Chronik der UDSSR

Erstellt am: April 11th, 2008

Relativ knapp werden die Ereignisse chronologisch von der Revolution 1917 bis zum Zusammenbruch 1991 angeführt. Darum ist das Buch wenig zum Durchlesen sondern eher als reines Nachschlagwerk geeignet.

Es beschränkt sich auf die unter den meisten Historikern akzeptierten Tatsachen und lässt sich in keiner Weise in eine detailliertere Analyse der Materie ein, wie es z. B. im „Schwarzbuch des Kommunismus“ und der darauf folgenden Auseinandersetzung geschieht.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Chronik der UDSSR
Autor: Harald Moldenhauer, Eva-Maria Stolberg
Verlag: Olzog
Seiten: 304
ISBN: 3789286109

Die Gagarin-Story

Erstellt am: April 11th, 2008

Die sich langsam öffnenden sowjetischen Archive erlauben einen Blick auf die tatsächlichen Ereignisse beim ersten Raumflug eines Menschen durch Juri Gagarin. Peinlich darauf bedacht keine Pannen zuzugeben, griff die sowjetische Führung allzu oft zum Verschweigen, Vertuschen und auch zur glatten Lüge.

Alles um das Raumfahrtprogramm wurde mit strengster Geheimhaltung behandelt, selbst wenn der Westen schon alles wusste. Um die Eintragung als Rekord nicht zu Gefährden, wurde der Anschein erweckt, Gagarin sei das letzte Stück nicht mit dem Fallschirm sondern mit der Landkapsel zur Erde zurückgekehrt.

Sowohl die Schicksale der Personen als auch des gesamten sowjetischen Raumfahrtprogrammes werden von ihren erfolgreichen Anfängen bis zum traurigen Zustand des russischen Raumhafens auf dem Gebiet Kasachstans in dem Buch erzählt. Der Autor verwirft auch viele der in den letzten Jahren auftauchenden Gerüchten, wie das Gagarin gar nicht geflogen wäre und ähnliche sensationsträchtige Geschichten geschäftstüchtiger Bücherschreiber.

Ein Buch über von ihrer Aufgabe begeisterte und besessene Menschen und die Verlogenheit und Verdrehtheit des sowjetischen Regimes.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Die Gagarin-Story
Autor: Gerhard Kowalski
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
Seiten: 265
ISBN: 3896021842

Der Staat läßt morden

Erstellt am: April 11th, 2008

Der Autor beschreibt die Geschichte der Entführung und Ermordung von Aldo Moro durch die Roten Brigarden 1978 in Italien. Eine schier unglaubliche Menge an Ungereimtheiten und das verhängnisvolle Nahverhältnis von Politik, Terrorismus, Mafia, Vatikan, der Geheimloge P2 und dem CIA und die besonderen Umstände während des Kalten Krieges lasse eine unvorstellbare Verschwörung vermuten, wie sie sich selbst der phantasiebegabteste Romanschreiber nicht auszudenken wagte.

Der skrupellose Machtmensch Giulio Andreotti, der mit allen Mitteln eine kommunistische Regierungsbeteiligung in Westeuropa verhindern wollende Henry Kissinger mit Hilfe des CIA und die an allen Machthebeln in Italien sitzende Geheimloge P2 scheinen mit tatkräftiger Unterstützung von Mafia, Vatikan, fast aller politischer Gruppierungen, Israels und noch einigen anderen die linken Terroristen Italiens vor ihren Karren gespannt zu haben um sich den ihnen lästig werdenden Aldo Moro vom Hals zu schaffen.

Manche Schlussfolgerungen des Autors sind noch nur durch Indizien und Wahrscheinlichkeiten gestützte Spekulationen, aber viele Dinge sind in Italien im letzten Jahrzehnt an das Licht der Öffentlichkeit gelangt, und es vieles davon bestätigt. Ein unbeschränkt lesenswertes Buch über in der deutschsprachigen Öffentlichkeit wenig bekannte Ereignisse. Über weite Teile hat man den Eindruck, daß man in einen spannungsgeladenen Thriller gelandet ist.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Der Staat läßt morden
Autor: Klaus Kellmann
Verlag: Henschel
Seiten: 256
ISBN: 3894873248

Geschichte der römischen Kaiserzeit

Erstellt am: April 11th, 2008

Christ beschreibt die Zeit von der Machtergreifung von Augustus bis Konstantin ausführlich und nach neuesten Kenntnisstand. Daten und Namen finden reichlich Berücksichtigung.

Er geht davon aus, dass die verwaltungstechnischen, politischen und militärischen Notwendigkeiten des immer größer werden Weltreiches den Übergang von der Republik zum Kaisertum und dessen Entwicklung zum Teil für dessen Weiterbestand unumgänglich machten.

Fundiertes Sachbuch mit für den interessierten Laien noch verständlichen Schreibstil. Nicht sehr leicht zu lesen aber auch keine ausschließlich für Historiker verständliche Sprache.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Geschichte der römischen Kaiserzeit
Autor: Karl Christ
Verlag: C. H. Beck
Seiten: 870
ISBN: 3406363164

Caesar

Erstellt am: April 11th, 2008

Eine kompakte, gut und flüssig zu lesende Biographie des berühmten, römischen Herrschers Julius Cäsar. Für alle die nicht aus irgend welchen Gründen sehr ausführliche Informationen brauchen, ist dieses kurzweilig zu lesende Buch eine lohnende Anschaffung. Und nicht zuletzt ist es ist auf dem aktuellen, wissenschaftlichen Stand.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Caesar
Autor: Martin Jehne
Verlag: C.H.Beck
Seiten: 127
ISBN: 3406410448

Die Pharaonen

Erstellt am: April 10th, 2008

Die relativ kurz gefasste und mit reichlichem Bildmaterial ausgestattet Geschichte Ägyptens bietet einen guten Überblick von der Vereinigung von Ober- und Unterägypten um 3150 v.Chr. bis zur Eroberung durch die Römer am Beginn unserer Zeitrechnung.

Der Autor hält sich an die von der Wissenschaft anerkannten Fakten und erwähnt die zahlreichen, obskuren Theorien über das alte Ägypten bestenfalls manchmal als Kuriositäten. Das ideale Buch, um sich einen Überblick zu verschaffen. Und in der derzeitigen Situation, wo historische Romane über das alte Ägypten oft scheinbar nach Laufmetern produziert werden, ein gutes Nachschlagewerk, um sich über den tatsächlichen Kenntnisstand über die Ereignisse zu informieren.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Die Pharaonen
Autor: Jacq, Christian
Verlag: Rowohlt
Seiten: 224
ISBN: 3499607573

Auf 120 Seiten berichtet der Autor Manfred-Guido Schmitz über erstaunliche Verbindungen zwischen Bad Schwalbach, dem britischen Lord Carnarvon und der Entdeckung des legendären Pharaonengrabes von Tut-ench-Amun.

Dabei stellt er keineswegs unglaubwürdige oder erfundene Behauptungen auf: In jahrelanger Fleißarbeit stellte er sachlich fundierte Berichterstattungen, sowie eine unveröffentlichte Biografie der Comtess of Carnarvon zusammen. Diese lieferten ihm entscheidende Hinweise auf überraschende Zusammenhänge. Am 4.Juli 1922 entdeckte Lord Carnarvon das Grab des Pharaonen Tut-ench-Amun. Über den Aufsehen erregenden Fund ist schon viel berichtet worden, nicht aber darüber, wie die ganze Geschichte ihren Anfang nahm.

Unterhaltsam und spannend dokumentiert Schmitz, wie ein Autounfall des Lords von der britischen Insel im beschaulichen deutschen Provinzstädtchen Bad Schwalbach zum Auslöser für eine archäologische Sensation aus dem alten Ägypten wurde – mehr sei an dieser Stelle nicht verraten und soll dem Leser überlassen bleiben.

Quellen- und Literaturangaben sowie zahlreiche Abbildungen und Anmerkungen des Autors finden sich auf fast jeder Seite des Buches. Schmitz recherchierte akribisch und verweist den Leser bei seinen Ausführungen auch auf offene Fragen, welche die geschilderten Begebenheiten immer noch aufwerfen.

Was zunächst nach einem trockenen wissenschaftlichen Bericht klingen mag, ist flüssig geschrieben und sehr packend zu lesen. (Silvia Dunker)

Titel: Bad Schwalbach, Lord Carnarvon und das Grab des Tut-ench-Amun
Autor: Manfred-Guido Schmitz
Verlag: Schmitz Verlag
Seiten: 120
ISBN: 3922272525

Vernetzte Karrieren

Erstellt am: April 8th, 2008

Der Diplom-Psychologe Dieter Wunderlich – seit 27 Jahren ist er im Management eines großen internationalen Unternehmens tätig – lässt mit Friedrich dem Großen (1712-1786), mit Maria Theresia(1717-1780) und Katharina der Großen (1729-1796) eine Epoche lebendig werden, die mit dem Absolutismus begann und durch die Französische Revolution ihr Ende fand.

Wunderlich schildert die einzelnen Stationen im Leben der drei Herrscher: Kinder- und Jugendjahre, Eheschließung, Seitensprünge, Thronfolge, Intrigen, Kriege, Bündnisse, Krankheiten und Tod. Er lenkt die Aufmerksamkeit des Lesers unter anderem auf die Zwistigkeiten zwischen dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. und seinem Sohn Friedrich II., auf die unbeschwerten Mädchenjahre der Maria Theresia und den „Psychoterror im Zarenhaus“. Es werden unterhaltsame Einblicke in verwirrende Familienverhältnisse vermittelt. Vor allem bei den Habsburgern blickt man so schnell nicht durch. Hin und wieder greift der Autor auch auf andere Biographien und Bücher zurück, zum Beispiel auf Gertrud Fusseneggers „Maria Theresia“, auf die Kulturgeschichte von Will und Ariel Durant sowie auf verschiedene Werke von Christian Graf von Krokow.

Der Preußenkönig Friedrich II. regierte den mächtigen protestantischen Militärstaat der Hohenzollern, Maria Theresia das streng katholische Habsburgerreich und Katharina II. befestigte die Stellung Russlands als europäische Großmacht. Drei verschiedene Charaktere in drei verschiedenen Staaten, die eng miteinander verflochten waren. Im Grunde verfolgten alle drei dasselbe Ziel, nämlich die Modernisierung des Staates, meint Wunderlich, aber dies sei mit unterschiedlichen Mitteln geschehen. Friedrich der Große, Maria Theresia und Katharina die Große wollten zwar uneingeschränkte Alleinherrscher sein, aber keine Despoten. Sie hielten es für ihre Aufgabe, dem Staat zu dienen, und kümmerten sich redlich um ihre Untertanen. Doch was zu tun war, das entschieden sie ganz allein. Denn die Devise „Alles für das Volk, nichts durch das Volk“, galt nicht nur in Preußen.

Die populäre Darstellung richtet sich in erster Linie an ein breites historisch interessiertes Publikum. (Ursula Homann)

Titel: Vernetzte Karrieren
Autor: Dieter Wunderlich
Verlag: Friedrich Pustet Regensburg
Seiten: 299
ISBN: 3791717200

Frauen an der Spree

Erstellt am: April 7th, 2008

„Berlin ist eine Reise wert“ – dieser Slogan ist so alt wie wahr. Ebenfalls belegbar ist, dass es in der Hauptstadt mehr Brücken als in Venedig gibt. Über die kann man schlendern oder fahren, und wer sie unterqueren will, kann dies an Bord zahlreicher Ausflugsschiffe auf Spree und Landwehrkanal tun.

Bereits seit 1987 veranstaltet die Berliner Geschichtswerkstatt historische Dampferfahrten, die unter dem Motto „Frauengeschichte(n)“ stehen. Das Buch „Frauen an der Spree – Ein Spaziergang durch die Geschichte“ dokumentiert das für diese Schiffstouren Gesammelte und Recherchierte und eröffnet einen neuen Blick auf die Historie der Stadt sowie Errungenschaften, die auf dem Zutun mutiger, engagierter Frauen fußen. Sie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und durch sie Verbindungen zur Gegenwart herzustellen, ist Absicht des Buches, das einerseits aus Einzel-Porträts besteht und andererseits die Entwicklung ganzer Berufsgruppen nachzeichnet.

So erfährt man vom Leben und Wirken der Lina Morgenstern, die wahrlich als legitime Vorgängerin von Jenny de la Torre, der 1997 mit dem Bundesverdienstkreuz gekürten Obdachlosen-Ärztin, bezeichnet werden kann. Man blickt hinter die Fassaden zweier Häuser in der Straße Siegmundhof, die die Schriftstellerinnen Nelly Sachs und Gabriele Tergit beherbergten. Auch der „Privatklinik weiblicher Ärzte“, die sich 1931 an der Stelle des heutigen Hauses der Kulturen der Welt befand, ist eines der 47 Kapitel gewidmet. Ebenso Bettina von Arnim, den Künstlerinnen des Berliner Ensembles, den Frauen in der Volkskammer und der lesbischen Subkultur, die von 1900 bis 1933 ihre Blütezeit hatte.

„Frauen an der Spree – Ein Spaziergang durch die Geschichte“ ist eine Fundgrube feministischer Hintergrundinformationen und spannender Porträts wegweisender Frauen. Ebenfalls im „be.bra verlag“ veröffentlichten die Herausgeberinnen im Jahr 2000 ihre Dokumentation „Den Frauen nach – Ein Spaziergang am Landwehrkanal“. (Ensa Maurer)

Titel: Frauen an der Spree
Autor: Cornelia Carstens, Stefanie Höver
Verlag: be.bra verlag berlin.brandenburg
Seiten: 128
ISBN: 3930863499

Geschichte eines Deutschen

Erstellt am: April 7th, 2008

Sebastian Haffner ist sieben Jahre alt, als der erste Weltkrieg ausbricht.
Obwohl der Junge, wie alle anderen auch, im Laufe der Kriegsjahre Not und Entbehrungen kennenlernt, ja zeitweise auch hungern muss, empfindet er den Krieg weniger als die Katastrophe, die er war, vielmehr erlebt er ihn als eine Art spannendes Spiel, einen länderübergreifenden Wettkampf, so ähnlich wie ein heutiger Zeitgenosse vielleicht eine Fußball- WM.

Nach dem Waffenstillstand fühlt er eine deprimierende Leere – ihm fehlen die aufregenden täglichen Frontberichte, die erlogenen Erfolgsmeldungen. Erst das Jahr 1923 mit seiner Hyperinflation bringt für ihn und seine Altersgenossen zumindest vorübergehend die erregende Spannung zurück.

Während der kurzen Blütezeit der Weimarer Republik, in der Gustav Stresemann in seiner Funktion als Außenminister Deutschland in ein ruhigeres Fahrwasser führte, erwacht langsam das politische Verständnis des jungen Haffner.

Schon jetzt empfindet er die Nazis, die sich unaufhaltsam zu einer immer ernster zu nehmenden politischen Kraft im Lande entwickeln als nahezu unerträglich. Schon im Januar 1933, als sie an die Macht kommen, verspürt Haffner, der mittlerweile als Referendar am Berliner Kammergericht ist, eisiges Entsetzen, er ahnt, dass eine schlimme Zeit heraufzieht.

Bereits in den ersten Monaten ihrer Herrschaft nehmen die Nazis Schritt für Schritt immer größere Bereiche nicht nur des politischen sondern auch des privaten Lebens aller Deutschen unter ihre Fuchtel.

Sie überfallen Wehrlose, verschleppen und töten vermeintliche oder tatsächliche politische Gegner, rufen zum Boykott aller jüdischen Geschäfte auf, sie ersetzen kritische Beamte durch willfährige Diener, beseitigen die Pressefreiheit, erteilen Autoren Schreibverbote. Alle Parteien, außer der NSDAP sind aufgelöst und die Nazis kontrollieren Ämter und Behörden, Schulen, Vereine und Kirchen; und sogar im engsten Bekanntenkreis verwandeln sich Menschen, die gerade noch gute Freunde waren, in politische Gegner, vor denen man auf der Hut sein muss.

Obwohl Haffner als „Arier“ und Sohn aus gutbürgerlich konservativem Hause nicht zu den bevorzugten Opfergruppen der Nazis gehört, fehlt ihm in Deutschland schon bald die Luft zum atmen, kann er die Brutalität, die Dummheit, Feigheit, Borniertheit und Kulturlosigkeit der neuen Machthaber kaum noch ertragen, so dass er sich entschließt, so bald wie möglich das Land zu verlassen.

Haffner war gerade einmal 32 Jahre alt, als er im Exil den Text zu jenem Buch niederschrieb. Obwohl seitdem mittlerweile etliche Jahre vergangen sind, gibt es wohl nur wenige Bücher, die sich so klug, so weitblickend, so engagiert mit den Ereignissen von damals auseinandersetzen. Der Autor erzählt seine eigene Geschichte und reflektiert dabei über das, was in Deutschland und mit den Deutschen geschehen ist und warum gerade sie den Nazis so wenig Widerstand entgegensetzen konnten. Dabei nervt er nicht mit irgendwelchem Geschwätz und pseudoklugem Gelabere, er langweilt nicht mit endlosen theoretischen Erörterungen, sondern das Buch liest sich bei alledem spannend und unterhaltsam wie ein gut geschriebener Roman.

In den ersten Kapiteln, wo er über die Weimarer Zeit berichtet brilliert Haffner mit feinem Humor und treffender Ironie. Später, wenn er von den Nazis spricht, weicht diese Ironie beißenden Zorn und ohnmächtiger Wut – Haffner ist buchstäblich das Lachen vergangen. Mir imponieren die Klarheit seines Blicks und der Mut, die Konsequenz und die moralische Größe seines Handelns.

Obwohl er selber (noch) nicht zu den politisch Verfolgten und unmittelbar Bedrohten gehört, entschließt sich Haffner zur Emigration – einfach weil die Nazis, wie er selber sagt, seiner Nase nicht passen, weil er nichts zu tun haben will mit den Leuten, die Juden in KZs sperren und töten, jeden Andersdenkenden verfolgen, Bücher verbrennen und das gesamte Leben in Deutschland mit dem Pesthauch der Bosheit und Dummheit überziehen. – Das hat Stil! Dabei hatte 1939, in dem Jahre, in dem der zweite Weltkrieg ausbrach und Haffner diesen Text niederschrieb, das Grauen in Deutschland bei weitem noch nicht seinen Höhepunkt erreicht, war Auschwitz noch ein weithin unbekanntes Städtchen in Polen.

Das Buch ist heute noch genau so aktuell wie vor sechzig Jahren und es taugt nicht nur zur Erklärung der damaligen Ereignisse, sondern es kann auch dazu dienen, den Blick für die unerfreulichen Dinge, die heute wieder in unserem Lande geschehen, zu schärfen. Man sollte seine Lektüre gerade jungen Menschen, deren politisches Weltbild noch formbar ist, eindringlich ans Herz legen.

Die „Geschichte eines Deutschen“ ist (vielleicht neben den Lebenserinnerungen von Reich – Ranicki) eines der wichtigsten Bücher der letzten Jahre.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von Evas Leseland.

Titel: Geschichte eines Deutschen
Autor: Sebastian Haffner
Verlag: Deutsche Verlagsanstalt
Seiten: 239
ISBN: 3421054096

Weitere Buchbesprechungen im Lesertreff: