Der Sturm
Erstellt am: November 2nd, 2007In den letzten Oktobertagen des Jahres 1991 tobt vor der Ostküste Amerikas ein gewaltiger Sturm. Zwei riesige Schlechtwettergebiete – die Reste des Hurrikans Grace und ein weiteres Tief, das vom kanadischen Festlandsockel in Richtung Osten zieht – vereinigen sich zu einem Inferno.
Der Kutter Andrea Gail, der sich nach mehreren Wochen Schwerfischfang auf dem Rückweg zu seinem Heimathafen Gloucester in Massachusets befindet, gerät in dieses schreckliche Unwetter und ist seitdem verschwunden – und mit ihm die sechs Fischer, die mit ihm unterwegs waren.
Auch andere Schiffe geraten während des Orkans in Seenot, doch ihre Besatzungsmitglieder haben mehr Glück, als die Leute von der Andrea Gail, sie können aus teilweise aussichtslos anmutenden Situationen gerettet werden.
Der Tatsachenroman erzählt die Geschichte der sechs vom Meer verschlungenen Fischer und von dem, was über ihre letzte Fahrt bekannt ist , von ihren Familien, ihren Träumen. Junger berichtet über das untergegangene Schiff und über die meteorologischen Bedingungen, die zu dem Sturm führten, in dem es sank. Wir erfahren etwas über die geographischen Besonderheiten der Gegend und über die abenteuerlichen Rettungsaktionen, durch die andere Schiffbrüchige befreit werden konnten.
Das Buch hat Licht- und Schattenseiten.
Einerseits gefällt der Roman durch eine sehr glaubwürdige und nachvollziehbare Schilderung der Geschehnisse. Der Autor hält sich an die Fakten und enthält sich erfreulicherweise jeder Wertung oder Schuldzuweisung. Die Berichte über die abenteuerliche Rettung der Mannschaft einer in Seenot geratenen Segelyacht oder von Mitgliedern der Nationalgarde, die durch einen missglückten Rettungsversuch nun selbst in große Gefahr gerieten, ist spannend und bewegend.
Auf der anderen Seite jedoch langweilt der Autor durch bis in die kleinste Einzelheit genaue Beschreibung fischereitechnischer oder seefahrerischer Details. Er benutzt Ausdrücke, die ich, als Landratte noch nie in meinem Leben gehört habe, seitenlang schwelgt er in der Aufzählung von Schiffsgerät.
Die Menschen, die mit der Andrea Gail untergingen, bleiben mir fremd. Natürlich gibt es über ihre letzten Stunden keinerlei Kenntnis, niemand weiß, was mit den Fischern wirklich geschah, wie sie sich fühlten, welche Angst sie empfanden. Doch meiner Meinung nach hätte es dem Buch nicht geschadet, wenn der Autor hier die Ebene der reinen Tatsachenschilderung verlassen und statt dessen ein wenig fabuliert hätte.
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.
Titel: Der Sturm
Autor: Sebastian Junger
Verlag: Heyne
Seiten: 348
ISBN: 3453152549
Lichtjahre
Erstellt am: November 2nd, 2007Eine stillere, ruhigere, melancholischere Liebesgeschichte habe ich lange nicht gelesen!
Ein Ehepaar, glücklich, zufrieden ,materiell abgesichert, lebt mit zwei Töchter in einem alten Haus , behaglich und geruhsam bei New York.
Es gibt Freunde, man trifft sich ,– alles in allem sieht das Leben glücklich und zufrieden aus. Sie sind alle so ca. Mitte dreißig.
Doch die Schilderung steuert auf einen Herbst des Lebens zu. Schon früh deutet sich diese Entwicklung an.
Viri und Nedra, die Hauptakteure, leben sich ganz unauffällig und unspektakulär auseinander. Sie beginnt eine Affäre,– aber das ist gar nicht ausschlaggebend. Sie scheint mit dem Gleichmaß ihres Lebens nicht mehr klarzukommen und sucht einen neuen , anderen Weg für ihr Leben.
