MERIAN Köln
Erstellt am: Januar 9th, 2008Köln, Deutschlands viertgrößte Weltstadt, hat seit fast 2000 Jahren Stadtrechte, länger als andere Metropolen. Somit rauscht bei Kilometer 688 der Rhein, der oft besungene Schicksalsstrom, den weder Vaterlandsmythen noch Chemieabwässer umbringen konnten, an zweitausend Jahren Geschichte vorüber. Aber nicht nur vom Rhein, auch von dem alles überragenden Kölner Dom wird der Reisende gleich am Bahnhof empfangen. Mit seinen 43 Metern hohen Gewölben hat er die höchsten Gewölbe aller je vollendeten gotischen Kathedralen, wobei die Fensterfläche größer ist als der Boden. Der Dom, dessen Längsschiff erst 1863 nach fast dreihundert Jahren Baustopp fertig wurde, bestimmt das Kölner Panorama. Er ist “göttlich von oben bis unten”, schreibt Tina Stommel im neuen Merianheft Köln, und “überraschend im Detail.”
Gekennzeichnet ist die Stadt ferner durch Karneval und katholische Prozessionen und ist gleichzeitig ein katholisches Idyll mit Starallüren, geprägt von liberalen Bürgern mit Mutterwitz, Offenheit und etwas Größenwahn. Allerdings droht das katholische Milieu zu schwinden. Auch wenn immer noch im Kölner Bistum 30 000 Messdiener ehrenamtlich tätig sind, so verliert es doch täglich dreißig Katholiken durch Austritt.
Selbst vor dem Rheinland hat die Globalisierung nicht Halt gemacht, wie man aus dem Heft weiter erfährt. In den Kölner Bars fließt nämlich nicht mehr bloß Kölsch, sondern auch die Konkurrenz aus Düsseldorf: Altbier. Doch – das sei an dieser Stelle noch vermerkt – der Kölner ist derartig gesellig, dass er einzeln gar nicht vorkommt.
Köln ist außerdem eine Kunstmetropole, in der sich Galerien häufen wie sonst nur in New York. Das Wallraf-Richartz-Museum dürfte allen bekannt sein: Ferdinand Franz Wallraff gab die Bilder, Johann Heinrich Richartz das erste Haus. Heute beherbergt das vierte Haus die dort inzwischen angesammelte Kunst. Auch das Museum Ludwig hat Weltrang. Hier führt Kaspar König eine bedeutende Sammlung ins 21.Jahrhundert, während sein Bruder Walther die Literatur dazu besorgt.
Die leichtere Muse hat in Köln ebenfalls ein Zuhause gefunden. Mit der Lindenstraße und mit Videoclips fing es an. Heute ist Köln die Drehscheibe der Soaps, Serien und Shows. Der Fernseh-Hype zieht tausende Jugendliche an, die beim Sender VIVA und anderswo eine lässige Karriere suchen. Viele werden vom Schulhof weggecastet und arbeiten als Einsteiger und Einsteigerinnen nicht selten 12 Stunden täglich gratis.
Zudem möchte Köln nur zu gerne die Haupstadt eines Silicon Valley der Gentechnik werden. Aber Reibereien mit den Mitbewerbern Düsseldorf und Aachen haben bisher das große Start-up verhindert.
Wussten Sie übrigens schon, dass Köln die Hauptstadt der Homosexuellen ist und nicht Berlin? An keinem anderen Ort treten Schwule und Lesben offener und selbstbewusster auf. Im Service-Teil erfährt man, dass sich in Köln eine neue Hotelszene etabliert hat – Coole Designhotels wie das Hopper St.Antonius setzen selbstbewusste Akzente – und dass die “Rievkooche mit Biss”, die deftige rheinische Küche, trotz ihres seltsamen Namens gut verdaulich ist. (Ursula Homann)
Titel: MERIAN Köln
Autor: MERIAN-Redaktion
Verlag: Jahreszeiten-Verlag
Seiten: 146
ISBN: 3774267030
MERIAN Sardinien
Erstellt am: Januar 9th, 2008Das Heft macht mit kurzen Skizzen über Höhepunkte, Geschichte, Sprache, Landschaft Sardiniens, der zweitgrößten Insel Italiens, vertraut, die, wie die Sage berichtet, aus einem Haufen Gestrüpp, Geröll und verkrüppelten Olivenbäumen entstanden ist, den Gott nach der Schöpfung in seinem Lieblingsland Italien entdeckt, zusammengekehrt und ins Meer geworfen haben soll. Nach der Erkenntnis der Geologen allerdings hat sich die Insel, zusammen mit Korsika, erst vor 65 Millionen Jahren vom Festland gelöst. In den vergangenen Jahrhunderten haben die Nuraghier, Römer, Spanier und andere Völker auf der Insel ihre Spuren hinterlassen.
