Den Frauen nach
Erstellt am: April 7th, 2008Er ist gewissermaßen der kleine Bruder der Spree – der 1850 nach fünfjähriger Bauzeit eröffnete Landwehrkanal. Auf seinem Weg von West nach Ost durchquert er Charlottenburg, Tiergarten und Kreuzberg und trennt überdies letzteren Berliner Bezirk von Neukölln und Treptow.
Das Buch “Den Frauen nach” animiert auf unterhaltsam-informative Weise, den Spuren beeindruckender Frauen aller Schichten entlang der Ufer des Landwehrkanals zu folgen und dabei Hintergründiges über ihre Lebensgeschichte, ihren Alltag und ihre Verdienste zu erfahren. Darüber hinaus stellen die Autorinnen historische Frauenorte und -bewegungen vor.
Beispielsweise das “Hexenhaus” in der Liegnitzer Straße, das in der Blütezeit der West-Berliner Hausbesetzungen im Januar 1981 von Lesben okkupiert und schließlich Mitte der 80er-Jahre von ihnen gekauft wurde. Schon mehr als 100 Jahre vorher begannen Berliner Künstlerinnen, sich in einem Verein zu organisieren – im VKKB (“Verein der Künstlerinnen und Kunstfreundinnen zu Berlin”), der schließlich im Oktober 1911 ein Büro-/Atelier-Haus am Schöneberger Ufer 39 (heute: 71) bezog. Ein weiteres der 43 Kapitel porträtiert die Charlottenburgerin Sophie March, die zu den wenigen Unternehmerinnen des 19. Jahrhunderts zählte; noch heute erinnern Marchbrücke sowie Marchstraße an den ehemaligen Standort, der von ihr, nach dem Unfalltod ihres Mannes, übernommenen Tonwarenfabrik für Gebrauchs- und Baukeramik. Die Ehre, Namenspatin einer Straße zu sein, wurde auch Katharina Heinroth zuteil, die von 1945 bis 1956 als Direktorin des Zoologischen Gartens agierte und für ihre Verdienste um dessen Wiederaufbau das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse erhielt.
Ebenfalls im “be.bra verlag” veröffentlichten die Herausgeberinnen im Jahr 1999 ihre literarische Dokumentation “Frauen an der Spree – Ein Spaziergang durch die Geschichte”. (Ensa Maurer)
Titel: Den Frauen nach
Autor: Cornelia Carstens, Margret Luikenga
Verlag: be.bra verlag berlin.brandenburg
Seiten: 127
ISBN: 3930863693
Die dunkle Seite der Geschichte
Erstellt am: April 3rd, 2008Heute fehlt es zwar nicht an Informationen über den nationalsozialistischen Völkermord, wohl aber mitunter an Verständnis, meint der jüdische Historiker Yehuda Bauer in seiner Studie “Die dunkle Seite der Geschichte”, in der er Grundbegriffe und Fragestellungen überdenkt, die sich mittlerweile aus der Betrachtung des Holocaust ergeben haben. Bauer, dessen vorrangiges Interesse den Opfern gilt, befasst sich mit den Deutungen der Shoah durch bedeutende Historiker und Soziologen. Er stellt den jüdischen Widerstand, den unbewaffneten und den bewaffneten, ausführlich dar, ohne zu verhehlen, dass es an Verrätern und verzweifelten Judenräten nicht gefehlt hat. Neben den Massen verstörter und vor Angst gelähmter Menschen, die jede Hoffnung aufgegeben hatten und so zur leichten Beute der Mörder wurden, gab es auch Menschen, die aus Illusionen Hoffnung wider alle Hoffnung schöpften, die dann jedoch an der Wirklichkeit des Massenmords zerschellten. Den jüdischen Frauen in dieser Zeit widmet Bauer ein eigenes Kapitel.
Allerdings haben die Verbrechen der Nazis nicht nur das Böse offenbart, dessen der Mensch fähig ist, sondern auch das Gegenteil: das Gute durch einige wenige Retter am Rande des Geschehens, zu denen auch Oskar Schindler gehört, der durch den bekannten Film zu einer umstrittenen Figur geworden ist. Gleichwohl war das jüdische Volk während des Zweiten Weltkriegs nahezu völlig hilflos. Die Frage, ob die in der Shoah ermordeten Juden hätten gerettet werden können, werde uns auch weiterhin schlaflose Nächte bereiten, vermutet der jüdische Historiker.
Bauer überlegt ferner, ob das fürchterliche Geschehen Einfluss auf die Gründung Israels gehabt habe und kommt zu dem Resümee, dass der Staat Israel weder das Ergebnis des Völkermords war, noch dass er ihn hätte verhindern können, wenn er früher gegründet worden wäre.
