Merian Schweden
Erstellt am: Januar 10th, 2008Für das neue Merianheft über Schweden haben die Merian-Autoren und -Fotografen so viele Kilometer zurückgelegt, dass diese für mehr als eine Erdumrundung ausgereicht hätten. Denn schließlich erstreckt sich das Land vom östlichen Teil der skandinavischen Halbinsel über die quirlige Hauptstadt Stockholm, die sich selbstbewusst mit Rom, London und New York vergleicht, bis weit in die Wildnis des nördlichen Polarkreises hinein. Für die einen ist Schweden das Land von Abba, für andere das von Pipi Langstrumpf, und andere wiederum denken dabei an IKEA. Zu Schweden gehören aber auch Fliegenfischer, alte Flößer, Elche, endlose Wälder, wilde Beeren und Lachse, 60 000 Inseln, viele hundert Seen, herrliche, doch kurze Sommer, in denen die Nächte nur zwei Stunden dauern und der Mittsommerbaum errichtet wird, während in den Winter das Fest der Heiligen Lucia fällt, an dem die Königin des Lichts gefeiert wird. Die Insel Gotland und die Nachbarinsel Fáro mit ihren verträumten Dörfern und romanischen Kirchen, wo Legenden leben und es mehr Schafe als Bewohner gibt, sind gleichfalls ein fester Bestandteil von Schweden, während in der Universitätsstadt Uppsala eine neue Elite herangebildet wird.
Sechs Literaturnobelpreise wurden bisher an schwedische Schriftsteller verliehen. Astrid Lindgren, die große alte Dame des Märchens, die in Schweden so populär wie die Königin ist, war nicht darunter. Gleichwohl wurden ihre Bücher bis jetzt weltweit 84 Millionen Mal verkauft.
Die Politik kommt in dem Merianheft ebenfalls nicht zu kurz. In einem aufschlußreichen Interview mit dem schwedischen Banker Lars Lundquist geht es um Abstriche am Wohlfahrtsstaat und den wirtschaftlichen Aufschwung der letzten Jahre. Der Kabarettist Gerhard Polt, der eine besondere Beziehung zu Schweden hat – er studierte Skandinavistik und spricht fließend schwedisch -, wiederum offenbart ganz eigene Ansichten über Land und Leute. Vor allem weiß er genau, was die Welt Schweden zu verdanken hat: Schwedenwindel, schwedische Gardinen, den Schwedenpunsch sowie die Grußformel “Wie geht’s alter Schwede?” Das schwedische Knäckebrot, meint Polt ferner, habe sich als erfolgreicher erwiesen als die schwedische Sozialdemokratie, und über die schwedische Monarchie meint er, dass unter den großen europäischen Fürstenhäusern Schwedens Könige sich eher die Schrebergärtner ausnehmen.
Wie dem auch sei, eins ist klar: Schweden hat viel zu bieten. (Ursula Homann)
Titel: Merian Schweden
Autor: MERIAN-Redaktion
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 146
ISBN: 3774266069
Merian MS Europa
Erstellt am: Januar 10th, 2008Die Merian-Redaktion hat das Kreuzfahrtschiff MS Europa – offenbar gibt es kein besseres – zum Thema eines Sonderheftes gemacht. Auch wenn man weder Absicht noch Neigung verspürt, am Luxusleben eines Reisedampfers teilzunehmen, weil einem dafür nicht nur das nötige Kleingeld und die passende Garderobe fehlen, so macht es doch großes Vergnügen, in dem Heft herumzublättern, sich die farbenprächtigen Bilder anzuschauen und die Artikel, die vom Leben auf dem Luxusliner erzählen, sich zu Gemüte zu führen. Offenbar steigt der Trend zur Kreuzfahrt. Angebot und Nachfrage halten, wie es aussieht, einander die Waage. Preis und Leistung stimmen auf höchstem Niveau, versichern uns die Merian-Autoren. Das Publikum habe sich längst zur Fan-Gemeinde entwickelt und werde immer jünger. In einem Artikel von Harald Hotze erfahren wir jedoch, dass kaum einer der Passagiere jünger als fünfzig Jahre alt ist und dass die meisten das Pensionsalter hinter sich haben.
