Mordsglück
Erstellt am: November 13th, 2007Mittelstand, katholisch, Rheinland, Einzelkind – es gäbe glorreichere biographische Eckdaten für eine Karriere als Schauspielerin, befindet Michaela Mann selbstkritisch. Dass zudem ihre erste große Liebe schneller verging als sie andauerte, lässt für Michaela unweigerlich den Schluss zu, zwei kostbare Jahrzehnte ihres Lebens in zum Negativen tendierender Mittelmäßigkeit verbracht zu haben.
Doch dann lernt sie bei einem Casting Siegfried kennen. Siegfried, den erfolgreichen Schauspieler. Siegfried, der Pupillen mit der Lizenz zum Aufsaugen sein Eigen nennt und sich als ‘der Beste im Gucken’ erweist. Siegfried, der sie zum Aussenden deutlicher Signale provoziert und diese mit dem Hinweis, es sei ein Zeitproblem, quittiert. Siegfried, der sie schließlich ‘nach vier ereignislosen Wochen der Nichtbeziehung’ seiner Mutter vorstellt. Was folgt, sind zwei Jahre, in denen sich zum amourösen Glück auch der berufliche Erfolg als Mimin gesellt. Kurzum: Michaela schwebt auf Wolke Sieben über den Dingen – bis sie erfährt, dass ihre Freundin Gaby mit ihr nicht nur die Begeisterung für’s Theater, sondern auch die für Siegfried teilt und ein Verhältnis mit ihm hat. Zwar verlässt die Betrogene eilends die gemeinsame Wohnung, doch davon, kampflos das Feld zu räumen, ist sie weit entfernt. Ein an Siegfried adressiertes Päckchen mit allerlei symbolischen Utensilien für den perfekten Suizid sowie der Empfehlung ‘zur freundlichen Benutzung’, ist nur der Anfang. Schon wenige Tage später sieht sich der neue Mann an Gabys Seite mit ungleich boshafteren Auswirkungen des Rachefeldzuges seiner Ex konfrontiert.
Äußerst spritzig und kurzweilig erzählt Anna Johann in ihrem Roman “Mordsglück” die Geschichte einer Frau, die sich mit einem exotischen, äußerst effektiven Mittel gegen all jene zu wehren weiß, die sich ihr bei der Erfüllung ihrer Sehnsüchte in den Weg stellen.
“Mordsglück” ist der fünfte, im Fischer Taschenbuch Verlag erschienene Roman von Anna Johann, die als freie Autorin und Übersetzerin auf der süditalienischen Insel Stromboli lebt. (Ensa Maurer)
Titel: Mordsglück
Autor: Anna Johann
Verlag: Fischer TB
Seiten: 191
ISBN: 3596147115
Die Luftgängerin
Erstellt am: November 13th, 2007Im Jahre 1969 begegnet der etwas weltfremde Ambros Bauermeister während einer Eisenbahnfahrt der jungen, gutaussehenden Amrei Latuhr. Sofort erkennt er, dass es sich bei der Frau um die Person handelt, die für ihn geschaffen ist, auf die er sein ganzes Leben lang gewartet hat. Er gibt ihr spontan einen Kuss und wird schließlich ihr Geliebter.
1970 heiraten die beiden und kurz darauf kommt die Tochter Maudi zur Welt. Geliebt und behütet von Mutter, Großmutter und teilweise auch von ihrem Vater wächst das Kind heran.
Später verlässt der Vater das Haus, weil die Ehe zwischen ihm und Amrei trotz der Liebe, die die beiden ursprünglich füreinander empfunden haben, nicht glücklich wird.
Maudi ist ein merkwürdiges Mädchen. Schon als kleines Kind verhält sie sich oft anders als andere Kinder, wie zum Beispiel ihre gleichaltrige Freundin Esther, von der sich später herausstellt, dass sie in Wirklichkeit Maudis Halbschwester ist. Maudi empfindet für alle Menschen Liebe und Zuneigung; selbst für den Mann, der sie, als sie fünfzehn Jahre alt ist, beinahe umbringt.
