Die Herren Hansen erobern die Welt

Erstellt am: November 7th, 2007

Sebastian Hansen ist 34 Jahre alt und als Werbetexter tätig. Hauptberuflich ist er jedoch allein erziehender Vater des munteren, zweijährigen G(eplatzter)G(ummi)-Produkts Paul, der mit Vorliebe das Bad zum großen Planschbecken macht, um als Wassermonster den Fluten entsteigen zu können. Miriam, die Mutter des Sprösslings, die ‘nicht mehr Wärme als ein Nogger braucht’, hat ihre beiden Männer schon sehr früh sich selbst überlassen, um sich Herrn Frühstück zuzuwenden. Denn der hat in fast jeder Beziehung – wer möchte schon “Frühstück” heißen? – mehr als Sebastian zu bieten: mehr Haus, mehr Auto, mehr Wohlstand und mehr Ansehen. Wenig enthusiastisch ist hingegen Miriams Interesse, sich an Pauls Erziehung zu beteiligen. Darauf beharrt sie lediglich, wenn es darum geht, dem Sohn beispielsweise Reservierungen für noch in weiter Ferne liegende Klavierstunden bei einer musikalischen Koryphäe angedeihen zu lassen.

Verständlich, dass bei Sebastians Überlegungen für seine private Zukunft der Wunsch, eine neue Partnerin für sich zu finden, eine größere Rolle spielt als der, Paul eine Ersatzmutter präsentieren zu müssen. Schließlich kommen die beiden auch ohne Miriams Zutun gut zurecht.

Schließlich jedoch nutzt Sebastian den Moment, in dem seine ‘Frau Frühstück-Neurose’ ohnmächtig am Boden liegt und nimmt allen Mut zusammen, seine Kollegin Andrea um ein Rendezvous zu bitten. Die ergreift spontan die langersehnte Gelegenheit, erobert sein Herz und obendrein prompt Paul im Sturm. Doch die pure, verliebte Glückseligkeit bekommt bereits am Morgen nach der ersten gemeinsamen Nacht einen Dämpfer, als Miriam ihren Ex mit einer echten Hiobsbotschaft überrascht. Da lassen weitere Turbulenzen natürlich nicht lange auf sich warten…

Gernot Gricksch beschreibt in seinem Buch “Die Herren Hansen erobern die Welt” äußerst lebhaft, mit aberwitzigen Dialogen und urkomischen Metaphern den Alltag eines allein erziehenden Vaters. Dabei kommen die Konflikte, die sich für seinen Protagonisten mit der Suche nach einer neuen Partnerin ergeben, nicht zu kurz, und auch um das brisante Thema des Streits um das elterliche Sorgerecht – wohlgemerkt: aus der Perspektive des Vaters! – macht Gernot Gricksch keinen Bogen, sondern geht eindrucksvoll ungeschönt auf die Problematik ein.

“Die Herren Hansen erobern die Welt” ist der erste Roman des in Hamburg lebenden, 36-jährigen Autors, freien Journalisten und Filmkritikers Gernot Gricksch. Er schreibt u.a. für die Zeitschriften Allegra, Max und Cinema. (Ensa Maurer)

Titel: Die Herren Hansen erobern die Welt
Autor: Gernot Gricksch
Verlag: Knaur
Seiten: 255
ISBN: 3426614677

Gelber Kaiser

Erstellt am: November 7th, 2007

1931 herrschen in China fast überall die Kriegsherrn über ihre jeweiligen gebiete. In der Provinz Hunan ist es General Zhang. Dort ist auch der Missionar John Farlane tätig und wird vom General in seien Bemühungen unterstützt. Farlane hat sich diese Unterstützung durch von ihm in die Wege geleitete Waffenkäufe in Amerika erkauft. Als es zu einer Auseinandersetzung zwischen ihm und dem General wegen gefolterter und hingerichteter Angehörigen seiner Gemeinde kommt, zeigt er sein wahres Gesicht. Er bedroht ihn und Farlane gibt nach.

