Der Verehrer

Erstellt am: Oktober 18th, 2007

In einem Waldstück bei Augsburg, ganz in der Nähe ihres Elternhauses, wird eine junge Frau, die vor sechs Jahren ihre Familie verließ und seitdem verschwunden war, ermordet aufgefunden.

Fast zur gleichen Zeit springt in Frankfurt eine andere Frau aus dem Fenster. Für Leona Dorn, die als zufällige Passantin zur Zeugin des Selbstmordes wird, ist seitdem nichts mehr so, wie es einmal war. Nachdem sie nur wenige Tage nach diesem tragischen Ereignis auch noch von ihrem Ehepartner wegen einer Jüngeren verlassen wird, gerät ihr Leben mehr und mehr aus dem Gleis. Es entwickelt sich langsam zu einem Alptraum aus dem es kein Erwachen zu geben scheint. Die beiden Todesfälle haben auf den ersten Blick eigentlich nichts miteinander zu tun und doch gibt es einen Zusammenhang, der sich für Leona und deren Familie zu einer massiven Bedrohung auswächst.

“Der Verehrer” ist ein spannender, kurzweiliger Krimi. Obwohl das Buch mehr als 500 Seiten umfasst, habe ich es an zwei verregneten Urlaubstagen fast in einem Rutsch verschlungen.

Die Geschichte ist geschickt konstruiert und dem Leser enthüllen sich die Zusammenhänge nur Schritt für Schritt.

Trotzdem erreicht der Roman meines Erachtens nicht die Qualität von “Das Haus der Schwestern”, denn es fehlen ihm die über das “normale” Kriminiveau hinausweisenden gesellschaftlichen, historischen oder politischen Komponenten, die dieses andere Werk von Charlotte Link auszeichnen.

Er enthält außerdem einige Ungereimtheiten bzw., es geschehen Dinge, die ich für äußerst unwahrscheinlich halte. So kann ich es mir z.B. beim besten Willen nicht vorstellen, dass jemand wochenlang ein Haus belagern, ausspionieren, unbemerkt darin herumwandeln und die Bewohner bespitzeln kann, ohne dass diese auch nur das Geringste davon merken – es sei denn man heißt James Bond oder ist IM bei der Stasi! Unwahrscheinlich vor allem dann, wenn die Ausgehorchten sich ohnehin schon bedroht fühlen und daher ganz besonders hellhörig sind.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.

Titel: Der Verehrer
Autor: Charlotte Link
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 510
ISBN: 3442442540

Garp und wie er die Welt sah

Erstellt am: Oktober 18th, 2007

Garp wird unter, gelinde gesagt, sehr eigenartigen Umständen gezeugt und dann von seiner sehr eigenwilligen, aber auch selbstbewussten Mutter allein aufgezogen. Er beschließt schon relativ früh, und nicht zuletzt um das Herz seiner Lesewütigen zukünftigen Frau zu gewinnen, Schriftsteller zu werden. Während er noch mit den Anfängen kämpft, schreibt seine Mutter bereits ihre Biographie und hat einen durchschlagenden Erfolg mit dem Buch. Dadurch ist der jung verheiratete Garp relativ frei von finanziellen Zwängen und kann sich neben seiner Tätigkeit als Hausmann, ausgiebig dem Schreiben widmen. In seiner Ehe und seinem Berufsleben geschehen nicht besonders außergewöhnliche Krisen und Hochs, bis es eines Tages zu einer schrecklichen Katastrophe kommt.

Obwohl der Roman keinen eigentlichen Plot hat, nimmt er den Leser vom Anfang bis zum Ende gefangen. Dramatisches Geschehen ist mit Humor und manchmal absurden Personen und Ereignissen vermischt und wirft die Emotionen bei der Lektüre von einer Ecke in die Andere. Ob die Hauptfigur sich ständig fast übertrieben um seine Kinder sorgt, die Autoraser in seiner Gegend mit fast religiösen Eifer verfolgt, zwischen Appetit auf fremde Frauen und ehelicher Treue kämpft oder der Frauenbewegung mit schwankenden Gefühlen gegenübersteht, man ist immer an seiner Seite, auch wenn man ihn nicht recht verstehen oder nachvollziehen kann.

Man verfolgt sein Leben wie das eines guten Bekannten oder Freundes, oft kopfschüttelnd aber immer mit Anteilnahme, eher ohne sich mit ihm zu identifizieren. Vielleicht macht das einen Teil der Außergewöhnlichkeit des Buches aus.

Bei einer beachtlichen Anzahl von Nebenfiguren zeigt Irving eine Vorliebe für exotische Persönlichkeiten. Sie und fast allen anderen werden mit großer Sympathie von ihm behandelt, und nur einige wenige, wie z. B. der junge Mann mit dem Garps Frau ihn betrügt, werden ohne Nachsicht als “Bösewichte” beschrieben.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Garp und wie er die Welt sah
Autor: John Irving
Verlag: Rowohlt
Seiten: 644
ISBN: 3499225042

Der Schlüssel zu Rebecca

Erstellt am: Oktober 18th, 2007

Während Rommel immer weiter nach Osten vorstößt, dringt der deutsche Spion Alexander Wolff in Ägypten ein. Weil er bei seinem ägyptischen Stiefvater aufgewachsen ist, kennt er alle Eigenheiten des Landes und seiner Einwohner. Doch gleich am Anfang ist er gezwungen einen britischen Corporal zu ermorden.

Wolff findet mit Hilfe seiner alten Bekannten Sonja, einer in ganz Alexandria berühmten Bachtänzerin, einen Weg an brisantes Geheimmaterial heranzukommen, aber auch sein Gegenspieler Major Vandam nimmt bereits seine Spur auf. Während Wolff einen Weg findet an die nötigen Informationen zu gelangen schafft er es immer wieder seien Verfolgern zu entgehen. Erst als Vandam die ägyptische Jüdin Elene auf Wolff ansetzt scheint sich eine Möglichkeit zu dessen Ergreifung zu ergeben.

Follett treibt seine Protagonisten unter Hochspannung und Tempo durch alle möglichen Zwickmühlen. Er widmet sich ausführlich den verschiedenen Persönlichkeiten, der Jagd nach dem Spion und benutzt zusätzlich das historische Umfeld um den Roman in Schwung zu halten.

Obwohl Follett in seinen Büchern fast immer die Jagd nach einem Spion in der Zeit um den 1. Oder 2. Weltkrieg als Grundstoff verwendet und wenig neue Ideen bei den verschiedenen Verfolgungsszenen bringt, sind seine Romane zu den besseren in diesem Genre zu zählen. So spielen immer interessante Frauen eine entscheidende Rolle, wenn der Spion zur Strecke gebracht wird. Aber wer sich daran nicht stört und gern Agententhriller im historischen Umfeld liest bekommt erstklassigen Lesestoff.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Der Schlüssel zu Rebecca
Autor: Ken Follet
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 415
ISBN: 3404104811

Der Boden unter ihren Füßen

Erstellt am: Oktober 18th, 2007

Der indische Fotograf Rai befindet sich mit dem weiblichen Popstar Vina auf einer Konzerttournee in Mexiko als sie bei einem starken Erbeben ums Leben kommt. Vina war die Ehefrau des genialen Musikers Ormus Cama und die zeitweilige Geliebte von Rai. Rai erzählt nun die Geschichte dieses außergewöhnlichen Liebespaares und seine eigene. Er und Ormus wuchsen in Indien auf und kannten sich seit ihrer Kindheit. Vina wurde nach einer tragischen und turbulenten Kindheit ebenfalls nach Indien verschlagen und lernt die Beiden dort kennen und Ormus und sie verlieben sich unsterblich ineinander.

Alle drei werden durch verschiedene Umstände in den Westen verschlagen, Vina zuerst nach Amerika, Ormus und zuletzt Rai nach England. Während Vina in Amerika kleine Erfolge als Sängerin hat, beginnt auch die musikalische Karriere von Ormus in England Gestalt anzunehmen. Doch bei einem Autounfall wird er so schwer verletzt, daß er Jahrelang im Koma liegt. Erst als Vina davon erfährt und zu ihm reist, kehrt er in das Leben zurück. Von da an beginnt ihr gemeinsamer Aufstieg zu Superstars der Popmusik aber auch ihre turbulente Beziehung zueinander.

Rushdies Epos über Rock & Roll, nahezu perfekter und unerfüllter Liebe und dem Tod, der oft eine beängstigende Begleiterscheinung dieser beiden Themen zu sein scheint. Sowohl die wirklich große Liebe als auch viele der wirklichen Superstars mussten früh sterben um unsterblich zu werden.

Rushdie schreibt darüber in einer unglaublich farbigen und lyrischen Sprache, vernachlässigt dabei aber die zu erzählende Geschichte nicht. Immer wieder zieht er Parallelen zu den griechischen und indischen Mythen und als Leser hat oft den Eindruck, einem orientalischen Geschichtenerzähler beim fabulieren zuzuhören. Er scheint fast jede seiner Romanfiguren mit allen ihren Eigenarten ins Herz geschlossen zu haben und die wenigen wirklich negativen Figuren schont er durch untypisch sparsame Beschreibung als ob er ihre Bösartigkeit nicht wirklich verstehen und darum nicht darüber schreiben könne.

Sowohl durch die erzählte Geschichte als auch durch seine Sprache beherrscht eine schwermütige Lebensfreude die Stimmung im Buch und eine starke selbstzerstörerische Ader das Leben seiner Protagonisten. Schlussendlich verlieren sie den Titel gebenden “Boden unter ihren Füßen” mit Ausnahme des Erzählers Rai.

Die Geschichte spielt übrigens in einer Welt, die der unserer sehr ähnlich, aber in manchen Details nicht identisch ist. Dadurch wird der Eindruck der Märchenhaftigkeit noch verstärkt, was durch die oftmalige Bezugnahme auf die indische Kultur und Geschichte beim aus dem Westen stammenden Leser auch schon so geschieht. Das bedeutet aber nicht eine verklärte Sicht auf den Orient und Indien im Speziellen und er lässt es nicht an Kritik sowohl über dortige Verhältnisse als auch über die westliche Gesellschaft mangeln.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Der Boden unter ihren Füßen
Autor: Salman Rushdie
Verlag: Kindler
Seiten: 742
ISBN: 3463403021

Die Feuer von Eden

Erstellt am: Oktober 18th, 2007

Eleanor bereist Hawaii auf den Spuren eines Tagebuches, dass eine ihrer Vorführinnen bei einer Reise im Jahr 1866 über ihrer seltsamen Abenteuer auf einer der Hawaiianischen Inseln geschrieben hat. Sie residiert in einem Luxushotel, dass dem Milliardär Trumbo gehört. Trumbo will das Hotel an Japaner verkaufen, doch zunehmend eskalierende Probleme mit einheimischen Göttern und Geistern drohen ihm einen Strich durch die Rechnung zu machen. Eleanor und ihre Urlaubsbekanntschaft, die kleine pummelige Cordie geraten auch zunehmend tiefer in diese Geschichte mit einem seltsamen Hund, dem Haifischmann und einem riesigen Schwein hinein.

Dan Simmons schreibt wie Stephen King in Hochform. Dieses Buch hat mir zwar nicht so gut gefallen, wie “Die Kinder der Nacht” oder “Die Macht des Bösen” aber ich finde es trotzdem absolut empfehlenswert. Gleichzeitig mit der Hauptgeschichte treiben die Tagebucheintragungen aus dem Jahr 1866 die Handlung voran und den zwei Finalen entgegen. Schnell durchgelesene, ausgezeichnete Unterhaltung aus dem Horror-Genre.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Die Feuer von Eden
Autor: Dan Simmons
Verlag: Goldmann
Seiten: 443
ISBN: 3442415977

Griechischer Kaffee

Erstellt am: Oktober 18th, 2007

Der Politiker Tom Jones verbringt mit seiner Ehefrau Amy einen Erholungsurlaub in Griechenland. Doch schon im Shuttlebus bemerkt er, dass sich seine Exgeliebte den gleichen Urlaubsort ausgesucht hat. Und auch die anderen Mitreisenden treten im Laufe ihres Aufenthaltes miteinander in Kontakt. Ein tragischer Unfall passiert und zwei Pärchen finden zueinander.

Eine leichtfüßige Geschichte über einen etwas ereignisreichen Urlaub in Griechenland. Jede Person wird ausführlich mit all ihrem Hintergrund beschrieben, fast wie eine zu Papier gebrachte, intelligente und humorvolle mit reichlich Tratsch gespickten Erzählung unter Freundinnen. Der flotte Schreibstil ist angenehm leicht und schnell zu lesen und somit ein ideales Buch zur Urlaubs- oder Bettlektüre. Nichts außergewöhnliches aber durchaus ansprechende Unterhaltung.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Griechischer Kaffee
Autor: Nina Bawden
Verlag: dtv
Seiten: 255
ISBN: 342324156X

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