Wer oder was ist Maudi Latuhr? Ist sie ein Mensch oder ein Engel – Mann oder Frau? Sie hat alle sichtbaren körperlichen Merkmale einer Frau, doch sie wird nie Kinder bekommen können, da sie genetisch eigentlich ein Mann ist. Sie ist kein Hermaphrodit und erst recht keine Transsexuelle sondern eine Frau mit einem männlichen Chromosomensatz.
Als junge Erwachsene bietet Maudi nahezu jedem ihren Körper dar; nicht gegen Geld oder um etwas für sich dadurch zu erreichen sondern ausschließlich um andere glücklich zu machen und ihnen den Weg zu sich selber zu zeigen.
Der Autor erzählt in seinem Roman nicht nur die Geschichte der jungen Maudi sondern auch die ihrer Eltern und Großeltern, ihrer Freundin (bzw. Halbschwester) Esther und vielen vielen anderen Personen, die die kleine Stadt Jakobsroth im Rheintal zwischen Österreich und der Schweiz bevölkern.
Obwohl Schneider sehr poetisch, mit zum Teil verblüffenden, wunderschönen Bildern und Metaphern erzählt, reißt mich der Roman insgesamt nicht vom Hocker. Die Geschichte ist schlichtweg langweilig. Am sprachlichen Stil des Romans gibt es nichts auszusetzen – doch der Plot ist einfach zu dünn.
Schade – ich hatte von dem Buch mehr erwartet. Jemand wie Robert Schneider, der einen Roman wie “Schlafes Bruder” geschrieben hat, dem so unglaubliche, schier überwältigende Textpassagen gelungen sind, wie die Beschreibung des Orgelkonzertes des Elias Alder, der ist ein Meister seiner Sprache und er sollte Bedeutenderes vollbringen als diese leider etwas dünne Geschichte.
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.
Titel: Die Luftgängerin
Autor: Robert Schneider
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 350
ISBN: 344272578X
Riven Rock
Erstellt am: November 13th, 2007Stanley McCormick ist Sohn des Erfinders des Mähdreschers und darum sehr reich. Als er die ebenfalls sehr reiche und dazu noch sehr kluge Katherine Dexter heiratet scheint alles perfekt. Doch Stanley ist hoffnungslos geisteskrank und muss vor der Öffentlichkeit, aber vor allem Frauen sicher verwahrt werden.
Sein Arzt Dr. Hamilton empfiehlt einen Aufenthalt in wärmeren Gefilden und so wird Stanley nach Riven Rock, einem großen Besitz der McCormicks in Kalifornien, gebracht. Das Haus dient allein seinem Aufenthalt und eine mitgereiste Gruppe Pfleger wacht über sein Wohlergehen und soll ein Entkommen verhindern. Doch schon auf der Reise im Zug kommt es zu Problemen.
Unter den Mitreisenden Pflegern ist auch Edward O’Kane, der sich schon über die Maßen auf sein zukünftiges Leben im sonnigen Paradies freut. Doch seine Trinkfreudigkeit und noch viel mehr sein Erfolg bei Frauen bringen den verheirateten O’Kane immer wieder in große Schwierigkeiten. Und ist sein Dienst bei Stanley schon kein Honiglecken, macht ihm sein wechselvolles Privatleben noch weit mehr zu schaffen.
Obwohl sich bei Stanley kaum eine Besserung zeigt und ihn wegen seiner Aggression gegenüber allen Frauen nicht einmal seine eigene zu Gesicht bekommen darf, hält sie eisern zu ihm. Nebenher setzt sie sich sehr engagiert für die Frauenrechte und hofft auf die zu dieser Zeit, Anfangs des 20. Jahrhunderts gerade große Fortschritte machende Psychologie.