Überwiegend malen die Verfasser das Leben an Bord in den glänzendsten Farben aus. Sie schwärmen von traumhaften Kabinen, von dem Erleben der Fremde auf vertrautem Boden. “Ohne das Abenteuer unzumutbarer Hotelzimmer, ohne die drangvolle Enge von Flugreisen, ohne das mühsame Vorrücken im eigenen Wagen zu einem Ziel, das man erschöpft erreicht.”
Reporter und Fotografen haben in monatelanger Recherche Fakten, Geschichten und Reiseerlebnisse zusammengetragen: Impressionen aus Brasilien, vom Kap Hoorn, von der Osterinsel, aus dem Indischen Ozean, von Norwegen, Malta und anderen fernen Ländern. Sie haben dabei auch das Schiff, das schwimmende Fünf-Sterne-Hotel, – ein anderes Mal ist vom schwimmenden Dorf die Rede – gründlich erkundet und sowohl die Fahrgäste als auch das Personal genau in Augenschein genommen. Erstere geben sich morgens sportlich, zumindest was die Kleidung betrifft, abends elegant, denn Umziehen gehört nun einmal zum Kreuzfahrtalltag. Sie verbringen die Zeit, wenn nicht gerade ein Landausflug auf dem Programm steht, mit Schwimmen, Lesen und Sonnenbaden an Deck. Jeden Abend gibt es Bühnenshows, Konzerte, Tanz und Champagner. Das musikalische Angebot reicht von Klassik bis Pop.
Neben der Mannschaft, den Zimmermädchen – in der Seemannssprache heißen diese Feudelgeschwader – sind 46 Köche und Helfer am Werk und liefern rund um die Uhr Menüs und Snacks in Top-Qualität. Die Rückkehr in den Alltag fällt sicherlich vielen Passagieren schwer. Aber wenn das Portemonnaie es erlaubt, dürften die meisten bald wieder eine Kreuzfahrt buchen. (Ursula Homann)
Titel: Merian MS Europa
Autor: MERIAN-Redaktion
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 146
ISBN: 3774266131
Merian Krakau
Erstellt am: Januar 10th, 2008Krakau ist eine Stadt aus einer anderen Zeit, in der alles viel geruhsamer zuging als heutzutage und in der die Kirche die höchste Autorität besaß. Von diesen vergangenen Epochen künden Prunk und Pracht, die die Altstadt durchziehen. Hier drängen sich auf engstem Raum Denkmäler und Bauwerke aus zehn Jahrhunderten zusammen, die seit der Wende im Ostblock mit Sorgfalt restauriert und gepflegt werden.
Zweifellos ist Krakau neben Warschau ein wichtiger kultureller Mittelpunkt in Polen. Denn Kunst und Bildung werden hier ganz groß geschrieben. Der Komponist Krzysztof Penderecki lebt hier, ebenso der Regisseur Andrzej Wajda, die Schriftsteller und Nobelpreisträger Wislawa Szymborska und Czeslaw Milosz. Beide haben, neben anderen Autoren wie etwa Radek Knapp und der deutsche Schriftsteller Jan Peter Bremer, der zur Zeit als Stipendiat in Krakau weilt, ihre Ansichten Über die Stadt für das Merian-Heft zu Papier gebracht.
Der Stadtteil Kazimierz wiederum wurde durch “Schindlers Liste” berühmt und feiert alljährlich Revivals jiddischer Folklore, während die Gemeinde selbst ums Überleben bangt. 180 Juden wohnen noch in Krakau, vor dem Zweiten Weltkrieg waren es 70 000. Insgesamt hat die Stadt 747000 Einwohner, 120000 Studenten, 13 Hochschulen, 38 Museen, 160 katholische Kirchen, 7 Synagogen, von denen aber nur noch eine genutzt wird, und drei buddhistische Gemeinden.
