Zwischen Liebe und Lüge

Erstellt am: Oktober 21st, 2007

Lucy West, Frau von Max, der als Chefredakteur bei der „Sussex Gazette“ beschäftigt ist, und Mutter der gemeinsamen Tochter Margaret, und Kate Cunningham, wohlhabende Anwaltsgattin und Mutter von Filius Matthew, lernen sich beim Tag der offenen Tür eines potenziellen Kindergartens für ihre Sprösslinge kennen. Schnell werden aus den Beiden beste Freundinnen, engste Vertraute und verlässlichste Geheimnisträgerinnen. Dass sich auch die Ehemänner mit Sympathie begegnen und die Kinder bald unzertrennlich sind, macht das harmonische Miteinander komplett.

‚Es stimmte, dass Kate und ich uns gewissermaßen verbündet hatten, nicht unbedingt gegen unsere Ehemänner, sondern zu dem Zweck, unser Frausein auszuleben.‘ Doch im Gegensatz zu ihrer Freundin, die die Abwesenheit ihres Mannes gerne mal für kondomgeschützte Eskapaden nutzt, beschränkt sich Lucy zunächst auf Phantasien über das Was-wäre-wenn-und-wie-wäre-es-?.

Einige Jahre nach ihrem Kennenlernen manifestiert sich die seelenverwandtschaftliche Freundschaft von Lucy und Kate durch zeitgleiche Schwangerschaften – freilich mit völlig unterschiedlichem Ausgang: Während die Cunninghams stolz ihre Tochter Abby präsentieren können, wird das Baby der Wests tot geboren. Diese Tatsachen sorgen nicht nur für dunkle Wolken über dem Verhältnis der beiden Frauen, sondern letztendlich auch dafür, dass Lucy und Chip, Kates Mann, sich näher kommen.

Als bei Margarets kleinem, permanent kränkelnden Bruder Jeremy die Erbkrankheit Mukosviszidose diagnostiziert wird, schlägt die zu sorglos praktizierte Vergangenheit gnadenlos zu.

„Zwischen Liebe und Lüge“ erzählt aus der Perspektive Lucys die Geschichte eines Konflikts, den der Originaltitel „Between Husbands and Friends“ wesentlich treffender benennt. Denn nicht Liebe und Lüge stehen vordergründig auf dem Spiel, das Lucy und Chip durch ihren Seitensprung angezettelt haben, sondern zwei Ehen und die einst so innige Freundschaft der beiden Frauen. Einfühlsam und mit dezenter Situationskomik, zwischen Gegenwart und Retrospektive pendelnd beschreibt Nancy Thayer den Weg ihrer Protagonistin von einer weitestgehend glücklichen Ehefrau und Mutter zum von Schuld gebeugten, mit dem Schicksal hadernden Nervenbündel.

Die Mittfünfzigerin Nancy Thayer wuchs in Kansas City auf und studierte an der University of Missouri Englische Literatur. Anschließend war sie an diversen Universitäten als Dozentin tätig, bevor sie ganz auf die Schriftstellerei umsattelte und mit etlichen Titeln den Sprung in die Bestsellerlisten schaffte. Nancy Thayer lebt mit ihrer Familie auf der Insel Nantucket/Massachusetts. (Ensa Maurer)

Titel: Zwischen Liebe und Lüge
Autor: Nancy Thayer
Verlag: Wolfgang Krüger Verlag
Seiten: 317
ISBN: 3810520195

Balzac und die Kleine chinesische Schneiderin

Erstellt am: Oktober 21st, 2007

Der Autor Dai Sijie ist Chinese und lebt heute in Paris. Er hat Teile der vorliegenden Geschichte aus der eigenen Biographie beigesteuert.

Einen hübscheren, poetischeren Roman mit einer so zarten und charmanten Liebeserzählung habe ich lange nicht auf dem Büchermarkt gefunden!

Worum geht es ?
Zwei Jungen im Alter von 17 und 18 Jahren werden im Zuge der Umerziehung während der Kulturrevolution in China in ein abgelegenes Bergdorf verschickt.