Boyles Romane stecken immer voll Ironie und er ist ein Meister des Schwarzen Humors, oft an der Grenze zwischen Komödie und Tragödie. In “Riven Rock” hat er sich mit seinem Humor aber im Vergleich zu seinen meisten anderen Büchern eher zurückgehalten. In der für ihn typischen, überaus lebendigen Schilderung der Ereignisse rund um die tragische Figur Stanley blitzt er nur manchmal in einem Satz hervor.
Die eigentliche Hauptfigur des Romans ist der Pfleger O’Kane, dessen Kampf gegen sein meist von der ihm eigenen Lebenslust verursachten kleinen und großen Tragödien, neben der Haupthandlung, den meisten Raum beanspruchen. Er ist der mit dem sogenannten gesundem Menschenverstand ausgerüstete Beobachter und scheint auch die Lieblingsfigur des Autors zu sein. Ein gewitzter Durchschnittsmensch seiner Zeit mit allen seinen Problemen und seiner Weltsicht, und doch machtlos gegenüber den Widrigkeiten des Lebens. Der Kontrast zwischen seinem kleinen aber turbulenten Leben und dem der Leute, die das Sagen haben, macht einen großen Teil des Reizes in diesem Buch aus.
Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at
Titel: Riven Rock
Autor: T. Coraghessan Boyle
Verlag: Carl Hanser Verlag
Seiten: 564
ISBN: 3446194770
Projekt Schlaraffenland
Erstellt am: November 13th, 2007Michael Koniezko starb an einem Freitag. Sechs Jahre lang war er Tester bei der DFS, der “Degustation fett/sauer”, inoffiziell “Schlaraffenland” genannt. Michael hatte sich mit einer Überdosis Heroin vom Zwang befreit, weiterhin auf Öl, Essig, Rauschgift oder andere Essenzen angewiesen zu sein. Obgleich es “nur” ein Selbstmord war, so konnte sich doch die Firma einen Toten im Labor nicht leisten, erst recht keinen Drogentoten, dessen Mangeninhalt die Pathologen womöglich hin und her wenden würden. Also verpackte man die Leiche kurzerhand in Plastiktüten und verstaute sie in der Kühlkammer, im Beisein von Katharina Quast, der Juniorpsychologin. Bisher hatte Katharina im Betrieb alle unangenehmen Arbeiten verrichten müssen. Nun war der Zeitpunkt für sie gekommen, die Opferrolle abzulegen. Sie musste nur den Mund halten und durfte niemandem verraten, was mit Michaels Leiche geschehen war. So begann Katharinas Aufstieg. Was sie allerdings nicht ahnte, war, dass sie fortan von einem Privatdetektiv überwacht werden würde, der heimlich in ihrer Wohnung ein und aus ging, wenn sie nicht zuhause war, und der alle ihre Telefonate abhörte, die allerdings zunächst für den neugierigen Überwacher und seinen Auftraggeber nicht viel hergaben. Im “Zentrum der Geschmacksvielfalt” mussten die übrigen Tester weiterhin schlürfen, schmecken, spucken und nippen.
Denn man war damit beschäftigt, Glück auf Knopfdruck herzustellen, wie Katharina einmal scharfsinnig bemerkte, und zwar durch die Verarbeitung von Glücksfett in Keksen, die die Esser fröhlich und friedlich und, in höherer Dosierung, unbequeme Zeitgenossen lammfromm machen sollten.
Aber da gab es noch die ESSkalation, eine Gesellschaft, die Skandale an die Öffentlichkeit brachte, mit einem Mitarbeiter namens Max Gross, bei dem sich eines Tages ein Mann meldete, der seinen Freund vermisste, und dieser Freund war natürlich niemand anders als Michael Koniezko.
So kommt die Sache ins Rollen, mit vielen Zwischenfällen und Verwicklungen. Eines Tages ist auch Max Gross verschwunden, aber er taucht wieder auf- in Katharinas Firma. Katharina dämmert es allmählich, dass die Firma nicht nur eine Leiche verschwinden ließ, sondern noch viel mehr Dreck am Stecken hat. Sie kommt zwar bei ihren Aufdeckungsversuchen glimpflich aus der Sache heraus, ohne jedoch die eigentlichen Übeltäter endgültig zur Strecke bringen zu können. Denn ihr Chef Mark Sweenie ist wie die meisten Bösewichter dieser Welt mit allen Wassern gewaschen.