Heute ist Sardinien ein Mosaik wechselnder Welten. “Schweigende Buchten, Täler mit Tamarisken, purpurrote Felsklippen, pastorale Wiesen und kilometerlange Dünen. Dazu ein Mittelmeer in allen Farben des Himmels”. Nicht nur Textbeiträge, auch eingefügte malerische Bilder zeigen dies sehr deutlich.
An der Ostküste hat man Pinien an vielen Stränden zum Schutz der Dünen gegen den Wind gepflanzt. Die Hauptattraktion der Costa Verde sind Wanderdünen. Hier gibt es Sand, so weit das Auge reicht. An anderen Stellen bieten Berge und Burgen einen weiten Blick über Land und Meer, über Boote, Palmen und bröckelnde Palazzi.
Was die steinerne Insel so paradiesisch macht, das sind immer wieder kehrende Eichenwälder, Wiesen mit Zistrosen, Weideland, enge Talsohlen und einsame Buchten. Viele Aufsätze laden zu Entdeckungstouren förmlich ein. Damit es jedoch nicht beim äußeren Eindruck bleibt, lese man auch den Bericht des sardischen Schriftstellers Marcello Fois über Wesen und Sitten seiner Landsleute und die Macht überlieferter Feindbilder. In der Tat, was im ewigen Kampf ums Überleben begann, erschüttert noch heute die Hirtengesellschaft der sardischen Bergwelt: die Blutrache. Nach dem Prinzip des Ausgleichs wird jeder Verrat, jede Beleidigung proportional vergolten. Zwar tritt die Polizei bei jeder Bluttat in Aktion, doch die Lebenden wollen ihre Angelegenheit lieber selbst regeln. (Ursula Homann)
Titel: MERIAN Sardinien
Autor: MERIAN-Redaktion
Verlag: Jahreszeiten Verlag
Seiten: 130
ISBN: 3774267049
MERIAN Spaniens Norden
Erstellt am: Januar 9th, 2008Das neue Merianheft zeigt in Wort und Bild, beredt und anschaulich, dass es viele gute Gründe gibt, nach Spaniens Norden zu pilgern, einer dieser Gründe ist das Guggenheim-Museum in Bilbao, die Höhle von Altamira – auch wenn man heute nur noch ihre originalgetreue Nachbildung betrachten kann -, die Kathedrale von Santiago de Compostela, die römische Stadtmauer von Lugo sowie viele, viele andere landschaftliche und kulturelle Sehenswürdigkeiten.
Wer will, kann Nordspanien auf dem Jakobsweg, dem berühmtesten aller Pilgerwege durchqueren, oder in die Picos de Europa, in das knapp 3000 Meter hohe Gebirge in diesem Landstrich, reisen.
Zweitausend Kilometer Felsenküste und Strände, frisches atlantisches Klima und kraftvolle Ursprünglichkeit erwarten den Reisenden in den Regionen Galicien, Asturien, Kantabrien und im Baskenland. Letzteres ist allerdings ein Land, das immer noch keinen Frieden gefunden hat, weil die ETA weiterhin für Unruhe sorgt und nicht selten terroristische Anschläge ausübt – “im Namen der Freiheit”.
