Das Blütenstaubzimmer

Erstellt am: November 12th, 2007

Das Buch erzählt die Geschichte von Jo, einer jungen Frau, die in ein nicht näher bezeichnetes südeuropäisches Land reist, um dort ihre Mutter wiederzusehen, die sich vor zwölf Jahren dort mit Alois, ihrem zweiten Mann niedergelassen hat. Jo hat gerade das Abitur gemacht und bisher bei ihrem Vater, einem erfolglosen Kinderbuchautor, gelebt.

Ihre Annährung an Lucy, die Mutter, gestaltet sich schwierig, denn Lucy hat genug damit zu tun, ihr eigenes Leben einigermaßen in den Griff zu bekommen. Als Alois bei einem Unfall unter mysteriösen Umständen ums Leben kommt, schottet sie sich zunächst in dessen verwaistem Atelier völlig ab, taucht diesen Raum mit Hilfe von ungezählten Blumen in eine Wolke von Pollen und verwandelt ihn so in ein Blütenstaubzimmer.

Jo gelingt es, ihre Muter aus diesem Zimmer und ihrer selbstgewählten Isolation zurück zu holen, doch ansonsten ändert sich an dem sehr distanzierten Verhältnis der beiden Frauen nichts.

Frustriert kehrt Jo schließlich nach Deutschland zu ihrem Vater zurück, doch auch hier muss sie erkennen, dass sie ein Störfaktor ist, der die Idylle, die der Vater mit seiner neuen Partnerin Anna aufbaut, belastet. So bleibt ihr am Ende nichts anderes übrig, als sich eine Wohnung zu suchen und sich auf eigene Füße zu stellen.

Zoe Jenny versteht es, mit wenigen Worten plastisch zu erzählen. Der Roman ist knapp und dicht geschrieben und der Autorin gelingen einige eindringliche Bilde und sehr schöne Metaphern. Was die sprachliche Qualität angeht, gibt es an dem kleinen Buch nichts auszusetzen.

Was mich stört, sind eher inhaltliche Aspekte. Ich mag keine Geschichten, in denen fast ausschließlich psychisch kaputte Typen vorkommen.

Lucy, die Mutter, ist, um es einmal salopp zu formulieren, völlig plemplem, Alois, ihr Mann hat vermutlich Selbstmord begangen, Jo, die Hauptakteurin, ist zumindest leicht neurotisch, ihre neue Freundin Rea massiv beziehungsgestört und Jos Vater, sowie die übrigen Randfiguren verhalten sich auch mehr oder weniger merkwürdig. Solche Romane ziehen mich runter – und sie entsprechen (zum Glück!) auch nicht ganz der Realität. Zwar laufen uns im wirklichen Leben tatsächlich ziemlich viele verkorkste Leute über den Weg, aber erfreulicherweise gibt es doch auch noch genügend Menschen, die zumindest halbwegs normal sind und denen das Leben Freud macht. Daher kann ich dem Roman trotz seiner unbestrittenen sprachlichen Qualität nur eine mittelmäßige Bewertung zukommen lassen.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.

Titel: Das Blütenstaubzimmer
Autor: Zoe Jenny
Verlag: Goldmann Verlag
Seiten: 121
ISBN: 3442723833

Klopf nicht an diese Wand

Erstellt am: November 8th, 2007

“Es gibt nichts mehr, was ich für dich tun könnte oder womit ich dir Freude machen könnte. Ich liege mit einem anderen, aber dich liebe ich. Ich bin geflohen und lasse dir die Weiten der Freiheit. Tu alles, was du willst, aber klopf nicht an diese Wand, das macht Lärm, wir werden uns zuwinken, das wird das Zeichen zwischen uns sein.” Diese Worte, die vor vielen hundert Jahren eine Frau an ihren Geliebten schrieb und die über dem Eingang zu einer im heutigen Israel gelegenen Grabhöhle aus dem dritten Jahrhundert stehen, richtete auch Alma schriftlich an Amnon, einen Buchhändler in Jerusalem, den sie liebte, obwohl sie längst mit Elischa Malkin verheiratet war. Als die Erzählung einsetzt, ist Alma schon elf Jahre tot – sie starb bei der Geburt der Tochter Heda – und jedes Jahr bittet der Vorbeter der Chewra kaddischa, sie möge in Frieden ruhen, ohne zu ahnen, dass zwei Menschen ihre Ruhe stören. Elischa, von dem man sagt, seine Liebe sei so stark wie der Tod, und die fünfundzwanzigjährige Ich-Erzählerin Jiska Simon, genannt Ossi. Sie liebt Elischa und möchte ihn aus dem Bann seiner toten Frau befreien. Sie sucht die Menschen auf, die Alma gekannt haben, so die Hebamme und den Arzt Dr.Schejnfeld in Jerusalem, die beide bei Hedas Geburt und Almas Tod zugegen waren. Dr. Schejnfeld wird bald darauf Ossis Geliebter.

Beheimatet sind Elischa, Ossi und viele andere Personen, die in dieser Geschichte vorkommen, in der streng religiösen landwirtschaftlichen Siedlung Moschaw im Norden Israels, wo man nach strengen Regeln lebt. Ossis Ehelosigkeit ist ein großer Stachel für ihre Eltern, da es dem Ruf der Familie schadet, wenn religiöse Mädchen aus guten Familien lange unverheiratet bleiben. Ossis ehemalige Schulfreundinnen sind schon alle verheiratet und bringen, wie alle Frauen in dieser frommen Siedlung, Jahr für Jahr ein Kind auf die Welt. Ossi aber will Karriere machen “auf dem Gebiet der Freiheit”, wie sie sagt. Ihr fehlt viel Luft im Heimatdorf, und so macht sie sich immer wieder auf den Weg nach Jerusalem.

Doch da ist noch Heda, der man alle vier Wochen sämtliche Haare abschneidet, weil ihre Mutter geglaubt hatte, ihre eigenen langen Haare seien schuld an ihrem traurigen Schicksal. Aber je älter Heda wird, desto mehr leidet sie darunter. Schließlich begehrt sie auf.

Wie beide, Ossi und Heda, ihren eigenen individuellen Weg finden, erzählt Mira Magén in einer bilderreichen Sprache, spannend, facettenreich, mit einer großen Meisterschaft. Den Namen der Autorin wird man sich nicht nur in Israel merken müssen. (Ursula Homann)

Titel: Klopf nicht an diese Wand
Autor: Mira Magén
Verlag: dtv
Seiten: 331
ISBN: 342324250

Der Fechtmeister

Erstellt am: November 8th, 2007

“Wir schreiben das Jahr 1868 im Madrid der Königin Isabella. Eine geheimnisvolle Frau bedrängt den alten Fechtmeister Jaime Astarloa. Die schöne Unbekannte trägt die feinsten Kleider, aber ihr Handgelenk ist stark. Was will sie bei ihm lernen? Woher weiß sie, dass er einen beinahe unparierbaren Stoß beherrscht, einen tödlichen Stoß? Warum will sie ihm dieses Wissen unbedingt entreißen?

Die Welt des Fechtens und der noblen Gesinnung, das ist die Welt des Don Jaime, eine Welt, in der Auge in Auge gekämpft wurde, Mann gegen Mann, aber die Zeiten haben sich geändert. Wo mit Pistolen geschossen wird, ist ein Fechtlehrer überflüssig. Doch als sich Don Jaime, der sich in der Rolle eines bedächtigen, über den Dingen stehenden Zuschauers eingerichtet hat, in eine mörderische Intrige verwickelt wird, muss er in einem Kampf auf Leben und Tod noch einmal zeigen, dass er ein Mann ist, und lernen, dass er zu hochmütig war.”