Krakaus Zentrum ist der Rynek mit Rathausturm und Tuchhallen. Dort laufen die Straßen zusammen. Wie sehr die Stadt von ihrer Geschichte lebt, spürt man auch in der Kathedrale der Wawel-Burg, in der mehr als vierhundert Jahre lang Polens Königs gekrönt wurden. Die meisten von ihnen liegen dort begraben.
Wer Krakau gegen Süden verlässt, gelangt in die Hohe Tatra. Sie ist das kleinste Hochgebirge der Welt und zugleich Grenze zur Slowakei. Zum Schluss führt das Merianheft nach Auschwitz, in die Baracken und gesprengten Krematorien von Birkenau.
Auch dieses Merianheft lässt im Hinblick auf Kartenmaterial, Tipps und handfesten Informationen für den Touristen keine Wünsche offen. (Ursula Homann)
Titel: Merian Krakau
Autor: Merian Vertrieb
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 146
ISBN: 374266050
Merian Ägypten
Erstellt am: Januar 10th, 2008Das alte Ägypten hat viele Herrscher gehabt. Als einzige Pharaonin regierte Hatschepsut, die für sich in Anspruch nehmen kann, dass sie keine Kriege geführt und ihrem Volk zu Reichtum und Wohlstand verholfen hat. Mit Kleopatra, der Geliebten Julius Cäsars und Marc Antons, versank das Reich der alten Ägypter. Doch seine Götter und Pharaonen faszinieren nach wie vor. Und so ist es eigentlich kein Wunder, dass eine Kreuzfahrt auf dem Nil, – die in dem neuen Merianheft von Margot Weber fesselnd und kenntnisreich beschrieben wird, während Guido Mangold prächtige Fotos dazu beigesteuert hat – sich nach wie vor bei Touristen großer Beliebtheit erfreut, da diese Fahrt mitten ins Herz einer magischen Kultur führt, zu den Göttern vom Nil, nach Theben, der grandiosen Totenstadt, und zum Tempel Ramses II. von Abu Simbel. Auch ein Besuch im 3300 Jahre alten mächtigen und erhabenen Tempel von Karnak, einem mystischen Ort und einer heiligen Stätte der Pharaonen, und bei den Pyramiden von Giza, dem einzigen noch existierenden Weltwunder der Antike, dürfen nicht fehlen.
Heute drängen sich sechzig Millionen Menschen auf einem schmalen Streifen am Nil und erfüllen das Land, insbesondere die Hauptstadt Kairo, mit Lärm und Lebendigkeit. Arabien und Afrika, Moloch und Idyll in einem sind hier anzutreffen, schreibt Andreas Altmann. Herzlichkeit und Gastfreundschaft seien für Ägypter so selbstverständlich wie die Wasserpfeife im Café, heißt es an einer Stelle im Merianheft. Nichts symbolisiere die Gelassenheit der aufgeregten Großstadt Kairo so sehr wie das Kaffeehaus.
Doch wie sicher ist Ägypten? fragt sich mancher, wenn er eine Reise dorthin plant. Ägypten sei ein sicheres Reiseland, versichern die Autoren. Die Gefahr terroristischer Anschläge sei eher gering. Übergriffe auf Ausländer – mit Ausnahme von Taschendiebstählen etwa im Kairoer Basar Khan Al-Khalili – kommen kaum vor. Um Urlaubern das Gefühl von Sicherheit zu geben, ist die Polizeipräsenz vor Sehenswürdigkeiten wie den Pyramiden von Giza außergewöhnlich stark. Zudem haben seit den Attentaten in Luxor und Kairo 1997 die islamistischen Extremisten den Rückhalt in der Bevölkerung nahezu völlig verloren. Fast jeder Ägypter verurteilt Gewalt gegen Urlauber. Dennoch dürfen zwischen Luxor und Rotem Meer Touristenbusse nur im Konvoi und mit Polizeieskorte fahren.