Wie immer vermittelt das Merianheft neben vielen nützlichen Informationen auch geschichtliches Wissen. So erfährt man zum Beispiel, dass in den Bergen von Asturien vor 1300 Jahren die Reconquista, die Rückeroberung Spaniens von den Mauren begannn. Inzwischen ist Spaniens grüner Norden jedoch aus der Abgeschiedenheit erwacht. Während in den Bergen Wölfe heulen, feiert sich in den Metropolen die Kultur. Bilbao, bis vor kurzem noch eine wenig anziehende Industriestadt, besitzt heute dank Architekt Frank O.Gehry das aufregendste Museum der Welt. San Sebastián wiederum hat sich längst zu einem kosmopolitischen Seebad entwickelt. Es soll den schönsten Stadtstrand Spaniens besitzen und eine baskische Küche, die als die beste des Landes gilt. (Ursula Homann)
Titel: MERIAN Spaniens Norden
Autor: MERIAN-Redaktion
Verlag: Jahreszeiten Verlag
Seiten: 134
ISBN: 3774267022
MERIAN-Madrid
Erstellt am: Januar 9th, 2008Madrid ist eine der attraktivsten Städte Europas, mit vielen Grünflächen – diese machen fast fünfzig Prozent der Stadt aus – mit einer Reihe von Kulturdenkmälern und architektonischen Kostbarkeiten.
“Schon beim ersten Spaziergang in Madrid gehen einem die Augen über”, schwärmt der Architektur-Experte Manfred Sack. Die spanische Metropole sei protzig und heiter, aufgeregt und gelassen, hellwach und niemals müde, aber auch “behäbig, nervös oder bürokratisch”, meint der bekannte spanische Gegenwartsautor Javier Marias von seiner Geburtsstadt Madrid. Der Regisseur Pedro Almodóvar hat Spaniens Hauptstadt in die Kinos gebracht und mit entfesselten Szenen einen Oscar gewonnen. Cees Nooteboom, der prominenteste zeitgenössische Schriftsteller der Niederlande, hat ein tief verwurzeltes Verhältnis nicht nur zu Madrid, sondern zu ganz Spanien. “Eines der wenigen konstanten Dinge in meinem Leben ist meine Liebe..zu Spanien”, bekannte er bereits vor Jahren.
Zwischen 1890 und 1920 bauten Aristokratie, Geldadel und Großbürgertum hier pompöse Häuser als Bühnen der Selbstdarstellung. Noch heute prägt die Architektur der Belle Époque die Stadt. Der im schönsten Jugendstil erbaute Palacio de Longoria von 1902 beherbergt gegenwärtig den Autoren- und Verlegerverband. Sehenswert sind auch die Almudena-Kathedrale, der Königspalast und die Oper. Madrid gilt als Hochburg der Kultur, nicht zuletzt wegen seiner Kunstmuseen von Weltrang, zu denen das Prado-Museum gehört, das viele Kostbarkeiten beherbergt, darunter “Die Familie Karls IV.” von Francisco de Goya, ferner die “Reina Sofia” – hier ist die Vielfalt spanischer Kunst der Gegenwart zu sehen – und die Galerie Thyssen-Bornemisza. Sie wiederum birgt eine opulente Chronologie der Malerei. Bunt und polyglott wirkt das Lavapiés-Viertel mit Orient, Asien und Afrika in einem, dessen Bewohner vor allem die Hoffnung auf bessere Zeiten eint und in dem ein Mix aus über zwanzig Sprachen und Dialekten herrscht.
Die politischen Unruhen durch die Basken und die Eta werden ebenfalls thematisiert. Immer mehr Basken suchen die Anonymität der Hauptstadt. Journalisten, Professoren und Intellektuelle flüchten vor dem Terror in ihrer baskischen Heimat. In einem Beitrag wird der Thronfolger Felipe, Sohn von König Juan Carlos und Königin Sofia, eingehend porträtiert. Den Merian-Redakteuren ist wieder einmal ein buntes und informatives Heft gelungen, das neugierig macht auf Spaniens Hauptstadt Madrid. (Ursula Homann)
Titel: MERIAN-Madrid
Autor: MERIAN-Redaktion
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 145
ISBN: 3774266115
Gebrauchsanweisung für Tschechien
Erstellt am: Januar 8th, 2008Der Tschechische Schriftsteller Jiri Grusa, leider ist kein “Hatschek” im normalen Zeichensatz – der Name spricht sich “Jirschi Gruscha”, wurde 1970 mit Berufsverbot belegt, musste zeitweise ins Gefängnis und reiste 1980 nach Deutschland aus. Nach dem Ende des Kommunismus in seinem Heimatland wurde er Botschafter in Deutschland, Minister in Tschechien und ab 1998 tschechischer Botschafter in Österreich.
