Das Gebet
Erstellt am: Oktober 21st, 2007Jedem Monat widmet Tonio Kling eine Liebesgeschichte in seinem Buch „Das Gebet“. Jede eröffnet dem Leser lustvolle, sinnliche, erotische Fantasien zweier Liebenden.
Das Abschiedsfest erzählt die Geschichte von einer Frau und einem Mann, die über lange Zeit eine erfüllte Zweitbeziehung führten. Für beide war es das erste Mal, dass sie in einer Beziehung nichts von sich zurückgehalten hatten. Und nun sollte es zu Ende sein. Nicht, weil sie sich nicht mehr liebten, sondern, weil es einfach zu schwierig geworden war, ihre verschiedenen Welten unter einen Hut zu bringen.
So wie ihre Beziehung eine einziges großes Fest gewesen war, wollen sie auch den Abschluss als ein Fest feiern. Während sie im Zug sitzt und dem Treffen mit ihm entgegen fährt, ziehen vor ihrem inneren Auge die kleinen und großen Abenteuer vorbei, die sie miteinander erlebt hatten.
Es folgen elf weitere Geschichten aus dem Niemandsland der Vorstellungskraft bei denen der Ausgangspunkt stets der gleiche ist :
Beide haben eine Familie, die ihnen wichtig ist und zudem einen Alltag, der für sie nicht nur Verpflichtungen, sondern Teil eines reichen Lebens ist. Beide wollen sie nicht ihr altes Leben durch ein neues ersetzen, sondern beide Welten voll auskosten.
Die Geschichten schildern die Fülle dieser Begegnungen – Banalität und Schatten inklusive.
Es sind keine Liebesgeschichten, in denen Sexszenen gewöhnlich beginnen, wenn das Kapitel aufhört, waren literarische Beiträge aus erotischer Sicht eine Seltenheit. Deutlich betonen sie die Elemente der Verführung, des Begehrens und des mentalen Vorspiels. Sehr schnell taucht der Leser in diese einfallsreiche, intelligente Erotika von massiver Sinnlichkeit ein.
Der Autor empfiehlt das Buch nicht in einem Stück zu lesen, sondern eine Geschichte nach der anderen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, auch in einem Stück sind sie lesenswert. (Silvia Dunker)
Titel: Das Gebet
Autor: Tonio Kling
Verlag: connection medien
Seiten: 119
ISBN: 3928248162
Sturmzeit
Erstellt am: Oktober 19th, 2007Felicia Degnelly ist achtzehn Jahre, als der erste Weltkrieg ausbricht.
Die meisten Wochen des Jahres verbringt sie bei ihrer Familie in Berlin, doch in den Sommermonaten weilt sie, wie die meisten ihrer Verwandten, auf dem ostpreußischen Familiensitz Lulinn.
Dort verliebt sie sich in Maksim, einen jungen Mann deutsch-russischer Abstammung. Doch Maksim hat keine Augen für das schöne junge Mädchen, er hat nur Marx, Lenin und die Revolution im Kopf.
Frustriert stürzt sich Felicia in eine hastig geschlossene Ehe mit einem anderen Mann, dem zynischen Draufgänger Alex.
Doch diese Beziehung steht von Anfang an unter keinem guten Stern – Streit und Verständnislosigkeit auf beiden Seiten entzweien das Paar.
Während der ersten Kriegsjahre lebt Felicia im großbürgerlichen Haushalt ihres reichen Ehemannes, doch dann wird sie von den Wirren des Krieges an die verschiedensten Orte verschlagen. Zunächst geht sie als Krankenschwester in ein Lazarett an der Ostfront, wird gefangen genommen und in ein Lager gebracht, von dort aus kommt sie nach Sankt Petersburg, das zu jener Zeit Petrograd hieß, sie kommt nach Riga, dann wieder nach Lulinn, wo sie ihre alte Liebe Maksim wieder trifft, und gelangt am Ende wieder nach Berlin und München.
Inzwischen hat der Krieg auch die Familie Degnelly dezimiert. Felicias Großvater, ihr Vater, ein Onkel, eine Tante und vor allem der geliebte jüngere Bruder Christian fallen ihm zum Opfer.
So wenig Glück Felicia im Umgang mit Männern hat, so viel Geschick beweist sie, wenn es um Geld geht. Mit Cleverness und einer gehörigen Portion Skrupellosigkeit gelingt es ihr, sowohl das Familiengut Lulinn, als auch die Firma des inzwischen von ihr geschiedenen Alex unbeschadet durch Krieg, Inflation und Währungsreform zu bringen. Doch dann kommt der schwarze Freitag…
Auf 530 Seiten entwirft die Autorin ein buntes Bild des Lebens in Deutschland während der ersten Jahre des gerade zu Ende gegangenen Jahrhunderts. Es gelingt ihr, die scheinbar heile Welt Ostpreußens auf der einen Seite, und das Grauen des Krieges auf der anderen für den Leser erfahrbar zu machen und die beiden so unterschiedlichen Szenarien ohne größere Brüche einander gegenüber zu stellen. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet. Die handelnden Personen sind nicht einfach gut oder böse, dumm oder klug, sondern vielschichtig, zwiespältig und schillernd, wie halt die Menschen im richtigen Leben auch.
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgebering von Evas Leseland
Titel: Sturmzeit
Autor: Charlotte Link
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 530
ISBN: 3442410665
Ein Lächeln der Liebe
Erstellt am: Oktober 19th, 2007Duncan MacTavish, ein junger Schotte, erfährt aus heiterem Himmel, dass er auch noch einen Großvater, Lord Neville Thackeray, in England hat und dass er dessen Erbe ist, aufgrund eines Versprechens seiner Mutter. Sein schottischer Großvater, Lord Archibald MacTavish, lässt Duncan nach England reisen aber nur, wenn er verspricht möglichst bald zu heiraten und Kinder zu zeugen. Da auch er keine Erben mehr außer Duncan hat, möchte er den erstgeborenen Sohn seines Enkels als Erben für seinen Besitz haben.
Lord Neville Thackeray hat bereits eine Braut für seinen Erben ausgesucht, die wunderschöne Ophelia Reid. Diese hat aber keine Lust einen Barbaren aus dem schottischen Hochland zu heiraten und verstreut in der Londoner High Society Gerüchte über ihn, um so ihre Eltern zu einer Aufhebung des Eheversprechens zu bringen.
Sabrina Lambert ist ein Hausgast der Reids, da eine ihrer Tanten mit der Mutter von Ophelia befreundet ist. Sie selber ist stets Gegenstand von Getuschel, da das Gerücht geht, in ihrer Familie besteht ein Hang zum Selbstmord. Aus diesem Grund sind auch ihre Tanten ledig geblieben und da Sabrina nicht unbedingt dem sonstigen Schönheitsstandard entspricht, hat sie sich ebenfalls damit abgefunden wohl niemals einen Mann zu finden.
Als Duncan und Sabrina sich treffen, scheinen sich die richtigen gefunden zu haben. Aber bis zum gemeinsamen Glück, ist es noch ein langer Weg.
Meine Meinung: Wie immer garantiert Johanna Lindsey ihren Leserinnen eins: jede Menge Spaß. Der Roman ist kurzweilig und unterhaltsam allerdings verstrickt sich die Autorin am Schluss etwas zu sehr in Missverständnissen. Auch aufgrund der vielen handelnden Personen hat man das Gefühl die Liebesgeschichte kommt zu kurz. Trotzdem gilt: Hier hat man Spaß beim Lesen.
Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke (http://www.die-buecherecke.de)
Titel: Ein Lächeln der Liebe
Autor: Johanna Lindsey
Verlag: Heyne (Rondo)
Seiten: 400
ISBN: 3453181883
Träume wie Gold
Erstellt am: Oktober 19th, 2007Dora Conroy ist Besitzerin eines Antiquitätengeschäfts. Auf einer Auktion ersteigert sie mehrere ungewöhnliche Teile, eigentlich mehr aus Spaß, als um groß Geld damit zu verdienen. Dora weiß jedoch nicht, daß diese Stücke eigentlich für einen Kunstschmuggler bestimmt waren, und sie damit bald eine tödliche Bedrohung auf sich aufmerksam macht.
