Der magische Zirkel
Erstellt am: Oktober 9th, 2007Amerika, 1989:
Ariel Behn stammt aus einer sonderbaren Familie und übt einen brisanten Job aus, sie arbeitet für die atomare Wirtschaft. Da erhält sie plötzlich die Nachricht, dass ihr Cousin Sam bei einem Attentat ums Leben kam. Und sein Vermächtnis an sie scheinen ein paar uralte Manuskripte zu sein. Plötzlich konzentriert sich das allgemeine Interesse auf Ariel und diese Manuskripte und sie muss um ihr Leben kämpfen.
Ariel findet heraus, dass selbst ihre Familie verzweifelt in den Besitz der Dokumente zu kommen versucht. Da lernt sie Wolfgang Hauser kennen, einen charismatischen Österreicher, der allerdings schwer zu durchschauen ist. Zusammen mit ihm macht sie sich beruflich auf den Weg nach Russland, und somit auch auf den Weg die Wahrheit herauszufinden.
Ariel erfährt ungeheuerliches. Diese Dokumente sind nicht nur historisch gesehen äußerst wertvoll, sondern werden schon seit Generationen in ihrer Familie weitergegeben. Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick zu sein scheint. Und Vertrauen kann sie auch niemandem. Jedoch die Wahrheit, die sie langsam aber sicher aufdeckt, bedroht all das, was ihr lieb und teuer ist. Was für Überraschungen hält das Schicksal noch für Ariel bereit?
Diese Buch ist fantastisch, ein Thriller für den man jedoch eine Menge Aufmerksamkeit und Geduld braucht. Denn die Familienverhältnisse der Behns sind äußerst verzwickt. Außerdem macht die Autorin in der Geschichte immer wieder Zeitsprünge in die Vergangenheit. Wer ein komplexes Lesevergnügen sucht, der wird von “Der magische Zirkel” nicht enttäuscht werden. Ich kann es kaum erwarten mehr von der Autorin zu lesen.
Kritk geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke
Titel: Der magische Zirkel
Autor: Katherine Neville
Verlag: Goldmann
Seiten: 570
ISBN: 3442438241
Die fünfte Frau
Erstellt am: Oktober 9th, 2007Herbst 1994.
Eine schreckliche Mordserie hält das südschwedische Schonen in Atem. Drei Männer sind auf bestialische und äußerst schmerzvolle Weise ermordet worden. Kommissar Wallander und seine Kollegen und Kolleginnen von der Polizei in Ystad tappen lange Zeit im Dunkeln. So sehr sie auch versuchen, Gemeinsamkeiten zwischen den Opfern zu finden, sie können keine entdecken . Ihre Berufe waren unterschiedlich, ihre familiären Verhältnisse und ihre Hobbys weisen keinerlei Übereinstimmungen auf. Nur die Tatsache, dass es sich bei allen drei Männern um relativ unauffällige und durchaus angesehene Mitglieder der Gesellschaft handelte und dass sie jetzt tot sind scheint sie zu verbinden. Nach langen frustrierenden und erfolglosen Ermittlungen stellt sich heraus, dass sämtliche Opfer gelegentlich zur Brutalität neigten und ihre Partnerinnen misshandelten und quälten. Zwei der Toten geraten gar in Verdacht, vor Jahren selber gemordet zu haben.
Nachdem die Polizei zunächst einen männlichen Täter vermutet, kristallisiert sich im Laufe der Zeit heraus, dass die Männer vermutlich von einer Frau, einem selbsternannten Racheengel, ins Jenseits befördert wurden. Langsam wird ein Muster, nach dem die Täterin vorgeht erkennbar und so kommt man ihr schließlich auf die Spur.
Dieser Krimi wurde von den verschiedensten Kritikern und Feuilletonisten in den höchsten Tönen gelobt. Ich kann jedoch diese Preisungen nicht so ganz nachvollziehen. OK, das Buch ist durchweg spannend und die Idee, einmal altbewährte Klischees zu durchbrechen und eine Frau statt als Opfer, als Täterin zu präsentieren, hat ohne Frage einen gewissen Reiz. Meiner Meinung nach hat es Mankell jedoch mit seiner Gesellschaftskritik etwas zu gut gemeint und reichlich dick aufgetragen.