Haben wir es hier mit dem fantastischen, überspannten Roman einer Autorin zu tun, die bisher als Wissenschaftsredakteurin in Hamburg gearbeitet hat? Vielleicht. Aber in vielen Momenten ist die Geschichte näher an der Wirklichkeit als wir alle ahnen oder wahrhaben wollen.
Titel: Projekt Schlaraffenland
Autor: Hanne Tügel
Verlag: Knaur
Seiten: 352
ISBN: 3426618885
Die Bildhauerin
Erstellt am: November 13th, 2007Seit sechs Jahren sitzt Olive Martin im Zuchthaus. Sie hat gestanden damals ihre Mutter und ihre Schwester auf grausame Art umgebracht zu haben.
Roz, eine Journalistin, die eigentlich Rosalind Leigh heißt, und sich nach einer privaten Katastrophe mitten in einer schweren Depression befindet, wird von ihrer Verlegerin aufgefordert, ein Buch über die Gefangene zu schreiben.
Widerstrebend macht sich Roz an die Arbeit. Entgegen ihren Erwartungen ist ihr die unattraktive, extrem übergewichtige Olive sympathisch und bald beginnt die Journalistin an der Schuld der Gefangenen zu zweifeln, denn bei ihrer Recherche stößt sie auf Widersprüche, offene Fragen und viele Merkwürdigkeiten.
Mit Hilfe von Hal Hawksley, dem Polizisten, der seinerzeit den Fall bearbeitete, inzwischen jedoch nicht mehr im Dienst ist, nimmt sie die Suche nach den wirklichen Hintergründen der Tat und nach dem tatsächlichen Mörder der beiden Frauen auf.
Sie hat dabei viele Widerstände zu überwinden – die früheren Nachbarn von Olives Familie hüllen sich in Schweigen oder machen falsche Angaben, Rechtsanwälte und Behörden haben offenbar keinerlei Interesse an einer Wiederaufnahme des Falles und Olive selber beharrt auf ihrer Version des Tatherganges und bastelt kleine Voodoo – Figuren, um mit deren Hilfe ihren tatsächlichen und vermeintlichen Feinden zu schaden.
Die Geschichte liest sich flüssig und enthält gelegentlich durchaus spannende Sequenzen. Doch ähnlich wie Fastfood sättigt der Roman nur kurz, ist jedoch weder appetitanregend noch nahrhaft – zu vorhersehbar ist das Ende, zu banal die Handlung, zu flach sind die Charaktere.
Er enthält sogar Passagen, die mich regelrecht ärgern!
So zum Beispiel ganz zum Schluss: Da droht Hal seinem Widersacher mit einem Anschlag auf sein Kind, falls dieser Roz irgendeinen Schaden zufügt.
Natürlich müssen in einem Krimi die Personen – auch die Helden – nicht unentwegt brav und politisch korrekt handeln, und natürlich ist die Schilderung von Gewissenskonflikten oder falschen Entscheidungen der Protagonisten eine unentbehrliche Zutat für einem guten Kriminalroman. Doch Minette Walters lässt keinerlei Distanz erkennen, ihre stillschweigende Billigung von Hals Verhalten ist offensichtlich.
So etwas ist schlicht unmoralisch! Zudem stört mich ihre sehr vereinfachte, manchmal geradezu dümmliche Sichtweise der gesellschaftlichen Ordnung. Ihre Beurteilung von Gesamtschulen und Sozialhilfeempfängern orientiert sich unverkennbar an Stammtischweisheiten.
Die Geschichte ist zumindest spannend und weist keine größeren logischen Fehler auf.
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.