Fast kann man ihre Träume nach Veränderung nicht verstehen, so harmonisch verläuft das Leben für sie und ihre Familie .Die Eltern, Viri und Nedra, lieben ihre beiden Töchter sehr. Dennoch ,– eines Tages ist es klar: sie wird ihren Mann verlassen; sie geht nach Europa. In lakonischem Berichtsstil wird mit der Scheidung die Ehe beendet ,—es erschüttert den Leser sehr. Kein Aufruhr, keine Rebellion , kein Streit geht diesem Schlusspunkt einer Ehe voran. Einzig der Lauf des Lebens, die Abnutzung von Gefühlen machen das Ende der Ehe verstehbar.
Denn eines ist klar: es geht um Vergänglichkeit von Liebe ,Lust und Leidenschaft, ja, um die Vergänglichkeit von Glück, Dauerhaftigkeit von Beziehungen und im letzten Ende um den Tod.
Ein schönes, ruhiges und sehr empfehlenswertes Buch! (Claudine Borries)
Titel: Lichtjahre
Autor: James Salter
Verlag: rororo
Seiten: 382
ISBN: 3499224348
Der See der Träume
Erstellt am: November 2nd, 2007Fast 20 Jahre ist Annie Colwater jetzt mit ihrer Jugendliebe Blake verheiratet. Als ihre einzige Tochter für einige Monate nach England reist, erfährt Annie, das ihr Mann eine Freundin hat, sie nicht mehr liebt und sich scheiden lassen will. In diesem Chaos scheint es nur einen Ausweg zu geben, Annie beschließt für einige Monate Los Angeles zu verlassen und zurück zu ihrem Vater zu gehen nach Mystic im Staate Washington, der kleinen Stadt wo sie aufgewachsen ist. Verfolgt von Depression und Schlafstörungen, trifft sie einige spontane Entscheidungen, die sie dann gleich wieder bereut. Dann erfährt sie jedoch, das ihre beste Jugendfreundin gestorben ist. Diese war mit Nick Delacroix verheiratet. Damals zu Schulzeiten waren alle drei die besten Freunde und Annie war auch heimlich in Nick verliebt, aber dieser hat sich für Kathy entschieden.
Annie beschließt Nick zu besuchen. Sie erfährt das er eine sechsjährige Tochter hat, Izzy, die seit dem Selbstmord ihrer Mutter, die manisch-depressiv war, kein Wort mehr gesprochen hat und der Meinung ist, sie würde verschwinden. Annie stimmt zu, tagsüber auf Izzy aufzupassen, da man sie der Schule verwiesen hat. Niemand scheint mit dem seltsamen kleinen Mädchen umgehen zu können. Langsam aber sicher schafft es Annie, sich selbst zu entdecken und Izzy wieder Spaß am Leben einzuhauchen. Auch Nick hilft sie wieder auf die richtige Spur, denn die 8 Monate seit dem Tod seiner Frau hat er fast nur im Alkoholrausch verbracht.
Nick und Annie kommen sich immer näher und beide fragen sich, warum sie damals nicht zusammengeblieben sind. Nick weiß allerdings, das Annie sich noch nicht richtig von ihrem Mann gelöst hat und in einigen Monaten nach Los Angeles zurückkehren wird, wo die Scheidung auf sie wartet. Trotzdem verlieben sie sich Hals über Kopf ineinander. Das Leben könnte so schön sein, wenn da nicht plötzlich Blake in Mystic auftauchen würde, mit dem festen Vorsatz, Annie zurückzugewinnen.
Auch mit “Der See der Träume” hat Kristin Hannah eine herzergreifende Geschichte über eine Frau geschrieben, die wieder zu sich selbst finden muss. Ähnlich wie in “Wenn Engel schweigen”, heißt es Taschentücher in Reichweite zu haben. Ein sehr empfehlenswertes Buch!
Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke und Moments
Titel: Der See der Träume
Autor: Kristin Hannah
Verlag: Ullstein
Seiten: 352
ISBN: 3550083599
Wer nicht hören will, muß fühlen
Erstellt am: November 2nd, 2007‘Das hier war jedenfalls ein Mensch.’, stellt Rosa entschieden fest, als sie beim Ausheben einer Grube für ein Pfirsichbäumchen im Garten von Luise Pauly auf Knochen trifft. Von der alten Dame sind freilich, wie sie prompt erfahren muss, keinerlei Details zur Identität des Toten zu erwarten. Sie beschränkt sich auf ein lapidares ‘Ich hab’s vergessen.’ und fordert ihre Gärtnerin auf, die Gebeine wieder in der Gruft verschwinden zu lassen.
Doch Rosa denkt gar nicht daran, sondern nimmt die menschlichen Überreste an sich und beginnt – vom Ehrgeiz angestachelt, Antworten auf Fragen über ihren mysteriösen Fund zu bekommen – auf eigene Faust zu recherchieren. Dabei stößt sie, die noch inmitten des Mobiliars und der Hinterlassenschaften ihrer Mutter wohnt, die sich im Alter von 35 Jahren aus dem Familienleben schlich, auf immer beklemmendere Einzelheiten ihrer eigenen Geschichte. Davon überzeugt, dass die Wahrheit weitaus weniger zerstörerisch sein wird, als bohrende Zweifel es wären, macht sie sich daran, das Puzzle ihrer Vergangenheit zusammen zu setzen.
Die Geschichte, die Susanne Mischke in ihrem Buch “Wer nicht hören will, muß fühlen” um ihre Protagonistin Rosa Ganni erzählt, ist eine, bei der das Mitdenken unverzichtbar ist, will man im Flechtwerk der Handlungsstränge nicht den Überblick verlieren. Den zu behalten, lohnt sich wahrlich, denn Mischke eröffnet den Lesern gleichermaßen amüsant wie packend den Blick in menschliche Abgründe, springt mit ihnen von der Jetzt-Zeit Rosas in die Retrospektive ihrer Mutter Hemma und konfrontiert sie mit überraschenden verwandtschaftlichen Verknüpfungen, die vor keiner ihrer Figuren Halt machen. Inspiriert vom Stil englischer Ladies of Crime, ohne jedoch ihren eigenen zu verlieren, führt sie ihre Figuren in “Wer nicht hören will, muß fühlen” furios durch ein Labyrinth von Beschaulichkeit und Bestürzung.
Susanne Mischke wurde 1960 in Kempten geboren, lebte einige Jahre in Berlin und wohnt heute in der Nähe von Darmstadt nahe eines Friedhofs. Bevor die Schriftstellerin und Journalistin zum Schreiben kam, ging sie den unterschiedlichsten Tätigkeiten nach und agierte als Schauspielerin, Kellnerin oder auch als Versuchsobjekt von Psychostudien. 1994 debütierte sie mit dem Roman “Stadtluft” und schaffte bereits 1996 mit dem Krimi “Mordskind” den Sprung in die Bestseller-Listen. (Ensa Maurer)
Titel: Wer nicht hören will, muß fühlen
Autor: Susanne Mischke
Verlag: Piper Verlag
Seiten: 312
ISBN: 3492042414
Unter der Stadt
Erstellt am: November 2nd, 2007‘Er hatte geglaubt, sich im Gefängnis über die wichtigsten Dinge klarzuwerden. Vier Jahre Zeit, um das eigene Leben im Kopf zu ordnen. Aber als er kurz vor der Entlassung stand, merkte er, dass die Zeit einfach vergangen war, ohne Fortschritt, ohne Entwicklung oder Ergebnis.’: Mit diesem eher tristen Bündel von Erkenntnissen wird Paul Holbig Ende der neunziger Jahre aus der Haft und in die Realität des boomenden Molochs Berlin entlassen.
Vieles hat sich in der Zwischenzeit verändert, manches hingegen gar nicht: Der Stadt wurden stetig neue Gesichtszüge übergestülpt während der 31-Jährige hinter Gefängnismauern den Tod seines besten Freundes Hans sühnte – die Frage, ob er wirklich schuldig war, war jedoch geblieben. Völlig neue Perspektiven tun sich für den ehemaligen Studenten allerdings finanziell auf: Der Saldo seines lange Zeit verwaisten Girokontos präsentiert ihm überraschend ein sechsstelliges Guthaben und in einem Schließfach erwartet ihn neben einem Willkommensgruß die Mitteilung, dass er für jedes Jahr Haft mit 200.000 Mark an ein Wertpapierdepot entschädigt wurde – anonym.
Paul beginnt, das Mosaik aus Erinnerungsstücken an den Streit mit Hans, die Tat, derer er sich schnell schuldig fühlte, und seine Haftzeit zusammen zu setzen und nimmt die Spur der geheimnisvollen Mäzene auf.
Der Roman “Unter der Stadt” ist ein in vielerlei Hinsicht beachtliches Erstlingswerk, dessen thematischer Facettenreichtum Stoff für mehrere Bücher geboten hätte. Autor Christian Försch jedoch arrangiert alle Aspekte äußerst raffiniert zu einer Geschichte. Distanziert beobachtet und pointiert beschreibt er die Entwicklung seines Protagonisten Paul Holbig sowie die der deutschen Hauptstadt, bevor er die Leser in den Sog einer packenden Krimi-Handlung zieht, die mit etlichen Überraschungen aufwartet.
Der 1968 in Bad Kissingen geborene Christian Försch lebt seit 1998 als freier Autor in Berlin und verfasste etliche Erzählungen, Features und Hörspiele für den Rundfunk. Er studierte Germanistik, Philosophie, Musikwissenschaften und Italienisch. Zwischen 1996 und 1998 arbeitete er als Dolmetscher, Autor und Übersetzer u.a. in Ferrara/Italien. (Ensa Maurer)
Am 28. März 2001 liest Christian Försch im Rahmen der Debütanten-Runde ab 20 Uhr im “LCB – Literarisches Colloquium Berlin” (Am Sandwerder 5; Telefon: 030-8169960) aus seinem Roman “Unter der Stadt”.
Titel: Unter der Stadt
Autor: Christian Försch
Verlag: Aufbau Verlag
Seiten: 304
ISBN: 3351029101
Das Vermächtnis der Eszter
Erstellt am: November 2nd, 2007Das Buch ist 1939 erstmals erschienen.
Wieder, wie in dem Roman ” Die Glut” vom selben Autor, geht es um eine Lebensgeschichte, die aus der Rückschau eines längst gealterten Menschen erzählt wird.
Eszter, die Erzählerin, berichtet über Lajos, ihre einzige Liebe. Aber die Geschichte ist sehr lange her.
Es stehen sich Menschen gegenüber, von denen die einen naiv, lauter, ehrlich und ehrbar sind; die anderen sind von unstetem Charakter, unehrlich, gerissen, auf den eigenen Vorteil bedacht und das ohne jede Rücksicht auf die Folgen für die, die sie schädigen.
So hat Lajos entgegen allen Erwartungen die Schwester von Eszter geehelicht. Diese ist schon lange verstorben. Die aus diese Ehe hervorgegangenen Kinder haben denselben berechnenden Charakter wie ihr Vater Lajos.
Es ist eine Geschiche von Lug und Betrug, und davon, wie Menschen rücksichtslos jene, von denen sie geliebt werden, zugrunde richten können. Auch davon, wie einzelne Charaktere mit Selbstinszenierungen und Theaterspiel als Lebenselixier sich selber und andere zu täuschen vermögen.
Die Geschichte ist grausam in ihrem psychologischen Darstellungsgehalt und dennoch wahr trotz der scheinbaren und fast unglaubhaften Überzogenheit.
In einem kurzen Vorspann wird wieder einmal die Lebensweisheit und Lebensmüdigkeit des Autors, aber auch die Resignation darüber, was Menschen einander antun können, in wunderbarer Weise in Worte gefasst.
Es ist ein empfehlenswertes Buch für alle jene, die bei der Auswahl ihrer Romanlektüre einen philosophischen und psychologischen Hintergrund suchen. (Claudine Borries)
Titel: Das Vermächtnis der Eszter
Autor: Sándor Márais
Verlag: Piper
Seiten: 165
ISBN: 3492041981
Fieberträume
Erstellt am: November 2nd, 2007Er ist wahrlich nicht vom Erfolg verwöhnt, der junge Werbetexter Mark, dessen Weg auf der Karriereleiter ziemlich stockend verläuft. Doch dann lernt er Nadja kennen, die nicht nur attraktiv und charismatisch, sondern auch Tochter einflussreicher Eltern ist. Schnell entdeckt er in ihr seine Traumfrau und eine reale Person, die seine Vorstellungen erfüllt. Gleichzeitig aber spürt er von Nadja eine Gefahr ausgehen – die Gefahr, sich selbst zu verlieren.
Zunächst indes bedeutet sie für ihn einen Gewinn auf ganzer Linie: Sein ramponiertes Ego wird durch die Frau an seiner Seite aufgewertet, das Haus im Frankfurter Westend, Hochzeitsgeschenk der Schwiegereltern, schafft einen überaus ansehnlichen Rahmen, und die Kontakte seines Schwiegervaters sorgen rasch für beruflichen Aufwind. Einzig ein Foto, das Nadja mit zwei Männern zeigt, überzieht das eheliche Miteinander mit dunklen, bedrohlichen Schatten. Immer tiefer gerät Mark in einen Sog aus Zweifeln, Ängsten und Phantasien, und findet sich schließlich in einer Wahnwelt wieder, die ihn fest in den Klauen hält. Von rasender Eifersucht und der Überzeugung getrieben, mit seiner Tat Unheil von Nadja und sich abzuwenden, ertränkt er Arnold, den das Foto an Nadjas rechter Seite zeigte, in dessen Pool. Wenig später kommt auch Tom, der Mann an Nadjas linker Seite, bei einem vermeintlichen Unglücksfall um’s Leben. Wieder glänzt bei den Ermittlungen der Gedanke, dass Mark nachgeholfen haben könnte, durch Abwesenheit. Als sich das Zusammenleben für Nadja bis an die Grenze zur Unerträglichkeit entwickelt hat, verlässt sie ihren Mann und verschwindet spurlos.
Jahre später kehrt Mark von einem zweijährigen Zürich-Aufenthalt nach Frankfurt zurück, wo er auch Nadja wieder zu finden hofft. Doch zunächst wird er gefunden – von einem seiner Opfer, das ihn fortan mit Briefen zurück in seine Wahnwelt treibt.
Mit seinem Roman “Fieberträume” zieht Gert Zielke die Leser zuerst behutsam, dann immer beharrlicher in eine Welt der dunklen Mächte, deren Grenzen zwischen Wahn und Wirklichkeit sich aufgelöst haben. Mit einer Sprache, die prägnant und sachlich ist, beschreibt er das beklemmende Seelenleben eines Psychopathen.
“Fieberträume” ist der erste Roman des 50-jährigen Autors Gert Zielke, der in Frankfurt am Main lebt und bislang als Songtexter und Creative Director in Deutschland sowie in der Schweiz arbeitete. (Ensa Maurer)
Titel: Fieberträume
Autor: Gert Zielke
Verlag: Reclam Verlag Leipzig
Seiten: 128
ISBN: 3379017183
Das Eiskind
Erstellt am: November 2nd, 2007Jo Harper ist Reporterin und um eine Reportage zu schreiben, muss sie das Thema mit dem sie sich befassen soll, auch richtig interessieren. Als sie daher zum ersten mal von Douglas Marshall hört und das der berühmte Forscher vermisst wird, hat sie keine Lust die Story zu übernehmen. Absolut nichts reizt sie an dem Thema. Ihre Freundin jedoch überzeugt sie davon, den Fall zu recherchieren. Und bald erfährt Jo, das Douglas Marshall, ein berühmter Archäologe, sich seit Jahren mit der legendären Franklin-Expedition befasst, die 1845 aufbrach, die Nord-West-Passage zu erforschen und bei der alle Männer starben.
Die Geschichte um die Franklin-Expedition beginnt auch Jo in den Bann zu ziehen, aber als sie versucht näheres über Douglas Marshall herauszufinden, stößt sie auf eine Mauer aus Schweigen. Seine Frau will nicht mit ihr reden, der Sohn scheint eh eine komische Beziehung zum Vater zu haben und ansonsten kümmert es niemanden, das er im Eis als verschollen gilt. Kurze Zeit darauf wird er jedoch lebend gefunden und Jo trifft den charismatischen Mann zum ersten Mal. Sie schreibt eine Reportage über ihn und seine Arbeit und es bleibt nicht aus, das die beiden sich trotz des großen Altersunterschiedes ineinander verlieben. Das Leben könnte gar nicht schöner sein. Kurz darauf jedoch, als Jo und Douglas heiraten will, kommt er bei einem Unglück ums Leben.
Zwei Jahre später, als Jo glaubt ihr Leben wieder im Griff zu haben, schlägt jedoch das Schicksal noch einmal grausam zu und es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit.
“Das Eiskind” ist wirklich eine ungewöhnliche und fesselnd geschrieben Geschichte, jedoch muss ich fairerweise sagen, das ich solche dramatischen Romane normalerweise nicht lese. Daher kann ich das Buch nur aufgrund seiner faszinierenden Geschichte bewerten. Die Autorin beginnt praktisch mit dem Ende der Story, um dann in Rückblenden alles zu erzählen. Außerdem gibt es im Buch ständig Sprünge zwischen Gegenwart und Vergangenheit, denn das Schicksal der Franklin-Expedition, wird ebenfalls erzählt. Wer auf der Suche nach einem ungewöhnlichen Buch ist, kommt an “Das Eiskind” nicht vorbei, denn alles in allem verspricht der Roman ein Bestseller zu werden.
Kritik geschrieben von Isolde Wehr, Herausgeberin der romantischen Bücherecke und Moments
Titel: Das Eiskind
Autor: Elizabeth McGregor
Verlag: Blanvalet
Seiten: 480
ISBN: 3764501227
Ein fröhliches Begräbnis
Erstellt am: November 2nd, 2007Dieses ist ein Buch , das aus dem turbulenten Künstlermilieu russischer Emigranten in New York berichtet. Alik , ein Maler russischer Herkunft , ist an amyotrophischer Lateralsklerose erkrankt, einem unheilbaren Muskelschwund mit letalem Ausgang.
Er ist aus dem Krankenhaus heimgekehrt, weil er zu Hause in seiner gewohnten Umgebung sterben will. Ein bunter Haufen russischer, jüdischer Einwanderer ist um ihn versammelt: Freunde, ehemalige Geliebte, seine etwas verrückte Frau Nina, Haustiere etc.
Es ist ein ständiges Kommen und Gehen in der Wohnung.Manche nächtigen dort, andere wieder erscheinen nur von Zeit zu Zeit. Von einigen erfährt man mehr, von den anderen weniger aus dem Leben. Ehemalige Zirkusakrobaten und irgendwie sich durchschlagende mehr oder weniger skurrile andere Personen bevölkern diese Künstlerwohnung. Es ist auch schwer, alle diese Leute auseinander zuhalten und in Beziehung zu bringen.Es wird getrunken und geraucht und ab und zu kauft derjenige, der über das meiste Geld verfügt, etwas zu essen oder zu trinken ein. Wodka wird von allen konsumiert und über genügend Geld verfügen nur die wenigsten.
Alik liegt in einer sich ständig steigernden Agonie zwischen allen diesen Menschen. Er wird zwischen Bett und Stuhl hin und her getragen und liebevoll mit allem versorgt. Er hat viele Freunde, so auch einen Arzt, Fima, der versucht, ihm das Sterben zu erleichtern.
Es scheint, dass Alik in seinen Agonieträumen das Leben um sich herum genießt.
Insgesamt entwirft die Autorin Ulitzkaja ein amüsantes , lebendiges, witziges und fröhliches Bild aus dem russisch-jüdischen Emigrantenleben in einem Teil New Yorks . Wer sich gerne darüber informieren möchte und Spaß an den nicht in die Norm des durchschnittlichen Bürgertums passenden Figuren hat, der wird voll auf seine Kosten kommen.
Das eigentliche Begräbnis beendet erst diese Todesgeschichte, die nie zu ernst oder gar tragisch wirkt. Ein fröhliches Begräbnis wahrlich, denn Alik erscheint allen noch mal auf einer Kassette. Er fordert zum fröhlichen Trinken und Feiern auf!
Ljudmila Ulitzkaja lebt in Moskau, und es erstaunt, wie genau sie sich in New York und bei den russischen Amerikaeinwanderern auskennt, so dass wir einen wirklichen Lesegenuss aus der munteren Geschichte ziehen können. (Claudine Borries)
Titel: Ein fröhliches Begräbnis
Autor: Ljudmila Ulitzkaja
Verlag: Bastei Lübbe
Seiten: 206
ISBN: 340492035X
Der Marsch ins Reich der Caoba
Erstellt am: November 1st, 2007Caoba – so nennen die Südamerikaner das wertvolle Mahagoniholz, das nur im tiefsten Dschungel wächst.
Um es zu ernten müssen die Holzarbeiter, meist bettelarme Indios, gewaltige Anstrengungen auf sich nehmen, sie werden ausgebeutet und müssen bis zur totalen Erschöpfung schuften – viele von ihnen überleben die Strapazen nicht. Der Indio Celso ist einer der Ausgebeuteten. Um sich das Geld für seine Hochzeit zu verdienen geht er zunächst für zwei Jahre freiwillig in eine Monteria, wo das Holz geschlagen wird. Rasch erwirbt er sich den Ruf eines besonders intelligenten, fleißigen und belastbaren Mannes. Als sein Arbeitsvertrag abläuft und Celso endlich in sein Heimatdorf zurückkehren möchte um dort sein geliebtes Mädchen zu heiraten, versucht der Chef des Holzunternehmens mit allen Mitteln einen solch guten Arbeiter in seinem Unternehmen zu halten. Dies gelingt ihm nur mit betrügerischen Tricks und durch die tätige Mithilfe zweier Anwerbeagenten, die sich als gemeine und hinterhältige Schurken erweisen.
Celso kann seinem Schicksal nicht entgehen und muss erneut den Weg in die Monteria antreten – er weiß, dass er weder die Frau, die er liebt, noch seinen Heimatort jemals wiedersehen wird. Bar jeder Hoffnung sinnt er auf Rache.
Der Autor, hinter dessen Pseudonym B.Traven sich vermutlich der deutsche Anarchist Ret Marut, verbirgt, lässt auch in diesem Buch nie einen Zweifel daran aufkommen, auf welcher Seite sein Herz schlägt. Mit deutlichen und klaren Worten beschreibt er die unzumutbaren Arbeits- und Lebensbedingungen der armen Holzarbeiter. Obwohl das Buch vor fast siebzig Jahren erschien, wirkt die Sprache so zeitgemäß, so frisch und unverkrampft, als sei der Roman erst gerade geschrieben worden. Traven scheut weder vor klaren Stellungnahmen noch vor derben Kraftausdrücken zurück und lässt dabei auch nie Ironie und Humor vermissen.
Gerade weil er nicht in Weinerlichkeit oder belehrendes Gewäsch verfällt, vermag der Roman seine Leser bis heute zu bewegen.
Es fehlt ihm allerdings – zumindest stellenweise – die packende Dramatik, mit der mich “das Totenschiff”, Travens wohl berühmtester Roman, begeistert hat.
Kritik geschrieben von Eva Behrens, Herausgeberin von “Evas Leseland”.
Titel: Der Marsch ins Reich der Caoba
Autor: B. Traven
Verlag: Diogenes
ISBN: 3257211066
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