Ein äußerst spannender Thriller, eine Geschichte um Macht und Rache. Politische Entscheidungen, die geprägt sind vom Ende einer europäischen Epoche. Durch das Erscheinen Adela de Oteros, die Don Jaime bedrängt, ihr sein Geheimnis, einen nicht parierbaren tödlichen Fechtstoß zu verraten, wird für ihn alles noch mal, zum letzten Mal, ganz anders. Plötzlich steht er inmitten einer Intrige, die eine ganze Nation in ihren Grundfesten zu erschüttern droht. Was ist es wirklich, das ihn dazu drängt, sein letztes Gefecht auszutragen? Seine Verliebtheit in Adela oder der Versuch so zu sterben wie er gelebt hat, ehrenvoll und ritterlich?

Auch drängen sich dem Leser vor dem historischen Kontext des Romans andere Fragen auf: Warum ist es ausgerechnet eine Frau, die zu Don Jaime kommt um seine eher altertümliche Kunst zu erlernen? Warum überhaupt diese Art der Kampfkunst? Pérez-Reverte verlangt von seinem Leser Grundkenntnisse der Epoche, erklärt jedoch genug, um zu verhindern, dass man auf dem Weg verloren geht; das gilt für den historischen Hintergrund ebenso wie für das Fechten.

Ein gelungener Krimi, zu keiner Zeit langweilig, auch wenn man sich manchmal wünscht, das die Bilder nicht ganz so detailliert gemalt werden. “Der Fechtmeister” protzt nicht mit vordergründiger Spannung und Action. Er vermittelt sofort ein solches Einverständnis mit den Ideen und Handlungen des Protagonisten, das man auf jeden Fall mit ihm zusammen erfahren möchte, was faul ist in der Stadt Madrid und mit ihren Mächtigen.

Kritik geschrieben von Dorothee Buettgen, Herausgeberin von “Bookworm’s Lair”

Titel: Der Fechtmeister
Autor: Arturo Pérez-Reverte
Verlag: Weitbrecht Verlag
Seiten: 282
ISBN: 3442723221

Anleitung zum Unschuldigsein

Erstellt am: November 8th, 2007

Bei allem Ärger und Aufwand, der aus dem hier zu Lande herrschenden Wahn akkurater Mülltrennung resultiert: Die strikte Unterteilung in Glas-, Papier-, Bio- und sonstigen Abfall hat auch durchaus positive Aspekte, findet jedenfalls Florian Illies, der ausländische Gäste gern durch sein kunterbuntes Sammelsurium bunter Tonnen in der heimischen Küche beeindruckt.
Wesentlich schwerer fällt es ihm da schon, freien Tagen etwas Erfreuliches abzugewinnen, die mit dem lang ersehnten Ausschlafen eingeläutet werden sollen – und mit schöner Regelmäßigkeit von unruhigen Geistern wie Handwerkern oder Müllmännern vereitelt werden.
Auch pakistanische Rosenverkäufer und alte Klassenkameraden bieten optimale Gelegenheiten, das eigene schlechte Gewissen zu begrüßen. Erstere können eben nicht einfach ignoriert werden, weil sie Ausländer sind und man schließlich political correct sein will. Und Begegnungen mit Letzteren sind für manches von Selbstzweifeln dominiertes Fiasko prädestiniert, wenn man sich ihrer Namen nicht mehr erinnert, sie aber sofort wissen, wen sie vor sich haben.

Während obige Wurzeln für Schuldgefühle nach Umschreibungen und Erklärungen verlangen, kommen hingegen einige Lektionen des Buches mit der bloßen Nennung des Titels aus: ‘Heute gehe ich rauchend bei Rot über eine Ampel, an der drei Mütter mit ihren Kindern warten’ oder ‘Heute lasse ich mir von einem Schuhputzer auf der Straße vor aller Augen minutenlang die Schuhe putzen’.

