Kurt Ostbahn, Blutrausch

Erstellt am: Oktober 8th, 2007

Kurt Ostbahn, ein Rockmusiker, wird im Cafe Rallye Zeuge einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen den beiden Freunden Rudi und Wickerl. Auf dem Nachhauseweg findet er den übel zugerichteten Wickerl ermordet auf, meldet aber nichts bei der Polizei. Die sucht ihm am nächsten Tag auf und konfrontiert ihn mit einer bei dem Toten gefundenen, gefälschten, auf ihn ausgestellten Rechnung über eine Unmenge Musik-CDs und Videos.

Er erzählt seinen Freunden “Trainer” und “Doc Trash” davon, und sie beginnen der Sache nachzuforschen. Wobei er selbst kurz darauf in dieser Tätigkeit durch das Kennen lernen einer atemberaubenden Schönheit erheblich gestört wird. Die Spuren führen zu dubiosen Geschäftemachern in der Musikbranche bis zu Teufelskulten mit einer Vorliebe für Sado-Maso-Spielchen.

Die Hauptfigur Kurt Ostbahn, mit bürgerlichen Namen Willi Resetarits, dürfte auch in Deutschland einen gewissen Bekanntheitsgrad besitzen.

Der Roman ist in einer lockeren, temporeichen Sprache geschrieben, durchsetzt von typisch wienerischen Ausdrücken und Schmäh. Mit diesen Ausdrücken mag mancher Leser aus der “Piefkei” (Zitat) möglicherweise Probleme haben, wobei auch das 1 ½ seitige Wörterbuch am Ende des Buches nichts Entscheidendes ändern wird können. Es bietet eher zusätzlichen Unterhaltungsstoff für den Kenner beider “Sprachen”. Wer den Wiener Schmäh mag, bekommt einen unterhaltsamen und witzigen Krimiroman mit interessanten bis kuriosen und meist trinkfesten Protagonisten geliefert, der auch eine durchaus ansprechende Handlung und einen nicht oft zu findenden Unterhaltungswert zu bieten hat.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Kurt Ostbahn, Blutrausch
Autor: Günter Brödel
Verlag: Heyne
Seiten: 223
ISBN: 3453123921

Die Catilina-Verschwörung

Erstellt am: Oktober 8th, 2007

Decius Caecilius Metellus ist als relativ kleiner Beamter für den römischen Staatsschatz verantwortlich und langweilt sich bei seiner Arbeit. Darum erwacht sofort seine Neugier, als er auf der Straße zufällig auf einen Ermordeten Geldverleihers stößt. Es gelingt ihm, die Erlaubnis für weitere Ermittlungen zu bekommen und er hat bald genug zu tun, weil sich innerhalb kurzer Zeit zahlreiche weitere Ermordete aus dieser Berufsgruppe dazugesellen.

Bald stößt er auf eine Verschwörung, die mit äußerst rücksichtslosen Methoden die Macht in Rom übernehmen will. Die Beteiligten sind zwar zum Großteil nicht besonders intelligente Wirrköpfe, doch scheinen einige mächtige und gefährliche Männer im Hintergrund ihre eigenen Pläne zu verfolgen.

Das zweite Buch mit Decius als Aufdecker von Verschwörungen im alten Rom erzählt eine ähnliche Geschichte wie sie schon im ersten Buch “SPQR” zu finden war. Wieder trifft die Hauptfigur auf zahlreiche prominente Persönlichkeiten aus dieser Zeit und bekämpft eine politische Verschwörung.

Die Geschichte in “Die Catilina-Verschwörung” ist in einem klareren Handlungsbogen und dadurch noch spannender erzählt wie es im ohnehin schon sehr guten “SPQR” der Fall war. Es ist für ein besseres Verständnis aber nicht nötig, vorher “SPQR” gelesen zu haben, außer das man dort erfährt warum Decius manche Personen kennt und über den Grund für ihre Freundschaft oder Feindschaft besser informiert ist.

So nebenbei erfährt man eine Menge über das alte Rom in der Zeit vor Caesars großer Zeit. In “SPQR” und “Die Catilina-Verschwörung” beginnt er gerade seine politische Kariere.