Für die Jugendlichen aus gehobenem Bürgermilieu bedeutet das Leben und die Arbeit unter armseligsten Bedingungen, in der denkbar kärglichsten Behausung, einen Schock. Zwar erfahren wir viel über ihr Leben und die schandbaren Zustände, durch die sie in ihre Lage gebracht wurden. Aber weit entfernt davon, als pure Anklage geschrieben zu sein, erleben wir eine Art Schelmenroman.

Lou entwickelt sich zu einem begnadeten Erzähler, sein Freund ist Geiger. Diese Fertigkeiten verhelfen beiden zu der einen oder anderen Vergünstigung.

Zarte Liebesfäden spinnen sich von Lou zur Kleinen chinesischen Schneiderin . Dass die beiden Jungen es verstehen, sich in den Besitz westlicher Literatur von Balzac über Dumas bis Flaubert u.a. zu bringen, rettet ihnen quasi ihr psychisches und mentales Überleben. Sie scheuen keine Wagnisse. Auf ihren abenteuerlichen Wegen durch die zerklüftete Bergwelt hören wir die schönsten Geschichten von Tieren, Menschen und Pflanzen. Wir folgen ihnen in ihre Träume, ihre Ängste und die Freuden, die auch das ärmste Leben für den bereit hält , der richtig zu schauen versteht. Zuweilen wechseln Gut und Böse, und wir wissen nicht , befinden wir uns in einem gruseligen Märchen oder kann so die Wirklichkeit sein. Unvergleichlich ist die jugendliche Unbefangenheit und Neugier, mit der sie ihren Weg gehen. Es ist eine wunderschön erzählte Geschichte, voller Sprachreichtum und wechselnder Einfälle.

Ich kann das Buch wärmstens empfehlen. (Claudine Borries)

Titel: Balzac und die Kleine chinesische Schneiderin
Autor: Dai Sijie
Verlag: Piper
Seiten: 199
ISBN: 3 492 04289 9

Die Feuerfrau

Erstellt am: Oktober 21st, 2007

Anatole St. Leger entstammt einer ungewöhnlichen Familie. Fast alle Familienmitglieder sind mit übersinnlichen Fähigkeiten ausgestattet. Und einige haben immer noch nicht ihre letzte Ruhe gefunden sondern treiben als Geister mit den Lebenden ein ungewöhnliches Spiel. Außerdem wird den St. Legers nachgesagt, dass sie nur dann in einer Ehe glücklich sind, wenn der sogenannte „Bride Finder“ ihnen eine Braut auswählt. Und jetzt ist Anatoles Zeit gekommen, sich eine Frau zu nehmen. Also schickt er Reverend Septimus Fitzleger aus, ihm eine ganz bestimmte Braut zu finden. Denn Anatole hat in einer Vision gesehen, das er sich vor einer rothaarigen Frau in acht nehmen muss. Und so übergibt er dem Reverend eine lange Liste mit Anforderungen an seine Zukünftige.

Monate später rollt eine Kutsche auf die Burg der St. Legers zu. Darin befindet sich Madeleine Elizabeth Breton, die Ehefrau von Anatole St. Leger. Der ungestüme junge Mann hatte sich geweigert, seine Auserwählte in London zu besuchen und deshalb den Reverend beauftragt, sie in Stellvertretung zu heiraten. Madeleine glaubt hier von einem liebe- und rücksichtsvollen Ehemann erwartet zu werden, allerdings lernt sie sehr bald, dass sie sich falsche Vorstellungen gemacht hat. Anatole ist ungezähmt, aufbrausend und die Burg der St. Legers scheint auch voller Geheimnisse zu sein. Und auch Anatole ist nicht begeistert von Madeleine, denn sie ist viel zu zierlich und hat auch noch rote Haare!

Da beide keinen anderen Ausweg sehen, wiederholen sie das Eheversprechen. Allerdings steht ihre Ehe von Anfang an unter keinem guten Stern. Anatole lebt mit der ständigen Angst das seine Frau herausfinden könnte, dass er übersinnliche Fähigkeiten besitzt und sich dann eventuell von ihm abwendet. Denn genau das hat seine eigene Mutter getan. Werden beide genug Mut haben sich der Vergangenheit zu stellen?