“Anleitung zum Unschuldigsein” ist eine wahre Fundgrube für alltägliche Dinge, die man machen sollte und müsste – aber auch lassen kann. Wem das nicht aus eigenem Antrieb gelingt, dem seien die praktischen Übungen (beispielsweise: “Heute sagen wir Bernd, der die FDP gewählt hat, dass er auch wie ein FDP-Wähler aussieht!”) am Ende jeden Kapitels empfohlen. Florian Illies’ “Generation Golf”-Nachfolger, vom Verlag im Klappentext als “Problemzonengymnastik für den Kopf” tituliert, strotzt nur so vor gut beobachteten Verhaltensmustern, Moralisierungen und kleinen oder größeren Gemeinheiten, die entweder Schuldgefühle provozieren – oder aber die fatale Einsicht, völlig skrupellos zu sein. Unentschlossene finden möglicherweise im Stichwortregister (von A wie Abfallwirtschaftsproseminar bis Z wie 2. Klasse) wenigstens einen guten Grund für ein schlechtes Gewissen.

Florian Illies wurde 1971 geboren und arbeitet als Feuilleton-Redakteur für die FAZ in Berlin. Im Jahre 2000 gelang ihm mit seiner amüsant-melancholischen Retrospektive “Generation Golf” auf Anhieb der Sprung in die Bestsellerlisten. (Ensa Maurer)

Titel: Anleitung zum Unschuldigsein
Autor: Florian Illies
Verlag: Argon Verlag
Seiten: 252
ISBN: 3870245441

Yeti

Erstellt am: November 8th, 2007

Iona, ein von ihren reichen Eltern vernachlässigtes Mädchen, wird von Alpträumen geplagt. Menschenaffenartige Monster machen ihre Träume unsicher und versetzten sie immer wieder in Panik. Zuneigung bekommt sie hauptsächlich von Bediensteten und einigen, wenigen Verwandten. Als ihre Eltern vor der Scheidung stehen, schicken sie Iona mit ihrem Onkel auf eine Expedition um ihr den Presserummel zu ersparen.

Dieser Onkel ist Biologe und reist in die Berge Nepals um nach einer seltenen Primel zu suchen. In Nepal schlagen sie für einige Zeit mit ihren Scherpas und Träger ein Lager auf einem Plateau auf, um sich langsam zu akklimatisieren und an die Höhe zu gewöhnen. Eines Nachts schreckt Iona in Panik aus einem ihrer Alpträume auf und flieht in einen starken Schneesturm hinaus. Schnell verliert sie die Orientierung und stürzt über den Rand des Plateaus tief in ein Tal hinunter in einen Fluss.

Sie wird bald, wie durch ein Wunder unverletzt, an das Ufer gespült. Als sie erwacht, sieht sie sich einem Wesen gegenüber, dass den Monstern aus ihren Alpträumen gleicht. Sie wir von ihm kurz entschlossen in sein Dorf gebracht, nachdem er gemerkt hat, dass sie noch lebt. Nach dem anfänglichen Schrecken, gewöhnt sie sich langsam an die fremde, primitive Umgebung. Sie lernt sogar ziemlich schnell ihre Sprache und erfährt so, dass es sich um Yetis handelt. Sie erfährt auch von den großen Problemen, denen die Yetis gerade gegenüberstehen. Neben dem Dorf in dem sie sich aufhält, und deren Bewohner sich durch das Sammeln von Samen, Wurzeln und Früchten ernähren, gibt es noch einen Stamm in den Bergen, der aus Jägern besteht. Doch in den Bergen ist das Wild verschwunden und der Bergstamm steht vor einer Hungersnot und bittet die Talbewohner um Hilfe. Im Tal gibt es aber auch nicht genug Nahrung für beide Stämme. Der uralte Weise der Yetis erklärt, dass Iona eine wichtige Änderung zum Positiven oder Negativen bringen wird, und so wird sie in das Leben der Yetis hineingezogen.