Titel: Die Bildhauerin
Autor: Minette Walters
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 408
ISBN: 3442052726
Der Sommer der lachenden Kühe
Erstellt am: November 13th, 2007‘Man fühlt sich ziemlich verlassen, wenn man nicht weiß, wer man ist, wo man herkommt und wo man hinwill. So erging es Taavetti Rytkönen, achtundsechzig Jahre alt. Er war unterwegs, konnte jedoch nicht sagen, zu welchem Ziel, und auch nicht, wo sein Ausgangspunkt gewesen war.
Er hatte gerade das Tapiolaer Kontor der Nationalbank verlassen. Dort hatte er seine Brieftasche mit den Ausweispapieren liegen lassen, doch das Geld, das er am Schalter in Empfang genommen hatte, hatte er immerhin eingesteckt. Die Summe war durchaus nicht gering, es handelte sich um Tausendmarkschein in einem Bündel, anderthalb Zentimeter dick und von einem Gummiband zusammengehalten. Zu welchem Zweck er eine so große Summe abgehoben hatte, wusste er nicht mehr und auch nicht, dass er soeben sein Konto abgeräumt hatte.’
In einem derart desolaten Zustand trifft Rytkönen auf den Taxifahrer Seppo Sorjonen, der just einen Passagier von Helsinki nach Otaniemi gebracht hatte und nun – via Tapiola – den Rückweg antreten wollte. Ehe er sich versieht, sitzt der pensionierte Landvermessungsrat in seinem Wagen und befiehlt ihm, einfach nur zu fahren – ziellos. Dass Sorjonens Chef die spontane Fahrt ins Blaue trotz der Zahlungswilligkeit des Kunden mit einer Kündigung honoriert, beschäftigt den nun Arbeitslosen nur kurz. Verständlich, denn der an Demenz erkrankte Kriegsveteran hält ihn gehörig auf Trab. Übernachtet in einem Panzer, badet nackt in einem öffentlichen Brunnen, trägt nicht ganz unwesentlich zur großflächigen Brandrodung eines Gehöfts bei und entdeckt schließlich sogar sein Herz für Kühe.
Was die Brüder Kaurismäki für die Film-Szene sind, ist Arto Paasilinna für das Literatur-Genre. Mit “Der Sommer der lachenden Kühe” liefert er einen Roman im Stile eines Road-Movies, dessen Fülle grotesker Absurditäten beim Leser keine Wünsche offen lässt. Akribisch und gnadenlos lakonisch beschreibt der Autor Situationen und Gedanken seiner kongenialen Protagonisten. Dabei erfährt man mehr über Finnland als in einem Reiseführerr. Dass es sich nicht selten um Belanglosigkeiten handelt, die für den Fortgang der Geschichte unerheblich sind, macht den eigentlichen Reiz des Romans aus und verdeutlicht zugleich das Können Paasilinnas. Prädikat: völlig abgefahren!
Arto Paasilinna wurde 1942 in Kittilä/Lappland geboren und gilt als populärster Schriftsteller Finnlands. Alle seiner rund 40 erschienenen Romane wurden in andere Sprachen übersetzt und somit ebenfalls im Ausland zu Erfolgen. Paasilinna erhielt für etliche Romane, von denen viele auch verfilmt wurden, zahlreiche nationale und internationale Literaturpreise. Im Ehrenwirth-Verlag sind u.a. erschienen: “Die Giftköchin” und “Im Wald der gehenkten Füchse”. (Ensa Maurer)
Titel: Der Sommer der lachenden Kühe
Autor: Arto Paasilinna
Verlag: Ehrenwirth Verlag
Seiten: 223
ISBN: 3431036147
Ein Freund des Verblichenen
Erstellt am: November 12th, 2007‘Ich mußte nur noch einen erschwinglichen Killer finden, das Geld für sein Honorar auftreiben und dann würde der von mir ideal ausgedachte Mord ein weiteres ungelöstes Rätsel werden. Ein sinnloses Leben effektvoll zu beenden, reizte mich. Und bei den rätselhaften Morden gibt es noch einen bestechenden Aspekt – man schreibt häufig in Zeitungen und Büchern über sei, man erinnert sich an alle Einzelheiten und an den Namen des Opfers, so daß ich eine reale Chance hatte, wenn schon nicht für alle Ewigkeit, so doch für lange Zeit im Gedächtnis der Menschen zu bleiben.’