Das Heft enthält wieder einmal viele Reisetipps, nicht nur hinsichtlich Sicherheit. Die Merian-Autoren verraten typische Leckerbissen, aber auch, wie man sich als Gast im fremden Land verhält. Frauen sollten keine kurzen Röcke oder ärmellosen Shirts tragen, Männer keine Shorts. Unter dem Stichwort Landeskunde erfährt man, dass die Arabische Republik Ägypten, wie das Land offiziell heißt, zentralistisch organisiert ist und vom Präsidenten Hosni Mubarak regiert wird, ferner wo die Beduinen, Berber und Nubier leben, dass der Islam die Staatsreligion ist, zu der sich etwa 90 Prozent der Einwohner bekennen, während die Kopten die christliche Minderheit bilden.
Fesselnd ist das kurze Porträt des ägyptischen Literaturnobelpreisträgers Nagib Machfus und die Porträts von acht Frauen, die ihren Weg in der ägyptischen Männergesellschaft gefunden haben, wie die islamische Rechtsgelehrte Souad Saleh oder die feministische Islamistin Heba Ezzat. (Ursula Homann)
Titel: Merian Ägypten
Autor: MERIAN-Redaktion
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 146
ISBN: 3774266085
Kanada(West) und Alaska
Erstellt am: Januar 10th, 2008Der Reiseführer bietet eine Fülle von Informationen über Land, Leute und Natur von Kanada und Alaska. Dank seiner vielen eingestreuten Anekdoten ist er nicht nur gut lesbar, sondern wirkt auch sehr lebendig. Der offenkundig nordamerikaerfahrene Autor vermittelt dem Leser historische und geologisch fundierte Daten, er nennt Unterkunftsmöglichkeiten und Verkehrsverbindungen und macht auch Tourenvorschläge, bei denen Naturerlebnisse im Vordergrund stehen. Selbst aktuelle Ereignisse wie das verheerende Tankerunglück mit dem Riesentanker “Exxon Valdez” im April 1989 werden nicht verschwiegen. Der Band, ausgestattet mit vielen ansprechenden Fotos, zahlreichen Kartenskizzen, weiterführenden Literaturhinweisen und praktischen Angaben, die vom Angeln über Bekleidung, Trinkgelder bis hin zu Zahlungsmitteln reichen, dürfte jedem Reiselustigen, der sich als Reiseziel den Westen von Kanada und Alaska ausgesucht hat, eine wertvolle Hilfe sein.
Titel: Kanada(West) und Alaska
Autor: Joe Bentfeld
Verlag: Hayit
Seiten: 440
ISBN: 3934434231
Merian Schottland
Erstellt am: Januar 10th, 2008Schottland wurde bekannt durch viele Klischees: durch Männer in Karo-Röcken, Dudelsackpfeifer, durch ausgeprägte Sparsamkeit, durch Nessie im Loch, wilde Sagen und rothaarige Menschen. Die Autoren des Merianheftes halten sich jedoch bei diesen Schablonen nicht lange auf. Sie berichten von den Highlands, den inneren und äußeren Hebriden, von mächtigen Burgen und Stadtlandschaften, von Edinburgh, einer Hochburg der Kultur, und Glasgow, einer schrillen, geschichtsträchtigen Stadt mit Schottlands einziger U-Bahn, sowie von den Impressionen einer Rundreise, die sie immer wieder ans Meer führte. Natur gibt es hier im Überfluss, mitunter reiht sich ein See, Loch wie es in Schottland heißt, an den anderen. Fährt man mit der Bahn durch das Land, so bieten Berge, Flüsse und Moore oft grandiose Aussichten. Aber auch die zahlreichen Pubs, gekennzeichnet durch Billard und Pint, wo man sich durch die schottischen Single Malts trinken kann, sind nicht zu verachten. Von neuen Filmem, Regisseuren und Schauspielern, die spätestens seit dem Film “Trainspotting” Weltgeltung erlangten, ist die Rede, ebenso von der Urheberin der Pottermania, Joanne K.Rowling, die die ersten Abenteuer ihres Helden in den Cafés von Edinburgh skizzierte und heute überall wie ein Pop-Star gefeiert wird.