Endlich mal wieder ein außergewöhnlicher Historical. Leider sind solche Geschichten viel zu selten. Susan Carroll beweißt hier das sie nicht nur einmalige Regencies schreiben kann. Erfolgreich hat sie das Genre gewechselt. Wer sich nach einer ungewöhnlichen Geschichte mit einmaligen Hauptdarstellern sehnt, sollte „Die Feuerfrau“ keinesfalls verpassen!

Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin von Die romantische Bücherecke und Moments

Titel: Die Feuerfrau
Autor: Susan Carroll
Verlag: Droemer Knaur
Seiten: 608
ISBN: 3426612828

Lügen

Erstellt am: Oktober 21st, 2007

Be ist wahrlich ein Fall für sich, findet Augusta: Sie war das stets verwöhnte Einzelkind, das schon früh davon überzeugt war, nur sie selbst habe alles begriffen und wisse, worauf es im Leben ankommt. Augusta hatte und hat an dieser kühnen These zwar ihre Zweifel, muss sich aber letztendlich eingestehen, dass Be es trotzdem – oder gerade deshalb ? – zu Besitztümern gebracht hat, die ihr – zumindest bislang – vorenthalten blieben: Be hat schöne lange schwarze Haare. Be hat Karl, der sich um sie und die Wohnung bemüht und sogar noch Geld verdient. Be hat zwei Kinder, um die Karl sich auch kümmert. Be hat Spaß. Und Be lebt ein Leben, das nur vor ihrer eigenen Überprüfung als wahrhaftig durchgehen kann, da Be eine andere Auffassung von der Wahrheit hat. ‚Ihre Realität ist eine andere.‘, weiß Augusta.

Weil Be jedoch Madame Bovary, Rot und Schwarz, Der große Meaulnes und Schuld und Sühne gelesen hat, ist sie trotz ihrer Lügerei Augustas Freundin. Denn: ‚Man kann keine tiefe Freundschaft zu jemandem halten, der denkt, die Welt hört bei Hanni und Nanni auf.‘

Eines Tages trennt Be sich von Karl und von Augusta als Nachbarin. Sie zieht in eine seelenlose Wohnung in Kreuzberg, kocht plötzlich nach den Anleitungen eines Kochbuchs, ist völlig ungeschminkt und trägt Hausschuhe. ‚In meinem Leben‘, erklärt sie der verdutzten Augusta, ‚hat sich einiges verändert‘. Der Grund dafür heißt Petra.

Ohne es wirklich zu wollen, wird Augusta in den Sog der Ereignisse gezogen und lernt Petras Bruder Peter kennen.

Während Elke Naters in ihrem Debütroman „Königinnen“ die Geschichte einer Frauenfreundschaft aus der Perspektive beider erzählte, beschränkt sie sich in „Lügen“ auf nur eine: die von Augusta. Mit dem Mut, ganz genau hinsehen zu wollen und dabei auch Unliebsames zu entdecken, lässt sie Augusta Bes Wesen, ihr Leben sowie die Freundschaft der so verschiedenen Frauen bis in den letzten Winkel ausleuchten und präsentiert den Lesern die Beobachtungen mit der ihr eigenen Komik und stilistischen Treffsicherheit. „Lügen“ ist ein Plädoyer für Respekt, Toleranz und für das Obwohl.

Elke Naters wurde 1963 geboren und wuchs in München auf. Einer Lehre als Damenschneiderin und einer anschließenden zweijährigen Tätigkeit als Kostümbildnerin und Designerin ließ sie ein Studium der vergleichenden Literatur folgen. Die Autorin, die mit ihrem Roman „Königinnen“ äußerst erfolgreich debütierte, lebt heute in Berlin und Bangkok. (Ensa Maurer)

Titel: Lügen
Autor: Elke Naters
Verlag: Econ Ullstein List Verlag
Seiten: 191
ISBN: 3548600441

Ich ging durch Feuer und brannte nicht

Erstellt am: Oktober 21st, 2007

Die Autorin, die hier ihre eigene Lebensgeschichte erzählt, wird 1914 in Wien geboren. Sie erlebt dort eine glückliche Kindheit und Jugend. Doch 1938, im Jahre des österreichischen Anschlusses an Nazideutschland, verändert sich das Leben der jungen Frau radikal, denn Edith ist Jüdin. Schon bald wird sie zunehmenden Repressionen ausgesetzt. Obwohl sie eine ausgezeichnete Studentin ist, darf sie ihr letztes juristisches Staatsexamen nicht mehr ablegen und muss Zwangsarbeit auf einer Spargelplantage und später in einer Papierfabrik leisten.

Ihre beiden Schwestern Hansi und Mimi haben mehr Glück als Edith, denn ihnen gelingt gerade noch rechtzeitig die Auswanderung nach England bzw. nach Palästina.

Auch Edith trägt sich mit dem Gedanken, das Land, in dem sie verfolgt wird, so bald wie möglich zu verlassen – doch sie möchte nicht ohne ihren Liebsten Joseph (Pepi) Rosenfeld gehen. Pepi gilt nur als „Halbjude“, denn sein bereits verstorbener Vater war zwar jüdischen Glaubens, die Mutter jedoch ist „Ariererin“. Er fürchtet durch zu enge Kontakte mit Edith, die wenigen Privilegien, die er im Vergleich zu ihr besitzt, zu verlieren und verstärkte Schikanen zu erleiden. Er verweigert Edith die Heirat, um die sie so eindringlich bittet, und zieht sich mehr und mehr von ihr zurück.

Nachdem Edith nach Wien zurückgekehrt ist, muss sie erkennen, dass sie dort nicht überleben kann. Ihre Mutter ist bereits nach Polen abtransportiert worden und um selbst der Deportation zu entgehen, muss sie untertauchen.

Ihre Freundin Christel Denner „verliert“ ihre Papiere um Edith zu einem Personalausweis und einer behelfsmäßigen Lebensmittelkarte zu verhelfen. Mit diesen Unterlagen versucht Edith in München ein neues Leben zu beginnen. In einem Museum begegnet sie Werner Vetter, einem Mann, der das Parteiabzeichen der NSDAP an seiner Kleidung befestigt hat und der durch und durch „arisch“ aussieht. Doch Werner ist bei weitem kein typsicher Nazi, er ist Individualist, unkoventionell und nimmt es häufig mit der Wahrheit, vor allem gegenüber Vorgesetzten und Autoritäten, nicht allzu genau.

Als er Edith einen Heiratsantrag macht, gesteht sie ihm Jüdin zu sein, doch Werner lässt sich davon nicht beeindrucken und führt sie schließlich (mit ihren falschen Papieren) zum Standesamt. Als brave Gattin eines geachteten NSDAP-Mitgliedes und Angestellten in einer kriegswichtigen Brandenburger Flugzeugfabrik kann sich Edith nun einigermaßen sicher fühlen. In Ediths Leben zieht trügerische Normalität ein und so weit das unter den schrecklichen Bedingungen des Krieges und der Naziherrschaft möglich ist, führen sie und Werner fast so etwas wie eine glückliche Ehe. Schließlich wird sie sogar Mutter einer kleinen Tochter – Angela. In den letzten Kriegstagen wird Werner noch an die Front eingezogen und später gerät er in russische Gefangenschaft.

Edith nimmt nach Kriegsende sofort ihren richtigen Namen wieder an, wird in der Sowjetzone als Richterin eingesetzt, und macht ihren neu gewonnen Einfluss als Naziverfolgte geltend um ihren Mann aus Sibirien frei zu bekommen. Es dauert Jahre, ehe Werner zu ihr zurückkehrt. doch die Beziehung ist nicht mehr so wie früher. Werner gelingt es nicht, das neu gewonnene Selbstbewusstsein seiner Gattin zu akzeptieren und so scheitert die Ehe schließlich.

Durch Bücher und Filme kenne ich mittlerweile die Lebensgeschichten vieler Holocaust-Überlebender, doch kaum jemand von ihnen ist den Feind so nahe gekommen wie Edith Hahn Beer. Sie lebt ein scheinbar normales Leben umgeben von Nazis. Nachbarn, Kollegen, Freunde halten sie für eine typische deutsche Haus- und Ehefrau; Werner, ihr Mann ist Mitglied der NSDAP und trägt am Ende des Krieges die Uniform eines Wehrmachtsoffiziers. Um nicht aufzufallen, muss sie anlässlich einer Wohnungsüberprüfung gar ein Hitlerbild in ihrem Wohnzimmer aufhängen. Wie sie es schafft, bei aller nötigen Anpassung und Tarnung sie selber zu bleiben, weder ihre Überzeugung, ihre Religion oder ihre Freunde und Angehörigen zu verraten, wird von der Autorin eindrucksvoll beschrieben.

Mir gefällt auch die Gegenüberstellung der beiden so unterschiedlichen Männer, die zu jener Zeit in Ediths Leben eine entscheidende Rolle spielen. Da ist auf der einen Seite der Hochgebildetete, intelligente Pepi, der genau weiß, in welcher Gefahr sich seine Freundin befindet, und der trotzdem zu feige ist, ihr zu helfen und auf der anderen Seite Werner, der Schlawiner und Draufgänger, der trotz seiner Nähe zum Regime keinen Augenblick zögert, Edith durch die Eheschließung ein Stück zusätzlicher Sicherheit zu gewähren.

Am Inhalt des Buches gibt es für mich überhaupt nichts zu kritisieren (wie könnte es auch bei einer wahren Geschichte?) und auch über den Stil kann man nur wenig meckern. Das Buch liest sich flüssig und von der ersten bis zur letzten Zeile spannend. Einzig, wenn die Autorin über ihre Tochter Angela redet, geht sie mir manchmal etwas auf den Keks. Logisch, dass sie ihr Kind liebt (welche Mutter tut das nicht) aber muss sie wirklich jedes Mal, wenn sie über Angela spricht die Verkleinerungsform Kindchen verwenden?

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von Evas Leseland

Titel: Ich ging durch Feuer und brannte nicht
Autor: Edith Hahn Beer
Verlag: Scherz Verlag
Seiten: 287
ISBN: 3502182876

Elianes Glanz

Erstellt am: Oktober 21st, 2007

In einer sehr merkwürdig anmutenden Sprache, teils bizarr und teils manieriert, beginnt die Erzählung über einen Auslandsdirektor einer französischen Farbenfirma.

Beginnend mit der sphinxhaften Begegnung einer unbekannten Frau, wird eine Geschichte erzählt , in der der Held des Romans für seine Firma einen Vortrag über Farben halten soll. Er bedient sich dafür historischer Farbenlehren. Teils angelehnt an Goethes Farbenlehre, teils an Anthologien große Denker und Wissenschaftler, auch an Nachrichten über die Malerei der klassischen Antike, entwirft er diesen Vortrag. Er basiert aber auch auf seinen eigenen Untersuchungen über die Farbanstriche im Mittelalter und in der Renaissance.

Nach langer Vorrede wird das Manuskript für diesen Vortrag überraschend gestohlen und taucht als Veröffentlichung in einem Wissenschaftsmagazin auf. Ubus, ein anonymer Täter, folgt dem Erzähler wie magisch überall hin. Daneben gibt es „Eliane“, die unbekannte Schöne, die als Fiktion und Wirklichkeit die Erzählung durchzieht.

Dem Inhalt nach ist das Buch eher ein wenig langweilig. Man weiß nie so recht, was will der Erzähler uns eigentlich vermitteln. Sollen Berufsintrigen angeprangert werden, oder ist die Suche nach der unbekannten Schönen Sinn und Inhalt der Erzählung.

Es drängt sich der Verdacht auf, als ginge es mehrheitlich um die Formulierungsgabe und Fabulierkunst und um das Hintergrundwissen in den Farbenlehren. Die Schönheit und Ästhetik der Sprache wird noch dadurch unterstrichen, dass sehr plötzlich ganz gewöhnliche Ausdrücke der Alltagssprache den Fluss der Erzählung stoppen. So z. B. erscheint mitten in der Darstellung der Phantasien über Elianes mögliche Lieben der Ausdruck …..“die Sau“…..,– falls sie sich mit einem anderen eingelassen haben sollte.

Immer wieder wechseln Phantasie und Wirklichkeit, werden Träume beschrieben, und es entstehen neue Ebenen des Erzählens.

Es scheint um das Plagiat zu gehen, im Beruf und in der Liebe.

Ubus, der unbekannte Kollege und Plagiator, kann erfunden oder echt sein, so wie Eliane echt ist und zuletzt erfunden wird in der Figur einer Geliebten.

Die letzte Frage des Helden : „wann beginnt denn nun mein eigentliches Leben“ könnte symbolhaft dafür stehen: wie lässt sich Phantasie und Wirklichkeit mit dem eigentlichen Leben in Verbindung bringen.

Es ist ein rätselhaftes und schwer verständliches Buch für höchste literarische Ansprüche. (Claudine Borries)

Titel: Elianes Glanz
Autor: Luigi Malerba
Verlag: Wagenbach
Seiten: 189
ISBN: 3803131529

Die Waldgräfin

Erstellt am: Oktober 21st, 2007

Alienor ist im Jahr 1066 die Tochter eines deutschen Freigrafen und lebt auf einer Burg in der Eifel. Ihre Mutter ist verstorben und fast alle ihre Geschwister ebenfalls, Sie würde viel lieber auch weiterhin auf die Jagd gehen, als den Haushalt ihres Vaters zu beaufsichtigen. Aber all ihre Proteste nützen nichts, sie wohnt im Frauenturm und kümmert sich um die täglichen Probleme auf der Burg.

Da bringt ihr Vater, der Freigraf zu Sassenberg, eines Tages von einem Jagdausflug einen Wilddieb mit. Jedenfalls behauptet er, den Mann, der brutal zusammengeschlagen wurde, beim Wildern erwischt zu haben. Der Fremde wird in den Kerker gesperrt und gefoltert, da der Graf unbedingt dessen Namen herausfinden will. Alienor hat wenig Interesse an dem Gefangenen, aber als sie ihm eines Tages aus Mitgefühl etwas zu essen bringt, ist sie über dessen Zustand zutiefst schockiert.

Als sie ihrem Vater erzählt das sie seine Sprache verstehen konnte, er sprach auf normannisch zu ihr, der Sprache ihrer Mutter, erspinnt der Graf einen neuen Plan. Er lässt den Gefangenen vom jüdischen Arzt Meister Naphtalis, der auf der Burg wohnt, gesund pflegen und macht ihn zum Reitknecht seiner Tochter.

Alienor fürchtet sich vor dem Fremden und will das Geschenk ablehnen, aber ihr Vater bleibt stur. Sie soll versuchen den Mann zum Sprechen zu bewegen und seinen wahren Namen rausfinden. Je länger Alienor mit dem Unbekannten zusammen ist, desto mehr merkt sie das auch er ein Mensch ist und Gefühle hat, auch wenn er einem anderen Glauben angehört, welchen die Kirche zutiefst verabscheut.

Alienor wird in einen Strudel von Ereignissen und Gefühlen gestürzt. Wo liegt ihr wahres Schicksal?

Mit „Die Waldgräfin“ hat Dagmar Trodler bewiesen, dass ein wahnsinnig-guter Unterhaltungsroman auch von einer deutschen Autorin geschrieben sein kann. Die Geschichte ist absolut einmalig, fesselnd und spannend zu lesen. Lesespaß zum Mitfiebern. Ein Roman den man keinesfalls verpassen sollte.

Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke

Titel: Die Waldgräfin
Autor: Dagmar Trodler
Verlag: Blanvalet
Seiten: 608
ISBN: 3764501251

Alles, was du suchst

Erstellt am: Oktober 21st, 2007

Stefan Landovsky, schwer angeschlagen vom Scheitern einer Beziehung, landet auf einer Mittelmeer-Insel mit einem ’nicht allzu großen Flughafen‘ und ‚einer uralten Hauptstadt‘.

In einer Bar, die idyllisch an einer weißsandigen Bucht umgeben von Pinienwäldern liegt, kommt er mit Manuel, dem Wirt des Lokals ins Gespräch. Der erkennt sofort die Situation seines Gastes und lädt ihn zu Wein und zum Teilhaben an seinen Gedanken, Erkenntnissen und Lebensweisheiten ein. Bald darauf lernt Stefan auch Manuels Frau Verenice, ihren Sohn Vincente sowie einige Freunde des Paares kennen. Es dauert nicht lange bis bei dem Liebeskummer-Geplagten Manuels Anliegen, zu erkennen, ‚dass diese Trennung, die Sie hinter sich haben, das Beste war, das Ihnen widerfahren konnte‘, auf fruchtbaren Boden fällt. Die Insel, deren Geheimnis zu sein scheint, ‚dass sie die Wahrheit schneller als an jedem anderen Ort dieser Erde ans Licht bringt‘, und der neue Freundeskreis verhelfen ihm zu bislang unbekannten Einsichten und verändern seinen Blick.

„Alles, was du suchst“, der neue Roman von Gabriel Barylli, lässt beim Leser durch seine Atmosphäre und die bildhaften Landschaftsbeschreibungen unwillkürlich Fernweh aufkommen. Allerdings wird sich vermutlich bei den meisten gleichzeitig das Bedürfnis einstellen, in ihrem Urlaub von jemandem wie Manuel verschont zu bleiben, denn: Barylli hat seinen Protagonisten für Leser, die nicht mit einem Faible für verhuschte, missionarische Selbstdarsteller ausgestattet sind, wahrlich zu einem Antipathieträger gemacht: In epischer Breite und in einer Sprache, die gespreizt und völlig überzogen wirkt, lässt er den Ich-Erzähler seine Erfahrungen sowie Erkenntnisse zum Besten geben und für alles eine tiefsinnige Weisheit parat haben. Ohne einen noch so winzigen Anflug von Überraschungsmomenten plätschert die Geschichte vor sich hin – das ist ebenso ärgerlich wie langweilig!

Gabriel Barylli, der 1957 in Wien geboren wurde, ist Schauspieler und Regisseur und debütierte 1989 als Autor mit dem Roman „Butterbrot“, den er später auch selbst verfilmte. Im Fischer Taschenbuch Verlag sind außerdem seine Titel „Honigmond“, „Nachmittag am Meer“ und „Denn sie wissen, was sie tun“ erhältlich. (Ensa Maurer)

Titel: Alles, was du suchst
Autor: Gabriel Barylli
Verlag: Argon Verlag
Seiten: 320
ISBN: 3870245239

Der Mondscheinliebhaber

Erstellt am: Oktober 21st, 2007

Aus der Ehe von Valentine, der Malerin, und Frank, dem Manager eines Kosmetik-Konzerns, ist die Luft raus. Ihm freilich scheint dieser marode Ist-Zustand ebenso wenig aufzufallen wie zu missfallen. Ihr schon – nicht nur, aber auch, weil ihre Freundinnen wesentlich Prickelnderes über den Alltag und das Liebesleben zu berichten wissen.

Frei nach dem Motto „Warum in die Ferne schweifen, wenn der Gute liegt so nah“ stürzt sie sich kopfüber in eine leidenschaftliche Affäre mit ihrem Nachbarn Ludwig Hahnheiser. Der kann sie zwar als Mensch mehr überraschen denn überzeugen, hat nicht wenige Marotten, die nur durch eine rosarote Verliebtheitsbrille betrachtet als skurril durchgehen können, aber immerhin bringt er frischen Wind in Orkanstärke in ihr libidomäßig tristes Dasein, hat himmelbaue Augen, nicht zu verachtende anatomische Vorzüge und beglückt sie romantisch-verquasten Liebesbriefen.

Auch beruflich gerät Valentine unverhofft auf die Erfolgsspur: Zusammen mit ihrer Freundin Martha, die sich mehr schlecht als recht als Drehbuchautorin und Bildhauerin durchschlägt, bekommt sie den Auftrag, acht große Betonplastiken für den Stadtpark zu kreieren. Als Valentine sich plötzlich auf der Terrasse des Hahnheiserschen Anwesens mit einer Leiche konfrontiert sieht, wendet sie sich hilfesuchend mit ihrem Fund an Martha.

Trotz einer Leiche ist „Der Mondscheinliebhaber“ wahrlich kein Kriminalroman, sondern vielmehr eine hintergründige, flott erzählte, spritzig-witzige Komödie. Und trotz des Liebhabers, der Valentines Leben gehörig ins Trudeln bringt, geht es um mehr als um Liebe, Gelüste und Eskapaden: um Frauen-Freundschaften und Stutenbissigkeit und um das Haben und das Haben-Wollen. Susanne Mischke erzählt all das tiefgründig, mit sprudelndem Wortwitz und urkomischen Dialogen.

Die vierzigjährige Schriftstellerin und Journalistin Susanne Mischke wurde in Kempten geboren und lebt heute in der Nähe von Darmstadt. 1994 erschien ihr Debüt-Roman „Stadtluft“, dem sie bereits 1995 „Freeway“ folgen ließ. Den Sprung in die Bestseller-Listen schaffte sie im Folgejahr mit „Mordskind“ und bestätigte schließlich 1998 mit „Die Eisheilige“ ihren Ruf als erfolgreiche Krimi-Autorin. 2000 legte sie mit „Wer nicht hören will, muß fühlen“ nach; ihr Roman „Der Mondscheinliebhaber“ ist seit Januar als Taschenbuch-Sonderausgabe im Piper Verlag erhältlich. (Ensa Maurer)

Titel: Der Mondscheinliebhaber
Autor: Susanne Mischke
Verlag: Piper Verlag
Seiten: 253
ISBN: 3492232388

Alle meine Mörder

Erstellt am: Oktober 21st, 2007

Bei Benedikt Berstecher, dem Psychologieprofessor und Schriftsteller, läuft alles eher nicht so, dass man es als optimal und ihn als wunschlos glücklich bezeichnen könnte:
Seine Gattin hat das Weite gesucht, seine Affäre mit Denise Rönnefahrt, der verheirateten Nachbarin, kann nur einmal wöchentlich stattfinden, seine Studentinnen zeigen sich weitestgehend unbeeindruckt von ihm und viele seiner schriftstellernden Kollegen haben ihn in puncto Erfolg längst überflügelt.

Für ein gewisses Maß an Stolz sorgen immerhin seine namentlichen Nennungen im Vorlesungsverzeichnis (‚Berstecher Neid und Eifersucht Die 10-12‘) sowie in einem Lehrbuch (‚Berstecher, Benedikt, Das SEM-Modell, 3. Aufl., Berlin/New York 1998‘). Und mit seinem aktuellen Buch „Die Hostienverbrennung“ soll ihm nun endlich der Vorstoß in die Riege der Bestseller-Autoren gelingen. So weit kommt es freilich nicht, denn eines Abends endet Benedikt Berstecher unter einer S-Bahn.

Bei seinen Ermittlungen stößt Kommissar Mannhardt im PC des Toten auf eine Liste fünf Tatverdächtiger und ihrer Motive.

„Alle meine Mörder“ ist ein wahrlich außergewöhnlicher Kriminalroman – nicht nur, weil -ky auch Horst Bosetzky eine Rolle darin zugedacht hat. Hitchcock lässt grüßen! Doch während der sich in seinen Filmen mit flüchtigen Auftritten begnügte, trägt Bosetzky nicht unwesentlich zur Klärung des dubiosen Falles bei. Mit humorigen Dialogen und Situationen sowie der für ihn typischen Portion Lokalkolorit skizziert der Autor den Fall Berstecher.

Horst Bosetzky, der Autor des Buches „Alle meine Mörder“, hat inzwischen fast zwanzig Kriminalromane unter dem Pseudonym -ky veröffentlicht; einige davon wurden verfilmt und viele in mehrere Sprachen übersetzt. Bosetzky wurde 1938 in Berlin geboren, wo er noch heute lebt und seit 1973 überdies einen Lehrstuhl als Professor für Soziologie an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege inne hat. 1988 wurde er mit dem französischen Kritikerpreis für den besten ausländischen Krimi geehrt und 1992 erhielt er von der Vereinigung deutscher Krimi-Autoren den Ehrenglauser für sein Gesamtwerk. (Ensa Maurer)

Titel: Alle meine Mörder
Autor: -ky
Verlag: Rowohlt Taschenbuch Verlag
Seiten: 218
ISBN: 3499228661

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