Farlanes Sohn George hat einen chinesischen Leibwächter namens Da Wang, der ein heimliches Mitglied der Kommunisten ist. Der erbärmlichen Lebensumstände der unteren Schichten sorgen für regen Zulauf in deren, von den Kriegsherren eher verachteten Bauernarmeen. General Zhang ist sich wegen des Streites nicht mehr sicher, ob ihn Farlane noch bei den Waffenkäufen unterstützt, und nimmt seinen Sohn als Geisel. Die Sache eskaliert und Farlane und seine Frau verlieren ihr Leben. Da Wang befreit George mit einer List aus General Zhangs Kerker und flieht mit ihm. Gemeinsam erleben sie den Erfolg der chinesischen Revolution. Da Wang steigt dabei politisch bis in die Nähe Maos auf und George lebt als begeisterter Anhänger des Kommunismus in China. Erst die Kulturrevolution trennt sie und Farlane mit seinem Sohn Stenton nur mit Hilfe Da Wangs schwer verletzt nach Hongkong entkommen.

Doch die beiden Männer sollen noch eine wichtige Rolle spielen. Als alter Mann ist Da Wang der führende Kopf hinter einer gewagten, militärischen Aktion, die die Welt an den Rand eines großen Krieges führen könnte. Da haben aber auch noch einige andere Personen in dieser Sache ihre Hände im Spiel.

Der Chinakenner Scofield hat hier einen ausgezeichneten Politthriller geschrieben, der gleichzeitig etwas von einer Familiensaga an sich hat. Gekonnt wechselt er zwischen den beiden Zeitebenen und macht so die Motivation mancher Protagonisten langsam klarer. Er beherrscht das Kunststück, die Handlungen der Personen mit einem dramatischen, politischen Geschehen spannend zu verknüpfen, hervorragend. Die ganzen Beziehungen unter den Protagonisten sind zwar etwas unrealistisch weit hergeholt, aber für die Spannung der Geschichte ein Gewinn. Wer mit Politthrillern nicht grundsätzlich wenig anzufangen weiß, wird dieses Buch vermutlich mit Genuss verschlingen.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Gelber Kaiser
Autor: Raymond A. Scofield
Verlag: Droemer
Seiten: 560
ISBN: 3426612054

Kopfüber in die Kissen

Erstellt am: November 6th, 2007

Lady Emma Wells-Finch, eine Britin, ist nach Amerika gekommen um ihren guten Ruf zu verlieren. Eigentlich nichts leichter als das denkt sie sich, wäre da nicht ihre Begleitung, Kenny Traveler. Der berühmte Golfspieler und Playboy ist gerade von seiner Lieblingssportart suspendiert worden und um wieder Golf spielen zu können, muss er sich tadellos benehmen. Ein ungleicheres Paar kann es also gar nicht geben.

Kenny bringt mit seiner langsamen und gemächlichen Art Lady Emma fast um den Verstand, während er von ihrer Angewohnheit immer die Führung übernehmen zu wollen, fast in den Wahnsinn getrieben wird. Der Beginn ihrer Bekanntschaft steht unter einem denkbar ungünstigen Stern, vor allem da Kenny Emma nicht die Wahrheit sagt wer er ist. Und bald schon macht er ihr das Angebot ihr persönlicher Callboy zu werden. Lady Emma die dringend etwas tun muss um ihren guten Ruf zu ruinieren, willigt ein.

Es kommt jedoch alles ganz anders, als Emma im letzten Moment herausfindet, das Kenny sich mit ihr lediglich amüsieren will. Von da an sind Missverständnisse, verfängliche Situationen und haarsträubende Situationen an der Tagesordnung. Können beide eine Lösung für ihre Probleme finden und trotzdem miteinander glücklich werden?

Auch hier beweißt Susan Elizabeth Phillips ihr Schreibtalent, allerdings hat mich der Roman nicht so begeistert wie frühere SEP Romane. Die langsame Art des Helden hat mich beim Lesen selber fast in den Wahnsinn getrieben da ich ihm am liebsten ständig einen Schubs gegeben und gesagt hätte: Mensch komm in die Gänge ;-)

Kritik geschrieben von IW, Herausgeberin von “Die Romantische Bücherecke” (http://www.die-buecherecke.de)

Titel: Kopfüber in die Kissen
Autor: Susan Elizabeth Phillips
Verlag: Goldmann / Blanvalet
Seiten: 400
ISBN: 3442352983

About a Boy

Erstellt am: November 6th, 2007

Den zwölfjährigen Marcus könnte man wohl als den typischen Loser bezeichnen. Er trägt statt der modernen angesagten Jugendmode total uncoole, von der Mutter aufgeschwatzte Klamotten, hat eine unmögliche Haarfrisur, eine dicke Brille, hört die falsche Musik – und zu allem Überfluss singt er auch noch gelegentlich ganz in Gedanken spontan vor sich hin. Kein Wunder, dass der arme Kerl in seiner neuen Schule zum Prügelknaben wird.