Ein moderner, gelungener Abenteuerroman mit einer spannenden Geschichte und einer sympathischen Heldin rund um als eine Art Steinzeitmenschen dargestellten Yetigesellschaft. Manches griff der Autor zwar ein bisschen tief in Kitschkiste, so zum Beispiel beim Hauptcharakter der Yetis, der dann ausgerechnet einen Schneeleoparden als Haustier haben muss. Da aber ohnehin der gesamte Hintergrund weit abseits jeder Realität ist, spielt das auch keine große Rolle mehr. Das Ganze erinnert etwas an einen weiblichen Mogli (Dschungelbuch) mit einem kräftigen Schuss Fantasy. Wer sich aber daran nicht stört, bekommt ein gutes Stück Unterhaltung zum Lesen, das sich auch hervorragend als Lektüre für Jugendliche um die Zwölf herum eignen sollte.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Yeti
Autor: Nicholas Luard
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 530
ISBN: 340414418X

So fern wie ein Traum

Erstellt am: November 8th, 2007

Laura Templeton hat es schwer getroffen, dass ihre Ehe in die Brüche ging. Jetzt ist sie eine alleinerziehende Mutter mit zwei kleinen Mädchen, von denen eins einfach nicht begreifen will, warum ihr Vater sich nicht für sie interessiert. Laura will den Kindern nicht sagen, das ihr Vater auch noch das ganze Geld hat mitgehen lassen. So arbeitet sie tagsüber im Templeton Hotel, welches zwar der Familie gehört, aber sie möchte auf eigenen Beinen stehen und später dann am Nachmittag hilft sie in Laden aus, der ihr und ihren Freundinnen gehört. Und zwischen all den Verpflichtungen versucht sie eine gute Mutter zu sein und den Haushalt am laufen zu halten.

Da fragt sie ihr Bruder Josh, ob sein Freund Michael Fury seine Pferde in ihrem Stall unterstellen kann, bei einem Erdrutsch wurde sein Anwesen zerstört. Laura kennt Michael noch aus früheren Zeiten und da sie das Geld dringend gebrauchen kann, sagt sie zu.

Michael und Laura treffen immer öfters aufeinander. In den letzten Monaten hat sie nur für ihre Familie gelebt, da wird Laura bewusst, dass sie sich auch wieder als Frau fühlen will. Und Michael scheint nicht nur die Mädchen zu mögen, sondern auch ihre Mutter. Aber ist das genug für eine längerfristige Beziehung?

Er ist ein Mann der von einem Ort zu anderen reiste, kann er wirklich sesshaft werden?

Ein faszinierender Schluss dieser einfühlsamen Trilogie. Nora Roberts kann Gefühle wunderbar in Worte fassen. Ihre Beschreibungen wirken lebhaft und fesseln den Leser mit jeder Seite mehr. Man wünscht, die Geschichte würde nie zu ende gehen.

Kritik geschrieben von IW, Herausgeberin von “Die romantische Bücherecke” (www.die-buecherecke.de)

Titel: So fern wie ein Traum
Autor: Nora Robberts
Verlag: Goldmann / Blanvalet
Seiten: 444
ISBN: 3442352800

Penny Maybe

Erstellt am: November 8th, 2007

Penny ist arm dran. Das beginnt schon mit dem Namen. Er kommt nicht von der geheimnisvollen Penelope, sondern schlicht und einfach von Penny, der Münze. Eines Tages fasst sie den Plan, den Ontariosee zu durchschwimmen, um den “Fußtritten des Lebens”, denen sie immer wieder ausgesetzt ist, etwas Großartiges entgegenzusetzen. Es ist nicht das erste große Abenteuer, das Penny plant. Als sie mit sieben Jahren ihre Eltern durch einen Autounfall verlor, oder um in der schnoddrigen Sprache von Penny zu bleiben, als sich ihre Eltern “verkrümelten”, bei denen sie ohnehin das Gefühl gehabt hatte, von ihnen nicht richtig geliebt zu werden, wollte sie fliegen lernen. Aber als sie bei ihrem Sprung aus dem Schlafzimmer sich einen ihrer dünnen Kinderarme brach, gab sie diesen Vorsatz wieder auf.