In dem relativ schmalen Buch bringt er uns Land, Menschen, Geschichte, Literatur, Sprache und sonst noch einiges aus seinem Heimatland in der Form eines plaudernden, oft weit vom Thema abschweifenden Reiseführers näher. Als Schwerpunkt hat er Persönlichkeiten aus der tschechischen Geschichte, an deren Beispiel er uns die Mentalität der Tschechen näher bringen will und die Eigenheiten und Bedeutungen der Sprache mit dem selben Ziel gewählt. Letzteres wurde mir bei der Kompaktheit des Buches fast ein wenig zu oft eingestreut und unterbricht manchmal etwas den lockeren, erzählerischen Stil. Aber das ist sicher Geschmackssache.
Der Autor hätte mit dem Thema hätte sicher ein mindestens doppelt so dickes Buch schreiben können, und es hätte dabei eher gewonnen. Aber auch so ist es eine kurzweilige und unterhaltsame Lektüre, selbst wenn sich der Leser nicht besonders für das beschriebene Land interessiert. Sollte das aber des Fall sein, ist das Buch fast als Pflichtlektüre zu empfehlen.
Kritik wurde geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von www.buchkritik.at
Titel: Gebrauchsanweisung für Tschechien
Autor: Jiri Grusa
Verlag: Piper
Seiten: 291
ISBN: 3492039839
Merian USA: Der Süden
Erstellt am: Januar 8th, 2008Als Reiseland gehören die Südstaaten der USA als sogenannter Sonnengürtel trotz des hohen Dollarkurses zu einem der begehrtesten deutschen Ferienziele. MERIAN-Autoren und Fotografen haben sich dort umgesehen und ihre wichtigsten Eindrücke in Wort und Bild festgehalten, wie etwa die vom Mississippi-Delta, von den Sümpfen von Louisiana, von South Carolina sowie von den vielen kleinen Inseln, die vor der Küste Georgias eng beieinander liegen und eine eigene Atmosphäre und eine eigene Geschichte haben.
Der Süden ist zutiefst amerikanisch und doch ticken die Uhren hier anders als in Yankeeland. Weder Stress und Hektik der Ostküste noch Fitnessfimmel und Kalorienangst Kaliforniens sind spürbar. Der Süden ist ferner das Land der großen Geschichte und mannigfaltiger Geschichten. Viele Schriftsteller haben dort gewirkt: William Faulkner, Mark Twain, Kate Chopin, Carson McCullers, Margaret Mitchell und andere. Sie werden in dem Heft alle namentlich erwähnt.
Die bildende Kunst hat im Süden inzwischen ebenfalls eine Heimstatt gefunden. New Orleans und Atlanta haben sich nämlich in jüngster Zeit zu kreativen Metropolen entwickelt, die Künstler anzieht, wie die Merian-Reporter zu berichten wissen. In New Orleans wächst und gedeiht außerdem der Blues und der Jazz. Ein lebendiges Beispiel dafür sind die jungen Brassbands. In Atlanta wiederum ging Ted Turners Nachrichtensender CNN auf Sendung und hat bis heute die Nase vorn.
Doch herrscht im Süden der USA keinewegs nur eitel Sonnenschein. Ein dunkles Kapitel ist immer noch der alltägliche Rassismus gegen Schwarze. “Weiß zählt mehr als schwarz, sogar in den Köpfen unserer eigenen Leute”, sagt Bernice A.King, die 38jährige Tochter des 1968 ermordeten Friedensnobelpreisträgers Martin Luther King jr. in einem Interview. Zudem agiert weiterhin in diesem Land der KuKluxKlan mit seinen düsteren Machenschaften.
Den Herausgebern ist wieder einmal ein informatives Heft, aber auch ein kritisches Porträt von insgesamt sieben amerikanischen Südstaaten gelungen, mit vielen Tipps und guten Ratschlägen. (Ursula Homann)
Titel: Merian USA: Der Süden
Autor: Merian Vertrieb
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 140
ISBN: 3774266042
MERIAN Reiseführer Paris
Erstellt am: Januar 8th, 2008Das neue Merianheft zeigt das Doppelgesicht einer Stadt im Umbruch. Einerseits ist Paris ein lebendes Museum – fünf Millionen Besucher etwa bewundern alljährlich Mona Lisa im Louvre, sechs Millionen besteigen im selben Zeitraum den Eifelturm. Andererseits ist die französische Metropole ein brodelnder Gärkessel urbaner Überlagerungen und steingewordene Zivilisation, dessen Bewohner oft gehetzt und gestresst sind und nicht selten arrogant erscheinen.