Fiona, seine alleinerziehende Mutter ist dem unglücklichen Jungen auch keine rechte Stütze, denn sie hat genug mit sich selbst und ihren Depressionen zu tun. Will, ein sechsunddreißigjähriger Faulenzer hat da offenbar das bessere Ende der Wurst erwischt. Gemütlich lebt er in den Tag hinein – zu arbeiten braucht er nicht, denn seinen Lebensunterhalt kann er locker aus den Tantiemen bestreiten, die ihm zufließen, weil sein mittlerweile verstorbener Vater vor Jahren ein sehr beliebtes Weihnachtslied komponiert hat. Seine Zeit vertreibt sich Will mit dem Herumstöbern in Plattenläden, mit dem Ansehen langweiliger Fernsehsendungen, mit Kiffen und mit der Jagd nach weiblichen Sexualobjekten.

Als sich eines Tages die Wege von Will und Marcus kreuzen, beginnt für beide eine komplizierte Beziehung in deren Verlauf sich nicht nur Marcus langsam entwickelt sondern auch Will neue Seiten an sich entdeckt.

Das Buch spielt in London in den Jahren 1993 und 1994. Hornby beschreibt eine Szenerie, die er offenbar aus eigenem Erleben sehr gut kennt, denn seine Figuren, die Art, wie sie reden, was sie tun, das alles wirkt vollkommen lebensecht und ehrlich. Der Roman ist unterhaltsam im besten Sinne. Er ist spannend, lustig, turbulent, anrührend, manchmal auch traurig und er hat durchaus literarisches Niveau – es macht Freude, ihn zu lesen und obwohl er einen gewissen Tiefsinn vermittelt, wirkt er an keiner Stelle piefig oder lehrerhaft, der erhobene Zeigefinger ist nirgends zu sehen.

Marcus’ Pubertätsprobleme werden genauso einleuchtend erörtert, wie Wills Suche nach dem Sinn des Lebens. Auch die Nebenfiguren sind liebevoll gezeichnet – da ist Fiona, die chaotische Mutter von Marcus, Clive, sein ganz sympathischer aber doch untauglicher Vater und Elli, eine fünfzehnjährige Rebellin, die niemanden so sehr verehrt wie den Nirvana-Sänger Curt Cobain.

Einziger Schwachpunkt ist der doch etwas zu lieblich geratene Schluss, der mir persönlich zu sehr nach Hera-Lind schmeckt.

Trotzdem ein empfehlenswertes Buch. Ich könnte mir übrigens vorstellen, dass sich die Geschichte sehr gut für einen Film eignen würde (mit George Clooney als Will und dem Jungen aus “The Sixth Sense” als Marcus).

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”

Titel: About a Boy
Autor: Nick Hornby
Verlag: Droemer
Seiten: 320
ISBN: 3426616904

Rosas Rückkehr

Erstellt am: November 6th, 2007

‘Sie stapfte langsam durch den weißen Sand auf ihn zu. Er hatte sie noch nicht entdeckt, blickte noch immer auf das Wasser und den Horizont. (…) Wie früher, dachte Rosa, seltsam gerührt. Sie war nur noch drei Meter von ihm entfernt und blieb stehen. “Hallo, Papa”, sagte sie mit rauher Stimme. “Ich bin’s. Rosa.” Keine Reaktion. Keine Bewegung. Kein Zucken im Gesicht. “Ich bin’s, Rosa”, wiederholte sie mit plötzlich trockenem Mund. “Ich bin wieder da.” Die überraschende Ankunft seiner jüngsten Tochter nach all den Jahren ließ den Vater offenbar kalt. Preußisch unerbittlich: aus den Augen, aus dem Sinn. Er tat so, als wäre sie gar nicht da.’