Wir sollten alles tun, mahnt der Autor, um sicherzustellen, dass der Völkermord der Nazis zu einer Warnung statt zu einem Präzedenzfall wird. Auch wenn diese dunkle Seite der Geschichte, wie der jüdische Historiker plausibel darlegt, erklärbar ist, so wird sie doch weiterhin schwer zu beschreiben sein. Schriftsteller, Dichter, Dramatiker und Philosophen werden daher auch in Zukunft noch mit dem Problem ringen, wie sich dieses grausame Geschehen angemessen zur Sprache bringen lässt. (Ursula Homann)
Titel: Die dunkle Seite der Geschichte
Autor: Yehuda Bauer
Verlag: Suhrkamp Verlag
Seiten: 383
ISBN: 3633541705
Verhängnisvolle Affären
Erstellt am: April 3rd, 2008Bei den hier geschilderten Affären stehen spannende Persönlichkeiten, deren Schicksale untrennbar mit ihrer Zeit verknüpft sind im Mittelpunkt. Wie Künstler leben, lieben, an ihrer Liebe scheitern, hat meist nicht nur eine private Dimension, denn sie fokussieren intensiver als alle anderen Menschen den Geist oder Ungeist einer Epoche.
Sie weisen durch ihr Sensorium für das Künftige und das Ungewöhnliche weit über die Gegenwart hinaus, das macht sie unbequem und für viele gefährlich. Wie lange duldet eine Gesellschaft ihre Abweichung von der Norm? Und wie unterscheidet sich die Duldung bei Männern und Frauen, Hetero- und Homosexuelle, Menschen im Zenit oder im Abklingen ihres Ruhmes? Das sind die Fragen, die hinter den hier geschilderten Lebens- und Liebesgeschichten stehen.
Aus ihrer Liebe und Leidenschaft wurden wilde, oft existenzbedrohende Kämpfe um Macht und Geld. Berühmte Paare lieferten einander heiße Auseinandersetzungen, die für viele Schlagzeilen sorgten:
Marlene Dietrich folgt ihrem Entdecker Josef von Sternberg nach Hollywood und beginnt eine turbulente Affäre. Diverse andere Affären mit Männern, aber auch mit Frauen der Dietrich, waren Sternberg zu viel.
Charlie Chaplin hat im Alter von fast vierzig Jahren eine Affäre mit der fünfzehnjährigen Lita Grey, die das puritanische Amerika aufrührt.
Anita Berber war der Skandalstar der 20er-Jahre. Mit ihrem Mann Sebastian Droste bot sie exzessive Programme, die die Themen der Zeit – Sexualität, Rauschgift, Untergangsfantasien darstellten.
Oscar Wilde, der auf der Höhe seines literarischen Ruhmes stand, verliebte sich in Alfred Douglas und stürzte sich in eine Affäre mit ihm, die seine Existenz ruinierte.
Fazit:
Eva Bakos beschreibt die magische Anziehung und die Hassliebe dieser und vieler weiterer Paare. Doch nicht immer konnte die Liebe gewinnen. Wie die zahlreichen Beziehungen enden, stellt sich oft erst Jahre später raus. (Silvia Dunker)
Titel: Verhängnisvolle Affären
Autor: Eva Bakos
Verlag: Ueberreuter Verlag
Seiten: 207
ISBN: 3800037963
Alkohol
Erstellt am: April 3rd, 2008Maggie May Chilcote wächst als Tochter einer wohlhabenden und einflussreichen Südstaatenfamilie auf. Doch trotz allen Wohlstandes hat das Mädchen keine glückliche Kindheit, denn wie ein Fluch lastet die Alkoholabhängigkeit des Vaters über der Familie. Als sich der verzweifelte Mann das Leben nimmt, weil er seine Sucht nicht mehr beherrschen kann, sagt seine Tochter Maggie May der Volksdroge den Kampf an.
In New York betreibt zur gleichen Zeit die Familie Tarleton eine kleine Hotelpension. Kip, der Sohn, muss schon in jungen Jahren kräftig mitarbeiten und Verantwortung übernehmen, sein Vater Pow ist dazu nicht in der Lage – denn auch er ist ein Trunkenbold.
Genau wie Maggie May verabscheut Kip die Volksdroge aus ganzem Herzen. Über Maggie Mays Bruder Roger, der als Gast in der Tarletonschen Familienpension lebt und der leider die familiäre Veranlagung zur Trunksucht geerbt hat, lernen sich die beiden Alkoholgegner kennen und lieben.
Amerika befindet sich in der Phase der Prohibition und natürlich sind Kip und Maggie May glühende Anhänger des staatlichen Alkoholverbotes.