Jed Skimmerhorn hat seinen Job bei der Polizei aufgegeben, nachdem sein letzter Fall damit endete, dass man seine Schwester umgebracht hat. Er mietet sich bei Dora Conroy ein, und hat bald ein Auge auf seine hübsche Vermieterin geworfen. Und als er feststellt das ihr Leben bedroht ist, macht er sich mit Dora zusammen auf die Suche nach einer Erklärung für all die seltsamen Todesfälle und Einbrüche.
Dabei entdecken sie nicht nur ungeheuerliches, sondern auch noch ihre Liebe füreinander.
Auch hier kann man sich auf Nora Roberts verlassen. Eine gute Story, zwei interessante Helden und das gemixt mit einem tollen Schreibstil, garantiert dem Leser ein paar unterhaltsame Lesestunden.
Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke (http://www.die-buecherecke.de)
Titel: Träume wie Gold
Autor: Nora Roberts
Verlag: Heyne Taschenbuch
Seiten: 525
ISBN: 3453177614
Der Ruf der Wellen
Erstellt am: Oktober 19th, 2007Tate Beaumont liebt das Tauchen und das Suchen nach vergessenen Dingen auf dem Meeresgrund, wie zum Beispiel einem Schiffswrack. Da lernen Sie und ihre Eltern Matthew Lassiter und seinen Onkel kennen, ebenfalls beides Taucher aus Leidenschaft. Und die beiden suchen nach einem ganz bestimmten Gegenstand auf dem Meeresboden, nämlich “Anguelique’s Curse”, einem Collier, das mehr ist als nur ein einfaches Schmuckstück. Und da die Chancen einfach größer sind wenn man sich zusammentut, schließen die Lassiters und die Beaumonts einen Deal und man sucht gemeinsam.
Tate findet Matthew anfangs äußerst arrogant und versucht sich von ihm fernzuhalten, aber seine Erfahrung beim Tauchen und auch sein gewinnendes Wesen ziehen sie immer mehr in den Bann. Und auch Matthew kann seine Augen und Hände nicht von Tate lassen.
Dann erfährt Tate jedoch das Matthews Vater gestorben ist, weil er auf der Suche nach “Anguelique’s Curse” war. Ist das Schmuckstück etwa wirklich verflucht? Als sich das Glück der kleinen Tauchergruppe wendet, kann man das fast glauben. Aber das Schicksal hat noch einige Überraschungen parat.
Ein interessanter Roman, allerdings kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, das Nora Roberts anfängt ihre älteren Geschichten zu “recyceln”. Es ist nämlich noch nicht lange her da habe ich einen ihrer früheren Romane gelesen indem es auch um das Tauchen nach einem versunkenen Schiff bzw. Schatz ging. Trotz allem nicht nur für Fans der Autorin ein Lesespaß.
Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke (http://www.die-buecherecke.de)
Titel: Der Ruf der Wellen
Autor: Nora Roberts
Verlag: Heyne (Rondo)
Seiten: 500
ISBN: 3453181905
Östlich der Berge
Erstellt am: Oktober 19th, 2007Bevor seine Krebserkrankung ihn ans Bett fesselt und ihn zum Siechtum verdammt, möchte der Arzt Ben Givens noch einmal auf die Jagd gehen und dann seinem Leben ein Ende setzen. Mit seinen beiden Hunden Rex und Tristan setzt er sich ins Auto und fährt los in die Berge des Bundesstaates Washington.
Doch die Dinge entwickeln sich von Anfang an anders, als Ben es sich vorgestellt hat. Bei einem Unfall wird sein Wagen schwer beschädigt, Ben selbst jedoch bleibt bis auf eine Platzwunde an der Stirn und ein blaues Auge, genau wie die Hunde, weitgehend unverletzt. Zwei junge Leute erbarmen sich des alten Arztes und nehmen ihn in ihrem eigenen Auto weiter mit in die Einsamkeit des weiten Landes.
Konfrontiert mit der Natur erinnert sich Ben an sein vergangenes Leben, an seine glückliche Jugend als Sohn eines Obstfarmers, an den Tod der Mutter, an den Bruder Aidan und vor allem an Rachel, seine vor zwei Jahren verstorbene Frau, deren Tod er noch nicht verwunden hat.
In der Nacht hat Ben eine unangenehme Begegnung mit einem Farmer in deren Verlauf Tristan getötet, Rex schwer verletzt und der angreifende Hund des fremden Farmers von Ben erschossen wird.
Mühsam schleppt sich Ben mit dem verletzten Rex in die nächste Kleinstadt, damit das Tier medizinisch versorgt werden kann.
Während Ben in einem Hotelzimmer die kommende Nacht verbringt, kommen weitere Erinnerungen an die Oberfläche. Ben denkt an den zweiten Weltkrieg, der ihn als Gebirgsjäger nach Italien verschlug.
Am nächsten Tag geht Bens Fahrt weiter. In einem Greyhoundbus trifft er auf einen schwer kranken mexikanischen Obstpflücker, den er mit viel Mühe überreden kann, sich medizinisch behandeln zu lassen.
Auf einer Obsplantage hilft er einer jungen Mutter bei ihrer ersten Geburt und rettet so ihrem Baby das Leben.
Am Ende erkennt er, dass der Selbstmord für ihn nicht die richtige Art ist sich von der Welt zu verabschieden. Obwohl ihn seine Krebserkrankung von Tag zu Tag mehr plagt, beschließt er, die wenigen Tage, die ihm noch verbleiben, bewusst zu erleben und schließlich einen natürlichen Tag zu sterben.
Wäre es ein Film, über den ich hier rede, würde man ihn wohl ein Roadmovie nennen – wie die entsprechende Bezeichnung für einen Roman ist, weiß ich nicht.
Jedenfalls spielt sich der größte Teil der Geschichte auf der Straße ab und in den wenigen Tagen, die Bens Reise dauert, erlebt er mehr, als manche Leute in -zig Jahren.
Obwohl der Roman alles enthält, was gemeinhin zu einem Roadmovie gehört- rasende Autofahrten, Unfälle, Ballerei, unerwartete Begegnungen mit wohlgesonnenen und feindseligen Zeitgenossen, ist er doch langsamer und leiser als ein typischer Vertreter diese Genres.
Geschickt verflicht der Autor mehrere Zeitebenen und erzählt so von der großartigen Landschaft im Nordwesten der USA, vom Leben der Obstbauern in dieser Gegend sowohl in vergangenen Jahren als auch in der Gegenwart, er erzählt von den Gräueln des Krieges, von den Belastungen des Alters, von Krankheit und Verfall und nicht zuletzt von der großen Liebe zwischen Ben und Rachel.
Mir hat das Buch recht gut gefallen, doch bleibt es hinter der Poesie und der erzählerischen Kraft von “Schnee, der auf Zedern fällt” insgesamt ein wenig zurück.
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von Evas Leseland.
Titel: Östlich der Berge
Autor: David Guterson
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 313
ISBN: 3442725739
Ausharren im Paradies
Erstellt am: Oktober 18th, 2007Renate Feyl, bekannt eher durch ihre Romanbiographien über Frauen der Romantik, legt hier einen Roman über das Leben in der DDR seit 1951 vor.
In dem Roman klingt melancholisch ,wenn auch sicher sehr treffend, an , was die zeitweise Begeisterung über den Sozialismus für die Menschen bedeutete . Es machen sich zwangsläufig im Laufe der Jahre die Abarten des Systems bemerkbar. Sie lösen Enttäuschung und Resignation bei vielen Bewohnern der DDR aus, und es zeigt sich die Ohnmacht ,angesichts der verkrusteten Verhältnisse die eigene Freiheit und Unabhängigkeit zu bewahren.
Zum Inhalt:
Mit großer Überzeugung hat sich Kogler, Doktor der Slawistik, als vertriebener Sudetendeutscher für die DDR entschieden und nicht für die alternative Möglichkeit, nach Bayern auszureisen.
Nach anfänglicher Euphorie über den Sozialismus als der erstrebten und ersehnten Lebensform wird Kogler , seiner Frau und seinen Töchtern immer mehr bewusst, unter welchen Zwängen sich das Leben in der DDR abspielt.
Kogler kämpft sich wacker als Professor an der Universität durch , seine Frau Anna bleibt Hausfrau .Ihre Eltern leben in Stuttgart. Sie ist zunächst indifferent in ihrer Haltung zum Leben in der DDR , würde aber lieber bei ihren Eltern in ihrer Geburtsstadt leben. So widmet sie sich ganz dem Leben ihrer Töchter.Kogler selbst aber bestimmt das Leben in der Familie durch sein Bedürfnis nach Ruhe und Abgeschiedenheit. Es ist ein patriarchalisches Familienleben.
Am Beispiel der Tochter von Kogler, Katharina Hellberg und ihres Mannes, nimmt die Beschreibung eines totalitären und verlogenen Regimes seinen Fortgang. Durch Randfiguren , die sich in den sogenannten goldenen Westen begeben, wird zwar auch die Farce der Konsumgesellschaft entlarvt,– aber nichts desto trotz muss man konstatieren, dass Freiheit Möglichkeiten für jeden bietet. Es ist die Freiheit der Wahl, die dem DDR-Regime abgeht und in dem jede Initiative, jeder Elan verloren geht. Katharina scheint am Ende zu resignieren, ihr Mann um nichts weniger. Kogler, ihr Vater wird seines Amtes an der Universität enthoben , als er sich für den Prager Frühling stark macht.
Die Geschichte steuert auf den Mauerfall 1989 zu.
Danach ist Hellberg , Katharinas Mann, voll Eifer dabei , sich eine eigene zahnärztliche Praxis aufzubauen.
Katharina aber bleibt beruflich auf der Strecke. Sie hatte sich nicht durch einen Parteieintritt zu dem Regime bekannt, was ihr in ihrer wissenschaftlichen Karriere zum Nachteil gereicht hat. Die alten Seilschaften können sich hurtig umstellen, und sie muss erfahren, dass ihr regimetreuer Chef als Professor mit weltweiten Verbindungen schnell wieder fest im Sattel sitzt und ihr sogar zum Vorwurf macht, dass sie sich keinen internationalen wissenschaftlichen Ruhm erworben hat. Das klingt für sie wie Hohn, da er es ja stets zu verhindern wusste.
Die ganze Geschichte gibt in Teilbereichen ein gutes Bild über die Entwicklungen und Verwicklungen in der DDR wieder.
Manches aber bleibt ein wenig klischeehaft. Auch ist der Romanaufbau zuweilen verwirrend in den verschiedenen Zeit- und Generationsebenen.
Alles in allem ist das ein unterhaltsamer Roman mit geschichtlich aufschlussreichem Hintergrund. (Claudine Borries)
Titel: Ausharren im Paradies
Autor: Renate Feyl
Verlag: Diana Verlag
Seiten: 509
ISBN: 3453171918
Er oder ich
Erstellt am: Oktober 18th, 2007Ole Reuter, ein etwas in die Jahre gekommener Unternehmensberater, leidet heftig unter diversen Symptomen der Midlifecrisis. Nachts wird er von Alpträumen heimgesucht, sein Gedächtnis arbeitet Tag für Tag unzuverlässiger, das Sehvermögen lässt nach und zu allem Überfluss plagt ihn auch noch die Angst, sich bei einer drogenabhängigen Frau mit AIDS angesteckt zu haben. Um wieder zu sich selber zu finden, bereist er einen Monat lang per Bahn die Bundesrepublik. Von Berlin, dem Ausgangspunkt seiner Reise aus, steuert er die verschiedensten großen und kleinen Orte des Landes an. Wohin er fährt, überlässt Reuter weitgehend dem Zufall indem er jeweils in den ersten abfahrenden Zug ein – und an irgendeiner Station wieder aussteigt. Da er eine Netzkarte (erster Klasse!) besitzt, gibt es für ihn in dieser Hinsicht auch keinerlei Beschränkungen. Während der Reise begegnet Reuter allerlei merkwürdigen Typen, die sowohl real, als auch seiner überhitzter Phantasie entsprungen sein können; ebenso machen scheinbar unerklärbare Vorgänge, dem Manne zu schaffen. Seine kostbare Uhr – ein Erbstück von seinem verstorbenen Vater- verschwindet auf seltsame Weise und das teure Ersatzexemplar, das er in einer Uhrenmanufaktur ersteht, nervt vom ersten Tage an durch merkwürdige Fehlfunktionen. Nach einem Selbstmordversuch, den Reuter dank seines schwachen Magens, körperlich nahezu unversehrt übersteht, flieht er für einige Tage nach Sri Lanka, in die Heimat seines Beinahe – Schwiegersohnes. Nach diesem Abstecher fühlt sich Ole vorübergehend besser, doch bald schon holen ihn seine Depressionen und Wahnvorstellungen wieder ein. Schließlich landet er in völlig desolatem Zustand im Krankenhaus…
Vermutlich gibt es etliche Leser, denen Ole Reuter kein Unbekannter ist. Schon in den siebziger Jahren ließ Sten Nadolny in einem Roman namens Netzkarte einen Reuter per Bahn kreuz und quer durch die damals noch kleinere Republik fahren. Leider kenne ich dieses Buch nicht und möglicherweise sind mir daher einige Gags, Pointen, Zitate und pfiffige Querverweise entgangen. Vielleicht hätte mir die Lektüre von “Er oder Ich” auf diese Weise ja mehr Freude bereitet. So jedoch hat mich der Roman meist mehr gelangweilt als belustigt. Die Depressionen eines Herrn mittleren Alters sind nichts, was mir einen besonderen Lesegenuss beschert. Mich stört, dass das Älterwerden ausschließlich als Abbau definiert wird. Ist denn das Leben jenseits der Vierzig nur körperlicher und geistiger Verfall?
Manchmal drängte sich mir beim Lesen das Gefühl auf, dass sich der Autor seiner Sache selbst nicht so ganz sicher war. Warum sonst muss er seine Leser immer wieder fast mit der Nase auf die Zusammenhänge mit Faust, Mephisto usw. stoßen?
Klar gibt es auch einige Stellen des Buches, die mich erheitert haben, Nadolny bietet lustige Wortspiele und treffende Metaphern, er erfreut mit genauen Beobachtungen und witzigen Einzelheiten.
Insgesamt muss ich jedoch sagen, dass mich der Roman enttäuscht hat – von dem Autor, der uns “die Entdeckung der Langsamkeit” geschenkt hat, habe ich mehr erwartet.
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.
Titel: Er oder ich
Autor: Sten Nadolny
Verlag: Piper Verlag
Seiten: 263
ISBN: 3492041655
Idylle mit Professor
Erstellt am: Oktober 18th, 2007Das Buch erzählt die Geschichte der Victoria Kulmus.
1735 heiratet die junge Frau den bereits etablierten und berühmten Professor Gottsched. Viktoria ist selig, einen so gelehrten Gatten zu haben. Sie nimmt sich vor, für ihr die ideale Ehefrau zu sein – Paradies seiner Augen, Göttin seiner Lust und Quell seiner Gedanken.
Da Viktoria sich durch hohe Intelligenz auszeichnet und äußerst gelehrig ist, gibt Gottsched seiner Frau Lateinunterricht, lässt sie an seinen Arbeiten teilhaben und zieht sie nach und nach zu immer anspruchsvolleren Tätigkeiten, wie der Übersetzung eines wissenschaftlichen Wörterbuches, heran.