Ein rundum gelungener Politkrimi mit einem etwas anderen Hintergrund, als man in diesem Genre gewohnt ist.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Die Catilina-Verschwörung
Autor: John Maddox Roberts
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 251
ISBN: 3442413079

SPQR

Erstellt am: Oktober 8th, 2007

Der junge Decius Caecilius Metellus ist Mitglied der Kommission der Sechsundzwanzig während des Konsulats von Crassus und Pomeius und in einem Teil Roms für die öffentliche Ordnung verantwortlich.

Eines Morgens wird ihm von einem Mord an einem ehemaligen Gladiator und einer Brandstiftung berichtet. Bald nachdem er zu ermitteln beginnt, wird nachts bei ihm eingebrochen und ein Amulett, dass er vom Tatort mitgenommen hat, gestohlen. Und es bleibt auch nicht bei dem einen Mord.

Langsam zeichnet sich hinter diesen Taten eine gewaltige Verschwörung ab, an der die mächtigsten Männer Roms ihre Finger im Spiel haben. Diese warnen ihn auch mehr oder weniger offen vor der Fortsetzung seiner Recherche. Doch er bleibt hartnäckig und bemerkt bald, dass er seines Lebens nicht mehr sicher ist.

Eine ausgezeichnete Mischung aus spannender Handlung und kenntnisreichen Schilderungen des Roms einige Jahrzehnte vor unserer Zeitrechnung. Dem Autor gelingt es auch viele berühmte Persönlichkeiten aus dieser Zeit in die Handlung einzuflechten ohne diese dabei Unglaubwürdig wirken zu lassen. Aber auch jeder Leser, der vom alten Rom nicht die geringste Ahnung hat, bekommt eine gelungene, spannende Verschwörungsgeschichte zu lesen. Aber natürlich macht der Roman noch mehr Spaß, wenn man den einen oder anderen Protagonisten wiedererkennt. Sicher einer der beachtenswertesten historischen Romane der vergangenen Jahre.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: SPQR
Autor: John Maddox Roberts
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 281
ISBN: 3442131383

Stirb glücklich

Erstellt am: Oktober 8th, 2007

Neun Kurzgeschichten der bekannten Krimiautorin, von durchschnittlich bis hervorragend. Manche davon mit klassischer Krimihandlung, andere mit dem Schwerpunkt auf die zwischenmenschlichen Beziehungen und einige, darunter die Besten richtig kauzige, zum boshaften Schmunzeln anregende Skurrilitäten . Letztere, wie zum Beispiel die Geschichte “Es lebe die Königin” könnten durchaus die Vorlage für eine Folge von “Twilight Zone” abgeben. Meist scheint auch eine versteckte, für den englischen Humor typische Ironie, spätestens bei der Pointe durch. Und Pointen, die diesen Namen auch verdienen, gibt es bei jeder der Kurzgeschichten.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Stirb glücklich
Autor: Ruth Rendell
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 187
ISBN: 3442058430

Wenn die Mäuse Katzen jagen

Erstellt am: Oktober 8th, 2007

Der Massenmörder Gary Soneji versucht, von seinen berüchtigten Vorgängern fasziniert, diese zu Übertreffen und so als Berühmtheit in die Geschichte einzugehen. Der Polizist Alex Cross ist ihm auf den Fersen, aber Gary scheint ihm immer einen Schritt voraus zu sein. Als sich schließlich herausstellt, dass er Aids hat, wird Cross klar, dass er ohne Rücksicht auf die eigene Person weitermachen wird. Schließlich ermordet er einen der ihn jagenden Polizisten in seinem eigenen Haus und die Verfolgungsjagd spitzt sich immer mehr zu.

Zur gleichen Zeit ist Thomas Pierce hinter einem noch monströseren Massenmörder her, der nur unter dem Pseudonym “Mr. Smith” bekannt ist. Auch Cross wird dabei um Mithilfe gebeten und er bekommt es schlussendlich auch mit diesem mysteriösen “Mr. Smith” zu tun.