Dass beispielsweise der Mann, der von einer Bürgerwehr als Dieb abgestempelt und halbtot geprügelt wird, ein völlig unbescholtener Bürger ist, der sich nur verirrt hat, mag ja noch angehen; aber muss dieser Mensch nun auch noch Mitglied bei Amnesty-International sein???
Dass Bürger über die Untätigkeit, oder auch – je nach politischer Einstellung – über die Brutalität der Polizei meckern, ist nichts Neues, aber dass die Tochter eines Beamten auf dem Schulhof misshandelt wird, nur weil ältere Mitschüler ihrem Unmut über die Polizei Luft machen wollen, ist bei aller Brutalität, die heutzutage auf Schulhöfen herrscht, doch wohl etwas zu sehr an den Haaren herbeigezogen.
Inhaltlich erscheint mir der Roman gelegentlich reichlich wirr und unlogisch. An einigen Stellen kommt es mir so vor, als habe sich der Autor in seinem eigenen Netz verstrickt und finde nur noch unter Mühen wieder hinaus. Hanebüchene Zufälle werden konstruiert, Cousinen in Entbindungskliniken erschaffen, mehrere Jahre alte Fahrpläne mit kryptischen Anmerkungen in Geheimfächern entdeckt.
Auch was das Stilistische angeht, habe ich etwas zu mäkeln : Zu viele Handlungsstränge bleiben in der Luft hängen und enden im Nichts. Ich kann mir zwar sehr gut vorstellen, dass Polizeiarbeit häufig tatsächlich ähnlich aussieht – Irrwege werden eingeschlagen, falsche Spuren werden aufgegriffen und später verworfen oder einfach nicht mehr weiter verfolgt. Doch muss man jede noch so aberwitzige Nebenhandlung in aller Länge und Breite auswalzen? Und was sollen die ständig wiederkehrenden Hinweise auf intuitive Empfindungen des Kommissars? – Er hatte ein unbestimmtes Gefühl, wusste aber nicht wieso – die Situation erinnerte ihn an etwas, doch er kam nicht mehr darauf woran – etwas erschien ihm wichtig, aber er hatte keine Ahnung, was es war – usw.
Trotz aller Kritik habe ich bei der Lektüre des Romans jedoch durchaus gelegentlich Vergnügen empfunden. Er ist unterhaltsam und liest sich flott. Ein passabler Krimi. Nicht weniger, aber für meine Begriffe eben auch nicht mehr!
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.
Titel: Die fünfte Frau
Autor: Henning Mankell
Verlag: dtv
ISBN: 3423203668
Schwefelhochzeit
Erstellt am: Oktober 9th, 2007Jenny, die eigentlich Genevieve heißt, arbeitet als Pflegerin in einem englischen Altersheim. Zu Stella, einer ihrer Patientinnen, fühlt sich die junge Frau besonders hingezogen. Die an Lungenkrebs erkrankte alte Dame, die trotz ihres Leidens geistig noch vollkommen klar ist und die stets betont adrett und gepflegt auftritt, trägt seit mehr als fünfundzwanzig Jahren die Erinnerung an ein schreckliches Erlebnis mit sich herum. Nie hat Stella mit jemanden darüber gesprochen, doch jetzt, wo sie den Tod nahen fühlt, drückt sie das Gewissen mehr denn je. Und so macht die alte Dame Jenny gegenüber gelegentlich geheimnisvolle Andeutungen und bittet die junge Frau, sich um ihr, seit vielen Jahren leerstehendes Haus zu kümmern, das irgendetwas mit dem damaligen Ereignis zu tun hat.
Jenny kommt diese Bitte höchst gelegen, verschafft ihr doch der Zugang zu Stellas Haus die Möglichkeit, sich unbemerkt mit ihrem Geliebten zu treffen.
Von Kapitel zu Kapitel erfährt der Leser mehr über jenen Tag in den siebziger Jahren, an dem sich für Stella so vieles veränderte. Doch erst ganz am Ende des Buches (Stella ist mittlerweile verstorben) enthüllt sich das ganze Geheimnis der Frau.
Welcher Liebhaber anspruchsvoller Kriminalromane weiß nicht, wer sich hinter dem Pseudonym “Barbara Vine” verbirgt? – Es ist niemand anderes als Ruth Rendell, die bekannte englische Krimiautorin.