Gleichwohl ist und bleibt Paris Europas Hauptstadt des Stils und des Geistes, der Raffinesse und der Lebensart. Das kultivierte Aufeinandertreffen der Zeiten macht sie zu einem Magneten für Kulturinteressierte, Ästheten, Weltenbummler und Lebenshungrige. Paris kann einen zum Wahnsinn treiben, findet die amerikanische Autorin Jane Kramer und macht der Stadt dennoch eine versteckte Liebeserklärung, Der Frankreich-Kenner und Kulturkorrespondent der FAZ Jürg Altwegg wiederum beschreibt die Selbstinszenierung der Pariser Mächtigen. Denn “wer die Geschicke der Nation lenkt, inszeniert zuerst seinen Auftritt und baut danach das Denkmal für das eigene Tun”, von de Gaulle bis Chirac, schreibt Altwegg.
Nicht nur Reporter, auch Fotografen haben die glamouröse Neugeburt ehrwürdiger Kulturinstitutionen wie Oper und Centre Pompidou für das neue Merianheft festgehalten, ebenso das untergehende Handwerkerviertel an der Bastille, von der einst die Französische Revolution ausging, das Literatenviertel Saint Germain sowie Montmartre, das letzte Dorf der Stadt, mit seiner Touristen-Wallfahrtskirche Sacre Coeur. Zwischen den einzelnen Berichten und Bildern sind immer wieder Zitate von Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir eingestreut.
Aber auch die kulinarischen Genüsse, die Paris bietet, sind nicht zu verachten. François Simon, einer der großen Restaurant-Kritiker lässt sich über die Gastro-Kultur der Hauptstadt aus und empfiehlt ausgesuchte Restaurants. MERIAN hat ferner Hotels testen lassen, die solide, elegant und dennoch bezahlbar sind und den Gast nicht in den Ruin oder an den Rand der Verzweiflung treiben.
Die lohnendsten Sehenswürdigkeiten, die nettesten Cafés, die schönsten Parks und Gärten, die attraktivsten Läden und interessantesten Theaters und Kinos werden erwähnt und natürlich auch der Eiffelturm, Symbol Europas, denn was wäre Paris ohne ihn? Für Pariser ist er eine Frau “La Dame de fer”. Damit hat Frankreich also ebenfalls eine Eiserne Lady. Wie überall sind auch Kriminelle, die der Polizei und ihren Hilfstruppen das Leben schwermachen, hier zu Hause, vor allem im 18.Arrondissement. (Ursula Homann)
Titel: MERIAN Reiseführer Paris
Autor: Merian
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 140
ISBN: 37774288034
MERIAN Japan
Erstellt am: Januar 8th, 2008Viele Europäer verbinden mit Japan oder Nippon, wie der einheimische Name lautet, Tamagotchis, bestimmte Autos, eine klare Ästhetik, viel Betriebsamkeit und halten das Land für reich, effizient, produktiv und erfinderisch. Dennoch ist Japan den meisten von uns fremd, weil es anders funktioniert als die Länder der westlichen Welt. Für die einen ist es bedrohlich, für die anderen bezaubernd oder beispielhaft.
Ein genaueres Kennenlernen von Japan ermöglicht das neue Merianheft. Es zeigt, wie nahe Exotik und Normalität hier beieinander sind, dass sich beispielsweise Kimono und Kickboard ganz gut vertragen. Die Autoren dieses Heftes sehen darin einen Beleg für eine bestimmte Geisteshaltung, dass nämlich Altes in Ehren gehalten und Neues freudig begrüßt wird. Die Sumo-Ringer, Japans Helden, stehen ebenfalls für Traditionen und zwar mit der vollen Wucht ihrer Körper. Wer das große Ginkgo-Blatt im Haar trägt, hat es geschafft und ist nicht mehr Diener sondern Herr.