Während Roger sich immer mehr der Sucht ergibt, lassen die beiden keine Gelegenheit aus, um gegen Schnaps, Wein und Bier zu Felde zu ziehen. Maggie May hält mit wachsendem Erfolg Vorträge in kirchlichen Gemeindehäusern, bei Gewerkschaften und sozialen Organisationen ;ihr Mann arbeitet als Beamter bei der bundespolizeilichen Prohibitionsbehörde und wird zu einem unbestechlichen und unerbittlichen Verfolger von Schmugglern, Schwarzbrennern und Alkoholpanschern. – Natürlich macht er sich damit nicht nur Freunde…
Obwohl der Roman mittlerweile siebzig Jahre alt ist, hat er bis auf den heutigen Tag kaum etwas von seiner Aktualität eingebüsst. Noch immer ist Alkohol die Droge Numero Eins und die damit verbundenen Probleme sind drängend wie eh und je. Wer einmal im Kreis von Kollegen, Bekannten, Nachbarn, Freunden oder gar Angehörigen den alkoholbedingten Niedergang eines Menschen und oft auch seiner Familie miterleben musste, ist verblüfft über die Genauigkeit von Sinclairs Beobachtungen. Das langsame Abgleiten einer trinkfesten Frohnatur in die Alkoholabhängigkeit wird überzeugend geschildert. Die Ausreden, Lügen, Argumente und Beschönigungen, mit denen der Trinker seine Sucht zu bemänteln oder zu entschuldigen versucht – Sinclair lässt keine aus. Auch die verzweifelten Versuche von Ehefrauen, Kindern und Freunden, den Alkoholiker von seiner Sucht abzubringen, werden vom Autor glaubhaft und nachvollziehbar beschrieben. Am Sinclairs Stil gibt es für mich nur wenig zu bekritteln, seine Schreibe ist flott, geprägt von leichter Ironie und ohne Übertreibung.
Mich stören jedoch Sinclairs Unnachgiebigkeit und Radikalität. Seine Helden (und wie mir scheint auch er selbst) billigen nicht den kleinsten Schritt vom Wege Für ihn gibt es zumindest in dieser Frage nur schwarz oder weiß – Trinker oder Antialkoholiker. Obwohl viele Menschen mit der Droge Alkohol große Probleme haben, ist doch nicht jeder, der gerne mal ein Gläschen Wein oder Bier trinkt , deswegen gleich ein Säufer (Gott sei Dank).
Ich denke aber, dass man, was dies angeht, Sinclairs Buch in seine Zeit stellen muss. Damals wusste man, zumindest was die Entwicklung der Prohibition anbetraf, halt noch nicht das, was man heute weiß.
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von Evas Leseland
Titel: Alkohol
Autor: Upton Sinclair
Verlag: Piper Verlag
Seiten: 413
ISBN: 3492226590
Meine deutsche Frage
Erstellt am: April 3rd, 2008Peter Gay ist Historiker und Psychoanalytiker.
Es gibt eine Reihe von Erinnerungen bekannter ehemaliger jüdische Mitbürger in Deuschland, die die Jahre von 1933 -39 dokumentiert haben. So wie viele andere vor ihm , berichtet auch Gay aus der Zeit der Machtergreifung durch Hitler und die Nationalsozialisten in Deutschland. Seine Erinnerungen zeichnen sich durch eine genaue Wahrnehmung eigener Empfindungen über die psychischen Auswirkungen auf einen in der Adoleszenz sich befindenden Jugendlichen aus.
P. Gay ist 1933 zehn Jahre alt. Er hatte den deutschen Namen Fröhlich, den er erst in der Emigration in die englische Version “Gay” änderte.
Mit den Nürnberger Rassegesetzen begann 1933 die langsame Demoralisierung, Ausgrenzung, Erniedrigung, Demütigung und Verfolgung der Juden. Peter Gay begann, diese Herabwertung zu verinnerlichen und fühlte sich entsprechend minderwertig .Die Eltern haben dem zwar entgegengesteuert und ihm immer versichert, dass er sich nicht daran stören solle, er sei richtig so, wie er sei. Das Gift der Verunsicherung von außen setzte sich aber in ihm fest und hat ihn zu einem ernsten und gelegentlich an Depressionen leidenden Menschen werden lassen.
1961 wagte sich Gay zum ersten Mal wieder nach Deutschland und in seine Geburtsstadt Berlin.
Es ist ergreifend zu lesen, wie er voller Misstrauen, Argwohn, Vorbehalte und sehr nervös sich der Stätte seiner Jugend nähert. Er beschreibt treffend , wie er eine Kontrolleurin beobachtet und vermeintlichen Hass in ihren Augen auszumachen glaubt. Später kann er diese Erscheinung als eine Projektion seiner eigenen Gefühle erklären: er ist es , der voller Hass auf die Deutschen zurückkehrt.
