Lesertreff

Go South!

Erstellt am: Januar 15th, 2008

Der Pacific Coast Highway gilt als eine der Traumstraßen der Welt und ist jedem US-Fan ein Begriff. Doch erst mit dem Fahrrad erschließen sich die unzähligen Highlights der amerikanischen Westküste so richtig. Das haben auch Sybille und Thomas Schröder erfahren, die den langen Streifen von Seattle nach San Diego entlang geradelt sind. Anschließend hat Thomas einen eindrucksvollen Stimmungsbericht über ihre Abenteuer zu Rad verfasst.

Statt eines Vorworts beginnt er ihn mit einer Geschichte von Jack Kerouac, dem Kultautor der amerikanischen Beat-Generation aus dem Buch “Gammler, Zen und Hohe Berge”, erschienen im Jahr 1971.

Dann folgt eine detaillierte Reportage über ihre Reiseerlebnisse und Abenteuer. Im Monat Juli ging es los, Startpunkt war Seattle. Mit der Fähre überqueren sie den Puget Sound. Die beiden kommen durch große dichte Wälder, fahren über breite Straßen, durch die Marschlandschaft an der Willapa Bay, machen Camping im Wald und genießen das Strandleben am Cape Kiwanda. Anhand einer Karte kann man ihren Weg genau verfolgen. Aber selbst das Paradies oben im Nordwesten Amerikas hat mitunter seine Macken. Immerhin sind die Radfahrer abhängig von Wind und Wetter, aber mit Humor werden auch schwierige Situationen gemeistert. Auf den eingefügten Bildern - einige sind in schwarzweiß, andere in bunt gehalten, es sind Bilder die Appetit machen zum Globetrotten - sieht man Häfen und gemütliche Kleinstädte, hungrige Waschbären und schließlich die weltbekannte, weltberühmte Golden Gate Bridge, einen Abend am Santa Monica Pier, Hausbootsiedlungen in Sausalito und einzelne Missionen. Endlich haben es die beiden geschafft und sind in San Diego an der North Bay angekommen. Das Glück über die vollbrachte Leistung steht ihnen im Gesicht geschrieben. Auf dem Weg ins letzte Motel treffen sie einen schwäbelnden Taxifahrer, der lange Zeit in Stuttgart war, dort “a wonderful time” hatte und nun, zurückgekehrt nach Amerika, am meisten “Spaetzels and Cordon Blue” vermisst.

Der Band enthält viele praktische Tipps und Übernachtungsadressen und kann allen Radfahrtouristen, die Ähnliches planen, empfohlen werden. (Ursula Homann)

Titel: Go South!
Autor: Thomas Schröder
Verlag: Wolfgang Kettler
Seiten: 272
ISBN: 3932546121

Der Knigge für unterwegs

Erstellt am: Januar 15th, 2008

Andere Länder, andere Sitten - den Spruch kennt jeder, doch es gibt immer noch Urlauber, die von ihrem Reiseland herzlich wenig wissen. Und erst recht nichts von den dort herrschenden Sitten und Gebräuchen. Genau das kann aber problematisch oder zumindest peinlich werden. Je traditioneller ein Land ist, je mehr man sich wegbewegt von den typischen Touristenzentren, desto besser ist es, die wichtigsten Gewohnheiten zu kennen.

Im Prinzip gibt es nur eine einzige Verhaltensregel für den Urlauber: Sie sind Gast in einem Land, also sollten Sie sich so benehmen, wie Sie es selbst von Ihren Gästen erwarten. Und dass man sich beim Besuch von Kirchen korrekt kleidet und nicht in Shorts und Badeschlappen hineingeht, sollte eigentlich selbstverständlich sein. Auch die Angewohnheit vieler Touristen, in Strandkleidung einkaufen oder sogar essen zu gehen, empfinden viele Einheimische als Respektlosigkeit.