Mittlerweile hat sich Penny zu einem raffinierten kleinen Luder entwickelt, das, wie sie selbst bekennt, auf alles eine Antwort hat und ein Lügengespinst um sich errichtet. Sie wechselt ihre Pflegeeltern wie andere ihr Hemd, zuletzt landet sie als Sechzehnjährige bei Helen und Dan und hat Schwierigkeiten, mit Helen klar zu kommen. Sie läuft wieder weg, nicht ohne sich vorher mit dem nötigen Kleingeld versehen zu haben und übernächtigt im Park. Erst später wird ihr klar, dass auch in dieser Ehe manches nicht stimmt.

Verliebt ist Penny übrigens in Chester. Doch leider hat dieser sich in eine andere verguckt, und als sie Tony näher kennen lernt, muss sie von ihm erfahren, dass er schwul ist. Aber da ist noch Marilyn mit ihrem kleinen Sohn Joey. Sie begegnet beiden, als sie auf den Zoo-Bus wartet. Gemeinsam verbringen die drei anregende Stunden im Zoo. Penny kann zwar nicht, wie sie gerne möchte, bei ihnen wohnen, aber Marilyn steht ihrem Vorhaben, den Ontario-See zu durchschwimmen, nicht so skeptisch gegenüber wie all die anderen.

Penny bittet ihre Physiklehrerin Mrs.Canyon um Rat und wird tatsächlich nach einigem Hin und her von ihr unterstützt. Plötzlich beginnen sich auch die anderen, die immer wieder Pennys Weg kreuzen, ihr Schwimmvorhaben ernst zu nehmen. Was genau daraus wird, erfahren wir nicht, nur so viel, dass viele ihrer Bekannten eines Tages in einem Boot auf dem Ontariosee sitzen und darauf warten, dass Penny losschwimmt. Mit dem Satz der Icherzählerin “Ich wate ins Wasser” endet die turbulente Geschichte, die sicher ihre Leser finden wird.

Es ist der erste Roman der in Toronto geborenen Kathleen Martin, die bisher Drehbücher und Theaterstücke verfasst hat und dafür mit zahlreichen Preisen bedacht wurde. (Ursula Homann)

Titel: Penny Maybe
Autor: Kathleen Martin
Verlag: Aufbau Verlag
Seiten: 184
ISBN: 3351029187

Indalo – Der Gott der Liebenden

Erstellt am: November 7th, 2007

Andalusien 1489: Die Inquisition greift auch auf das maurische Spanien über. Die Bewohner der Region Mojácar bekommen das ebenfalls zu spüren. In der Zeit wachsen dort vier junge Menschen heran, deren Schicksal einmal miteinander verknüpft sein wird. Da ist Chalid Al-Abez, der Sohn des Statthalters, ein Maure. Sein bester Freund ist Aron Ibn Daud, ein Jude. Und dann gibt es da noch zwei Christen, Catalina die Tochter des Töpfers und Ignacio, ihr Nachbar, der sie von klein auf ärgert. Chalid, Aron und Catalina werden die besten Freunde, trotz ihrer unterschiedlichen Glaubensrichtungen. Chalid wird zu einem kühnen Kämpfer gegen die spanische Königin Isabella von Kastilien und ihren Ehemann Fernando von Aragon, die versuchen den Leuten den christlichen Glauben aufzuzwingen. Aron kämpft ebenfalls im Krieg und wird ein Schmuggler. Catalina jedoch führt den Haushalt ihres Vaters und glaubt in Chalid ihren Traumprinzen gefunden zu haben.