Sehr zögernd beginnt er , sich dem neuen Deutschland zu nähern. Zu schrecklich sind die Erinnerungen, als dass sie ihn loslassen oder vergessen machen könnten, was geschehen war. Sein Vater, ein überragend freundlicher und freundschaftlicher Mensch in seiner Haltung zu seinem Sohn, tat alles, um der heraufziehenden Katastrophe mutig und mit geeigneten Maßnahmen zu begegnen und später zu entkommen.
Dramatisch und abenteuerlich ist die Flucht über Kuba , sind die Hindernisse, die das Unternehmen fast zum Scheitern bringen könnten. Es gelingt am Ende sowohl die Flucht in die USA als auch die Integration in dieses neue Land. Gay kann studieren und seinen Weg machen. Eine nicht wiedergutzumachende Verstörung bleibt lebenslänglich. Gay versteht es, einen reflektierten und sorgfältigen, nicht übertriebenen Bericht über seine Jugend in Deutschland zu geben.
Der erste und der letzte Teil dieses kleinen Buches erscheint mir am interessantesten. Der erste Teil gibt anschaulich Einsichten in die eigene Gefühlswelt , der zweite Teil berichtet über die erst mit dem Ende des Krieges bekannt gewordenen unvorstellbaren Schrecknisse , über das Ausmaß der Zerstörung und der Ausrottung . Es führt zu neuerlichen beängstigenden Assoziationen bei Peter Gay, was denn hätte sein können, wenn die Flucht nicht gelungen wäre.
In ihm ist eine unumkehrbare Abneigung gegen Deutschland und die Deutschen. Seine Wut und ein Rest von Hass ist wohl verständlich. Er gewinnt zwar neue Freunde auch in Deutschland, doch die argwöhnische Beobachtung der Entwicklungen in diesem Land begleiten sein Leben weiter. Er ist ein sensibler und feinfühliger Beobachter .
Es ist für den Leser in Deutschland nicht leicht , sich den Berichten aus der damaligen Zeit immer wieder zu stellen .Sind sie doch Bestandteil der eigenen Geschichte, die auch die Gegenwart noch überschatten. Dieses Buch bietet aber über den rein geschichtlichen Ansatz hinaus Einsichten in die Psyche des Menschen .So lohnt sich auch aus diesem Grunde die Lektüre. (Claudine Borries)
Titel: Meine deutsche Frage
Autor: Peter Gay
Verlag: BECK
Seiten: 230
ISBN: 3 406 42110 5
Afrika! Afrika! Kochbuch
Erstellt am: November 28th, 2007Endlich einmal ein kochbuch der etwas exotischeren Art:
Über 100 Artisten, Exzentriker und Tänzer der grandiosen AFRIKA! AFRIKA! Show begeisterten bislang über eine MillionMenschen in ganz Deutschland und Österreich. Der Zirkus des Wiener Künstlers André Heller unterhält sein Publikum nicht nur durch Akrobatik auf höchstem Niveau, er lädt seine Gäste auch zu einer einzigartigen kulinarischen Entdeckungsreise ein.
Jetzt haben die Stars vom Schwarzen Kontinent ihre Lieblingsrezepte zusammengetragen – viele wurden zum ersten Mal aufgeschrieben, da sie traditionell nur mündlich von der Mutter an die Töchter weitergegeben werden. SPIEGEL-Redakteurin Barbara Schmid und Alexander Ehrgott, der Küchendirektor des Zirkus, haben die Rezepte bearbeitet und in einem farbenprächtigen Kochbuch zusammengestellt, das auf der Buchmesse in Frankfurt präsentiert wurde. In „AFRIKA! AFRIKA! Das Kochbuch“, erschienen im Wiener Christian Brandstätter Verlag, können Gourmets die Spezialitäten der Küche von Nord- bis Südafrika entdecken, vom kongolesischen Räucherhuhn, über marokkanische Dattelröllchen bis zum senegalesischen Nationalgericht, das mit Stockfisch gewürzt wird. Das Buch ist viel mehr als nur eine Rezeptsammlung, es ist ein echtes Lesebuch, das diesen ungewöhnlichen Zirkus aus einem ganz intimen Blickwinkel zeigt, seine Menschen und ihre Geschichten. Nicht nur für Feinschmecker ein absoluter Geheimtipp. (Jean Lüdeke)
AFRIKA! AFRIKA! Kochbuch
Hardcover, 194 Seiten, reich bebildert,
Hochglanzdruck, zahlreiche afrikanische Rezepte
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