Schottland geht auch in anderer Hinsicht mit der Zeit. Nach dem Niedergang der traditionellen Wirtschaft setzt es heute auf den Zukunftsmarkt Biotechnologie. Immerhin wurde das Roslin-Institut, das zu den führenden Forschungseinrichtungen dieser Branche gehört, berühmt mit dem Klon-Schaf Dolly.
Leider wird die musische und künstlerische Seite Schottlands in dem Merian-Heft sträflich vernachlässigt. Es hätte der Redaktion wohl angestanden, wenn sie auch der schottischen Dichtung und der schottischen Malerei, zu denen immerhin weltberühmte Leute gehören wie Robert Burns, Sir Walter Scott, Robert Louis Stevenson sowie Allan Ramsay, Henry Raeburn, William Mc Taggart, eigene Kapitel gewidmet hätte. (Ursula Homann)
Titel: Merian Schottland
Autor: MERIAN-Redaktion
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 146
ISBN: 3774266077
MERIAN extra – Das neue Ruhrgebiet
Erstellt am: Januar 9th, 2008In einem Sonderheft der Reihe Merian wird das Ruhrgebiet, der “Pott”, porträtiert – als dynamisches, kreatives und innovatives Kerngebiet deutscher Zukunftsentwürfe. In Wort und Bild stellen Autoren und Fotografen eine der vielfältigsten deutschen Landschaften zwischen Kamener Kreuz und Rhein, zwischen Emscher und Ruhr vor.
Lange Zeit war dieses Gebiet das Land von Kohle, Stahl und Bier. 150 Jahre lang wurde im Revier Kohle gefördert und Stahl gekocht. Doch plötzlich war der größte Schatz des Ruhrgebiets, die Steinkohle, nichts mehr wert. Heute ist das Ruhrgebiet Testfeld für neue Energien, für Brennstoffzelle, Solarstrom und Internet aus der Steckdose. Wandel und Wende sind hier im vollen Gange. Längst sind die Abraumhalden grün und der Himmel über der Ruhr wieder blau geworden. Die Kids freilich kennen den Kampf um den Erhalt der Arbeitersiedlung nur noch aus Erzählungen
An vielen Orten heißt es nun “Kunst statt Kohle”, wie etwa in der Kokerei Zollverein in Essen. Gasometer verwandelten sich in gigantische Kunstcontainer, Ja, man kann sagen, dass an der Ruhr die vitalste und kompakteste Kunstszene der Welt blüht. Während der ehemalige Bauernhof Haus Ripshorst bei Oberhausen mittlerweile in ein Infozentrum des Emscher Landschaftparks umgewandelt wurde, steht das Wasserkraftwerk Hohenstein bei Witten unter Denkmalschutz. Aus Stahlwerken wurden Landschaftsparks von herber Schönheit, aus Zechen Abenteuerspielplätze. Wo sich bis 1985 das Thyssen-Hüttenwerk Meiderich befand, ist inzwischen ein Landschaftspark entstanden. Zudem entwickelte sich das Revier zu einer gewaltigen Stadtlandschaft. Statt des Kohlenpotts lebt die Ruhrstadt, eine Metropole ganz eigener Art. Aufbruchstimmung herrscht auch im Duisburger Getreidehafen. Hier mausert sich der alte marode Umschlagplatz zu einem attraktiven, vielseitigen Quartier. Aber als Tatort hat Duisburg ebenfalls Karriere gemacht – dank Schimanski, der manchmal Kopf