So kann wahrlich nur einer wie Tolja denken – einer, der des Lebens müde ist, weil seine Frau ihn betrügt, es aber nicht schafft, dem scheinbar sinnlosen Dasein selbst ein Ende zu setzen. Da kommt es ihm wie gerufen, eines Tages seinen alten Kumpel Dima, der nicht nur einen Kiosk, sondern überdies Kontakte zu dubiosen Kreisen hat, wieder zu treffen. Vermutend, dass Tolja den Liebhaber seiner Frau umbringen lassen wolle, verspricht er, ihm zu helfen und schanzt Kostja den Auftrag zu.
Um dem Killer die Arbeit zu erleichtern, präsentiert sich Tolja ihm stundenlang in seinem Stammcafé – vergebens, denn Kostja lässt sich nicht blicken. Ebenso alkoholisiert wie frustriert macht sich der widerwillig Überlebende auf den Heimweg und trifft eine junge Prostituierte. Er verbringt einige Tage mit ihr, will kein Geld von ihm, sondern nur, dass er sie mit ihrem richtigen Namen anspricht: Lena. Die Gefühle für sie lassen Tolja die Lust aufs Sterben gründlich vergehen, doch davon erfährt der angeheuerte Killer nichts.
“Ein Freund des Verblichenen” hat das Zeug, sich nahtlos in die Erfolgsserie vorheriger Romane von Andrej Kurkow einzureihen. Erneut entwickelt der Autor aus einer köstlich skurrilen Idee eine aberwitzige Geschichte, die keinerlei Schwächen aufweist und vom ersten bis zum letzten Wort ein Lesevergnügen par excellence ist. Doch es ist nicht nur die Story an sich, die besticht, sondern Kurkow weiß auch durch seine wunderbar lakonische, pointierte Sprache und nuanciert gezeichnete Charaktere zu überzeugen.
Andrej Kurkow wurde 1961 in St. Petersburg geboren und lebt seit seiner Kindheit in Kiew. Er studierte Sprachen, spricht derer elf, arbeitete als Redakteur, Kameramann und Gefängniswärter und hat etliche Drehbücher verfasst. Seit 1996 konzentriert er sich ganz auf die Schriftstellerei und pendelt zwischen seinen Wohnorten Kiew und London. “Ein Freund des Verblichenen” ist nach “Petrowitsch” und “Picknick auf dem Eis” das dritte Werk des Autors, das bei Diogenes veröffentlicht wurde. (Ensa Maurer)
Titel: Ein Freund des Verblichenen
Autor: Andrej Kurkow
Verlag: Diogens Verlag
Seiten: 141
ISBN: 3257062397
Es wird alles anders werden
Erstellt am: November 12th, 2007Valerie Wilson Wesley, die Erfinderin der sympathischen farbigen Privatdetektivin Tamara Hayle, hat ihre bisherige Heldin vorerst in Pension geschickt, und sich diesmal Eheproblemen unter Schwarzen zugewandt, die, wie man sich denken kann, sich von denen der Weißen in nichts unterscheiden.
“Das Unheil”, damit beginnt der Roman, “brach in einer Freitag nacht im Juni herein, eine Woche nach dem zehnten Hochzeitstag der Hutchinsons.” Es war ein heißer Tag gewesen, und in der Nacht hatte es sich auch nicht abgekühlt. Eva und ihr Mann Hutch waren sich wie üblich auf die Nerven gegangen. Da überraschte Hutch seine Frau mit der Mitteilung, er müsse weg von hier. Er sei nicht mehr glücklich. “Es herrscht keine Freude zwischen uns”, erklärt er ihr kurz und bündig. Eva – sie ist die zweite Frau von Hutch – fällt aus allen Wolken und macht ihrem Mann eine veritable Szene. Aber nichts hilft. Hutch zieht aus, und Eva bleibt weinend und unglücklich zurück. Erst viel später gewinnt sie dem Alleinsein vorübergehend auch positive Seiten ab.
Nach und nach erhält der Leser Einblick in eine verwickelte Familiengeschichte. Wir erfahren von Hutchs strengem Vater, von Evas verstorbener Mutter Louisa, mit der sich Eva vorübergehend überworfen hatte, als sie als Unverheiratete ihre Tochter Charley gebar, von ihrem Stiefsohn Steven, der aus Hutchs erster Ehe mit Irene stammt, und ihrem toten Baby aus ihrer Ehe mit Hutch.
Hutch sucht und findet zunächst Zuflucht bei seinem Freund Donald Mason und seiner Frau Raye. Donald ist ein notorisch untreuer Ehemann und wundert sich, dass einem ehrenwerten Mann Hutch so etwas wie Eheüberdruss widerfahren ist. Er rät ihm zur Scheidung. Aber davon will Hutch nichts wissen. Es kommt dann zu allerlei Missverständnissen, Verwicklungen, Verwirrungen und Turbulenzen zwischen einzelnen Eheleuten, Freunden und Kindern. Man geht kurzfristig Beziehungen ein, die über manche innere Ödnis und Betrübnis hinweghelfen. Natürlich spielen Gefühle wie Wut, Zorn, Verzagtheit, Niedergeschlagenheit, Schuldgefühle und auch Vorurteile eine Rolle. Eva und Hutch versuchen, sich wieder einander zuzuwenden, aber das ist leichter gedacht als getan, Eifersucht und ähnliche, oft einander widerstreitende Emotionen spielen ihnen häufig einen Streich, und es dauert dann noch eine ganze Weile, nachdem jeder für sich seine Lektion gelernt hat, ehe sie sich die zerstrittenen Eheleute endgültig versöhnen und Hutch zu Eva zurückkommt.
Valerie Wilson Wesley ist ein großartiger Roman gelungen mit witzigen Dialogen, feiner Ironie und glaubwürdigen Personen. (Ursula Homann)
Titel: Es wird alles anders werden
Autor: Valerie Wesley Wilson
Verlag: Diogenes
Seiten: 421
ISBN: 3257062907
Ein Engel für Emily
Erstellt am: November 12th, 2007Wann hat man schonmal die Chance eine Liebesgeschichte mit Engeln, Geistern und einem himmlischen Auftrag zu lesen? So gut wie nie, also sollte man dieses Buch keinesfalls verpassen, weil es um genau diese Dinge geht.
Emily Jane Todd ist Bibliothekarin in der kleinen Stadt Greenbriar. Das einzig Aufregende in ihrem Leben ist ihr Verlobter Donald der als Nachrichtensprecher in der Stadt arbeitet und sie immer nur am Wochenende besuchen kommt. Aber jetzt hat er sie mal wieder versetzt und Emily ist allein auf dem Weg in ein romantisches Wochenende, das ohne Begleitung bestimmt nicht mehr romantisch sein wird. Da steht plötzlich ein Mann auf der Straße und da sie viel zu schnell ist, überfährt Emily ihn. Erstaunlicherweise scheint er nicht verletzt zu sein, als sie ihn im Wald findet. Als er aber plötzlich anfängt zu erzählen er wäre ihr Schutzengel, nun das kann Emily ihm wirklich nicht glauben.
Sie nimmt ihn mit und findet bald heraus, daß sein Name Michael Chamberlain ist. Davon abgesehen das er behauptet ihr Schutzengel zu sein, scheint er sein Gedächtnis verloren zu haben. Dann aber sieht Emily im Fernsehen, daß er ein gesuchter Killer ist, der angeblich tot sein soll. Sie weiß nicht was sie von der ganzen Geschichte halten soll. Eins weiß sie mit Sicherheit, Michael ist nicht fähig jemanden umzubringen.
Also fliehen sie vor dem FBI, Michaels wütender Frau und der Mafia. Auch wenn er anscheinend ein paar “Zaubertricks” beherrscht, so kauft Emily ihm doch nicht ab das er auf die Erde geschickt wurde, um sie zu beschützen und das er nach der Erfüllung dieser Aufgabe wieder in den Himmel zurückkehren wird.
Bald stellt sich heraus das Donald doch nicht so sehr in seine Verlobte verliebt ist, wie es den Anschein hat. Außerdem versucht Emily herauszufinden warum man Michael verfolgt, aber da wird sie auf einmal selbst beinahe Opfer eines Bombenanschlags. Michael ist sich sicher er muß nur herausfinden wer Emily etwas böses will und sie davor beschützen, damit er wieder in den Himmel zurückkehren kann. Aber er hat nicht all die Jahre auf sie aufgepaßt, ohne sich in sie zu verlieben. Und auch Emily kann sich bald ein Leben ohne den Engel an ihrer Seite nicht mehr vorstellen.
Was hat der Himmel wirklich mit ihnen vor?
Eine bezaubernde Geschichte über die Hierachie im Himmel, die Liebe auf der Erde und zwei Geschöpfe die sämtliche Regeln brechen, sofern es welche gibt. Jude Deveraux garantiert immer noch mit
Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke und Moments
Titel: Ein Engel für Emily
Autor: Jude Deveraux
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 290
ISBN: 3404146611
Königinnen
Erstellt am: November 12th, 2007Wer glaubt, bei Elke Naters “Königinnen” handle es sich um bekannte lebende oder historische Persönlichkeiten wie etwa Maria Stuart und Elisabeth, die Königin von England, oder gar um Prinzessin Diana, der ist auf dem Holzweg. Nein, die Königinnen, von denen hier die Rede, sind zwei junge Frauen um die dreißig, die im heutigen Berlin leben und abwechselnd von ihren Kümmernissen und kleinen Sorgen erzählen, von dem Verdruss, den sie mit ihrem Friseur und ihrer Frisur haben, ganz zu schweigen von den Ärgernissen, die ihnen die jungen Männer, die Familie und andere bereiten. Königinnen sind Maria und Gloria nur im KaDeWe, wo sie mit ihrer goldenen Kundenkarte einkaufen können, “egal, wie viel Geld sie auf ihrem Konto” haben. Wenn sie traurig sind und kein Geld haben, lädt eine die andere dort zu einem Einkaufsbummel ein. Sie gehen dann in die Parfümerieabteilung, probieren alle möglichen Lippenstifte und Cremes aus und versuchen auf diese Weise, mit den eigenen miesen Stimmungen fertig zu werden.
In einem schnoddrigen Stil erzählt Elke Naters, die seit einiger Zeit ebenfalls in Berlin wohnt, vom Großstadtleben und Alltag dieser beiden Frauen. Die eine, Gloria, hat Mann und Kind und ist wieder schwanger, die zweite, Marie, dagegen hat den Richtigen immer noch nicht gefunden und beneidet ein wenig ihre Freundin. Diese aber sieht sich mitunter genervt von Verwandten und dem häuslichen Einerlei und ist daher auch nicht immer ganz glücklich.
Beide pendeln im Großstadtdschungel hin und her, zwischen Kneipenbesuchen und Langeweile, vertreiben sich die Zeit mit allerlei Lappalien und Banalitäten und fühlen sich mitunter vom Leben erschöpft oder angewidert. Hin und wieder streiten sie auch miteinander, um am Ende festzustellen – Marie spricht es aus -, dass doch im Grunde jede in der anderen “eine großartige Freundin” hat, ohne die es keine von ihnen “in dieser verrotteten Stadt” überhaupt aushalten könnte. (Ursula Homann)
Titel: Königinnen
Autor: Elke Naters
Verlag: dtv
Seiten: 151
ISBN: 3423127945
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