Das Heft macht auch mit dem Alltag vertraut, mit Gaumenfreuden auf höchstem Niveau, wozu vor allem Fischgerichte gehören wie der auf der Zunge zergehende rote Tunfisch und der Tintenfisch. Gefährlich ist dagegen der Kugelfisch, weil seine Leber und Eierstöcke tödliches Gift enthalten. Man erfährt ferner, dass der Wohnraum hier sehr knapp ist, und da zu allem Überdruss die Wände hellhörig sind, ziehen sich Paare in Japans Großstädten nicht selten für intime Stunden ins Hotel zurück. Wer jedoch glaubt, dass japanische Frauen demütig und duldsam sind wie einst in früheren Zeiten Madame Butterfly, wird eines Besseren belehrt.
Während nachts in Tokio die Lichter nie ausgehen und Japans Schaltzentrale pausenlos arbeitet – wussten Sie übrigens, dass Europas Star-Designer in Japan ihre größten Gewinne erzielen? – , liegt die Provinz weit entfernt vom Hightech-Land. Die Reisernte wird immer noch durch Handarbeit eingebracht. Da hilft keine Maschine.
Ausländer verblüfft das Land. Doch nicht wenige Japaner stehen ihm kritisch gegenüber, von ihnen kommen zwei berühmte Persönlichkeiten zu Wort: der Literatur-Nobelpreisträger Kenzaburo Oe – er schreibt über seine “Jugend am Ende der Welt” – und der Regisseur Takeshi Kitano. Er rechnet mit allem ab, was für ihn im Land des Lächelns zum Weinen ist. Auch ein großer Literat der Niederlande ist hier mit einem Beitrag vertreten: Cees Nooteboom. Er schildert, wie er in Japan auf Pilgerfahrt ging, weil er in dem rastlosen Land Ruhe suchte und dabei eine Welt voller Rätsel und Geheimnisse fand.
Wir üblich ist dieses Heft reich bebildert und mit verschiedenen Karten ausgestattet. (Ursula Homann)
Titel: MERIAN Japan
Autor: Holger Schnitgerhans(Hg.)
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 146
ISBN: 3774266026
MERIAN Steiermark
Erstellt am: Januar 8th, 2008Die Steiermark, abgeschirmt durch waldgrüne Berge, ist weniger lieblich als die westlichen Bundesländer Österreichs. Eher wirkt sie ein wenig kantig, aber sie ist, wie uns der Herausgeber des neuen Merianheftes versichert, “von ungeschminkter Herzlichkeit”. Zwischen Dachsteingletscher und Südsteirischer Weinstraße erwartet den Reisenden eine Region von beeindruckender Vielfalt. Da gibt es neben dem imposanten Hochgebirge die Seen des Ausseer Landes, die Stromschnellen von Enns und Salza, die Mur, die fast das ganze Land durchfließt, nicht zu vergessen die Ramsau am Fuß des Dachsteingebirges, die sich wie ein einziger großer Garten ausnimmt, sowie das waldreiche Land um Murau, wo sich Kultur und Natur aufs vortrefflichste verbinden. Dazwischen schwelgt die Landeshauptstadt Graz, oft Tor zum Süden genannt, in Barock, Renaissance und alter k.u.k.-Herrlichkeit. Man findet indes auch neue Akzente mit avantgardistischer Architektur und einen beispiellosen High-Tech-Verbund, der die Fertigung kompletter Serien von Allrad-Autos in die Steiermark geholt und so der Region einen wirtschaftlichen Höhenflug beschert hat. Die Grazer Schule der Architektur wiederum – sie entwickelte sich in den achtziger Jahren – ist experimentell, innovativ und gestaltungsfreudig, vertritt jedoch weder einen bestimmten Stil noch eine bestimmte Ideologie. Graz ist aber auch bekannt als alljährliche Begegnungsstätte von Literaten. Von Graz aus kommt man ins Rebland, an die Weinstraßen mit all ihren Buschenschänken und Gasthöfen. Im Herbst weht hier ein warmer mediterraner Hauch über das Land.
Das Heft berichtet von den Bodenschätzen der Steiermark, von Thermalwasser, Salz und Erz, von der landesüblichen Tracht, der die Steirer die Treue gehalten haben – gleichwohl haben sie Loden, Filz und Dirndl dezent der Mode angepasst – und vom Bären, der seit drei Jahrzehnten wieder in der Steiermark zu Hause ist. Star auf steirischen Feldern ist im Herbst der Kürbis. Denn aus seinen Kernen gewinnt man ein unvergleichlich nussiges Öl. Ergänzt werden die vielen von namhaften Autoren verfassten Beiträge in dem bilderreichen Heft, wie üblich, durch wertvolle Tipps und ausgezeichnetes Kartenmaterial. (Ursula Homann)
Titel: MERIAN Steiermark
Autor: Holger Schnitgerhans(Hrsg.)
Verlag: Gräfe und Unzer
Seiten: 140
ISBN: 3774266018
Merian Südafrika
Erstellt am: Januar 8th, 2008Südafrika ist eines der schönsten und zugleich spannendsten Länder der Welt. Es ist verwirrend, vieldeutig, atemberaubend und widersprüchlich. Auf der einen Seite ist es arm, auf der anderen Seite jedoch hoch entwickelt. Es gibt den Kraal und hypermoderne Telekommunikation, die Wild Coast und das glitzernde Kapstadt, hohe Kunst neben Trash Art, Stammesriten neben Avantgardetheater. Die Palette der Kulturen ist so schillernd wie der Regenbogen. Ob Schwarz oder Weiß, Savanne oder Subtropen, Kraal oder Kosmopole, Weinberge oder Wüste – Südafrika ist voll atemberaubender Gegensätze, die kaum vereinbar scheinen.
Mit all diesen Gegensätzen konfrontiert das neue Merian-Heft seine Leser. Es zeigt das Land im Wandel nach dem Ende der Apartheid und bietet daneben viele prächtige Landschafts- und Tieraufnahmen. Denn Südafrika beherbergt unzählige Wildreservate. Paviane, Pinguine, Weiße Haie und Elefanten sind hier zu Hause. Zudem ist es ein Winzerland. Napoleon soll sich auf St.Helena, wohin ihn seinerzeit die Staatsoberhäupter Europas verbannt hatten, mit einem südafrikanischen Muscadet über den Verlust seiner Macht hinweggetröstet haben. Doch wo der Boden zu karg und zu trocken für Wein, Obst und Oliven ist, da züchten die Bauern Strauße.
Südafrika hat aber auch viele Probleme. Diese werden in verschiedenen Essays thematisiert. “Wer sind wir?” fragt zum Beispiel der südafrikanische Schriftsteller Bryan Rostron in seinem gleichnamigen Aufsatz und macht sich Gedanken über “Identifikation, Heimat und neue Farbenlehre”. Bartholomäus Grill beschreibt Kapstadt, die Diva des Kontinents, die reiche Metropole des weißen Südafrikas, die längst nicht mehr ganz in hellhäutiger Hand ist, denn die Menschen aus den Townships strömen ins “Luxuslegoland und geben ihm eine Farbe, die es faszinierend macht.” Den Schönen und Reichen freilich seien die Slums so fremd, schreibt Grill, wie die Rückseite des Mondes. Sie hörten weg, wenn der jetzige Präsident Thabo Mbeki, Nachfolger von Nelson Mandela, im Parlament von den zwei Nationen in einem Land redet, und wollten von den Ungleichheiten in ihrer Stadt nichts wissen.
Soweto wiederum trägt noch schwer am Erbe der Apartheid und ist wohl das größte Schwarzengetto der Erde. Johannesburg, Afrikas Boomtown, ein afrikanisches Manhattan, ist lebendig und geldgierig wie sein amerikanisches Vorbild, während die Atlantikküste Afrikas dem Wilden Westen gleicht. Denn am Meeresboden lagern Diamanten, nach denen eifrig getaucht wird, auch wenn das Unternehmen mehr als riskant ist. Da das Land insgesamt für Touristen nicht ganz ungefährlich ist, enthält das Heft neben den üblichen Tipps, auch einige Verhaltensmassregeln und rät den Reisenden unter anderem: “Verhalten Sie sich nicht wie eine wandelnde Bank, bescheidenes Auftreten gibt Sicherheit. Tragen Sie also keinen teuren Schmuck und lassen Sie ihr Geld im Hotelsafe…Meiden Sie Downtown Johannesburg, Soweto, die Zentren der großen Städte und auch Strände nach Einbruch der Dunkelheit.” (Ursula Homann)
Titel: Merian Südafrika
Autor: Holger Schnitgerhans
Verlag: Jahreszeiten Verlag
Seiten: 140
ISBN: 3774265127
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