und Kragen riskierte, um die Verbrecher und Räuber hinter Schloss und Riegel zu bringen. In der Tat, die Bereitschaft, die Gegenwart zu meistern, war offensichtlich überall vorhanden, so dass wohl nirgendwo industrielle Altlasten intelligenter bewältigt wurden als hier. Kein Wunder, dass die Autoren und Fotografen dieses Heftes ins Schwärmen geraten, auch angesichts der Arena “Auf Schalke”, dem modernsten Fußball-Stadion Europas. Geblieben ist jedoch die saftige Sprache der Bewohner, die die Dinge beim Namen nennt, und die Ruhr, die sich auf ihrem 217 Kilometer langen Weg durch idyllische Landschaften schlängelt. In den dreißiger Jahren wurde sie bei Essen zum Baldeneysee gestaut, sehr zur Freude von Wassersportlern und Erholung Suchenden, während hoch über dem See die pompöse Villa Hügel der Krupps thront. (Ursula Homann)
Titel: MERIAN extra Das neue Ruhrgebiet
Autor: MERIAN-Redaktion
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 144
ISBN: 3774266093
MERIAN Berlin
Erstellt am: Januar 9th, 2008Nach drei Jahren erscheint wieder ein MERIAN-Heft über Berlin, über eine Stadt, die sich mittlerweile erheblich gewandelt hat. Nachdem die Regierung hierhin ihren Sitz verlegt hat, entsteht im Regierungsviertel eine neue Pracht aus Glas und Stein. Fünf Millionen Besucher stiegen seit der Eröffnung im April 1999 in die Reichstagskuppel, die der Architekt Norman Foster mit 1200 Tonnen Glas und Stahl neu gestaltet und damit die Stadtsilhouette entscheidend verändert hat. Kein Wunder, dass das achte MERIAN Berlin-Heft umfangreicher ausgefallen ist als die anderen zuvor. (Die Ausgabe vom Dezember 1949 wird übrigens zurzeit schon für dreihundert Mark gehandelt.) Es enthält einen neuen Magazinteil mit einer Fülle von Tipps und Informationen, mit Adressen von Museen, Restaurants, Ausflugslokalen, Bars, Cafés, Kneipen, bunt gemischten Touren und erweist sich als brauchbarer Wegweiser durch die Stadt, die sich neu erfunden hat. Zumindest ist sie vergnügter geworden, genießerischer, internationaler im täglichen Taumel zwischen Euphorie und Ernüchterung. Mal ist sie Weltstadt, dann wieder Provinz – die Stadt an der Spree, die erst im 19.Jahrhundert zur Metropole wurde und dann gleich zum Mythos, durch Preußen, Weimar, Hitler und die DDR.
Heute ist zwischen Reichstag und neuem Bundeskanzleramt trotz Baustellen überall schon so etwas wie eine blühende Landschaft entstanden, obwohl die Schattenseiten nicht zu übersehen sind. Love-Parade und Grillplätze beispielsweise setzen dem Naturdenkmal Tiergarten im Sommer schwer zu.
Kreuzberg wiederum hat sich zu einem wahren Schmelztiegel der Kulturen entwickelt. Knapp eine halbe Million Ausländer lebt in Berlin. Fast jeder Dritte ist Türke. Auch andere zieht Berlin an, wie in den zwanziger Jahren: russische Glückssucher und Aussiedler, Schriftsteller und Verleger.
Früher lebten hier Alfred Döblin – man denke nur an seinen Roman “Berlin Alexanderplatz” -, Theodor Fontane, Erich Kästner, Joachim Ringelnatz, Claire Waldoff, Kurt Tucholsky und Alfred Kerr. Auch gegenwärtig ist Berlin wieder ein Zentrum der neuen deutschen Literatur. Bert Papenfuss, Katja Lange-Müller, Elke Naters, Jens Sparschuh und viele andere Autoren hat es hierhin gezogen. Sie alle werden in dem Heft vorgestellt, mit unterschiedlichen Texten. Zudem hat Berlin mehr als 170 Museen wie etwa das Pergamonmuseum mit dem gleichnamigen Altar sowie Schatz-Kammern und Kuriositäten-Kabinette und, nicht zu vergessen, die Sammlung von Heinz Berggruen zur Klassischen Moderne mit rund 170 Werken.
Auch das kürzlich eröffnete Jüdische Museum wird ausführlich gewürdigt. Sein Direktor Michael Blumenthal äußert sich in einem eigenen Beitrag über den spektakulären Bau des Museums, über das neue Berlin und die unsichtbare Mauer zwischen deutschen Nichtjuden und Juden. Das Museum soll, das jedenfalls wünscht sich sein Leiter, dazu beitragen, die Toleranz gegenüber Minderheiten zu fördern sowie die Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen. Vor der Vertreibung und Auslöschung war die jüdische Gemeinde Berlins mit 173000 Mitgliedern die fünftgrößte der Welt. Zurzeit hat sie ungefähr 12000 Mitglieder – wie damals wird es sicher nie wieder sein. Heute zeugt vor allem der Jüdische Friedhof in Weißensee, der mit etwa 400000 Quadratmetern der größte erhaltene jüdische Friedhof Europas ist, von der einstigen Blüte der jüdischen Kultur, die der deutschen so viel Glanz und Ansehen mitverschafft hat. (Ursula Homann)
Titel: MERIAN Berlin
Autor: MERIAN Redaktion
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 234
ISBN: 3774266093
MERIAN Ligurien
Erstellt am: Januar 9th, 2008Ligurien ist reich, schön, verrückt und abenteuerlich. Reich durch die Stadt Genua, die in der Renaissance eine bedeutende Welt-, See- und Handelsmacht war. Noch heute ist Genua ein Ort extremer Kontraste, eine Stadt, in der van Dyck in vier Jahren seine schönsten Bilder malte – diese erzählen von Genuas Granden mehr als viele Worte – und in der der geniale Architekt Renzo Piano zu Hause ist. Reisende machen um Genua oft einen Bogen und ahnen nicht, was ihnen entgeht, nämlich die aufregendste Altstadt Westeuropas, mit Gassen voller Leben und Geschichte.
Schön sind Liguriens Steilhänge über dem Meer und die Dörfer, die sich an den Fels krallen. Verrückt wird der Streifen am Mittelmeer, wenn San Remo an der italienischen Riviera, wo seit 1951 die Stars gemacht werden, sich einmal im Jahr beim Schlagerfestival als Diva der Popkultur feiert und ganz Italien die Show geniesst.
Den Stempel des Abenteuerlichen wiederum erhält Liguren durch mehr als viertausend Finnwale, die im Mittelmeer leben und die sich im Sommer vor der Küste sammeln. Leider werden sie zunehmend durch DDT aus Afrika bedroht.
Fremde fanden in diesem Landstrich Italiens schon früh ihr Arkadien. “Die Lage ist ganz und gar ungewöhnlich”, befand der englische Kaufmann Thomas Hanbury, als er 1867 bei Ventimiglia einen verfallenden Palazzo entdeckte. Er kaufte, restaurierte und ließ um die Villa Hanbury einen Garten anlegen, der Weltruhm erlangte. Über die zwei Gesichter Liguriens, das Meer und die Berge, schreibt der deutsche Schriftsteller Hans-Josef Ortheil, der viele Jahre in Italien gelebt hat und sich hier wohl auskennt. Als Ortheil einmal Italo Calvino fragte, in welcher Region eigentlich seine Geschichten spielten, erhielt er zur Antwort: “An der Zauberküste Liguriens”.
Aber die Zeit ist auch hier nicht stehen geblieben. Vor zehn Jahren war zum Beispiel Varese Ligure ein Hinterlanddorf, abgelegen, rückständig und vergessen. Der Bürgermeister machte den Ort zum Zukunftsmodell, das heute wieder Menschen anzieht.
Ruhig ist es an der Riviera dagegen im Winter, wenn auf Menschenheere die Menschenleere folgt und aus Touristen Gäste werden. Auch in Camogli, einst als Seefahrerstadt so bedeutend wie Genua und einer der schönsten Küstenorte an der Levante, kehrt im Winter der Alltag ein. Das Heft besticht wie fast alle Merian-Hefte durch fundierte Texte und schöne Bilder. Es enthält Angaben zu Unterkünften, Restaurants, Freizeitangeboten sowie einen handlichen Stadtplan von Genua, den man bequem in die Tasche stecken kann. (Ursula Homann)
Titel: MERIAN Ligurien
Autor: MERIAN-Redaktion
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 154
ISBN: 3774266107
MERIAN-Thailand
Erstellt am: Januar 9th, 2008Mit seiner neuen Thailand-Ausgabe porträtiert die Merian-Redaktion eines der spannendsten und attraktivsten Ziele Asiens. Das Heft zeigt den Weg zu Traumstränden, bezaubernden Inseln – allein vierzig Trauminseln des Ang Thong Marine National Park sind fast alle unbewohnt – und einer nahezu unberührten Natur. Wer sich wie Robinson fühlen will, die wohldosierte Erotik eines Luxushotels sucht oder den besten Platz, um abzutauchen, wird in Thailand fündig. Vorgestellt wird ein Land mit einer extrascharfen Küche und einer vielfältigen, von Traditionen geprägten Alltagskultur. Der renommierte Autor Ian Buruma beschreibt die Stadt Bangkok. Andere Reporter und Fotografen berichten in Wort und Bild vom touristisch kaum erschlossenen Norden, von den letzten Naturvölkern Südostasiens, von der harten Schule des Thai-Boxens und von alten Königsstädten. Einige begleiteten sogar eine Tanz- und Musik-Show auf ihrer Tournee über die Dörfer. Der Leser wird mit der Frage konfrontiert, ob ein deutscher Mann mit einer thailändischen Ehefrau glücklich werden könne? In einer repräsentativen Merian-Umfrage antworteten 78 Prozent mit “Ja”. Viele, die die Überemanzipation deutscher Frauen erschreckt und verunsichert, suchen sich lieber ein Thai-Frau. Man erfährt viele interessante Einzelheiten, zum Beispiel, dass die ersten “Siamesischen-Zwillinge” in der Medizingeschichte 1811 in Mae Klong in Zentralthailand zur Welt kamen, dass es noch 1970 in Bangkok kaum Gebäude mit mehr als sechs Stockwerken gab – heute sind es schon über tausend – und dass Thailand seinen eigenen Weg geht zwischen östlicher und westlicher Zivilisation. Die Frömmigkeit Thailands ist tief in der Mentalität verankert, doch die Kehrseite: Frauen gelten als religiös unrein. Die Professorin Chatsumarn Kabilsingh ist Thailands einzige Novizin. Sie trägt sogar eine Robe. Allein dafür könnte sie verhaftet werden – wegen Blasphemie. Nachtschwärmer kommen in Bangkok voll auf ihre Kosten, ebenso Golfsportler. Sie können nämlich in Thailand zwischen zwei Dutzend Weltklasse-Plätzen wählen. Berichte über Trekking-Touren, die Kunst der Seidenweber sowie über den modernen Buddhismus werden ergänzt durch ein neu entwickeltes Service-Magazin mit vielen Adressen und nützlichen Informationen. (Ursula Homann)
Titel: MERIAN-Thailand
Autor: MERIAN-Redaktion
Verlag: Jahreszeiten Verlag
Seiten: 146
ISBN: 3774266123
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