Das Buch ist keine plumpe Gebrauchsanweisung, sondern erklärt auf verständliche und unterhaltsame Weise anderes Brauchtum, andere Religionen wie Buddhismus, Hinduismus oder den Islam, Feiertage, Tabus, Begrüßungsrituale sowie Essensvorschriften. Wie am Beispiel Dominikanische Republik, wo die Gabel rechts liegt und das Messer links. Man schneidet mit der linken und isst mit der rechten Hand. Es fällt jedoch nicht unangenehm auf, wenn man dann doch „europäisch“ ißt. Als unfein gilt jedoch, schnäuzen und Zahnstocher zu benutzen.

Ausführliche Beiträge gibt es über Alltag und Gastfreundschaft in amerikanischen und afrikanischen Ländern, in der Türkei, in Australien, sowie in Asien, Japan und Europa.

Fazit:
Informativ und sachlich geschrieben in handlichem Format. (Silvia Dunker)

Titel: Der Knigge für unterwegs
Autor: Birgit Adam
Verlag: Heyne
Seiten: 111
ISBN: 3453181697

Berliner Bahnen

Erstellt am: Januar 14th, 2008

Aus seiner Affinität zu Bahnen - egal ob S-Bahnen, Eisenbahnen, U-Bahnen oder Straßenbahnen - hat der Autor Horst Bosetzky nie ein Geheimnis gemacht. Sie zieht sich wie der sprichwörtliche rote Faden durch sein schriftstellerisches Werk, ist mal nur zu erahnen und mal vordergründig präsent. Mit “Berliner Bahnen” hat Horst Bosetzky nun seinem Steckenpferd ein ganzes Buch gewidmet und eine faszinierende Komposition aus höchstpersönlicher Liebeserklärung und informativer, brillant recherchierter Chronik von den 40er-Jahren bis zur Gegenwart gesponnen.

Im ersten Teil des Buches dreht sich alles um die Straßenbahn, für die der Autor schon immer eine ‘tiefe Liebe’ verspürte. Der T24-Triebwagen war sein erstes Objekt der Begierde; später freilich hatten auch kleinere Dinge wie die Schnellwechsler der Schaffner das Potenzial ihn zu begeistern. Erregung rufen beim passionierten Straßenbahn-Passagier Bosetzky auch die gegenwärtig in Berlin verkehrenden Modelle sowie deren Bezeichnung “Tram” hervor - wahrlich keine freudige: Den Begriff empfindet er ob seiner Parallele zum Schimpfwort “Trampel” als unwürdig und die Gesichter der heute das Stadtbild dominierenden Tatras und AEGs als langweilig. Wen vermag es da zu wundern, dass er wehmütig an den 30. Juni 1954 zurückdenkt, als die letzte Straßenbahn über den Kudamm rollte, und ihn Streckenstilllegungen wie Todestage trafen?

Durchweg optimistisch fällt hingegen Bosetzkys vorläufiges Resümee in puncto “Berliner S-Bahn” aus. Sie ist für ihn nicht bloßes Verkehrsmittel, sondern ‘Heimat im besten Sinne’ und Lebensgefühl, ja, er nennt die Benutzung der ältesten aller deutschen S-Bahnen gar ‘kultische Handlung’. Neben einer Chronik bietet der Autor den Lesern in diesem Kapitel S-Bahn-Fahrten ‘ins Paradies’, ‘zur Uni und zur Erkenntnis’, ‘zur Arbeit’, ‘zum Morden’ sowie ‘zum Wandern’.

Den Schlusspunkt in “Berliner Bahnen” setzen Horst Bosetzkys U-Bahn-Erinnerungen, die mit ‘Daten zur U-Bahn-Geschichte’ aufwarten, U-Bahnhöfe zu Erlebnisräumen erheben und in kleinen, augenzwinkernden Typologien Wartende sowie Zurückgebliebene charakterisieren.

“Berliner Bahnen” ist eine humorvolle, hintergründige Lektüre für Fans der Berliner Schienenstränge und solche, die es werden wollen. Zugleich liefert das Buch auch für Hauptstadt-Touristen, die sich mittels BVG durch die Metropole bewegen, wertvolle Tipps mit persönlichem Tenor.

Der Berliner Schriftsteller Horst Bosetzky, der unter dem Pseudonym -ky Kriminalromane schreibt und als einer der erfolgreichsten deutschen Autoren gilt, ist außerdem als Dozent für Soziologie an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege tätig. (Ensa Maurer)

Titel: Berliner Bahnen
Autor: Horst Bosetzky
Verlag: dtv
Seiten: 283
ISBN: 3423203803

In die Wildnis

Erstellt am: Januar 14th, 2008

Im Spätsommer 1992 wird in einem seit Jahren verlassenen Buswrack in der Einsamkeit Alaskas die Leiche von Chris McCandless gefunden. Eine Obduktion ergibt, dass der 24-jährige Abenteurer seit etwa zwei Wochen tot ist - verhungert.

Was hat den jungen Mann dazu getrieben, sich alleine in die Wildnis zu begeben, was hat ihn zu diesem gefährlichen Abenteuer veranlasst und warum musste er sterben?

Vielleicht ist man versucht zu sagen: “McCandless war ein Spinner, der ohne Not sein hoffnungsvolles Leben wegwarf und seine nächsten Angehörigen in Trauer und Verzweiflung zurückließ”. Doch so einfach macht es sich Jon Krakauer nicht. Vielmehr bemüht er sich, mit journalistischer Sorgfalt das kurze Leben des Chris McCandless aufzurollen und forscht nach Motiven für seine Lust am Extremen, für seine Sehnsucht nach unberührter Natur und existenziellen Herausforderungen. Langsam nähert er sich der Person des Abenteurers und macht dem Leser die Gründe für sein Verhalten offenbar, so dass man am Ende des Berichtes durchaus Verständnis für die Motive des jungen Amerikaners aufbringen kann.

Selbst ängstliche Menschen, die Gefahren lieber meiden, statt sie zu suchen, verspüren gewiss zumindest manchmal den Wunsch nach Freiheit und Ungebundenheit, nach weiter Landschaft und dem völligen Einssein mit der Natur. Bei Chris McCandless war dieser Wunsch außerordentlich stark ausgeprägt. - So stark, dass ihn selbst der Gedanke an den Tod nicht schreckte. Doch er war kein verkappter Selbstmörder - im Gegenteil, es war seine Gier nach Leben, die ihn in die Wildnis trieb und hätte der junge Mann nicht einige verständliche aber leider folgenschwere Fehler gemacht, so hätte er seinen Trip vermutlich überlebt.

Mich hat dieses Buch gefesselt und in mir den Wunsch geweckt noch mehr von Jon Krakauer zu lesen (und nach Alaska zu reisen).

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.

Titel: In die Wildnis
Autor: Jon Krakauer
Verlag: Malik
Seiten: 299
ISBN: 3890291694

Kon Tiki

Erstellt am: Januar 14th, 2008

Aufgrund von Funden und Legenden gelangte Heyerdahl zu dem Schluß, dass Polynesien von Südamerika aus von Menschen mit weißer Hautfarbe und roten Haaren besiedelt wurde. Das stand aber in Widerspruch zur geltenden, wissenschaftlichen Meinung und das Hauptargument dagegen war, dass es mit den damals in Südamerika gebräuchlichen Flößen nicht möglich war, Polynesien zu erreichen.

Verzweifelt, weil niemand seine These im Geringsten beachtet, beschließt Heyerdahl die Reise selbst mit einem solchen Floß zu unternehmen. Schnell sind einige Teilnehmer für die Expedition gefunden und, mit einigem Glück, auch die nötigen finanziellen Mittel. Die für das Floß notwendigen Balsastämme sind nur unter abenteuerlichen Umständen zu beschaffen, doch dann geht alles ziemlich glatt.

Beim Rausschleppen des Floßes aus dem Hafen geht allerdings gleich einiges schief, doch dann vertrauen sich die Expeditionsmitglieder den Meeresströmungen und -winden an. Es ist mit diesem Floß auch nicht möglich, wieder zurück an das Festland Amerikas zu gelangen, so wie ein Steuern gegen Wind und Strömung generell nur sehr begrenzt machbar ist.

Gleich am Anfang ihrer Reise geraten sie in einen starken Sturm und haben alle Hände voll zu tun, doch das Floß hält. Zahlreiche Meeresbewohner sorgen für abwechslungsreiche Nahrung und für Abwechslung. Haie, ein Walhai, verschiedene Wale, fliegende Fische und noch vielen andere Tiere begegnen dem Floß und seiner Mannschaft. Nach abenteuerlichen drei Monaten strandet das Floß schließlich auf einem gefährlichen Korallenriff und der Mannschaft gelingt er nur mit viel Glück und Anstrengung die dahinter liegende Insel lebendig und unverletzt zu erreichen.

Eine solche Reise gibt natürlich einen ausgezeichneten Stoff für ein Buch und einen Film ab und Heyerdahl hat beides in gelungener Form zuwege gebracht. Der Dokumentarfilm erhielt einen Oskar und das Buch wurde ein weltweiter Bestseller.

Beim Lesen sollte man allerdings berücksichtigen, dass die Reise im Jahr 1947 erfolgte und man mache Dinge damals etwas anders sah oder nicht wusste. So würde heute vermutlich niemand einen Wahlhai gewaltsam mit einer Harpune vertreiben. Die Historiker sind heute auch auf einem anderen Stand, als in dem Buch geschildert. Allerdings sind auch heute die Thesen Heyerdahls noch nicht komplett von den Wissenschaftlern akzeptiert.

Als Abenteuergeschichte ist das Buch aber in jedem Fall empfehlenswert, weil Heyerdahl das spannende Erzählen hervorragend beherrscht.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Kon Tiki
Autor: Thor Heyerdahl
Verlag: Ullstein
Seiten: 252
ISBN: 3548230946

Osterie D’Italia 2001/02

Erstellt am: Januar 14th, 2008

Der dickleibige Band “Osterie d’Italia” enthält über 1600 kulinarische Adressen, mit kenntnisreichen Beschreibungen unterschiedlicher Osterien, Trattorien und Restaurants, die eine bestimmte Esskultur pflegen. Alle italienischen Provinzen sind dabei geografisch angeordnet, von Nord nach Süd, wobei auch Tirol und Tessin berücksichtigt werden. Ferner informiert das Buch über Öffnungszeiten, Ruhetage, Ferien, Menüpreise, akzeptierte Kreditkarten sowie über die Anzahl verfügbarer Sitzplätze. Neben vielen Adressen findet man ein italienisch-deutsches Glossar und einen Index der Lokale. Bei diesem Buch handelt es sich allerdings keineswegs um einen simplen Ratgeber oder Führer, sondern um ein kulturelles Projekt, in dem sich alles um die Osteria dreht.

Diese war in früheren Zeiten auf dem Land ein Versammlungsort des sozialen Lebens, in der Stadt eine Art Mensa für Berufstätige. Heute geht man in die Osteria oder Trattoria, um Freunde zu treffen, um abends auszugehen, um sonntags mit der Familie zu essen, um in den Ferien die typische Küche eines Ortes kennen zu lernen, um ein leichtes und unverfälschtes Mittagessen einzunehmen - mit einem guten Glas Wein, versteht sich.

Herausgegeben wurde der Band von der Slow-Food-Bewegung. Diese entstand als Alternative zur Fast-Food-Kultur und gibt regelmässig entsprechende Führer heraus. Auch dieser Band erschien schon früher und wurde für die Neuausgabe überarbeitet, aktualisiert und neu übersetzt. (Ursula Homann)

Titel: Osterie D’Italia 2001/02
Autor: Slow Food
Verlag: Hallwag Verlag
Seiten: 863
ISBN: 3774253005

Landgasthöfe links und rechts der Autobahn

Erstellt am: Januar 14th, 2008

“Merian kompass” informiert über Landgasthöfe unterwegs, links und rechts der Autobahn. “damit schon die Reise zum Urlaubsort viel Spaß und wenig Stress bereitet”, wie es in der Einleitung heißt. Wie vereinzelte Abbildungen zeigen, die die Attraktivität des Bändchens zusätzlich erhöhen, lohnt sich hin und wieder ein kleiner Umweg, zumal das Essen dort durchweg besser und oft auch billiger ist und der Service freundlicher als an Autobahnraststätten. In fünf Kapiteln werden Alternativen zu überfüllten Raststätten mit Autos und Omnibussen aufgeführt, in denen man nicht nur die Fahrt unterbrechen, sondern, wenn man will, in ruhiger Umgebung auch übernachten und vielleicht sogar eine ganze Urlaubswoche verbringen kann. Die Hinweise beginnen in Norddeutschland im Landgasthof Griesenbötel im Ort Achterwehr, sie führen über West-, Ostdeutschland, Deutschland-Mitte bis nach Süddeutschland und enden im Landgasthof Lebert in Windelsbach. (Ursula Homann)

Titel: Landgasthöfe links und rechts der Autobahn
Autor: Merian kompass
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 96
ISBN: 3774200750

Mit dem Euro durch Europa

Erstellt am: Januar 14th, 2008

Mittlerweile hat sich der Trubel um die Einführung des Euros ein wenig gelegt und die wirklich großen Pannen sind ausgeblieben. Zwar gab es hier und da einige Probleme und Schwierigkeiten mit Produktionsfehler und überall lange Gesichter an Geldautomaten und Bankschaltern, weil doch niemand so richtig für den Ansturm gerüstet war, doch lässt sich all das als Kinderkrankheiten abstempeln. Und inzwischen hält auch schon Münzgeld aus anderen Ländern in Deutschland Einzug, welches nicht sofort erkennbar ist, denn lediglich eine Seite der ausländischen Münzen ist mit den deutschen Münzen identisch. Und da es somit insgesamt 96 verschiedene Münzen gibt, die allesamt unterschieden werden wollen, tut ein guter Ratgeber Not: Mit dem Merian-Kompass „Mit dem Euro durch Europa“ lernt der interessierte Leser alle Münzen kennen, kann sie einordnen und erfährt außerdem die Bedeutung der nationalen Symbole. In einem Quiz mit 111 Fragen und Antworten rund um Euro kann er sein erworbenes Wissen dann ausgiebig testen. Doch danach hört das Angebot des Merian-Kompass noch lange nicht auf: Es finden sich auch noch detaillierte Informationen zu den 70 TopTen-Sehenswürdigkeiten der sieben Kulturepochen in Europa. Die Bezeichnung „70 TopTen-Sehenswürdigkeiten“ ist zwar eigentlich ein Widerspruch in sich, aber der Verfasser des handlichen Nachschlagewerk im Hosentaschenformat wird trotzdem nicht müde, ständig davon zu reden. Kompakt vermitteltes Wissen aus Geografie, Politik und Wissenschaft zu den Euro-Ländern finden auch noch Erwähnung wie auch ein für Sammler sinnvoller Überblick über den Seltenheitsfaktor der einzelnen Münzen. Dort wird ausführlich erläutert, welche Mengen der jeweiligen Münzen und Banknoten im Umlauf sind.

Fazit: Der Merian-Kompass „Mit dem Euro durch Europa“ ist eine interessante Investition für Euro-Fanatiker und Münzsammler, ansonsten bleibt sein Nutzen eher beschränkt. (Tino Hahn)

Titel: Mit dem Euro durch Europa
Autor:
Verlag: Merian Kompass
Seiten: 95
ISBN: 3774207682

Dolce Vita

Erstellt am: Januar 14th, 2008

Wer die italienische Küche liebt, ist mit diesem Buch gut bedient. Es enthält viele recht unterhaltsame, wenn auch unterschiedliche Geschichten - etliche von ihnen sind bereits erschienenen Publikationen entnommen - , in sich denen mehr oder weniger alles um Speisen und Rezepte aus Italien dreht.

In Iris Finckensteins “Antipasti” beispielsweise merkt Antonia bei einer leckeren italienischen Mahlzeit, dass sie zu Jochen, den sie eigentlich heiraten wollte, und seiner Familie nicht passt und verabschiedet sich rechtzeitig, bevor es zu spät ist.

Alice Vollenweider, die einst ihre Dissertation über den Einfluss der italienischen und französischen Kochkunst auf die Sprache verfasste, hat gleich mehrere kleine Erzählungen beigesteuert, in denen sie nebenbei noch Rezepte verrät, die leicht nachzukochen sind. Herbert Rosendorfer wiederum hat das Kochbuch eines Anarchisten unter die Lupe genommen. In diesem sind sogar die Getränke in revolutionäre und reaktionäre eingeteilt. Offensichtlich gilt dem Anarchisten alles, was nicht schmeckt, als revolutionär. Dass der Kaiserschmarren den Gipfel reaktionärer Küchenpraxis darstellt, versteht sich fast von selbst. Von Massimo Marcotullio werden wir belehrt, dass Mortadella nicht gleich Mortadella ist. Gabriele Martina Haak verrät uns dagegen “die Erotik des Parmaschinkens”.

Die Schlemmergeschichten führen die Leser von Venetien über die Lombardei, Emilia Romagna, Umbrien, Toskana, Latium, Abruzzen bis nach Apulien und Sizilien.

Die Lektüre sei all jenen empfohlen, deren bevorzugtes Urlaubsland Italien ist, die Freude am guten Essen und am Leben haben und gerne kleine vergnügliche, nicht allzu anstrengende Geschichten lesen. (Ursula Homann)

Titel: Dolce Vita
Autor: Petra Neumann(Hrsg.)
Verlag: Knaur Verlag
Seiten: 314
ISBN: 3426618486

Amerika, du hast es besser

Erstellt am: Januar 14th, 2008

Gerhard Waldherr, freiberuflicher Journalist in den USA, erzählt, wie er dort ständiger Kursbesucher bei Learning Annex wurde, nachdem er gemerkt hatte, dass er in New York bei Partys, auf denen er sich zu unterhalten versuchte, nicht recht ankam. Zudem fühlte er sich wie viele von uns durch die Tatsache irritiert, dass “Amerikanern sich das Herz zu einem saftigen Steak weitet, sobald die Nationalhymne erklingt, zwei Drittel von ihnen aber unbarmherzig die Todesstrafe fordern, sogar für verhaltensgestörte Vierzehnjährige.”

Learning Annex bietet recht unterschiedliche Kurse an, ähnlich wie bei uns die Volkshochschulen. Allerdings ist ihr Angebot reichhaltiger. So gibt es neben Weinproben, Yoga auch Partnervermittlung, Raucherentwöhnung und Businesskonzepte für erotische Websites oder Waschsalons, Kurse, die sich alle, wie sich der Autor selbst überzeugen konnte, großer Beliebtheit erfreuen. Auf diese Weise begegnete Waldherr einem Häuptling, einem Erfinder, einer ehemaligen Pornoschauspielerin, mehreren Hexen und seinem persönlichen Engel. Er lernte Martinis mixen, alles über Aktiensplits und einiges mehr. Manches war hart an der Grenze der Legalität.

In dem Kursus: “Wie werde ich ein neuer Mensch” lernte er, wie man am besten untertaucht und sich einen neuen Namen zulegt, in einem anderen, wie man einen Bestseller schreibt oder, wie man mit einer Idee Millionen von Dollars verdienen kann. Das alles wird unterhaltsam in einem lockeren Plauderton wiedergegeben. Nur einmal wird es ernst, bitterernst, nämlich im Kursus von Silvie Grohs-Martin, einer KZ-Überlebenden. In der Hölle des KZs war Silvie Grohs-Martin bewusst geworden, von welch unschätzbarem Wert das Leben und jedes einzelne Lebewesen ist. Diese Erkenntnis versucht sie, nun an ihre Zuhörer weiterzugeben und sie mit den Worten zu ermuntern: “Nicht aufgeben, hören Sie? Niemals. Es gibt für jeden einen Weg.”

P.S.: Die Texte erschienen übrigens unter dem Titel “Amerika auf der Schulbank” als Serie in der Wochenbeilage der “Süddeutschen Zeitung” und wurden für dieses Buch erweitert und nachbearbeitet. (Ursula Homann)

Titel: Amerika, du hast es besser
Autor: Gerhard Waldherr
Verlag: dtv
Seiten: 127
ISBN: 3423204044

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