Dass die Dame schreiben kann, steht wohl außer Zweifel. Vor allem als “Barbara Vine” hat sie einige sehr lesenswerte Romane veröffentlicht (z.B. “König Salomons Teppich” oder “keine Nacht dir zu lang”) doch dieses Buch halte ich, obwohl es von der ersten bis zur letzten Zeile spannend war, nicht für ihr stärkstes Werk. Zu viele unglaubwürdige Stellen und häufige Ungereimtheiten schmälern den Lesegenus. Die Erklärung, warum Stellas Geliebter Alan trotz aller Widrigkeiten über Jahre bei seiner Frau Gilda bleibt (angeblich nur wegen des Geldes), ist mir zum Beispiel schlicht zu mager. Und niemand kann mir erzählen, dass das Verbrennen einer Leiche, welches in offenem Gelände stattfindet und sich über viele Stunden hinzieht, von niemandem bemerkt wird.
Ruth Rendell ist eine überaus produktive Autorin. Mindestens zweimal pro Jahr erscheint ein aus ihrer Feder stammender Krimi.
Kein Wunder, dass dabei gelegentlich auch weniger gelungene Werke dabei sind. Ich würde mich freuen, wenn die Autorin weniger veröffentlichen würde aber dafür den hohen Standard, für den ich sie eigentlich schätzen gelernt habe, weiterhin beibehält.
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.
Titel: Schwefelhochzeit
Autor: Barbara Vine
Verlag: Diogenes
ISBN: 3257231024
Der Schmetterlingseffekt
Erstellt am: Oktober 9th, 2007Im winterlichen Oslo versucht die nicht gerade übermäßig erfolgreiche Psychologin Igi mit dem plötzlichen Tod ihres Vaters fertig zu werden, der von einem unbekannten Mann mit dem Auto überfahren wurde.
Im Arbeitszimmer des Verstorbenen, der als Privatdetektiv arbeitete, findet sie eine Schmetterlingsbrosche, die offensichtlich der letzten Klientin ihres Vaters, Siv Underland gehört.
Als Igi der jungen Frau das Schmuckstück zurückbringen will, trifft sie diese nicht an, doch vieles deutet darauf hin, dass sie vor etlichen Tagen ihre Wohnung überstürzt verlassen haben muss.
Auf der Rückfahrt von dort kommt Igi an einer brennenden Kirche vorbei und findet dort eine Frauenleiche. Es ist nicht Siv – diese wird erst einen Tag später mit zwei Einschusslöchern tot im tiefen Schnee entdeckt.
Doch es muss eine Verbindung zwischen den beiden toten Frauen geben, denn bei der Leiche aus der Kirche handelt es sich um eine seit Jahren verschwundene frühere Nachbarin Sivs, mit der sich diese als Kind stark verbunden fühlte.
Igi vermutet, dass auch der Unfall ihres Vaters mit den Verbrechen an den beiden Frauen zusammenhängt und beschließt, die rätselhaften Todesfälle auf eigene Faust aufzuklären.
Sie gerät dabei an undurchschaubare Gestalten – einen düsteren Mann, der sich der schwarzen Magie verschreiben hat, eine seltsame Heilerin, korrupte Grundstücksspekulanten, skrupellose Psychiater und andere merkwürdige Leute.
Sie begibt sich in höchste Gefahr und muss nicht nur einmal um ihr Leben fürchten, ehe es ihr gelingt, das scheinbar unentwirrbare Knäuel aufzurollen und den komplizierten Kriminalfall zu klären.
Obwohl die Handlung des Romans teilweise ein wenig abstrus erscheint, ist die Geschichte von der ersten bis zur letzten Zeile spannend und humorvoll geschrieben, so dass mir die Lektüre Spaß gemacht hat.
Sicher, das Thema sexueller Missbrauch, das der Geschichte zu Grunde liegt, ist vielleicht mittlerweile etwas abgenützt, einiges an dem Plot erscheint ziemlich konstruiert und Kommissar Zufall wird zu häufig bemüht; aber die Stärke des Romans ist die durch und durch sympathische Heldin.
Igi ist alles andere als perfekt, hat mit Ordnung nichts am Hut, ist im Beruf nicht gerade ein As, qualmt wie ein Schlot und lebt in einer turbulenten Ehe mit Benny, der sich eigentlich eher zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlt, gerne Frauenkleider trägt und Igis Schminkutensilien benutzt.
Das Buch gehört gewiss nicht zur Gattung “anspruchsvolle Literatur”, aber es ist unterhaltsam und witzig – eine entspannende Ferienlektüre.
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.
Titel: Der Schmetterlingseffekt
Autor: Pernylle Rigg
Verlag: Goldmann Verlag
ISBN: 3442724864
Das Rubinhalsband
Erstellt am: Oktober 9th, 2007Kann man sich etwas Unwirtlicheres vorstellen, als Schottland zur Jahreswende? Regen, Schnee, Sturm, Nebel und Kälte führen nicht gerade zu herzerwärmender Gemütlichkeit. Trotz des zu erwartenden scheußlichen Wetters ist der niederländische Polizeiinspektor Piet Hieronymus hocherfreut, als ihm sein Vorgesetzter den Auftrag erteilt, den mysteriösen Tod mehrerer Niederländer zu untersuchen, die bei einer Tauchaktion im Loch Ness ums Leben kamen. Hieronymus beabsichtigt, einen Abstecher zu Christine zu machen, einer jungen Schottin, in die er sich vor einigen Jahren Hals über Kopf verliebte und die bis heute eine magische Anziehungskraft auf ihn ausübt. Noch immer besitzt er ein kostbar wirkendes Rubinhalsband, das ihm Christine damals, mit dem Auftrag es reparieren zu lassen, anvertraute. Nun möchte er es der Frau zurück bringen und vielleicht doch noch ihre Liebe gewinnen.
Schon während der Schiffspassage nach Schottland fühlt sich der Inspektor von zwielichtigen Gestalten beobachtet. Nachdem er mit seiner Traumfrau Kontakt aufgenommen hat, wird für ihn die Situation immer bedrohlicher. Gemeinsam mit Christine und ihrem Freund Frank reist er unter abenteuerlichen Umständen gen Norden zur Insel Rousay, wo Frank ein kleines Haus besitzt und wo man Silvester feiern möchte. Doch egal, wo das Trio hinkommt, überall lauern Gefahren – unerklärliche Ereignisse, Überfälle und Mordanschläge häufen sich. Am Ende, nach dem blutigen und gewalttätigen Höhepunkt des Romans, wird Piet Hieronymus mit der Lösung des Falles und mehreren für ihn überraschenden Erkenntnissen konfrontiert.
Die Romanhandlung ist, um es milde zu formulieren, etwas eigentümlich. Es wimmelt von merkwürdigen Wesen und Gestalten. Fomóri (Meeresgeister) haben in der Geschichte ebenso selbstverständlich ihren Platz wie Nessie oder die längst verblichene Maria Stuart, es gibt seltsame Begegnungen, vorherbestimmte Schicksale, düstere Prophezeiungen, geheimnisvolle Orte und kultische Gegenstände. Doch trotz all dieser Unwahrscheinlichkeiten liegt dem Roman eine ganz normaler Kriminalfall zu Grunde, den es für Piet Hieronymus aufzuklären gilt.
Boëtius gelingt es, die Spannung nicht abreißen zu lassen und ganz nebenbei den Leser für den rauen Reiz der schottischen Landschaft zu interessieren. Er macht uns vertraut mit den in großer Zahl vorhandenen Sagen und Mythen dieses Landes und erweckt Sympathie für seine oft abweisenden, manchmal kauzigen, meist jedoch liebenswerten Bewohner. Der Text ist eine Mischung aus Krimi, Liebesroman und Märchen.
Auch wenn mir die Handlung insgesamt ein wenig zu sehr konstruiert war, so hat mich die Geschichte doch stark in ihren Bann gezogen.
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.
Titel: Das Rubinhalsband
Autor: Henning Boetius
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 286
ISBN: 3442726395
Geheimcode Deep Purple
Erstellt am: Oktober 9th, 2007Als sich der sowjetische Überläufer Igor Jakunin bei den Briten meldet und hochbrisante Informationen über einen Maulwurf im MI6 ankündigt, wird Eddi Hoggard zu seiner Vernehmung eingeteilt. Mißtrauen auf beiden Seiten behindert das Vorwärtskommen und Hoggart hat sich auch mit seiner problematischen Scheidung auseinander zusetzen.
Bald darauf taucht ein weiter Überläufer auf und behauptet, Jakunin sei ein Hochstapler und die von ihm stammenden Informationen großteils wertlos. Hoggart glaubt eher an Jakunins Version, kann aber keine Fakten zur Unterstützung seiner Intuition finden.
Der Autor Allbeury war während des 2.Weltkrieges selbst Mitglied des britischen Geheimdienstes und begann Anfang der siebziger Jahre mit dem Schreiben von Romanen. Er landet zwar immer wieder in den Bestsellerlisten, erreichte aber nicht den Bekanntheitsgrad von Carré oder Forsyth.
“Geheimcode Deep Purple”, der Titel hat übrigens nicht direkt mit der gleichnamigen Rockgruppe zu tun, ist eine klassischer Geheimdienstthriller mit KGB, MI6, Maulwurf und was sonst noch dazugehört. Ist der Anfang durch die vielen Handlungsstränge und Personen noch etwas holprig, bekommt das Buch bald einen zügigen Spannungsbogen und fesselt den Leser bis zur letzen Seite. Es kann sich durchaus mit den meisten bekannten Spionagethrillern messen, nur an die absoluten Meisterwerke des Genres reicht es nicht heran. Action sucht man allerdings meist vergeblich, der Plot und die Art ähnelt sehr “Dame, König, As, Spion” von Carré.
Titel: Geheimcode Deep Purple
Autor: Ted Allbeury
Verlag: Ullstein
Seiten: 286
ISBN: 3548243754
Ocean’s Eleven
Erstellt am: Oktober 8th, 2007„Das Bildnis hing an einem Ort, den man einen Widerspruch in sich hätte nennen können – an einem höchst unwahrscheinlichen Ort: einer Kunstausstellung in einem Kasino. Terry Benedict nannte es lieber die Bellagio-Hotel-Galerie. In der Welthauptstadt des Neons, des Kitsches und des schlechten Geschmacks, wo die gesellschaftlichen und ästhetischen Wert der westlichen Gesellschaft auf den Kopf gestellt werden, sofern man sie nicht gleich sterben ließ, hatte ein Kunstobjekt von großer Schönheit und großem Wert seinen Platz gefunden.“
Zwar haben es die smarten Gentleman-Gangster in „Ocean’s Eleven“ nicht auf Kunstwerke abgesehen, sondern eher auf schnöden Mammon, aber dieser kurze Auszug aus dem vorliegenden Buch zeigt sehr deutlich, in welcher glitzernden Atmosphäre sich die Story entfaltet. Im Mittelpunkt steht der Ex-Sträfling Daniel Ocean, der einen raffinierten Plan ausgeheckt hat: 150 Millionen Dollar Beute warten auf das Verbrecher-Team, dem es gelingt, gleich drei Casinos in Las Vegas auszurauben. Auf dem Weg dorthin stehen ihm allerdings drei Probleme im Weg: Er muss sein Team aus alten Tagen reanimieren, den Raubzug durchführen und mit der Tatsache klarkommen, dass seine Exfrau Tess mittlerweile mit einem der Casino-Besitzer liiert ist…
Bereits 1967 wurde „Ocean’s Eleven“ schon einmal verfilmt, damals unter dem Namen „Frankie und seine Spießgesellen“ und mit Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Jr. prominent besetzt. Doch die Besetzung des Remake setzt noch einen oben drauf: Darsteller wie George Clooney, Brad Pitt und Julia Roberts lesen sich wie ein Who is Who der Hollywood-Stars und auch Regisseur Steven Sonderbergh ist kein unbeschriebenes Blatt. Für ihn dürfte „Ocean’s Eleven“ allerdings nur wenig mehr als eine Gelegenheit, seine Fähigkeiten darzustellen, gewesen sein. Und so ist ein äußerst unterhaltsamer Film dabei herausgekommen, der allerdings nicht sehr lang im Gedächtnis nachhallt. Und was auf den Film zutrifft, trifft auch auf das vorliegende Buch zum Film zu: Amüsant, kurzweilig und schnell wieder vergessen.
Fazit: „Ocean’s Eleven“ ist ein kurzweiliges geschriebenes Buch zu einem der Blockbuster dieser Saison, doch genauso wie der Film wird auch das Buch nach dem Genuß schnell in Vergessenheit geraten.
Ab sofort kann man Filmbücher auf dem iPad lesen, iPad mit Handyvertrag ist Voraussetzung, sofern man mobil weitere Bücher oder Anwendungen laden möchte.