Die Rückkehr in den schleswig-holsteinischen Heimatort Scharbeutz hatte sich Rosa nach mehrjährigem USA-Aufenthalt wahrlich anders vorgestellt. Denn der Plan, ihre Familie zu überraschen, wird schon während der Anreise jäh durchkreuzt, als sie ihre Mutter entdeckt – in liebevoller Umarmung mit einem Mann, der nicht ihr Vater ist. Den trifft Rosa erst am folgenden Morgen. Die Wiedersehensfreude ist freilich ebenso verhalten wie einseitig, denn: Der erfolgreiche Bernstein-Händler Friedrich Liebmann ist tot, wurde erschossen.

Parallel zu Kommissar Hanno Finn beginnt Rosa gleichermaßen dem Täter wie seinem Motiv auf die Spur zu kommen und landet dabei im dicksten Morast ihrer eigenen Familiengeschichte.

Bestseller-Autorin Ingrid Noll behauptet, “Rosas Rückkehr” nur zum Essen und Schlafen aus der Hand gelegt zu haben und – in der Tat, es ist wirklich ärgerlich, die Lektüre des Buches durch derart profane Dinge unterbrechen zu müssen. Denn mit ihrem aktuellsten Roman ist Barbara Krohn erneut ein preisverdächtiges Werk gelungen, das weniger durch die Suche nach dem Mörder als viel mehr durch das Miteinander und Gegeneinander aller Familienmitglieder besticht. Die Autorin wirft einen wachen Blick hinter dieses Geflecht und fördert ungeahnte Wahrheiten über die persönlichen und geschäftlichen Verstrickungen des Clans zutage. Vor den Lesern breitet sich somit ein enorm spannender wie psychologisch tiefgründiger Plot aus, der bis zum Schluss Überraschendes bietet.

Barbara Krohn wurde 1957 in Hamburg geboren und lebt derzeit mit ihrer Familie in Ravensburg. Die außerdem als Übersetzerin tätige Autorin zählt zu den erfolgreichsten deutschen Krimi-Autorinnen. Ihre im Aufbau-Taschenbuch-Verlag erschienenen Titel “Der Tote unter der Piazza” sowie “Weg vom Fenster” wurden für den renommierten Glauser-Preis vorgeschlagen. (Ensa Maurer)

Titel: Rosas Rückkehr
Autor: Barbara Krohn
Verlag: Rütten & Loening
Seiten: 278
ISBN: 3352005826

Das Totenschiff

Erstellt am: November 6th, 2007

Er verpasst während eines kurzen Landurlaubes in Antwerpen die Abfahrt seines Schiffes und verliert dadurch seine Arbeitsstelle und, was sich als viel schwerwiegender herausstellt, seine sämtlichen dort zurückgelassenen Papiere. Da er seine Identität nicht nachweisen kann, wird er bald von der Polizei aufgegriffen und des Landes verwiesen. Aber er ist nirgends erwünscht und so beginnt eine kleine Odyssee von Belgien über Holland und Frankreich nach Spanien. Dort verhalten sich die Menschen großteils freundlich ihm gegenüber und er lebt so recht und schlecht dahin.

Doch als ihn ein Mann auf einem abgetakelten Schiff anheuern will, willigt er aus dem Aberglauben, eine Arbeit abzulehnen bringe Unglück, ein. Bald stellt sich heraus, dass er auf einem sogenannten Totenschiff gelandet ist. Diese Schiffe sind gut versichert und sollen möglichst überzeugend sinken um dem Eigner die Prämie einzubringen. Die Mannschaft besteht ausschließlich aus Staatenlosen, die in keinem Hafen verschwinden können, weil sie nirgends erwünscht sind. Ein totes Mannschaftsmitglied wird nirgends vermisst und darum sind die Arbeitsbedingungen und die Lebensumstände unvorstellbar hart. So kämpft sich die Mannschaft zum unausweichlichen Schicksal, in der Hoffnung, das Sinken des Schiffes irgendwie zu überleben.

Der Autor, dessen wahre Identität bis heute nicht zweifelsfrei feststeht, schildert das harte Schicksal des Heimat- und Arbeitslosen mit der Sprache der Betroffenen. Dieser, übrigens gut ins Deutsche übersetzte Slang und die Mischung aus Witz und Wut machen das Buch besonders eindringlich. Abseits jeder Ideologie wird die Unmenschlichkeit der Bürokratie und des Staates gegenüber den Ausgestoßenen beschrieben.

Obwohl das Buch die Zeit nach dem 1. Weltkrieg beschreibt, hat sich daran für Flüchtlinge bis heute wenig geändert und es ist somit leider brandaktuell. Die Abenteuer des Helden bestehen im Überleben in dieser feindlichen Außenwelt und in der später noch gefährlicheren Arbeit auf dem Schiff. Auch das dort jede Unmenschlichkeit als Notwendigkeit zur Erhaltung der Konkurrenzfähigkeit entschuldigt wird, erinnert nicht nur an die dunkelste Vergangenheit.

Obwohl die Handlung kaum wirkliche Höhepunkte hat, ist es nirgends langatmig. Dafür ist nicht zuletzt die hervorragende Erzählkunst des Autors verantwortlich.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: Das Totenschiff
Autor: B. Traven
Verlag: Diogenes
Seiten: 306
ISBN: 3257210981

C@sino Online

Erstellt am: November 6th, 2007

Jim, ein karrierebewusster Redakteur bei einer Zeitschrift über die Kultur des Computer- und Internetzeitalters, will unbedingt den Buchautor Darren Cooper treffen, um mit ihm über eine Idee zu einem Buch ins Gespräch zu kommen. Als er von einer Party erfährt, wo Cooper auftauchen soll, beschließt er auch hin zu gehen.

Kat, eine junge Praktikantin bei einem noch recht erfolglosen, jungen Computermagazin, ist mit einigen Freunden auch dort eingeladen.

Als Jim wegen einer Autopanne verspätet auf dieser Party erscheint, ist Cooper schon wieder weg. Doch er hat gesagt, dass er sich wahrscheinlich später am Abend noch einmal mit Kats Gruppe treffen will. Jim hört das, und überredet die jungen Leute bei ihm zu Hause weiterzufeiern, um Cooper doch noch zu treffen. Dort lässt er sich mitreißen, und konsumiert reichlich Pot und Alkohol und bricht schließlich im Bad völlig weggetreten zusammen.

Kat bemerkt seinen aufgedrehten Computer und durchstöbert seine Bookmarks. Dabei stößt sie auf eine Glücksspiel-Homepage und verspielt im Glauben, dass es nicht um richtiges Geld geht, eine sehr hohe Summe. Am nächsten Tag bekommt Jim eine E-Mail mit seinen Schulden von diesem Online-Casino und schreibt verärgert über den vermeintlichen Irrtum zurück, ist sich aber danach nicht sicher, ob er nicht in seinem berauschten Zustand doch gespielt hat.

Bald darauf trifft er wieder mit Kat zusammen und kommt ihr kurz näher. Als sie ihn auf ihrem Roller nach Hause fährt, bemerkt er ein Auto und einige zwielichtige Typen vor seinem Haus und Kat und er fliehen. Damit beginnt eine immer gefährlicher werdende Verfolgungsjagd für die Beiden.

Der Roman ist ein schwungvoller Thriller aus dem Umfeld der Technik-Freaks. Die Ausdrücke aus der Internetwelt werden ohne Erklärung benutzt, und darum mag sich jemand ohne irgend welche Erfahrungen in diesem Bereich vielleicht manchmal etwas schwer damit tun.

Die beiden Hauptpersonen werden in ihrer Persönlichkeit für mein Gefühl oft etwas zu schnell der Handlung angepasst. So wandelt sich Jim ziemlich übergangslos vom Erfolgsgeilen Unsympathler zum Good-Guy um den Leser die Identifikation nur ja nicht ein wenig anstrengend zu machen.

Insgesamt überwiegt aber aufgrund des flotten Tempos und des interessanten Umfeldes der positive Eindruck.

Kritik geschrieben von Alfred Ohswald, Herausgeber von Buchkritik.at

Titel: C@sino Online
Autor: Carla Sinclair
Verlag: Knaur
Seiten: 363
ISBN: 3426609460

Wie Frauen fischen und jagen

Erstellt am: November 5th, 2007

Jane ist vierzehn, als sie beginnt, sich für den Umgang mit dem anderen Geschlecht zu interessieren. Zunächst jedoch geht es noch nicht um ihre eigenen Liebesdinge, sondern sie beobachtet ihren Bruder Henry und dessen Freundin.

Einige Jahre später hat Jane dann selber diverse Beziehungen zu Männern. Doch sie hat kein Glück mit ihren Partnern, denn alle ihre Beziehungen sind mehr oder weniger stressig und scheitern schließlich.

Da ist zum Beispiel Jamie, der mit Jane in die Karibik reist und den Urlaub dazu nutzt um wieder mit Bella, seiner inzwischen verheirateten Exfreundin anzubändeln.

Der nächste Mann ist Archie, ein berühmter Lektor, mehr als doppelt so alt wie Jane, mit diversen gesundheitlichen und sexuellen Problemen geschlagen und obendrein auch noch Alkoholiker. Doch Jane hat auch nach der schließlich erfolgten Trennung Schwierigkeiten, sich von ihm zu lösen. Nach einigen Jahren beginnt sie die Beziehung erneut und erleidet zum zweiten Male Schiffbruch.

Der nächste Mann bringt Jane ebenfalls kein Glück und so langsam beginnt sie an ihrer sexuellen Attraktivität zu zweifeln.

Auf der Hochzeit ihrer besten Freundin lernt sie Robert kennen – ihren Traummann!

Diesmal will sie absolut nichts falsch machen und zieht das Büchlein “wie Frauen fischen und jagen” zu Rate. Die beiden Ratgeberinnen Faith und Bonnie versorgen sie mit Tips à là “mach’ dich rar” oder “lass ihn nach dir lechzen” und “wecke seine Eifersucht”.

Zunächst scheint die Strategie der beiden Beraterinnen aufzugehen, doch dann plötzlich zieht sich Robert von Jane zurück….

Das Buch ist leicht und locker mit einer gewissen Boshaftigkeit und einem wohlschmeckenden Spritzer Humor erzählt. Es ist angenehm zu lesen, unterhaltsam und an einigen Stellen sogar mit einem gewissen Tiefgang versehen. Obwohl auch einige traurige Stellen vorkommen, handelt es sich um ein vergnügliches Werk, das einen fröhlich stimmt. Das einzige, was mich an dem Roman stört, ist das etwas einsam im Raume stehende eingeschobene Kapitel über Janes Wohnungsnachbarin, vor allem weil es eine Weile dauert, bis der Leser überhaupt begreift, von wem da jetzt plötzlich die Rede ist. Doch ansonsten handelt es sich um ein erfreuliches Buch, das ich gerne weiterempfehlen möchte.

Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgebering von Evas Leseland

Titel: Wie Frauen fischen und jagen
Autor: Melissa Bank
Verlag: Diana
ISBN: 3828400302

Gemma

Erstellt am: November 5th, 2007

Im Gegensatz zu anderen Mädchen ihres Alters wächst Gemma Edwards sehr freizügig auf. Ihr Vater ist Seemann und sie wird nicht nur in Naturwissenschaften unterrichtet, sondern interessiert sich außerdem für die Geschäfte ihres Vaters und alles, was mit Schiffen zu tun hat. Ihr schönes Leben nimmt jedoch ein jähes Ende, als ihr Vater auf einer seiner Fahrten verunglückt. Von da an muss Gemma bei ihrer Tante leben, die sie wie eine arme Verwandte in der Küche arbeiten lässt, obwohl sämtliche Auslagen aus dem Vermögen ihres Vaters bezahlt werden. Als Gemma 19 Jahre alt ist, lädt ihre Tante sie zum ersten Mal ein, mit ihr zu verreisen. Sie fahren nach Kenmore Manor und treffen dort auf Sir Ranleigh. Gemma ist zwar verblüfft darüber das ihre Tante ihr nicht verraten will was sie hier machen wollen, aber sie glaubt den Grund bald herauszufinden. Sie hat nicht die leiseste Ahnung, dass ihre Tante versucht mit Hilfe von Sir Ranleigh an ihr Vermögen zu kommen.

Kurz darauf wird Gemma jedoch von Bryce Campbell, dem Sohn von Lord Kenmore kompromittiert und ist gezwungen ihn zu heiraten. Gleich nach der Trauung schafft es Sir Godfroy Ranleigh jedoch, einen Keil zwischen die Eheleute zu treiben. Bryce reist daraufhin sofort nach London ab und Gemma, die inzwischen gemerkt hat das man ein falsches Spiel mit ihr getrieben hat, läuft fort. Sie verkleidet sich als Straßenjunge und will sich ein Schiff suchen, was sie mit nach Amerika nimmt. In London, nachdem sie einen Monat auf der Straße gelebt hat, schafft sie es endlich auf einem Schiff anzuheuern. Sie hat jedoch keine Ahnung das der Kapitan der Dragonfly ausgerechnet Bryce Campbell ist.

Anfangs genießt es Gemma endlich England hinter sich zu haben und sie versucht Bryce aus dem Weg zu gehen. Dann kommt aber der Moment, wo ihre Tarnung auffliegt. Was wird ihr Ehemann tun? Schließlich hält er sie für ein treuloses Ding, das ihn mit einer Falle in die Ehe gelockt hat.

Ein echtes Juwel! Petra Last hat es geschafft mit “Gemma” einen waschechten Liebesroman im Stil der Grande Dame des Genres zu schreiben. Da braucht man den Vergleich mit Laurie McBain oder früheren Kathleen E. Woodiwiss Büchern wirklich nicht zu scheuen. Ein tolles Buch mit genau der richtigen Menge Herz-Schmerz, Liebe und Spannung!

Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke und Moments

Titel: Gemma
Autor: Petra Last
Verlag: Tebbert
Seiten: 470
ISBN: 3897381923

Ein perfekter Freund

Erstellt am: November 5th, 2007

“Es war vor allem der Geruch, der ihn davon abhielt, die Augen zu öffnen. Es roch nach Krankenhaus” – damit beginnt das Erwachen des Journalisten Fabio Rossi aus einem wochenlangen Blackout. Nach und nach erfährt er, dass er eine Kopfverletzung hat, ein Schädel-Hirn-Trauma, das von einem Schlag auf den Kopf herrührt. Fabio kann sich an nichts erinnern. Auch die Frau an seinem Bett, die ihm Blumen bringt und ihn küsst, kennt er nicht. Seine Freundin Norina indessen, seine große Liebe, lässt sich nicht sehen und ist telefonisch ebenfalls nicht zu erreichen. Da ihm fünfzig Tage fehlen, beginnt er, Schritt für Schritt, sein Leben zu rekonstruieren und entdeckt lauter Rätsel. Zuerst fällt ihm ein Interview ein, das er mit einem Lokomotivführer führte, dem sich ein Selbstmörder vor die Lok geworfen hatte. Offensichtlich hatte Fabio an einer größeren Geschichte gearbeitet. Doch wo war sie? Hat sie ihm womöglich Lucas geklaut so wie er sich seiner Freundin bemächtigt hat? Dann erfährt Fabio, dass er kurz vor seinem Unfall seinem Arbeitgeber gekündigt und auch andere ihm unwahrscheinlich dünkende Dinge getan hat. Er kennt sich selbst nicht wieder, zumal seine Programme und E-Mails auf Computer und Handy gelöscht sind und sein Code für sein Bankkonto geändert wurde. Auf dem Konto selbst liegen jedoch über zehntausend Franken dank einer größeren Überweisung vom “Sonntag-Morgen”, der Zeitung, für die Fabio bisher geschrieben hat. Auch dies kann er sich nicht erklären.

Wie ein Blinder tastet er sich durch die Finsternis der verloren gegangenen Zeit. Gerüche und Bilder erweisen sich bei der Suche als die stärksten Stimulanzien. Aber immer noch weiß Fabio nicht, ob er er einem Anschlag oder einem Unfall den Ausfall seines Gedächtnisses verdankt. In einer Schrebergartenidylle wird schließlich das Geheimnis gelüftet, und Fabio muss sich eingestehen, dass er gar nicht das unschuldige Opfer war, für das er sich nach dem Aufwachen aus dem Koma gehalten hat.

Überzeugend, lakonisch und temporeich, mit vielen brillanten Dialogen, erzählt Martin Suter – er war bisher Werbetexter und Journalist und legt nun seinen dritten Roman vor – die Geschichte einer Persönlichkeitsspaltung und treibt mit Schein und Sein ein ironisches Spiel. Die Spannung hält bis zum Schluss an, so dass bei diesem aufregenden Psychokrimi, aus dem am Ende noch ein Industriethriller wird, Langeweile überhaupt nicht aufkommt. (Ursula Homann)

Titel: Ein perfekter Freund
Autor: Martin Suter
Verlag: Diogenes
Seiten: 352
ISBN: 3257063067

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