Ein weiterer Roman von Patterson mit Alex Cross als Hauptfigur. Ein gediegener aber nicht übermäßig origineller Thriller mit ziemlich klischeehaften Figuren.

Der Autor lässt dem Leser keine Chance, den Sachverhalt auch nur eine Seite vor der von ihm gewählten Stelle zu erfahren, weil er jede diesbezügliche Information hinterschlägt. Obwohl der Eindruck erweckt wird, die Gedanken der betreffenden Figuren zu kennen, sieht das Ganze dann plötzlich ganz anders aus.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Wenn die Mäuse Katzen jagen
Autor: James Patterson
Verlag: Ehrenwirth
Seiten: 332
ISBN: 3431035612

Sieben

Erstellt am: Oktober 8th, 2007

Im London des ausgehenden 19. Jahrhunderts wird der junge Arzt und ambitionierte Schriftsteller Arthur Conan Doyle durch einen anonymen Brief gebeten, an einer Séance teilzunehmen. Die spiritistische Sitzung nimmt aber einen ungewöhnlichen Verlauf und Doyle kann nur mit Hilfe eines Unbekannten sein Leben retten. Dieser Mann nennt sich Jack Sparks und an der Seite dieses undurchsichtigen Mannes wird Doyle immer tiefer in eine unheimliche Geschichte hineingezogen. Eine Verschwörung mächtiger Männer will sich mit übernatürlichen Beistand noch mehr Macht aneignen.

Mark Frost war bei der Fernsehserie “Twin Peaks” Co-Autor von David Lynch, und “Sieben” ist sein erster Roman. Mit der Hauptfigur Arthur Conan Doyle, dem berühmten Schöpfer von Sherlock Holmes, zeigt Frost seine Sympathie für die typischen Romane und Filme, die im victorianischen England spielen. Auch Bram Stocker, der Autor von “Dracula” taucht gegen Ende des Buches kurz auf. Im Unterschied zu den Geschichten mit Sherlock Holmes, steckt hinter den unheimlichen Ereignissen in “Sieben” aber keine rationale Erklärung. Es ist also ein Mystery-Roman im überaus passenden Umfeld des alten England. Etwas hat mich das Buch auch an die Geschichten von H.P.Lovecraft erinnert, obwohl es nicht ganz an diese Klassiker heranreicht.

Kritik geschrieben von Alfres Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Sieben
Autor: Mark Frost
Verlag: Heyne Verlag
Seiten: 510
ISBN: 3453093038

Solange du da bist

Erstellt am: Oktober 5th, 2007

Dieser Roman, der erste dieses Autors, wird bei Erscheinen im Januar 2000 zeitgleich in 28 Ländern veröffentlicht. Noch vor dem Erscheinen des Buches hatte Steven Spielberg die Filmrechte daran erworben.

So eine Vorankündigung erweckt Hoffnungen.
Ich werde in meinen Erwartungen enttäuscht.
Der Roman ist in sich nicht geschlossen.
Vermeintlich für mich nebensächliche Beschreibungen schweifen vom eigentlichen Thema ab und verursachen Langeweile.

Was ist das Thema ?
Eine im Koma liegende Patientin, Lauren, erscheint als Geist in ihrer inzwischen aufgegebenen Wohnung und begegnet dem neuen Bewohner Arthur. Sie sitzt in einem Schrank. Arthur kann es nicht glauben , meint , einem Scherz aufzusitzen,— aber am Ende und mit der Dauer der Begegnungen entwickelt sich eine zarte Liebesbeziehung zwischen den beiden.

Diese ist schön und glaubwürdig. Tiefe Lebenseinsichten werden in ihren kurzen Begegnungen ausgetauscht. Hier ist das Buch überzeugend.

Dann bekommt es einen kriminalromanhaften Charakter im Stile von Ingrid Noll: die im Koma liegende Patientin wird von den Ärzten aufgegeben,– sie soll sterben, weil nichts mehr zu machen ist. Sie nimmt nur Platz weg auf der Intensivstation des Krankenhauses, in dem sie selber als Ärztin tätig war.

Arthur studiert alles , was er über den Zustand des Komas lernen kann.

Er raubt dann in einem abenteuerlichen Vorgang die Kranke, den Körper von Lauren, aus dem Krankenhaus, will ihr Leben retten, will sie nicht sterben lassen.

Im Gespräch mit ihr, dem Geist, der für andere Menschen unsichtbar bleibt, gibt es skurrile Ereignisse, da andere Menschen sie nicht sehen können und sich über die vermeintlichen Selbstgespräche von Arthur wundern.

Natürlich geht die Geschichte zuende, indem Arthur und Lauren Abschied voneinander nehmen und den Tod akzeptieren müssen.

Fiktion und Wirklichkeit wechseln allzu häufig,– zarte , reale Passagen lassen den Leser erwartungsfroh werden ,während er anschließend mit gewissen ausschweifenden Längen wieder verschreckt wird.

Sinn der ganzen Geschichte soll nach Aussagen des Autors sein , dass man den Inhalt eines Menschen liebt und nicht die Verpackung .

Wer nicht zu hohe Ansprüche stellt, der kann sich an diesem Roman erfreuen, denn er ist kurzweilig und unterhaltsam geschrieben. (Claudine Borries)

Titel: Solange du da bist
Autor: Marc Levy
Verlag: Ruetten& Loening, Berlin
Seiten: 276
ISBN: 3352005656

Top Job

Erstellt am: Oktober 5th, 2007

Im Leben von Bill Moss läuft es nicht besonders gut. Mit einer guten Ausbildung hatte er einen gut bezahlten Job in der Werbebranche verloren und verdiente sich jetzt als Übergangslösung seine Brötchen bei einer Teilzeitarbeit als Telefonverkäufer. Dort schwankt er ständig zwischen kündigen und gekündigt werden. Auch in seiner Beziehung kriselt es. Ständig gibt es wegen allen möglichen Gründen Streit. Und weil ihm Erfolg im Berufsleben alles bedeutet, führen seine Probleme im Job schließlich sogar zu Potenzstörungen.

Doch eines Tages wird er völlig überraschend befördert und mit dem damit verbundenen Selbstwertgefühl kommt auch seine Beziehung wieder mehr in Ordnung. Er arbeitet mit Begeisterung und vollem Einsatz, weckt damit aber die Konkurrenzangst seines direkten Vorgesetzten.

Als dieser in seiner Vergangenheit herumschnüffelt, findet er einen Grund ihm zu kündigen. Bill rastet aus und bringt ihn um. Zuerst sieht es danach aus, als ob er damit ungeschoren davon kommt und er bekommt sogar dessen Posten. Doch langsam häufen sich die dadurch ausgelösten Probleme und sein Leben gerät immer mehr außer Kontrolle.

Der Roman lebt vor allem durch die hervorragende Charakterisierung der facettenreichen Hauptperson und die Beschreibung des beinharten Arbeitsalltages bei Billigjobs. Er ließt sich sehr flott und flüssig und hält den Leser bis zum Ende in seinem Bann.

Kein klassischer “Wer-ist-der-Mörder”-Roman sondern ein typischer moderner Krimi mit der Konzentration auf die Persönlichkeit des Täters. Der Autor hat sich mit diesem Erstlingswerk verdientermaßen sofort an die Spitze geschrieben.

Kritik geschrieben von Alfres Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Top Job
Autor: Jason Starr
Verlag: Diogenes
Seiten: 316
ISBN: 3257061870

Kopfschuss

Erstellt am: Oktober 5th, 2007

Ein Mord im burginländischen Dreikreuz und ein im mexikanischen Tres Cruces seiner Tätigkeit nachgehender Killer halten den unfreiwilligen Detektiv und Musikus Kurt Ostbahn auf Trab.

Alles fängt mit dem überraschenden und rätselhaften Verschwinden seines “der Trainer” genannten Freundes an. In Österreich sind Ostbahn und seine Kumpanen & einer attraktiven jungen und ehrgeizigen Nachwuchsjournalistin mit der Aufklärung des Verbleibes des Trainers beschäftigt.

In Mexiko kommt Kurt in eine brisantere Klemme, da er mit einem Auftragskiller verwechselt wird und sich da vom Berufsbild etwas überfordert sieht.

Der vierte “Kurt Ostbahn”-Krimi Brödels ist wie seine lesenswerten Vorgänger ein tempo- und humorreiches Meisterstück. Der Musik- und Filmfreund wird einige legendäre Titel erwähnt finden und die österreichischen und vor allem Wiener Leser werden mit einem mit humorvollen Klischees angereicherten Schauplatz unterhalten. Ein Krimi den man vor dem Ende kaum aus der Hand legen will, und das ist ja wohl ein wichtigstes Qualitätskriterium in diesem Genre.

Kritik geschrieben von Alfres Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Kopfschuss
Autor: Günter Brödel
Verlag: Kremayr & Scheriau
Seiten: 159
ISBN: 3218006465

In Sachen Signora Brunetti

Erstellt am: Oktober 5th, 2007

Wer hätte das gedacht, dass Paola, die Frau des ehrbaren und angesehenen Commissario Brunetti, eines Tages mit den Gesetzen ihres Landes in Konflikt kommen könnte, um der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen? Früh an einem kalten Oktobermorgen begibt sie sich auf den Campo Manin in Venedig und wirft einen dicken Stein in das Schaufenster eines Reisebüros, das Sexreisen in die Dritte Welt organisiert. Die Polizisten, die an den Tatort eilen, tippen auf Ruhestörung oder Vandalismus und fallen aus allen Wolken, als sie merken, wer die Täterin ist.

Beim ersten Mal kann Brunetti mit seinen beiden Untergebenen die Sache noch stillschweigend bereinigen, aber nicht mehr beim zweiten Mal, nachdem auch andere in seiner Dienststelle von dem Vorgehen seiner Frau Wind bekommen haben, einschließlich der Presse, für die die kriminelle Gattin des Commissario natürlich ein gefundenes Fressen ist.

Brunetti, der die Wut seiner Frau bei behördlichen, politischen oder sozialen Ungerechtigkeiten bisher nie recht ernst genommen hat, und schon gar nicht ihre Drohung, selbst etwas dagegen zu unternehmen, verkennt nicht den Ernst der Lage. Es kommt zu langen Disputen zwischen den Ehepartnern, der Grundsätzliches berührt. “Was ist ungesetzlicher?” fragt Paola. “Steine in Schaufenster zu werfen oder zehnjährige Kinder zu vergewaltigen?” Im Zwiespalt zwischen Gerechtigkeit und Recht müsse man sich, meint sie, für das Rechte entscheiden.

Doch plötzlich nimmt die Geschichte eine unerwartete Wendung: der Besitzer des Reisebüro wird ermordet. Nun gerät Paola in ernste Schwierigkeiten. Hat sie womöglich die Täter zu ihrer Tat provoziert? Waren Irre oder Fanatiker am Werk? Aber nein, es kommt noch viel schlimmer, nicht für Paola, aber für die Angehörigen des Ermordeten, die alle in schlimme illegale Geschäfte verwickelt sind, in den Handel mit abgelaufenen Medikamenten in unterentwickelte Länder. Dank Brunettis Spürnase und Kombinationsgeist löst sich schließlich alles auf, so dass zwar nicht der Mörder, der ein Berufskiller war und inzwischen durch eine Polizistenkugel sein Leben ausgehaucht hat, wohl aber sein Auftraggeber dingfest gemacht werden kann. Die aus New Jersey kommende Wahlvenezianerin Donna Leon gewährt auch in diesem Krimi einen ungeschminkten Einblick in die Zustände zeitgenössischer Gesellschaften und in die Abgründe der menschlichen Seele. Doch Ironie und Humor kommen auch diesmal nicht zu kurz. Geschrieben ist das Buch in einem flüssigen bildhaften, mit knappen italienischen Ausdrücken angereicherten Stil, und dass es sich spannend liest, versteht sich fast von selbst. (UH)

Titel: In Sachen Signora Brunetti
Autor: Donna Leon
Verlag: Diogenes
Seiten: 311
ISBN: 3257062621

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