(Tino Hahn)
Titel: Ocean’s Eleven
Autor: Dewey Gram
Verlag: Heyne Verlag
Seiten: 224
ISBN: 3453209419
Der Schatten des Herrn
Erstellt am: Oktober 8th, 2007Der in die hinterste Provinz versetzte Pater Azetti erfährt bei einer Beichte ein schier unglaubliches Geheimnis und fährt nach Rom um dem Vatikan darüber zu berichten. Durch eine undichte Stelle erfährt auch der radikal konservative Laienorden “Umbra Domini” davon.
In Amerika wird eine junge Frau und ihr Sohn ermordet und der Täter schwer verletzt gefasst. Ihr Bruder Joe Carpenter ist Inhaber eines großen Detektivbüros und er beginnt Nachforschungen über den Grund des Mordes anzustellen. Der Mörder, ein Italiener entkommt und Joe reist selbst nach Italien und verfolgt eine Spur in der Vergangenheit.
Dort stößt er erstmals auf den “Umbra Domini” und eine Klinik, wo seine Schwester sich einst künstlich befruchten ließ. Bald geraten er und einige seiner Mitarbeiter in ernsthafte Gefahr und Joe entdeckt weitere Mordopfer, die einst Patienten dieser Klinik waren.
Einer der zahlreichen zur Zeit erscheinenden Thriller im katholischen Umfeld. Indem Case nicht verrät, was der Inhalt dieser Ominösen Beichte am Beginn der Geschichte ist, bringt er zusätzliche Spannung in die auch so schon mitreißende Handlung ein. Aber auch ohne diesen einfachen, aber wirkungsvollen Trick hat der Autor aus der originellen Idee einen hervorragenden Roman gemacht.
Die Geschichte selbst hält sich im großen und Ganzen mit der gegenseitigen Verfolgung von Jägern und Gejagten, einer Verschwörung und Ähnlichem an die üblichen Klischees bei Thrillern. Aber das Alles ist gekonnt geschrieben und bietet alles was man von einem solchen Buch erwarten kann und hält den Leser bis zum Schluss bei der Stange.
Kritik geschrieben von Alfres Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at
Titel: Der Schatten des Herrn
Autor: John F. Case
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 588
ISBN: 3404128753
Der Affe und der Tiger
Erstellt am: Oktober 8th, 2007DER MORGEN DES AFFEN
Als eines Morgens Richter Di auf seiner Veranda die im angrenzenden Wald vorbeiziehenden Gibbons beobachtet, bemerkt er, dass einer davon einen Ring mit sich herumträgt. Richter Di gelingt es, den Affen so abzulenken, dass er das Interesse an dem Ring verliert und ihn fallen lässt. Neben seinen üblichen Verpflichtungen versucht er die Herkunft des Ringes herauszufinden. Als er von einer einsam gelegenen Behausung in dem Wald erfährt, begibt er sich mit einigen seiner Untergebenen dorthin und findet den ermordeten Eigentümer des Ringes dort. Sogleich macht er sich mit Hilfe seines gewitzten Gehilfen Tao Gan an die Aufklärung des Falles.
DIE NACHT DES TIGERS
Richter Di ist auf einen hohen Staatsposten befördert worden und befindet sich auf der Reise in die Hauptstadt um diesen anzutreten. Zu dieser Zeit gibt es überall durch heftige Regenfälle verursacht Überschwemmungen. Als er seiner Begleitung weit vorausreitend eine Brücke über einen über die Ufer getretenen Fluß hinüber reitet, bricht diese knapp hinter ihm zusammen. Gezwungenermaßen reitet er allein weiter. Einen ihn bedrohenden Wegelagerer kann er mühelos in die Flucht schlagen und bald trifft er auf ein einsam gelegenes, gut befestigtes Landhaus. Dort erfährt er, dass die Gegend vom Hochwasser komplett abgeschnitten wurde und das Landgut mit seinen Bewohnern und zahlreichen Flüchtlingen von einer großen, sich „Fliegende Tiger“ nennenden Räuberbande bedroht wird.
Zu allem Übel ist auch noch am vorhergehende Tag die Tochter des schwer kranken Besitzers gestorben und Richter Di bekommt ihr ehemaliges Zimmer zur Übernachtung zur Verfügung gestellt. Als er sich dort umsieht, kommen ihm die Umstände ihres Todes seltsam vor und er beschließt in dieser Sache Nachforschungen anzustellen.
Der Autor der Richter Di-Romane ist der mit sämtlichen mittelalterlichen Lebensumständen in China vertraute Sinologe Robert van Gulik. Als er 1949 einige der klassischen Kriminalberichte der historisch realen Figur des Richters Di übersetzt, beschließt er, selbst fiktive Krimis mit dieser Figur zu schreiben. Dadurch entstanden die mittlerweile zu den Klassikern des Genres der Historischen Krimis gehörenden Romane um den legendären Richter Di die er allerdings in der Ming-Ära (1368-1644) spielen lässt. Der historische Richter Di lebte in der Tang-Epoche Chinas (618-905). Dieser kleine Kunstgriff schadet der Authentizität der geschilderten Lebensumstände der Ming-Ära aber in keiner Weise.
Die beiden kurzen Geschichten in „Der Affe und der Tiger“ sind gediegene, unaufdringliche Krimis mit jeweils einer klassischen Mördersuche. Der Autor versucht nirgends dem Leser sein ausführliches Wissen um diese Zeit aufzudrängen sondern konzentriert sich ausschließlich auf das Erzählen der Geschichte. So bleiben zwei kurze, gute Mörderjagdgeschichten, bei denen man sich aber darauf verlassen kann, dass die Kulisse dem Kenntnisstand der Forschung weitgehend entspricht. Diese Spannende Unterhaltung mit einem denkbar unaufdringlichen Geschichtsunterricht entspricht wohl den Idealvorstellungen für einen historischen Krimi.
Kritik geschrieben von Alfres Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at
Titel: Der Affe und der Tiger
Autor: Robert van Gulik
Verlag: Diogenes
Seiten: 152
ISBN: 3257216246
Im Zeichen der Sechs
Erstellt am: Oktober 8th, 2007Arthur Conan Doyle, der erfolgreiche Autor der Sherlock Holmes Bücher wird im September 1894 von seinem amerikanischen Verleger zu einer Reise in die USA eingeladen. Zehn Jahre nach seinem Abenteuer mit Jack Sparks und der teuflischen Bruderschaft der Sieben wird Doyle bei der Überfahrt erneut in seltsame Ereignisse hineingezogen. Eine Gruppe geheimnisvoller Mörder versucht dem Juden Lionel Stern ein altes, einzigartiges religiöses Buch zu stehlen.
Etwa zur gleichen Zeit werden der japanische Shinto-Priester Kanazuchi, der Rabbi Jakob Stern und die Indianerin “Die Allein Geht” von seltsamen Träumen zu einer Reise zu einem dunklen Turm in einer Wüste gedrängt. In Amerika angekommen trifft Doyle auf einen alten Bekannten und den ursprünglich aus Indien stammenden Rechtsanwalt und Zauberkünstler “Presto” Peregrine Raipur die ebenfalls von diesen Traum heimgesucht werden. Wie sich herausstellt, sind auch andere heilige Bücher gestohlen worden und die Mörder sind noch immer hinter Lionels Buch her.
Inzwischen läßt Reverend A.Glorios Day die Stadt “The New City” und eine gewaltige schwarze Kirche von seinen Gläubigen in der Wüste Arizonas aufbauen …
Der Nachfolgeroman von “Sieben” hat mir noch deutlich besser gefallen als Frost Erstlingswerk. Die Geschichte ist spannender und zielstrebiger erzählt.
Aber vor allem gelingt es Frost den verschiedenen Protagonisten und den Teilen des Romans, wo sie jeweils die Hauptrolle spielen durch die Verwendung eines jeweils eigenen, typischen Schreibstils einen besonderen Reiz zu geben. Obwohl ich das englische Original nicht kenne, und so den Unterschied nicht beurteilen kann, hat das für mich auch der Übersetzer Rainer Schmidt in hervorragender Weise in der deutschen Ausgabe geschafft.
Der unaufdringliche Humor und eine oft ironische Schilderung der Ereignisse locken dem Leser immer wieder ein Schmunzeln ins Gesicht. Vor allem den typisch britischen Humor und den die unverkennbare jüdische Selbstironie hat der Autor zielsicher getroffen.
Mark Frost hat sich mit “Im Zeichen der Sechs” gesteigert und in die erste Liga der Autoren von Horror- und Mysterygeschichten hineingeschrieben.
Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at
Titel: Im Zeichen der Sechs
Autor: Mark Frost
Verlag: Heyne
Seiten: 540
ISBN: 3453131029
Weitere Buchbesprechungen im Lesertreff: