einem Augenzeugen beobachtet wurde.

Weniger aus persönlicher Neugier ist hingegen Ines’ Nachbarin, Hauptkommissarin Freya Jansen, an dem Fall interessiert. Ihre Ermittlungen bringen sie allerdings nicht nur den Aktivitäten des Ermordeten, sondern auch einem ihrer Kollegen ein ganzes Stück näher.

In ihrem Krimi “Weg vom Fenster” beschränkt sich Barbara Krohn erneut nicht auf einen spannenden Plot und seine überraschende Auflösung. Die Handlung ist gespickt mit Lokalkolorit, bajuwarischen Eigenarten und sympathisch (selbst-)ironischen, menschelnden Porträts ihrer Protagonistinnen Ines und Freya.

Barbara Krohn wurde 1957 in Hamburg geboren und lebt heute mit ihrer Familie in Regensburg. Sie studierte Germanistik und Italianistik und war vier Jahre an der Universität von Neapel als Dozentin tätig. Von der Übersetzerin, Literaturkritikerin und freien Autorin erschien ebenfalls im Aufbau Taschenbuch Verlag der Kriminalroman “Der Tote unter der Piazza”; sowohl er als auch “Weg vom Fenster” wurden für den renommierten “Glauser”-Krimipreis nominiert. (Ensa Maurer)

Titel: Weg vom Fenster
Autor: Barbara Krohn
Verlag: Aufbau Verlag
Seiten: 384
ISBN: 374661595X

Fräulein Smillas Gespür für Schnee. Großdruck

Erstellt am: Oktober 15th, 2007

Doch, es gibt einige Bücher, über die ich so sehr geärgert habe, dass ich einige Male erwog, die Lektüre abzubrechen, die ich aber dann trotz allem zu Ende gelesen habe. Eines dieser Bücher ist “Fräulein Smillas Gespür für Schnee”.

Es sind schon einige Jahre vergangen, seitdem ich mich durch den Roman gequält habe und ich kann mich definitiv nicht mehr an alle inhaltlichen Einzelheiten und Zusammenhänge erinnern; daher bitte ich die Besucher meiner Homepage um Verzeihung, wenn die Inhaltsangabe Lücken aufweist und möglicherweise sogar an einigen Stellen fehlerhaft ist, aber ich möchte es mir wirklich nicht antun, den Roman noch einmal zu lesen, nur um andere Leute vor dem Kauf dieses Buches zu warnen.

Ein kleiner Junge stürzt von einem vereisten Dach und kommt dabei ums Leben. Seine Nachbarin Smilla Jaspersen, eine Wissenschaftlerin, die sich vor allem mit der Erforschung von Eis und Schnee befasst und die, wie der tote Junge aus Grönland stammt, glaubt nicht an die von der Polizei so rasch aufgestellte Unfalltheorie. Sie ist vielmehr davon überzeugt, dass der kleine Jesaja von finsteren Mächten ermordet wurde.

Auf eigene Faust beginnt sie nach der Wahrheit zu suchen. Überall stößt sie auf Lüge, Vertuschung und Verrat. Es gibt zahlreiche Organistationen und Einzelpersonen, die in den Fall verwickelt sind und die Interesse daran gehabt haben könnten, den Jungen aus dem Wege zu schaffen. Smilla bekommt es zu tun mit alten Nazikollaborateuren, zwielichtigen Polizisten, einem undurchschaubaren Mechaniker, der Atommafia und sogar mit tierischen Feinden, wie einem winzigen aber hochgefährlichen Hakenwurm.

Der Roman von Peter Hoeg wurde von diversen Kritikern mit Lob überhäuft, daher begann ich seine Lektüre mit großen Erwatrungen. Doch ich wurde schnell enttäuscht. Selten habe ich eine verwirrendere und unglaubwürdigere Geschichte gelesen, als “Fräulein Smillas Gespür für Schnee”.

Ich habe absolut nichts gegen Fantsy- oder Märchenbücher, wenn sie als solche kenntlich sind, aber im einem Roman, der eigentlich als realistisch gelten möchte, haben solch haarsträubende Episoden, wie sie bei Peter Hoeg vorkommen, nichts zu suchen.

Ein Beispiel: Die Heldin sucht auf einem Schiff, das im Kopenhagener Hafen liegt, nach Indizien – plötzlich eine Explosion und das ganze Schiff steht in hellen Flammen. Smillas Haare werden versengt und sie kann sich nur durch einen beherzten Sprung ist eiskalte Wasser retten (es herrscht strenger Frost). Nackt schwimmt sie die 200 Meter bis zum rettenden Ufer, erwärmt nur von den hinter ihr lodernden Flammen – wer’s glaubt….

Natürlich ist das Buch politisch außerordentlich korrekt. Auf der Seite der Guten finden wir Menschen, die zu den benachteiligten Minderheiten gehören (z.B. Grönländer) – auf der Seite der Bösen die üblichen Gestalten (alte Nazis, korrupte Polizisten, geldgierige Unternehmer, skrupellose Ärzte).

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von Evas Leseland

Titel: Fräulein Smillas Gespür für Schnee. Großdruck
Autor: Peter Hoeg
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag
Seiten: 908
ISBN: 3499331608

Der Kameramörder

Erstellt am: Oktober 15th, 2007

‘Heinrich schaltete den Fernseher und den Teletext ein. Die erste Nachricht behandelte einen ausländischen Staatsbesuch. Die zweite berichtete von einem Mord an zwei Kindern, der in der Weststeiermark verübt worden war. Man schrieb von einem grauenhaften Verbrechen. Groß angelegte Fahndung “Es wird gegen einen etwa 30jährigen, mittelgroßen Mann ermittelt, der 2 7 u. 8 Jahre alte Kinder gezwungen hat, sich durch einen Sprung von einem hohen Baum zu töten, und diese Taten mit einer Videokamera aufgenommen hat. Ein dritter Bub, der 9jährige Bruder der beiden ums Leben gekommenen Kinder, hat entfliehen können.” ‘

Die Hoffnungen auf ein nettes, geselliges Beisammensein bei Heinrich und seiner Frau Eva ‘Stubenrauch, wohnhaft Kaibing 6, 8537 Kaibing’ wird für den Ich-Erzähler und seine Lebensgefährtin Sonja Wagner mit der Nachricht über das grausame Verbrechen jäh vereitelt. Zwar finden sie zeitweilig durchaus Gelegenheiten zum Rommé oder Federball spielen, doch im Wesentlichen wird das gemeinsame Osterwochenende durch die Sondersendungen der Fernsehstationen diktiert.

Während die Frauen mit Abscheu auf die bestialischen Morde und die Berichterstattung in den Medien reagieren, sind die Männer von der Sensationslust schier besessen und wollen sich auch die x-te Wiederholung von bereits Erfahrenem nicht entgehen lassen.

Thomas Glavinics Buch “Der Kameramörder” handelt von Morden, die durch die Macht der Medien Gefahr laufen, von der realen auf die virtuelle Ebene zu geraten, und von der Gratwanderung zwischen dem ganz normalen Informationsbedürfnis und menschenverachtender Sensationslust. Mit bemerkenswerten stilistischen Mitteln und einer Sprache, die dem Leser keine noch so kleine Nebensächlichkeit erspart und gleichzeitig Distanz vorgaukelt, lässt Glavinic den Ich-Erzähler aus seiner ganz eigenen Perspektive minutiös von dem Wochenende berichten. Zwischen dem fulminanten Anfang und dem fulminanten Ende des Buches liegen 150 Seiten spannende Unterhaltung.

Der 28-jährige Thomas Glavinic war Taxifahrer, Bergbauer und Werbetexter, bevor er 1991 ganz auf die Tätigkeit als Autor umsattelte. Seine Erzählungen, Reportagen, Hörspiele und Essays wurden mit verschiedenen Literaturpreisen bedacht. Bei “Volk & Welt Berlin” erschienen die Romane “Carl Haffners Liebe zum Unentschieden” (1998) und “Herr Susi” (2000) des in Wien lebenden Schriftstellers. (Ensa Maurer)

Am 10. April liest Thomas Glavinic ab 20 Uhr in der “literatur Werkstatt berlin” (Majakowskiring 46-48, Berlin-Niederschönhausen) aus seinem am 19. Februar d. J. erschienenen Buch “Der Kameramörder”. Im Anschluss an die Lesung findet ein Gespräch zum Thema “Der Mensch ist ein Abgrund” statt.

Titel: Der Kameramörder
Autor: Thomas Glavinic
Verlag: Volk & Welt Berlin
Seiten: 156
ISBN: 3353011919

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