Die Jahre ziehen ins Land und der Krieg weitet sich aus. Ignacio, der seitdem er Catalinas Schönheit erkannt hat ein Auge auf sie geworfen hat, wirbt bei ihrem Vater um ihre Hand. Catalina jedoch will den grobschlächtigen Mann, der mittlerweile Stadtwächter ist, um keinen Preis heiraten. Im Laufe der Zeit hat sie entdeckt, dass sie für Aron mehr als nur freundschaftliche Gefühle empfindet. Eine Heirat zwischen einem Juden und einer Christin ist jedoch aussichtslos, selbst wenn die Inquisition nicht wäre. Ignacio derweil nährt seinen Hass gegen Chalid und Aron. Je länger der Krieg dauert, desto mehr spitzt sich die Situation zu, nicht nur im Krieg auch zwischen den vier jungen Menschen. Wird es überhaupt ein gutes Ende geben können? Und wie passt eigentlich der Indalo, ein steinzeitlicher Regengott und Glücksbringer in die Geschichte?

Mit “Indalo – Der Gott der Liebenden” erweckt Christiane Gohl lebthaft die Vergangenheit Mojácars, ihrem heutigen Wohnort, wieder zum Leben. Leider geht bei den vielen historischen Details die Liebesgeschichte etwas unter. Trotzdem kann man das Buch allen empfehlen, die sich für Geschichten rund um Andalusien und die Zeit der Inquisition interessieren. Hilfreich ist auch das Lesezeichen mit den wichtigsten handelnden Personen, das dem Buch beiliegt. Bei all den fremdländischen Namen, verliert man nämlich schnell den Überblick.

Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke und Moments

Titel: Indalo – Der Gott der Liebenden
Autor: Christiane Gohl
Verlag: Herbig
Seiten: 416
ISBN: 3776622318

Die große Umwendung

Erstellt am: November 7th, 2007

Eine Million Exemplare wurden von dem 1983 erstmals erschienenen Buch Briefe in die chinesische Vergangenheit verkauft – da muss ganz einfach eine Fortsetzung geschrieben werden. Nun, Herbert Rosendorfer hat das mit nicht weniger Kunstfertigkeit als beim ersten Mal getan, und so ist auch der zweite Band eine wundervolle Satire über das Deutschland nach der Wende geworden, wobei sich Rosendorfer insbesondere Leipzig und Berlin, das hier “Haste mal ne Mark für mich” heißt, vornimmt, aber auch New York, Washington und Rom. Fünfzehn Jahre nach seiner ersten Zeitreise in die Zukunft ist der Mandarin Kao-tai durch widrige Umstände gezwungen, in das zwanzigste Jahrhundert zu fliehen, wobei er mit zwei Problemen zu kämpfen hat: Erstens muss er seinen Freund und Gönner, Professor Shi-shmi, wiederfinden, der gerade in New York weilt, wie er schließlich herausfindet, und er muss Informationen über seine eigene Vergangenheit beschaffen, um herauszufinden, wann seine Feinde das Zeitliche gesegnet haben und er ungefährdet wieder zurückreisen kann.

Das bietet natürlich jede Menge Gelegenheit, aus der Sicht eines völlig Unvoreingenommenen die Zustände dieser Welt zu schildern und zu demaskieren, gemildert mit viel Humor, gewürzt mit einer abwechslungsreichen Handlung (ohne die auch die schönste Satire bald abstumpft) und dargeboten in Kao-tais unnachahmlicher komisch-gestelzter Sprache:

S’u-s’i sagte etwas, das ich nur ungern wiedergebe und in etwa bedeutete: befeuchte mit deiner Zunge die Körperstelle, auf der ich zu sitzen pflege. Das tat sich natürlich nicht; es war wohl metaphorisch gemeint.