Im Laufe der Zeit entwickelt die junge Frau persönliche Gedanken und Vorstellungen, die nicht immer mit denen ihres Gatten übereinstimmen. Als sie beginnt Arbeiten unter eigenem Namen zu publizieren und auf diese Weise rasch zu einer gewissen Berühmtheit gelangt, gerät ihre Ehe in eine erste Krise. Gottsched beginnt an ihr herum zu mäkeln, macht ihr unsinnige Vorschriften, versucht ihre Entwicklung zu bremsen und ist auf den Ruhm seiner Frau offenbar eifersüchtig. Die Ehe der beiden bleibt kinderlos, was Victoria sehr zu schaffen macht und ihr Selbstbewusstsein auf eine harte Probe stellt.
Sie stürzt sich immer mehr in Arbeit und entfernt sich so Tag für Tag mehr von ihrem Ehemann und dessen ziemlich konservativen Vorstellungen von Sprache, Literatur und Poesie.
Bald kann sie sich kaum noch vorstellen, Gottsched jemals geliebt und begehrt zu haben. Nachdem sie eines Tages auch noch erfahren muss, dass ihr Gatte sie regelmäßig mit anderen Frauen betrügt, ist die Ehe endgültig gescheitert. Aber trotz ihrer täglich wachsenden Distanz zu Gottsched, bleibt Victoria letztendlich bei ihrem Gatten. Unglücklich und vergrämt stirbt sie im Alter von 49 Jahren.
Der Roman ist leicht lesbar und, soweit ich das beurteilen kann, recht detailgenau erzählt. Doch geht mir die Weinerlichkeit mit der die ganze Geschichte daher kommt etwas auf den Keks. Sicher war gerade für intelligente und selbstbewusste Frauen in den vergangenen Jahrhunderten das Leben kein Zuckerschlecken, aber ein bisschen Humor und Leichtigkeit hätte dem Buch trotzdem recht gut getan. Romane, in denen die gesamte Erdenschwere des Schicksals ausgebreitet wird, sind meist nicht so sehr mein Fall.
Damit man mich nicht falsch versteht: Ich möchte nicht nur Klamotten, Komödien oder fröhliche Romane mit Happyend lesen und so etwas wie Hera Lind muss es ganz gewiss nicht sein! Aber ich finde, dass selbst ernste Themen durchaus mit Humor und gelegentlichem Augenzwinkern erzählt werden können. Frank Mc Court oder auch Marcel Reich – Ranicki beispielsweise haben das beeindruckend unter Beweis gestellt.
Renate Feyls Absicht, mit ihren Büchern an berühmte Frauen aus vergangen Jahrhunderten, die zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind, zu erinnern, ist löblich, doch muss es unbedingt auf diese Art geschehen? Es gab so viele Erfolge im Leben der Victoria Gottsched geb. Kulmus. Warum hat die Autorin nicht wenigstens einmal den jubelnden Triumph beschrieben, den die junge Frau doch sicher hin und wieder empfunden haben muss?
In dem Roman jedoch erhalten selbst Viktorias größte Siege am Ende einen bitterem Beigeschmack und wenden sich zur Niederlage.
Ich hätte auch ganz gerne etwas mehr über das literarische Werk der Heldin erfahren. Hier und da mal ein kleines Zitat oder ein paar Gedichtzeilen von Viktoria hätte man sicher in die Geschichte einflechten könne, ohne den Lesefluss zu beeinträchtigen.
Positiv ist zu sagen, dass der Autorin gelegentlich sehr schöne Bilder gelingen.
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.
Titel: Idylle mit Professor
Autor: Renate Feyl
Verlag: Heyne
Seiten: 285
ISBN: 3453163982
Momente der Geborgenheit
Erstellt am: Oktober 18th, 2007Gegenwart: Wilhelm Bolt, der als alter Mann vor einigen Tagen verstorben ist, beobachtet quasi aus dem Sarg heraus seine eigene Beerdigung und lässt das letzte Jahr seines Lebens noch einmal an seinem inneren Auge vorbeiziehen. Lea, seiner jungen Großnichte, die auf der Flucht vor nicht näher bezeichneten unangenehmen privaten Ereignissen bei ihrem schwerreichen Verwandten Unterschlupf gefunden hatte, war es während dieser Zeit gelungen, Zugang zum ansonsten so einsamen und verbiesterten Herzen des alten Mannes zu finden.
1899: Josefa, ein junges Mädchen lebt als Tochter eines Leuchtturmwärters auf einer kleinen schwedischen Ostseeinsel. Eines Tages strandet ein Schiff in der Nähe der Insel, doch Josefas Vater und seine Mitarbeiter können nur noch Tote bergen. Dieses Schreckerlebnis löst bei Josefa einen ersten epileptischen Anfall aus. Der Assistent ihres Vaters, den Josefa liebt wie einen nahen Verwandten (vermutlich ist er sogar ihr biologischer Vater), fällt nach dem Unglück, an dessen tragischem Ausgang er nicht ganz unschuldig ist, in Ungnade.
Rom zur Zeit der Renaissance: Fiorello lebt als Diener des Grafen Lorenzo del Vetro in dessen herrschaftlichen Haushalt. Del Vetro leidet an einer lästigen Hautkrankheit, doch durch die Gegenwart eines wundertätigen Madonnenbildes wird der Mann plötzlich geheilt. Fortan trachtet der Graf danach, dem Geheimnis dieses Bildes auf die Spur zu kommen. Er schickt seinen jungen Diener nach Padua, damit er Auskunft über den Schöpfer des Gemäldes einhole. Fiorello gelingt es tatsächlich einen früheren Schüler des Malers zu finden und mit ihm zu reden. Auf diese Weise erfährt Fiorello fast alles über die Entstehung des Bildes, doch sein Wissen behält er für sich.
Zurück zu dem Toten im Sarg: Der Mann erinnert sich an weiter zurück liegende Ereignisse seines Lebens. Er denkt an seine früh verstorbene Frau, an seine ebenfalls tote kleine Tochter, an seinen Unfall im Bergwerk und an den zweiten Weltkrieg.
Das Buch erzählt drei in sich abgeschlossene Geschichten, die auf den ersten Blick nicht das geringste miteinander zu tun haben. Ihre jeweiligen Hauptpersonen sind weder miteinander verwandt noch sonst auf irgendeine Weise miteinander verbunden. Es sind die kleinen Dinge, die die einzelnen Erzählstränge miteinander gemeinsam haben. Da ist zum Beispiel die Orange, die sowohl auf einem Madonnenbild in Josefas Heimatkirchlein prangt, als auch auf del Vetros Wundergemälde. Da ist die Musik, zu der sich sowohl Lea als auch Josefa hingezogen fühlen. Da ist Wilhelm Bolts Interesse an Mineralien – ein Wissensgebiet, mit dem sich in früheren Zeiten auch Maler beschäftigen mussten, weil ihre Farben zum Teil aus Gesteinsmehl hergestellt wurden…
Das Buch ist 586 Seiten dick, doch wurde mir die Lektüre nur selten langweilig. Hansen zieht die Leser mit liebevollen und detaillierten Schilderungen in seinen Bann – und vermittelt zumindest gelegentlich tatsächlich so etwas Ähnliches wie Geborgenheit. Der nur sehr vage und kaum erkennbare Zusammenhang der einzelnen Teile des Romans war für mich jedoch störend, er verführte mich zu sinnlosem Herumrätseln – ob Fiorello vielleicht der Ur-ur-ur-ur-Großvater von Josefa war oder Josefa die Mutter Wilhelm Bolts usw. Mir wäre es daher lieber gewesen, wenn der Autor den Zusammenhang zwischen den einzelnen Teilen seines Romans etwas deutlicher herausgestrichen hätte – etwa in der Art wie bei seinem wundervollen Roman “Choral am Ende der Reise” , wo jede erzählte Lebensgeschichte ebenfalls für sich alleine stehen kann, jedoch das schreckliche Ende schließlich alle Betroffenen zusammenführt.
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.
Titel: Momente der Geborgenheit
Autor: Erik Fosnes Hansen
Verlag: Kiepenheuer & Witsch
Seiten: 586
ISBN: 3462028375
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