Aufgefallen ist mir bei diesem zweiten Band, dass Rosendorfer bei den Berichten Kao-tais offenbar ganz stark auf eigene Erfahrungen zurückgreift, daß er selbst dies alles erlebt haben muß (ein Besuch im Parzifal in Bayreuth zum Beispiel) und die Personen, die hier auftreten, persönlich kennen muss (etwa den Maler Prechtl, den Rosendorfer offenbar über alles schätzt). War das im ersten Buch nicht so deutlich spürbar oder habe ich es nur nicht so wahrgenommen? Wie auch immer, Rosendorfer macht sich damit sicherlich nicht nur Freunde, denn der redefreudige Spong-Fan, den er im Erster-Klasse-Abteil des Flugzeugs kennenlernt und den er stets als den Kindergesäßgesichtigen tituliert, entpuppt sich später als niemand anders als Franz Beckenbauer.

Kritik geschrieben von “Fantasia – Magazin für Phantastik”: www.edfc.de, edfc@edfc.de

Titel: Die große Umwendung
Autor: Herbert Rosendorfer
Verlag: dtv
Seiten: 200
ISBN: 3423126949

Das papierne Labyrinth

Erstellt am: November 7th, 2007

Marco Koskas reist zusammen mit seinem Freund Opianski nach Indien, um sich sein Schicksal aus dem heiligen Buch des Bhrigu Shastri verkünden zu lassen. In diesem Buch sind die vergangenen, gegenwärtigen und und zukünftigen Schicksale aller Menschen verzeichnet – allerdings nicht aller, die jemals gelegt haben und jemals leben werden, denn schon schon die erstere Hälfte davon umfasst 80 Milliarden, sondern die Schicksale aller, die das Buch jemals befragt haben und jemals befragen werden (das Buch ist ökonomisch). Aber selbst in dieser Selbstbeschränkung wiegt das aus losen Blättern, Patras genannt, bestehende Buch eineinhalb Tonnen.

Sein gegenwärtiger Hüter ist Ram Kamur Sharma, dessen Großvater Pandit Deshraj es wiederentdeckt hat. Dieser war es auch, der den unentbehrlichen astrologischen Index dazu angefertigt hat, ohne dessen Hilfe das Auffinden eines Patras reine Glücksache wäre, aber auch so dauert es noch etwa zwei Monate, bis eine Patra aus dem mehr oder minder geordneten, bei der Flucht aus Parkistan durcheinandergekommen (oder völlig verbrannten, wie Professor Damodar Jah, ein Augenzeuge, behauptet) Konvolut herausgesucht werden kann. Marco Koskas hat besonderes Pech, weil seine sich gar nicht in dem Besitz von Ram Kamur befindet, sondern in dem seiner Tante, mit der letzterer das Buch geteilt hat.

Nach der Rückkehr nach Frankreich erhält allerdings ausgerechnet der Skeptiker Opianski von Ram Kamur den übersetzten Inhalt seiner Patra, die zumindest in der Darlegung von dessen Vergangenheit verblüffend genau ist.

Der Verlag bezeichnet dieses Werk als Roman, aber allem Anschein nach berichtet Marco Koskas von einer Reise, die er wirklich unternommen hat. Während die französische Erstausgabe nämlich nur den Text Koskas enthielt, umfasst die deutsche auch eine Vielzahl von Fotos, Billets, Zeitungsausschnitten, Briefumschlägen und Rechnungen, die der Autor von seiner Indienreise mitgebracht hat – und alles, worüber er in Das papierne Labyrinth berichtet, ist durch Dokumente genau belegt, sogar die Existenz des Buches, das hier als Bighru Samhita bezeichnet wird und dessen Blätterzahl mehrere Millionen betragen soll.

Wie dem auch sei, Das papierne Labyrinth ist nicht nur ein sehr interessantes, sondern auch ausgesprochen ästhetisch gestaltetes Buch, dessen Lektüre ein doppeltes Vergnügen bereitet.

Kritik geschrieben von “Fantasia – Magazin für Phantastik”: www.edfc.de, edfc@edfc.de

Titel: Das papierne Labyrinth
Autor: Marco Koskas
Verlag: Scherz Verlag
Seiten: 127
ISBN: 3502119155

Weitere Buchbesprechungen im Lesertreff: